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Kap 33 – Wie GOTT den Tempel fegt. Sein ATMA – ARIEL, der (das) Oberste vom …

Wie GOTT den Tempel fegt. Sein ATMA – ARIEL, der (das) Oberste vom Feuerherd und Gnadenbund. Michas Tollkühnheit

33. Kapitel

Als Herold meldet Muriel den König an. Asarja dreht sich hastig um, für nichts mehr einen Sinn. „Endlich!“ Die ungeheure Nervenprobe macht sich geltend, nun er sich geborgen weiß. Ariel berührt ihn sanft. „Ein Willkomm des Herzens kann den Mund entbehren. Das trifft bei dir zu, Hoherpriester von Jerusalem. Gott wird heute dein Amt segnen samt jene, die wahre Priester sind. Die anderen“, ein Feuerblick fällt auf die Meuterer, „weist Er aus. Vielleicht, daß sie einmal wieder Gnade vor Ihm finden!“

Chilijon rast wie besessen: „Wer bist du? Hier einzudringen hast du kein Recht!“ Muriel tippt ihn mit der Schwerthand an: „Wer in Gottes Tempel gehen kann, bestimmt der HERR!“ „Allerdings“, faucht Matguel, „unser Herr, aber keine Heiden, wie ihr Chaldäer welche seid. Ihr Satansbrut!“ „Genügt dir das noch nicht?“ weist Muriel auf seine Rüstung. Ein ‚Bock‘ zieht Matguel zurück und zischelt ihm ins Ohr: „Bist du verrückt, den Geharnischten zu reizen?“

Ariel befiehlt den Schwätzern: „Setzt euch!“ „Wir haben Besseres zu tun, als deinem Zauber zuzusehen“, gurgelt Matguel. „Doch, du siehst zu!“ Dem Ton ist nicht zu widerstehen, in nichts ähnelt er der Stimme in der Nacht. Wie Schuppen fällt es Asarja von den Augen, Parnach, Sephthan und Hezeron desgleichen. Samser und Jehiel sehen sich erschrocken an. Etwas Unerhörtes ist geschehen. Muriel hilft die Schafe sammeln; die Gehörnten drücken sich in eine Ecke, von wo aus sie das Weite zu gewinnen hoffen.

Ariel zerstört ihr Ziel. Unversehens treten fremde Krieger ein und besetzen jede Tür. Die Verräter werden fahl. Asarja sitzt zwischen Ariel und Isa-i. Jemandes Hand muß er erfassen; ihn erdrückt es schier, daß er an Gottes Seite ist. Der Prophet, der so herrlich priestern kann, hilft ihm alle Gnadenlasten tragen.

Inzwischen kamen Obed-Edom, Chenos und Abbuda. Sie, erkenntnishell geworden, möchten sich am liebsten niederwerfen. Es tritt im Raume feierliche Stille ein, wo sonst die Beratungswogen aneinander prallen. Um die Verlorenen nicht gänzlich zu verwirren, rechnet Gott als König Ariel erst ab.

Daß kein Zauberer spricht, geht sogar den Schlimmsten ein. Doch aus Trotz wird Angst, leider keine Reue. Ihre Sünden werden aufgedeckt, in Gerechtigkeit auch die der anderen. Einer fragt, weshalb Ariel nicht von Asarja und dessen Freunden spräche.

„Mit ihnen rechnete Ich schon ab. Nun“, Er hebt die Hand, „will Ich die Bösen aus dem Tempel treiben! Es war genügend Zeit, sich zu bekehren; und eine gute Gotteshand wäre jedermann gewiß gewesen. Selbst beim Gericht will Gott nicht verwerfen, wer Ihm reuig vor die Augen kommt. Doch was Gottes Güte nicht erreicht, wird die Schicksalslast bewirken. Wer Gottes Güte nicht in Anspruch nimmt, den nimmt das Schicksal in die Lebenszange.

Hinaus, die ihr mit dem Glauben Wucher treibt, aus dem Tempel nur Profit und Ehre zieht! Ihr habt euch geirrt! Daß ICH“, offenbart sich Ariel, „euch Erzbösen Richtergnade angedeihen ließ, war Meine herzliche Barmherzigkeit! Welcher Teufel sich ein Priesterkleid erwählt, sündigt geistlich und auch materiell. Ohne priesterliches Herz ist keiner Priester, und würde er zehn Tempelämter haben. Die Entheiligung Meines hochpriesterlichen Amtes wird von keiner andern Sünde überboten (Matt. 12, 31), denn da herrschen Hochmut, Ehrsucht, Habgier, Haß, Lieblosigkeit und Niedertracht.

