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Kap 5 – Lehre vom Vertrauen. Die heilige Lebensquelle; und ein Amen

Lehre vom Vertrauen. Die heilige Lebensquelle; und ein Amen

„Meine Kindlein! Ihr seid verwundert, weil Meine große Kinder Mich fast erdrückten. Ihr glaubt, es sei ihrer nicht ganz würdig. Aber darin liegt ein Mir wohlgefälliges Opfer, das ich nicht nur sehe, sondern sogar fühle. Jeder wollte von Mir empfangen, wollte seine Gabe bringen, in der das vorerwähnte Opfer liegt: der Wunsch, es möge kein Kind geben, das nicht auch so an Meinem Herzen ruhen kann. Ja, wer den schnellsten und sichersten Platz zu Mir geht, ohne erst zu fragen, ob es Mir so oder anders wohlgefällig sei, der hat nicht allein das Ziel fest im Auge, sondern er besitz es schon! —

Die Hauptsache ist es nicht zuerst, ob bereits höhere Erkenntnis vorhanden ist. Einem Mir noch fernen Kinde wird die wahre Einsicht nicht zuteil. Erst in Meiner Nähe kommt es zur einwandfreien Schau. Denn das glaubet: Aus Mir fließen alle guten Gaben als wahrer Lebensstrom und alle Strahlen unmeßbarer Kräfte! Alles Licht nimmt seinen Weg aus Mir, durchpulst die Räume und die Zeiten und kehrt in Meine Ur-Göttlichkeit zurück!

Also wird sicher in Meiner Nähe der Lebensstrom gewaltiger wirken als fernab, wo die Kinder mehr unbewußt von seinem Wasser trinken. Doch sie sollen an der Quelle sitzen, die Ich selber bin! Je näher ihr, Meine Kleinen, demnach innerlich und äußerlich zu Mir kommt, um so mehr Gaben werden euch zuteil und um so größere Träger werdet ihr.

Wer da meint, er müsse Mir zuerst etwas bringen, ehe er etwas erhält, findet schwerlich ganz zu Mir und Mein Wesen bleibt ihm fremd. Wer in Meinem Arme ruht, erlangt die wahre Liebe und das Wissen; Beides verhilft dem Kind zur Willenskraft und selbstbewußten Tätigsein. Damit lernt es, zunächst im kleinen Maßstab zwar, ernsthaft Mein Wesen und das Werk erforschen, dessen Grund die heilige Ordnung ist. Geduld und Barmherzigkeit werden es zur nächsten Höhe leiten.

Bettet sich ein Kind auf Meine Brust, haben Meine Arme es umschlossen, dann enthüllt sich wie von selbst der Weg, auf dem es die Vollkommenheit erwirbt. Dann kann es sein ganzes Ich in schönster, freier Opfergabe in Meine Hände legen, bis der Mitopferweg sein Anteil wird, der ihm Meine höchste Gnade und Erbarmung bringt!

Ist während einem Opferweg ein Kind Mir fern, so wird es innerlich doch um so näher Meiner Quelle sein, der es alle Seligkeit entnimmt. Es fließen Meine Lebensströme gleichstark in allen Schöpfungsteilen, wo Ich gesucht und auch gefunden werde. Ein Unterschied liegt nur am Kinde selbst! Ob Ich hier sichtbar weile oder bei den Opferkindern nur im Gefühle ihres Glaubens, so bin Ich überall die Lebensquelle ohne Unterschied! Ich bin der Strom und seine Kraft, bin Inneres und Äußeres, Mittelpunkt und Hülle! Trotzdem wird da, wo Ich Mich persönlich offenbare, um des Heiles willen ein Zusätzliches gegeben.

Euch Kleinen ist davon noch manches unverständlich; doch der Same in euer Herz gestreut, läßt die Erkenntnis reifen. Ihr kennt noch nicht die Quelle, auch nicht, wie süß sie schmeckt. Aber diese hier“, der Herr zeigt auf Seine Großen, „kennen sie und freuen sich, so oft sie ihnen nahe kommt. Dann eilen sie herzu, dann neigen sie sich nieder und schöpfen ihre Herzen voll, ohne Sorge, der quell möchte nicht für alle genügend Wasser haben. Sie kennen seine Unerschöpflichkeit. Werke, deren Umfang nie ein Kind ermißt, wurden hochvollendet; und alles speiste nur die eine Quelle!

