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Kap 1 – Die erste Geduldsprobe. Eine nicht leichte Frage des Vaters


Die erste Geduldsprobe. Eine nicht leichte Frage des Vaters

Alaniel und Madenia wie auch von ihnen bestimmte höhere Engel haben Karmathas Entwicklung sorgfältig geführt. Nun ruft der Herr sie wieder nach Jerusalem. Mit Wonne eilen sie, Den zu sehen, Der ihrer Liebe unentwegte Sehnsucht ist. Im Priesterhause angekommen, verneigen die Fürsten sich mit gekreuzten Händen vor dem Vorhang zum Allerheiligsten. Seit Golgatha ist dieser zwar zurückgerollt, doch zur Lehre kleinerer Kinder mitunter geschlossen. Die Fürsten sprechen daher um Karmathas willen:

„Heilige Liebe, guter Gott und Vater! Gib uns Deines Priestertums Gaben und lehre uns die Wunder Deiner Macht begreifen. Sieh unsrer Liebe Sehnsucht an und betrachte gnädig in Geduld all unser Tun und Lassen, daß unser Werk gerechtfertigt, gesegnet und geweiht sein möge. Wir bringen Dir das Demutsopfer, an der Fackel Geduld Deiner erhabenen UR-Wesenheit angezündet. Laß Dir das Opfer wohlgefällig und von Dir geheiligt sein, damit wir reinen Fußes Deine Schwelle überschreiten können, Dich zu schaun im Glanze deiner Herrlichkeit!

Du wohnst wohl ganz in unsern Herzen; und wo sich unser Schritt hinwendet, wo unser Auge Deine Werke sieht, — überall erstrahlt uns Deine Güte. Im Glanze von Jahrmillionen Sonnen, in Myriaden strahlender Sterne erblicken wir Deines Wesens Majestät; und im Werden Deiner Werke öffnet sich uns Deine wahrlich unbegreifliche Allmächtigkeit!

Wir spüren Deine geopferte Erbarmungsliebe, die im Lichtstrahl deiner hocherhabenen Vierwesenheit und Siebenfältigkeit seit Deinem Werkbeginn in keiner anderen Schöpfung größer war denn jetzt. Doch gerade diese keinem Kind faßbare Größe zeigt das Werden deiner Liebe zur Barmherzigkeit für alles Sichtbare und Unsichtbare, für das Enthüllte wie für das in Dir Verborgene. Nie wird die Erbarmung ganz erkannt, weil mächtiger ist als Deine Grundgerechtigkeit!

Wir schauen die Schönheit Deiner hohen Liebe, der uns kund gewordenen Barmherzigkeit! Erschauernd beugen wir die Knie, in tiefer Anbetung das Herz, in Ehrfurcht unser Haupt vor Deiner Herrlichkeit! Bist Du für uns bereit, so öffne uns Dein Allerheiligstes, auf daß wir Dir begegnen dürfen. Denn das ist ja die höchste Wonne, Dich vor Augen und im Herzen haben, Deinen Worten lauschen, mit Dir reden, Deinen Willen zu vernehmen, der allezeit geschehen soll.“

Nach der Preisanbetung herrscht hehre ruhe. Karmatha hat — seinem Verständnis entsprechend — im Herzen angebetet. Nun wartet er auf das Öffnen des Vorhangs. Leise Ungeduld kommt über ihn, hervorgerufen durch die lange Anbetung der Engel; und sie steigert sich, als nichts geschieht. Am liebsten möchte er Alaniel fragen, warum sie nicht ins Allerheiligste gehen, wie sie sonst zu tun pflegen. Er wagt es nicht; die feierliche Stille hält ihn zurück. Doch bittend schaut er beide Engel an, hat er ja mit diesem Ruf erhofft, bald eine nächste Stufe zu beschreiten. Alaniel und Madenia gehen keinen Schritt nach vorn, noch rührt sich irgend eine kleine Vorhangsfalte. Die Fürsten warten schweigend.

