Heilige Liebe zu Schöpfung und Geschöpf. Ein „Ja“ und volle Hingabe
Die Kindergruppe wird auf einer Kreissonne einem Engelspaar übergeben. Der Vater gibt ihr die Verheißung, sie käme bald einmal in ‚Seine Stadt’. Die Kinder schauen Ihm nach, als Er mir den Ersten, Karmatha, Eraskar und dessen Gefährtin einen schönen Höhenweg dahinschreitet, bis eine Wolke sie auf einem hohen Berge verhüllt. Das geschieht zum Segen dieser Kinder, die das Schöpfungsmäßige des Lichtreiches noch nicht verstehen können.
Im Heiligtume angekommen, dankt Michael dem Vater, daß Er Karmatha ihm anvertraut hatte. Er sagt, wie gut sich das Kind bei ihm entwickelt habe und spricht von der weiteren Vorbereitung zum zwecke der Gesamterlösung. Für alle Ersten gibt er dem Vater das Versprechen, daß sie alles zu einer glorreichen Vollendung des Liebeschöpfungstages beitragen würden. Dazu gehört auch Karmathas Erdenweg. Michael wendet sich anschließend an Karmatha, ihn fragend:
„Karmatha, willst du dich dem guten Vater anvertrauen, dich Seinem Allmachts-Willen beugen, gleichviel, wie Gott die Straße richten mag? Laß dich demütig von der Hand unseres Hochpriesters segnen! Erkenne auch, daß der Schöpfer deine Arbeit vorgesehen hat. Ich frage, ob du es verstehst und in voller Hingabe auch frei annehmen willst.
Doch prüfe dich! Sprich nicht gleich ein ‚Ja’, wenn es dir auch jetzt im Herzen leuchtet. Denn bedenke: Ein ‚Ja’, vor Gott bekannt, ist und bleibt ein bindendes Gelöbnis; das weder zu verkleinern noch weniger aufzuheben ist. Geht doch dem ‚Ja’ des Kindes das ‚Heilige Ja’ der allmächtigen UR-Gottheit voraus; und Er, der Ewige, ist Selbst Sein Ja! Er schließt des Kindes Ja in Sein eigenes ein, weshalb es bis zur Einlösung auch bindend bleibt.
Stehen wir nicht vor Seinem Thron, Ihn anzubeten? Erleben wir denn nicht das Walten Seiner Schöpferherrlichkeit, den Ausfluß Seiner Wesenheit? Sieh — Alles ist uns aufgetan! Und doch sage ich dir, Karmatha: Wäre es möglich, jede wonnevolle Seligkeit unseres ganzen Lebens in ein Gefäß zu tun, es bliebe das kaum mehr als ein Atemzug der Gottheit, mit dem sie segnend über ihre Werke haucht.
Wir werden unseres UR-Vaters erhabene Eigenschaften nie ganz begreifen. Sie richten die geheimnisvollen Wege der Barmherzigkeit in Seiner Tiefe zu und offenbaren sie im Lichte ihres Glanzes. Ist ein Schöpfungswerk vollbracht, so taucht die Barmherzigkeit in ihren Heils-UR-Grund zurück und nimmt der Kinder Liebegaben mit. Tritt sie abermals hervor, so erstrahlt sie um so herrlicher, weil mit ihrem neuen Kommen ein neuer Tag den Kindern zubereitet ist.
Erkenne daraus, daß kein Kind je eine Grenze heiliger Gottesliebe erreicht noch sie durchforschen lernt. Es kann mit diesem Wissen dir nicht schwer fallen, der Gnadenführung vollstens zu vertrauen. Im Vaterwesen der Barmherzigkeit liegt unser Leben, unser Weg! Darum prüfe dich nun gut, bevor ein Ja oder ein Nein in deinem Herzen Wurzel schlägt. Der All-Heilige segne all dein Tun.“ Beglückt und ernst sieht Karmatha den Vater an, Dessen Augen ernst und doch in wundersamer Güte auf ihm ruhen. Er erforscht sein Herz, aber nicht allein, sondern im heimlich-trauten Zwiegespräch, das ihm Trost, Kraft, Zuversicht und Friede spendet. Er erhebt sich und spricht:
„Heilig-liebevollster Vater, Michael hat Mir deinen Willen offenbart und ich prüfe mich mit Deiner Hilfe. Du siehst das bedingungslose ‚Ja’, das Dir meine Liebe bringt. Doch durch des Wille-Fürsten gute Lehre habe ich erkannt, was ein Gelübde zu bedeuten hat. Es bedrückt mich aber, daß die Handlungsfreiheit trotz bestem Willen ein Gelübde bei Nicht-Einhaltung verringern oder gar zerstören kann. Gewiß wird Deine Hand barmherzig schonend auszugleichen wissen, und mit Nachsicht begegnest Du dem schwachen Kindeswillen.
