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Sacharja – 12. Kapitel

12. Kapitel

Sacharja 12

Sacharja schläft, doch sein Geist ist wach und er sieht den Engel bei sich stehen. Wie sanfter Regen fällt die Freude über ihn. Ein wunderbarer Dialog zwischen einem Lichtgesandten und des Menschen Geist. „Was bringst du heute, was darf ich hören? Wir haben schon so viel an Herrlichem erhalten, und Gottes Güte hört nicht auf.“

„Darin hast du recht und wäre gut, alle Wanderkinder würden es empfinden und anerkennen. Von den andern, den armen Wanderern, kann man es nicht verlangen, obwohl von ihnen, eben aus der Güte Gottes, mancher seine Umkehrgasse fand. Du denkst an Leichtes und an Schweres; doch frage ich: Sind Gottes Offenbarung und Sein Wort nicht immer schwer, weil voll des Segens?“

„Ja, Lichtbruder, wie ich dich nennen darf, Sein Segen wiegt vielleicht so schwer, wie alle Seine Werke unaussprechliches Gewicht besitzen. Ein Mensch könnte das niemals ertragen!“ „Wir vom Licht im Ganzen gleichfalls nicht. Aber was der Vater offenbart, ist von Ihm stets herrlich abgestimmt, auch wenn du — für die Welt — wieder etwas Düsteres bekommst und sagen sollst.

Unter euren kleinen Freunden werdet ihr die Tragfähigen erkennen, denen ihr zu ihrer Seligkeit und Freude mehr verkünden könnt. Sie sammeln sich in diesem Haus und von hier aus sollen dann zur Hilfe aller anderen die Strahlen fließen. Höre, so spricht der Herr, der den Himmel ausbreitet (Jes. 40, 22), also Licht und Segen, die Erde gegründet hat, die Festigkeit Seiner Werke, der den Menschen Seinen Odem (Atma) gab, damit sie geistig lebend würden.

Jetzt baut man Jerusalem und das Land wieder auf, äußerlich, und wäre auch gerecht, wenn — Auf dieses ‚Wenn‘ kommt‘s aber an. Also spricht der Herr: » Ich will Jerusalem zum Taumelbecher machen, weil sie bloß das Materielle sehen und des Lichts nicht achten, daß Ich, wie über alle Völker, auch über Juda ausgegossen habe.

Aber Mein Jerusalem — die Menschen klammern sich an dieses Wort und ist Mein ‚Licht-Heilig‘, die Zentrale Meines Empyreums — habe Ich von Anfang an, da Ich es für Meine Kinder richtete, erhalten, auch wenn die Materiellen, die ihr Heiden nennt und sind unter euch gar viele, die genauso einzustufen sind, sich erheben und streiten wider Licht und Wahrheit Meiner Offenbarungsherrlichkeit!

Ihre Kräfte (Rosse), ihre Taten (Reiter) werden um die Zeit der großen Wende bange sein, und gegen Meinen Willen richten sie nichts aus. Es wird ein Laststein sein, den Ich um Meiner heiligen Stätte willen auf die Völker wie auf jeden Menschen lege, die wider Meinen Namen, gegen Meine Liebe und Erbarmung sind; denn wer sich verhärtet, dem wird Härte widerfahren!

Denke aber nicht, Mein Sohn, der du durch den Engel Meine Worte hörst, Meine Härte sei der Weltenhärte gleich! Nenne Ich, des weltlichen Verständnisses wegen, Juda‘s Fürsten, so sind nicht die irdischen gemeint; sie dienen nur als Beispiel und Entsprechung, wenn Ich auch die Guten stets mit einbeziehe in Mein Licht und Meinen Segen. Es sind die Fürsten Meines Reiches (die sieben Eigenschaftsträger) und Meine Kinderschar, die lieben Kleinen, in deren Hütten Friede und die Eintracht wohnen.