Immer unruhiger wird sein Herz, bis er schließlich Alaniels Hand zaghaft bittend berührt: O Abada Alaniel, sage mir, was geschieht? Sonst schreitet ihr gleich ins Allerheiligste; heute habt ihr lange gebetet. Bedürft ihr solcher Vorbereitung, ehe ihr dem Gnadenstuhle nahen könnt. Das kann ich jedoch nicht glauben. Warum zögert nun der Vater?“ Alaniel entgegnet:

„Karmatha, solang warst du in unserm Hause und noch immer fehlt für diese Stufe dir das Beste, ohne das du niemals weiterschreiten kannst. Der Vater wird es dir enthüllen, warum Er zögert, warum wir uns so lange beugten. Doch solltest du statt aller Fragen in dich gehen; vielleicht erkennst du es von selbst, weshalb der Vater deiner Ansicht nach dich warten läßt.“ Dabei lächelt er zu seinen ernsten Worten, während Madenia ihn zärtlich an sich drückt. Karmatha sieht die Fürsten an, blickt dann auf den geschlossenen Vorhang, und plötzlich kommt ihm die Erkenntnis. Bekümmert ruft er aus:

„O Alaniel, Madenia, warum gabt ihr mir nicht gleich den ganz gehörigen Wink, wie die Sache steht?! Jetzt muß ich mich ob meiner großen Ungeduld gar bitter schämen! Ach, da kommt der Vater freilich nicht, und das liegt an mir allein. Ich bin nicht für Wert befunden, in das Allerheiligste zu gehen. — Laßt uns nur gleich umkehren; damit ich wieder gutmache, was ich selbst verdorben habe.

Ich wollte ja mein Herz dem Vater bringen und Seinem Ruf aus Liebe folgen, wenn ich auch nicht stets zu Seiner Freude handelte. O, was soll ich tun?!“ Ratlos sieht Karmatha vor sich hin, wagt auch nicht seine Augen aufzuheben, sondern denkt zerknirscht an seinen Fehler. Auf einmal wird er emporgehoben, und ehe er sich versieht, ruht er in des Vaters Armen. Rechts und links stehen Alaniel und Madenia, beide eine Hand auf Gottes Schultern gelegt. Er aber lächelt freundlich und spricht:

„Mein Karmatha, du liebes Kind, zur rechten Zeit hast du die Probe noch bestanden. Sieh an, nun freue Ich Mich über dich. Würdest du sonst in Meinen Armen ruhen, an Meinem Herzen liegen, den Schlag vernehmen, der immer für dich denkt und sorgt?! Müßte Ich des allen dich nicht wert erachten, — niemals wäre dir der Vorhang aufgegangen! Auf deine Fragen sei dir auch die Antwort, damit ein neues Licht zur weiteren Erkenntnis und zum Fortschritt dir verhilft, zu einem Segen, der dir, der Schöpfung und auch denen werden soll, die zu Deiner Zeit dem Wahrheitslicht noch ferne stehen. Viele werden es erkennen und lebendig in sich tragen, wie auch du es jetzt lebendig in dir trägst.

Meine Liebe rief dich jetzt zu Mir. Als du noch bei Rafael weiltest, konntest du mit Meinen Fürsten, die keines lauten Rufes mehr bedürfen, hier frei eintreten. Rufe Ich sie aber laut, so geschieht das nur der Kindlein wegen, die vielerlei Belehrungen bedürfen, ehe sie die Reife haben, einen solchen Ruf im Herzen zu vernehmen.

Weil du das aber noch nicht weißt, Mein Karmatha, so mußten Meine Ersten als deine treuen Führer das Gebet der Vorbereitung sprechen. Das durfte dir vorher nicht angekündigt werden; denn zur Erkenntnis muß ein jedes Kind aus sich gelangen. Dann wird es eine wahrhaft gute Stütze Meines reiches. Das sei dir jetzt enthüllt, obwohl du das ‚Warum’ noch nicht verstehst. Zu deiner Zeit wird es dir offenbar. Es tut nicht not, darüber nun zu sprechen.

Als die Träger der Geduld das Gebet der Vorbereitung Mir geopfert hatten, als dein kleines Herz so gut wie möglich mitempfinden lernte, war der Augenblick gegeben, wo sich der Vorhang öffnen ließ. Aber die Gedanken zogen unstet in dir hin und her; sie fanden nicht in Mir den Ruh- und Sammelplatz, der unbedingt dem Eintritt in mein Heiligtum vorauszugehen hat, sollen segensvolle Früchte wachsen.

