2 — Kommen
2. Teil — L I S H I A N A
— K O M M E N —
Welche der Geist Gottes treibt, die sind Seine Kinder. Röm. 8, 14
Im Haus steht eine Urlapha (Wiege/Krippe); in sie bettet man das Kind. Es ist kein unbeholfen Neugeborenes wie auf der Welt, aber der Entwicklung unterworfen, körperlich und geistig. Ein paar gute Nachbarn sind herbeigeeilt. Immer ist‘s ein freudiges Ereignis, wenn ein Kind von Lishi Ana kommt. Die Mutter breitet einen Schleier über Kind und Urlapha, um es — symbolisch angesehen — vor der Umwelt zu behüten.
Nötig wäre dies gerade nicht; es gibt auf ihrer Sternwelt keine bösen Leute. Der Stern gehört zu einer Sonne, die man ‚Damanona‘ (Mira) nennt und die nicht zum materiellen Raum gehört, ihn jedoch bestrahlen hilft. Sie ist ein Lichtgebilde. Bloß ihre Herde, wie man die um sie kreisenden Sterne nennt, sind Übergangsstationen vom äußeren Empyreumsrand zur höheren Materie, jenem Teil, der durch stärkeren Lichteinfluß (nicht eigentlich Sonnen gemeint) nicht zur Tiefmaterie gehört.
In diese Lichtrandteile gehen alle Geister[VH25], bevor sie sich zur Tiefmaterie wenden. Eben hier ist Perutam, der dritte Wächter, angekommen und schon wie in einer angehauchten Weise der Materie inkarniert. In solche Lichtrandteile kommen auch die Menschen, die sich sozusagen auf dem Totenbett zu Gott gewendet haben. Sie sind errettet, doch für höhere Regionen noch nicht reif; auch haben sie meist bittere Lasten gutzumachen, die ins Bereich der Tiefmaterie gehören. Ihretwegen tut die Hausfrau recht, die Urlapha mitsamt dem Kinde abzuschirmen.
Das bestätigt Karmosha, ihr Mann. „Gut, teure Hera; unser Sohn Ja-ardua ist ein Gesandter Lishi Ana‘s. Die bei uns in Pflege sind und so dunkle Kleider tragen, sind schwer auf eine Bahn des Lichts zu bringen. Auch umhüllt zum Teil die Dunkelsphäre unsre Sternwelt Trigidur. O Gnade!, daß die herrliche Damanona mit ihren Strahlen uns bedeckt, wie du Ja-ardua mit deinem Schleier decktest. Wenn du fertig bist, gehen wir zur Hohen Halle (Tempel). Ich habe unsere Freundschaft hinbestellt.“
Hera nimmt einen gelben faltenreichen Mantel um, Karmosha einen ähnlichen. Man hängt sie lose über beide Schultern, mit herrlicher Verschnürung vorn am Gürtel festgemacht. Eine Nachbarin steckt in Heras Haare gelbe Blüten und legt solche auf die Urlapha. Karmosha hebt dieselbe mit dem Kinde hoch. Auf des Hauses Schwelle kniet er viermal nieder, bittend:
„Hehrer Lishi Ana! Gib Deinen Segen mit dem Kinde her; Du hast es uns geschenkt, DIR gehört sein Kommen. Mache ihn zu einer Leuchte! Wir sind von Dir ausgegangen, gehen unsern Weg, hinab — hinauf; und Du hältst uns an Deiner Hand. Offne nun die Tür zur Hohen Halle, denn Du Selber hast es stets getan. Daran werden wir erkennen, wes Geist des Kindes ist, das nach meinem Traumgesicht dem Innersten des Sanktuarium entstammt.“
Karmosha geht den gepflegten Weg entlang, der vom Haus zur breiten Straße führt. Hier ist alles bestens eingerichtet. Bloß wo die Pfleglingsseelen wohnen, sieht es meistens ungut aus. Da kostet es viel Mühe, bis mal eine um und in sich selber Ordnung schafft. Im gleichen Maße zeigt sich dann der Mühe Lohn, weil alle Trigidurier den Armen helfen.
Neben Karmosha wandelt Hera und die Nachbarin, ihnen folgt die engere Verwandtschaft. Beide Frauen tragen mit reinem Öl gefüllte Schalen, die Männer gelbe Ampeln aus Kristall. Die andern Frauen haben Blumenkränze umgehängt. Gemessen schreiten sie dahin, in den Augen ernstes Leuchten.
Es geht einen Berg hinan; denn im Licht steht jedes Tempelhaus auf einer Höhe. Den Hellen macht das Steigen keine Mühe. Ist jedoch ein Pflegling Lishi Ana zuzuführen, wird der Aufstieg ihm recht schwer. Da die Pfleger dessen Lasten aber tragen helfen, ist der Weg zu Lishi Ana‘s Tempel für die Dunklen frei. Und immer wird die Hilfe freudig ausgeführt.
Heute fühlt man sich hinaufgetragen. Vor der reichgeschnitzten Tür der Hohen Halle steht die Sippe. Karmosha ist der erste von den sieben Ältesten, von denen drei die Trigidurier, drei die Pfleglinge betreuen. Jeder Älteste hat zwei Helfer und zwei Helferinnen neben sich. Die Trigidurier sind schön gewachsen; ein feiner Kopf, die edlen Mienen zeigen ihre Herkunft an. Karmosha stellt die Urlapha vor die breite Pforte hin, die geheimnisvoll erglänzt. Man sieht nicht, von woher das kommt; man weiß jedoch: von
LISHI ANA.
Hera nimmt den Schleier fort und das Kind wacht auf. Seine Augen funkeln. Etwas Wunderheiliges geht vor. Alle Kinder, die hier eine Lichtinkarnation erhalten, sind, wie schon bemerkt, der Entwicklung unterworfen, wenn dieselbe auch mit jener in der Tiefmaterie nicht vergleichbar ist. Es reiht sich himmlisch an, weil die Geistigkeit im Vorfeld steht.
Ja-ardua verlangt aus der Urlapha heraus. Karmosha, vom Wunder tief ergriffen, stellt ihn auf die Füße. Soweit die Ältesten die Sterngeschichte kennen, war dergleichen nie geschehen. Wenn hohe Lichtgesandte ohne Eingeburt erschienen (Hebr. 13, 2), gab es kein Verwundern. Sie wirkten gleich als Könige und Priester (Gnadenbuch S. 20, Abs. 1-3). Freilich, auch die Inkarnierten bringen ihre Ämter mit, aber erst im Zeitverlaufe der Entwicklung werdend. Ja-ardua ist — wie das Wunder zeigt — trotz Eingeburt ein höherer Gesandter Lishi Ana‘s.
