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Kap 2 – Dunkle Täler; wie man im Jenseits noch Weltliches an sich trägt

Dunkle Täler; wie man im Jenseits noch Weltliches an sich trägt

2. Kapitel

Die Ältesten der Hauptstadt sind versammelt. Man begrüßt sich freundlich, wie es kaum auf Erden möglich ist. Was auf der Erde gut geschieht, ist nur ein Spiegelbild vom Reich, in ihm ewig echt und gut, dort vorübergehend, eben nur ein Spiegel. Trotzdem wird auch das vom Schöpfer hoch gewertet, weil in der Materie das Leben schwer und unvollkommen ist.

Der hohe Raum des Hauptversammlungshauses ist mit Lichtsymbolen ausgeschmückt. An den Wänden stehen Tische und Gestühl, der weite Mittelraum bleibt zur Begrüßung leer. Als die drei Räte kommen, hat jeder Älteste schon seinen Amtssitz eingenommen. Der großen Pforte gegenüber steht der Haupttisch für die Räte. In gewisser Hinsicht ehrerbietig, so werden sie begrüßt.

Ein Ältester leitet die Versammlung; es soll jedermann zu Worte kommen, damit nicht alles bloß vom Hauptrat auszugehen hat. Dieser Älteste geleitet die drei Räte im Namen aller an den Mitteltisch. Daselbst stehenbleibend, eröffnet er dann die Versammlung. Als Erstes meldet er:

„Der Oberste Diadjar ward zum Priester, Malluredus und Olyanda zu Sternen-Eltern auserwählt. Ein Segen ist uns damit überkommen, vom Vater UR geschenkt. Jeder von uns hat dem Herrn zu danken, wie bereits geschehen ist. Am Ende wollen wir gemeinsam nochmals danken.“ Er wendet sich den Räten zu:

„Da ihr nun ein höheres Amt erhalten habt, müßten wir für eueren alten Dienst drei andere Räte wählen. Diadjar wird jetzt stets die Gottesdienste leiten und braucht vom Priesterstern, zu dem der unsere gehört, kein Priesterfreund zu kommen. Wohl war es allzeit eine Freude, damit verbunden eine weitere Erhebung, ein Fortschritt für die gesamte Bürgerschaft.

Ebenso sind Malluredus und Olyanda zu entlasten. Vielleicht wäre es doch gut“, der Redner weiß noch nicht, daß als Sonderfreude schon vier Räte vorgesehen sind, „wenn einige Befähigte euch beizustehen hätten im neuen Amt, von UR euch übertragen.“ Man stimmt allseits zu; nicht einer dieser Lichtgeführten, von denen jeder nachfolgende Kleinere führen kann, der nicht mit Wonne an den For schritt denkt, ihrem ganzen Stern beschert.

„Liebe Älteste“, Diadjar steht jetzt auf, „vom Vater UR habe ich euch einiges zu melden. Wir sollen uns auch selbst beraten, denn ohne dieses wäre unser Sternenleben ärmer als auf der kleinen Welt. Höret zu! Malluredus und Olyanda sollen je einen Ältesten zur Seite haben und ich zwei, wodurch wir zu der Hochzahl ‚Sieben‘ kommen, und ihr alle, liebe Älteste, sowie unsere ganze Bürgerschaft wird so mit einbezogen werden.

Dienst- und Arbeitsunterschiede muß es geben, sonst wären wir kein Himmelsvolk; Wertunterschiede gibt es nicht! Wir haben das getreu gehalten, UR-Vaters Güte aber sei dafür gedankt. Laßt uns wählen. Der Versammlungsleiter, Kara-Ammadael, kann den ersten Vorschlag machen.“ Dem wird sofort zugestimmt.

Kara-Ammadael bittet Gott, Er möge ihm ein Zeichen geben, welche es betreffen soll. Über einem Mann und zwei Frauen leuchten helle Kreise auf, wie Kränze anzusehen. Er stutzt. Wo ist der Vierte? Soll er einen selber wählen? Forschend sieht er in die Runde, doch es kommt kein weiteres Lichtsymbol. Da holt er die Bezeichneten zum Haupttisch hin und sagt:

„Über euch sah ich ein Licht, also seid ihr vorgewählt. Wo finden wir den Vierten? UR sprach von der hohen Sieben, von der wir wissen, daß vier bestimmende und drei tragende Eigenschaften das ‚heilige Gestirn‘ ergeben. So dürften auch bei uns vier Brüder und drei Schwestern ein Widerstrahl der wunderbaren Sieben sein. Ich bitte also, daß Diadjar, Olyanda und Malluredus selbst den zweiten Bruder wählen.“

Sagt ein Ältester mit fröhlichem Gesicht: „Da gibt‘s kein langes Hin und Her; die drei Räte wissen, wer es werden soll.“ Er zeigt auf den Versammlungsleiter. Lichtfröhlichkeit bricht aus und gern bestätigt es Diadjar, während Kara-Ammadael wie erschrocken um sich blickt. Er hat nicht im mindesten daran gedacht, daß er ausersehen werden würde. Und nun —

