Ein Halleluja-Dank. Karmathas letzte Vorbereitung. Ein Licht über zugedeckte Offenbarungen
Heilige Stille! Tiefster Ehrfurcht voll neigen sich die Ersten, anbetend knien die Kinder. In der Anschauung erkennen sie den Sinn der großen Rede. Ein Halleluja erbraust, wie das Heiligtum kaum jemals hörte. Der Dankruf schlägt über die Stadt hinaus bis in fernste Sphären seine Wellen; und kehrt als gesegneter Widerhall zurück im Kraftstrom hoher Freude. Da erheben sich die Kinder, treten näher, da umringen sie den Vater, in Ihm nun auch den liebevollen Schöpfer sehend. Und sie schenken Ihm die Freude, die Er an Seinem Werke haben will. Jedes Kind ruht an der Vaterbrust, selig beglückt ohne Ende. Rafael bleibt am Heiligen Herd stehen und spricht für alle:
„Heiliger und allgeliebter Vater! Du hast Dich wunderherrlich offenbart, wir ehren, preisen, loben Dich, wir sagen Dir Dank! Deine Güte reicht soweit, wie Dein Gesetz UR unwandelbare Bahnen schuf! Wer will sie ergründen?! Aus Deinem Urgrund kamst Du in wahrhaftiger Form zu denen, die aus ihr hervorgegangen sind! Halleluja!! Deine Lehre grundtief zu erfassen, wird uns nicht gelingen, weil sich eine Tiefe an die andere reiht. Doch daraus ist Deine Güte unser Anteil in dem für uns gerechten Maß. Und das ist Deine Freude!!
Lehre uns, o guter Vater, Dir allezeit zur Schöpfungsfreude leben; schenke uns, damit wir Geber werden; fülle uns, auf daß wir als Gefäße für Deine Werke überfließen können! Lasse über uns Dein Licht im Segen kommen; denn wir, dem urewigen Lichtgesetz entsprungen, sollen Leuchter sein, wie Du uns zu solchen setzt. Darin erschaue auch Dein Licht zur Freude Deiner Heiligkeit! Halleluja! Wir bitten: Offenbare Deine Ordnungswege, sie sollen sich durch uns erfüllen.“ Rafaels Hallelujarufe wurden von den Kindern aufgenommen und abermals erschallt das geheiligte Jubilieren. Der Vater spricht:
„Meine Kinder! Rafael hat recht gesprochen. Durch euch sollen alle Ordnungswege jedes Tagewerk gestalten. Darum begeben wir uns an die Schöpfungs-Ordnungsplätze, ein jeder an den seinen. — Für Karmatha sei noch gesagt: Die Barmherzigkeit ist unter gewissen Bedingungen selber zu erwerben. In ihrer Sphäre gibt es daher — wie zwar in den andern Sphären auch, nur unter anderer Gesetzeswaltung — zwei besondere Stufen. Die erste bereite Ich euch vor, die jedes Kind erlernen muß, will es die zweite auch erreichen. Karmatha lernte sie bei Gabriel erkennen, und indem er sich Mir zur wahren Freude redlich müht, hat er sie auch anerkannt.
Die zweite Stufe ist jedes Kindes eigene Sache. Das liegt noch vor dir, Mein Karmatha. Darum rüste dich, ja rüstet euch, ihr Kinder! Bald schlägt eine Glocke an, die von den letzten Toren eines öffnet. Durch jedes Tor fällt ein Sonderlicht zum armen Abgrund nieder und jedesmal bäumt er sich auf, doch im Versickern seiner Kraft.
Solange du noch bei Gabriel und Pura weilt, sollst du dort allein bleiben; das gehört zu deiner Reife. Währenddem darfst du, Sama, Meines Gartens schöne Blüte, im Heiligtum oder auch bei Rafael verweilen. Ein freundlicher Gefährte soll bei dir sein, bis Karmatha den Erdenweg beendet hat und ihr dann wieder vereint im Lichte wohnt. Sebulah (zur Schar des Parat gehörend, beide Befehls-Engel), ruft der Vater, „der du dich schon oft als guter Erden-Engel erwiesen hast, du sollst für längere Zeit im Lichte bleiben und nicht schon wieder in die Fremde gehen. Ihr andern Kinder, die ihr die Erde auch schon ein- und zweimal hinter euch habt, wandelt eure Wege unter Meiner Segenshand. Ihr seht das Künftige, auf das ihr euch noch rüsten sollt. Macht, Kraft, Gewalt und Stärke sind eure Helfer. Amen.“ Noch ein Halleluja, und mit hehrem Gesang und Instrumentenspiel verläßt die Schar das Heiligtum. — —
Karmatha, dem aller Grund die Vaterworte sind, offenbart sich klar und eindrucksvoll immer mehr das Schöpfungswerk, die unmeßbare Fülle, der Kinder Eigen-Wege, die im Werk verwoben sind, die gewaltigen Ordnungsbahnen ganzer Sonnen- und Sternenvölker aller Art. Auch da hat jedes seine Straße; und doch geht keines einsam, noch allein. —
Wenn Karmatha vom freien Ausblick das Heiligtum betrachtet, merkt er, wie das Licht stets stärker wird. Er erkennt bald, daß nicht das Licht zunimmt, sondern er es zunehmend erfassen kann. Und in der Zunahme seiner Lichtschau sieht er seinen Weg. Da bleibt er lange Zeit still in sich versunken. Was sein Herz gewinnt, ist Edelgut; er wird es nie verlieren, auch nicht auf der Erde. Still verharren die Fürsten, als sie ins geheiligte Gemach eintreten, um seine innere tiefe Einkehr auf die notwendige Schöpfungsarbeit hinzuleiten.
