Karmathas guter Fortschritt. Das Lichtsignal. Die Zweite Prüfung
Karmatha kniet allein im geheiligten Gemach des Alaniel-Hauses, betet zu Gott und spricht:
„O heilige Liebe! Wunderbares hast Du mir, seitdem ich Dein Allerheiligstes betreten durfte, gegeben. Du ließest mich deine göttliche Geduld erkennen. Jetzt weißt ich erst, was es bedeutet, Dich, meine heilige Liebe, im Herzen zu besitzen. Dennoch muß ich Deine hochheilige Wesenheit erst ganz verstehen und in mir tragen lernen. Doch ich weiß, daß Deine Hand mich führt, Dein Arm mich hält, Dein Herz allezeit geöffnet ist, darin Dein Kind ewigliche Wohnung haben kann.
Nun offenbart mir dein heiliger Strahl, daß bald die Zeit gekommen ist, in ein nächstes Lichthaus einzutreten. O Vater, Du bester und heiliger, überguter Abba, gib mir für die nächste Stufe Kraft. Ich bin nicht um das besorgt, was geschehen wird, bist Du ja meine Hilfe ganz allein, aber darum sorge ich mich sehr, Dir würdig zu begegnen, wann Du zu mir sagen wirst: Nun gehe hin, gesegnet ist dein Weg!
O siehe Vater, als ich zum ersten Male hörte, was Deine Liebe, gestützt auf die Barmherzigkeit, in der Finsternis vollbrachte, kam es mir leicht vor, die Straße Deiner Ehre für Deine Liebe und Wahrhaftigkeit zu wandeln. Es dünkt mich nicht schwer, mit Dir verbunden Dein Opfer-Werk auf mich zu nehmen, wie es der Weg erforderte. Und jetzt? Heilig-gut bist Du! Ein wenig hast Du mir nun meine Augen aufgetan in einem Hause Deiner sieben Eigenschaften und ich muß erkennen: Nicht nur genügt der Wille und sei er noch so gut und fest, sondern es bedarf der großen Vorbereitung. Ahnend spüre ich, daß alle Kinder Deines Lichtes vorbereitet werden müssen, wollen sie in Liebe Dir die Opfergabe bringen. Wieviel Scharen gehen durch die Tore Deiner Stadt! Sie ziehen ihre Bahn, tragen mit am Schöpfungsopfer, und kehren heim mit neuem Glanz. Ihr Licht wird immer schöner und vollkommener.
Vater, nicht um dieses Glanzes willen, sondern wegen der Barmherzigkeit laß mich gehen, wenn nicht anders, auch ins tiefste Dunkel, wo Deine unwandelbare Ordnung das Fundament für die Erlösung gründete; wo Dein Heilswille diesem Ziel die Hände bot; wohin das Licht Deiner unerhörten Weisheit ihre Strahlen sandte und Deines Ernstes tiefe Heiligkeit das Opfer auf sich nahm; wo Deine nie meßbare Geduld der Finsternis Versöhnung brachte, daß Deine heilighehre Liebe erlösen, Deine herzliche Barmherzigkeit die Krönung an sich nehmen konnte! — Dorthin wende ich das Auge. O liebevoller Abba, richte dorthin meinen Weg und laß ihn eine Wahrheitsleuchte werden. Gib das Zeichen, welches denen wird, die Du erkoren hast. Ich bitte Dich darum.“
Voll größten Vertrauen auf des Vaters Zusage schaut Karmatha zum Heiligtum hinüber; und je länger er des Zeichens warten muß, um so stärker wird ihm die Gewißheit, daß er es erhält. Ja, seine Geduld ist groß geworden. Ruhig steht er auf. Nach längerer Zeit sieht er, wie ein heller Strahl über dem Lichttempel die Worte schreibt:
„Friede und Kraft den Kindern der heiligen Opferung!“
Da weiß er, daß sein Gebet Erhörung fand. Mit tiefem Dankgefühl breitet er, zum Heiligtum gewendet, die Arme aus, geht dann zu Alaniel und Madenia, die seiner in der Halle harren und spricht:
