1 — Gehen
— G E H E N —
Ihr seid Kinder des Herrn, eures Gottes. 5. Mo. 14, 1
Noch besteht die erste Welt, die UR als Rückkehrbrücke schuf. Sie benutzend, und Gestürzte konnten sich die schwerste Umkehr sparen. Noch wird des Lichtes Reichtum in die Fremde bloß als Gast hineingetragen, solang ein Lichtkind die Materie besucht; aber sehen muß es Satan, was für ihn geopfert wird. Er drückt vergeblich beide Augen zu. Abermals wird seine harte Kruste angeschlagen, wo ihn die Opfer ‚überkreuzen‘. Einer dieser Überkreuzungsstrahlen geht vom Dysothera aus.
Viele stiegen nieder, ausgerüstet mit URs Kraft, den sie TAO MANA nennen; mit Geduld und Liebe aus dem dritten UR-Herzteil, der die Opferbahn des Heiligen ergibt. Der Abgang reißt im Empyreum keine Lücken. Unfaßbare Gnade hat die acht Sonnen der einst wunderbaren nun längst zerstörten Ataräus zu einem mit wichtigsten Ausfalltor gestaltet[VH15]. Ihr erstes Sonnenpaar, Orakania und Hagarma, sind Aus- und Eingangstore: hinab — zurück. Die bewohnten Sonnen nennt man auch Sterne; andere sind pure Licht- und Wärmeträger. —
Es ist ein lichter Morgen. Des Sternes Strahlen dringen in die Ferne, gleichwie die der Sonne, die ein weites Allraumfeld bedient und dessen Zeiten grenzt. Dankbar und erfreut betrachtet man die Schöpfungsherrlichkeit. Man geht zum Altar, der jedem heilig ist. Nicht wie auf der Welt, wo sie öfter höher stehen als der HERR, Der daran angebetet werden soll. Die Feuerherde, die UR stets Selber richtet, sind das Symbol vom Sanktuarium. Das ist der Unterschied von Licht und Welt.
Trotzdem kann auf Erden jeder Altar das Symbol bedeuten, wie die Bundeslade obenauf den ARIEL besaß, das ‚Schöpfer-Feuer‘, auch der Schöpfer in der Offenbarung (Hes. 43, 15-16). Zum Gnadenbund gehört, wer ARIEL als Heiligstes bewahrt (OJ. 6, 9). — Heute legt man wieder kleine Kerzen in den Feuerring, Dyso-Chata eine größere. Er betet an und lehrt:
„Tao Mana! Herr, Heiliger, Liebender und Ewiger! Preis, Ehre, Lob und Dank, Ehrfurcht, Liebe und Anbetung sei Dein! Du hast uns eine reiche Zeit vermacht, damit Dein Licht in uns zur Fackel werde. Auch hast Du meinen Meilenstein gesegnet, und ich darf wissen, daß der nächste an der Reihe ist.“ Man hebt die Augen höher auf. Ist‘s etwa schon so weit, daß Dyso-Chata wieder geht? War er nicht — — Er zeigt begütigend rundum:
„Getrost, geliebtes Volk! Wer ist euch wichtiger: Tao Mana oder ich?“ „Da bleibt keine Frage“, meldet sich der Himmelsprüfer, wie man Nusar heiter nennt. „Hast du gefragt, weil wir . . .“ „Laß dich unterbrechen, Freund. Meine Frage galt nicht euerm Soll und Haben Tao Mana gegenüber; in der Beantwortung der Frage kann ein anderes sich gleichfalls zeigen.“
„Dann brauchst du nicht von uns zu hören, was du vom Sanktuarium weißt“, erwidert Nusar. „Wir waren glücklich, als du kamst. Aber wenn du gehst — ? Wir sind über Lichtsorgen (S. 24, 6-25, 2) herrlich aufgeklärt. Gäbe es vielleicht auch eine ‚Lichttrauer‘, wenn du uns verläßt?“ „Lichttrauer“, murmelt jeder nach. Dyso-Chata lächelt lieb und ernst:
„Tao Mana geht euch über alles. Komme her, Nusar, sieh ins Feuer und erzähle, was es zeigt.“ Nusar tritt behende näher, greift aber nach des Priesters Hand, als ob er dadurch besser sehen könne. Glück rötet seine Wangen.
„Abaturan kommt! Er ist bereits auf einer Heimkehrstufe. Deshalb gehst du fort“, wendet Nusar sich an Dyso-Chata, „du überläßt ihm wieder seinen Stuhl. Ja, er gehört zu uns! Trotzdem bleibt bei mir die Trauer; denn wir haben dich sehr lieb, und scheiden tut stets weh. Oder aber kann die Freude über Abaturans Heimkehr eine Trauer überdecken?“
„Ja! Das ‚Fest des Gehens‘ kann sie überstrahlen. Das wundert euch; aber erst soll jeder in das Feuer sehen, damit ihr merkt, was Tao Mana euch beschert.“ „Wir auch?“ fragt ein Knabe. „Gewiß; nur kommen die Erwachsenen erst an die Reihe.“ Der Knabe nickt: „Ich fragte bloß, damit wir Jugend etwa nicht . . .“ Er stockt verlegen.
„. . . vergessen würden?“ Ein noch verlegeneres Nicken. Dyso-Chata geht zur Jugend hin, die stets bei Festen eine Gruppe bildet. Fragen schwirren ihm entgegen, aus jungem Mund (Ps. 8, 3), und gerne gibt er Antwort.
Inzwischen ist die Feuerschau beendet. Der zur Zeit erste Bürger sagt: „Dyso-Chata, ich fühlte das Bedenken Nusars und weiß trotz großer Freude über Abaturans Heimkehr nicht, wie die Freude unsere Trauer auszugleichen hat. Wie ist‘s möglich, daß sie — obzwar nicht niederdrückend — Ungeahntes mit sich bringt? Ich befürchte, daß dies Tao Mana nicht gefällt; es ist ein Ungenügend, und das — ja — ist auch ein Trauerspiel.“
„Nicht unbedingt, lieber Midgurd. Und Nusar begleitet mich zum nächsten Meilenstein. Es steht ihm aber frei.“ Nusar tritt näher hin: „Was Tao Mana will“, sagt er betont, „das wird getan. Doch mit dir — ? Ah, ich werde damit nicht ganz fertig. Gewiß, die Ehre fällt auf UR allein. Kann man davon auf sich selbst beziehen, so hätte ich sie nicht verdient. Oder ist im Feuerherd zu sehen, was sich mir ergeben kann?“
„Erst im Sanktuarium, wenn man vom Lichte scheiden muß.“ „Auch ein Trauerteil“, sagt Luosartum, „alle Herrlichkeiten aufzugeben, die uns Tao Mana UR im Übermaß beschert.“ Phroebe, neben ihrem Manne stehend, verhüllt ihr Haupt, gleichfalls traurig. Dyso Chata hält die Schwermut auf:
„Lichttrauer! Das Feuer zeigte euch auch an, wie trauervoll das Dasein armer Wesen ist, und jenes unsrer Freunde, die von der Kraft des Dunkels etwas aufgenommen haben. Da gebären Last und Leid die Trauer auf den Welten.
Lichttrauer und Lichtsorge haben gleichen Klang. Bei uns gibt‘s keine Trennung, es gibt keine Tränen außer jenen großer Freude. Wir gehen unsern Weg, von Tao Mana aus und zu Ihm zurück. Was wir dabei opfern können, ist pur dann die Freude URs, wenn wir es aus vollem Herzen für den Hinfall tun. All unser wenig oder mehr gleicht kein Opfer, das gleicht Tao Mana aus! Wir stehn im ersten Hauptteil der Entwicklung[VH16], aber schon im Schatten des Geschehens (Fall). So entfällt gar manches in das Unbewußte, mit dem man nicht so ohne weiteres fertig wird.
Welche Seligkeit, am Unvollendeten die Kraft zu messen, von einem Meilenstein zum anderen, bis wir am Feierabend alle heimgefunden haben! In URs Reich sind wir daheim. Doch am hehren Feierabend ist ja jede Türe in des Vaters Haus geöffnet; und wir schmecken Gottes große Güte (Ps. 31, 22), weil wir — vom Lichte her — in Seinem Licht gewachsen sind.