Darum gab ich dir die Zeit, erst zu jenem Sammelpunkt, mindestens zur Einsicht deiner Unruhe zu kommen. Doch weil diese deine Sehnsucht war, ward sie von Mir auch nicht verworfen; nur diente sie gerade nicht zu deinem Besten. Ich sah sie wohlgefällig an, weil sie Meinem Vaterherz deine Liebe brachte.

Soll das aber alles sein, was Ich von dir erwarten kann, dann kannst auch du von Mir nicht mehr erwarten, als du bereits empfangen hast. Und das ist viel! Ich will aus dir ein Licht bereiten, Karmatha. Zwar sollen alle Kinder Licht, in dieser Schöpfung mindestens das wahre Leben tragen. Doch das Licht durch dich soll weithin leuchten hier und dort. Darum sollst du Meinem Vaterherzen nahe stehen, sollst Mein Gottesherz und auch Mein priesterliches Wesen anerkennen lernen. Das Weitere jedoch später. —

Mein Rufen klopfte in der Halle leise bei dir an; doch du konntest es noch nicht verstehen, weil deine Vorbereitung nicht ganz genügend war. Aber nicht das Beste wäre es gewesen, hätten Meine Ersten oder Ich dich darauf aufmerksam gemacht. Das verstehst du auch. Bis zur gewissen Reife muß Ich eine fortgesetzte Hilfe allen Kindern angedeihen lassen, sind sie aber an der ersten Grenze angelangt, dürfen nur entsprechende Belehrungswinke folgen. Hat das Kind auch hierin seine Stufe gut erreicht, können Meine Lehrer nur noch kleine Anweisungen geben. Dann muß man ernstlich in sich selber suchen, bis man die gerechte Herzenssprache mit Mir halten kann. Das wird aber nicht erreicht, wenn das Fehlende stets offenbar beleuchtet wird.

Deine Lehrer wiesen deshalb nur auf deinen Fehler hin, aber erst, nachdem du fragtest, warum Ich zögerte. Erforschen mußtest du dich selbst. Nun sieh, was reicht dir dafür Meine Gnade? Ist es dir nicht köstlicher, der Wahrheit selber auf die Spur zu kommen? und daß Ich sogleich bereit war, ehe du es dachtest, dich in Meinen Arm zu nehmen, an Mein Herz zu drücken, in Mein Allerheiligstes zu tragen?

Danke es Meiner heiligen Lieb, Karmatha! Danke es aber ach den von Mir geheiligten Führern, die dich betreuen. – Tust du das und bleibst alles Segens eingedenk, so kommt über dich Mein Licht zum Zeichen Meiner großen Gnade und Erbarmung, die dem Schöpfungsteil des Abtrünnigen gegeben werden soll und muß.

Schon geraume Zeit bist du im Hause der Geduld und brauche Ich dir nicht zu sagen, was dort deine Arbeit ist. Die Hauseltern belehren dich, denn ihnen ist bekannt, was mit dir geschehen soll. Ehe du jedoch zum nächsten Schritt gelangst, muß du eine rechte Geduldsprobe ablegen. Ich habe unendliche Geduld mit den Gefallenen; soll Ich sie nicht auch mit Meinen treuen Kindern haben, ganz gleich, auf welcher Stufe sie stehen? Die Geduld muß in dir eine feste Wurzel schlagen, eher kann nicht geschehen, was dein Herz begehrt.

Doch daß es dir nicht schwer fällt, will Ich durch einen Hinweis zeigen, wie man Geduld erlernt. Siehe an die Fürsten, Mein Sohn und Meine Tochter. Um deinetwillen bleiben sie dem Heiligtume fern, als Ich die vier ersten Engelsgruppen zweimal berief. Zwar hörten sie Mein Wort im Herzen; aber sage, du Mein Kind, wie es dir zu Mute war, als der Vorhang sich nicht öffnen wollte? Und mochtest du nicht manchmal eilen, Mich zu schauen?