„Gott, unser heiliger Vater, hat mich erhört!“ Die Ersten liebkosen Karmatha, sie haben ihn sehr lieb gewonnen. — Die Zeit rückt näher, wo das reich gesegnete Kind aus ihrem Hause ziehen wird, um die Vorbereitungsschule fortzusetzen. Madenia geht von einem Engelshaus zum anderen, ruft die 24 Ältesten und die vier Wächter-Engel, und sie treten ins geheiligte Gemach des Hauses ein. Alaniel, Rafael, Agralea und Madenia stehen rechts und links von Karmatha, ihm gegenüber Muriel mit Pargoa, zur Rechten Uraniel, Michael, Urea und Elya, zur Linken Zuriel, Gabriel, Helia und Pura. Das Viereck schließen zu beiden Seiten je 12 Älteste und zwei Lebensengel ab. Zuerst spricht Zuriel:
„Karmatha, der Allheilige UR hat uns berufen, das Amt an dir auszuführen und ich frage dich: Bist du bereit, in Geduld den Weg zu wandeln, den Gottes Liebetat dir vorgezeichnet hat?“ Karmatha antwortet: „Ich will tun, was sie mir gebietet. Nicht mein Wunsch, sondern Gottes, unsers Vaters, des heiligen Priesters und Schöpfers ewigheiliger Liebewille soll geschehen, wie wo und wann es Ihm gefällt.“ Muriel:
„Glaubst du, das Schwere zu ertragen, was der Weg der Erde mit sich bringt?“ Karmatha: „Das lege ich in meines lieben Vaters Hände! Mit Seiner Kraft gelingt es mir, Sein Friede wird mich schützen. Ins Universum schrieb des Tempels heller Strahl: ‚Friede und Kraft den Kindern der heiligen Opferung!’ das bleibt mein Licht in aller Dunkelheit, die ich nicht fürchte! Sitzt ja der Vater ganz allein im Regiment! Das Licht der heiligen UR-Wesenheit ist überall, so glaube ich. Nichts ist, was nicht in Gott gehalten ist!“ Muriel stellt die dritte Frage:
„Wenn aber nun das Licht im Schattenreiche auf sich warten läßt, wirst du auch nicht verzagen?“ Überzeugt entgegnet Karmatha: „O Muriel und ihr geliebten des lieben Vaters, darum ist mir absolut nicht bange; bin ich doch ein Kind des Vaters! Ergeht es mir denn anders, als Er über mich beschlossen Hat? Er spricht: Ich helfe Meinen Kindern, Meine Liebe ist ihnen untertan!!
Damit sagt Er uns: Wo immer auch Meine Kinder sind, bin Ich mit Meiner Kraft und nehme sie in Meinen Schutz und Schirm! — Geschähe aber, Muriel, daß mein Herz doch einmal wankend würde in der Zeit, die ich nicht überschaue, dann gedenket meiner, ihr Ersten des erhabenen Gnadenstuhls, und es wird das Licht mir leuchten wie eine eurer Sonnen, die auf ihren ewig-geordneten Bahnen ihre Strahlen in die fernsten Räume senden. Dann will ich warten in Geduld, die ich im Hause Alaniels zu einem Teile mir erwerben durfte, bis geschieht, was des Vaters guter Wille über mich beschlossen hat.“ Auf diese vortrefflichen Antworten sagt Muriel zu Rafael und Alaniel:
„Hält das Kind, was es in seinem Innern wohlbereitet trägt? Wird der Offenbarung Ziel auch der letzten Finsternis die Voll-Erlösung geben, wie die Barmherzigkeit durch urheilige Opferung das verlorene Kind in der Erkenntnisstunde wieder auf den rechten Weg geleitete? Bleibt es dem heiligen Gelübde treu, das es am Lichttag der Berufung dem Ewig-Heiligen UR zu geben hat?“ Rafael und Alaniel sagen:
„Karmatha wird den Kronanteil der ewig-unwandelbaren Liebe nicht verlieren. Doch warten wir die Stunde der Berufung ab. Dann kann das Kind das Lichtwort abermals zur Erde tragen und das in einer Wahrheit, wie es nach der Hohen Opferung bis dahin kaum geschieht.“ Muriel wendet sich an die übrigen vier Urerzengel und Erzengel und fragt:
„Gibt es im Liebe-Lichtreich andere Kinder, die die Bestimmung auch erfüllen könnten?“ Die Vier sprechen: „Ja! Aber Gott hat Seine Hand auf Karmatha gelegt für dieses Werk; er ist ‚ein Gnadenstrahl der ewigen Liebe!“ Muriel fragt die Ältesten:
