← Zurück zu „Ein Prophet“

Sacharja – 10. Kapitel

10. Kapitel

Sacharja 10

Sie sitzen sich im Haus Hachalja gegenüber, der Hausherr, Sacharja und Jichri. Nachdem sie mancherlei besprochen haben, das Volk betreffend, fängt Jichri mit einem kleinen Seufzer an: „Das Wort Gottes, und so gekommen, als hätte Er es Selbst gesagt — kann es noch gar nicht richtig fassen, welche Gnade über uns gekommen ist. Habe auch bedacht: Würde doch ganz Juda, ja die ganze Welt, die wir noch nicht richtig kennen (damals), das Heilige erfassen und sich neigen vor dem Herrn um der großen Güte willen, die Er uns, den Wenigen, beschert.

Bei den Jerusalemer Ältesten habe ich ein wenig angestochen, hab‘ gefragt, ob wir dich, Sacharja, öffentlich anerkennen wollen; leider war man nicht dazu bereit. Einer sagte heftig, ein Mose, ein Josua und Elia, die echten Großen, wären einmal gekommen, und was jetzt vom Himmel für uns übrig bliebe, wäre mager und gering. Es hatte keinen Zweck, ihnen aufzuzeigen, daß unser Gott auch heute noch Sein Heilswort bringen läßt.

Und ein anderer: ‚Erst das Weltliche, was wir im Aufbau dringend brauchen, dann ist der Himmel auch noch anzuschließen.‘ Und sowas will das Volk regieren, daß es werde, wie GOTT es Sich ersehen, wie herrlich Er es uns gedeutet hat: Juda soll als Beispiel gelten allen Völkern. Leider können wir nicht ‚Israel‘ mehr sagen, von dem Mose als JESURUN gesprochen hat. Ich befürchte, daß später, wenn dein Wirken, du Prophet des Herrn, doch aufgezeichnet wird, auch die Worte Gottes weltlich abgestempelt werden.“

„Das kann geschehen“, sagt Hachalja, während der Prophet leise dazu nickt. Allein — wo bleibt die Zeit der Welt, wenn GOTT sie anders einzustellen weiß? Ist der Herr der EWIGE, so bleiben Seine Offenbarungen und Worte ewiglich bestehen. ER verwahrt das Heil und bringt es wieder, wann, wie und wo Er Seine Zeiten setzt. Das sagt Sacharja und fügt an:

„Euch tue ich es kund, weil selbst unsern guten Silo-Freunden eines und das andere nicht schmecken wird. Verständlich, da die Not noch immer bei uns Einkehr hält. Und die Letzten, die noch kommen, werden schwer zu zügeln sein. Letzte Nacht“, sie waren schon ein paar Tage heimgekehrt, „stand ein starkes Licht vor mir.

Es war nicht mein Engel, den ich lieb gewonnen habe, es war — ich traue es mich nicht zu sagen, ob es GOTT gewesen ist, ob vielleicht Elia, einer von des Lichten Großen. Mag und darf es uns genügen, es uns erfreuen, daß uns abermals ein hohes Ziel gegeben worden ist, die Sprache geistig zu verstehen. Ich denke öfter drüber nach, weshalb der Herr so irdisch spricht und künden läßt, während Ihm es nur um Seines hohen Reiches Lichtvolk geht, um Hinweis auf Seine Führung, die Er allen angedeihen läßt. Und wir Irdischen dürfen auch dazu gehören. Fremd kommt‘s mir vor und dennoch zu erkennen, wenn man um Erkenntnis fleht.

So sprach die Stimme: » Bittet um Spätregen und der Höchste sendet ein Gewölk, daß es regnet auf der Erde. « Eigenartig, daß wir schon seit Wochen keinen Regen haben und wird doch so nötig für die Flur gebraucht. Doch merkte ich es wie ein Strahl, der mich durchfuhr, daß dieser Hinweis — mindestens zuerst — allein dem Geistigen gegolten hat. Spätregen — wie spät ist unsere Zeit, da das Volk im allgemeinen, von andern Völkern sei jetzt nicht die Rede, vom Herrn stark abgefallen ist?

