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Kap 4 – Das Tatverhältnis zwischen Gott und den Kindern. Eine schöne Bitte…

Das Tatverhältnis zwischen Gott und den Kindern. Eine schöne Bitte aller großen und Kleinen. Der Vater

In einheitlicher Gruppe sitzen die Kinder erwartungsvoll in der ersten Halle, Eraskar mitten unter ihnen. Karmatha spricht:

„Liebe Kindlein, nun werden euch die Augen aufgetan, des Vaters Herrlichkeit zu schauen. Er begegnet uns in Seiner Gottes-Liebe und mit Seinem Priester-Segen; Er denkt uns schafft als Schöpfer nur für uns. Was ich zu sagen habe, wird nicht gleich verständlich sein; doch wenn recht große Seligkeit euch überkommt, so ist das ein bewußter Anfang jenes Lebens, das Wunder wirkt. Achtet nicht der Person, die redet, sondern nur des Gebers aller guten Lebensgaben. Wir stehen an einer unerschöpflichen Quelle voll süßesten Wassers.

Als des Vaters Ruf uns zur vierten Halle des Tempelhauses führte, überließ ich euch, sich zu setzen wie es euch beliebte. Zuerst merktet ihr da nichts Besonderes und nur am Ende jener Lehrzeit fühltet ihr euch in sanfte Ruhe eingebettet. Doch stark unbewußt war das Empfinden, so daß keines darob eine Frage stellte. Ich aber mußte schweigen, obwohl ich erst allmählich das Warum begriff. Ja, jede fruchtbringende Erkenntnis muß aus dem Kinde selbst erwachsen. Zwar empfängt man durch die werkmäßige Verbindung mit der Gottheit die Gabe der Erkenntnis, außerdem die Kraft zu ihrer Entwicklung und den Steigerungsgrad, der zur Vollendung führt. Doch das schließt nicht aus, daß im Verhältnis der lebensbewußten Ich-Form man selber Gabe, Kraft, Steigerung und Vollendung erwerben muß. Wer glaubt, es würde alles ohne eigenes Zutun ihm gegeben, der übersieht das Beste; denn die höchste Seligkeit entspringt nur gerechter Mittäterschaft.

Statt dem selbstbewußten Gefühl aber etwa ein selbstgefälliges zu setzen, ein -‚Ich habe durch Glauben die Seligkeit erworben, Gott konnte sie mir nicht ohne meine Mittat geben’ -, ist Selbstbetrug, wenngleich das Wort ein Körnlein Wahrheit hat. Niemand kann durch eigene Tätigkeit, wird sie dem göttlichen Heilsbegriff vorausgesetzt, sich etwas erringen; denn alles Gewordene ist der Gottheit eigenes Werk!

Jede Erkenntnis und deren Tatfolge muß mit der Urwurzel im Werke stecken, im Heiligen Land Göttlichen Lebens! Damit fällt das pur Eigene fort. Die Urgabe enthielt zugleich die letzte Vollendung, die — für das Kind ungesehen und doch nicht personhaft geformt — das Werk im Ganzen ist. Gabe, Fortschritt und Vollendung von unbewußten und bewußten Werken gehen Hand in Hand. Die Gottheit Selbst hat keine Steigerung, weil des Lebens Urwurzel die Vollendung in sich trägt. Also ist jede Gabe vollkommen vom Augenblicke an, wo sie gegeben wird. Anders sieht der Vorgang vom nur-geschöpflichen Lebensbewußtsein, vom Kinde in seiner Einzelperson aus. Hier steigern sich die Gaben, nicht aber in ihrer Substanz, sondern in der persönlichen Aneignung. Je mehr man sich die Gabe erwirbt, um so mehr nimmt sie vom Kind Besitz, was so viel heißt, daß bei aller bewußten Annahme der vollendeten Heilsgaben sich Substanz um Substanz erringen läßt.

Niemand kann sich selbst die Seligkeit erwerben, denn noch immer ist der UR-Vater der erste und letzte Geber aller Dinge, was beweißt, daß das Kind ewig zuerst der Nehmer bleibt. Nun mit freier, erkenntnishafter Aufnahme aller Lebensgaben ist das geschöpfliche Kind in der Lage, dem nehmenden Prinzip ein persönlich-gebendes anzuschließen. Jede Tat hat ihre Folge! Hier, daß die Vollendung der Gaben mehr und mehr vom Kind Besitz ergreifen, wie auch, daß Neues hinzukommt. Eine gute Erkenntnis hierüber müßte etwa heißen:

‚Ich erhalte vom Vater alle guten Gaben, dafür will ich Ihn jederzeit dankbar lieben. Er gibt mir auch die Kraft dazu und ich lerne Ihm in Treue dienen. Dadurch kann ich vorwärts schreiten und seligste Vollendung wird mein Teil. Doch habe ich trotz aller Dienstbarkeit es nicht verdient, weil auch die Fähigkeit zur Dienstbarkeit aus Seinem Werke kommt. Kann ich mich Ihm ganz hingeben, so nur, weil Er zuerst Sich offenbarte und Seinen Lebensstrom mir zubereitet hat.’