„Ist es nötig, daß er den Weg der Erden geht, um des Höchsten Willen zu erfüllen?“ Sie antworten: „Was die Liebe sagt, daß muß geschehen! Sie goß den Strahl der Gnade aus, als Rafael und Agralea dem Kind den Namen ‚Karmatha’ verliehen, was auch ‚Erfüllung’ heißt. Kein Kind muß den Mitopferweg beschreiten, wenn es nicht selber will. Der Liebe freie Anerkenntnis gilt allein.“ Muriel wendet sich noch an die vier Wächter, fragend:
„Erhalten wir das Kind nach seinem Opferwege rein zurück? Kann unsere Liebe sich einst freuen, es in unserer Mitte zu empfangen?“ Die Vier sprechen: „Das wird geschehen! Wir stehen an Gottes Stuhl und Herd der Heiligkeit und werden ohne Unterlaß des Kindes Straße überwachen. Fürbittend wird sein Fuß gelenkt; ein Großer unter uns soll über ihn die Flügel breiten. Das geschehe; Halleluja!“ Alle rufen freudig aus:
„Halleluja! Amen!“ Karmatha versteht den tiefen Sinn noch nicht, der auch der Schöpfung gilt; doch gibt die Liebe, was zu seinem nächsten Schritte nötig ist. Er fragt auch keinen der hohen Engel, sondern wartet in Geduld, bis er tiefer schauen lernt. Alaniel und Rafael sagen zu Muriel-Pargoa:
„Für Karmatha bricht eine neue Wende an, die ihn dem vollbewußten Leben näher bringt. Aus Liebe und Geduld hat er die Gott-Herzkammer zu einem Teil erkannt; jetzt soll ein Licht ihm auf dem Pfad zum priesterlichen Herzteil leuchten. Wir fragen euch, Muriel-Pargoa, wollt ihr Karmatha nun führen und ihm weiterhelfen? Wollt ihr ihn hüten als des Vaters Edelgut? So sprecht es vor uns aus, den Dienern Gottes.“ Pargoa erfaßt des Kindes Hände, während Muriel die Seinen auf Karmathas Locken legt und spricht:
„Mit ungemessener Freude nehmen wir das Kind der Sonne Rajona bei uns auf; es soll vor unsern Kindern stehen wie es der Weg verlangt. In gerechter Linie soll geschehen, was ihm förmlich und dienlich ist. Dem All-Heiligen sei unser Dank, daß Er Karmatha uns anvertraut. Aus eurer Hand, Alaniel und Madenia, nehmen wir ihn freudig an; ihr habt ihn gut gelehrt, in Geduld sich recht zu üben. Wir fügen nun das Weitere hinzu, damit einst ein gereiftes Kind sein Gelübde geben kann und rein zurückkehrt in das Haus der hohen Gottesliebe.“
Die Fürsten vereinigen zum Ring die Hände, ein Zeichen, daß sie — in höchster Harmonie geeint — nach Gottes Willen handeln. Karmatha nimmt das als eine große unverdiente Gabe dankbar hin. Für ihn unerwartet, den hohen Engeln im Herzen angezeigt, tritt der Vater ins geheiligte Gemach, von den Stuhlersten freudigst umringt. Karmatha kniet in Ehrfurcht und reiner Demut nieder und ohne Worte gibt er, was ihm zu geben möglich ist. Liebevoll neigt der Vater Sich zu ihm herab, hebt ihn an Sein Herz und spricht:
„Gesegnet ist die Zeit, wo das Licht die letzte Offenbarung sendet! Aber erst muß hier geschehen, was hernach dem Orte Meines Opfers gegeben werden soll. Die Barmherzigkeit hat den Grund zur Vollerlösung hergestellt, den Meine Ordnung für alle heiligen Eigenschaften der Schöpfung gab. Darum soll später auf der Erde für alle dunklen Sphären das Licht aus Meiner persönlichen Opferzeit aufs neue angezündet werden. Dazu gebe Ich Segen, Frieden, Kraft und Gnade allen Kindern, die ihre Hände zur heiligen Krönung regen.“ Nach diesem Wort übergibt der Vater das Kind dem Muriel, legt die Hände auf das Fürstenpaar und spricht:
„Nehmt Karmatha in eure Obhut, wie ihr in der Meinen steht. Ich sehe, wieviel Dankbarkeit und Freude in euren Herzen Einkehr hält. Wohl euch, ihr seid zu jeder gesegneten Tat bereit, damit sich auch durch euch Mein Schöpferplan erfüllt! Ihr, Alaniel und Madenia, seid ebenfalls gesegnet; ihr habt am Kinde mehr getan, als fürs Erste nötig war. Euer Liebedienst wird gute Früchte bringen.
