9. Kapitel
Sacharja 9
Mijamin, der Kontakt zu Sarezer und Regem-Melech aufgenommen hat, sie waren schon bekannt, waren eine Zeit sich nicht begegnet, aber nur, weil jeder mehr erraffen wollte als der andere, hat nun Regem-Melech einen fremden Kerl geworben, nachdem er hörte, daß durch den Propheten Gott gesprochen haben soll. Den Kerl hat er bestochen, Sacharja aufzulauern und ihn umzubringen. „Am besten den Hachalja auch gleich mit“, hatte er gemurmelt. Die Rechnung ging nicht auf. Der fremde Mann ist mit dem Geld verschwunden.
Aus Wut und Ärger begibt sich Sarezer in das Haus des Hachalja, klopft an und grüßt freundlich, als ihm geöffnet wird. „Du?“ fragt Hachalja sehr erstaunt und spürt‘s wie eine Welle: Gib acht! „Setz‘ dich“, sagt er und bietet dem Besucher einen Imbiß an. Inzwischen ruft er heimlich seinen Knecht und den Hund. O ja, auch das Äußere ist zu bedenken, wenn Bösewichte irgendwie am Werke sind.
Sarezer merkt es gleich, was die Glocke schlägt; doch in Wut verbohrt, zieht er blitzschnell eine Waffe vor: „Euch Gesindel zeig‘ ich es, wer jetzt in Juda handeln darf!“ Noch schneller reagieren Knecht und Hund. Letzterer fällt den Messerstecher an und beißt so scharf zu, daß Sarezer seine Waffe fallen lassen muß, indes der Knecht ihn rücklings niederwirft. „Lump“, schreit er, „du kommst nicht mehr fort, bis erst die Büttel kommen.“ Hachalja ist bestürzt; ein Mann, im Volk geachtet, angesehen, und will zum Mörder werden? Mühsam nimmt er sich zusammen.
„Sarezer, wie hast du dir denn das gedacht? Und warum willst du morden? Daß du, Regem-Melech, Mijamin, Matuja es auf den Propheten abgesehen habt, wissen wir schon längst. Bloß die Frage: Warum? Was hat er euch getan?“ „Seinetwegen sind wir arm geworden, haben viel verloren, was . . .“ „. . . euch nicht gehörte. Nur den Raub hat man euch abgenommen. Das war freilich viel.“
„Wenn Sacharja nicht geredet hätte, als wäre er Gott selbst, dann hätten wir in Ruhe leben können . . .“ „. . . und allen Raub behalten“, unterbricht Hachalja zürnend. „Darum soll es jetzt nicht gehen. Ich müßte dich ja binden, bis die Büttel kommen und du weißt, welch eine Strafe dir dann droht (die von guten Juden verhaßte Steinigung). „Doch du kannst mein Haus verlassen; sei jedoch gewiß:
EINER wird dich fesseln, den du ob deines Mammons nicht mehr anerkennen willst.“ „Ha, und was tut ihr? Seid ihr am Aufbau von Jerusalem beteiligt? Ich habe nichts davon gehört! Dafür hat Sacharja bloß vom Himmelreich geschwärmt, das wir jetzt auf Erden gar nicht brauchen können. Was soll uns das Gerede, wenn wir noch am Boden liegen?“ „Du und dein Trio, ein paar andere mit — ich kenne alle — habt nicht einmal in Babylon ‚gelegen‘. Ihr seid des Volkes nicht mehr würdig. Merke dir: Schandflecken werden ausgemerzt! Nicht wie du es machen wolltest: Blut vergießen. Wirst es bald erfahren, was ich unternehmen kann. Jetzt geh, du bist mir widerlich.“
Hachalja hält seinen Hund zurück, der sich wieder auf den Mörder stürzen will. Dem Knecht befiehlt er: „Bring‘ ihn bis zur nächsten Kreuzung“, er zeigt auf Sarezer, „und achte, daß er weitergeht.“ „Soll ich ihn nicht ganz begleiten? Weiß man denn, ob der — der“, verachtungsvoll klingt es, „nicht wiederkommt und noch einmal versucht, dich, den Propheten und andere zu töten?“
