Auch Priester müssen umlernen. Die Landeshilfe. Neue alarmierende Kunde von Beraba
16. Kapitel
Nebst dem Oberpriester Anacarias sind zwölf Priester, Pereztha, Boas, Isremia, mehrere Fürsten und Älteste versammelt. Man hat über einiges gesprochen, Für und Wider, durch die Einung der zwölf Stämme sich ergebend — nicht ganz reibungslos. Der Landesfürst hatte vorgefühlt, um was es heute auch mit gehen soll: die Erlaubnis, daß Boas sich die Ruth zum Weibe nehmen kann. Kein Fürst noch Ältester ist dagegen. Du liebe Zeit, wieviel solcher Ehen sind geschlossen worden, nicht nur einstens in Ägypten, nein, als man unter Josua zurück in seine Heimat kam, sind solche Ehen nicht zu zählen. Jetzt auf einmal — —
Anacarias steht auf. In würdiger Sprache rollt er die Geschichte auf, wie sich Volk und Volk vermengte und geht darauf ein, daß alle Menschen Gottes Kinder sind und niemand dafür könne, in Israel oder anderwärts das Licht der Welt erblickt zu haben. Wer wolle ein Kind schelten, weil es — noch allzeit nach dem sturren Sinn — in einem Heidenvolk geboren ward?
„Wir sollten vorwärtsgehen“, fügt er hinzu, „ohne das, was unserm Volk gegeben wurde, zu verachten, nicht mehr einzuhalten. An die Gott-Gebote denke ich vor allem, die der Herr auf Sinai dem — nebst Abraham — bisher Größten unseres Volkes gab. Wer diese kennt und richtig anzuwenden weiß, der wird, was ich zu sagen habe, gern ein Ja zur Stimme geben.
Nicht zuletzt sei darauf hingewiesen, daß trotz Strenge, der sich Mose — ach wie oft — bedienen mußte, um Israel im Zaum zu halten, er sich stets um alles kümmerte, oft bis ins Nebensächlichste des Einzelnen, wobei seine Güte, seine Menschlichkeit zutagetrat. Wäre er jetzt unter uns, oh, ich brauchte nicht viel Worte, um zu einem guten Rechte zu verhelfen.“
Die Priester wundern sich ob dieser langen Rede. Konnte er nicht vorher sagen, um was es geht? Man konnte einig werden, ob so, ob anders. Handelt es sich um ein Priesterrecht, weil er sie angesehen hat? Wenn ja, wären alle andern fehl am Platz, da hat das Weltliche nichts zu melden. Ah ja, er wird eben alt, der Alte! Solcherlei Gedanken schwirren manchem durch den Kopf. Indessen spricht der Oberpriester weiter:
„Es handelt sich um Boas, bestens angeschrieben, und um die Witwe Ruth, Tochter des Städtekönigs in Ar-Moab. Des Elimelechs Sache ist bekannt. Ruth war mit dem Sohne Chilijon verehelicht, hatten aber keine Kinder. Als ‚frei‘ ist sie anzusprechen.“
„Das gilt nie!“ ruft ein Priester grob dazwischen. „Eine Ehe ist nicht einfach durch den Tod des einen Partners auszustreichen. Die besagte Ruth ist Witwe, alt oder jung, mit und ohne Kinder. Du als Oberster solltest nicht das Recht verdrehen! Hast richtig auf die Gott-Gebote hingewiesen.“
Anacarias lächelt. „Bringe mir das Gott-Gebot, wo über Witwen etwas steht.“ „Du sollst nicht ehebrechen!“ „Kann ein Verwitweter die Ehe brechen?“ fragt Pereztha. „Wir sind in einem Priester- und nicht in einem Fürstenrat! Mich hat‘s gewundert, was das ‚Gemische‘ zu bedeuten hat.“ Der alte Jashu ist‘s, dem Frauen und auch Kinder nichts bedeuten. Er blieb unbeweibt.