Wenn sogar die Ältesten das Heil und Gottes Offenbarung in die Ferne schieben, was kann man vom Volk erwarten? Weiter ging das Wort des Gewaltigen: » In der Fremde habt ihr es erlebt, vorher selber auch darum gebuhlt: die Götzen reden eitel. Götzen, eure Anschauung und was ihr begehrt. Die Wahrsager, die sich brüsten und ihre Träume nennen, was sind sie denn vor Gott? Eitel Lüge ist ihr Werk!

So haben viele Menschen keinen Hirten, weil sie keinen anerkennen wollen. O ja, falsche Hirten haben sie, die Großen, Wahrsager, die die Träume deuten und was dergleichen mehr. Über die ‚Mietlinge‘ (Joh. 10, 23) wird Mein gerechter Zorn erscheinen und wird heilsam sein als Strafe, um die verirrten Kinder auf den rechten Weg zu bringen! « Mir war sonderbar“, unterbricht Sacharja kurz des Lichtes Kunde, „als ginge es um die Ältesten, von denen du, Jichri, mir erst jetzt berichtet hast. Denn also ging die Rede weiter:

» Von den Böcken scheide Ich die Schafe und werde jene heimsuchen, bis sie flehen lernen: Herr, erbarme Dich! Was alle Argen sich auch zimmern, mit Nägeln, Ecksteinen, Streitbogen und ungute Dinge, und bezieht sich das vordringlich auf die armen Seelen, da will ich aus Erbarmung Meine Großen senden, daß sie vor ihnen stehn, Riesen gleich und sich fürchten lernen vor dem Zorne Meiner Heiligkeit!

Um eben Meiner Großen willen erhalte Ich die Welt, insbesondere Meines Opfers wegen, dadurch einst für alle Hingefallenen, daß sie heimkehren können in des Vaters Haus, von dem sie ohne Auftrag und in Aufsässigkeit ausgegangen waren. Also sei als Zeichen Juda wieder aufgerichtet, bis es den Erlöser anerkennen wird oder — Ihn verwirft. Dann — freilich ist ein großes Übel nicht mehr aufzuhalten, weil selbst erzeugt. Würde Meine Gnade dabei nicht mehr walten — nichts bliebe euch, keinem Volk, als allein der Untergang.

ICH habe Meine Werke aufgebaut und Ich erhalte sie Mir auch, ob Menschen es verstehen, anerkennen oder nicht. Jene Kinder, die vom Lichte ausgegangen sind und gleichen weltlich armen Schafen, denen wird die Kraft zuteil, auf Mein Wort zu achten und danach zu tun.

Was ungut ist von aller Welt, das kommt auf des Töpfers Scheibe und wird geschliffen, bis ICH Mir eine neue Vase daraus forme (Jes. 45, 9; Jer. 18, 2, 6). So gesagt dir zum Verständnis, der du Meine Offenbarung hörst. Die falschen Hirten, die Verschmachtetes nicht besuchen, noch Zerbrochenes heilen, werde Ich Mir binden, daß sie zum armen Ton gehören, aus dem Ich für sie selber neue Formen schaffe. Neue Formen — neue, wertvolle Erkenntnis!

Ich werde sie Mir rufen und erlösen und Mein Wort unter alle Völker senden, Mein gedenkend. Verstehe recht, Mein Sohn: Es wird niemand nachgelassen, wer Meinen Ruf verachtet. Dessen sei gewiß! Erlösung wird eben nicht umsonst gegeben. Was ich dafür fordere, o frage nicht; es lebt im Geheimnis Meiner Schöpferherrlichkeit.