Nicht gut wäre, nur des Wissens wegen Gottes Feuer zu befragen.“ Dyso-Chata zeigt darauf hin. „Doch seid fröhlich; ich darf die Last der Trauer und des Abschieds von euch nehmen. Viele von euch haben einst das Fest des Kommens miterlebt, an dem Tao Mana sagte, daß ihr gut vorangekommen seid. Das wiederholte sich bei unserm schönen Bleibefest.
Denke nicht, liebe Bela-Sopher, ich hätte das gebracht. Es ist Tao Mana‘s Gabe! Ich war bloß der Überbringer. Das Fest des Gehens habt ihr noch nicht oft erlebt. Bei Abaturans Gang ward es nicht schwer gefühlt; denn GOTT stand euch zur Seite. Ihr hörtet Ihn und sahet Ihn! Er wird kommen, wenn es dienlich ist. Zuerst sollt ihr des Glaubens Freudigkeit beweisen, Ihn bei euch in Seiner hehren Sichtbarkeit zu wissen, auch in Seiner uns zum Nutzen zugedeckten Wesenheit (S, 23, 4-24, 4).
Jeder Beihilfweg ist ein Voran für alle. Nicht bemerkt, macht nicht den Segen klein. Die Gemeinschaftskette aus dem Geist hält UR mit beiden Händen fest; ihre Glieder bleiben beieinander. Ihr denkt, es löste sich das erste Glied (Sadhana), mit ihm viele kleine Glieder. Gewiß, wenn man es vom Standpunkt einer Kind-Erkenntnis aus betrachtet.
Satan mußte seine Höhle öffnen, damit die Wesen zur Entwicklung einzukörpern sind. Doch von altersher (Jes. 25, 1), bevor ein Kind zum Leben kam[VH17], hat UR eine Sondertüre und die Grunderlösung vorbedacht! Er nahm das erste Glied der Kinder aus der UR-Bedingung in die linke, die nächsten Glieder aus dem Freiheitswillen in die rechte Hand.
Mit den Eigenschaften — ohne Werke in der Reihenfolge Wille, Ordnung, Weisheit, Ernst — schuf Er den Kindern aus Geduld, Liebe und Barmherzigkeit den weißen Stein (OJ. 2, 17), der den Kinder-Zyklus zu besiegeln, nicht zu begraben hat. Vornehmlich aus der Geduld schloß Er das erste Glied nicht an die Kette an, die immer Seine Rechte (Recht) hält.
Wer sagt uns denn, ob nicht dadurch wieder eine Kette wird, weil URs beide Hände alle Glieder halten?, ob nicht damals jenes ersten Gliedes Weg vorausgesehen war (S. 33, 5), weshalb es auch als einziges in Seiner linken Hand verblieb? Das ist zu erkennen, weil das Glied beim Kinderwerden auch das erste wurde und das erste bleibt — trotz Treuebruch und Sturz.
Wird es sich als letztes an die Kette schmieden lassen, so wird Tao Mana UR vom unzugänglichen Licht ein Fenster öffnen, wird Seine Hände ineinanderfügen und die Kette schließen. Dann gibt es keine Ersten, keine Letzten mehr (Matt. 19, 30).
UR braucht nichts zu ändern!
Warum erst wenige von euch zur Fremde gingen, wird Tao Mana noch erklären. Er will uns besuchen. Seine Heimsuchungen sind ein großer Teil der Bündnisgnade: Er kommt in unser Heim! Ruft Er uns aber zu Sich hin, so gehört das ebenso zur Bündnisgnade. Das gleicht Seinen Händen: Ruf oder Heimsuchung haben für uns keinen Unterschied. Wir wollen Tao Mana UR als unseren liebsten Gast schon vor dem Haus begrüßen.“
Da tritt der Knabe näher, der die Feuerschau erbat und sagt: „O Priester Dyso-Chata, warum gehen wir denn nicht auf jenen Berg, wo Tao Mana UR zuerst zu sehen ist?“ „Wann hast du ihn gesehen?“ „Beim letztenmal; da sah ich auf dem Berg Sein Licht.“ Auch ein Mädchen hat das Licht gesehen. Der Priester nimmt die Kinder bei der Hand und sagt:
„Er ist unser aller Vater (Mal. 2, 10); doch in Seinem Volke gibt‘s Erwachsene und Kinder. Im Fortgang nimmt man zu an Weisheit, Alter und an Gnade (Luk. 2, 52). Erreicht man durch den Geist den Reifegrad Erwachsener, dann wird man auch in deren Stand versetzt. Materiell gilt mehr des Körpers Reife, der — ob alt, ob jung — vergänglich ist. Da ihr beide“, Dyso-Chata meint die Kinder, „selbst nach Tao Mana Ausschau hieltet und Ihn sehen konntet, deshalb sollt ihr nun die Weihe haben, die euch zu Erwachsenen macht. Wißt ihr, wie das vor sich geht?“
„O Priester“, ruft der Knabe aus, „wenn wir es auch wüßten, so gibt deine Lehre uns die Weihe. Den Segen gibt uns Tao Mana UR! Ist das recht erkannt?“ „Gut, Vasto! Und du, liebe Chersta-Vasto?“ Das Mädchen nickt mit leuchtenden Augen, mit einem freudigen „Ja“ und fragt: „Gehören wir zusammen, weil du an meinen Namen den des Knaben hängst?“
Dyso-Chata bestätigt es. „Ihr gehört sogar zu meinem Haus.“ Hoch beglückt fragen beide: „Warum war uns das verborgen? In der Schule saßen wir beisammen.“ „Zum Besten jeden Lichtkindgeistes ist zur Vereinigung die gesegnete Reife nötig, im Lichte stets die Reife der Erkenntnis“, werden sie belehrt.
„Legt euere Hände auf den Herd.“ Die kindlichen Gesichter wirken ernst. Alle Kinder werfen rote Blüten auf den Altar und schmücken die Gewänder der Erwählten. Dyso-Chata hebt die rechte Hand, die linke legt er auf das Altarbuch. Neben ihm stehen jetzt die Ältesten des Sternes. Er sagt:
„Der Herr, Heilige, Liebende und Ewige hat euch in den Reifestand versetzt. Wollt ihr aus Liebe zu Ihm handeln? die Gasse gehen, die ER euch zeigt? Schwer ist‘s, das Licht aufzugeben; steinig ist der Pfad auf einer Welt. Wollt ihr das, so saget ‚ja‘, um von Tao Mana UR die Weihe zu empfangen.“
Ein frohes, ernstes „Ja“ hallt weit hinaus ins Infinitum. „Wollt ihr“, fragt Dyso-Chata weiter, „den Ältesten gehorchen?“ „Ja!“ Zwei Älteste führen beide Kinder hin zu Dyso-Chata, wo sie niederknien, auch die Ältesten mit, die ihre Hüter (Paten) werden, bis sie sich bewähren können.
Der Priester streut einige Funken auf die Kinder. Im Impuls der Handlung, die ihre Herzen klopfen läßt, legen sie die Stirnen auf des Priesters Füße — ein Vorausakt Tao Mana gegenüber. Es wird nicht gesagt, daß dies UR gebührt; das Kindliche der Handlung wird voll anerkannt. Den Geweihten bringt man gute Wünsche dar. Ein Mädchen sagt zu Chersta: „Auch wir sind bald soweit.“ Sie zeigt auf einen Knaben, der bei Vasto steht. „Lernt jetzt fleißig“, tut jene schon ein wenig würdig. —
Man geht UR entgegen, Chersta und Vasto mit voraus; sie werden Tao Mana dargebracht (Mark. 10, 13-16). Alle tragen rote Blüten. Am Gottesberge angekommen, steht droben schon das Hohe Licht: UR, der Hochgeliebte. Zwei Drittel steigen sie hinauf, ein Drittel kommt der Herr herab. Was ist das für ein Zeichen? Und weshalb geht Er langsam? Abwärts ist‘s doch leichter als hinauf. Oder nicht —? Die Ältesten erkennen es als heiliges Symbol; Dyso-Chata sieht jedoch den tiefen Sinn.