„Dir ist deine Ansicht nachzusehen“, spricht Laban streng. „Wer bloß sich bedenkt, hält selbst als Priester kein Gebot. Wir sollen unseren Nächsten hebend helfen! O bitte“, wehrt er ab, als Jashu in die Höhe fährt, „eine Wahrheit kann nie kränken! Fühlst du dich gekränkt, dann hab‘ ich recht. Wer das Volk zu führen hat, geistig oder weltlich, sollte sich der Not des Volkes nicht verschließen. Du, Jashu, siehst nur dich!“
Hocherhobenen Hauptes will dieser gehen. Anacarias hält ihn auf. „Mir tut leid“, sagt er freundlich, „daß Zwistigkeit entstanden ist. Wir verstehen dich, warst stets allein, hast in jungen Jahren dich vom Elternhaus getrennt, um dem Herrn zu dienen. Ein Vorsatz, der zu loben war. Allein, das Leben ist mit zu bedenken, keineswegs nur von den Richtern, Fürsten oder von den Königen; nein nein, ein Priester soll nicht nur das Wort verkünden, er sollte an dem Leid der Menschen nicht vorüber gehn.
Ist der Arme und der Kranke nicht zu trösten?, Verlassenen ein Platz zu schaffen, wo sie fröhlich werden? Das gilt allen meinen Brüdern: an wieviel Krankenbetten wart ihr schon? Und wieviel Gaben habt ihr ausgeteilt?“ „Ich habe . . .“ „Laß dich unterbrechen! Du hast in den Gotteskasten Gaben eingelegt, obwohl man das von Priestern nicht verlangt. Ich, solange ich das Geld verwaltete, was von den Reichen und von manchen Armen stammt, habe deine Gaben abgesondert und Hungernde damit gespeist — in deinem Namen.
Ob das vor Gott gilt? Gemeinschaft war dir stets zuwider, manchem andern auch“, sagt der Oberpriester ernst. „Schau, Jashu, ich meine jeden, meine mich, denn zwar nicht absichtlich — allein, wie oft mag ich ein Kind oder einen Armen übersehen haben? Wir alle wollen uns das in die Herzen schreiben, Gottes herrliche Gebote durch die Nächstenliebe einzuhalten. Erst dann können wir vor Gott bestehen; und glaubt“, Anacarias zeigt in die Runde, „zumal wir Priester haben Rechenschaft zu legen, ob wir die heiligen Gebote predigen oder — halten, also danach tun.“
Beschämtes Köpfesenken. Man lebt so in den Tag hinein, hie und da wacht man mal auf. Man müßte — muß sich wenden! Der Landesfürst gibt hier das beste Beispiel ab; er ist für jeden Hilfeheischen den bereit, auch praktisch, meistens aus dem eigenen Beutel. Widerlichen hat er oft zum guten Weg verholfen, manchem Tagedieb die Arbeit beigebracht. Diese Mühen sind sehr segensreich, man sollte gleichfalls danach tun. Bloß ein Jashu ist nicht umzudrehen, er ist ein Hagestolz und wird es bleiben. Sein Gesicht sieht starr, die Augen finster, der Mund verkniffen aus. Anacarias geht darüberhin und bringt Boas Sache wieder vor.
Er habe Ruth, die Moabitin, gläubig angetroffen, daß sie sehr wohl mit zum Volk gehören, und Boas, ein echter Israele, sie zum Weib begehren kann. „Wie ihr wißt“, sagt er weiter, „ist Naemi erst durch Heirat unserm Volke zugehörig; und wie tief gläubig ist die Frau, einst die Heidin, wie wir immer ungut reden. Selbst unter den Verantwortlichen gibt’s nicht allzu viele, die so herrlich in den Glauben eingedrungen sind wie sie.
Gewiß, Elimelech hat Naemi angeleitet; ihr eigenes Verdienst ist es jedoch, daß sie die Lehre aufgenommen, bewahrt und danach gehandelt hat. Das gleiche ist bei Ruth zu finden, die in Bethlehem bei Naemi wohnt. Um des Glaubens willen, schon zu Hause anerkannt, verließ sie Elternhaus und Vaterland, nahm als junge Witwe Unbill und die Armut der Naemi mit auf sich, und ich nenne ihren Glauben einen goldenen Stern.