Rede Ich von allen Landen, so ist zwar mit die Welt gemeint und ihre Völker, doch steht das an zweiter Stelle. Wichtig ist es auch, das merke dir! Alle Lande sind die von Menschen sich gemachten Normen und geht es dabei einzig um den Glauben, um die Hingabe, Mir dargebracht. Ihr wißt, Ich meine Juda, wie die von euch genannten Heiden ihre selbstgemachten Götzen ehren. Doch auch Israel, nunmehr Juda, hat sich gleichfalls seine Götzen aufgestellt.

Alle falschen Glaubensnormen werde Ich auf Meiner Gnadenwaage wiegen und werde sie zerstreuen, bis sie sich einst alle sammeln lassen. Nenne Ich Ägypten, Libanon und Assyrien, so dienen sie als Beispiel. Ägypten, die Verdunkelung Meiner Offenbarung; Libanon, die sich selbst erhöhen und werden fallen, wie ein Baum im Sturm; Assyrien, die arme Macht der Weltmächtigen, die sich ausbreiten wie das Meer. Doch Ich werde es vertrocknen, daß sie sich voreinander fürchten lernen, obwohl sie ihre Fäuste heben.

Das gilt der Zukunft, doch ist die Jetztzeit mit gemeint, wiederum Juda als Beispiel dargestellt. Du wirst es noch erleben, wie man nach und nach Mein Wort, dir offenbart, weltlich dunkel macht. Laß sie tun und sei dann still. Sieh, was man jetzt verdirbt, geht den Jetzigen verloren. MEIN WORT jedoch, was Ich dir verkündet habe, auch durch deinen Engel, das bewahrt Mein LICHT, zum Gnadensegen für die Letzten auf der Welt.

Wer dann seinem Geist, von Mir gegeben, die Vorherrschaft beläßt, dem wird alles wieder neu Gegebene ein Segen sein, der sein Herz erfüllt und fröhlich macht, auch wenn die Welt sich sperren wird. Ich werde Meine Treuen stärken, daß sie wandeln in Meinem Gnadenlicht. Ob Ich auch der anderen gedenke, fragst du Mich? Ist gut gefragt, wenn es auch nicht nötig war. Habe Ich von jenen mit gesprochen, die zu erlösen sind, dann weißt du wohl, ob MIR je ein Kind verloren geht. Sei gesegnet; tue du dein Werk und lasse Mich, deinen Gott und Vater, wirken, wie Mir es wohlgefällt! «

Es war wie ein Erwachen, als Sacharja schweigt. Wie war möglich, daß er Wort für Wort, ohne Stockung, wiedergeben konnte? Er hat nichts dabei gedacht, hat nicht suchen müssen, um das Herrliche, die Wahrheit aufzutun. So geht‘s ihm nicht allein. Jichri und Hachalja sitzen, die Köpfe aufgestützt, als müßten sie noch weiter hören, um die Deutung zu erkennen.

„Das war herrlich“, beginnt Jichri leise, sich lösend vom Banne der Befangenheit. Oh, was haben sie verdient, daß ihnen diese Gnade widerfährt? Sind sie mehr als ihre Brüder und die Schwestern, die so gern nach Silo kommen, um vom Herrn den Segen zu empfangen? „Mir ist so, als hätte mich der Herr von meinem alten Sein erlöst. Und weiß doch: es fehlt viel, bis ich einmal . . .“

„Halt‘ an, mein Freund!“ Sacharja nimmt des Sprechers Hände in die seinen. „Schau, Gott hat uns wohl erlöst und frei gemacht, daß wir fröhlich an Ihn glauben können, alles, was er uns gegeben hat. Das aber ist mit zu bedenken: Er gibt nicht nur von Zeit zu Zeit, wenn es auch den Anschein hat; Er hat von Ewigkeiten an gegeben und bereit gemacht für alle Seine Kinder. Also auch für uns. Freilich müssen wir noch manches an uns überwinden; und auch das ist gut, so merken wir, daß wir vorwärts gehen dürfen. Wer glaubt, er habe alles, der hat in Wahrheit nichts!