Das weltliche Juda soll sich nicht erheben, sich des Hauses Davids rühmen, wie man einst, wenn Ich als Erlöser komme, Mich dem vergänglichen Königshause zuzuschreiben trachtet. Ich bin, der Ich bin, von Ewigkeiten her, die selbst Meine lieben Großen nicht genau erkennen. Wie also sollte Ich aus einem armen Weltenhause stammen?!

Vergehen werden sie, die wider Mich die Hand erheben. Nenne Ich sie Heiden, so sei gewiß: nicht die im fremden Land geboren sind und Juda gar zu sehr verachtet, sondern die Mich nicht erkennen, Meine Gnade und Mein Wort nicht in die Herzen fließen lassen wollen, das, Sacharja, sind vor Meinem Angesicht die Heiden!

Viele, die nicht vom Hause Juda stammen, werden Mich erkennen, Meine Lehre, und danach tun. Ja, über das Haus Davids, über Juda, will ich einen Geist der Abrechnungen gießen, und ist es Meine Sache, wenn ich diesen Geist in Meine Gnade hülle! Denn hernach, wenn sie ihr falsches Spiel getrieben haben, müssen sie erkennen, wer DER war und ist, den sie — für die Welt — zerstochen haben.

Da werden sie dann klagen im Jerusalem der Welt, wie einst beim Kampf um Hadad-Rimmon, in der verlorenen Schlacht. Ist es für ihren Lebensweg zu spät, werden alle klagen, jedermann für sich und doch alle miteinander und schieben ihre Eigenschuld dem andern zu. Vor MIR aber können sie sich nicht verbergen; denn jedes böse Tun kommt vor Mein Angesicht. Das Gute auch, das zuerst, weil Ich aus Barmherzigkeit mit allem Guten von dem Bösen auszustreichen weiß, wie es zu ihrer Zeit zu ihrem Heil gereichen soll.

Ich verlange von den Menschen, die im Durchgang ihres Lebens sind, es nicht, daß sie das Tiefste aller Offenbarungen erfassen. Aber Liebe, Treue, Glaube und Hilfsbereitschaft gegen jedermann, das erwarte Ich um aller Güte willen, die die Kinder überfließt. Auch damit rechnet Meine Güte nicht, wenn ein Armer noch sein Letztes opfert. Ein Scherflein freut Mich mehr (Mark. 12, 42) als eine große Gabe, mit der man prahlt. Letztere gilt bei Mir nichts!

Ich sehe stets auf‘s Herz, auf das Gemüt, wie da zu Mir die Seele findet, sich Meiner Obhut anvertraut und sich führen läßt, selbst wenn des Lebens Weltenweg oft schwer und bitter ist. Meine treuen Wanderkinder können dies verspüren, was sie mit ihrem Beihilfsweg erreichen. Auch das kleinste Mitopfer, wird es dargebracht, ohne sich damit zu schmücken, schreibe ich groß an. Immer aber gilt bei allem ein bereitwilliges Herz und das unbedingte Glaubenswissen: ICH bin der Geber aller Gaben, auch wenn Ich sie durch Kinder auszuteilen weiß!

Wer in echter Demut, die heilsgesegnete Hingabe sieht, bedenkt, daß all sein Tun und Wirken dann erst echte Hilfe ist, wenn der Mensch erkennt: von MIR gekommen, von MIR gesegnet, dann wird er selbst den Anteil eines Himmelssegens haben — schon auf der Welt! Nun sei es genug. Du, Mein Sohn, wirst Meine Worte wiedergeben und wirst beim Schweren zusätzlich bekommen, was für Meine Kinder vorgesehen, für sie dienlich ist. Sei gesegnet und sei stark! «

Am Morgen wacht Sacharja auf, als hätte er des nachts gar nicht geschlafen. Derart offen steht das ganze Wunderbild vor ihm, als könne er gleich jetzt die ganze Gottesrede wörtlich wiederholen. Jichri und Hachalja sehen ihm beim Frühmahl an, daß er wieder Herrliches bekommen hat. Und dürfen Anteil daran haben. Sehr gern ruft man Hortysa mit herbei, als Sacharja Gottes Wort verkünden will. Sie sitzt so bescheiden in des Raumes Winkel, daß Jichri sie zum Tische holt, an dem die Freunde sitzen.

