Gottes Freundlichkeit und der Same der Geduld
6. Kapitel
Wie sich die Tore lautlos öffnen, versetzt in tiefe Andacht bis zur Anbetung. O wonnesame Schau! Kein Pförtner, der den Eintritt wehrt. Da gehen sie hinein, die Hohen und die Schar, die die Materie sich nicht erhalten konnte. Selig jauchzen sie; in den Augen aber wohnt der Ernst, der sich in der Opferflamme spiegelt.
Ach, UR freut sich stets, wenn Seine Kinder zu Ihm kommen oder wenn Er Sie bei ihrem Tagewerk überrascht. Ist auch manches von der Gnadenschau verwahrt, weil die Schöpfungswunde noch nicht heilen will und URs Opfer erst das Siegel braucht, so haben sie doch ihre Schalen voll; sie wachsen mit dem Tag und seiner Herrlichkeit.
Die vom Stuhle sehen mehr; des Falles wegen decken sie es zu. Sie neigen sich, ehrerbietig, in der Glut der Liebe und der Anbetung. Dann setzen sie sich ins Gestühl, nur Rafael verbleibt vor dem Heiligen Herd, Gott segnet alle mit dem Wort:
„Meine treuen Helfer und liebe Kinder! Des Tages Last tritt immer mehr an euch heran. Schwieriger dünkt euch, den Liebe-Schöpfungstag hinauszuführen, da das erste Kind so ferne bleibt. Und nicht nur das: sein Herz ist hart; kein Fünklein aus der Lebensseele, einst von Mir so wunderbar gezeugt, will zur reinen Flamme werden. Der Anteil aus dem UR-Quell ist erstickt.
Durch Anerkenntnis Meines Fundamentes der Bedingung, ohne die kein Werk besteht, habt ihr euch die Herrlichkeit erworben. Nun habt ihr abermals gehört, wie Satanas nichts anderes im Schilde führt, als den Befreiungsweg zu stören. Auch die Geduld will er zerbrechen, das kostbarste Gefäß, mit dem Erlösung in den Fall zu tragen ist, der Grund, auf dem sich jede Heimkehr stützt.“ Fürst Rafael sagt aus seines Herzens Liebekraft:
„O Vater, mich vor Dir zu beugen, ist Seligkeit; in Deinem Herzen ruhen ist der Güte unmessbares Maß! Du nennst uns treue Helfer? O Herr, aus Dir allein fließt uns die Hilfe zu. Darf ich ein Helfer sein, will ich auch des Tages Last mittragen, für Dich, obwohl in Deinen Händen alle Ewigkeiten liegen, ohne dass dieselben überfließen oder müde werden. Ich bedenke auch den Helfer-Teil der Brüder und der Schwestern und will ein Weiteres auf mich nehmen. Vater, wenn Du es willst: Gib mir des Satans Hohn und Hass, mit denen er Dein heiliges Erlösungswerk zertreten möchte.
Wo aber, Vater, bleibt sein Können? Gewiss, er richtet Unheil an, und manches Kind muss lang in dunkler Nacht verweilen. Bin ich der Dominant des Tages, an dem Deine wunderbare Liebe herrscht, da hilf mir nun, dass ich ein treuer Helfer werde.“
„Du bist es längst, Mein Rafael, wenn du es auch Gnade nennst. Meine Worte sind nicht billig, nur um zu erfreuen. Wohl, Freude ist nicht hoch genug zu schätzen, deren beste Kräfte Teile Meiner Freude sind. Offenbare Ich sie euch, so liegt ein Ruf darin, der den Dienst betrifft, dass die Helfer auch nicht müde werden, wie du das gut von Meinen Händen sagst. Ehe ich den Ruf erläuterte, nahmst du weitere Lasten auf, fraglos, ob du sie auch tragen kannst.“
„Herr, ich bin Dein Engel allezeit. Wir alle stehen im Strom der Kraft. Es gilt Lücken auszufüllen, da braucht es keine Frage wie und wo. Sind wir willig, so stellst Du uns schon an den rechten Ort.
O Vater, lass Alaniel die Lücke füllen, die der Dunkle in die Reihen reißt, dass die Geduld am Liebetag nicht untergehen möge! Hiob hält ja die Gebote ein, die die Erde aus dem Licht empfing. Es drückt ihn sehr, dass seine Mühe um die Seinen fast vergeblich ist.