Fort, die ihr dieses Haus entheiligt! Ob eure Schmähung Meinen Himmel trifft, wird das Jenseits offenbaren! Fort, ihr Bösen, und kommt erst wieder vor Mein Angesicht, wenn ihr einmal gut geworden seid!“ Ach — so zornig das auch klingt, — wer hören will, hört die väterliche Trauer.

Die Bewehrten umgeben die Verschwörer, die ihre Amtsgewänder fest zusammenraffen. An der Tür steht Muriel, lichternst: „Die Gewänder bleiben hier! Du“, weist er auf Matguel, „willst sie an Baal verschachern.“ Wütend, durchschaut zu sein, stampft jener mit dem Fuße auf: „Sollen wir wie Adam aus dem Paradiese laufen?“

„Vor Gott bist du nackter, als der nackte Adam war. Der schämte sich ob seiner Sünde, du nur, weil dein Geldsack und die Eitelkeit zerbrachen. Zudem tragt ihr eure Unterkleider.“ Würdelose Leute, so müssen Chilijon, Matguel und vier andere fort. Die Menge, noch am Tore lungernd, ahnt es fix, warum die sechs in Unterkleidern aus dem Tempel hetzen. Spott dröhnt ihnen nach. —

Asarja neigt sich tief. Die andern tun es nach, meist ängstlichen Gemüts. Er sagt: „Herr, Du triebst sie fort; Du nur hast das Recht dazu, Du prüfst uns bis ins Innerste (Ps. 7, 10). Mich, den Obersten, der auf Ordnung, Wahrheit, Heiligkeit und Ehre hätte sehen sollen und habe viel versäumt, hieltest Du zurück. Das macht wohl Deine Güte, die so gnädig zu mir ist.“

„Gewiß“, entgegnet Gott. „Doch Ich messe nicht den Augenblick, sondern was schon vorher war und was kommen wird. Sehe Ich es nicht voraus, ob sich einer wandeln will?“ „Ja, Herr!“ Asarjas Herz fließt freudig über. Neu priesterlich quillt es aus ihm: „König Ariel, laß die armen Seelen nicht verloren sein.“

„Möchtest du sie wieder haben?“ Man stutzt. „Wenn Du es willst, Heiliger, dann ja.“ „Sage lieber nein“, lächelt Ariel. „Selbst die Baalischen (Der Thisbiter), die Elia rettete, wendeten sich gänzlich um. Jene aber schmieden Rache. Habt keine Angst“, beruhigt Er. „Eine Rache, aus unnützem Holz geschnitzt, zerspeilt, ehe sie zum Pfeile wird! Auch treibt die Furcht sie fort, als ob Ich nicht in Sidon oder Babylon erscheinen könnte. —

Nun gehen wir ins Allerheiligste, und dort belehre Ich euch über ARIEL.“ Man folgt Gott still nach in der Gewißheit, Wunderbares zu vernehmen. Nun fällt es auch den andern auf, die eben zur Besinnung kamen, daß Gott als ARIEL erschien, wie das Oberste, der Feuerherd von ihrem Altar heißt.

Seltsam rauscht der Vorhang auseinander. Gedämpftes Licht erhellt das Heiligtum. Gott geht zur Bundeslade. Auf dem Sims brennt die Flamme stark und rein. „ARIEL“, flüstert Isa-i, „o Du offenbare Heiligkeit!“ Nie leuchteten seine Augen priesterlicher als jetzt. Da läuft‘s wie eine Flamme durch die Menschen hin, einschließlich Ifra-Gohnora, dem Seelenmenschen.

Am Eingang bilden die vom Himmel eine Reihe. Wo der König steht, strahlt es unfaßbar in Kraft und Herrlichkeit. Wird ER vom Feuerherd umloht? Nährt ER ihn, den Irdischen zum Segen anvertraut? Auf einen Wink treten alle etwas näher. Muriel leitet Isa-i, Ifra-Gohnora und Samathuel an die rechte, Asarja, Abjathar und Hophei an die linke Altarseite. Er selber bleibt bei seinem König. Hophei erfaßt es gleich: Keine Auszeichnung; nur Symbol, am Altar Gottes Töchter zu vertreten. Ihr Herz pocht zum Zerspringen. Sie wechselt einen Blick mit Isa-i. O, dem Propheten geht es auch wie ihr.