„Denkst du denn“, sagt er, „du giltst weniger vor dem Herrn, weil noch immer Frauen weniger oft gar nicht beachtet werden? Zu was hat der Schöpfervater sich die Söhne und die Töchter auferweckt (1. Mo. 1, 27)? Gerade dein Bescheidensein sieht Gott sehr groß an, uns aber nicht, würden wir dich jetzt im Winkel sitzen lassen!“ „Ganz meine Meinung!“ Hachalja zieht, mit Jichri vereint, die sich Sträubende an den Tisch. Sie lispelt:

„Gott hat die Söhne zu Propheten ausersehen und das ist richtig. Aber freuen tu ich mich, mithören dürfen.“ Sacharja lacht: „Hortysa, das Richtig-Tun stimmt beim Schöpfer ganz genau! Doch denke ich an manche Frauen unseres Volkes: Sara, Ruth und andere, an die Richterin Debora. Kein Mann konnte das zerstörte Volk aus Jabins widerlichen Händen retten als sie, die Frau (Ri. K. 4 u. 5).

Sie hatte Recht gesprochen und selbst der erste Fürst, er hieß Jizri, fast wie du“, wendet sich Sacharja Jichri zu, „unterstellte sich ihrem weisheitsvollen Tun. Bei groß und klein war sie hoch angeschrieben.“ „Das glaube ich“, sagt Hortysa, „aber das ist ja was anderes. Wenn Gott aus Seinem für uns unbekannten Rat einer Frau die erste Stelle gibt; ich dagegen . . .“ „Wir wollen nicht erörtern, was so oder anders wäre; wir wollen Gottes Worte hören. Sprich, Sacharja, mein Herz ist schon geöffnet“, sagt Hachalja.

Nachdem der Prophet das ganze hohe Bild, Wort für Wort, verkündet hat und ist selbst zutiefst erstaunt, wie alles aus ihm fließt, wie er in der Nacht vernahm, da kniet er am Ende nieder, hebt die Hände hoch und betet an:

„Herr mein Gott, welche unsagbare Liebe hast Du uns geschenkt. Es ist pure Gnade, daß wir aus Deiner Herrlichkeit so viel vernehmen dürfen und darf ich sagen: Gnade um Gnade ist es ganz allein (Joh. 1, 16), unaussprechlich hehre Fülle! Wie mußt Du Deine Kinder lieben! Nimm unsern Dank in Deine lieben Vaterhände und sieh unser Weniges in Güte an, was wir Dir bringen können.“

In diesen Dank stimmen Jichri, Hachalja und Hortysa mit ein. Die alte Frau geht leise aus dem Raum: niemand sieht den Tränenstrom, der aus ihren Augen quillt. Auch die Männer wischen sich verstohlen über ihre Augen. Nach längerer Weile, als ihre Herzen wieder etwas ruhig werden, sagt Jichri und er meint es gut:

„Ob unsere Silo-Freunde dieses Lichtwort ganz verstehen werden? Bedenkt: ihrer viele — durch die lange Zeit in Babylon — besitzen den Kontakt zum Glauben nicht mehr voll. Ich gönne ihnen jedes Wort, nur . . .“ „Wir haben es gehört“, fällt Hachaija ein, „der Herr sagte ja: Du, Mein Sohn, wirst Meine Worte wiedergeben und wirst beim Schweren zusätzlich bekommen, was für Meine Kinder vorgesehen, für sie dienlich ist!‘ Lassen wir uns also führen und wollen es bedenken: Auch wir gehören mit zur großen Schar der lieben Kleinen, auf die des Vaters Liebe und Sein Segen fällt.“