Steigt nicht trotzdem die geheime Freude auf?, nicht allein des Amtes, sondern vorwiegend des Dienstes wegen? Oh, das Helfendürfen steht für ihn im Vordergrund. Rasch ist es beschlossen, daß er und eine Mitbetreuerin im äußeren Regime, namens Li-Admia, sich Diadjar zur Verfügung stellen. Der erste Stadtbürger Heliato wendet sich sofort an Olyanda, während Malluredus die Landhauptbürgerin, mit Namen Corrysanda, zu sich holt. Damit ist das Wichtigste für Volk und Stern geordnet. Nun kommt das Schwierigere an die Reihe.

Diadjar, wieder stehend, sagt: „Liebe Freunde, die Pflichten für uns sind geordnet, und abermals dem Vater UR der Dank dafür. Seine Hilfe ist zu jeder Zeit bei uns, und wir sind im seligen Verein des ganzen Himmelsvolkes immerdar bei Ihm.

Nun gilt es, an die anderen zu denken. Zwei Gruppen sind zu uns gekommen. Eine sind die Seelen von der kleinen Welt, die sie durch den Tod verlassen mußten — widerwillig, wie wir an den Kleidern ihrer Seelen sehen; die andere gehört zum Teil dem armen Abgrund an, erst geschaffen bei dem Fall des Himmelskindes. Ein arger, leider wahrer Spiegel ihres Seins und Scheins, in welchen all die Mitgefallenen geraten waren. Die anderen sind von der Welt.

UR sprach, daß ER die Dunklen zu uns führte; sie gehören in das Tal der Schlucht. Dort soll jedes zu der ersten Einsicht kommen und jedoch zweifellos durch Gottes Gnade und Erbarmung — sich letzten Endes inkarnieren und erlösen lassen, die einen wie die anderen. Dabei helfen dürfen, ist uns eine hohe Seligkeit, die wir aus des Vaters Hand empfangen.

Man kann auch aus der Ferne dienen, wie wir den Vater ebenfalls nicht immer sehen. Aber wie Er stets allgegenwärtig ist, so kann es mit dem ‚fernen Dienen‘ sein. Allein — immer fern, da ließe sich der eigene Vollendungsweg nicht finden. Nicht anders ist es mit dem Dienst. Wir müssen manchmal nahe wirken, mitten in der Finsternis. Unser Weg durch die Materie war ein nahes Dienen, wenn wir dieses — ohne Rückerinnerung — daselbst nicht wissen konnten. Aber welch ein Heil hat Vater UR daraus gemacht! Wir erkannten es bei unserer Heimkehr in das Reich.

Jetzt ist es wichtig, daß sich einige bei den zwei Gruppen aufzuhalten haben, nicht alle. Der Stern der Hoffnung soll für andere Arme offen bleiben, bis es in nicht zu weiter Ferne kein einziges Verlorenes mehr gibt. Vater UR hat unser Dienen angenommen. Daher ziehen Malluredus und Olyanda mit ins Tal der Trauer und ich ins Tal der Schlucht.“

Diadjar wird unterbrochen, man will Genaueres erfahren. Jeder Älteste bietet sich rasch an, ist gleich dienstbereit. Manch einer ist besorgt; und dies Besorgtsein ist zumal im Licht gerecht und gut, was ihren Räten Schweres widerfahren könne und dadurch ihrem Sternenvolk. Diadjar beruhigt sie, nachdem alle ihre Plätze wieder eingenommen haben. Er sagt: „Liebe Brüder und Schwestern, UR wird es zum Besten leiten — für die Fernen, für uns selbst. Es ist löblich, weil ihr in der Nähe dienen wollt; aber soll das Volk nun ohne Führung sein? Gewiß — der oberste Regent ist UR; doch Er hat uns in die Ämter eingesetzt, und sie sind treulich auszuüben.

Wenn ihr auf eurem Posten bleibt, zumal die neuen Räte, wenn ihr die Gebetsgedanken sendet, erleichtert ihr uns sehr und seid die besten Helfer mit. Diese euere Hilfsgedanken werden jene Lichtlein brennen lassen, wodurch alle Armen anzurühren sind. Es tue jeder seine Pflicht auf seinem Stand, was den Vater sehr erfreut. Diese Freude wandelt Er für uns zu neuem Segen um. Daraus unsere Kräfte nehmen, alsdann gelingt uns dieses Werk. Die Ernte wollen wir dem Vater bringen.“

Man braucht kein weiteres Wort; die Sternenkinder sind durch die erfüllte Schöpfungsfreiheitsprobe, durch den Mithilfsweg, durch die Rückkehr in des Vaters Haus dem Geiste und der Seele nach völlig eins in Gottes Wort und Willen. Innig danken sie dem Herrn. Jeder geht der guten Arbeit eifrig nach. — —

In einer Mulde stehen die gestorbenen Menschen von der Welt. Sie reden durcheinander, keiner weiß, wo sie sich befinden. Die Angst, die heilsam ist, fällt auf sie nieder. „Wenn ich nur wüßte, wie das zugegangen ist“, sagt eine Frau. „Das weiß ich noch: ich war lustig und fidel, viele waren auf dem Freudenfest, bei dem es öfter ungut zugegangen war.