Auch Meine Ersten, obwohl Mich vollwahr in sich tragend, haben Sehnsucht, Mich zu schauen. Geduldig trugen sie die Trennung, um dich nicht allein zu lassen. Hätten sie dich im geheiligten Gemach Meinem persönlichen Schutze unterstellt und wären gekommen, Mich anzubeten mit der erwählten Schar, so wäre das vor Mir genauso gut und richtig gewesen, wie auch, daß sie bei dir blieben. —

Doch die Träger Meines Grundlebensstrahles Geduld verzichteten auf ihr Eigenes. Und nächst der Geduld ließ sie die Liebe also handeln, so daß sie gern für dich das Opfer der Entsagung brachten. Schaue sie nur an, Meine beiden Lieblinge und erblicke in ihren strahlendschönen Angesichtern das Wesen der Geduld und Liebe, sowie jenes des Ernstes, der Weisheit, des Willens, der Ordnung und auch der Barmherzigkeit. Bleibe ihres Dienstes eingedenk, und es wird geschehen, wie Ich dir enthüllte.“

Die Worte des Vaters schlagen hohe Wellen in Karmatha; fester schmiegt er sich in die heiligen Arme, und die Fürsten legen ihre Hände ineinander, so den Vater und das Kind umschließend. Als Karmatha das sieht, spricht er sogleich:

„O All-Heiliger, liebevollster Vater! Sieh in Gnaden die Dir dargebrachte Demut an. Noch verstehe ich nicht alles, wie Du bestätigt hast; aber du erblickst meine wenn auch noch geringe Liebe zu Dir. Deine Worte will ich fest bewahren, bis die Zeit zur Erweckung nach deinem ewig-heiligen Ratschluß kommt. Ja — jetzt erkenne ich, was mir noch fehlt: die große von Dir geheiligte Geduld der Engelsfürsten. Und ich anerkenne Deine hocherhabene Bedingung. —

Ach guter Vater, laß mich nur noch eine kleine Weile an Deinem Herzen ruhn, denn hier ist’s doch am allerschönsten. Ich fühle mich im Schutze des Abada Rafael und der Agralea, unter der besten Fürsorge Alaniels und der guten Madenia wohl. Was ich sagen möchte, tragen deine ersten in der Klarheit in sich. Siehe, mag es sonstwo noch so schön und voll des größten Friedens sein, so ist bei Dir, o Du geliebter Vater, der Platz der höchsten Seligkeit und Wonne! Wohl soll dieses nicht nur hier im Heiligtume gelten, sondern überall in reicher Segensfülle, wo Du, UR-Vater, zu Hause bist.

Trotzdem wohnst Du am liebsten in der Kinder Herzen, und so kann daselbst ein Tempel Dir erstehen, wie das bei Deinen hohen Engeln schon geschehen ist. Erkläre mir doch bitte das, o Vater: Siehe, es durchflutet mich eine Seligkeit um die andere, da ich an Deinem Herzen ruhen kann und bei mir zwei Deiner Fürsten stehen, deren Lichtglanz weiter reicht als das reich des Dunkels von Dir ferne ist.

Nun aber ist mir auch, als seiest Du in meinem Herzen. ist den solches möglich? Kann das nicht nur dann geschehen, wenn wir außerhalb des Heiligtumes sich befinden? Und was ist der Unterschied zwischen dem verspüren freudiger Seligkeit, sind wir bei Dir oder Du in unseren Herzen? Du warst bei uns kleinen Kindern außerhalb des Priesterhauses. Nie nahm ich eine solche Wonne wahr wie eben jetzt. O gib mir einen Klarblick, mein geliebter Vater!“ Gott legt die Rechte auf die zusammengefügten Hände Seiner Fackelträger, während Er mit der Linken Karmatha umschlungen hält. Und Er spricht:

„Karmatha, obwohl du das nicht ganz begreifen wirst was Ich zu sagen habe, will Ich es dir doch beleuchten. Lasse das gehörte in deinem Herzen wohnen und lebendig werden, alsdann wird nach und nach auch das noch nicht Verstandene erwachen, feste Formen annehmen und für dich ein Segen werden. Darum höre nun gut zu.

Sieh, ob eine Schöpfung ein inneres oder auch ein äußeres Gepräge trägt, spielt für Mich keine Rolle. Gedankenkräfte, zum Ganzen gefügt, bilden ein UR-Schöpfungswerk, ein UR-Jahr. Sein Inneres zerfällt in drei Teile und jeder Teil in der Offenbarung in Unterteilungen. Die drei Teile sind für sich gesondert anzusehen, wenn es sich um die Erkenntnis Meiner Kinder handelt. Im Sinne Meiner Schaffung bleibt sie ein Ganzes. Sie sind Mein Ausatmen, das Sein und das Wieder-Einatmen, weil alles Geschaffene und von Mir Gegrenzte das Werden, den Aufstieg und die Vollendung braucht. Das ist unabhängig vom sichtbaren Ordnungsbau.