Weil sie nun in allen Stücken eine echte Tochter unseres Volkes ward, indem sie unsern gar nicht leichten Glauben, unsere Sitten freudig auf sich nahm, gebe ich als Oberpriester die Bewilligung, daß Boas ungekränkt die Moabitin Ruth zum Weibe nehmen kann. Wer dagegen ist, der melde sich.“
Jashu reckt sich wild. „Wie gesagt: hier ist ein Priesterrat, kein weltlicher! Es wird endlich Zeit, daß wir uns von fremden Elementen reinigen, von Weibern, Männern. Macht Schluß mit der Verbrüderung von Heiden! Sie sind andersblütig und wir zerstören uns, wenn wir solche Ehe dulden.“
„Darf ich ihm eine Antwort geben“, fragt Kenias. Pereztha nickt. Jener wendet sich an Jashu. „Ich zerreibe deine Punkte. Hier ist ein Fürstenrat und wir Ältesten sowie ihr Priester sind eingeladen worden. Der Oberpriester kann es dir bestätigen.“ „Stimmt“, sagt Anacarias, „möchte zudem wissen, was wichtiger ist: wir Priester bei den Fürsten oder sie bei uns.“
„Eben“, gibt Selemech ein Wort dazu. Kenias fährt in seiner Rede fort: „Kein Volk wächst aus sich selbst! Jakob hatte zwar zwölf Söhne; aber woher nahm er für sie Ehefrauen? Weiterhin entstammen die zwölf Söhne vier verschiedenen Frauen. Labans Ahnen kamen aus Chaldäa, und damals, Jashu, als Schriftgelehrter müßtest du das wissen, haben sich die Völker stark vermengt, weil sie erkannten: bloß das eigene Blut von Volk und Sippe — und man geht unter. Nun waren auch die beiden Frauen Bilha und Silpa nicht dem Volksstamm Labans zugehörig. Demnach gingen Jakobs Söhne aus verschiedenen Linien hervor.
Sicher gut, das Volk zur Reinheit zu erziehen, wozu zweckgebunden auch die Blutreinheit gehört. Doch der Adel der Gesinnung ja, das durchzuführen, ist ein Gebot! Unsern Eingott-Glauben auszubreiten kannst du nicht, wenn du in die fremden Städte gehst und predigst; geht‘s gut, lacht man dich aus, ansonst —
Werden Fremde unsere Eheleute, so nehmen sie, wie Naemi und auch Ruth das beste Beispiel bieten, unseren Glauben, unsere Sitten an. Geistig, Jashu, uns zugehörig, bringt uns am weitesten. Außerdem wächst zahlenmäßig mit das Volk. Deine ‚fremden Elemente‘ hören damit auf, fremd zu sein.
Unser Oberpriester hat sehr recht gesprochen: alle Menschen sind von Gott geschaffen worden. Niemand ist dafür verantwortlich, wo er geboren ward. Die Versteifung gegen andere führt zu Haß und Krieg und wird niemals Friede auf der Erde! Willst du kein Friedensträger sein? Oder denkst du, es genüge, hinzugehen und zu sagen: Kommt, wir wollen Frieden halten, sagst jedoch zugleich: ihr seid Heiden, ich will mich nicht mit euch beflecken!?“
„Friede?“ fährt Jashu wieder hoch. „Solang die Welt besteht, wird sie nie die Friedensfahne wehen sehen, vielleicht vorübergehend. Um so wichtiger ist durchzuführen, das Volk werde, bleibe rein durch seine Ehen!“ „Schade, daß du da kein Beispiel bist“, ruft Selemech sarkastisch. Jashu schüttelt nur sein Haupt und schüttelt damit eine kleine Regung ab.