Eine herrlich grüne Matte trennt das oberste Drittel von den zwei unteren des Berges. Es wirkt wie ein Ruhepunkt und ist noch nicht zu sagen, welcher Wegteil ihn am meisten braucht. Frei aus ihrem Geist, vom Licht erfüllt, wird UR umringt; nah genug, um sich wie an Ihn zu schmiegen, doch im Abstand lichtgerechter Anbetung. Vasto und Chersta legen tief erschauernd ihre Stirnen auf die Füße Tao Mana‘s. Und der Hohe spricht:
„Mein Volk! Ihr seid gekommen, um Mich einzuholen. Damit habt ihr viel errungen. Mit roten Zweigen, Abbild von Geduld und Liebe, seid ihr Mir begegnet; Geduld und Liebe seien also euer Lohn. Wer seinen Beihilfweg beendet hat, gewinnt den Überblick, der sich — zwar vom Hinfall wie verzögert — heimwärts in Mein Heiligtum ergibt. Daraus bauen wir den Armen ihre Heimfindstrecke. Jetzt bringt Mir eueren Willkomm; dann kehren wir in einem Hause ein, das ihr selber wählen könnt.“ Da bricht ein Jubel aus, auf dem Stern noch kaum gehört; und man hat so oft gejubelt.
Wie das Jubeln, so durcheilt die wortlos feierliche Anbetung das Empyreum. URs Kommen bietet immer eine Steigerung. Jedesmal denkt man: die Seligkeit hat ihren Höhepunkt erreicht. Es gibt in UR wohl keine Höhepunkte, wo Er sagen würde: ‚Jetzt habt ihr alles, jetzt ist es genug!‘ —
Am Altarherd stellt Er die Sternenkerze vorn inmitten hin, zeigt auf den Bodenschmuck und spricht: „Mein Volk! Die Freude, bei euch eingeheimst, könnt ihr nicht ermessen. Aber in der Bindung, die ihr durch den Weg zu Meinem Berg geschaffen habt, seid ihr befähigt, den Widerhall der Freude zu bewahren.
Wer sich, wozu die Fernen mit gehören, den Widerhall erringen und bewahren kann, hat dann im Verhältnis Schöpfer-Vater = Kindgeschöpf ebenfalls ein Ganzes eingeheimst, wie Ich jetzt Meine Freude über euch. Diese ist mit reinem Öl zu nähren. Verlangt das größere Hingebung an Mich? Gewiß ist das hinzuzurechnen; doch ein Gegensatz kann gute Nahrung sein.
Nicht so, als ob ICH die Gegensätze schuf, sonst wären sie in Mir gewesen. Ihre Urheberin ist die Entwicklung; doch die Führung liegt bei Mir. Denn nicht aus Gegensätzen, aus dem VOLLKOMMEN habe ich geschaffen. Wie jede Vorschau kein Vorausbestimmen war, desgleichen knüpfte Ich die Möglichkeit des Gegensatzes an das freie Werden Meiner Kinder an.
Dyso-Chata lehrte Meine Kette und das Kinderglied (S. 43,4 – 44,1). Durch den Fall, dem alle Gegensätze folgten, ist noch etwas anderes hinzuzulehren. Ein Gegensatz ergibt die Überkreuzung zweier Dinge, die sich nur ergänzen lassen, wenn eins im anderen die Auflösung erfährt. Der Abfall ist die Fremde, Mein Licht die Heimat. Nicht die Fremde, die Verirrten werden heimgeführt! Wird jene (Materie) dabei leer, so fällt sie in sich selbst zusammen, und der Gegensatz zur Heimat ist behoben.
Wollt ihr helfen, so leistet aus den Überkreuzungsstrahlen, die Ich aus Geduld und Liebe schuf (S. 40, 1), freudig diese Hilfe. Das ist echtes Öl für jede Lampe. Der Dunkelteil hat keine, sie können nur hineingetragen werden. Ihr bedenkt, Mein Licht bedürfe keiner Lampen. Jawohl, vom UR-Punkt aus gesehen. Für euch sind aber Lampen durch den Hinfall nötig.
Was sind nun Überkreuzungsstrahlen? Wie sind sie gestaltet? Was bewirken sie? Ist Kampfansage (S. 36, 5-6) ein Vernichtungsruf? Sich zu wehren, stand den Hingestürzten frei, weil erzwungenes Sich-beugen keine Edelbeugung ist. Ich brauche solche nicht, um etwa durch die Macht die Kinder zur Vernunft zu bringen.
Es erwehrt sich keiner Meiner Schöpfer-Macht, trotz Freiheit, die Ich jedem zugebilligt habe. Eine Gabe der Geduld! Aber wie Ich sie gestalte, steht in der Weisheit und im Ernst der Priester-Kraft, die segnen, helfen, heilen, retten will. Der Priester hat kein Muß gesetzt, weil der Schöpfer es besitzt; sonst wäre ich DER nicht, der alle Dinge schuf, der alles auch erhält.
Das Muß bewirkt erst dann den Zwang, wenn Ich ihn der Gott-Gewalt durch Überkreuzungsstrahlen übertrage. Alsdann gestaltet ihn Mein Opfer, dessen Sockel oder Altar heißt: Aus vollem Herzen tun, unter Aufgabe einer Freude, was sich allein auf Mich bezieht. Im zweiten Rang betrifft es die erworbene Kindschaft, die die Treuen hinzugeben haben, wollen sie der Armut dienen.
Die Weisheit gibt das Lamm, der Ernst opfert es[VH18], Soll das denn Freude sein, dem Hinfall Meine Heiligkeit zu opfern?! Wäre Freude aber nur das eigene erhöhte Fühlen, so gäbe es kein Opfer, aus den Überkreuzungsstrahlen kommend. Als Freude kennt Mein Licht allein den Nächstendienst! Das wäre auch gewesen, wenn es keinen Hinfall gab. Ist das nicht zu streng? O, es sieht streng aus; aber in die Überkreuzungsstrahlen setzte Ich die Gegenseitigkeit, das Contra einer Gegensätzlichkeit.
Das Opfer liegt in der Geduld, die zwischen der Gestaltung und der Auswirkung die Trägerin des Zieles ist. Nicht das Ziel selbst! Mitbesitzende der Auswirkung sind die Getreuen, weil — sollte sich der Erstling sperren und den von Mir Selbst gebrachten Opferdienst nicht anerkennen — den Getreuen doch des Schöpfers Ziel gesichert bleibt. Denn Ich erhalte Mir die Werke, so oder so, wie es MIR zur Freude wohlgefällt.
Wohlgefallen ist der Partner Meiner Freude. Ein Dienst auf Gegenseitigkeit, die aus Meinem und aus euren Opfern stammt, hat einen ewigen Bestand, weil Ich Mir aus Freude und aus Wohlgefallen Meine Kinder schuf, Hingabe als die Nächstendienstbarkeit ist eine Folge des vorauserworbenen Licht- und Lebensgutes, der gerechte Lohn, der jedem Opfernden gebührt[VH19].
Was bewirken Meine Überkreuzungsstrahlen? Wo ist die Tür, durch die der Fall den Ausweg hätte, während er trotz höhnenden Triumphs an selbstgebauten Mauern seine Ohnmacht fühlt? Ist keine Heimfindbrücke da, gestützt auf Meine Opferpfeiler, um nach der Auswegtür (Golgatha) den Heimweg zu bereiten? Oder müßte Ich nicht bloß die Dienenden zu Erben machen?!
O, auch euch gilt jeder Überkreuzungsstrahl. Nur bringen sie euch Seligkeit, dem Hinfall bittervollste Pein. Ob sich für ihn daraus Freude weben läßt, das bleibt noch zugedeckt. Das aber sei gesagt: Sogar die Beihilfwege fallen ins Bereich der Überkreuzungsstrahlen, weil sie eure Opfer sind.