Vom Ende des Einatmens bis zum Anfang des Ausatmens nimmt Mein UR-Sein alle Kräfte wieder auf. Auch zum Schluß der kleinen Unterteilungen, der Tage, wandern alle Lebewesen in Mein Sein zurück. Ein Tag hat noch Zeit- und Raumunterschiede, die Stunden; und die in ihnen liegenden Wechselfälle sind als Schöpfungswellen anzusehen.

Die am Werkende rückkehrenden Wesen wissen während ihres Ruhens in Mir nichts von sich bewußt. Doch bringt jedes Ende größere Erkenntnis und dadurch wachsen alle Fähigkeiten, zumal die ‚Hingabe an Mich’. Dabei kommt es weniger darauf an, wann und wo sie sich Mir hingeben, sondern wie sie solches tun, wenngleich das Wie vom Wann und Wo mit abhängig ist. Ich gab neben vielem Heiligen vordringlichst Meine sieben Grundlebensstrahlen; und so darf es wohl begreiflich sein, daß nur dann ein Kind die höchste Einheit mit Mir hat, wenn es sich um alle Lebensfunktionen bemüht. Wisse: alle Eigenschaften sind gleichwertig, es steht keine höher oder tiefer, weil das in Meiner UR-Persönlichkeit unmöglich ist.

Alle werkbestimmten Gedanken erhalten ein bewußtes Leben, das sie wie außer Mir zum eigenpersönlichen Wesen macht. Das sind sie auch, doch bewußt nur für die Schöpfungszeit, die in Mir ihre Ordnung trägt. In jedem Werke gibt es einen einheitlichen Mittelpunkt, der sich äonenfach verästeln kann, trotz dessen aber der einzige Konzentrationspunkt bleibt. Dieser kann niemand anders sein als Ich allein!, in welcher Hinsicht es nicht voranzustehen braucht, ob Ich sichtbar bin oder Mich verhülle.

Ich brauche als Sammelpunkt nicht absolut sichtbar zu wirken, wenn ein Werk unsichtbar geschaffen ist, d.h., wenn ein inneres Dasein ersteht, in dem gedankliche Kinder zu einem Leben des Gefühls und der inneren Anschauung gelangen. Lasse Ich aber ein äußeres Werk erstehen, wie jetzt geschah, so muß auch Ich äußerlich sichtbar sein, oder Mein werk könnte dann nur wieder mit Mir eins werden, fügte Ich es Meiner UR-Wesenheit willkürlich ein. Andernfalls müßte es sich Mir entfremden und das wäre Meine Schuld. Das ließe sich mit Meiner Güte nicht verbinden und ein solches Werk wäre nutzlos getan! Es wird dir Gelegenheit gegeben, dich mit dem Gesagten ganz vertraut zu machen, sonst könntest du das bis in Ewigkeit nicht verstehen.

Nun Ich das jetzige Großwerk auf das innere und äußere Grundfundament errichtete, bleibt es notwendige Erscheinung, zwei Dinge zu enthüllen, nämlich ‚Werkmeister und Werk’! Damit gelangen wir zu deiner Frage. Mein inneres und äußeres Sich-Offenbaren gilt allen Gedankenkräften, die ‚Meine Kinder’ werden. Auch du bist so ein Kind. Es kommt aber darauf an, wie die Entwicklung eines Kindes vor sich geht; danach werde Ich das größere Gewicht auf die innere oder äußere Offenbarung legen. Jetzt muß durch den Schöpfungsfall beides gleichstark herrschend werden, will Ich Meine Kinder zu Mir ziehen, ohne sie des freien Willens zu berauben.

Ich schuf deshalb einen äußeren Sammelpunkt, der zugleich der Ort des Inneren ist. Je nach dem Erkenntnisgrad der Kinder kann Ich hie und da zugleich Sammelpunkt und Inneres sein. Du fühlst dich in Meinem Priesterhaus am wohlsten, was nicht im selben Maße wäre, weiltest du hier ohne Mich. Meine Gegenwart allein ist es, Karmatha, die das höchstbeseligende Gefühl dir gibt.