Zwar denke ich zuerst an unsere Leute, doch so bleibt es allseits unter denen, die ihre Augen nicht zu Gott erheben, schwerer noch, die sich erhaben dünken, als hätten sie das Licht alleinig im Besitz und schauen auf die anderen — wie recht hat Gott die ‚armen Schafe‘ erwähnt —‚ weil die bescheidener, aus besserer Erkenntnis, glücklich sind in Gott, dem Vater der Barmherzigkeit.“

„Recht hast du geredet“, erwidert Jichri und Hachalja nickt dazu, „und könnte alles einfach sein, wenn man in wahrer Liebe zueinander steht. Verdammen kann man schnell, aber aufbauen, helfen, mindestens die andern anerkennen, da wird es immer fehlen, so lang die Menschheit weltlich bleibt, ungute Gläubige eingeschlossen. An die jetzigen Oberen darf ich gar nicht denken! Gewiß wollen sie das Beste für das Volk; und anerkennen muß man es, daß sie viele Mühe haben. Doch wir haben es gehört: der ‚Glaube‘ muß im Vordergrunde stehn, dann geht alles andere seinen guten Gang.

Ich kann es immer noch nicht richtig fassen, da wir die unerhörte Gnade haben, des Höchsten Lehre zu erhalten und ganz persönlich.“ Hachalja verläßt den Raum. Bestürzt sieht ihm Jichri nach; doch der Prophet winkt freundlich ab. „In seinen Augen glänzten Tränen, die er nicht sehen lassen wollte. Mannesscham. Und unangebracht! Ein Mann, der niemals weinen könnte, sei es bei Freude oder Schmerz, dem fehlt das Innigste am Gemüt. Er kommt bald wieder, Jichri, und wir werden nicht darüber reden.“ Dieser sagt:

„Das darf man auch nicht tun. Ich hatte keine Freudentränen, also fehlt mir etwas am Gemüt.“ „O nein“, beruhigt ihn Sacharja. „Ich habe deine Augen feucht gesehen, um der Sturheit willen, die du in Jerusalem erfahren hast. Doch wir besprechen jetzt, was in Silo werden soll. Gottes Rede ganz zu wiederholen? Da ist es mir, als gäbe es ein Nein.“ „Ich bin auch dafür, daß du — der Heilige leitet dich — sozusagen einen Auszug bringst. Weißt, für die Menge, die ja trotz guten Willens nach und nach zum Höheren zu leiten ist, würde es genügen, wenn das Leichtere zur Sprache kommt.

Auch würde ich es eben unterlassen, ganz im guten Sinn gemeint, zu erwähnen, weil du mir und Hachalja Gottes Rede schon verkündet hast. Da kann es Trauer geben: weshalb nicht auch ich?, und andere in Neid: wir sind zurückgesetzt, also gelten wir bei Gott nicht viel. Beides brächte mancher Seele Schaden.

Das Letzte hat Hachalja mit gehört, der wieder eingetreten war. „Ich denke so wie du, Jichri, wenn ich auch die ganze Rede allen herzlichst gönnte. Und jemand aus der Reihe winken?“ „Geht nicht“, wider spricht Sacharja. „Fragen wir uns, ob Gott jemals einen aus der Reihe winkt, um ihn hervorzuheben. Nein, das tut unser Vater nicht! Er hat alle Seine Kinder lieb.

Haben Himmelsfürsten einen Sonderauftrag auszuführen, geschieht das für das ganze Werk. Hier bei uns? Geredet würde doch und ganz recht, wenn man fragt: warum die anderen, warum nicht wir? Lassen wir den nächsten Sabbat erst mal kommen, da werden wir erfahren, wie Gott alles wendet, wie sich Sein Segen offenbart.“

Der Tag ist da. Hortysa hat man mitgenommen. Hirma flüstert sie gleich zu: „Gott schenkt mir so viel Gnade, weil ich bei Hachalja wohnen darf und beim Prophet. Oft ist mir, als wäre um ihn wie ein Schein. Im Gefühl habe ich das nur; doch denke ich . . .“ „ . . . daß dies stimmt. Weißt du“, sagt Hirma, „ich bin‘s nicht allein, die sich immer auf den Sabbat freut. Hin und wieder kommt jemand zu mir und wir sprechen über alles, was uns zuteil geworden ist.“