Wir belachten die, die an einen Schöpfer glaubten, an die Türe kamen, uns zu warnen. Um so fideler wurden wir. Dann auf einmal — ja, wie? — erwachte ich und wußte nicht, wo ich mich befand. Nicht mehr auf dem Feste, nicht zu Hause, wo mein Vater krank darniederlag. Als ich zu ihm kam, sah er mich nicht an, ich konnte ihn auch nicht berühren. Seine Augen schlossen sich und er sah ganz anders aus. Da dachte ich: ‚Er ist gestorben.‘

Dann stand er neben mir und war plötzlich weg, wie aufgelöst. Ich konnte nichts mehr tun; was ich auch berührte, alles fühlte sich wie Nebel an. Ich wurde weggeführt. Von wem? Ich weiß es nicht, ich vermochte nichts zu sehen, bis ich euch“, die Frau zeigt in die Runde, „hier an diesem sonderbaren Platz gefunden habe. Kann mir jemand deuten, was mit mir vorgegangen ist?“ „Ha, mit uns allen!“ ruft ein Mann dazwischen.

„Das können wir!“ Malluredus und Olyanda sind gekommen und sehen jede Seele freundlich an, was kaum wahrgenommen wird. Viele mußten aus dem Festgelage ihre Welt verlassen, weil durch einen Erdrutsch jenes Haus zusammenbrach, in dem sie — ach wie oft — ihr wüstes Leben trieben. Einige sind durch Selbstverschulden umgekommen, alle aber ziemlich jäh und ohne jeden Gottesglauben. Jetzt sehen sie entsetzt die Lichtgestalten an.

„Wer seid ihr denn? Was wollt ihr hier?“ Fragen prasseln auf die Helfer nieder. Man schreit:. „Warum sind wir hier? Was haben wir verbrochen? Ich habe nicht gestohlen; habe keinen Mord begangen“, und noch mehr wird vorgebracht. Jeder sucht sich reinzuwaschen aus dem drückenden Gefühl der Schuld, die keiner eingestehen mag. Hand in Hand mit Olyanda schafft sich Malluredus Raum und sagt, daß es jeder hören kann:

„Ich kenne euch! Ihr habt geleugnet und — “ er wehrt ab, als die Frau dagegen reden will,“ — du merkst bald, was du dir aufgeladen hast — alle!“ Von dem Ach- und Wehgeschrei bleiben er und Olyanda scheinbar unberührt. Das muß geschehen, damit sie auf das Tal der Trauer vorbereitet werden. Da müssen sie hinein aus Gottes Führung, durch Erbarmung und durch Gnade.

„Kommt mit!“ gebietet Malluredus. Ein Weg, ach — für die Seelen bitterschwer. Aus diesem lernen sie noch nichts; im Gegenteil zankt einer mit dem anderen, manche wollen raufen und zuletzt zetern sie noch über Gott, ‘Der ihnen diese Qual geschaffen hätte‘. Vor einem engen Tal mit steilem, felsigem Gewänd bleibt die Schar erschauernd stehen. Ängstlich sehen sie die Lichtgestalten an, mit der stummen Frage: ‘Da hinab sollen wir?‘

Sie müssen! Auf des Tales dritter Sohle hebt ein Jammern an; die Leiber krümmen sich; mancher hebt die Hand wie ein Ertrinkender, der nach einer Rettung greift. Eine Weile lassen Malluredus und Olyanda diese Seelen zittern, zwecks ihrer Heilung. Olyanda nimmt sich dann des Weibes an, das zuerst geredet hatte und vor Schmerz jetzt heftig weint.

„Weißt du“, sagt sie mild und leise, „was du hier erdulden mußt?“ Ein stummes Schütteln, ein Verbergen tränenvoller Augen. „Ich will es dir erklären; vielleicht siehst du dann deine Sünden ein, gegen Gott und — gegen deinen Vater!“ „Gegen den?“ verwundert sich die Frau. „Ja, gegen den!

Dein Vater war ein frommer Mann, gegen dich als einziges Kind zu gut; dieses ‚zu-gut‘ aus falsch erkannter Liebe hat er mit seinen Schmerzen abgebüßt. Er haderte nicht gegen Gott, er sah ein, was er an dir versehen hatte. Als junges Mädchen liefst du öfter fort; er nahm dich immer wieder auf, wenn du— verdorben — bei ihm Zuflucht suchtest. Das hat ihm einen Platz im Licht beschert.