Doch um das Gelübde einzuhalten, — und ich möchte Dir das meine opfern —, muß der Wille sehr gefestigt sein, damit ihn keine anderen Gedankenwellen überfluten. Wohl verlangst Du ein Gelübde nicht; ja — es wird nicht selten besser sein, es nicht zu geben. Ohne diesem jederzeit versuchen, Deinem Liebewillen zu gehorchen, dünkt mich fast die schönste Gabe. Dein Herz ist jenen Kindern ohne Wort-Gelübde nicht weniger geöffnet wie den Gelübdekindern, wenn sie Dir nur allen Ernstes folgen. Du segnest alle Kinder im Lichte Deiner Gnade.
Allein, ich darf jetzt sehen: Gabst DU nicht Deinen Kindern ein heiliges Gelübde? Das UR-Gelübde, einst, ehe noch ein Schatten sich aus Deinem Lichte löste?! DU — Du Selbst hast es dort eingelöst, wo des Schattens tiefverworfenster Abgrund ist! DU hast Dein Gelübde für Deine Kinder eingelöst; sollten wir deshalb nicht auch ein Gelübde leisten und es bezahlen, so gut uns das gelingen mag?
Dein Gelübde wäre ebenso bezahlt gewesen, auch wenn Du nicht zur Erde gingst, denn es tut sich kund auf allen Schöpferwegen! Alle Kinder sind darin geborgen und die Finsternis hätte ihre Auflösung erfahren. Und doch: Golgatha wurde Brennpunkt Deines UR-Gelübdes!! Darum bitte ich, o Vater, segne mich, denn ich will Dir mein Gelübde bringen. Vor Deinem Angesicht, im hehren Tempel Deiner Heiligkeit, vor Deinen Hohen Engeln lege ich mein ‚Ja’ auf Dein Opferherd! Nimm es in der Güte Deines ewig-liebenden Vaterherzens an.
Euch aber“, Karmatha wendet sich den Engeln zu, „danke ich für eure Liebe. Gib, o Vater, Deinen Ersten dafür einen Sonder-Segen.“ Er hebt bittend seine Hände hoch und kniet nieder. Gott geht zu Karmatha, legt ihm die Rechte auf das Haupt und spricht:
„Mein Karmatha, du hast einen guten Schritt vollbracht. Wahrlich, Ich werde dir viel Gnade angedeihen lassen, damit dein Wort nicht bricht; und nicht nur einer Meiner Ersten wird deinen Weg behüten. Eines allerdings ist deine Arbeit: Setze dein Vermögen ein, das gegebene Wort zu halten! Denn kein Mithelfer kann das für dich willkürlich führen, du mußt selber deine freie Willenskraft benutzen. Doch bleibst du deines Wort-Gelübdes eingedenk, so wird Mein Segen an dir offenbar und du wirst mit Mir verbunden bleiben. —
Nun liegen vor dir noch zwei große Vorbereitungen, die der Ordnung und der Barmherzigkeit. Weil du bisher mit großem Fleiße dich bemühtest, deine Aufgaben Mir zu Freude zu erfüllen, steht es dir jetzt frei, zuerst das Haus des Uraniel oder des Gabriel zu wählen. In der nächsten Stufe dienen beide dir gleich gut. Dein Wunsch wird Meinen Segen haben, denn du hast dich Mir ganz hingegeben.“
Karmatha vernimmt das Wort mit großem Glück. Die schönen Kindesaugen glänzen zum Vater auf. Er überlegt sich, was Diesem wohl am liebsten wäre und wie er einen ersten Schritt auf dem Gelübdeweg bewältigen könne. Er bittet nicht um Beistand, denn mit der vorausgegangenen Segnung hat er so viel empfangen, daß er selber wählen kann. Dabei geht in ihm eine unbewußte Wandlung vor sich, das die Ersten freudig schauen und das in jedem Kinde sich vollzieht, sobald es sich — frei gelobt — der Gottheit völlig schenkt.