„Bin danebengetappt“, bekennt Jichri offen. „Armselig ist der Mensch oft im Bedenken. Gott aber weiß, wie ich es meinte.“ „Gut“, bestätigt der Prophet. „Eigene Unzulänglichkeit erkennen, ist eine feste Sprosse an der Himmelsleiter. Laßt uns rüsten; ich meine, es wäre gut, wir würden einen Tag zuvor in Silo sein. Mir ist so, als würden wir gebraucht.“ „Ich befürchte auch, daß man gegen unsere Freunde etwas unternimmt“, sagt Hachalja. „Sollen sich nur nichts getrauen“, zürnt Jichri, der so viele Machenschaften kennt, noch von Babylonien her, und geben Arge jetzt noch keine Ruhe. „Ein Glück, daß das Volk im Ganzen brav geworden ist.“

„Glück?“ fragt Sacharja. „Wir können es so nennen, aber richtig ist es Gottes Segen, der uns allewege hilft.“ „So meinte ich‘s, man verwendet oft ein falsches Wort“, bekennt der Fürst. „Das schadet nichts“, beschwichtigt der Prophet, „es kommt immer auf die Herzgedanken an.“ „Gehn wir schon morgen früh“, fragt Hachalja, „und wie ist‘s mit Hortysa? An sich hat sie alles schon gehört und der Weg macht ihr auch Mühe, trotz Karren.“

„Wir lassen sie zu Hause; wir werden ohnehin den Frauen helfen müssen, den Männern ebenso.“ „Lasset uns getrost in Gottes Namen gehen“, sagt Sacharja, „vielleicht wird es nicht so schwer, wie ich es erst verspürte.“ „Schade, daß der Älteste Romaseth sich nicht zu uns bekannte. An sich ist er ein guter offener Mensch, auch hat er im Rat die erste Stimme. Nur hörte er auf manches Widerwort, was gegen dich gesprochen ward.“ Jichri legt Sacharja eine Hand auf dessen Schulter.

„Unser Herrgott wird es führen“, entgegnet der Prophet. „Gut ist, wenn du ihn so dann und wann ein wenig rüttelst. Er kann eher kommen, als wir wähnen.“ Die Männer bereiten für den anderen Tag den Weg nach Silo vor; es muß auch im Haus gar manches angeordnet werden. Hachalja trifft Hortysa und fragt:

„Wie ist‘s? Willst du morgen mit uns gehen? Wir werden aber diesmal ein paar Tage bleiben.“ Hachalja hat sie ungern ausgeschaltet. „Diesmal nicht“, sagt die Alte freundlich. „Tagelang will ich die Enkel nicht alleine lassen. Und auf unsere Magd muß ich auch ein bißchen sehen, sie muß halt noch manches lernen.“ „Dann ist es gut!“ „Ich hatte ja auch schon den Segen, Gottes Wort zu hören und obendrein mit zuerst.“ „Bist ein braves Fraule.“ Hachalja streichelt ihre welken Wangen.

Anderntags wird sehr bald aufgebrochen; noch hat die Sonne nicht den Lauf begonnen und kühle Nebelschwaden liegen überm Land. Doch kommen sie sehr rüstig vorwärts und sind in Silo gegen Mittag eingetroffen. Haben allerdings unterwegs keine Rast gehalten. Viele Freunde kommen eilig und begrüßen sie sehr herzlich. Keiner von den Siloern weiß, was der Abend bringt, bis auf vier Männer.

Ohne Absprache treffen nahe an der Nacht Jichri, Hachalja, Kadmiel und Sebana an der Halle aufeinander. Jeder fragt den andern: „Was ist? Warum bist du hier?“ Sagt Sebana, der nach seiner Umkehr fest zum Worte Gottes steht, auch durch Sacharja: „Ist zwar nicht besonders recht, weil ich am Haus des Matuja die Ohren spitzte; wird mir Gott verzeihen; denn dadurch wird ein großes Übel abgebogen. Wartet ab, bald kommen zwei Gedingte, die nun ahnungslos in eine Falle gehen. Habe noch den Hasabar und Kofar aufgerufen, die werden auch bald kommen.“

„Sage uns, was man Widerliches vorgesehen hat“, fordert Jichri auf. „Heute sollen die Gedingten erst mal forschen, wo sie morgen, wenn die Halle voller Menschen ist, Matujas Untat auszuführen hätten . . .“ „. . . wozu sie nicht mehr kommen werden“, fällt Hachalja ein. Im Schatten einiger Bäume nahe bei der Halle bleiben die vier Männer stehen, schweigend.