Zu den Frauen gesellen sich Sebana und Miriam. Der Mann sagt besorgt: „Ich hörte, daß Matuja keine Ruhe gibt. Was Sarezer tat, ist ruchbar geworden.“ „Höre mal“, ereifert sich Hortysa, „weder der Prophet noch Hachalja haben je ein Wort davon gesagt. Schon aller Gnade wegen, die doch allen gilt, haben sie geschwiegen. Auch sollte diese Tat nicht unterm Volke ruchbar werden.“

„Von ihnen ist auch keine Rede“, wehrt Sebana ab, „sie haben selber sich verraten. Regem-Melech sprach mit Mijamin; sie wähnten sich al lein, doch stand Kadmiel nahebei und hörte zu. Er hat uns unterrichtet, damit wir achten sollen. Ein Matuja gibt keine Ruhe und seine argen Freunde tuten in das gleiche Horn.“ „Wie gut, daß wir es wissen. Doch Sacharja, mit ihm auch Hachalja und eigentlich wir alle, stehen unter Gottes Schutz und Schirm. Die Bösen verderben sich nur selbst.“

Miriam unterbricht Hortysa: „Seid still, der Prophet steht schon an unserer kleinen Bundeslade. Wir werden wieder Wunderbares hören.“ Vorn sind auch Hachalja, Jichri und ein paar Männer. Alle wissen, daß eine Störung vorgesehen ist. Ob sie auch kommt — —? Sacharja hebt ein wenig seine Hände hoch, eine beruhigende Geste und schon wird es still im großen Raum. Wieder kommen Trost und Gottes Wort:

» Kinder auf der Welt, mit mancher Mühsal seid ihr gesegnet! Ihr seid verwundert und denkt: Mühsal ist kein Segen, sondern was das Leben mit sich bringt und was wir selber uns verderben. Im Letzteren habt ihr recht; denn solang der Mensch durch die Materie geht, auf dieser Welt und anderwärts, wird er immer wieder einmal straucheln, oder sogar fallen. Geschieht das nicht aus einem Arg, so seid gewiß: euer Gott, der in Vaterliebe euch sieht, hebt euch wieder auf und macht gut, was versehen worden ist.

Sprach Ich jedoch vom Segen aus der Mühsal, dann beachtet es, was Meine Güte allezeit beschert. Wer seine Lasten willig trägt, nicht murrt noch klagt, der hat im ‚freien Tragen‘ sogar selber den Segen sich errungen. Wohlgemerkt: Niemand kann sich selber segnen und andere segnen wollen ist ein Übelstand, nur betrachte Ich dabei den guten Willen. Geht dieser aber fehl dahingehend, daß man etwas tut, was allein Meine Sache ist, mein Tun aus Meiner heilsgewohnten Liebe, deren Grundzug die Erbarmung ist, dann hat der segnen Wollende ein Teil von Meinem Segensrecht verloren.

Ihr, die ihr hier versammelt seid, habt viel Ungemach ertragen, in der Fremde und jetzt wieder in dem Erden-Heimatland von denen, die Meinen Segen von sich stoßen. O ja, nach außen geben sie sich gläubig aus, während sie errechnen, wieviel sie von der verdorbenen Materie heimsen könnten. Doch ihr habt das Beispiel ja gesehen, wie es einem der Erraffer ging, als er das Diebesgut beiseite bringen wollte. Gottes Strafe? So denkt schnell der Mensch und will nicht wissen, ob er nicht auch der Strafe Gottes unterliegt. Ich strafe nicht, liebe Kinder, Ich erziehe bloß!