Das Kind pocht an. Wie bei Gottesdiensten öffnet sich die Pforte, oder wenn die Pfleglinge zur Weiterreise vorgesegnet werden. Doch es zeigt sich immer unterschiedlich. Bei Festen öffnen sich nach innen beide Flügel, und das Licht der Hohen Halle flutet auf die Wartenden heraus.
Bringt man Kinder dar, dann öffnet sich der rechte Flügel, auch nach innen; und die Herrlichkeit ist dabei nicht gemindert. Bei den Pfleglingen, die vorher ihre dunklen Kleider niederlegen dürfen und — jenachdem — in hellere Gewänder eingekleidet werden, geht der linke Pfortenteil nach außen auf. Dann ist das Licht gedämpft, des Hauses Herrlichkeit sehr abgeschwächt, für die Umgekehrten beides dennoch unfaßbar. Die Führenden und Fortgeschrittenen sehen stets die volle Helligkeit, soweit sie eben für den Lichtstern zugemessen ist. Und das ist viel.
Heute öffnet sich die Tür nach innen; sonderbar — auch wie nach außen: hinein — heraus! Karmosha verneigt sich tief. Wer ist das Kind? Trotz Traumgesicht nicht zu erkennen. Hohe Lichtgesandte ohne Eingeburt, wie Karmosha zweimal erleben durfte[VH26], kamen aus der Hohen Halle jedesmal heraus. Niemals sah man, wie und wann sie vorher in den Tempel gingen. Sollte wohl das Kind ein königlicher Priester sein — — ?
Die Frauen nehmen ihre Kränze in die Hand, die Männer öffnen ihre Ampeln, um die Kerzen auszulöschen. Lishi Ana braucht dergleichen nicht. Am Ende einer Feier entzündet man am Hallenherd sein Licht aufs neue, das bis zum nächsten Gottesfeste brennt. Nur die Kränze legt man nieder; und wenn sie gleich verbrennen, ist es das Zeichen hoher Gnade.
Karmosha geht voran, ihm folgt Hera mit dem Kind, dichtauf die Sippe. Ein breiter Mittelgang, von goldener Barriere in der Mitte unterbrochen, führt zum Hallenherd. Am Gitter bleiben stets die Pfleglinge zurück, während ihre Pfleger vermittelnd zwischen jenen und dem königlichen Priester wirken. Wenn die Barriere sich nicht öffnet, bleibt man bei ihr stehen; die Harrenden erhalten trotzdem reichen Segen. Heute — ?
Das Gitter tut sich auf. Karmosha ist jetzt der Stellvertreter eines königlichen Priesters; denn die Trigidur steht unter solchem Regiment. Heute können alle in des Herdes Raumgehege gehen; alsdann schließt das Gitter sich von selbst. Pforte und Barriere öffnete und schloß der Hohen Halle Hüter,
LISHI ANA!
Karmosha tritt links des Herdes hin, während königliche Priester rechts amtieren. Nie geht jemand auf den Platz, der dem HOHEN ganz allein gebührt. Wenn ER kommt, was ab und zu geschieht, bleibt man bei dem Gitter stehen, aber innerhalb des Herdgeheges. Und wenn Er ruft, wenn Er sie segnet, eilen sie herzu. Stets tritt Lishi Ana mitten unter sie.
Mit feierlicher Liturgie beginnt die ‚Eingeburt‘. Alsdann betet Karmosha: „Hehrer Lishi Ana! Aus Deiner Heiligkeit und Herrlichkeit hast Du die Hohe Halle aufgetan. In der Demut, die wir zur tiefen Wegstation benötigen, neigen wir das Haupt; die Herzen reichen wir hinauf zu Deinem Cheru-Serpha (Herrschaftsstuhl), von wo aus Deine Segensströme fließen.
Hehrer Lishi Ana, Du hast mit unserm Sohn den Segen hergesandt. O lasse alle, die vom Licht den Durchgang nehmen (Beihilfweg), aus der Tiefmaterie wieder aufgehoben werden in Dein Licht, und laß die andern im Bekenntnis ihres Abfalls Deine Reichsstatt finden, die sie bloß von ferne sehen, nie gekannt; auch nie geahnt, daß DU der Vater aller bist.
Hehrer Lishi Ana, Licht-Schöpfer und Regent! Zeige Deinen Willen durch den ‚Sohn des Segens‘ an. Was Du gedacht und ausgesprochen hast, soll unser Tun bestimmen, unsere Schritte lenken, unser Herz zu Dir erheben. Alles nur in DIR getan, erlangt in Deiner Ewigkeit den ewigen Bestand!
O Lishi Ana! Dir weihe ich den Sohn mit meinem Amt. Gib dem Fest der Eingeburt die hohe Weihe durch Dein Kommen!“ Man bildet einen Halbkreis vor dem Hallenherd. Verwundert ob der Gnade, sehen sie in feierlicher Freude, wie Ja-ardua plötzlich rechtsseits tritt, dahin, wo die königlichen Priester stehen. Oh, oh! Des Knaben helle Stimme spricht:
„Lishi Ana! Schöpfer, Priester, Gott und Vater! Dich grüßt mein Herz, Dir dient mein Geist, Dich betet meine Seele an, mein Gemüt gibt sich Dir hin. Meines Weges Anfang liegt in Deinem Herzen; Dein Geist bestrahlt den meinen; Deine Wunder lenken meine Seele, die den heiligen Gesetzen dienstbar bleibt (Röm. 7, 25).
Noch weiß ich nicht das Vorher und Hernach; aber die Lebendigkeit in mir pocht nach dem schöpferischen Puls. Dein Geist trieb mich hierher; hier bleibe ich, will lernen und dann lehren, sobald die Glocke Deiner Hohen Halle meinen Dienst verkünden wird. Diese Halle ist ein Bildnis Deines Heiligtums, das meine Eingeburt nicht ganz verdecken kann. Alles, was Du gibst, hat einen ewigen Bestand. Lehre mich tun nach Deinem Wohlgefallen; denn Dein Geist führt mich auf rechter Bahn.
Hier sehe ich“, Ja-ardua zeigt auf die Sippe, „gute Geister, deren Lebensanfang gleichfalls aus der Schöpferquelle kam. Sie tragen an der Stirn Dein Zeichen (OJ. 7, 3); sie gingen von Dir aus und kehren einst zurück mit manchem Edelgut, mit mancher Last. Ersteres ist Deiner Heiligkeit und Herrlichkeit entnommen, das andere wird vom armen Felde aufgelesen[VH27]. Du machst zur Ehre Deines Namens aus der Last den Segen, der die Lastenträger lohnt, die Abgewendeten erlöst.
Lishi Ana! Keine Bitte offenbart den Segen, Du Selber bist und heißest SEGEN. Und alles, was Du tust, ist Segen. Du bist ja auch der Segnende, der die Fülle der Gedanken zu Worten und zu Taten formt. Dann sagst und heißest Du (OJ. 3, 14)
ALLUIHA!