Du hast deinen kranken Vater nicht gepflegt, wie es der Tochter zuzukommen hatte; du ließest ihn im Leid allein und sagtest sogar frech, ‘er solle sich nicht haben, er wäre gar nicht krank‘. Er hat dich oft ermahnt, an Gott zu glauben. War er nicht bereit, dir zu vergeben? Als du in den Taumel kamst, hat er dich gewarnt; du aber hast ihn nur verspottet. Jetzt merke auf; die Schmerzen, die dein Vater leiblich trug, hast du als Seele abzutragen. Möchtest du das anerkennen?“

„Nein“, sagt das Weib, „es ist eines Gottes, wenn es einen gibt, nicht würdig, daß ich meines Vaters Schmerzen tragen soll.“ Die Leiden mehren sich. „Du bist härter als manch harter Mann“, wirft Olyanda ein, „dabei Wäre es so leicht, dich umzuwenden. Denn deines Vaters Bitten — er sieht dich hier in diesem dunklen Tal – sind vor Gott gekommen. Doch du denkst, du könntest mit den argen Freunden aus dem Freudenhause weiterbuhlen.

Ach nein, armes Kind! Hier geht’s nicht zu ‘Wie auf der Welt, und ein Spiegel ist das Tal, das Zeichen eures Lebens. Würdet ihr euch enden — es ginge zwar nicht rasch —‚ so würde es sich lichten, der harte Boden weich und fruchtbar werden, wenn ihr Gottes Wort als Samen in  euch wachsen ließet.

Nun ohne Reue bist, mußt du hier verharren, bis du einmal nach mir rufst; Dann komme ich. Besser, du rufst zu GOTT, daß ER dir helfen möge.“ „Und dann käme Gott?“ Ein hartes Lachen“‚Das gibt‘s nicht! Dann hätte Er ja auch zur Erde kommen und mir helfen können; wenn ich auf bösem Wege war. Ich hab‘ den Himmel nie gesehen, hab‘ mit Recht verlacht Wer an Gott glaubte, wie — nun ja — wie mein dummer Vater auch.“

Olyanda geht plötzlich fort. Bei dem ‚dummer Vater‘ spürt das Weib ein Stechen, daß es jammernd sich zusammenbiegt. Und doch — es sieht der Himmelstochter nach, zwar ohne Regung des Gemüts; allein — schon diese arme kleine Geste wird vom Lichte registriert, wird aus Gnaden gutgeschrieben. — —

Malluredus ging zum Freudenhausbesitzer. Der schimpft: „So eine Frechheit, das Geld zu nehmen, das ich mir zusammensparte.“ „Zusammenraffte!“ Der Mann sieht das Licht nur vage, merkt jedoch, daß es ein ‚anderer‘ ist. „Dich kenn‘ ich nicht, also rede mir nicht drein! Zudem geht es dich nichts an, ich habe meine Steuern ordentlich bezahlt, falls du einer vom Finanzamt bist.“

Weitgebunden, merkt die Seele nichts von sich, bloß daß sie sich ‚verändert‘ fühlt. Sie sieht das Geld wie wirklich, und wenn sie danach faßt, dann rückt es weiter, so daß es nicht zu greifen ist. Auch gelingt dem Mann es nicht, sich zu erheben oder seinem Gelde nachzulaufen. Nachdem er weiter tobt und zankt, hält Malluredus das Gezeter an und sagt:

„Freund, höre mir gut zu.“ „Freund? Du? Das ich nicht lache!“ Es wird ein schauerliches Krächzen. „Doch, ich bin dein Freund“, sagt Malluredus ernst, „nur keiner wie auf deiner armen Welt. Ich drohe nicht, ich zeige dir bloß an, was aus dir wird, wenn du nicht zur kleinsten Einsicht kommst — wenigstens zunächst.

Ein kleiner Schritt — und dir kann trotz deiner Übeltaten, jahrelang verübt, geholfen werden. Rasch geht es nicht, das sage ich dir gleich. Manche Menschen meinen nämlich, wenn sie zu einer Einsicht kommen, könnten sie mit einem Sprung im Lichte sein. Weit gefehlt! Bereut man echt und gibt sich Mühe, dann hilft der Herr; Er macht manche Stufe leicht, läßt auch manchmal eine aus, je nachdem du dich bekehrst.

Du schielst nach deinem Geld, das du manchen Ehrlichen auf böse Art entwendet hast, um damit dein Freudenhaus zu bauen. Du hast Arme ‘gnädig aufgelesen‘, die dir die Opfer zuzutreiben hatten, Reiche und auch andere, hast eine Hölle hergestellt mit allen Lastern, die sich nur erdenken ließen. Skrupellos hast du das Gute totgetreten. Manches arme Mädchen, das verzweifelt durch die Städte irrte, hast du willenlos gemacht.