„Er wird‘s nicht wagen; denn ich darf nun sagen: GOTT geht hinter ihm einher und sein Gewissen wird ihn jagen!“ So tiefernst ist das gesprochen; Sarezer steht langsam auf, der Biß schmerzt sehr, das Blut tropft herab. „Warte“, gebietet ihm Hachalja, „ich verbinde deine Wunde.“ „Herr“, ruft der Knecht, „dem darf nicht geholfen werden, wo er ja . . .“ „Bleib‘ hier stehen, ich hole den Verband.“ Sehr sorgsam reinigt er die Wunde und legt leichtes Linnen auf. Trotz der ihm widerfahrenen Barmherzigkeit regt sich in Sarezer weder Dank noch Einsicht. Kommt er vor ein Gericht, dann — —
Als er gegangen ist, berichtet Hachalja das Geschehene dem Propheten. „Ich hab‘ es letzte Nacht gesehen, wie etwas Dunkles deinem Haus sich näherte. Doch ich sah dabei ein Licht über diesem Dunkel und dankte unserm Herrn, weil Er schon im vorhinein seine Hilfe angedeihen ließ. Mir tut Sarezer leid; es wird schwierig sein, vom Gericht ihn zu befreien.“
„Ich wünsch‘ ihm auch nichts Arges, doch leugnen kann er nicht, weil unser Asdod (der Knecht) Zeuge ist. Dann denke ich auch so: Es gibt leider auch noch andere, zum Glück nicht viele, die unser Volk verschandeln, die genauso sind wie Sarezer und Genossen. Ein Beispiel könnte etwa wirken, daß sich Gleichgesinnte doch noch wenden und gute Leute werden.“
Als Jichri den Anschlag erfährt, ruft er die Ältesten in Jerusalem zusammen. Erst schüttelt man die Köpfe. „Unmöglich“, sagt einer, „ein Sarezer tut das nicht!“ „Der und seine Raubgenossen sind noch zu ganz anderem fähig“, zankt Jichri. „Armenklagen habt ihr schon genug gehört“, wendet er sich an die dreizehn Ältesten, „und was sie sich errafften, wißt ihr nunmehr ebenfalls.“
„Freilich, das soll nicht geduldet und soll geahndet werden. Aber Mordversuch?“ „Die Bißwunde an Sarezers Hand ist ja der Beweis; umsonst hätte ihn der Hund nicht angefallen. Der Knecht Asdod ist ja Zeuge. Auf Frauen gebt ihr nicht sehr viel, doch von Sarezer und Hachalja unbemerkt, haben es die Magd und die Witwe Hortysa gesehen. Sie wagten sich nicht vor, verständlich, nicht wahr? So sind drei Zeugen da, und das Wort des Hachalja darf wohl gelten. Oder nicht?“
Man stimmt zu, nur die Frage: welche Strafe ist Sarezer aufzulegen? „Nicht ärger wäre er zu strafen, als daß er nie mehr eine Stimme hat in unserm Rat. Das trifft ihn mehr als alles andere.“ Damit ist man einverstanden. Der Ältesten Oberste sagt: „Hm, sonst —“ O ja, die Steinigung wird zwar noch — leider — eingehalten, doch von jenen nur, die sich selber hinter manchem Übel decken müssen.
Zu gleicher Zeit erscheint bei Hachalja Regem-Melech. Der Druck, der auf ihm lastet, wird mit Hochmut übertüncht. Allerdings, sein Gehabe zeigt zu deutlich an, wie es in ihm tobt — aus Angst. Mäßig ist der Gruß, den Hachalja ihm entbietet. Er fragt: „Welche Waffe hast du unter deinem Kleid versteckt?“ „Ich“, so lang gedehnt, daß Hachalja lachen muß. „Bist Sarezers bester Freund; da fehlt nicht viel, daß man zwei und zwei zusammenzählt.“
„Ich habe nichts bei mir; doch ich führe Klage für den Freund, er ward hier im Hause schwer verletzt. Einen Tiger hältst du dir, um wehrlose Leute anzufallen.“ „Willst du meinen ‚Tiger‘ kennenlernen?“ „Bei Gott nicht!“ entsetzt sich Regem-Melech. „Dann sage endlich, was du bei mir willst.“
„Sarezer fordert Sühnegeld und — na ja, nötig wäre nicht, wenn du bei den Ältesten den kleinen Zwischenfall zur Sprache bringst.“ „So, mehr verlangt Sarezer nicht? Du bist freilich ganz umsonst gekommen. Sühnegeld müßte eigentlich mein Hund bezahlen, und der hat kein Geld. Ich habe Sarezer frei aus meinem Hause gehen lassen und nichts unternommen.“ Daß es Jichri tat, weiß Hachalja nicht.