Lishi Ana“, Ja-ardua kniet nieder, und man tut es tief ergriffen nach, „würze uns die Speise Deiner Offenbarung. Ich anerkenne das Gesetz der Trigidur, der Du eine gute Bahn gegeben hast. Schenke uns den Segen Deiner Heiligkeit, den Frieden Deiner Herrlichkeit. Alluiha, Alluiha!“ Der Ruf wird zweimal wiederholt. Unzweifelhaft für jeden: Ja-ardua ist ein Sohn aus hoher Sphäre. Noch wirkt er klein, wie er vorher aus der Urlapha herausgehoben worden war. Doch bei seiner Rede sah er wie ein königlicher Priester aus, trotz der kindlichen Gestalt.
Die Männer zünden ihre Ampeln an, diesmal eher. Das Feuer auf dem ARIEL brennt hoch; es hat die Blumenkränze rasch verzehrt, jenes Zeichen, daß ein hohes Fest begangen wird. Die Ampeln hängt man in dafür bestimmte Ringe, deren Silber anders als in der Materie ist. Man steht nun sieben Schritte vor dem Hallenherd entfernt, in geraden Reihen, Karmosha steht einen Schritt davor. In vielfachen Stimmen singt man ein Gebet.
Feierlicher Friede senkt sich nieder. Am Hallenherd erscheint ein goldenes Licht, ein Stern mit ungezählten Strahlen. Dann sieht man IHN, des Herzens Heiligsten: LISHI ANA! Viermal neigt man sich, wobei Karmosha auch in der ersten Reihe steht. Jetzt gibt es keine Ersten; jetzt ist ER gekommen, der König als Regent, der Priester als ihr bester Lehrer.
Lishi Ana nimmt vom Hallenherd das Feuerbecken, ein Akt, selten ausgeführt. Der Dank rauscht wortlos auf, aber trotzdem mit äonmal vielen Chören. Lishi Ana überhaucht das Feuer. Da gestaltet es sich wie zu einer hohen gelben Fackel. So wird das Feuer wieder auf den Ariel (das Oberste des Herdes, Hes. 43, 15-16) hinaufgehoben. Und so spricht Lishi Ana:
„Meine Kinder! Eure Ersten, die wie überall im Empyreum eine Volkschaft bilden, jede wie ein starker Ast am Schöpfungsbaum, taten recht, aus der Schau, die sie im Heiligtum erhielten, einen Tempel auf des höchsten Berges Zinne zu errichten. Auch der Name ‚Hohe Halle‘ ist gerecht.
Berg und Halle sind der Anbetung und Ehrfurcht gleich, die nicht stets ein Wort benötigen. Auf dem Berg und in der Halle haben die Getreuen Zutritt, auch ein Armer, der danach verlangt. Wird dann obendrein das ‚Herdgehege‘ aufgetan, so ist die innere und äußere Verbindung mit Mir möglich.
Nur soll keines nach der Klinke greifen; nicht, weil ihr nicht dürftet. Als Lichtkindgeister seid ihr ausgezogen; und ihr seid es noch, obwohl der ‚materielle Dunst‘ euch schon umweht. Die Sternwelt ist durch euere gut bestandene Freiheitsprobe, durch die Strahlung der Damanona ans Licht geheftet, so daß der arme Dunst euch nicht bekümmern braucht.
Wohl bringt jede arme Seele, die Mein Erbarmen zu euch führt, den Weltdunst mit. Ihr nehmt ihn auf, ohne euch dadurch vom Licht zu scheiden, spüret aber Last und Mühe, die sie euch bereiten. Das ist ein Teil der Demutsprobe, gnadenvoll zur Vorstation gemacht, in der ihr jene Spuren seht, auf denen Kraftanteile der Materie euer Sein berühren. Eben diese sind bei einer Welteinkörperung der arme Seelenteil. Ich führe auf den Spuren aber ebenso die Kraftanteile Meines Lichtes her.
Hier bedeckt die Güte jede Bürde. Soll Ich belasten, wer aus der freien Willigkeit den Armen dient? Die Last kommt sowieso, wenn in der letzten Hilfsstation die Kraftanteile sich mit euch vermählen. Seid unbesorgt, wenn an denen, die ihr pflegt, sehr wenig Licht das materielle Sein erhellt.
Sie kommen ja vom Satan her, wo sie kein Licht, das unentwegt vor ihrer Türe steht, hineingelassen haben. Seht die Parallele: sie sollten öffnen, und der Strahl wäre eingeströmt. Sie bringen ihre Lebenstafeln mit, die sie erstmals sehen, wenn sie weiterwandern können. Ihr wißt es ja, wie sie erst ganz zuletzt, durch Nöte, die Mein Heilverfahren sind, nach der hellen Klinke greifen und — meist zaghaft — öffnen. Dafür sollen die Getreuen nicht zur Hallen- und Gehegepforte fassen.
Zwischen Empyreum und Materie herrscht eine Wechselwirkung vor, die sich enthüllt, wenn sie an des Liebetages Feierabend aufgehoben werden kann. Ihr werdet aber stufenweise eingeführt. Lastenfreie Lastenträger [VH28] sollen ihre Lasten kennen; sie könnten sonst sehr drücken, auch — erdrücken. Dazu aber habe Ich Mir nicht Mein Kindervolk gemacht.
Wir betrachten eure Vorstation, auf der ihr euch befindet. Kommt nahe an den Hallenherd und bringt Mir eure Fragen vor. Erst aber sei das Fest der Eingeburt gesegnet, mit ihr der Sohn, der seinen Leuchter in die Tiefwelt trägt.“ Karmosha und Hera führen ihn zum Hallenherd, vor dem Ja-ardua sich tief verneigt. Karmosha, sich auch verneigend, sagt:
„Hehrer Lishi Ana! DEIN Licht genügt in Ewigkeit an allen Orten Deiner Herrschaft. Und außerhalb derselben gibt es nichts. Denn die Materie — ? O Lishi Ana, Du heimst auf ihrem Boden Deine Ernte ein, die die Hingestürzten Dir verweigern wollen. Wollen, Lishi Ana; aber können — ? Wo sie ihr Szepter schwingen wollen, da sitzest DU auf Deinem Cheru-Serpha wie im Heiligtum. Du sendest Würdenträger und Gefolge aus, mit großen und mit kleinen Lichtern, wie es Deinem Heilverfahren wohlgefällt.
Du sandtest einen großen Leuchter her“, Karmosha legt eine Hand auf Ja-ardua, „ein Zeichen, daß sich viel ereignen soll. Aber nicht bloß unsere Trigidur hast Du als Gnadenstätte ausersehen. Wie weit die Hände Deiner Gnade reichen —‚ wer braucht‘s zu wissen, behältst Du es zu unserm Heil für Dich? — da offenbart es Deine Zeit, was Du uns erkennen lassen willst.