Das Höchste eures Dienstes ist, eine Lichtzeit dranzugeben. Ich segne jedes Samenkorn, das hergegeben wird, jedes Sandkorn, das die Heimfindbrücke bauen hilft. Ein Beihilfweg kann für ein ganzes Sonnenvolk ein Fortschritt sein. Dyso-Chatas Straße ist für euch solch Segen. Sagte er euch nicht, daß euer Stern zu seinem Haus gehört? Und Abaturan hinterließ aus Meiner Hand bei seinem Weg gang reichen Segen — aus MIR! —
Auch die Weihe ist gesegnet. Kommt, Vasto und Chersta!“ Die Hüter führen ihre Jugendlichen zu Tao Mana hin. Erschauernd knien sie nieder. „Seid gesegnet, Kinder aus dem dritten Wächterhaus. Wohl euch, wenn ihr euch als ‚Kinder‘ fühlt! Dessen ungeachtet steht ihr nun im Kranze der Erwachsenen, die die größere Verantwortung zu tragen haben. Ich sprach vom Saat- und Sandkörnlein. Wahrlich, kein Kleines wird hinter einem Großen stehen, wird die kleine Arbeit gut und treu getan.
Strebet nach dem Ganzen, das auch im Kleinen liegt; bleibt gerne klein, denn also bleibt ihr Meine lieben Kinder. Es gibt ewig keine größere Auszeichnung als das herrliche ‚MEIN KIND‘! Nehmt auch von Abaturan immer Lehre an.“ Väterlich schaut UR zur Jugend hin, Sein Güteblick gilt auch den Großen. Dyso-Chata kniet sich nieder, und alle tun es sofort nach. Beide Hände hebt er hoch, mit Inbrunst betend:
„Tao Mana, Herr der Schöpfung, Heiliger der Werke, Liebender der Kinder, Ewiger der Tat! Du fragst nie nach groß und klein, wenn ein Herz Dich liebt, DU hast uns zuerst geliebt, wir lieben Dich! Als Dein UR-Geist uns erschuf, stand schon Deine Liebe über uns. Tao Mana UR, Mi-Ara-Mi!“
UR erwidert: „Ich habe eure Kindschaft MIR bewahrt!“ Er legt die Hände auf die zwei geweihten Kinder. Dann fragt Er freundlich, in welches Haus sie gehen möchten. Man wählt das Haus des Priesters. „Und du?“ fragt UR den Wächter. „Ich wähle Nusars Haus, weil er einen Wegteil mit mir wandern wird.“ Jener stottert: „Ich bin . . .“ „. . . noch gar nicht reif“, unterbricht ihn UR, „weil du seit langem ohne die Gehilfin bist (1. Mo. 2, 18), die zu dir gehört? Wir werden sehen, was in deinem Haus geschieht. Ich will über deine Schwelle treten.“ „Es ist zu klein“, sucht Nusar einzuwenden, „und das, o Tao Mana, sehe ich als Manko an.“
„Warte ab!“ Dyso-Chata schiebt ihn lächelnd vorwärts. „Wo sich des Vaters Kinder lagern, daselbst ist dein Grund.“ „So will ich eilen (Luk. 19, 1-9; [VH20]) und wiederkommen und Tao Mana folgen. ER ziehe vor mir her (2. Mo. 13, 21).“ So spricht ein Geist vom Empyreum. URs Antlitz leuchtet. Nusar, rasch zurückgekommen, beugt sich nieder: „Herr, die Hütte ist bereit; ziehe ein mit Deinem Segen.“ Und geht hinter Gott einher. —
Tausende sind‘s, die Tao Mana sehen; und jedem ist, als säße man an Seiner Seite. Ja — im Lichte fallen alle Mauern, ohne daß sie abgebrochen werden. Das Geistige hat immer eine weite Schau. — Nach einer Feiertafel — Gott kehrt zum erstenmal bei Nusar ein —‚ fragt Er ihn;
„Hast du eine Bitte? Erhörung kann sich zwar verschieden zeigen, ist außerdem an keine Zeit gebunden, weil der Bittende den Ausschlag gibt. Materielle bitten um Vergängliches; und sie wundern sich, weil Ich‘s nicht erhöre, weil oft das Gegenteil geschieht. Sie wissen nicht, daß das Gegenteil der SEGEN ist, der nicht auf ihrer Bitte ruhen kann.“
Nusar fragt bescheiden: „Tao Mana, darf ich etwas fragen, ehe ich die Bitte meines Herzens stelle?“ „Ja; mit Fragen kommt kein Kind zu Mir vergeblich. In manchen liegen gute Bitten, dem Frager selbst oft unbekannt. Eines ist zu merken: Man erbittet eine Antwort, um Unbekanntes zu erfahren.“
„Tao Mana, Du hast mein Haus erwählt. Ich bin‘s nicht wert, weil mir die Gehilfin fehlt. In fast allen Häusern brennen beide Kerzen (Mann und Frau).“ Ungewiß hebt er die Schultern hoch. „Meinst du?“ fragt UR freundlich. Wieder beugt sich Nusar tief. „O Vater, wir wissen um Dein hohes Ziel, auch wenn wir Kinder es nicht übersehen können. Bitte, hilf den Armen, die sich gegen Deine Hilfe spreizen. Nimm mein Sandkorn mit zum Brückenbau, um dadurch einen Abgeirrten heim zu locken.“
„Mein Sohn!“ UR hebt den Gebeugten auf. „Deine Bitte gleicht das Ungewisse Deiner Frage völlig aus, auch das Bedenken, du hättest Mir dein Haus allein nicht richtig zubereiten können. Wisset alle:
Bitten, die der Armut gelten, sind den Tropfen gleich im UR-Meer Meines Segens!
Das verschließt ja nicht, für sich selbst zu bitten. Was jedem dient und Meinen Segen bringt, ist das gute Fundament der Armenbitte. Wer sich nicht vergeistigt, was sogar im Lichte nötig ist — nur anders als in der Materie, in welcher kaum ein Ansatz zur Vergeistigung erfolgt — ‚ der wird schwerlich aus des Geistes Grund die echte Fürbittsprache lernen.
Nusar kann als Beispiel dienen. Also nehme Ich die Bürde seiner Frage weg, weil es diesen Falles vor Mir keine gibt.“ UR legt eine Hand auf Nusars Schulter und zeigt auf Dyso-Chata und auf einige andere: „Diese, auch Abaturan, sind sozusagen noch allein, Denkst du, Nusar, daß Dyso-Chata aus dem ‚Ungenügend seines Hauses‘ nur das Deine wählte?“
„Nein, Tao Mana! Er tat es mir zur Freude, mir Deine Einkehr zu bereiten. Meinen Dank dafür möge er in Deine Hände legen. Er kam von Deinem Herrschaftsstuhl und übernahm die Pflicht für unseren Stern, wozu er die Gehilfin nicht benötigte. Das ist kein Vergleich mit mir.“ „Wieso ist unser beider Sache unterschiedlich?“ fällt Dyso Chata ein.
„Du bist Regent, bis Abaturan wiederkommt“, erwidert Nusar, „und du stehst verantwortlich vor Tao Mana‘s Angesicht.“ „Dessen ungeachtet kann ein jeder selber bitten oder fragen und für sich selbst geradestehn“, sagt jener. „Vor UR gibt‘s keinen Unterschied im Range dessen, daß wir Seine Kinder sind, aus Seinem Licht geboren, mit Seinem Geist behaucht.
Pflichten des Gelübdes sind verschieden, was den Stand ergibt. Der erhöht uns nicht, abgesehen davon, daß man sich von einem, der im Pflichtstand höher steht, gern leiten lassen soll. Jetzt kann wohl der Unterschied wie Nebel weichen.“
„Das ist auch meine Ansicht“, lächelt UR. Vasto, mit Chersta nahe sitzend, sagt ernst: „O Tao Mana, Deine Ansicht! Es ist Dein Wille, ewig Gutes uns zu schaffen. Und Deine Ansicht möchte ich für immer gelten lassen.“ Da tritt die Feierstille ein, wie auf dem Berg, als man UR wortlos angebetet hatte.
„Ihr habt Mir Meine Einkehr hoch bereitet; denn was eines sagt und tut, kommt aus euer aller Herzen. Noch ist ein letztes Bröckchen von dem Steine zu beseitigen, den Nusar unnütz auf sich lud. Dennoch war das ‚unnütz‘ nicht umsonst; Ich schrieb es deinem Himmelswege gut“, sagt UR zu ihm.