Diese Erkenntnis war der eigentliche Grundstein zur Belehrung in der vierten Halle. Er fand bei euch einen guten wenn auch nicht ganz bewußten Widerhall. Nun aber leuchtet euch ein schöner Stern, dessen Licht des Vaters Langmut, dessen Wärme Seine Sanftmut ist. Denn Er sieht mehr unsern Willen an und weniger das Unvermögen unserer Tat. Unser loses Beisammensein, doch geeint in einer Halle, war gewisserart der erste Reifeschritt, den wir selbst zum Vater gingen, um mit Ihm vereint zu sein, uns in Seine Obhut zu begeben.

Damit war ein Wendepunkt gegeben. Aus dem zwar gehabten doch ungewissen Fühlen kam der Gedanke auf, näher zum Vater zu gelangen. Das geschah bei Eintritt in die dritte Halle, wo ihr — in vier Gruppen aufgeteilt — Einzelheiten sehen konntet, was bei der Erklärung der vier Wände jener Gebetshalle zu Tage trat. Besonders wurde euch das heilige Wesen der UR-Gottheit nahe gebracht, damit ihr über die Schau der sieben Grundlebensstrahlen auch die heilige Vierwesenheit, das UR-Herz mit seinen vier Herzkammern, erkennen lerntet.

Nachdem ihr — guten Willens — diese Offenbarung aufgenommen hattet, daß es nicht so schwer sei, auch die UR-Gottheit zu lieben, weil sie Inbegriff des Vaters, wie der Vater Inbegriff von ihr ist, öffnete sich euch die zweite große Halle. In zwei Gruppen da vereint, gab euere Teilung Stoff zu tieferer Erkenntnis. Es traten die zwei Grundfundamente in Erscheinung, auf denen alles Werk samt Leben ruht. Gleichzeitig trat das gebende und nehmende Prinzip hervor.

Das Wichtigste aus Allem ist die Gegenüberstehung von Schöpfer und Geschöpf. Letztere erhalten daraus eine der Gottheit entsprechende Gleichheit: Das Anbild oder Ebenbild! Im Werkprinzip sind wir schon am Anfang das Ebenbild geworden; im Geschöpfprinzip sollen wir nach eigener Erkenntnis unser Lebens-Ich Gott angleichen, um auch von und aus gerechtes Ebenbild zu sein. Hier abermals das Gegenüber, das jedoch erst dann fruchtbringend wirkt, wenn die bereits erläuterten Stufen der Halle vier und drei gut durchgangen sind.

Nun sind wir in der ersten Halle ohne jede Teilung vereint. Ich bat unsern lieben Eraskar, sich mitten unter euch zu setzen und wir werden sehen, was das symbolisch für eine Bewandtnis hat. Sobald ein Kind den Liebewillen der Gottheit trägt, was zum Anbild und damit verbunden zur schöpfungsgerechten Gleichheit führt, wird die mehrfach angezeigte Seligkeitsfreude erlangt und die Einheit zwischen Kind und Vater hergestellt, die dann ohne Trennung bleibt, weil sie auf die Grundeinheit zwischen Vater und Kind sich ewig stützt.

Eraskar soll andeuten: Der UR-Vater ist unter uns, wodurch wir bei und in Ihm lebenswahr zu Hause sind, ruhend im Schoß der UR-Gottheit! Dann gibt es nur noch eine Gruppe: Der Vater und die Kinder, vereint in der Barmherzigkeit, in der auch alle der Kinder wegen gegebenen Gottheitsteile und Fundamentsgestaltungen — wie ursächlich — einig sind, die Einheit!! Wollt ihr Kindlein diese Seligkeit erlangen, so bekennt es jetzt, und die Erfüllung bringt der Vater.“ Die Schar beherrscht große Bewegung, die sich allerdings mehr im Herzen als äußerlich zeigt. Ein Kind steht auf und spricht:

„Lieber Karmatha, lieber Eraskar, wir Kinder merken: Dieser Weg führt zum Vater und wir wollen vorwärts gehen, so gut es uns gelingen mag. Gern möchten wir dem Vater angehören, wie ihr Beide längst mit Ihm verbunden seid. Wir bitten euch, uns in euer Gebet aufzunehmen, damit unser aller guter Vater recht bald kommen kann. O wie sehnen wir uns nach Seiner Liebe und nach Seiner Anschauung! Karmatha, du bist vom heiligen Jerusalem gekommen, rufe du den Vater, denn wir sind noch zu klein und schwach, Ihn zu uns herbeizuziehen.“