Lishi Ana! Ja-ardua ist Dein Sohn, jetzt zugleich der Sohn der Trigidur. Über seine Eingeburt haben wir den Teil des Segens, den Du auch auf uns entfallen läßt, erhalten. Alluiha, Alluiha, hehrer Lishi Ana!“ Der Dank hallt auf. Äonen Stimmen tragen ihn durch Raum und Zeit.
Lishi Ana legt Ja-ardua die Hände auf. Allein — die Hände, die unzählbare Werke schaffen, aneinanderreihen und erhalten, können sich zu gleicher Zeit auf alle Kinder legen. Eher ließen sich die Wassertropfen aller Quellen, Flüsse, Seen und Meere zählen, als die Werke, die die Gottheit schafft, und die Taten, die sie nicht bloß nacheinander tut. UR spricht:
„Liebe Kinder, ihr seid mit Meinem Segen ausgezogen, Meine Saat aufs arme Feld zu tragen. Der Sämann bin zwar ICH allein; doch Ich sende Meine Helfer aus, damit sie ihre Dienstbarkeit beweisen können. Es kann keiner säen, wenn nicht ICH die Kinderhand in Meiner Rechten halte. Wie Ich gern den Kindern durch die Kinder helfe, sie belehre, um die Freude und den Segen zu vermehren, so geschieht es mit des Lichtes Saat.
Denket nicht, eure Kerzen wären klein, weil ein großer Leuchter zu euch kam. Vor dem dunklen Tor der Tiefe braucht ein jeder Schutz und Kraft und Segen, um das frei gegebene Gelübde einzuhalten. Dazu diene euch ein Beispiel. — Um euere Sonne kreisen Sterne, von denen welche Untersonnen sind. Auch euere Trigidur ist eine solche, denn ein Verband von Sternenwelten kreist um sie. Einer, der in Kürze zu euch kommt, wird diese Ordnungsbahnen lehren. Er gehört Ja-arduas Gefolge an, von denen manche auch vorausgegangen sind, was ihr im Hallenfeuer sehen werdet.
Die Damanona schwebt mit ihren Sternfamilien auch um eine höhere Sonne. Mein Werk-Grundlicht fällt auf die sieben Urzentralsonnen. Könnten diese ihre nächsten Sonnengruppen speisen, hätten sie vom Urzentrum das Grundlicht nicht? Stufenweise geht es weiter; und so erhält die kleinste Sternenwelt entsprechend ihrer Größe auf dem Sonnenweg das Werk-Grundlicht. Von dieser Warte aus gesehen leuchtet jede selbst.
Dasselbe gilt dem Volk. Ich bin das UR-Grundlicht, ohne das die Ersten (Urerz- und Erzengel) keine Leuchter hätten. Leuchten sie besonders stark, so weniger der Lichtkindgeister wegen, zu denen sie im Amt entsendet werden. Ihr merkt es noch, zu welchem Hauptzweck das geschieht. Dennoch sollen auch die Kleineren gestärkt, mitunter sehr getröstet werden.
Zur Feierabend-Seligkeit gehört, daß sich die Gruppen gegenseitig führen. Hierbei wird die Dienstbereitschaft vorgeprobt, was nicht nebensächlich ist. Selbstredend, daß jede ältere Gruppe die nächst jüngere leitet, die trotz Geführtsein dann die nachfolgende Gruppe übernimmt. Da Ich die Ersten führe, halte Ich als aller Kinder Vater jedes Selber an der Hand.
So auch bei dem Wächter, den Ich sandte. Vor Meinem Stuhl, den ihr Cheru-Serpha nennt, ist er einer von den Ersten, geführt, und mit Gaben ausgestattet, doch im Amtsbereich ein Lehrer. Erstlinig gilt das Amt für die Materie.
Wollt ihr Mich in euerer Mitte halten, sicht- und unsichtbar, so höret auf Ja-ardua; er bringt vom Heiligtum Mein Wort.“ Zu ihm sagt Lishi Ana: „Dein Beihilfweg ist schon gesegnet; aber für die treuen Kinder auf der Trigidur werde dein Gelübde samt der Pflicht zum Stab, dessen Knauf wie Sterne leuchten soll, auch wenn das in der Tiefe nicht gesehen wird.“
Plötzlich stehen Lichtkindgeister, die ihren ersten Beihilfweg gegangen sind, neben jedem Inkarnierten. Sie übergeben ihnen einen Stab. Unschwer zu erraten, daß es Führerengel sind. Oh, mit Dank nimmt man die Gabe an. Lishi Ana lächelt freundlich, lebensnah. Da läßt sich keines halten; die Engel und die Trigidurier umgeben Ihn. Und Er segnet sie.
Des Feuers Lohe ist so hoch, so herrlich klar, in ihr kann jeder sehen, was sie jetzt enthüllt: Ein Inkarnierter geht hinab, ihm zur Seite steht sein Engel. Deutlich ist zu merken, daß derselbe an Erkenntnis reifer ist als der Geführte, der aber auch zur höheren Schar gehört.
Er kommt auf eine Welt[VH29], wo inkarnierte Geister ihre Herkunft auch nicht wissen, wie die armen Wesen, die ihre Vorinkarnation zu einer später erlösenden Einkörperung erhalten. Mit einem ‚Ah‘ betrachtet man das Bild. Hera fragt:
„Lishi Ana, sind es junge Geister, weil andere behilflich sind? Haben nicht nur arme Wesen wenig Kraft?“ „Recht gefragt“, erwidert Lishi Ana. „Höret zu! Wenn die Starken fallen sollen, müssen ihre Schwachen weggenommen werden. Ihr staunt? Im Lichtvolk gibt es wenig Große, dagegen viele Kleine, die Mich sehr erfreuen. Beide Teile können gleiche Kräfte wirken lassen. Bloß wäre damit wenig Seligkeit gewonnen.
Nur in der Materie, wo es wie im Lichte wenig Große und viel Kleine gibt, steht die Kräftemessung gegenüber. Der Hinfall löste einen Eingriff aus, der weder die Bedingung noch den freien Willen trifft. Derselbe ist der Kraftausgleich, durch Meine Willensmacht getan. Dem, was Ich als Schöpfer tue, kann sich keiner widersetzen! Ihr seht‘s am Opfergänger, der viel Hilfe an den Wesen tut, daß er des Führerengels Hilfe braucht. Daran erkennt, daß Ich euch gern das ‚Helfen‘ überlasse,
Selbst jedoch die einzig wahre Hilfe bin!