„Du sollst mit Dyso eine Strecke wandern. Sind eure Frauen nicht bei euch, so können sie noch nach euch etwas zu verrichten haben; möglich auch“, UR lächelt wieder wunderbar, „daß sie schon vorangegangen sind. Sie können ja auf einer andern Stätte auf euch warten. In der Lehre, die nun folgt, werdet ihr es merken, um was es dabei geht. Hört zu!
Wenn alle für das Reich in Ewigkeit bereitet sind, gibt es keine zugemachten Türen mehr (S. 16, 1). Dyso-Chata kennt die offenen und zugemachten und lehrte, daß einst alle offen stünden. Wißt ihr noch das Herrlichste der Lehre?“ Von der Jugend ruft ein Mädchen:
„UR braucht nichts zu ändern!“ (S. 42, 6 – 44, 1) „Sehr gut! Komm her, Mein Kind!“ Etwas bange, weil es vorlaut war, sieht das Mädchen drein. Dyso-Chata führt es hinzu, und UR zieht die Kleine neben Seinen Stuhl, dabei sagend:
„Das lob‘ Ich Mir, aus jungem Munde Ehre anzuhören, Meine kleine Tochter! Hast nur du das Wichtigste behalten?“ Das Mädchen schmiegt sich zärtlich an: „Nein, geliebter Tao Mana. Wir Kinder hatten uns besprochen, jedes brachte etwas vor. Wir konnten bloß nicht alles merken; manches war uns auch zu schwer, besonders das vom einen Fenster.“ „Hat euch das bedrückt?“ fragt UR, während Seine Augen all die Kleinen segnen. „Ich weiß nicht“, sagt das Mädchen. „Ein bißchen seufzten wir, da wir fleißig lernen sollen, um bald zu den Erwachsenen zu zählen.“
„Seufzer sind sehr gut, ein Born, aus dem die Sehnsucht steigt. Letztere entwickelt jene Kraft, mit der das Unverstandene begriffen wird. Jedes kleine Ziel ist ein Baustein von dem großen, in welchem immer neue Ziele leuchten, weil es im Schöpfer keinen Stillstand gibt. Dein Merk war auch ein gutes Ziel. — Nun gehe wieder hin zur Jugend. Ich lehre von den Türen und vom einen Fenster weiter.“ Alle lauschen voll Erwartung.
„‚Wenn alle für die Ewigkeit bereitet sind!‘
Aus Meinem ATMA seid ihr zubereitet. Wer könnte sich entwickeln, wären keine Fähigkeiten eingeboren worden? Fertig, herrlich, wie Mein Schöpferwesen ist, so ging jedes Kind aus Meinem ATMA in das selbstbewußte Leben ein.
Auch Selbstbewußtsein ist ein Teil des ATMA-Geistanteiles. Fragt nicht, wie sich das Eigene entwickeln kann, wenn jede Fähigkeit aus Meinem ATMA kam, wo die Verantwortung, die Personalität des Kindes bliebe. Ist‘s nicht selbstverständlich, daß Ich das zu geben weiß, was Ich bin, was Ich besitze? Als Mein Werk müssen doch die Kinder auch Mein Anbild tragen, unabhängig davon, ob sie wie die Blätter eines Baumes wirken.
Trotz Abweichung sieht eines wie das andere aus, — die Kinder und die Blätter. Doch nicht eines ist im Feinsten ganz genau so wie das andere. Ich bin der Baum, und Meine Kinder sind die Blätter. Aus Meiner Schöpferherrlichkeit nahm ich die Kräfte, aus denen Ich das Volk Mir schuf.
Wie möglich gibt‘s dann Unterschiede? Ganz einfach! Sie sind in Meinem unzugänglichen Licht enthalten, dem die ATMA-Funken Ich für euch entnahm. Weil Ich nichts zu ändern brauche, zeigt dies ferner an, daß im Schöpferborn die Unaufhörlichkeit und Vielfältigkeit des Lebens liegt. So seid ihr zubereitet worden, von vornherein mit Fähigkeiten als ein Abglanz hehrer Schöpferfähigkeit. So, wie Ich Werk um Werk erstehen ließ, können alle Fähigkeiten in den Kindern sich entwickeln.
Jede Gabe kommt von Mir!
Trotzdem ist aus Fähigkeiten die Verantwortung zu tragen. Hier fängt das Eigene des Geschöpfes an; hier steht es Meinem Angesichte gegenüber. Auch habe ICH das Recht zu fragen: Was hast du mit den hocherhabenen ATMA-Gaben, Meinem GUT getan? Dem Recht entsteigt die Rechnung — Meine Abrechnung, wenn sie nötig ist.
Das entfällt nicht bloß auf die Materie, auch — zwar anders — auf das Licht. Denn aus der Zubereitung stellte Ich die Anwendung der Fähigkeit bereit, mit vielen Möglichkeiten, euch euere Entwicklung leicht zu machen; allein — nicht so leicht, daß zur Wahrheit würde, ihr könntet euch nicht selbst entwickeln, wenn jede Fähigkeit aus Meinem ATMA kam.
Seid ihr Träger Meines inneren und äußeren Wesensbildes, so muß aus der getätigten Entwicklung die eigene Verantwortung eine ganz persönliche Sache sein. Denn — wie gesagt — die Zubereitung schafft die Bereitstellung, daß ihr die Gaben frei verwenden könnt. Jetzt aber kommt es darauf an:
Wenn alle für das Reich in Ewigkeit bereitet sind! Das sieht so aus, als ob darin das Zubereitet läge. Oder gibt‘s ein Drittes, das alle Türen öffnen wird? Nun, da fehlt‘s noch an der Klarheit; nur Dyso-Chata kennt es teils vom Sanktuarium her. Wir machen heute aber keinen Sprung, sondern besser bloß den nächsten Schritt: die Zubereitung, bereitet werden, um etwas zu erhalten. Und — was käme dann?“ O, wie freundlich sieht der Hochgeliebte jeden an. Da steht Nusar auf und sagt:
„Tao Mana! Deine Frage ist an sich schon eine Antwort. Wenn die Zubereitung das Bereitet-werden gibt, die Verantwortung im freien Soll des ATMA-Funken aber selbst zu tragen ist, so steht an dritter Stelle: Sind wir bereit, Deine Gaben zu verwerten? in der Tat die Lehre zu befolgen, um aus all den Stücken für das Reich in Ewigkeit bereit zu sein?!
Bereit zu sein, Dich und Deine Lehre aufzunehmen und zu tun, was Du von mir erwarten kannst, weil ich vom Schöpfergeist den Anteil habe. Wer konnte Deine Arbeit hemmen, sagend: ‚Stelle niemand auf die Freiheitsbahn, den Anteil Deiner Willensmacht! Es genügt, wenn wir durch Führung Deine Kinder werden. Da gibt‘s kein Risiko, ob sie geraten möchten (Jer. 18, 4), wie Deine Schöpferherrlichkeit es sich ersieht!‘
Nicht ganz geraten! Freiheit ließ das Erstkind stürzen. Bestens zubereitet, für den Weg bereitet, — nicht selbst bereit, mit Dank die Gaben anzuwenden. Hilf, Tao Mana, daß wir bereit sind, wenn Du rufst, wenn Du uns lehrst und lehren läßt. Gib, daß ich durch Deine Hilfe auch ein Helfer werden kann.“ In diese Bitte stimmen alle ein. Und UR erwidert:
„Meine Kinder! Auf das Bereitsein kommt es an. Weniger für Meine Ewigkeit; denn Raum und Zeit sind UR-Grundteile Meiner Selbst. Also bleibt‘s bestehen: ‚Wenn alle für das Reich in Ewigkeit bereitet sind!‘ Steht Mein Reich bereit und will Ich wieder holen, die im fremden Stalle hausen (Joh. K. 10), so könnt ihr stets bereit sein, Meinen Willen auszuführen.