Wie durfte Mose wirken und die andern; bei Hiob zeigt sich keine Spur. Noch keine arme Seele kann er Deiner Gnade übergeben. Denn Luzifer hat ja gelogen. Hiobs Decken sind oft nass von Tränen, die die Trübsal weint ob des Versagens. Er fragt, ob er geschlagen sei, da seine Mühe nicht zu Deinen Ohren dringt. Vater, lass ihn nicht mit leeren Händen zu Dir kommen.“
„Seit wann hat Hiob leere Hände?“ „Ach Vater, Du füllst sie wohl mit Deinem Segen. Will jedoch ein Mensch im Dienst gehorsam sein, so möchte er Dir Freude machen und die Seelen lenken, bis sie sich zum Opfer bieten. Gelingt ihm aber hierin nichts, so sind in dieser Hinsicht seine Hände leer. Ein Gemüt ist traurig, kann es niemals sagen: ‚Sieh, o Herr, die kleine Gabe an, in Treue bringe ich sie Dir.‘ Außer wenigem und den Kleinen aus dem Licht konnte Hiob diese Freude Dir nicht bieten.“
„Du siehst den tieferen Zusammenhang, Mein Rafael, möchtest aber deinem Bruder diese Freude gönnen, da ihr beide die Fackeln Meiner Gott-Herzkammer seid. Auch dankst du unentwegt für Meine Güte, dass du vielen Menschen (als Henoch, 1. Mos. 5, 24) sinngemäß ein guter Vater warst. Warte ab; auch geht es hier um mehr als einen Opferweg, den ein Kind erfüllen kann.
Ihr sieben Fürsten, Cherubim und Seraphim, trugt als Geist — aber auch als Mensch — das Licht zur armen Tiefe. Der Ring, der sich ab Adam schließen muss, hat viel Erfüllung eingebracht. Ihr Meine Großen und viele Kleine, die ihr zur Materie gegangen seid, konntet manches gute Heilswerk wirken.
Ihr habt die Lichter Meiner Eigenschaften angesteckt; aus jeder Wesenheit ging euer Tun hervor. Das alles gilt dem einen, dem ersten und letzten Kind! Jede Seele, die ihr Satanas entreißen, dem Licht erhalten konntet, war starkes Mauerwerk zum letzten Bau. Nun — die Geduld zielt nicht auf Einzelheiten, die ohnehin im Bau verankert sind. (Kap. 4, 15)
Alaniel setzt seine Kräfte auf das Ziel; denn die Probe gilt, ob ICH die Geduld dem Fall bewahre. Du meinst, Rafael, sie sei längst erprobt, ehe je ein Kind zu seinem Lebensodem kam. Sehr recht, Mein Sohn! In den euch Ersten einst gezeigten Ausgleichskämpfen Meiner Innerwesenheit (siehe „UR-Ewigkeit in Raum und Zeit“) lag der Schwerpunkt zwischen den vier bestimmenden und den drei tragenden Grundlebensstrahlen. Die GEDULD formte alle Werke im Fortgang der Entwicklung, nicht allein im Wirken Meiner Schöpfermacht, die herausgefordert worden ist.
Ihr hörtet Satans Wort: So lange wolle er wühlen, bis die Geduld noch an sich selber irre würde. Es ist ein nutzloses Bemühen, denn Ich, Meine Fürsten, sage euch: Wie Ich Meine Heiligkeit zu schützen weiß, so auch die Geduld in der Gewalt, die Meine Gott-Herzkammer füllt! Ist es nur Geduld, wenn Ich‘s erwarten will, ob Satan eine Stütze bricht?!
Die Kräfte messen sich. Hiob muss Mir keine Seelen bringen, sonst hätte Satan seine Wesen keinesfalls wie einen Fraß ins Blut ihm werfen dürfen. Aber ob sich die Geduld erhalten lässt, vielleicht bis ans Zerspringen Meines Gnadenbogens aus dem Bund, darauf kommt es an. Denn bleibt der Bogen, dann geht Mein Fuß hinab, und Meine GOTT-Geduld trinkt einen Bitterkelch, für das eine Kind, dadurch freilich auch für alle!
Sieh, Rafael, so voll sind deines Bruders Hände! Du atmest dankbar auf, und die Liebe, die du zu ihm hast, ist eine gute Gabe. Hat die Geduld den Sieg erfochten, jetzt im Vorspiel, einst durch Mich in letzter Konsequenz, wirst du samt allen Treuen staunend sehen, was Hiobs Weg auf Erden zugerichtet hat. Noch ist‘s verhüllt; aber ihr sollt wissen, um was es hierbei geht.
Behält der Mensch die Gott-Geduld, so wird sie nie in der Materie sterben, auch wenn die Ungeduld das Erd-Reich bricht. Ich will Hiobs scheinbar armen Weg so reichlich segnen, bis zum großen Weltentag, dass die Geduld die Letzten sammelt und über Meine Liebe der Barmherzigkeit verschreibt (siehe 4. Markstein „Gericht“).
Ihr Ersten seht das Ende, und im Jubel betet ihr Mich an. Auch ihr Kinder schaut das Licht. — Nun, Rafael, hüte deinen Bruder und komme wieder, wenn Satan kommt. Perutam, der dritte Wächter, bleibt als Schutzgeist neben Meinem guten Knecht, damit die Bösen auch den Willen spüren, den das Licht zur Erde schickt.“
Wie nach jeder Segnung, zumal im Heiligtum empfangen, gehen alle Kinder froh aufs Schöpfungsfeld. ‚Treue Helfer!‘ Ach — welch eine Gnade! Hilf, Vater, dass wir sie erwerben können.
NEUOFFENBARUNG