Aber du und deine Sorte“, klingt es streng, „werden lang im ‘Tal der Trauer‘ hausen, ehe euch ein Lichtlein einen Ausweg zeigt. Nur wer ernst bereut, wer mit Tränen sät, der wird in absehbarer Zeit allmählich aus der Finsternis herausgeholt.“ Noch lacht die Seele widerlich: „Es ist ja gar nicht finster, sonst könnte ich dich nicht erkennen und —“ es soll heißen: ‚diese schöne Gegend‘! O weh, es wird finster und sehr kalt.

„Lasse mich in Frieden mit der Rederei“, zankt der Mann. “Ja, es fällt mir ein, da waren öfter Leute an der Türe, die mich mahnten, ich solle — Ho, der Unsinn! Denen hab‘ ich Beine machen müssen . . .“ „. . . damit dir das Gewissen, das niemals stirbt, nicht klopft! Es hat dich mehr gemahnt als jene Boten, von GOTT gesandt. Da ward dein Freudenhaus ein Haus des Todes, ein großer Sarg, unter dem so viele Tote lagen.“

Da ist‘s, als stünde jener vor des Hauses Trümmern, sieht sich unter schweren Balken liegen, hört das Stöhnen der Verletzten, sieht verkrampfte Hände ragen — — Das Bild verweht. Er hat die Augen fest geschlossen, krümmt sich ganz zusammen, sieht verstohlen seinen ‚Warner‘ an und — kehrt sich ab.

„Das geht mich absolut nichts an. Ja, ich bin gestorben und lebe trotzdem weiter. Aber wie und wo — ? Das weiß ich nicht. Ich will es auch nicht wissen. Dem fluche ich, der mein Haus zertrümmert hat. Tat dies ein Gott — ein — — Haha, ich fluche Ihm, solang ich einen Atem in mir habe und — —

Dem Manne geht der Odem aus. Keuchend, ganz von Sinnen, greift er in den Nebel, der ihn umwogt. Des Warners Stimme hört er wie aus weiter Ferne: „Nun hast du Gott geflucht, Der dich aus deiner Wüstenei enthob, damit einige, die du dir zunutze machtest, noch zu erretten sind — du notfalls auch. Willst du dennoch weiterfluchen, solange dir der Atem bleibt? Dann sieh zu, ob du dir ihn selber schaffen kannst.“

Ein erbarmungloses Urteil? Gerade so wird Gottes Gnade aufgetan! Die Seele hat sich durch den lästerlichen Fluch die Qualen selbst bereitet. Der treue Warner steht noch da, um einzugreifen, sobald der Mann ein wenig zur Erkenntnis kommt. Ja: „Du, neben mir, ich kann dich nicht mehr sehen, hilf mir, ich kann nicht mehr atmen, ich muß jämmerlich ersticken, ich muß — “ In abgerissenen Worten kommt das Hilfsgeschrei heraus.

Malluredus faßt die Seele an und da lichtet sich der Nebel, auch ist der Atem wieder da. „Du hast‘s dir selber zubereitet“, sagt er sanfter. „Nicht Gott nahm dir den Odem, ließ den Nebel kommen. Das tat dein Fluch! Fluche niemals wieder, vor allem nie dem Schöpfer, Der dich zu Seinem Kind erziehen will. Aus Gnade, das merke dir! Denn verdient — — ?

Es währt lang, bevor ein Fünklein dir das Herz erwärmt. Immerhin — umgekehrt, und Schritt für Schritt kannst du zur Heimat wandern, die nicht in der Materie zu finden ist.“ Der Mann sieht Malluredus nach, wie das Weib der Olyanda, noch ohne Regung des Gemüts, aber schon berührt, weil nichts im Licht vergeblich ist. Jeder Dienst geht durch des Vaters Hand. — —

In einem Felsspalt hockt eine verkümmerte Gestalt, eine Schar um sie herum, die nach ihr stechen oder schlagen. Vergeblich wehrt sich die Gestalt. Schon lange Zeit, seit dem Erdentod, ist sie an den Felsen angebunden. Die Sternenräte wußten es, doch durften sie bisher nicht helfen. Es ist eine Sondergruppe. Die Gestalt hat sich durch böses Leben diesen Platz geschaffen; und jene, die sie jetzt bedrängen, wurden hergeführt, ohne daß sie vorher wußten, was sie hier erleben würden.

Zu dieser Gruppe gehen beide Helfende gemeinsam hin, weil es für die Seelen dienlich ist. Malluredus Schein fällt auf die gefesselte Gestalt, der von Olyanda auf die Wütenden. Drei andere Leute stehen abseits da; sie kamen erst, als die Sternenräte ihre Sendungshilfe brachten. Nur wissen es die drei noch nicht, weil sie selber manches abzugelten haben.