Dazu gehört, vor den Türen stehen. Ich weiß die Zeit, wann sich diese oder jene öffnen soll. Eine bleibt geschlossen, durch welche Ich die Werke in den Werkraum trage oder wieder einvernehme in den Quell der Mitternacht, den die Ersten bloß im Lichttraum einmal sehen dürfen[VH21]. Denn kein Geschöpf kann Meinen UR-Quell in der Schöpfer-Mitternacht erleben!
Diese eine Türe wollte unser Erstkind öffnen. Da drehte Ich es heimlich um und der Ungehorsam ward zu seinem Heil zur Mauer. Wohl noch unerkannt: Die Mauer facht die Sehnsucht an (S. 52, 1), einst durch Meine Opferung erlöst zu werden, dazu das brennende Verlangen, seine Mauer möge wieder fallen.
Das ist dann für die Armen eine Gnadentür, für die Getreuen ihre letzte. Nicht gemeint, daß ihr vorher nicht im Empyreum wohntet; nur euere Seligkeit und Freude werden ihren Höhepunkt erlangen, wenn mein Volk geeint im Lichte wohnt. Denn wo Lücken sind, da gibt es Schmerzen — auch im Reich!
Aus Meinem Reich-Tum gebe Ich, was Mein Volk im ganzen tragen kann. Fehlt ein Glied, dann geht desselben Anteil in die Ewigkeit zurück, weil er Eure Seligkeit nicht steigern würde. Immerhin — der Anteil, zu eurem und der Hingefallenen Heil zurückgenommen, dieser fehlte — fehlte ja dem ganzen Volk! Schließt sich einst des Volkes Lücke, so kommt dann auch die Schau ins eine Fenster vom verborgenen Licht. Ihr werdet dann des sechsten Tages[VH22] letzte Offenbarung hören; davon gibt es keine Vorschau, weil des Tages letzte Seligkeit die letzte bleibt.
Ein Hinweis noch: Durch die Türen kann man gehen, kann man auch die Klinke niederdrücken, wenn nicht Meine Heiligkeit den Riegel vorgeschoben hat. Selber öffnen geht mit Meinem Auftun Hand in Hand bei jeder weiteren Erkenntnis. Letztere läßt das gerechte Greifen nach der Türe zu; von außen nach innen durch ein Näher-her-zu-Mir. Ich öffne dann von innen und lasse so von Meinem Inneren das Licht entgegenstrahlen.
Bei den Fenstern ist‘s ein anderes und doch ein gleiches. Man kann durch dieselben einen Raum betrachten. Dabei wäre aber wenig zu erblicken, wäre es in ihm wie vor den Fenstern dunkel. Will man einen Raum von außen sehen, dann muß er erleuchtet sein oder draußen ‚heller Tag‘.
Das unzugängliche Licht kennt keine Dunkelheit. Des Falles wegen sind die Läden zugemacht. Aber was vom Raumlicht Meine Treuen tragen können, bringe ICH heraus, weil Ich Selber immer drinnen wohne und nirgend anderwärts. Nur bindet Mich nichts an denselben, für euch zugeschlossenen Raum.
Ich nahm aus meiner Heiligkeit Mir Kleid und Mantel = Gestalt und Form; nicht jetzt erst oder später, um allen Kindern zu begegnen. Ich nahm vom ATMA Meines zugedeckten Lichtes soviel Funken, als es Kinder gab — Ich meine nicht den Geist, der mit der Lichtzeugung gegeben ist — ‚ um ihnen mit der eingepflanzten Fähigkeit den Fortgang der Erkenntnis selbst zu überlassen.
Bela denkt, auf welche Weise diese Funken in euch kämen. Auch wäre euer Geist von Meinem Licht, weil Ich nicht zweierlei besäße; oder ob das offenbare Licht ein minderes denn das geheime Raumlicht sei. Gut bedacht, liebe Tochter! Machen wir ein praktisches Exempel.“ UR stellt vor Seinen Platz eine große Kerze hin, schließt die beiden Fenster, die der Raum besitzt und führt alle vor das Haus. Dort lehrt Er weiter:
„Von der Kerze als Vergleich vom unschaubaren Licht dringt kein Fünklein durch die Läden. Doch nun nehme Ich ein Durchguckhölzchen weg und —“ „Darf ich?“ bittet Bela. UR erlaubt es gern. Auf die Öffnung zeigend, sagt sie: „Wir sehn vom Schöpfer-Raumlicht einen winzig kleinen Strahl, denn der Durchguck ist sehr klein. Den noch hat der Strahl entsprechend Deiner ganzen Kerze eine gleiche Helligkeit. Ebenso, meine ich, ist es mit den ATMA-Funken Deines zugedeckten Lichts.
Was wir davon haben, hat dieselbe Helligkeit, entsprechend einer Funkengröße. Auch Deine Lehre ist aus jenem Teil, den Du mit Deiner Offenbarungsschau uns schenkst. Denn DICH zu sehen, ist ein Anblick von dem zugedeckten Licht. Die Gestalt ist die gnadenvolle Decke (2. Mo. 34, 33), damit wir Deine Herrlichkeit genießen können, ohne zu vergehen. Und noch das, wenn ich darf?“ Sie sieht Tao Mana fragend an. Er nickt gewährend.
Bela zeigt zum Durchguck hin: „Blinkt uns einst vom Raumlicht Deiner zugedeckten Schöpferherrlichkeit soviel entgegen, dann sehen wir genug, um ewiglich davon zu zehren, daß unser Geist für immer seine Lebenskraft behält.“ Bela geht an Sophers Seite, aber UR holt sie zurück und sagt:
„Zur Freude Dyso-Chatas gibt es heute mehrere Belobigungen. Bela konnte eben Meine Lehre zeitgemäß vermitteln. So hat jedes einen guten Anteil aufgenommen. Ich lösche nun die Kerze selbst, weil sie durch euere Erkenntnis zugenommen hat. Dann ist ein Weiteres zu besprechen.“
Als alle ihre Plätze innehaben, sagt Dyso-Chata: „Ewig-guter Tao Mana UR! Du hast vom Vater-Herzteil uns sogar ein zweites Licht geschenkt. Wie aber ward durch unsere Erkenntnis Deine Raumlichtkerze größer? Als Wächter Deines dritten Gott-Herzstromes erlebte ich schon oft, wie Du uns den Anteil ‚zugeschoben‘ hast, der Dein UR-Teil ist. In Hinsicht Deines Wortes fragte ich wie Deine liebe Tochter.“ UR erwidert:
„Du weißt ja, Frage oder Rede, — beides wird geführt von Meinem zugedeckten Licht, euch zum Fortschritt und zur Freude.“ „Tao Mana UR, Dein Hinweis ist ein starker Stab, oder so gesagt: Der Stab, den ich einst von Dir erhielt, ist um ein gutes Stück gewachsen. Dir sei in Ehre Lob und Dank gebracht. Noch sei der zugedeckte Anteil angesehen:
Dein Raumlicht wird von dem, was ein Kind vollbringen darf, nicht größer. Schaffst Du aus dem Lichtstoff neue Werke, wird eben so des Lichtes Unergründlichkeit nicht weniger. Anders gäbe es dieselbe nicht! Bildeten sich Lücken, so füllte sich das Licht gleich einem Tümpel selbst nicht nach. Vom Raumlicht kommt der Schöpfungstage Morgen, sinken ihre Abende hinein, in deren Ablauf auch Dein Kindvolk eingebettet ist; das Kommen, Bleiben, Gehen; Fähigkeit und Gaben. Das verwertet unser Geist; denn er weiß, daß Deine Güte uns den Anteil gibt.
Was uns von der Raumlichtkerze überkommt, ist das Herrlichste der Güte: selber denken, reden, handeln; aber wissend, aus der Kraft des ATMA-Funkens es zu tun. Tao Mana UR, Herr, Heiliger, Liebender und Ewiger, in Ehrfurcht Dir ein Mi-Ara-Mi!“ Man stimmt in den Dankruf ein. Es ist ein Amen, dessen Widerhall auf alle Lichtkindgeister fällt. UR spricht:
„Mein Sohn, von deinem Stuhle her, aber auch vom Meilenstein des Weges hast du tief in Meine Herrlichkeit hineingeblickt. Daraus sei das Fest des Gehens abgeschlossen. Im Ausklang sei beleuchtet, was Abaturan lehrte; doch waren damals Zeit und tiefe Schau noch kein Gespann. Ja — die Zeit, jene Dimension, die ihr im Raum erlebt, ohne sie zu messen, weil das Messen der Vergangenheit geschöpfliches Vergänglich ist. In MIR nur sind und bleiben Zeiten eine Sache, an die Ich Meine Taten knüpfe.