Erst nahen sich zwei Schatten, die man bald als Siloer erkennt. Kadmiel ruft sie leise an und sie kommen in den Bäumeschatten. „Sie kommen bald“, flüstert Hasabar, „ich komm‘ vom Haus des Matuja, wo sie von Mijamin ein Geld erhalten haben. Verbrecherlohn!“ „Still“, warnt Jichri und denkt: ‚Gut, daß Sacharja nicht zugegen ist, ihn würde dieses Schurkenstück zu sehr belasten.“

Jetzt nahen noch zwei Schatten, tief gebückt und schleichend wie Schakale tun. Sie gehen um die Halle und kommen wieder vor zum Tor. „Hier müssen wir das Feuer legen, da kommt so leicht keiner mehr heraus. Ha, der Erbauer“, er meint Hachalja, „hat zu fest gebaut. War gestern auch mal drinnen und hab‘ mir alles angesehen. Das Holz ist trocken, aber ohne Werkzeug lassen sich die Wände nicht zertrümmern. Jedenfalls breiten sich die Flammen so schnell aus, bevor einer sich besinnt. Morgen, wenn der Komische (Sacharja gemeint) seine Rede hält. Da achtet keiner auf die Tür. Hat gut bezahlt, der Matuja; aber schröpfen werden wir ihn noch, sonst werden wir verraten, wer den Anschlag ausgeklügelt hat.“

Die Schurken wollen sich verdrücken, als sie plötzlich von sechs Männern umgeben sind, von denen drei jeweils einen halten. Sie sind zu sehr überrascht, als daß sie flüchten könnten. „Da haben wir die Vögel“, lacht Kadmiel grimmig. „Gut, daß der Kerker stehen blieb, die Stadt aber ganz darniederlag. Da bringen wir sie hin, Hasabar und ich werden wachen.“ „Ich reite sofort nach Jerusalem“, sagt Jichri, „und aus Matujas Stall hole ich mir einen Gaul.“

„Dem schadet‘s nichts, wenn du einen nimmst.“ „Unbesorgt, Kofar, er bekommt ihn wieder. An diesem Mann . . .“ mache ich mir meine Hand nicht schmutzig, geht der Gedanke Jichris weiter. Es geht alles rasch; die Gedingten zetern: „Das haben wir uns nicht erdacht, da müßt ihr . . .“ „Seid still“, warnt Hachalja. „Es bleibt sich gleich, wer das angezettelt hat und wer es mit Verräterlohn ausführen will.“ Die beiden Burschen werden fortgebracht. Kadmiel und Hasabar lassen sie sich nicht entwischen.

Indessen hat Jichri sich ein schnelles Pferd geholt, er kennt sich bei den Rössern aus und stiebt davon. Er kommt gar nicht weit, als ihm drei Reiter, aus Richtung Jerusalem, entgegengaloppieren. Er verhält sein Pferd. Ist das die Möglichkeit? Der vorneweg, das ist Romaseth, zwei Älteste im Gefolge. Auch sie parieren ihre Tiere durch und springen aus den Sätteln. Ohne weitere Begrüßung fragt Romaseth: „Fürst, wolltest du zu uns? Und warum? Scheinst in Eile reiten.“ „Das wohl!“ Noch geht der Zorn über jenes Schurkenstück mit ihm durch und ist sonst ruhigen Gemüts. „Du ahnst nicht, was in Silo morgen Abend werden sollte!“

„Hm, genau weiß ich es nicht. Es kam ein schneller Reiter, ein junger netter Mann, der die Kunde brachte, in Silo ginge es ganz schrecklich zu. Deshalb machte ich mich selber sofort auf den Weg. Hängt es mit dem ominösen Seher, dem Sacharja zusammen?“ „Ja.“ Doch ehe Jichri alles sagen kann, meint Romaseth: „Hab‘ es mir gedacht; da ist der Rest des Weges zu sparen.“ Jichri fällt ihm in die Zügel, als der Jerusalemer sich schon wenden will.