Ich erklärte euch die Spuren (S. 69, 3), die ihr sehen könnt, aber nicht die Kraftanteile der Materie, die auf eben diesen Spuren euch entgegentreten und das Rückbringgut bedeuten. Die Schau soll eine Lehre sein. Nun, Alrinna“, Lishi Ana fragt die Nachbarin, „was ist dabei zu erkennen?“ „Sehr viel“, gibt sie zur Antwort. „Ob ich‘s aber richtig sehe?“
„Das wird sich zeigen“, sagt Ja-ardua. „Wenn so, ist meine Rede frei.“ Alrinna wird beherzt. „Ich sehe eine lichtumstrahlte Straße, auf ihr eine Menge unregelmäßig dunkle Flecken. Sie rennen hurtig auf den Opfergänger zu. Oh —“ Alrinna stockt, „schon wollen sie sich auf ihr Opfer stürzen. Manche sehen wie arge Fratzen aus, dicht vor dem Lichtkind stehend. Jede zieht an einem Bande viele Flecken hinterdrein.
Die kleinen Fratzen drängen sich rundum und — husch!, werden sie hineingezwängt. Die Flecken gehen nicht mit in den Opfergänger.“ Fragend sieht Alrinna Lishi Ana an. Er nickt ihr zu und sagt: „Ich erkläre euch das Bild, wobei die insgeheimen Fragen auch mit ihre Lösung finden.
Die Einzelheiten werden nach und nach im Fortgang des Gefallenen enthüllt. So ein Wichtiges, weil ihr freie Helfer seid. Ihr sollt eueren Weg erkennen, wenngleich ihr in der Tiefmaterie nichts oder nur sehr wenig davon wißt. Merket aber das:
Des Geistes Wissen ist die Kraft der Weisheit,
die ihm seinen Beihilfweg erfüllen hilft!
Die Fratzen sind die Kraftanteile, jene Anstrengung der Hölle, die Helfer abzuwehren, oder in den Schrund zu reißen. Gelänge das, dann überkäme sie das Echo ihres schaurigen Gelächters! Warum bloß das Echo? O — das ist noch schwer genug! Die Erbarmung (Jes. 54,8) baut dem Gelächter die Barriere (Hiob 38, 11)‚ sonst würde auch das Echo die Gefallenen erdrücken.
Das geschieht, indem Ich ihre Kräfte, die Sadhana zersplittert hatte, durch die Beihilfwege auf euch lege. Ein Akt schöpferischen Heilseingriffs! Wunschgebilde der Gestürzten sind die Fratzen, die eueren Geist vertreiben, euere Seele ängstigen wollen. Sogar höchste Inkarnierte können diese Ängste haben, in einem argen Traum, durch Erlebnisse hervorgerufen, oder bei Verfolgung durch die Finsterlinge einer Welt.
Allerdings — je mehr ein Inkarnierter aus dem Licht sich müht, aus Erkenntnis sich Mir hinzugeben, je weniger werden Finsterlinge ihn verwirren können. Die Fratzen sind der Anteil, den ein Lichtkind auf sich nimmt: das besagte Rückbringgut. Um diese Kraft nicht zu verlieren, obgleich der Dunkle sieht, daß er ‚Mein Heilverfahren‘ nicht zur Seite schieben kann, heißt es bei ihm: Kampf gegen jedes Licht um jeden Preis.
Die Flecken sind die armen Wesen. Unfrei und gehetzt, müssen sie sich auf die Opfer stürzen. Und diesem bösen Muß entziehe Ich die Kraftanteile. An diese sind die Wesen angekettet; von MIR aus sind sie bloß daran gebunden, weil dahingehend manches eher zu befreien ist, bevor es selbst zu einer Welteinkörperung gelangt. Solchen ist dann leichter beizukommen. Was Wunder, wenn der Dunkle sich auf jede Lichterscheinung stürzt — ?
Das ‚überkreuze‘ Ich im Doppelstrahle der Erbarmung. Die kann brennen, schneiden, bis fast zum Tode eines Wesens; allein, sie ist heilsam wie die scharfe Salbe eines Arztes. Was der Dämon zu seinem Vorteil tut, verkehre ICH ins Gegenteil! Euer Geist bleibt auch im Beihilfweg mit Mir vereint. Dem Dunklen das zu zeigen, bildet euer Lichtleib, eure Seele, eine erste Hülle um den Geist. Nicht um ihn zu schützen, sondern Luzifer soll sehen:
‚Bis hierher und nicht weiter!‘
Zur Seele, als des Geistes erste Hülle, kommen noch zwei weitere hinzu. Aus den Kraftanteilen der Materie bilde Ich um eure Seelenform zwei Körper, gleichfalls nicht zu eurem Schutz. Aber zwischen beiden Lichtgeistformen und jenen beiden aus den Kraftanteilen der Materie gibt es eine Brücke, sonst könnten die Materieformen keine Lebensäußerungen haben.
Die Bindung, die die geistigere oder materielle Lebensart ergibt, erfolgt zwischen einer Seele und den seelisch angeglichenen Kraft anteilen, erstere entweder aus dem Lichte kommend oder arme Wesen, letztere das aufgenommene Rückbringgut. Bei den Wesen gibt es pur die Bindung ihrer Seele zu dem körperlichen Leib.
Ihr habt Meiner Wesenheit gemäß vier Lebensteile, von denen die vom Lichte immer lebend, die anderen vorübergehend lebensfähig sind. Denn das Rückbringgut wird auf dem Heiligen Herd erst wie der ‚Lebensstoff‘. Der Körper ist vergänglich; er dient dem Zweck, eure Beihilfwege zu erleichtern, den Armen ihre Umkehr- und die Heimfindwege zu bereiten: euch als wohlverdiente, den anderen als freie Gabe extra zugemessen.“
Ein Erster, namens Necoador, hat eine Frage. „Ich forderte zum Reden auf“, sagt UR liebevoll. „Wer will Dich unterbrechen, hehrer Lishi Ana?“ Ernst erwidert Er: „Mich kann keiner unterbrechen, wenn Ich nicht die Freiheit dazu gebe (Joh. 19, 11). Mir hält niemand die Gedanken, noch die Worte oder Taten auf!“
Necoador dankt: „O Lishi Ana, Du bist uns mit Deiner Heiligkeit und Herrlichkeit begegnet! Aber Frage: Wenn wir hier nur Geist und Seele, doch materiell vier Teile haben, was Du außerdem mit Deiner hocherhabenen Vier-Wesenheit verknüpfst, steht da das Licht nicht hinter der Materie zurück? Mir scheint, die heilige Vier-Wesenheit ist im Dunkel fehl am Platz.“
„Gut bedacht“, lobt Lishi Ana. „Wo aber etwas fehlt, trage Ich hinzu, selten offen, nicht gleich zum Gebrauch. Nicht erkannt und unverdient, bleiben Meine Gaben zugedeckt. Das schließt nicht den ‚Fluß des Segens‘ aus. Ohne diesen lebt kein Wesen, blieben euere Beihilfwege unerfüllt. Ihr seid am offenbaren Segen, mitunter auch an dessen Schau beteiligt, weil Ich vom Gelübde her den Opferweg berechne (S. 24, 3).