„Sarezer soll sich zufrieden geben, weil ich keine Klage führte, wozu ich berechtigt war. Das wißt ihr auch, ihr gebt es nur nicht zu.“ Regem-Melech geht erleichtert fort. Wenigstens keine Klage. Sie erfahren aber bald, er, Sarezer, Mijamin und Matuja, daß sie keine Stimme mehr im Rate haben. Die Freunde, die sich um Sacharja sammeln, hören nichts davon; auch haben sie sich um des Geistigen willen abgesondert, sie wollen friedlich leben, jedermann das Seine aufbauen und das Licht über die Materie stellen. Das ist gut. Sie werden es am nächsten Sabbat hören; der Prophet hat des nachts ein weiteres Engelswort gehört.
„Meine Freunde“, beginnt er, „abermals ist es ein schweres Wort des Herrn und betrifft so viele Leute, Städte und auch Israel. Er hat Tyrus, Askalon, Gaza und andere genannt, und unser Juda; denn vieles ist noch auszumerzen. Bei euch nicht, meine Brüder, liebe Schwestern. Ihr sucht des Herzens Gold zu sammeln, nicht das Vergängliche der Welt. Weil noch viele Greuel wider Zebaoth, unserem Höchsten, stehn, also spricht der Herr:
»Ich will das Blut, das sie vergießen, und ihre Greuel nehmen und in den Abgrund werfen, wo alles Materielle einst versinkt. Oh, seid nicht bang, ihr guten Kinder; nicht die Leute werfe Ich hinein, bloß das böse Tun und Treiben (OJ. 20, 14). Ich baute um Mein Haus ein Lager, und um Mein Land die hohe Mauer, damit nie ein Feindliches in sie geraten kann.
Auch heute sage ich: denkt dabei nicht an euer Land, noch an eure Stadt, obwohl aus Güte Ich sie mit bedenke. Nein — Mein EWIG stellte Ich Mir Selbst in Meinen Schutz, und gegen diesen kämpft die Welt vergeblich an! Merket auf: von Meinem Lichtvolk und Licht-Heilig, vom Reich allein ist die Rede. Und da sage ich:
Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel!
Ich will Wagen und Rosse, die Streitbogen wegnehmen von euerem Jerusalem; denn Ich, dieser König, wird Friede stiften unter allen Heiden. Versteht es recht: Wer sich nicht dem Licht ergibt, dem wird das Äußere entwendet; Mein Wort aber geht dann über alle Welt! Ob angenommen, geleugnet oder nicht — Mein königliches Helfer- und Erlösertum bleibt bestehen, weil aus Meiner Ewigkeit, aus Meinem Urraum und der Urzeit geschöpft!
Und wenn es heißt, daß Ich durch‘s Blut des Bundes die Gefangenen aus der Grube hebe, darin kein Wasser fließt, so bedeutet das: Mein Opferblut wird alles einst Verlorene herausheben aus ihrer eigenen Gefangenschaft, in die sie sich hineinbegeben hatten durch die Abkehr Meines Bundes und der Gnade! Das hat euer Volk ertragen müssen siebzig Jahre lang, weil die Abgötterei so groß betrieben ward, daß Mein Gesetz, heilig und so freundlich offenbart, mißachtet und übertreten ward.
Nun habe ich das Judavolk wieder heimgeführt, als Beispiel, daß dereinst der ganze Fall erlöst und heimgebracht werden wird ins ewiglich gegründete Vaterhaus, in das schon besagte Licht-Heilig! Gebt die Offenbarung weiter an das ganze Volk; denn allezeit werde ICH zwiefältig vergelten, je nachdem, wie ein Herz sich umkehren will oder ob es sich verstockt. Denket stets daran, daß ihr bloß ein Beispiel seid, gesetzt für alle Völker, ursächlich für jenes hingefallene Kind und dessen arme Schar.
Mein Licht erscheint über alle Finsternis, weil diese nie ohne Licht existieren kann, und Meine Abrechnung wird sein wie Pfeile. Nur werden sie nicht töten. O nein! Sie zeigen bloß die Richtung an; denn wie ein Wetter, das vom Mittag kommt, wenn der Tag am hellsten ist, so wird Mein Opfer alle treffen, auch wenn sehr viele es nicht merken wollen, weil MEINE Last sie belastet!
Es ist jenes höchste Mahnmal Meiner Tagesliebe, welches Ich Mir Selber setzte. Doch die Auswirkung desselben kommt über alle Welt! Hierbei euer Juda nicht allein gemeint. Denn wie Ich zwiefältig vergelte, das sollt ihr recht erkennen: Meines Lichtes Kinder, die treu geblieben waren und ihre oft nicht leichten Opfergänge gehen, um mit heimzubringen, was verloren war, werden um der Gerechtigkeit willen zweifach belohnt.