Einer lichten Wolke überm Heiligtum entströmender Strahl hüllt Karmatha ein. Erschüttert bis ins innerste kann er sich kaum aufrecht halten. Gabriel und Pura helfen sanft, der Segenslast standzuhalten. Obwohl hellwachen Gemütes, erlebt er fast unbewußt das Heilig-Herrliche. Er gibt sich keine Rechenschaft darüber, er stürzt einfach seine Seele in die Flut des Lichtes mit dem heißen Wunsch, allezeit geborgen, wie ruhend in des Vaters Schoß zu sein. — — Die Stimme des Heiligen! Den Fluten der Paradiesesströme gleich, die in Schönheit, Kraft, Majestät und doch mit sanften Schlagen durch die heiligen Lande eilen, so fließen auch die Worte herüber zum tief sich neigenden Kind.
„Sohn Karmatha! Mit väterlicher Freude sah Ich deinen Weg. Du brachtest dich mit kindlichem Können Meinem Herzen nahe und hast Mir dein Herz geopfert; siehe, Meine Liebe wird dir dienstbar sein. Du hörst Worte, deren Sinn du nicht verstehst. Allein, das Band, zwischen Meinem und deinem Herzen fest gewoben, spürst du und erfüllt dich mit dankbarer Demut. Es bringt dir jene große Gnade, daß du auf Erden Meine große Liebe offenbaren darfst.
Halte dich bereit! Blicke noch einmal zurück auf alle empfangenen heiligen Gaben, und hast du alles in einem Blick erfaßt, dann schaue nur noch vorwärts. Es geht dir nichts verloren! Einst findest du Anfang und Ende deines ganzen Lebens gleich einem ‚großen Bild’ in Meinem Sein, das weder einen Anfang noch ein Ende kennt. In einem neuen Kind-Anfang wird Unendliches zu sehen sein und in jedem Ende ungezähltes neues Werden. Dann wirst auch du gleich Meinen lieben Großen verstehen, wer und was Ich bin! Größte Klarheit muß einmal jedes Werk erhalten, in der den Kindern heilige Erleuchtung über das Geheimnis zwischen Schöpfer und Geschöpf, die höchste Wahrheit vom Priester und Geist, Gott und Seele, Vater und Kind sich offenbart.
Bei einem solchen Offenbarungsakt erschließen sich Gefilde Meiner UR-Tiefe, die die reifsten Kinder in sie eingehen und im kindmäßig höchsten Verstehen die Wunder eines ganzen Schöpfungstages heilig erlassen läßt. Dann öffnen sich die breiten Tore mächtig neuer Werke. Sichtbar wird ihnen ein um das andere aufsteigende Gottlicht sein; doch den Grund werden sie nicht überblicken.
Seht den heiligen Zweck, der in der Offenbarung liegt, sonst wäre unnötig darauf hinzuweisen und unzweckmäßig, die in Mir schon mit dem Gedanken fertigen Schöpfungen langsam, zeitgemäß sich vor euch Kindern nur abrollen zu lassen. Das bedeutete ein Scheinleben und unwirkliche Entwicklung, wenn nicht die Wirklichkeit für euch bestünde. Ihr aber lebt in Meiner und in eurer Schöpfungswirklichkeit. Damit ist das Leben tatsächlich bewiesen! Der Zweck der Schöpfung ist, heilige Freude zu erzeugen und solange zu lassen, bis neue Werkkraft daraus geboren wird. Hier das Werk für das Werk! Denn nur tiefempfundene Freude am Gelingen löst Kraft zu neuem Schaffen aus, zu stets weiterer und höherer Vollendung!