Meine großen Kinder wußten außerdem, daß die Quelle auf sie wartet, deren heiliges Lebenswasser stärkt und selig macht, deren Liebefluß das Verlangen stillt. — Euch Kindlein ist noch keine Bitte fehlgegangen. Nun aber hat auch die Quelle ein Verlangen, sie wartet, daß ihr kommt, um von ihr zu trinken!“ Diese Worte erwecken großen Eindruck. Jenes Kind, das schon öfter den Sprecher für alle machte, tritt hervor, seine Scheu tapfer verbergend und sagt:

„O liebguter Vater, wir haben Dich erkannt und lieben Dich nun über alles. Können wir das aber nur an Deiner Quelle tun, so bitten wir Dich sehr, sie uns zu zeigen. Wir verlangen sehr nach Dir und möchten uns am liebsten auch in Deine Arme werfen. — Doch wir wollen nun zuerst zur Quelle gehen. Das Beste freilich wäre, Du gingest mit! Oder gib uns einen Deiner Fürsten, denn sie wissen ja den Weg. Sie haben schon von ihr getrunken. — O Vater, erfülle uns die Bitte!“ Mit einem Male stimmen alle Kindlein in die Bitte ein.

Rafael trägt ein kleines Kind dem Vater zu, Der es in Seine Arme nimmt. Während der weiteren Rede behält Er es an Seinem Herzen. „Eure Bitte sei erfüllt“, sagt Er. „Doch kann das nirgend anderswo geschehen als hier in diesem Raum. Ihr staunt, denn ihr seht kein Wasser fließen. Eine Quelle dieser Sonne, die euch zur Freude sprudelt, ist aber nicht gemeint. Nein — am Platze, wo Ich stehe, muß sich die Quelle offenbaren! Merkt nur auf und ihr werdet plötzlich vor ihr stehen ohne zu wissen, wie das geschah.

Du Kindlein glaubst, daß jetzt erst ein wahres Leben dich durchströmt und fragst vergeblich, wie das zugehen mag. Dabei umspült die Seligkeit dich innen und auch außen. Als dich Rafael Mir brachte, konntest du der Liebe Schauer gar nicht fassen, die dich bedeckten. Ja, dein Herz war noch klein. Nun aber ist es in der kurzen zeit der dich überflutenden Wonne gewachsen und dir ist zumute, als müßtest du darin ertrinken.

Aber sieh, wenn nun Meine Liebeflut immer stärker wird, so muß wohl dein Herz das Gefühl auch tragen können, ansonst wärest du, deiner Meinung nach, längst ertrunken. Dagegen wird dir recht bewußt, daß du in dieser Liebeflut nicht ertrinkst, sondern sie trinkst! — Nun aber will Ich dich zur Quelle tragen und Karmatha, der sie ganz genau kennt, soll Mir dabei behilflich sein. Komm, Karmatha, zeige unserm kleinen Liebling den Weg zur Quelle, am besten gleich sie selbst.“ Karmatha springt hochbeglückt herbei und sagt:

„O Vater, zur Quelle ist es gar nicht weit; doch lasse mich erst fragen, ob das Kind Verlangen hat. Ich kann es nicht von Deinem Herzen nehmen, wenn es das nicht will.“ „Allerdings, darum frage nur.“ Das tut Karmatha und versucht, das Kind fortzutragen. Doch auf einmal, wenn auch zaghaft, umschlingt es des Vaters Hals und ruft:

„O nein, ich möchte jetzt nicht zur Quelle gehen; hier ist es so schön! Sonst verliere ich die eben empfangene wunderbare Seligkeit. Sage, lieber Vater, ob ich gehen muß; ich möchte am liebsten immer bei Dir bleiben.“ Der Vater liebkost das Kind und spricht:

„Du kannst bei Mir bleiben, sollst die Quelle aber erst erkennen. Geschieht das nicht, würde alle Seligkeit zum großen Teile von dir weichen, zumal du noch anderes tun sollst als nur von Mir getragen werden. Findest du sie aber, wird dir von dem nichts mangeln, was du jetzt erhalten hast.“ Da streckt das Kind gehorsam die Hand nach Karmatha aus. Im gleichen Augenblick kommt das Sprechkind herbei, schmiegt sich an den Vater und ruft voll Freude aus: „O, eben habe ich den Quell gefunden! Komm, wir wollen Beide zu Ihm eilen!“ Es führt das Kind dem Vater wieder zu, zeigt auf Ihn und jubelt:

„Hier, hier ist die Quelle! O, daß wir das nicht gleich bemerkten! Guter Vater, halte uns recht fest, denn wir wollen nimmer von der ewigreichen Lebensquelle gehen! Ich kann die große Seligkeit kaum fassen! Ach Vater, mit Deinem Wort: Sieh, ich ertrinke im trinken! Jetzt verstehe ich, warum Deine großen Kinder zu Dir stürzen; sie wußten, daß Du eitel Liebe bist! Ich bitte Dich: Rechne unsern Kindlein Unverstand uns nicht an, weil wir Dich so spät erkannten. —

Ich möchte zwar nun immer nahe bei Dir bleiben, aber alle möchten ja zu Dir, und Du, o guter Vater, nimm sie alle an.“ Das Kind strebt zur Seite und nimmt dem Vater auch das Kindlein ab. Es währt nur einen Augenblick und Gott ist von der holden Schar umringt. Er segnet Seine Kleinen und sie singen jauchzend hell vor übergroßer Freude. Danach heißt Er sie wieder auf ihre Plätze gehen und sagt:

„Nun kann Ich euch schon Kinder nennen. Ihr werdet daher in den dritten Sonnenring gebracht. Karmatha soll uns führen, denn er hat zu Meiner Freude sein Werk erfüllt, so daß ihm solcher Lohn gebührt. Ihr, Meine lieben Sonnen-Engel, seid gesegnet. Bleibt auf eurem Felde, bis die Ähren reifen. Nur Eraskar geht mit uns als Hüter seiner Schar. Ihr wißt: Ich bleibe stets bei euch, weiß um eure Sehnsucht und ihr seid mit Meinem Herzen lebenswahr verbunden. — Nun laßt uns unsere Straße wandeln und du, Karmatha, geh voraus.“

Die Freude über das Lob darf Karmatha empfinden; doch er gibt sie sofort erkenntnisreich zurück, daß er nur durch Gottes Hilfe handeln konnte. Er fügt hinzu: „Vater, manches war, was nicht vor Deinem Heiligen Angesicht bestehen konnte. Du hast es ausgelöscht und siehst nur das, was Dir lieblich ist. Nimm dank und Liebe mit der Bitte an: Laß mich den Erdenweg beschreiten, sobald ich reif geworden bin. —

Nun willst du sogar hinter mir hergehen. Das ist mir nicht als Demutsprüfung, sondern zur Freude zugedacht. Dankbarsten Herzens nehme ich sie an. Doch vorangehen, wo DU bei uns bist, Herr, das kann ich nicht! Frage nur Deine Fürsten, ob sie es tun. Jeder wird sich tief vor Dir verneigen und sprechen: DU All-Heiliger, bist unser aller herzog von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Darum bleibe, liebguter Vater, immer uns voran, innerlich wie äußerlich. Sieh, die Freude empfing ich durch Dein Wort; das Beste aus ihr will ich nicht verlieren! Du gehst voran, wir folgen Dir; Du bist die Quelle und wir trinken; Du Alles in Allem, wir Alles nur in Dir; Du der Vater, wir die Kinder! Laß Deinen hehren Lichtstrahl vor uns leuchten, damit wir in Deinen Spuren wandeln können. Amen.“ Die Engel stimmen in das Amen ein und die Kinder sprechen es nach.

„Amen! und noch einmal ein Amen! Dein Wort soll dir zum ewigen Vermächtnis werden“, sagt Gott, „und an deinem Lichte zünden sich noch andere an. Obgleich es aus Mir kommt, soll doch vor der letzten Erdzeit ein guter Teil davon durch deine Seele denen leuchten, die es noch nicht kennen. Mit Großen sollst du ein Großer sein, ein Auserwählter mit der Schar, die Mein Licht zur Tiefe trägt. Ich bin Gott! Mein Verheißungswort wird sich an dir erfüllen, daß es allen, die danach tun, zur Krone sich gestaltet, wie du es jetzt noch nicht begreifst. Sei gesegnet deiner Demut wegen, denn echte Demut bringt auch echte Lebensschau.“ — Nun scharen sich die Ersten wieder enger um den Vater und die Urerzengel und Erzengel rufen laut:

„Hallelujah! Dir, Heiliger, UR-Gott Ewig, unser Lob! Du gabst der Finsternis Dein Licht zum Zeichen einer ewigen Erlösung! Halleluja!“ Gott hebt segnend Seine Hände über alle Kinder, die sich anbetend in Ehrfurcht vor Ihm neigen. Karmatha nimmt Abschied von den Sonnenengeln, indessen Eraskar seine Schutzbefohlenen ordnet. Karmatha an seiner rechten Hand, und gefolgt von Groß und Klein, führt der Vater sie zur vorbereiteten Sonnenstätte.

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