Es wird zwar am Abend Meines Schöpfungs-Liebetages, jenem sechsten Tag aus Meiner UR-Ewigkeit in Raum und Zeit, jedem Kind der Taglohngroschen ausgehändigt werden (ua. Mark. 12, 15), einer, weil Ich Ein Gott bin!, doch werden diese Groschen zweierlei Gewichte haben. Darauf kommt es an! Die Heimkehrkinder ernten ihre Freude und den Jubel, den schweren Groschen zu erhalten; die Heimfindlinge, durch alle Mitopfer und durch MEIN Erlösungsopfer heimgeführt, erhalten jenen dennoch hochgesegneten Taglohngroschen, der ein edleres, schwereres Gewicht besitzt.
Denket aber nicht, daß, wenn der Feierabend über alle leuchtend und voll ewigen Frieden kommt, daß Zweierlei hervorgehoben wird. Mein Erlösungs-Opfer gleicht dann alles aus. Jene Kinder, die den Mitopferweg gegangen sind, teilen ihre Gabe aus unter allen denen, die heimzubringen waren.
Ich, der Herr und Vater aller Kinder, werde diesen Ausgleich aus dem Heilsgut Meiner Gnade schaffen; doch wird — von MIR aus Selbst bedacht — dies alsdann längst geschehen sein, bevor es einen Schöpfungsfall gegeben hat. Doch zur Freude Meiner ganzen Kinderschar wird es dann bloß eine Herde geben (Joh. K. 10). Die Kronen der Gesegneten werden glänzen wie Smaragde und Rubine, wie Aquamarin und wie Brillanten.
Das ist dann Meine Ernte von Korn und Wein und allem Wundertun, was aus Meiner Schöpfungsherrlichkeit von UR-Sein einst hervorgegangen war, bevor je ein Kind, auch nicht die Fürsten, zum selbstbewußten Leben kam. Nehmt Meine Offenbarung in euch auf, bewahret sie euch rein, selbst wenn späterhin die Weltlichen es sich zu ihrem armen Weltenglanz verändern werden. Die verlieren ja den Segen Meines Wortes, doch aus Meiner unerhörten Gnade niemals Meine Führung. Ohne diese gäbe es kein Leben zu erhalten!
Es kommt immer Meine Zeit, dann und wann, wie es zum Segen Meines ganzen Schöpfungswerkes nötig ist, daß die Wahrheit wiederkehrt und dann nicht verändert werden kann. Seid darum nicht betrübt, wenn diese Meine Offenbarung von Weltlichen des Volkes auf sich selbst allein bezogen wird. Mein Wort geht nicht unter! Doch das Gebaren dieser armselig Großen zu verwehn, dazu bedarf es keines Hauches, und ist‘s Barmherzigkeit, wenn es verweht.
Seid gesegnet und über euch die anderen mit, die gleichfalls reinen Herzens sind, aber nicht an dieser Stätte weilen. Und der Gnadensegen komme über euch, auch über jene mit, die noch in ihrer Argheit hausen. Laßt eure Liebe walten und vergebt denen, die euch Übles tun; denn auch euch habe Ich vergeben, wie jeder Mensch des nötig hat. Meine Augen wachen über euch, Meine Hände führen euch, Mein Licht bleibt über euch!«
Es trat immer eine gute Stille ein, wenn der Prophet die Bilder oder auch — wie schon geschehen — das Wort Gottes brachte. Heute —? Nach einer langen Weile geht jeder aus der Halle, jeder für sich allein und sind doch vereint durch Gottes Güte.
Jichri, der gerade noch zuletzt gekommen war, bevor das ‚Wort‘ geschah, bleibt vor der Halle stehen. Oh, er möchte auch in sich, wie alle Hörer, das Heilige verwahren und still von dannen gehen; doch es drängt ihn sehr, mit Hachalja und mit dem Prophet zu sprechen. Für ihn bleibt allezeit das Herrliche als Erstes und als Unantastbares tief im Innersten erhalten.
Doch wie gütig und wie liebevoll hat der Herr das äußere Dasein immer mit bedacht, mit dem der Mensch zu leben hat. Mancherlei ist eben zu besprechen, was ausgetragen werden muß. Sie dürfen ja ihr Juda wieder richten, das schwer Erlebte ist zu überwinden; und dazu gehört mit, das Volk zu regieren. Das jedoch steht für Jichri fest: vordringlich ist der GLAUBE wieder aufzurichten; denn allein durch die Kraft des Glaubens kann das nötig Weltliche gerichtet werden und bestehen bleiben.
NEUOFFENBARUNG