Ifra und sein Sohn beugen tief ihr festes Herz. Abjathar fühlt er schauernd: Kein Vorrecht stellt mich an den Platz der Heiligkeit. Und Asarja ist der Welt entrückt. Ehe ein Wort fällt, merkt er den Unterschied zwischen seinem bisher ausgeübten Amt und jenem, wie es in gerechtem Widerschein geschehen soll. Alles ist verwandelt. Das kommt daher, weil der Heilige Sein ATMA in den Tempel trug.

Gott hebt Friedespendend Seine Hände; da können sie den Worten vorbereitet lauschen. „Ihr Kinder Meiner Liebe!“ Das braust auf wie Orgelton. Jeder weiß aus alter Zeit, daß Gott durch die Propheten allgemein ‚ihr Menschenkinder‘ sagen ließ. Nun hat Er sie so nahe zu Sich hingebracht: ‚Ihr Kinder Meiner Liebe‘!

„Euch ist unfaßbar, Mich wie euch selbst zu sehen. Gut, wenn das Gefühl des Unfaßbaren euch beherrscht. Denn nur zu leicht nimmt der Mensch für sich in Anspruch, was ihm keinesfalls gehört. Niemals kommt der Himmel auf die Welt, wie diese — wie sie ist — nicht in das Reich. Geist dem Geist, Materie der Materie! Ich habe diese Grenze aufgestellt, und Ich erhalte sie. Dennoch hätte Ich sie heute aufgehoben, wie ihr Mir erwidern wollt.

Höret erst die Offenbarung, die Ich zum Segen Meiner Kinder in die Grenze setze, ohne daß die Heilsgrenze aufgehoben wird. Ich werde nicht das Heiligste hernieder bringen, Mein Wesen, wie es ewig war‚ ewig bleibt und gibt es keine Änderung an Mir. Würde Ich mich je verändern, fiele alle Ordnung Meiner Werke ein!

Aber eines tue Ich, was Mein Wesen nicht berührt: Ich verwandle gütig Meine Anschauung. Nie paßt sich das Geschaffene dem Schöpfer an, sondern umgekehrt. Das tut die Barmherzigkeit, der Ich grundlegend alle Werke übergab. Sie waren gut, wie Mose dies berichtet hat. Kann wohl anderes aus Mir erstehen als Vollendetes aus Meiner UR-Vollkommenheit? Und wenn so, warum hätte Ich Mich Meinen Werken anzupassen? Was ist vollendet und was nicht?!

Was Ich schuf, entsprang im Anfang (Joh. 1, 1) Meinem ‚Gut‘. Stellte Ich jedoch zu weisem Zweck die Werke auf die Wandlungsbahn, daß sie, zumal die Kinder, sich erweitern, sich vollenden sollen, so schließt das eben die Vollendung, die Ich — Meiner UR-Vollkommenheit entnommen — als Samen in die Werke gab, niemals aus. Sie waren Mir ein gutes Land, an dessen Werden bis zur Reife hin Ich immer Meine Schöpferfreude haben wollte. Soll Ich Mir nicht erschaffen: Freude durch das Werk am Werk?!

Ich schuf aus dem Unendlichen den Werken Raum und Zeit als eine Endlichkeit. Diese ist ein Samenkorn. Alle Körner, die Ich streute und noch streuen werde, sind zusammen die Unendlichkeit. Ich kann Meine Gnade teilen — und Mein Herrschaftsrecht! Ihr habt es unfaßbar genannt, daß Ich mit euch gnädig war. O gewiß, nur so wirkte Meine Gnade, weil auch sie vollkommen und unendlich ist.

Was ist vollkommener: das Weizenkorn oder das reife Weizenfeld? der Weinstocktrieb oder der Traubenstock? Wo liegt größere Kraft: im Ei des Adlers oder in dem stolzen Vogel? Aus allem leuchtet die Vollkommenheit, in allem ruht der Lebensdrang zur eigenen Entfaltung, den Ich aus Meiner Macht zum heiligwahren Zweck verlieh, im Licht erkennbar, um der Seligkeit der Kinder willen aber vorwärtsgehend mit dem Werden aller Werke.

Es ist kein Fehl, wer es nicht erfassen kann, außer da, wo jemand nicht erkennen mag. Ich bin ihnen aber gnädig, die der Erde dienstbar sind; doch an denen übe Ich Geduld, die den schweren Weltweg wandeln. Menschengnade gibt es nicht. Läßt jemand Gnade walten, so kann sie zwar ein Tropfen Meiner Gnade sein; letztlich ist es nur die Geste eines Augenblickes: heute lebend — morgen tot!