Als die Räte kommen, werden alle wie erstarrt. Den Bedrängenden fallen ihre Arme nieder; doch die drei, die in wie irdenen Gefäßen Feuer, heißes Wasser und Stahlruten tragen, knien nieder, während der Gefesselte wutzitternd schreit. Olyanda teilt die Gruppe, sie stellt die drei zur rechten, die anderen an die linke Seite vor dem Felsspalt auf. Malluredus tritt inmitten hin und fragt richterlich die Seelen: „Was geht hier vor?“

Der Gefesselte weint: „Herr“, er meint nicht Gott, sondern wähnt einen Richter von der Welt vor sich, „man schlägt auf mich ein. Sieh, ungezählte Stiche haben sie mir beigebracht und die drei dort drüben“, er zeigt auf jene mit den Schalen, „wollen mich noch ganz verderben. Dabei habe ich . . .“ „. . . auf Befehl gehandelt?“ Malluredus fragt es streng. „Ja, Herr, das habe ich“.

„Ach sieh an“, spottete Malluredus ernst, darinnen das Erbarmen Gottes liegt, „hat man dir befohlen, die Gefangenen zu quälen, die sich doch nicht wehren konnten? Du hast nie selber die Verbrechen ausgedacht?, hast nie Kinder furchtbar sterben lassen? Nun sagst du mir, man hätte dir das angeschafft? — ?

Gewiß, doch man ließ dir freie Hand, damit ‚man‘ einmal vor dem höchsten Richter, der jedoch verleugnet wurde, sagen könnte: ‚Der Wächter hat es aus sich selbst getan.‘ Ganz falsch! Wer die Armen dir in deine Hölle trieb, hat noch viel mehr auszukosten, als jetzt du, durch eigene Erbarmungslosigkeit und Haß gefesselt. Sadistisch hast du allen Leiden zugesehen, hast sie obendrein vermehrt, vor allem Schuldlose gemartert, die an ihren Schöpfer glaubten.

Sieh den an, der das Feuer trägt. Was tatest du mit ihm?“ „O, er hatte mich gereizt, hat — hat — mich an Gott erinnert, Den es gar nicht gibt. Da ward ich zornig und habe — ach, erlaß es mir, daß ich — “ „Nein, ich erlasse dir das nicht, und es steht dem Manne frei, an dir zu tun, wie du getan.“ Ein fürchterliches Brüllen, das tausendfach am Felsen widerhallt. Jener mit der Feuerschale tritt zu Malluredus hin und sagt: „Ich ahne nicht, weshalb ich hier seit kurzem leben muß. Vorher — meine ich — war es lichter um mich her. Doch ich weiß, daß ich gestorben bin und — wie“. Er stockt erschauernd. „Ich habe stets an Gott geglaubt. Allerdings — manches Echte hatte mir gefehlt. Das ist mir nun bewußt geworden.

Diesem Peiniger ausgeliefert“, zeigt er auf den Brüllenden, „hatte ich aus Trotz bei aller Qual geschwiegen, hatte mich nicht unter Gottes Hand gestellt. Das sah ich aber erst im Jenseits ein. Nun ich des Vaters Gnade an mir spüre, denn dieses Dunkel um mich her bedrückt mich nicht, als sei es nicht der Ort, wo ich aus Gottes Güte hingehören dürfte, gebe ich dir diese Feuerschale, und tue du mit ihr, was Gott, der Höchste, will.“

„Du willst‘s nicht selber tun, willst sie aber auch noch nicht verlöschen lassen?“ „O weh, das ist eine Sünde, daß ich‘s nicht vermag!“ „ich tue es für dich“, sagt Malluredus ernst, „nur bliebe dann in dir das Feuer weiterhin bestehen, was deinen Fortschritt hin zum Vater hemmt.

Der Feuerträger überwindet sich. „Ich will es selbst mit Gottes Hilfe tun. Es soll — “, noch ein Anlauf, noch ein Überwinden, „ — es soll verlöschen!“ Die Feuerschale löst sich auf in Nichts, dafür ist es wie ein gutes Licht, das des Mannes Hände reinigt. Er wirft sich vor den Lichtgestalten nieder, flehend: „Nehmt mich mit, laßt mich nicht an diesem wüsten Ort zurück; ich — ich will — will dem Peiniger vergeben“.

Das Licht, das des Mannes Hände säuberte, wird zur Gestalt. Sie ist sein Führer-Engel und nun — sichtbar geworden — holt er diese Seele ab. Die zwei andern Schalenträger sehen teils erstaunt, teils begehrlich nach. ‚Wenn wir auch schon — ‘ Bittend blicken sie auf beide freundlichen Gehilfen.

Eine Frau ist‘s, die das Wasser trägt. Aus der Schale steigt ein Brodem auf, der auf den Gefesselten zugetrieben wird. Vergeblich wendet er den Kopf; schon der Dampf schmerzt sehr. Ohne Einsicht seiner Schuld fängt er wieder an zu lärmen: „Herr, verbiete dieser Frau, daß sie . . .“ „Ich verbiete es ihr nicht. Du hast deine eigenen Untergebenen sehr hart gehalten, obwohl keiner dir ein Böses tat: denn erstens, weil sie es nicht konnten, zweitens aus der Angst vor deiner Grausamkeit.