„Ich gebe Jashu darin recht“, sagt Pereztha: „Jenen Frieden wird die Welt kaum sehen, daß alle Völker insgesamt sich unter dessen Banner scharen. Und doch — kennen wir des Schöpfers weisen Willen, wie ER die Völker führen wird? Jedes ist draufaus, zu wachsen. Zum Frieden nicht, wir wissen es! So wächst auch die gesamte Menschheit und mit ihr der Haß, der Krieg.
Wie wichtig wäre es, andere herzuholen und dadurch GOTTES FRIEDEN aufzurichten! Wohl sind Worte gut, auch Gott hat uns belehrt. Werden Worte nicht durch Taten untermauert, was nützen sie? Gott sprach nicht erst auf Sinai, früher auch bereits; denkt an Abraham, dem Er Sein Tun hat wissen lassen! Sich danach zu richten, würden wir ein Volk des Friedens sein! Ob uns das gelingt — ?“ Ein langer Seufzer entflieht des Fürsten Mund.
„Wirklich wahr gesagt“, bestätigt Anacarias. „Für die Zukunftsmenschheit können wir nicht haften; ein guter Nährboden aber ist zu schaffen. Halten wir für uns den Frieden ein, so geben wir ein ‚Tatenbeispiel‘ ab. Heute wollen wir uns nicht zu sehr verbreitern, ich stelle noch einmal die Frage: Wer ist gegen einen Bund zwischen Boas und der Ruth?“
Durch den Hinweis auf den Frieden ist manche Meinung revidiert. Nur Jashu hat ein stures Nein. Ihm ist‘s ein großes Ärgernis, weil seine Stimme keinen Ausschlag gibt. Die Worte seines Vorgesetzten, Perezthas und von den andern finden keinen Weg zu ihm. ‚Da muß GOTT walten‘, denkt Boas und verzeiht dem Widersacher. Nun ist der Punkt erledigt. Anacarias ruft Boas auf, mit Ruth und nächsten Anverwandten in sieben Tagen seinen Ehescherf zu bringen und alsdann die Eherolle in Empfang zu nehmen.
Noch ein paar wichtige Dinge zwischen Gad und Ruben liegen vor, können aber rasch bereinigt werden. Danach bittet Isremia um das Wort. Er ist schon sehr beliebt geworden, man anerkennt den guten Sinn, und für Praktisches hat man immer etwas übrig. Er steht ruhig auf und sagt:
„Als ich von meinem Vater hörte, wie es hier zugegangen war, da dachte ich: nie kehrst du dorthin zurück! Die Ungerechtigkeit — wer soll sie denn ertragen? Dennoch kam die Sehnsucht über mich: heim ins Land der Väter! Bloß die Abrechnungen hielt ich hoch, weltlich ganz berechtigt. Und wer, meint ihr, belehrte mich, die Abrechnung — wenn nötig — unserm GOTT zu überlassen?
Naemi ist‘s gewesen, mit wenig Worten ihres reinen Glaubens! Nun bin ich froh, daß ich der Heimat dienen kann. Mit Taten! Und glaubt es mir: die Fremde hat mich reif und klug gemacht. Viel lernte ich vom Vater meiner Frau, dem Korinther Kaufherrn. Er war ein edler Mensch, nicht so zugeknöpft wie manche unter uns, wenn es gilt, mit Taten anderen zu helfen.
Gegeifert ward, als der Säckel aufzumachen war, um des Richters Unrecht auszugleichen und wie man ‚diese Opfer‘ wieder einzubringen hätte. Doch anderes. Auf dem Weg durchs Land erkannte ich gar viele Mängel, die abzustellen wären. Weil das etwas kostet, bleibt man mit geschlossenen Händen stehn.
Mein Vater lehrte mich von Abraham, was er für das Land und seine Leute tat. Josua hätte vieles wieder eingeführt, er und Mose wußten ja Bescheid, auch vom langen Leben in Ägypten, wo man seine Hände regte und, den Chaldäern gleich, Stadt und Land, Flur und Straßen bestens baute. So handelt man in Griechenland. Daselbst ist alles freundlich, hell und gut getan.