Die Gereiften gelangen im Tages-Schlußakt durch die Schau der Herrlichkeit vollendeten Werke zur tiefen Freude, die Kräfte zum freiwilligen Mittun am Neuen löst. Die Erkenntnis über alles Einzel ist im Erleben besser zu erringen, weswegen sie nicht gleich mit der Schau verbunden wird. Habe auch Ich die heilig-erhabene Schöpfer-Freude am Gelingen eines Werkes in Mich aufgenommen, so sehe Ich daraus ein neues, noch herrliches Bild. Mit dem Sehen steigt die Macht zur Tat empor! Den Abglanz der gewaltigen Entfaltung lege Ich in alle Kinder. Das Maß des Abglanzes jedoch ist ihnen freiherrlich überlassen. Nehmen sie auch nicht bewußt den Schlußakt wahr, weil das Geschöpf den Schöpfer nie ermißt, so weiten sich doch ihre Herzen durch die Schau, die ihnen neue reifschaffende Kräfte bringt.
Nicht Ich allein will aus der Freude am Gelungenen den Schöpferjubel lodernd spüren, daß Äonen Schöpfungen aus einem Werke wurden, sondern Meine Kinder, zu segensvollen Kräften Mir erhoben, sollen Anteil am Titanenjubel Meines UR-Tums haben! Auch in ihnen soll und muß der urheilige Jubel sich mit auslösen, der in seiner Ganzheit nur in der Brust des Selbst-Zeugenden Wohnung nehmen kann, in UR!
Deshalb offenbare Ich eine kommende Neuformung im Gesamtbild, aufsteigende UR-Lichter, die sich aneinander reihen wie die heiligen Tage Meiner Jahre! Unabsehbar in ihrer Folge!! Doch die Erkenntnis wird von Tag zu Tag gegeben, sobald die Kinder im wachsenden Werden selbst mitwachsen durch Handanlegen an allem Werk!
Das ist der eine, ja der einzige Unterschied, den Ich zwischen Mir und Meinen Kindgeschöpfen bestehen ließ, der auch bleiben muß, damit sie im Mitwerden des Werkes wachsen, wie das Werk aus Mir erwächst, auch wenn Ich es als Gedanke-Gut stets fertig in Mir trage!! Alle anderen geschöpflichen Unterschiede sind damit zugedeckt. Du siehst also, Karmatha, daß sich Unendliches erschließen läßt, wenn ein Kind nur will. Über das Gehörte jetzt nicht nachzudenken, da es dir noch sehr verborgen ist, bringt dir guten Fortschritt. Du willst dein Bestes drangeben, Mir allein zur Freude deinen Weg zu wandeln. Und wahrlich, du wirst einst unter der gereiften Schar zu finden sein!
Dein Vorsatz kann um so mehr von Mir gesegnet und geheiligt sein, weil du demütig nicht über anderen Kindern stehen willst, sondern nur aus purer Liebe handeln möchtest. Das ist deines Herzens Quell, aus welchem auch das Werk gefördert wird. Damit bereitest du Mir große Freude, durch die du als Rückgabe eine größere erhältst. — Du hast nun deinen Vorbereitungsweg gut abgeschlossen; darum komm!! Im Heiligtum empfängst du deine Weihe. Ich segne euch Gabriel und Pura, Meine Getreuen, bringt Karmatha in Rafaels Haus und kommt mit allen denen, die dort beieinander sind, ins Heiligtum.
Was zu geschehen hat, bis der Ruf euch zu Mir führt, seht ihr Meine Engelsfürsten ehestens. Amen.“ Nach einer wortlosen Preisanbetung befolgen die Fürsten des Vaters Anweisung. Im Haus der Liebe ist eine auserlesene Schar versammelt. Freudig werden die drei Ankommenden begrüßt, doch liegt heiliger Ernst sichtlich auf allen Angesichtern. Sie wenden ihre Schritte dem Heiligtum zu. Voran gehen Rafael und Agralea, Karmatha in ihrer Mitte, Gabriel neben Agralea und Pura neben Rafael. Hinter Karmatha folgt ein großer Engel, zu seiner Linken Sama und Sebulah, rechts neben ihm Alaniel und Madenia. Die übrigen Fürsten, Ältesten und Befehls-Engel schließen sich an, soweit sie keinen Dienst auf den Tagesfeldern haben oder auf der Erde weilen. Eine Heimkehrgruppe bildet den Schluß des wohlgeordneten Zuges, an dessen Außenspitzen die vier Wächter wandeln.
Als sie ankommen, ist die Pforte der Geduld und Liebe beim roten Teppich weit aufgetan. Doch in der heiligen Halle umfängt sie hehre Stille, die Feierlichkeit eines unerhörten Gnadenlichtes. Da verharren sie, selbst stille Herzen, feierliche Schöpfungslichter, die in andachtsvollem Schweigen dienstbar leuchten.
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