Und ihr, Rafael-Agralea, habt das euch anvertraute Kind zu einem echten Karmatha erzogen. In stetem Aufschauen zu Mir habt ihr eures Wesens Liebe hingegeben. Nun ist er schon ein wahres Liebe-Kind. — Doch erst am Ende bei den letzten Halleluja-Rufen des Liebe-Schöpfungstages werden allen Kindern die tiefsten Bedeutungen des Erlösungsplanes offenbar, euch Ersten aber auch der Sinn von jenen Zeiten, die Ich — aus Meinem UR-Quell herausgehoben — schon an euerm Auge vorüberziehen ließ. Wohl habt ihr Fürsten und ersten Engelsträger schon fast vollendet Meine Wesenheit in euch, soweit sie für das Tat-UR-Jahr dem Tagwerk zugeeignet ward. Doch erst der Abend kann den letzten Schleier lüften, weil ihr bis dahin noch um ein kaum zählbar Vielfaches mit Mir in engste Einheit tretet. Auch das vollendetste Kind kann in Meine UR-Wesenheit nicht tiefer dringen, als Ich Mich zum Schöpfungsfortschritt raum- und zeitgemäß enthülle. Soweit Ich aber Mein UR-Ich dem sechsten Schöpfungstage nahe brachte, so nahe seid ihr Ersten schon zu Mir getreten und in Mein UR-Herz eingedrungen. Meine Liebe ergoß sich vollends über euch, als ihr eure Herzen Mir abermals zum Opfer angeboten habt.“
Auf Gottes Wink eilt Pura zur Pforte und führt die von einem Sonnenengel betreute Sama herein. Der Vater hebt sie an Sein Herz. „Eine Freude sei euch im voraus angekündigt. Hat Karmatha in Meinen Eigenschaften sich bewährt und steht vor seiner Sendung, so halte Ich mit euch und vielen Himmelskindern ein großes Freudenmahl. Ist doch dann die Zeit gekommen, wo die Finsternis den letzten Todesstoß erhält. Dann wird bald die ganze Schöpfung das ewige Licht und alles Leben wiederhaben.
Der erste von den Todesstößen, die wahre Lebensstöße sind, wird durch Karmatha erfolgen, sobald ihr Fürsten die Vorbereitungen an ihm vollendet habt, wie es euch inne ist. Führe du, Mein Muriel, das auserkorene Kind und nimm auch Sama in dein Haus zu beider Freude. Seid gesegnet mit dem frieden Meiner Heiligkeit und Liebe.“ Andächtig neigen alle ihre Häupter, denn Segen und Frieden sind ihnen jederzeit die Kraft, aus der sie wirken. Doch dann — wie immer — wird der Vater jubelnd und mit Dank umringt, bis in Seinen heiligen, sanftleuchtenden Augen eine Freudenträne glänzt. —
Die Engel gehen ihrer Schöpfungsarbeit nach. Der Lichtfürst Muriel segnet Karmatha und Sama, als Pargoa die beiden Kinder über seines Hauses Schwelle führt auf der Urzentralsonne Mugona. — —
Gesagt sei hier, daß das oft kindliche Gebaren der Ersten oder die Ausführlichkeit bei einem Tun nur um der kleinen Kinder willen geschieht. Denn nicht nur durch die Lehre, sondern mehr durch Vorbild und durch eine Tat werden Gottes kleine Kinder des Lichtes erzogen, bis auch sie — entsprechend ihrer Schöpfungs-Tagesbestimmung — ihre jeweilige Lichtgröße erreichen. Das Verhältnis der Ersten und schon vollendeteren Engeln verändert sich, je nachdem die ihnen anvertrauten Kleinen reifer werden. Doch geschehen manche herrliche Szenen, wo auch des Vaters ‚liebe Großen’ aus tiefsten Herzen nur Kinder sind und sein vollen.
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