Den du mit dem Feuer arg gefoltert hast, daß er nach schwersten Qualen starb, hat dir verziehen. Aber GOTT noch nicht!! Du kämest viel zu billig weg, wenn du deine Schändlichkeit nicht abzubüßen hättest. Daher soll die Frau nur tun, was sie sich vorgenommen hat. Ich werde sie darum befragen.“

Er wendet sich ihr zu und sagt: „Mich wundert, daß du deine Hände an der heißen Schale nicht verbrennst. Wie kommt denn das?“ Sie erkennt erst schwach das Licht, denkt noch rückwärts an die Welt und seufzt: „Sieh die Hände an, sie sind verbrüht, also spüre ich die Schmerzen nicht. Siehe auch die Füße an, meine Brust, meinen armen Kopf, das Haar fast abgebrüht von — von ihm“, zeigt sie zitternd auf den Peiniger am Stein.

„Was willst du tun?“ „Ich weiß es nicht“, flüsterte die Gequälte. „Hast du Schmerzen?“ „Ja, und — nein. Es ist, als wäre alles längst vorbei; dennoch spüre ich die Qual.“ „Das kommt daher“, sagt der Helfer, „weil du immer daran denkst. Wohl — des Glaubens wegen bist du in die Hand des Wüterichs gefallen; aber alle Wunden wären schon geheilt, wenn du deinen Leib, der längst im Grab verwest, nicht mehr beachten würdest.

Du hast ans Jenseits und an Gott geglaubt. Nur und das verzeiht dir Gott, wenn du verzeihen kannst — hast du zuletzt gedacht: ‚Dem begegne ich im Jenseits wieder und da soll er leiden, wie ich zu leiden habe.“ „Das war eine große Schuld“, bekennt die Frau. „Doch der Schmerz, wochenlang erduldet — ich weiß nicht, ob du das mit nachfühlen kannst; denn sonst —

„Nicht so wie du! Ich fühle mit; und das Mitgefühl ist eine hohe Gabe Gottes, die errungen werden muß. Eben darum wird der Vater dir die letzte Last vergeben, wenn. . .“ „. . . ich vergeben kann?“ Bang gefragt, und berechtigt um des Leidens willen. Malluredus gibt kein Zeichen, die Frau muß selbst zur Einsicht kommen. Und siehe da sie reicht die Schale Olyanda hin, bittend:

„Tue damit, was du willst.“ „Das darf ich nicht“, sagt diese. „Du brachtest sie ins Jenseits mit, zwar nicht natürlich; nur du kannst sie vernichten oder — auch behalten.“ ‚Der Mann mit seinem Feuer wurde abgeholt‘, denkt die Frau und hat auf einmal große Sehnsucht wie so oft auf Erden: ‚Heim zum Vater, Der mir gnädig ist!‘ Da ist die Schale jählings aufgelöst, die Wunden werden heil. Schluchzend fällt die Frauenseele nieder: „Ihr — o ihr habt mir geholfen, ihr seid Engel Gottes! Helft mir bitte hier heraus, bringt mich heim zu meinem Vater-Gott!“

Das ist ein Ruf aus tiefstem Herzen, obwohl durch vieles Weh gar manches dunkel ward. Nun hat Gott jenes Maß der großen herzlichen Barmherzigkeit zur Hand genommen, das ‚HEILAND‘ heißt! Olyanda führt die Seele aus dem Tal der Trauer, während Malluredus noch mit dem Verbrecher und der Schar das Letzte abzurechnen hat: im Auftrag Gottes, der Sein väterliches Wesen walten läßt. Bloß dürfen es die Seelen noch nicht merken, damit sie wie aus sich zum ersten Umkehrschritt gelangen.

Es kostet Mühe, jenen, der die Rutenschale trägt, zur Einsicht hinzuleiten. Er war nicht der Übelste, jedoch glaubenslos. Den Haß gegen seinen Peiniger, der ihn jahrelang fast täglich schlug, nahm er mit ins arme Grab, und deshalb steht der Haß wie Dorngestrüppe zwischen beiden Seelen. Er gibt auch seine Schale nicht von selbst dem Helfer hin; nach und nach entwindet Malluredus sie, als ob er Stück um Stück zerbräche, bis die Seele nur noch kleine Scherben in den linken Fingern hält.

„So sieht dein Leben aus“, sagt der Helfer ernst, „weil du nicht des Geistes Stimme walten läßt. Unser Vater steht dir bei, weil du — allerdings nur weltlich — bitter leiden mußtest, nicht den Großen dientest, deren Tun aus ihrer eigenen Hölle kam. Hierin stand das Recht auf deiner Seite. Lichtgemäß besehen war dir möglich, dieser Weltpein auszuweichen, wenn du nicht aus Trotz und Widerspruch zu öffentlich geredet hättest.