Sie ist Herablassung, notfalls ein Geschenk, für das man bis zum Tode danken soll. Die Weltgewaltigen haben sich den Krug mit Namen ‚Gnade‘ fein geformt, in den man alles rinnen läßt, den man auch — und das zumeist — zur Ansicht leer in eine Ecke stellt. MEINE Gnade ist nicht Herablassung.

Soll sich denn der Schöpfer gnädig zu den von Ihm geformten Werken neigen? Gnade ist ein Wesenszug in Mir. Die Fackel, der Ich sie — offenbar erst nach dem Fall — entnahm, heißt GEDULD! Und Geduld haben oder üben erhellt euch nur das Weisheitslicht, das Ursachen und Wirkung schöpfungswahr erkennen lehrt.

Gewiß ist Gnade eine Gabe, des Mangelhaften wegen, was der Weltweg mit sich bringt. Der Mensch soll dafür dankbar sein. Dank ist keine Unterwürfigkeit; Dank ist Freude, ist ein reines Himmelsgut. Sagte Ich zu Mose: ‚Wem Ich gnädig bin, dem bin Ich gnädig‘ (2. Mo. 33, 19), so des Umstandes wegen, der sich zwischen uns ergab. Er stand mit einem Fuß im Reich, und sein Geist begehrte dessen Herrlichkeit zu sehen. Doch wie gesagt: Geist dem Geist, Materie der Materie, und daß Ich nicht das Heiligste heruntertrage.

Fragt es sich, ob Ich allen Kindern gnädig und barmherzig bin? Wäre nur das Heil bedacht für solche, die Ich aus der Reihe winke? Nein, Kinder Meiner Liebe, die meisten würden ja verloren sein, auch wenn der Heiland für sie stirbt. Gerade aber stellt, wie Mein Prophet gekündet hat, ‚der Heiland von alters her‘ in Gottes WEM die ganze Kinderschar; in die Gnade die vom Licht, in die Barmherzigkeit die anderen, die der Fall verdorben hat.

Ihr denkt, die Ausweisung sei trotz des Rechtes weder Gnade noch Barmherzigkeit gewesen. Nun — eine Straße kann man bis zur nächsten Ecke übersehen. Die wären bös geblieben, und ihre Sünden wären noch ein Babelturm geworden. Durch die Austreibung können sie den Tempel nimmer schänden. Merket ihr ein wenig, was Erbarmen ist? Also leite Ich für alle Kinder jeden fußbreit Pfad.

Abjathar betrübte es, weil er einen Fehlschlag hatte, als er bei Usia für zwei Verbrecher bat. Die, dem Sumpf entstiegen, haben sich noch nicht bekehrt. Mein Erbarmen aber ist so groß, daß Ich ihnen jede Hilfe angedeihen lasse, die freilich bis zum Tod in Kerkerlast besteht. Sehen sie dann ihr ‚Vergeblich‘ ein, so tasten sie sich nach dem Lichte um. Doch denen es auf Erden fröhlich geht, werden umgelenkt, wenn hinter ihnen ihre Welt versinkt.“

Gott zeigt zum Sims, von dem das Feuer niederloht. „ARIEL (Hes. 43, 15), das Heiligste vom Heiligtum! Ein wenig ahnet ihr, warum Ich nun als König Ariel gekommen bin. Ariel bedeutet Lebensflamme. Mein Feuer ist die Schöpfermacht, aus der Ich jedes Werk gestalte. In ihr wirken Meine Elemente, alle Kräfte, und was das ewige Sein gebiert. Das ist Mein ATMA, das bin ICH in Meiner Macht, Kraft, Gewalt und Stärke! Die vier ATMA-Teile gleichen den vier Hörnern, an den vier Ecken oben angebracht.

Mose wußte, wie Mein ‚Herd‘ beschaffen war, auf dem Mein Feuer brennt, das zugleich der in heilige Schweigsamkeit der Mitternacht gehüllte ‚UR-Quell‘ ist, aus dem Ich die geschöpfliche Lebendigkeit der Formen nahm.