Nach der Wandlung, von der Karmatha nur spürt, daß sich durch Güte seine Seligkeit erhöht, steht er auf, gibt Uraniel, Gabriel, sowie den übrigen Ersten die Hand und geht dann ohne Scheu zum Heiligen Stuhl, den Gott indessen eingenommen hat, schmiegt sich an des Vaters Brust, und nach einer Weile stillen Ruhens sagt er:
„Heiliger, liebevollster Vater, ich will mich bemühen, mein Gelübde einzuhalten. Wohl weiß ich nicht, wie sich Zeit und Weg, fern vom Heiligtum, gestalten werden. Doch ich bin gewiß: Dein Erbarmen hüllt mich bis zum möglichst guten Ziel des Mitopfer-Erdenweges ein. Bis dahin will ich nur allein mich Deinem Heilswillen unterstellen. Deshalb bitte ich: gib mich jenem Fürsten, der nach Deinem väterlichen Ratschluß seine Pforte für mich öffnen soll. Für alles Werden und Bestehen bleibt selbst bei vollster Willensfreiheit das heilige Ordnungsgrundgesetz ausschlaggebend. Allein — es wirkt zu unserm Besten, wenn wir freiwillig Deinen Willen anerkennen. Einen selbstgefälligen Kindeswillen wird zwar Deine Schöpferordnung immer in das Grundgefüge Deiner Werke einzureihen wissen, doch ein selbstbewußter widerstrebt ja nicht dem Werkfortgang, sondern will durch freies Beugen unter Deinen Willen ihm förderlich und dienlich sein. Und das will auch ich jetzt tun.
Ich treffe meine Wahl am besten, wenn ich Dich entscheiden lasse; und sie fällt stets auf Dich!! O herrliche Freiheit!! Nicht Zwang, weder offen noch geheim, leitet Deine Kinder, nein — wir dürfen uns Dir aus Liebe und Erkenntnis anvertrauen. Es kann keine größere Freiheit geben! Sind wir von Dir gefangen, so sind wir frei; leben wir aus uns selber frei, so sind wir an unsere arme Freiheit festgebunden! Darum möchte ich, o guter Vater, nur in Deinem Willen leben.“
„Halleluja!“ Mit Macht rufen es die Engel. „In Dir allein, ewigwahres Wesen, Du Gottheit ohne Anfang, ohne Ende, steht unser Leben! Du riefst uns in die Freiheit Deines Lebens aus Dir hervor, und zur Freiheit hast Du uns geboren! Frei kehren wir zu Dir zurück! Dir sei Dank, Lob, Preis und Ehre, Ruhm, Heil und Anbetung von Ewigkeit zu Ewigkeit! Halleluja!“
Bezwungen von freier Liebemacht der Kinder steht UR-Gott unter ihnen und teilt einen Segen aus, wie ihn selbst die Fürsten noch nicht allzu oft empfingen. Auch sie steigen ja mit dem Erlösungswerk empor. Danach wird Karmatha dem Ordnungsträger Uraniel-Urea anvertraut und Gott entläßt die Jubelnden, die in Seinen heiligen, sanftdunklen Augen einen feuchten Freudenschimmer angezündet haben. —
Im Hause des Uraniel halten sie ein Dankmahl ab und besprechen ihre Arbeit. Rafael-Agralea nehmen Eraskar und seine Gefährtin mit in ihr Sonnenhaus auf die Rajona; denn nach langer schweren Arbeit, fern vom Heiligtum, soll das Engelspaar erst eine Zeit „Zu Haus“ bleiben, ehe es abermals zu großer Tätigkeit auf das Schöpfungsfeld entsendet wird.
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