Du wolltest deine Hohen in die Grube stoßen, indem du all ihr Arg entlarvtest. Oh, die letzte Menschheits-Zeit, von ihr selbst herauf beschworen, zerrt das Letzte aus der Finsternis hervor, weil auch dies gereinigt werden soll. Da dürfen jene Worte gelten:

‘Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben!‘

Matt. 10, 16

Besser war es, jene weltlich Hohen nicht zu sehr herauszufordern und dann wäre manches unterblieben. Das allerdings allein aus jener Gnade, die die Menschheit nicht begreift. Du hast den Obersten des Marterhauses oft gereizt“, der Gefesselte ist damit gemeint, „und hast selber viel hervorgerufen, was allerdings dem Bösewicht nicht nachgelassen wird.

Siehst du das jetzt ein, dann ist dir leicht zu helfen — manchem andern auch.“ Des Hellen Augen gleiten über alle hin. „Du merkst es ja, daß du gestorben bist und dennoch lebst, daß das geleugnete Jenseits existiert mit allem, was dir oft zu Ohren, nur nie in dein Bedenken kam. Daher wäre dir nicht schwer, jetzt umzukehren, jetzt zu erkennen, auch zu bereuen, nämlich deine Glaubenslosigkeit und — deinen Haß!

Hebe keine Steine auf, wie der Feuerschalenmann und die Wasserschalenfrau das Recht dazu besaßen. Und sie taten‘s nicht! Ich lasse dich allein, du sollst selbst zur besseren Erkenntnis kommen. Wenn du mich rufst, dann komme ich zurück.“ Das Hilfe-Funklein, ausgestreut, ist nicht verglüht, es wird gesegnet und erhalten: gesegnet für den Helfer, erhalten für die Seelen, denen diese Hilfe gilt. Noch hängt die Welt an ihnen fest, besser so gesagt: sie klammern sich an die für sie versunkene Welt.

Noch ist der Rutenschalenmann nicht fähig, umzukehren, ergreift jedoch des Lichtkindgeistes Hände, bittend: „Komme bald zurück, ich — ich kann nicht selber meinen Haß begraben. O ich erkenne das jetzt auch: ich bin gefangen, nur anders als der — der am Fels. Es ist mein Tun und Lassen, was mich bindet, und bloß du kannst mich davon befreien.“

„Das kann ich wohl“, Malluredus dreht sich nochmals um, „besser aber ist‘s für dich, wenn du zum Glauben kommst und GOTT um Seine Hilfe bittest. Tust du das, dann kann ich dir aus Seinem Willen helfen. Nur auf diese Weise wirst du frei — frei von deinem eigenen Ich. Verstehst du das?“

„Ich will Gott um Verzeihung bitten; nur dem — ach, schwer fällt es mir.“ Ein Seufzer folgt. Diese Seele, eben umgekehrt, wird kaum mit einem Schritt aus ihrer Dunkelheit ins Licht gelangen. Deshalb mahnt Malluredus:

„Du mußt vergeben können.“ „Ah, Gott vergibt erst dann, wenn man selbst . . .“ vergeben hat?“ Der Helfer führt den Mann vom engen Spalt heraus, die andern sollen das noch nicht erfahren: „Dir wird es offenbart, wenn du aus gutem Willen dem Gefangenenwächter auch vergeben hast.“

Noch weiß jener nicht, daß er einen Umkehrschritt erreichen konnte, und darum sagt nun Malluredus: „Gott wird dir helfen, und ich kann es tun.“ „Ich will‘s versuchen. Herr“, ruft der Mann, „bitte, vergib mir meine Schuld und Sünde; ich will nicht mehr rückwärts sehen, will auf Deine Hilfe hoffen und dem Feind vergeben, so gut ich es vermag.“

Er fragt noch, ob die zwei, die fortzuführen waren, besser als er selbst gewesen sind, und warum sie an dem ‚wüsten Ort‘ erscheinen mußten. „Sie kamen nur hierher, um dem Bösewicht zu zeigen, was er sich aus seiner Hölle aufgeladen hatte. Sie konnten noch ein Gutes tun, für jenen und für sich“, wird er belehrt.

„Deine Schale ist vergangen und du wirst später fortgebracht. Auf dem Weg der Läuterung erfährst du es, ob Gott zuerst vergibt, aus welcher Gnade dann der Gläubiger vergeben kann, nämlich du. Bleibe hier, denke über alles nach, dann kommst du bald in eine andere Region.“

Malluredus geht zurück zum Felsenspalt. Es erfordert eine längere Zeit, bis die Seele mit der Rutenschale ihren Haß ganz ausgerottet hat. Dann wird auch ihr der Heimfindweg beschert.

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