Dieses offenbart das Oberste vom Gnadenbund, den Ich mit Meinen Kindern schloß. Die Herdflamme sollte sie erinnern, aus welcher Machtvollkommenheit sie kamen, samt dem freundlichen Verbundensein zwischen Schöpfer und Geschöpf. Und von Meines UR-Wesens Innerheit offenbarte sie soviel, als ihr Geschöpf-Sein es ertragen konnte. Im Licht-All ist das ein sehr großes Maß.

Ihnen war von Anfang an die Flamme das Symbol des Heiligsten. Denn ein Geschöpf sieht Mein ATMA nicht! Wie wenig je ein Korn den Acker überschaut, auf dem es wächst und zur Reife kommt, so wenig sieht ein Kind das Feuermeer, in welchem es ein Funke ist. Doch Mein Gnadenbund hat in Symbolik Meine Kinder ihren Lebensursprung sehen lassen. Darum Meine Flamme auf dem Herd, an den Tagen stark und hell, in den Nächten von der Schöpferhand bedeckt. (s. Urwerk)

Ich offenbare so Mein UR-Sein, das man als Person nicht sehen kann. Nur die Darstellung ist wahrzunehmen. Das bin Ich Selbst, der Schöpfer-Vater. Als Schöpfer mache Ich das Werk, als Vater offenbare Ich Mich ihm! Das ist ein Gnadenbund, wie wunderbarer er mit euch nicht abzuschließen war. Was im Licht Mein erster Name (UR) ist, den ihr noch nicht fassen könnt, so statt dessen für euch ARIEL:

‚Gottes Offenbarung durch den Gnadenbund‘!

Kinder, Sonnen, Sterne, Welten, Tiere, Pflanzen, alles hängt vom Gnadenbunde ab. ‚Bezahle dem Höchsten dein Gelübde‘ (Ps. 50, 14). Das Gelübde ist die Gegenseitigkeit vom Gnadenbund. Im Bund und mit der Gnade habe Ich Mich euch gezeigt, vom Gnadenbunde her kam Ich als ARIEL. Und wahrlich, heute habt ihr ein Stück Innerstes von Meinem Feuermeer geschaut; nicht zuerst durch eine Darstellung, sondern überwiegend durch das königliche Wort der Gott-Person.

Wenn ihr in euch die Lebensflamme tragt, so haltet ihr — ans ATMA angebunden — mit MIR den Gnadenbund! Hier das Symbol“, Gott zeigt auf den Altar, „in euch die Wirklichkeit. Euer Geist gleicht dann dem Flammenbecken, die Seele einem Wasserquell, das Herz dem guten Erdenland, über das Mein Odem weht. Insgesamt ergeben diese Vier das KIND. Das entspricht den vier Hörnern (4 Elemente), die vom Altar hochwärts streben, sein Schmuck und auch sein Unterpfand.

Mehr aus Bequemlichkeit als aus Sorge, den Ariel zu schonen, wird seit langem nicht darauf gebrandet, ein Zeichen, daß man den Gnadenbund verloren hat. So steht der Mensch zu Mir! Das Geistige macht Mühe; da heißt‘s den Berg hinan und das Tal verlassen. Aber lieber wandelt man im Staube seiner Füße, als den Gott-Wind zu erringen, der die Seele reinigt, der den Geist zum Himmel führt.

Sind Mir Opfer etwas wert (Ps. 40, 7; 1. Sam. 15, 22)? Wer widerwillig opfert oder gar nur eines Namens wegen, das ist auf dem Untersims gebrandet, und sieht Gott an, als opfert man ein Häuflein Stroh. Vom Stroh wird wenigstens ein Esel satt, von solchen Gaben nicht einmal die Hölle! Wer freudig und mit einer Segensbitte gibt, der brandet auf dem Hochaltar.

Da bin ICH der Tempel, da sind die Tore offen bis zu den vier Strömen Meines Quelles (1. Mo. 2, 10). Von dort bin Ich gekommen, dorthin führt euer Weg. Im Obersten verwahre Ich die Kinder; und Höheres gibt es nicht als Meinen Gnadenbund, dargestellt in der Bundeslade und bestätigt durch das Feuer ARIEL!

Wer ernsthaft kämpft, erreicht das Ziel. Die Lohe Ernst bewahrte noch das Schöpfungskind, als Ich es durch sie von dannen trieb. Zur Bestätigung sandte Ich den Cherub Muriel voraus, den Hüter Meiner vierten Fackel. Diese will Ich auf euch fließen lassen, daß ihr mit Ernst Mich ruft, mit Ernst Mir dient (Ps. 145, 18; Sir. 18, 23)! Kommt“, winkt Gott so freundlich, daß sich alle eilend um Ihn scharen.