Nun hat Kanaan, außer reichen Gärten, zuviel rauhe Höhen, die nur teils ein Weideland ergeben. Immerhin, unsere Wege sind noch keine Straßen, wie Abraham für manche sorgte. Zum Wohl des Volkes könnte viel geschaffen werden und reiche Reisende kämen zu uns her. Sie meiden uns, weil der Durchritt zu beschwerlich ist.
Nicht alles ist zwar gut zu machen, aber vieles. Rundum habe ich geprüft und es wäre gut, wenn auch da die Stämme einig würden, bei sich selbst, und die Grenzen lockerten, die man gegenseitig zieht. Das ist Sache eines jeden Fürsten, und die Ältesten sollten ihre Fürsten darin unterstützen.“
„Das bedeutet neue Steuern“, läßt sich Josamath vernehmen. „Und neue Unzufriedenheiten, die wir Fürsten auszubaden hätten“, wirft Demach ein. „Ich bin nicht dagegen, Isremia, im Gegenteil — es wäre wünschenswert, könnten wir auf diese Weise einen guten Fortschritt haben.“ Er macht Perezthas vorigen langen Seufzer nach.
„Versucht es doch“, ermuntert Boas. „Wir von Bethlehem übernehmen einen Teil vom Wege nach Jerusalem, mit Isremia abgesprochen. Wenn die größeren Städte sich verbinden, wird es besser werden und die oft ungangbaren Pfade würden breite Wege. Das verlangt wohl keine allzu hohe Steuer.“
Hm, bloß wie die Steuerzahler reagieren werden, ach ja — — „Die Zänker schickt mir zu“, sagt Pereztha, „um sie zu bezähmen.“ „Wenn du mich zum Zähmen brauchst, stehe ich dir zur Verfügung“, lacht Isremia. Außer Jashu lachen alle mit. Der geht grußlos fort; man läßt ihn gehen. Weil aber Anacarias sitzen bleibt, tun die andern Priester es ihm nach.
„Eine ernste Sache ist noch zu erwägen,“ beginnt der Fürst aufs neue. „Gestern kam aus Antiochien ein Händler und bat, ob er hie und da verkaufen dürfe.“ „Mit was handelt er?“ fragt Isremia. „Mit Verschiedenem, aus Ebenholz, Elfenbein, wertvolle Steine für Kairo vorbestimmt. Die Kamele wären sehr beladen und so möchte er sie auf dem Weg erleichtern. Ich hab‘ es ihm gestattet, unsere Wirtschaft bleibt da ungeschädigt. Was meinst du, Isremia?“
„Ich sage ‚ja‘, und hätte er die gleichen Waren wie ich selbst. Solch ein Durchzug schadet nichts.“ „Das freut mich sehr, weil du so denkst. Nun das Wichtige: er fragte, ob unser letztes Oberhaupt ein Richter Beraba gewesen sei. Ich horchte auf, ohne zu verraten, ob das stimmt und fragte nur, ob er ihn näher kennt.
‚Kennen ist zuviel gesagt‘, erwiderte der Händler. ‚In Antiochien gibt es eine kleine israelische Gemeinde, aus ihrer Vorväter Zeit. Dieser Beraba sprach über Israels unhaltbare Zustände, seit er das Land verlassen habe; nicht ansehen mochte er das Unrecht, das hier geschähe. Daraufhin haben ihn die Israelen aufgenommen, verpflegt und zu ihrem Oberhaupt gemacht.