Tat-Sachen sind Raum und Zeit in der UR-Ewigkeit!
‚Er hat Seine Schöpfungsuhr zurückgestellt, Er läßt den Gang der Zeiger langsam gehen. ER, der Herr der Zeit, kann Sein Wirken:
Schöpfung, Werden und Entwicklung an den Pendel Seiner Raum- und Zeit-Uhr hängen und spielt es keine Rolle, ob er weiter oder enger schwingt. Im Rhythmus dieses Pendels haben alle Dinge ihren Rhythmus‘ (5. 7, 3).
Daß dies nur wenige begriffen hatten, war kein Fehler. Es traf das Langsam Meines Pendels zu. Im langsamen Begreifen, richtiger im Ergreifen, wird die Erkenntnis bleibend sein. Da gibt es nichts Vergängliches, weil Erkenntnisse der Raum-Zeit angehören. Sie sind ein ewig bleibendes UR-Lichtprodukt.
Die Schöpfungsuhr zurückgestellt! Mußte so die Ordnung nicht aus ihren Angeln fallen? Bin Ich im Sinn des zugedeckten Lichtes Raum und Zeit, so ergänzten sich der Wille und die Ordnung nicht. Denn der WILLE hält die Zeituhr auf, während Meine ORDNUNG unabweichbar planend wirkt. Was heißt überhaupt ‚die Uhr zurück gestellt‘? Ging sie nicht richtig? ging sie vor?
Alle Werke hängen voneinander ab, wie die Bahn der Himmelskörper es enthüllt. Das zugedeckte Licht ist Mein eigenes Zeigerpaar, das Infinitum jenes Meiner Werke. War den Kindern zu vermitteln, was zu ihrer höchsten Seligkeit bedacht und vorbereitet ist, so mußte ich im vorhinein den Weg und Gang bedenken, sozusagen mit Mir Selbst zu Rate sitzen. Das ‚Muß‘ ist kein Nicht-anders-können; das gibt Mein freiherrlicher Wille her.
Da Ich in Mir Zeit und Raum zusammenfügte und im Fortgang dieses innerlichen Werdens für den Raum die Zeit benötigte, so ging des Lichtes Uhr im Pendelschlag der Ordnung ihren Gang. Nicht nur, weil ein hohes Werk den Kindern zubereitet werden sollte; sondern in der Embryo-Entwicklung Meiner Kinder habe Ich ihr Sein vorausgeschaut — Ich betone abermals: nicht vorausbestimmt!
Solltet ihr zum selbstbewußten Leben kommen, dann war aus Meinem heilsgewohnten Muß die Lichtuhr auf den Stand zurückzudrehen, auf dem die Werk- und Kinderzeiger laufen sollten; ansonst wäre vieles Herrliche zum wesentlichen Teil verringert worden. Brächte Mir das einen Jubel ein, würde Ich die Licht-Raum-Zeit beschneiden?, oder müßten Meine Kinder, lediglich von Mir geführt, ihr Dasein leben? Da gäbe es nichts Seliges, über das die Kinder jubeln und Mir dafür danken könnten.
Ob und inwieweit die Licht-Uhr ihren Gang behält, ist Meine Sache! Jene Zeiger, die euch betreffen, hatte Ich schon eingestellt, als Ich in Mir ein Volk erweckte. Das meinte Abaturan, ohne selbst den tiefsten Sinn zu sehen.
Wieso konnte er es dann enthüllen? Seht, ihr bestellt die Gärten und die Felder (nicht irdisch gemeint), und wisset, daß der Samen seine Zeit benötigt, bevor er aus dem Boden sprießt. Das gleicht der vorausgegebenen Offenbarung, weil nur aus erworbener Erkenntnis deren Wachstum besser vor sich geht.
Jetzt kommt Abaturans Saat hervor. Da sie von Meinem zugedeckten Lichte war, kann sie kein anderer denn ICH betreuen. Weiter folgt darauf: ‚Er läßt den Gang der Zeiger langsam gehen.‘ Wohl hängt das mit dem Fall zusammen, aber nur als dessen Folge. Oder glaubet ihr, Ich müsse rasch der Uhr in ihre Räder fallen, weil sich ein Manko eingeschlichen hat? — ?
Nein! Zwar ist das ‚langsam gehen‘ aus der Vorschau auf den Fall bestimmt, aber nie aus der Ursächlichkeit. Meine Lichtzeit ist nicht anzugeben; denn Mein geheimes Tun ist keine Sache der Geschöpfe. Und das aus Meiner heilsgewohnten Arbeit für die Kinder! Denn für Mich brauche Ich das alles nicht!! Mein Schöpferjubel, der Meine Brust durchbraust im Anblick jahrmillionen Werke, in Meiner Lichtwerkstatt entstanden, wird unmöglich größer, wenn ein neues Werk als Perle Meine Schöpfertruhe füllt! Anders müßte Ich Mich steigern, was das ‚Ich bin vollkommen‘ annulliert.
Steigerungen sind die Stufen zur Vollendung, die dem Geschöpf und seiner Art entspricht. VOLLKOMMEN ist, was nicht geändert werden braucht! Aber aus der eigenen Vollkommenheit stellte Ich die Werke auf die Wege zur Vollendung. Ja, der Strahl, den ihr im Durchblick sehen konntet, hatte eine größenmäßig gleiche Helligkeit, wie Meine ganze UR-Lichtkerze sie besitzt.
Die Werke sind der Herkunft nach vollkommen; auf die vorgesehene Entwicklung trifft jedoch das ‚langsam‘ zu. Auch hier ein Beispiel Abaturans von den Himmelskörpern: Die majestätische und rasche Bahn (S. 6, 1-2; 7, 4 – 8, 2) entspricht den Zeigerpaaren der Raum-Zeit-Uhr, wovon eines Meine Licht-, das andere die Werkzeit künden.
Im UR-Unendlich mit den jahrmillionen Werken schwingt der Pendel weit. Denn nicht das Engere erträgt das Eilig. Im Lichtfluß Meiner Schöpfermacht sind weit und rasch geeint. Eng und langsam sind der Lebenszeit der Kinder angepaßt. Nichts steigert sich in MIR; also kann auch nur das Weiteste und Schnellste an der Schöpfer-Uhr Mein ICH betreffen.
Das habt ihr verstanden, ohne nach der letzten Türe der Erkenntnis eure Hände auszustrecken. Noch ein Beispiel höret an: Ihr könnt im raschen Flug von einem Stern zum anderen gelangen, auch zu Mir ins Sanktuarium, seid aber langsam hin zum Berge und mit Mir zurück gewandert. Ich paßte Meine Schöpferfüße euren Schritten an. Und was war dabei das Schönste?“
„O“, ruft ein Kind, „wir erlebten alle Herrlichkeiten der Natur (die geistige), die lieben Tiere, und — wir sahen Dich, geliebter Tao Mana, auf dem Berg, solange wir hinangestiegen sind, ebenso den Weg zurück, dazu die Lehre, die Du offenbartest. Wenn alles eilig ginge, würden wir die Wunder Deiner Lehre, Deiner Schöpfung nicht verstehen.“ Tao Mana hebt die Rechte:
„Komme her, Mein Kind!“ Fröhlich läuft es vor. Dyso-Chata lacht: „Na, Kleines, bist trotz deiner Ansicht rasch gesprungen.“ Nicht wissend, wie gemeint, sieht das Kind auf Tao Mana. Er sagt, auch lächelnd: „Gerade gut, um noch den letzten Satz aus Abaturans Lehre zu beleuchten. ‚Im Rhythmus dieses Pendels haben alle Dinge ihren Rhythmus.‘ Keiner weiß, wo das Langsam oder Schnelle einzuschalten wäre. Nun — wen Ich rufe, kann in seines Herzens Sturmschritt zu Mir eilen, wozu ihn seine Liebe treibt.