„Meine Kinder! Gnadenzeiten gehen auch vorüber, werden sie nicht ausgenutzt. Hinterher, mühseligst aufzuholen, kann der Mensch nur seine Reuetränen senden. Mir ist‘s lieber, wenn es ohne Reue geht, außer bei den Armen, wo es aus dem Falle nötig ist. Jeder darf sein Fehl zur Bundeslade bringen; und ist‘s ernsthaft hergebracht, lege ICH es in Mein Feuer ein. Das wandelt alle Fehler um.

Bringt eure Mühsal und das Beladensein zu Mir (Matt. 11, 28). Dann behaftet ihr die Neugeburt, bis der Schöpfer-Vater euch nach Hause ruft. Allerdings“, Gott hebt warnend einen Finger hoch, „nur wer weisheitsvoll den Ernst bewahrt, braucht nicht nochmals durch ein Reuebad; er bleibt aus Meinem Feuer rein. — Seid gesegnet! Meinen Frieden lasse Ich als Liebepfand zurück. Haltet euern Tempel, eure Herzen rein; dann wohne Ich als das Heiligste in euerm Heiligtum, als der ARIEL, Der den Gnadenbund mit euch in dieser Stunde neu geschlossen hat! Diese Meine Zusage halte Ich gewiß! Amen.“

Der Feuerbrand loht wie ein Mantel nieder. Gott hüllt Sich darin ein. Als die Menschen wieder ‚irdisch‘ werden, steht nur noch ein Himmelskrieger da. In Liebe und in Dank denkt jeder: ‚O, wäre ARIEL geblieben.‘ Isa-i reckt seine Arme hoch. Danken! Ach, hätte er nur danken dürfen. Da sagt der Himmlische zu ihm:

„Isa-i, während Gottes Rede war jeder deiner Atemzüge Lob und Preis, und über viele arme Seelen hast du gepriestert. Gott setzt diesen Dank vor das Stammeln eines Mundes. Sieh auf Gottes liebe Töchter“, zeigt der Rotgekleidete auf die schluchzend sich zusammen Drängenden, „ihr stiller Dank sind lautere Freudentränen. Was willst du also mit dem Munde sprechen?“

Sogar Om-Sabra weint. „Man denkt“, sagt Isa-i, „kein Gelübde sei bezahlt, wenn einem Dank die Worte fehlen. König ARIEL — o welch wunderbarer Name — hat uns ein Übermaß gebracht. Trotz dem — Muriel konnte bleiben. Was hat er ‚Droben‘ eiliges zu tun? Ich meine, nur für kurze Zeit, dann hätte ich ihm meinen Dank noch mitgegeben. Daran liegt mir sehr.“

Der Rote lächelt: „Kannst ihn mir ja geben.“ Das Gespräch soll der Menschen wegen sein. Isa-i umarmt den Himmlischen: „Du siehst es, ob ich dich geringer achte oder dir die Dankgarbe anvertrauen will. Nur befürchte ich“, lächelt er nun auch, „daß das alle Freunde tun. Hoffentlich kannst du die Lasten tragen.“

„Was man freudig trägt, ist keine Last. Ich habe euch noch dies zu sagen: Ob wie in dieser reichen Segensstunde, oder ob allein im Kämmerchen, — bleibt immerdar bereit, den König zu empfangen.“ Er gibt jedem seine Hand, und sie tragen ihm ihr Dankwort auf. Hophei flüstert:. „Nimm meine Seele mit.“ Da vertieft sich noch des Roten Lächeln und ihr ist, als wäre es das Lächeln Diblaims. Im nächsten Augenblick ist er entschwunden.

Ifra-Gohnora nickt Hophei zu: „Es war dein Mann, dem du auch im Licht-All angehörst.“ „Diblaim?“ Kaum zu fassen! Chenos fragt es nach: „Diblaim?“ Ifra bestätigt es: „Er gab sich zu erkennen.