Luzifer soll merken, daß ich seinen Weg nicht schwerer mache, als er selbst sich ihn erschwert. Deshalb stehen dem Materiekörper und dem Rückbringgut (materieller Seelenteil) zwei Lichtanteile gegenüber. Der Geist gleicht die Grobmaterie, die Seele jene Kraftanteile aus. Sind die Kräfte, ins bewußte Denken übergehend, leichter als der Leib? Vom erlösenden Prinzip aus ist jene Kraft die schwerste Last; doch das leibliche Begehren ist der weitaus größte Trieb, der der Seele viel zu schaffen macht.
Darum untersteht dem Geist der Körper, damit die Seele mit den Trieben eher fertig wird. Wer sie zügelt, gewinnt aus seinem Geiste für die Seele jenes Hauptgewicht, Stoff und Kraft, die materiellen Teile, auf den Lichtweg hinzuziehen. Einmal das vollbracht, wird sogar der Leib veredelt.
Wieso, wenn der Leib im Tod die Auflösung erfährt? Nun — beide materiellen Teile sind wie Geist und Seele ebenfalls verbunden. Des Leibes Triebe gehen in die Kraftanteile über, weil sie auch — zwar niedrigste — Lebensäußerungen sind, die keiner Auflösung verfallen. Was mit der toten Leibsubstanz geschieht, enthüllt ein nächster Schöpfungstag. Eine mögliche Veredelung des Leibes entfällt daher allein auf dessen Trieb.
Dem Geisttrieb ist er niemals gleichzusetzen! Im Verhältnis, wenn es sich um Tiefmaterie handelt, ist ein kleiner Schritt als gut zu werten. Das Ärmste Stütze Ich durch dessen Armut, daß ein Kleineres ein Lob erhält, selbst wenn im Gegensatz dazu ein Größeres eher einen Tadel ernten würde.
Man hilft den Kleinen, wenn man von ihrer Warte aus ihr Tun und Lassen wertet, einem reifen Kind mit allzu vielem Lobe nicht. Wer sich obendrein noch selber in die erste Reihe stellt, steht trotz Anstrengungen tiefer als ein armer Wicht.
Die Angleichung an die Vier-Wesenheit gilt pur den Treuen; und bloß Nächsthöhere können helfend sein. ICH SELBST begegne Satan! Das ist kein Widerspruch zum Wort, Licht und Dunkel stünden sich gleichanteilig gegenüber. Weder euch noch einem Wesen mache Ich die Wege schwer. Das führende Prinzip ist davon unabhängig. Ich stellte mancherlei zurück, ohne Ausschaltung. Zurückgestelltes bleibt nur solang unbemerkt, bis Luzifer die erste Umkehrsehnsucht hat. Ob er derselben freien Lauf beläßt, ob er sie unterdrückt, ändert daran nichts, daß nach dem ersten Sehnsuchtsfunken das Zurückgestellte für ihn offen wirkt: Mein Heilverfahren!
Wie im Empyreum jedes Kind als Geist und Seele existiert, was den beiden Schöpfungsfundamenten (Füßen), dem inneren und äußeren Kraftbewußtsein gleicht — bei Mir sind sie die stehende und waltende Machtpolarität —‚ so hat an sich ein materieller Inkarnierter auch zwei Formen: eine innere und äußere. Hieran soll aus Gnade Satan sehen, daß der zentralen Finsternis eine gleiche Lichtzentralisation begegnet.
Trotzdem kennt das Licht vier Lebensformen. Nebst euren eigenen, Geist und Seele, walten jene beiden hohen: Meine Sichtbarkeit und Mein unsichtbares Nahesein (S. 23, 2 – 24, 1). Ihr bildet dahingehend einen Widerhall zur heiligen Vier-Wesenheit: Herz, Geist, Seele und Gemüt. Ich schuf euch als ein Anbild Meiner Selbst.
Ganz anders, dennoch im gerechten Ausgleich, ist es bei den vorweltlichen und den inkarnierten Wesen. Sie haben auch zwei Arten: die innere als seelisches Prinzip, die äußere als Gestalt. Luzifer ist angezeigt, daß selbst nach dem Falle ihm das Leben blieb. Daß er sich‘s verdarb, dessen Hoheit sich gestohlen hat, das ist seine Angelegenheit.
Noch sieht er nicht, was ihm einst die Um- und Heimkehr leichter machen wird: Sein Geist ist weggenommen, doch nicht abgeschnitten worden. Jeder GEIST gehört zu Meiner Reservatio mentalis, die niemals anzutasten ist. Zur Umkehrzeit verknüpfe Ich aus freiherrlichem Willen Luzifer und seinen Geist, um die zerbrochene Vase wieder neu und schön zu formen.
Beachtet noch: Die Wesen sind als Inkarnierte eine Dreiteilung von Stoff, Kraft und Empfindung. Im Körper wird ein Kraftteil ihrer Seele investiert. Bei euch ist es das Rückbringgut. Seht, wie die Hölle ihre Inkarnierten bindet. Die eingebannte Seelenkraft wird durch den Leib behindert. Die Empfindung, für sie der Geistanteil, der bei einer Weltgeburt hinzugegeben wird, läßt sich in die Seele pflanzen. Mein Heilverfahren ist‘s, daß der Geist die arme Seele auch durchstrahlt.
Sie benutzen ihre eingebannte Kraft zu argem Tun. Habe Ich denn etwas falsch gemacht? Wir werden sehen! Jede Kraftentäußerung ist ein Kraftverlust, — für euch ein Kraftgewinn. Durch Einbannung der ärgsten Kräfte werden sie mit jeder Tat, mit Worten und Gedanken ausgeschaltet. Denn ein Finsterling kann mit dem gleichen Kraftteil nichts mehr tun.
Dennoch quillt die Bosheit mancher förmlich über. Wo bleibt da die Ausschaltung? Es gibt Teufel und Dämonen. Letztere, wohl klein an Zahl, sind die starke Brut. Lassen sie sich inkarnieren, so sieht es aus, als ob sie alle Stränge reißen. Sie hausen in der Tiefmaterie lang. Allein — auch sie verlieren ihre Kraft, sobald dieselbe angewendet worden ist.
Doch Mir ist der Ärmste wert genug, Mich hinabzuneigen, um ihn zu erretten, nicht aber ohne Abrechnung. Nach ihrem Tod, wonach es für sie keinen Rückweg in die Wesenshölle, geschweige einen Lichtweg gibt, greifen sie vergeblich nach der Kraft, mit der sie durch den Weltleib und als Wesen wirkten.
Der kleine Geistanteil wird isoliert; eben so setzt die Erlösung ein. Dann stehen keine gleichen Kräfte gegenüber, sondern Lichter blenden sie. Sooft sie Meine Hilfe ausgeschlagen haben, so viele Strahlen werden in sie dringen, bis sie nichts mehr vor sich selbst verbergen können.