Mag es weltlich wie ein Strafen wirken — von Mir aus ist es der geheime Segen, um die Seele anzurühren, daß sie sich besinnt und zeitgerecht zu einer Umkehr kommt. Wer sich Meiner Führung willig unterstellt, hat den offenbaren Segen, selbst wenn derselbe sich nicht offen zeigt. Denn Meines Lichtes Kinder, die freiwillig Lasten auf sich nehmen, werden von den Weltlingen verachtet und verhöhnt, daß es heißt: da seht, sie glauben noch an einen Gott und der hat sie verlassen. Wie könnten sie sonst arm, krank oder auch verlassen sein?

Verlassen sind sie von der Welt, nie von MIR! Ich halte ihre Seelen fest im Gnadenbunde der Barmherzigkeit! Und wieder sage Ich: in Mühsal und Not seid ihr gesegnet. Ihr seid gekommen, als Mein Ruf durch meinen Knecht ins Land gedrungen war.

Freudig gibt ihr manches hin, was eurer Notdurft dienlich wäre, und von MIR hervorgehoben: euch gegenseitig dient und helft. Ihr werdet manches noch erfahren, weil Meine Worte Licht und Frieden bringen. Das Schwere trägt Mein treuer Knecht; doch habe Ich ihm gute Stützen beigestellt. Man wird ihn einmal einen ‚Kleinen‘ nennen, was bei Mir jedoch nicht gilt.

Wer erkundet, was hoch, was niedrig ist? Der Mensch urteilt nach dem Äußeren, Ich aber sehe eine Seele an, ob darin so gut als möglich Reinheit wohnt. Finde Ich dieselbe, so kann das Kind Mir nahe kommen ohne Bangen, wie unter euch jetzt viele fühlen, nicht wert zu sein, Mein Wort zu hören. Ob Ich für würdig euch ersehe, überlasset Mir. Wäre es nicht so, könnte Meine Stimme zu euch kommen, daß ihr wähnt, Ich wäre Selbst bei euch?

Das bin Ich gewiß in Meiner heiligen Allgegenwart, vor der niemand sich verbergen kann. Manches ist euch unverständlich und ihr rätselt, wie dies und jenes möglich sei. Sucht nicht nach dem Verborgenen, wenn Meine Liebe und Barmherzigkeit sich offen zeigen.

Schon recht, wenn mancher denkt: Und unser langes Leid im fremden Land? Wir hätten es gern glauben wollen, doch wenig sahen wir von Deiner Herrlichkeit. Gut, liebe Kinder, rechten wir und ihr werdet sehen, daß euere Gedanken brüchig sind. Daß das Volk im allgemeinen — und Gute haben mit den Bösen leiden müssen — sich selbst durch falsches Wesen und Abtrünnigkeit von Liebe und dem von Mir gegebenen heiligen Gesetz das Schwere aufgebürdet haben, wird nicht gern eingesehen. Verständlich und echt menschlich! Ich aber sehe doch wohl alles anders an. Oder meint ihr nicht? «

Bei dieser Frage hört man Seufzer. Kadmiel wagt zu sagen: „Recht hast Du, o Herr!“ » Ja, Mein Sohn, das Recht steht auf Meiner Seite, weil alles Werk von MIR geschaffen wurde und erhalten wird, wie Mir es wohlgefällt. Ihr seid aber nicht allein gewesen, wenn es auch die meisten nicht verspürten, weil sie es nicht anerkennen wollten.

Nachdem das Gröbste abgeschliffen war, kamen gute Könige, die — obwohl sie Mich nicht kannten — nach Recht und Liebe handelten; und Daniel, Mein Seher, wurde auch zu euch gesandt. Viel Güte ist dem Volk zuteil geworden, bei den meisten unverdient; denn die Argen sind auch mit errettet worden. Aber jetzt, Meine Kinder, kann noch immer abgerechnet werden. Bloß seht nicht ihr auf diese Abrechnung und überlaßt es Mir, wie die Schulden an Mich zu bezahlen sind.