Nimm an, du wärest auf einer fernen Sonne, hättest Haus und Kinder zu betreuen, so könntest du zufrieden und auch glücklich sein. Größer wäre deine Seligkeit, wenn Ich in deinem Herzen zu dir spräche, und am größten deine Wonne, käme Ich auch äußerlich mit Meinem Wort und mit offenen Vaterarmen! Ein solches Gefühl entspringt dem der Schöpfung gegebenen äußeren Lebensbewußtsein.

Käme aber dann die Zeit, wo du wieder in das nur höchst reinen Kindern zugängliche Jerusalem, in Licht-Heilig einkehren könntest, ins Allerheiligste Meines Priesterhauses, würdest Mich bereit finden, dich an Mein Herz zu nehmen, da empfingest du dein vollgerüttelt Maß an seliger Freude und an geheiligter Wonne.

Ich will in der Kinder Herzen wohnen, sie sollen in Meinem zu Hause sein, wobei das Innere für alle urewigen Zeiten gilt! Solange aber das Äußere im Zeichen einer Schaffung gesetzt ist, solange ist nächst dem Inneren das Äußere unbedingt erforderlich. Meinen Kindern würde etwas fehlen, bliebe ihnen das Äußere vorenthalten.

Kinder, die im Äußeren schon weit entfernt gewesen sind, manche auch dem Inneren nach, wissen am besten, was es zu bedeuten hat, Mich nur einerseits zu kennen. Das Innere muß selbstredend dem Äußeren vorausgehen; doch das Innere verliert ein gutes Teil, wenn nicht die äußere Offenbarung folgt. Das Innere erreicht erst dann die höchste Höhe, wenn es durch das Äußere den sichtbaren Ausdruck findet.

Gute Gedanken nützen nichts, wenn ihre Verwirklichung unterbleibt! Und das Äußere ohne Grundfundament des Inneren ist eitel Stückwerk und zerfällt, weil es das Nichts eines Scheinlebens ist. Für diese Schöpfung ist das Innere das wahrhaftige Grundfundament, das Äußere des gesamten Werkes Krönung!

Auch jene dunkle Hülsenglobe unterliegt denselben Grundgesetzen und Bedingungen, nur wirken sie sich daselbst anders aus. Was hier im Reich das Äußere ist, stellt dort ihr unvollkommenes Innere dar. Was aber dort als Äußeres gilt, ist ein kurzes Zeitleben. Daher fühle dich in Meinem Priesterhause — wie in Meinem Herzen ruhend — nur recht wohl. Hier ist die wahre Heimat aller Kinder. Von hier allein, dem inneren und äußeren Sammelpunkt, wird jedes Werk gekrönt.

Du weißt, daß Ich auf jene Erde war, auch ungefähr, wie es Mir dort als Mensch erging. Obwohl sich das für beide Lebensfundamente abspielen und erfüllen mußte, nahm alles seinen Ausgangspunkt aus Meinem heiligen Priesterhaus. Meine UR-Wesenheit leitete von hier aus das heilige Geschehen! Nun, Mein liebes Kind: Gehe deinen Weg, du bist gesegnet; und kehre wieder und du bist reich gesegnet! Die Engel Alaniel und Madenia werden dir enthüllen, dessen du in nächster Zeit bedarfst. Bleibe bei ihnen solange, wie sie es für gut befinden. Übe dich in rechter Geduld! Mehr kann Ich dir jetzt nicht sagen; es ist gerade das rechte Maß, vollgerüttelt bis oben an. —

Euch beiden, Alaniel und Madenia, habe Ich mit dieser Offenbarung auch das Beste angedeihen lassen; reich gesegnet seid ihr abermals um eurer großen Arbeit willen. Denn das ist die Liebe zu Mir! Ziehet hin in Meinem Frieden. Amen!“

Schon lange senkten die Ersten ehrfurchtsvoll ihre Häupter. Ein heiliges Wehen um andere strömt durch ihre Herzen. Nun der Vater geendet hat, der für Karmatha als ‚Gott’ sprach, verneigen sie sich tief mit einem „Heilig! Heilig! Heilig!“ Karmatha flüstert dazu ein scheues, inbrünstiges ‚Amen’. Da drückt Gott ihn nochmals an Seine Brust, liebkost ihn und auch die Fürsten und die Kinder verlassen das Heiligtum. Sie kehren auf ihre Sonne Alphania zurück.

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