Das ist Meine Hilfe, die brennt, schneidet, die wie eine scharfe Salbe wirkt. Ohne Kraft kann sieh ein Wesen Meinem Eingriff nimmer widersetzen, auch wenn es wie in seiner alten Hölle tobt.
Mein Recht in Meiner Rechtshand fordert Abrechnung !
Oder ist zu sagen: ‚Ich bin ihr Schöpfer, Ich hebe sie Mir wieder auf!?‘ Nein, Meine Kinder, so geht es nicht! Das Gute, fortgesetzt mißbraucht, fordert um des Rechtes willen Sühne. Nie für Mich, auch wenn die Heiligkeit die Sühne fordert!
Die treuen Opfergänger sind‘s, für die das Sühnerecht an erster Stelle steht, weil sie in einer Welteinkörperung Tod, Not und Sünde unterstehen. Und das sühne ICH, der treue und gerechte Gott! Das obendrein zur helfenden Erlösung, die sie nicht brauchen, außer wenn sie wider besseres Wissen handeln. Den armen Wesen gilt das Hauptstück der Erlösung.
Aber niemand soll die Hände bloß im Frommsein-wollen falten: ICH täte alles! Welche Täuschung! Einst kann keiner sagen, daß er es ehrlich meinte. Jeder wird den selbst zurechtgeschnitzten Götzen sehen. Ich rechne nicht zu bitter ab, weil der Beihilfweg gewertet wird. Bei jenen, denen Ich erfüllen soll, was sie sich in Eitelkeit erbitten, und die danach fassen, was Mir allein zu tun gebührt, geht es nicht ganz ‚ohne‘ ab. Es kann jeder handeln; frommen Eifer gibt es aber bei Mir nicht!
Jene, die im Kreuzlicht der Erbarmung stehen, ergötzen sich im Hochmut ihrer Frömmigkeit. Manche werden tun, als könnten sie erlösen, heilen oder segnen, was pur Meine Sache ist! Fragt nicht, warum Ich keinen Riegel setze. Schaut nur ins Hallenfeuer, und Ich erkläre euch das Bild.
Ob der Hochmut bloß vom Materiellen oder auch vom Seelischen der Inkarnierten kommt, gibt wenig Unterschied. Des Lichtes Kleinere sind der Ansteckung am meisten ausgesetzt. Warum? Nun, die Dämonen werden durch des Lichtes Große, die Teufelchen durch die Kleinen überwältigt, Straucheln dabei unsere Kleinen, wird das den Dunklen schweres Lehrgeld kosten.
Die Dämonen werden sich als Inkarnierte seltener ein göttliches Gepräge geben, dafür ein mehr weltliches. Teufel, die die Gläubigen gerade durch den Glauben in die Überheblichkeit versetzen, werden von Dämonen inspiriert. Da ihr auch als Inkarnierte eure Willigkeit behaltet, nur durch den ‚Dunst‘ (S. 69, 2-3) das Licht nicht deutlich seht, das helfend zugetragen wird, dadurch ist es möglich, daß die ‚Nimbusteufel‘ euch verführen.
Aber unbesorgt! Den Argen wird viel Kraft entwendet, und das aus heilighohem Recht. Ihre Teufelei bleibt ihre Schuld, nicht aber euere eigene Verfehlung. Der Geist gibt stets die Möglichkeit, Lug vom Licht, Trug von GOTT zu unterscheiden, und zu wissen, was MIR gebührt! Wer danach langt, mit und ohne die Verführung, auf diesen fällt alsdann die Last.
Der Anreiz durch Dämonen wird gewogen. Meine Ordnungswaage wiegt genau! Verirrungen, die ihr aus dem Anreiz selber tut, entfallen auf das Licht und — höret gut — auf MICH zurück! Ihr seid entsetzt? O, welche Güte zeigt sich hier! Wer soll den lieben Kleinen ihre Last der Beihilfwege tragen helfen — ? Erlöse Ich die Dunklen, wenn sie sich bekehren, dann erst recht die Lieblinge des Reichs. Gewiß wird abgerechnet; doch hernach erfolgt der Trost, und sie ‚gehen ein zu ihres Vaters Freude‘!
Erstrebte wie gelungene Verführungen sind die Last und Bürde der Verführer. Dadurch sind sie zu erretten, wenn das eingeschläferte Gewissen jäh erwacht. Das bewirkt Mein heilsgewohnter Wille, sie zu einer Umkehr anzuspornen. Ein schwerer Mühlenstein, der das harte Korn vermahlt[VH30].
Wenden sich dann solche Wesen nach Verlassen einer Welt und ist die große Vorabrechnung vor des Lichtes Tor geschehen (Hebr. 13, 12), dann werden jene Lasten aus dem Antrieb der Dämonen allen Kleinen wieder abgenommen. Allein — wie Ich ihre Lasten auf Mich nehme, so muß Luzifer im Ausgleich der Gerechtigkeit die Last der Wesen und Dämonen tragen.
Die Grundschuldlast liegt ohnehin auf ihm. Denn er war und ist in keiner Weise ein Verführter. Er verführt! Ich wies darauf hin, daß auch Lichtgetreue straucheln können. Ergibt sich dieses aus den Kraftanteilen der Materie, so ist in seltsam hoher Wechselwirkung die Verirrung selber wieder gutzumachen. Jedoch in Hinsicht der Erlösung, die vorwiegend den Hingestürzten gilt, entfällt sie auf den obersten Dämon.
Des Geistes Stimme als Gewissen schläft bei keinem aus dem Licht und gibt soviel Kräfte ab, daß sogar der aufgenommene Kraftteil in Verbindung mit der Himmelsseele widerstehen kann. Wohl suchen die Dämonen durch Verführungen die Lichtkindgeister zu verdrängen oder auch zu stürzen.
Hierbei trete ICH als Helfer auf den Plan. Schuld und Sünde der Verführung bleibt der Hölle angeheftet; Straucheln oder Fallen der Verführten nehme Ich auf Mich — nach der Abrechnung! Von dem seltsam hohen Ziel der Wechselwirkung sei noch etwas mitgegeben: Es ist weit besser, nichts selber von sich abzuwälzen, was durch Beeinflussung geschieht. Kläger, die andere mit und ohne Recht verklagen, höre Ich nicht an (OJ. 12, 10)!
Muß Ich hören, was geschieht? Klagen vorzubringen, dazu sind die Engel da. Es entlastet, wenn ein anderer die Klage führt. Wer sich selbst verteidigt, der belastet sich zumeist. Selten wird ein Inkarnierter völlig frei von Schuld und Sünde sein. Also hat er für sich selbst kein Klagerecht.