Er kam mit syrischen Männern in Kontakt, ich bin mit mehreren von ihnen gut befreundet, und er hat Syrien gegen euch verhetzt. Ich sagte, man sollte warten, bis ich von meiner Handelsreise wiederkäme und würde ihnen Kunde bringen. Schau‘, sprach er zu mir, ‚ich bin offen und hoffe, daß ich unbehelligt bleibe. Auch sah ich auf dem Wege keine Ungerechtigkeit und nahm ich mir gleich vor, der Sache auf den Grund zu gehen. Wer das Land durchzieht, hat manche Blicke mehr, um die Leute zu durchschauen. Mir redete er zuviel, was für mich kein gutes Zeichen ist.‘
Selemech ruft aufgebracht: „Jemand müßte gleich nach Antiochien, um die Leute vor dem Lump zu warnen!“ Anacarias verneint. „Warten wir erst ab, ob weitere Kunde kommt“ „Das kann für uns gefährlich sein“, sagt Josamath. Isremia meldet sich: „Ist der Händler noch in unserer Stadt?“ „Er reist morgen weiter“, gibt der Fürst Bescheid. „Wo ist er abgestiegen? Ich möchte mich mit ihm verbinden, zumal ich auch in Antiochien eine Niederlage habe.
Da ich ohnehin in Kürze dahin reisen muß, werde ich den Fuchs zur Strecke bringen.“ „Hüte dich“, warnt einer, „er kann dir eine Falle stellen“, „. . . in die das Füchslein fällt!“ sagt Isremia hart. „Ich weiß, daß du es schaffst“, bestätigt Boas, „am liebsten zöge ich mit dir.“ „Bleib‘ in Bethlehem, schon wegen Ruth, der Mütter und meiner lieben Frau. Du mußt zudem die Wegearbeit überwachen. Jeder auf dem Platz, wo er am besten dienen kann.“
„Ein Diener führt dich hin, wo der Händler abgestiegen ist“, sagt Pereztha, „und wenn du willst, bringe ihn am Abend mit zu mir. Für heute sind wir fertig, Berabas Sache ist erst zu verhandeln, wenn wir durch Isremia Näheres erfahren haben.“ Teils getrost, teils besorgt geht man auseinander, stets gewärtig, zum Nutzen Israels die Barrikade zu besteigen.
Isremia kommt mit dem Händler bestens überein. Der warnt ebenso vor Beraba. „Ich kenne ihn“, erwidert Isremia, „meine Eltern mußten vor ihm flüchten; alles ließen wir zurück und so sei versichert: ich bringe ihn zu Fall! Willst du mit mir im Handel einig werden? Bestimmt für dich kein Schaden.“
Isremia gibt dem Syrer an, wo er mit seinen Häusern in Verbindung treten könnte. Das freut den Syrer so, daß er am Ende sagt: „Unsere Oberhäupter kenne ich sehr gut und habe unter ihnen manchen Freund, könnte also bestens für euch reden. Weißt, ich bin ganz ehrlich: an sich hatte ich für Israelen nicht viel übrig, hab‘ so mancherlei durchschaut. Nie aber werfe ich dann allesamt in einen Topf; das sollte man nicht tun.“
„Auch ich lernte gute Fremde und die Dunkelmänner kennen. Man muß unterscheiden, um nicht an sich selber irr zu werden. Syrien hat mehrmals gegen Israel nicht gut gehandelt; allein — zwischen Völkern gibt es zu leicht Reibereien, die allgemein auf leichte Weise zu bereinigen wären. Aber nein — es wird immer gleich das Kriegsbeil ausgegraben. Leider!“
„Am Ende ist immer schwierig zu sagen: wer hat angefangen?, wer hat recht? Ich glaube“, sagt der Syrer, „bei allen Kriegen, so noch kommen werden, und die bleiben auf der Welt nicht aus, tritt hinterher die größte Krise auf, Recht und Unrecht auszuwiegen.“
„Ich denke ebenso“, bestätigt Isremia. „Nun komme mit, der Fürst erwartet uns, wir wollen einiges besprechen.“ „Er gefällt mir gut, ruhig und so klug, für alles hatte er ein offenes Ohr. Er begrüßte mich wie einen Freund und er kannte mich doch nicht. Das war jene Freundschaft, die ehrlich ist. Das habe ich gefühlt.“ „Freut mich sehr, weil du unserm Fürsten solch ein schönes Denkmal setzt.“
Bis in die Nacht hinein sitzen die drei Männer beieinander und wird vieles festgelegt, was späterhin zum großen Nutzen ist.
NEUOFFENBARUNG