In die stehende Stimme des Kindes fallen alle Kinder ein. Und auf einmal erklingen noch mehr Stimmen. Die Sonnenführer, die schon während der Rede unbemerkt am Eingang standen, treten näher. Tullay legt Karmatha eine Hand auf die Schulter und sagt:

„Karmatha, du hast wahrlich mit dem Vater schon eine gute Einheit erlangt. Erfülle daher der Kindlein Bitte und wir stimmen auch mit ein. Uns ist es größte Freude, wenn wieder eine Schar reif geworden ist, unter der auch von der Erde heimgekehrte Kinder weilen. Uns selbst winkt dabei die Freude, eine Zeitlang wieder bei dem Vater sein zu können, bis eine neue Arbeit uns in die Schöpfung führt. Gewiß können wir im Heiligtum einkehren, wenn die Sehnsucht uns übermannt; aber im Dienst an den Kindlein ausharren, ist dem Vater lieber als alle glutvolle Sehnsucht, die ja nur eigener Freude gilt, der Kindleindienst aber einer Schöpfungsfreude!

Wir harren daher aus, es sei denn, daß der Vater unsere Sehnsucht stillt. Eraskar wird die Gruppe zur nächst höheren Stufe geleiten, und die übrigen Gruppen rücken stufenweise auf, während die große Sammelhalle in meinem Gebiet einer neu heimkehrenden Erdenschar geöffnet wird. Du siehst, hier ist alles wunderbar geordnet, Ausdruck höchster Barmherzigkeit!“

Karmatha erkennt, daß er der Bitte Tullays nachgehen darf, sieht aber auch die Gefahr, sich selbst wieder in einen Mittelpunkt zu stellen. Er bittet für sich um Demut und sagt, als er des Vaters Hand auf sich ruhen fühlt: „Gern lege ich dem Vater der Kindlein Sehnsuchtsbitte vor. Doch ihr, liebe Engel, zumal Tullay, könntet das weit besser tun als ich. Ihr kleinen Lieblinge sollt euch aber nicht zu unwürdig halten, den Vater selbst zu bitten. Ganz im Gegenteil! Ich bin gewiß, daß Er kommt, weil ihr Ihn ersehnt und gilt da weniger ein wohlgeformtes Wort, als mehr der Ruf des Kindesherzens.

Die hohen Lichtkinder tragen manche Klarheit und das Wissen um die Schöpfungswaltung in sich, soweit ihr Geist schon eingedrungen ist. In gleichem Maße und noch ein ziemliches darüber ist der UR-Vater mit ihnen eins. Er braucht ihre Bitte nicht mehr zu erhören, vielmehr hört Er sie!

Aber auf die Kleinen, die noch ferne sind, achtet Er und erhört ihr flehentliches Rufen. Er sieht jede kleinste Herzensregung. Versucht einmal selbst zu bitten, und ich stehe dafür ein, daß Er euch erhört. Außerdem erfreut Ihn das weit mehr, als wenn ihr ängstlich euch hinter mein Gebet verbergt! Nun habe ich im Herzen den Gebetsruf schon gesprochen: Vater, kommt zu uns! Dabei gedachte ich auch eurer, ihr lieben hohen Engel, ihr gesegnete Lichtkinder. Wir können also ganz getrost sein, denn der Vater ist schon auf dem Wege.“

Kaum ausgesprochen, überflutet ein Lichtstrahl den Raum. Der Vater ist in Begleitung einiger Fürsten und Ersten eingetreten. Sofort wird Er von den Sonnenengeln und Karmatha umringt, Er segnet sie und sie erfassen Seine Hände, Sein Gewand, reden mit Ihm fast so, als sprächen sie zueinander; kurzum, es zeigt sich den Kindlein ein wonnevolles Bild: Gnadenreiche Verbindung, Freude, Seligkeit und Jubel.

Sie wundern sich und meinen, Gottes Heiligkeit vertrüge solches Handeln nicht. Obendrein beginnt auch Gott die Engel und Karmatha zu herzen und der Fürsten Angesichter werden immer glänzender. Je mehr sie sich verwundern, um so mehr nimmt die Szene an Herrlichkeit und Freude zu, bis sie endlich bemerken, daß trotz allem Eingehen auf die vorgebrachten Bitten der Vater unverwandt und aufmunternd sie betrachtet, als spräche Er: ‚Habt doch keine Scheu vor Mir’; und aller Engel Augen sagen: ‚Kommt, laßt euch liebkosen und tut, wie wir es tun.’ Da haben sie Verlangen, auch an des Vaters Brust zu ruhen. Je mehr die Sehnsucht wächst, um so mehr lassen des Vaters liebe Großen von Ihm ab, hinter Ihm einen schönen Halbkreis bildend, bis Er allein der Kindleingruppe gegenübersteht.

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