Verwechselt klagen oder sagen nicht, liebe Kinder. Ich höre auf die stillen Seufzer. Doch im Empyreum gibt es keine Klagen — gegen nichts! Oder doch?“ fragt Lishi Ana ernst. Da heben alle ihre Augen auf, da verneinen sie: Im Lichtgefilde ist ja alles gut. Karmosha gibt Antwort:
„O hehrer Lishi Ana! Deine Heiligkeit und Herrlichkeit hat alles wohlgemacht. Du hörst uns freundlich an, wenn wir etwas fragen oder sagen, vor Dir in Deiner Anschauung, im Gebet, im Hallendienst. Oft erhielten wir Dein Wort durch hohe Abgesandte, in des Hallenherdes Flamme, durch unser Herz. Sitzest Du auf Deinem Cheru-Serpha, bist Du dennoch wunderheilig nah, wie nahe eben mitten unter uns. Dafür sei Dir, hehrer Schöpfer-König Lishi Ana, Preis gebracht, Lob und Dank und Ehre!
Erkläre bitte jenen Unterschied zwischen einer Klage und dem Dir sagen. Warum sollen wir nicht selber zu Dir kommen?“ Karmosha sieht bange drein. So zerreißt die reich gesegnete Verbindung. Er wäre ja getrennt von IHM, dem seine Liebe gilt. Doch da klingt es tröstend an sein Ohr:
„Kinder, auch das Höllischste der Hölle trennt euch nicht von Mir! Ich bin jedem nahe. Das Gespräch des Herzens, die Rede eures Mundes (Ps. 19, 15) findet stets den Weg zu Mir. Da bedarf es keines Zwischenträgers. Aber die im Auftrag leiten und beschützen, können immer alles vor Mich bringen und ist‘s dann so, als ob ihr selbst vor Meinem Cheru-Serpha steht. Und genauso könnt ihr Meine Antwort hören, die zumeist der Führerengel überbringt, auch wenn ihr das nicht offenkundig merkt.
Könnt ihr euch gegenseitig dienen, helfen, Freude machen, wenn Ich Selber alles tue? Da sähe eure Seligkeit sehr mager aus! Und niemand könnte Schutzgeist sein, weil es demnach keinen Schützling gäbe, abgesehen von den armen Wesen. Ihr brauchtet so auch keine Lehrer; und die Sendung Meines Wächters wäre ganz umsonst. Euere Freude war doch rein und groß, daß er als Ja-ardua zu euch gekommen ist, nicht wahr?
Euer Leben ist so wundersam bereitet, daß eine Offenbarung, über einen Sendling fließend, eine gleiche Seligkeit vermittelt, als würde Ich sie Selber bringen. Jede Offenbarung ist ein Wort von Mir, eine Gabe, — in der Materie auch die Hilfe, gleichgültig, über wen sie sich erfüllt.
Teils vom Licht gelöst, haben die Getreuen das Verlangen, mit dem Geist sich wieder zu vereinen. Dieser Wunsch ist gut, solange sich die Geltungssucht nicht regt, angestachelt von den aufgenommenen Kraftanteilen, oder hörend auf das Locken der Versucher, die nicht bloß wesenhafte Teufel sind. In der Tiefmaterie verleiten sich die Inkarnierten sehr oft gegenseitig selbst.
Am ärgsten ist die Nachahmung, sogar des Höchsten, was Ich durch wenige Propheten künde. Viele möchten lehren, und vergessen, daß am Ende keiner auf den andern hört. Dabei sich übersteigern, ist ein kurzer Schritt. Aber wehe dem und seinem selbst herbeigeführten Fall! Ich schließe hier die Lehre über Klagebringen und Mir etwas sagen dürfen an.
Ich sprach über euere Willigkeit und die Beeinflussung. Erstere könnt ihr immer haben (S. 78, 5; 79, 2). Da steht des Lichtes Kraft der Weltkraft gegenüber. Muß Mein Licht nicht siegen? Ihr sagt ‚ja‘ und wisset nicht, ob ihr das ohne weiteres erreicht. Wenn nicht, entfällt für euch das Klagerecht. Schnell sagt ein Inkarnierter: ‚Die Welt hat mich betört.‘ Solcher Klage gegenüber bin Ich taub; denn sich verführen lassen, ist jedes Inkarnierten eigene Schuld. Diese Kläger sind verworfen! Sich nämlich hinter andere verschanzen, ist ein Haupt- stück der Materie.
Gelingt auch wenigen, sich anzuklagen, was voraus die Abrechnung vermindert, so sollen jene doch den Segen haben, die sagen: ‚Ich ließ mich verführen; das nächste Mal . . .“ Es sei dahingestellt, was dann geschieht. Das spiegelt keine echte Reue, mithin die Kraft zum Widersetzen mager bleibt.
Sagt man aber: ‚Ich habe mich verführen lassen; die Schuld liegt bei mir selbst. Hilf, Herr, daß ich diesen Fehler nicht noch einmal mache!‘, das entlastet, auch den Verführer in Hinsicht der Erlösung, nicht der Abrechnung. Das ist ein Gespräch des Herzens, bei dem ein Kind Mir alles sagen kann. Der Erlösung — Ich wiederhole es — geht stets die Abrechnung voraus.
Ihr erhaltet Zeit genug, um die Beihilfwege anzutreten. Ja-ardua lehrt weiter aus dem Amt, das er aus Liebe übernahm. Und seid gewiß: ICH bin bei euch, obgleich nicht immer sichtbar gegenwärtig.
Mein Geist wirkt überall, aus ewiger Ferne, aus heiliger Nähe!
Wer ihn hört, der nimmt ihn auf; wer ihn behält, hat Mich bei sich in großer Fülle. Bedenkt das hohe Ziel der Wechselwirkung, was sich auf das Weitere bezieht, Schöpfer und Geschöpf, Werkmeister und Werk, die Fundamente, die die Ausgleichslast bewirken: Ich für alle, ihr für euch, gegenseitig und für arme Wesen.
Das höchste Ziel ist Meine Hilfe, in die aus Gnade und Erbarmung euer Helfen-wollen einbezogen ist. Schöpft ihr daraus euer Kindesziel, so führt der Weg, vom Licht gekommen, durch die Materie im Mit-Hilfdienst zurück ins ewige Gehege von LICHT-HEILIG!“
Lishi Ana, wie man Gott auf Trigidur in hoher Liebe, Anbetung und Ehrfurcht nennt, in dem seltsam höchsten Sinn der Sternensprache:
LICHT-VATER,
legt jedem Seine Hände auf. Am Hallenausgang steht Ja-ardua, beide Flügel öffnend. Wer sieht, ob sie nach innen oder außen schwingen? UR braucht keine Pforte, auch wenn Er sie der Kinder wegen und zum Zeichen Seiner Gegenwärtigkeit benutzt.
Man sieht in weiter Ferne und doch leuchtend nah das hehre Licht im Licht enteilen. Damit ist das Fest der Eingeburt zu Ende.
NEUOFFENBARUNG