Wenn das geschieht, treibt euch der ATMA-Funken, der am weiten, schnellen Pendelschlag der Licht-Uhr hängt. Darum merket auf: Das Nur-Geistige kann rasche Wege wandern, tief, hoch, weit, und nahe her zu Mir! Dieser Wege Spannen sind euch unbekannt, unbekannt das Vorwärts im Gesetz der Licht-Raum-Zeit! Gerade das sichert euch an jedem Schöpfungstag den Höchstgrad der Vollendung im Rhythmus aller Dinge, am Pendel der Geheimnisuhr.
Das Kind lief, aber Schritt um Schritt: Ein Werde-Zeichen, ans heilige Gesetz der Raum-Zeit-Uhr geheftet. In der Materie wirkt die Fessel, im Licht der ‚Bund der Gnade‘, der jedem seinen Lichtstuhl gibt. Den nimmt niemand weg! Auch dem Erstkind nahm Ich nicht den Stuhl; er steht sogar im Heiligtum am alten Platz. Nur selber kann ein Kind den Stuhl verlassen. Ebenso die Bündnisgnade. Denn was ICH schaffe, bleibt bestehen.
ICH verliere nichts!
Das haltet fest im Blutstrom eures Geistes. Es war keine leichte Kost; doch ihr seid wie dieses Kind“, UR legt eine Hand auf dessen Lockenkopf, „seit Abaturans Lehre im Blitzfluß eures Geistes zu Mir hergeeilt, wenn auch die Zeit des Sternenganges manches Säkulum in Anspruch nahm.
Wo Mein Licht ist, bin Ich Selbst, sicht- oder unsichtbar, wie der Fortschritt es verlangt. Dich, Dyso-Chata, rufe Ich hernach ins Heiligtum. Von dort aus führt der Weg zum nächsten Meilenstein, von dem aus ohne Unterbrechung dann das Ab in die Materie führt. Auch dich, Sohn Nusar, rufe Ich.
Wenn die Materie ihre eigenen Zeiten frißt, wird bald die erste Gnadenstelle (1. Tiefenwelt[VH23]) bersten. Auf der zweiten (Erde) und in deren zweiter Zeit (nach Adam) wird Dyso-Chata seine Fackel in die Tiefe tragen.“ Tao Mana wendet Sich an alle: „Jeder wird vor seinem Beihilfweg ins Heiligtum berufen. Ohne Segen an dem Heiligen Herd geht keines aus.“
Überwältigt sieht man Tao Mana an, niederknieend, wartend, bis der Herr gegangen ist. Ein Lob- und Danklied hallt Ihm nach, gleich einem Lichte mitten durch das Licht, das UR hinterlassen hat. Man bespricht die Lehre. Auf den Seufzer eines Ersten, das noch wenige den Beihilfweg beschritten hätten, erwidert Dyso-Chata freundlich, die Materie stünde ja noch in den Kinderschuhen, und Satan-Luzifer hätte seine Türe erst zu einem kleinen Spalt geöffnet, weshalb die ‚Lichtfront‘ auch noch nicht in ihrer vollen Breite aufgezogen sei (OJ. 7, 1 u.a.).
Jemand fragt: „Wird die Materie von der Lichtfront ausgemerzt?“ „Ja; aber kein Geschöpf, kein Hingefallenes wird dabei vernichtet werden. Und wir, die aus dem Lichte in die Tiefe steigen, um im Beihilfgang der Finsternis zu helfen, sind ja selbst ein Teil der breiten Front.
Das böse Kraftprinzip und die aus ihm entstehenden Erscheinungsformen unterliegen dem Verfall, der Folge aus dem Fall. Tao Mana sprach: ‚Lieb sind Mir die Treuen, wert genug die anderen, die Hilfe und Erbarmung brauchen‘ (S. 20, 2). So behalten sie ihr Leben, wären sie auch noch so arm und arg.“
Nusar setzt sich neben Dyso-Chata, guten Sinnes fragend: „Darf man sein Wissen mit in die Materie nehmen?“ „Ganz gewiß! Denn die Art bleibt uns erhalten, obgleich manches unter einer Decke liegt. Das Licht will nicht erdrücken, trotz breiter Front. ‚Breit‘ ist die Umfassung der Materie zum Heil der Abgestürzten, zugleich zur Hilfe aller Helfenden; ‚Front‘ ist das Gegenüberstehen. Dem Licht weicht Satan nimmer aus.
Die Gefesselten verbergen sich[VH24], allein das Licht fällt bis in ihren tiefsten Schacht. Wie unsere Stühle, von denen Tao Mana sprach, so bleibt uns auch die Art. Das daraus Geschöpfte nehmen wir als Lichtanteil in die Materie mit. Und das genügt, um in die Klüfte einzudringen.
Man läßt daselbst ein Fünklein fallen. Wird es im Zusammenstoß erkannt und angenommen, dann ist das ein offenbarer Sieg. Der andere ist nicht geringer, wenn ein Kluftbewohner in dem dunklen Winkel hocken bleibt. Merkt auf: Kein Geist verläßt die Klüfte der Materie, ohne aus dem Tao Mana-Licht — auch aus dem eigenen — den Anstoßfunken dort zu lassen!
Unbeugsame werden darauf treten, weil solch ein Funke ihre Seele quält. Manchmal sehen sie danach, ob er totgetreten sei. Doch er lebt, wie ihr Gewissen pocht. Auf die Dauer ist das untragbar. Werden sie dann an sich irre, so geht der Funke aus der Kluft heraus. Ob langsam oder rasch, bleibt URs Bündnis vorbehalten. Wie nun unser Fünklein seine Art behält und lockend wandert, ist hernach der zweite Sieg. Das Vollbringen beider Siege liegt in Tao Mana‘s heilsgewohntem Sinn.
Deine Gabe, lieber Nusar, wird den Anstoß strahlen lassen, zu des Schöpfers ungezählten Himmelsheeren aufzublicken, um von ihnen Trost, Kraft und Hilfe zu erbitten. Das zeigt sich dir im nächsten Meilenstein.“ Eines der Kinder, die sich an Dyso-Chata schmiegen, sagt plötzlich: „Jetzt wird uns das Haupt genommen (2. Kön. 2, 3 u. 5)! Könntest du bloß bei uns bleiben!“ Dyso-Chata zieht die Kinder, sie beruhigend, ans Herz.
„Freuet euch auf euren Sternregenten. Mein Gehen wird von seinem Kommen abgelöst. Midgurd übernimmt das Regiment, bis jener kommt. Wir wollen noch einmal im Hain des Hohen danken.“ Er betet daselbst lang und sagt am Ende:
„Tao Mana, Herr der Schöpfung, Heiliger der Werke, Liebender der Kinder, Ewiger der Tat! Unser Leben liegt in Deiner Hand. Wo immer sich ein Anfang, Weg und Ende, Kommen — Bleiben — Gehen zeigt, da führe uns an Deiner rechten Hand; Du hattest uns für treu befunden (4. Mo. 12, 7); mit Deiner linken ziehe jedes an Dein Herz. Wir, die Kindgeschöpfe, brauchen ja Dein ATMA und — Dein Blut! (Hier nicht Golgatha gemeint).
Lasse uns in Deiner heiligen Beständigkeit beständig, in Deiner hehren Liebe liebend bleiben. Aus Beständigkeit ging Werk um Werk hervor, Aufbau hin zum Ziel; Liebe war die Richtung und der Lauf, woraus den Kindern die Vollendung vorgesehen ward. Tao Mana UR. Herr, Heiliger, Liebender, Ewiger! Dir sei Preis, Ehre, Lob und Dank in aller Ehrfurcht, Liebe und in Anbetung für alle guten Gaben dargebracht! MI-ARA-MI!“
‚Mi-Ara-Mi‘ hallt es äonenfach durch Raum und Zeit. Auf diesen Schwingen geht der dritte Wächter in das Heiligtum, gefolgt von einem Geist, der im Licht den Weg der Himmelskörper kennt.
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