Denket stets daran, daß ein jeder vor Mir zu bestehen und an die eigene Brust zu schlagen hat, soll der Heimweg in das Vaterhaus voll Freude sein. Wer sich ernstlich Mühe gibt, dem mag weltlich immer einmal etwas fehlen, daß er in die Irre geht, in Gedanke, Wort und Tat! Habe Ich den Kindern die Entwicklungswege hergestellt, in der Freiheit, allein im Gehege Meines Herrschaftswillens, dann braucht niemand an ein kleines Gera (Gewicht) denken, als ob Ich unerbittlich wäre.

Haltet euch an Meiner Liebe fest, Meine Vaterhand führt euch allewege. Geht Bösen äußerlich aus dem Weg, innerlich schließt sie ein ins Bittgebet; denn Fürbitte leisten bringt dem also Bittenden jenen Anteil Meiner Gnade, die unverdient zu nennen ist. Aber eben diese wird dann dargereicht und werdet ihr erst einst, wenn ihr ins Lichtreich eingetreten seid, erfahren, was diese Gnade zu bedeuten hat. Seid gesegnet, achtet gut, euch Meinen Segen zu erhalten! «

Wieviel Zeit verrinnt, niemand aus der großen Runde hat es hinterher errechnet. Doch die hohe Seligkeit, die alle überflutet hat, die hält man fest und spricht man auch darüber. Erst mal leise, Nachbar zu Nachbar, man achtet aber sehr, was mit Sacharja vorgegangen ist.

Wie aus tiefem Traum, bei dem man sich an nichts erinnert, so ist der Prophet erwacht und hat doch das Herrliche in sich verwahrt. Man nennt es späterhin ein Wunder, weil er die Rede Gottes schriftlich wiedergeben kann, wie seine Bilder, die er mit Hilfe des Hachalja festgehalten hat. Ob sie spätere Geschlechter echt verwahren werden? Die Materiellen nicht; doch das LICHT verwahrt sein Eigentum! Was Gottes ist, kann der Mensch verdecken, oder ungut unterschlagen, fälschlich deuten — ausradieren kann es keiner!

Niemand kann die Sonne sich vom Himmel holen, ihre Bahnen kann auch keiner hemmen, nicht der ungezählten Sterne Himmelsweg, bloß für die eigene arme Seele ist mit materiellen Sinnen zuzudecken, was der Ewige offenkundig gibt. Jichri und Hachalja haben, für die andern unbemerkt, eine Weile den Prophet gestützt.

Beiden geht es durch den Sinn: der Herr sprach von Stützen, dem Seher beigestellt. Welche Liebe, wenn man stützen darf aus Gottes Kraft. Es gibt kein Halten mehr, Sacharja wird umringt, ihm wird gedankt, bis er, endlich wieder frei von eigener Bedrückung ob der Offenbarung willen, beide Hände hebt und ruft:

„Freunde, liebe Brüder, meine Schwestern, bitte, dankt nicht mir. Der Heilige, unser Gott und Vater, hat uns Seine Güte wissen lassen, ER hat uns Sein Gnadenbrot geschenkt. Geht still heim und dankt unserem Vater Zebaoth. Erkennt es stets: nicht wer etwas sagen oder bringen, geben darf, sondern was uns widerfährt. Ohne Ausnahme sind wir Seine Kinder, und alle hat Er eingeschlossen in den Bogen Seines Bundes und der Gnade!“

„Dürfen wir dir aber ein paar Gaben bringen?“ fragt Sebana sehr bescheiden. Jichri lacht verhalten: „Unter euch gibt‘s genügend Arme, wo eine Hilfe nötig ist. Da ist Kofar mit seiner Marada, auch Hirma könnte etwas brauchen.“ „Genau“, sekundiert Sacharja. „Seht Freunde, Hachalja hat mich in sein Zuhause aufgenommen, daselbst habe ich genug und mehr bedarf es nicht. Innerlich nehme ich eure Gaben an und lege sie dem Vater Zebaoth in Seine rechte Hand.“

„Ganz demutsvoller Seher“, wispert Hortysa und folgt den drei Männern nach; denn Jichri kehrt nochmal bei Hachalja ein.

← Zurück zu „Ein Prophet“