Diese Frau“, zeigt er auf sie, „hat mit Sphärenliebe zu dem Mann gehalten. Mit einem großen Heimbringgut, das er auf dem Felde der Materie aufgelesen hat, ging er zurück.“

„Das ist . . . O, es gibt kein Wort dafür!“ Asarja drückt — auch ein Wunder — Hophei an sein Herz. „Nicht wahr“, bittet er, „du denkst nicht daran, daß . . .“ Sie winkt erglühend ab: „Nach dem, was König ARIEL uns gab, wende ich mich nach Vergangenem nicht um.“ „Gottestochter!“ Isa-i senkt seine Lichtaugen in ihren Blick. „Dein Dank ist der beste. Wenn wir danach tun, dann geht jeder heim, wie die Freunde heimgegangen sind: Abelu, Jarath und Diblaim.“

Asarja ist nun ein Hirte seines Oberhirten. Heute ist der Tempel rein und wird lange sauber bleiben, wenn auch Juda seinen Weg verliert. Er sagt, noch ganz erschüttert: „Liebe Freunde, an diesem Tag soll jedes Jahr ein Dankfest sein. Kommt am Abend her, bis dahin ist es vorbereitet.“ Alle Priester, sogar der steinalte Chenos, wollen helfen. Dem gibt Asarja Ruhe auf: „Es sind Jüngere, die dich vor dem Herrn vertreten können.“ Om-Sabra bietet seine Hilfe an. Kurz entschlossen nickt Asarja: „Ja, bitte, bleibe hier.“

Man war zum Beratungsraum zurückgekehrt. Da stoßen Wachen einen jungen Mann herein. Er wurde böse angefaßt. Asarja schämt sich heute ganz besonders, daß man im Tempel einen Menschen blau und blutig schlägt. Isa-i führt den Wankenden zu einem Stuhl. „Setz‘ dich, armer Bruder.“ Er streicht heilend über dessen Wunden.

„O Prophet“, der Geschlagene zittert, „ich hörte, daß du . . .“ Es ist Micha, der die Mauer überklettert hatte in der Hoffnung, dem Fremden zu begegnen, der ihn bei erster Schau gefesselt hatte. Vom Tempel ist nichts zu erhoffen. Doch Asarja fragt die Wachen, weshalb sie ihn geschlagen hätten. „Er ist am ‚Toten Eck‘ hereingeklettert. Ein Wunder, daß er an der schroffen Mauer hochgekommen ist. Wir fanden ihn, als er zum Allerheiligsten hinüberschlich.“

„Damit ist noch keine Schuld erwiesen“, rügt Asarja streng. „Hat er sich zur Wehr gesetzt?“ „Nein, das nicht; wir dachten . . . “ „Ich wünsche, daß nie wieder so etwas geschieht!“ Sehr energisch schickt Asarja beide Wächter fort. Er fragt den jungen Mann: „Wer bist du, und was trieb dich über unsre Tempelmauer? Unglaublich fast, daß du herüberkamst.“

Der hilfsbereite Isboseth bringt Salbe, Linnen und Wein herbei. Sachgemäß verbindet er die Wunden. Der Trunk erfrischt, mehr die freundliche Behandlung; und Isa-i, der für ihn tut, wie es seine Mutter tat. Ifra-Gohnora sieht geistfreudig zu. Gestärkt erzählt Micha, wie alles kam. Er berichtet auch, wie er einst die Stelle fand, doch aus Angst es niemals anzugeben wagte.

„Da haben wir‘s“, sagt Joroham, „er folgte seinem Herzenszug. Mich wundert, daß er DEN nicht angetroffen hat, für Den er nahezu sein Leben ließ.“ „Er wird Ihn sehen! Micha“, sagt Isa-i, „halte dich bereit, du sollst dem Höchsten dienen.“ „Ich — ? Das dürfen Priester und Propheten; das Volk soll nur gehorsam sein.“

Ifra, den Micha wie ein Wundertier beglotzt, legt eine Hand ihm auf: „Wer den Höchsten liebt, der dient Ihm auch. Liebe Gott mit Dienen, und werde so Sein Diener in Gehorsam.“ Asarja fragt: „Bist du arm?“ Micha ist verblüfft. Man weiß doch, wie der Hohe denkt. Und jetzt — Hat man ihn etwa doch verkannt? Er nickt zögernd: „Meiner Mutter hat der Nachbar unsers Vaters Grund genommen. Sie muß für ihn spinnen, ich verkaufe seine Krämerware.“

Abjathar horcht auf. „Sag‘ mal, heißt der Krämer Iddo?“ „Herr, kennst du ihn?“ „Gut genug!“ Trotz erlebter Herrlichkeit zürnt der Richter. „Kennst du mich?“ „Nein, ich habe dich nur hie und da gesehen.“ „Hast du nie vom Rechtsgelehrten Abjathar gehört?“ „Ja; die Mutter wollte damals zu ihm hin, als Iddo unser Erbe nahm. Doch da sagte er, der Schuldturm wäre uns gewiß; denn Abjathar wäre teuer und soviel könnten wir nicht zahlen.“

„So ein . . . “ Joroham verschluckt das dritte Wort. ARIEL hat den Ort geheiligt. Bloß Abjathar macht seinem Herzen Luft: „Dem Iddo streiche ich eins an! Wisse, Micha, ich bin Abjathar.“ „Du?“ Micha befällt neuer Schreck. „Richter, wir sind wirklich bettelarm. Gehe nicht gegen Iddo vor; der Mutter ging‘ es übel, hörte er, daß ich zwar ungewollt — mit dir gesprochen habe.“

Er ist dem Weinen nahe. Soviel Leid hat Mutter schon erlebt, und er konnte ihre Armut nicht erleichtern. Isa-i deckt seine Nöte auf und sagt: „Sei unbesorgt, Abjathar wird handeln! DER, Den du sehen wolltest, hat dich hergeführt, daß du erkennen sollst, wie Gottes Gnade über dir und deiner Mutter steht.“

„Morgen prüfe ich die Angelegenheit an Ort und Stelle.“ Asarja sagt gleich: „Ich gehe mit; ich werde Iddo priesterlich die Zähne ziehen!“ „Ich bin auch dabei“, ruft Joroham. Om-Sabra bittet: „Laßt mich mit, von wegen ‚Volk‘.“ „Ist mir recht; notfalls gehst du zu König Usia“, sagt der Richter. Micha hört wie träumend zu. Ah — wenn sie loskämen von dem ekelhaften Kerl — — Er wagt das Glück nicht auszudenken.

„Willst du mir heute einmal helfen, Micha? Selbstredend, daß du einen Lohn bekommst.“ Erfreut sagt Micha zu. Asarja reiht ihn in die Vorbereitungsgruppe ein, die anderen begeben sich zu Abjathar.

Isa-i schlägt vor, Micha an der Schule anzustellen, er könnte nach der Lernzeit eine kleine Klasse leiten. Nun — Helfer braucht die Freie Schule stets.

„Dank für deine Anregung“, freut sich Abjathar. Die sonst meist stille Orpa sagt betont feierlich: „König ARIEL hat uns wunderbar belehrt. Nun gibt Er obendrein uns die Gelegenheit, Sein Wort in Taten umzusetzen. Ich nehme Michas Mutter in mein Haus. Isboseth hat nichts dagegen.“

„Seht Orpa an!“ ruft Abigail, „sie hat die erste Tat getan.“ „Und eine gute!“ bestätigt Samathuel. „Ihr Herz ist ein Nächstenaltar.“ „Das Erbe bekommt die Witwe wieder“, Abjathar erklärt das Verfahren gegen Iddo. „Ist sie schwach, bleibt sie bei Orpa und das Grundstück wird verpachtet. Na, Iddo, dich zapfe ich gehörig an; morgen fallen Blitz und Donner bei dir ein!“ „Geschieht ihm recht; er hat in Gibea die Hattib auch so ausgenützt“, erinnert Isa-i. „Die Hölle muß es merken, daß ihre faulen Feigenbäume (Matt. 7, 19) nicht zum Himmel wachsen können.“

„Schade“, sagt Rochaleth im weiteren Gespräch, „daß das Gnadenwort nicht aufgeschrieben ist. Das wären Schätze, die könnte auch nicht Salomo bezahlen.“ Er und Assuram waren mitgekommen. „Ich hätte gern geschrieben“, erklärt Samathuel, „doch im Beisein des All-Heiligen kann ich das nicht tun. Vielleicht gibt es unser Flammenspiegel wieder, dann sende ich euch eine Rolle zu.“ „Das wäre fein!“ Maphia öffnet auch einmal den Mund: „Leider merke ich nicht gut und bin betrübt, weil ich noch so wenig geistig bin.“

„Du?“ Isa-i drückt die Bescheidene ans Herz. „Es kommt weniger auf die Worte an; denn sind wir deren Träger nicht, sind wir ohne Taten, so nützen sie uns nichts, und wären sie so lang wie der Euphrat von der Quelle bis zum Meer. Ohne Schrift ist es sogar sehr gut, dann lernen wir das Innere zuerst. Hernach frommt uns auch das Äußere.“ Man schiebt noch eine Ruhepause ein, ehe man zum Dankfest geht.

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