„Bist der erste Älteste und willst von mir, dem Fürsten, nicht erst hören, um was es geht?“ Jetzt ist Jichri wirklich zornig und hatte sich durch Gottes Gnadenworte vorgenommen, seinen Zorn zu zügeln. „So sprich“, sagt Romaseth, „mir sagst du nicht nach, daß ich dich stehen lasse, ohne anzuhören.“

Jichri berichtet, was Matuja sich erdachte, von Mijamin, Sarezer und Regem-Melech unterstützt, Sarezer auch die Burschen fand, die Hunderte von Menschen qualvoll sterben lassen sollten. Als ob nach siebzig Jahren in der Fremde nicht genug des Unheils war. Die Jerusalemer sind entsetzt. „Das soll. . .“ Der eine Älteste, namens Bebai, findet keine Worte, um sein Grauen auszusprechen.

„Wenn die Gedingten uns verraten, wer den Auftrag gab, dann sind sie geliefert. Da gilt Matujas aufgesetzte Ehre nichts, und selbst Mijamin kann keine Gnade haben. Keiner, der dazu gehört!“ Romaseth ist sich zwar noch nicht ganz schlüssig, ob er der Geschichte Glauben schenken soll; doch des Fürsten Wort — —

„Auf, nach Silo“, sagt er hastig, „wenn nötig, halte ich daselbst Gericht.“ „Gibt es nicht schon die Bestimmung, daß zunächst bloß in Jerusalem gerichtet werden darf?“ Jichri will den Silo-Freunden es ersparen, daß sie nachträglich noch geängstigt werden. „Natürlich“, bestätigt Romaseth, „offen werde ich nicht reden, werde bloß die Rädelsführer freundlich bitten, zur Besprechung nach Jerusalem zu kommen. „Folgen sie, geht es ohne ab, dem Volk den Schrecken einzujagen; wenn nicht, läßt sich Öffentliches nicht vermeiden.“

Jichri bringt zuerst das Pferd in seinen Stall, während jetzt Sacharja, der bei Hirma weilte, Hachalja, Kadmiel und Sebana vor der Halle warten, wohin Sacharja zuerst gegangen war. Erstaunt sind sie alle, Romaseth und zwei weitere Älteste anzutreffen. „Sie haben sich vielleicht verfehlt“, meint Kadmiel. Sacharja verneint, er hat ‚gesehen‘, was vorgegangen war. Auch kommt Jichri eilends her. Auf jeden Fall will er versuchen, einen Aufruhr zu vermeiden. Er sagt auch gleich, als Romaseth fragt, was nun zu beginnen wäre.

„Laßt uns in den Kerker gehen und die Burschen erst verhören, so läßt sich das Schwere leicht beseitigen.“ Er deutet Matuja und dessen Freunde an. Man stimmt allseits zu, obwohl Hachalja lieber gleich die Bösewichte vorgenommen hätte, die das Schlimme angezettelt haben. Es macht Romaseth keine große Mühe, den Burschen alles zu entlocken, zumal man ihr Gerede vor der Halle hörte.

„Wer hat den Plan erdacht und euch das Geld gegeben?“ fragt Romaseth sehr scharf, dabei bedenkend, daß die jungen Burschen verführt, angestiftet worden sind. Immerhin — es sind Zwanzigjährige, also selbst verantwortlich für das, was ihnen aufgetragen worden war. Sie konnten ja verneinen; doch das Geld hat sie verlockt.

„Gehen wir zuerst zu Mijamin.“ Als alle, außer Sacharja, bei ihm an die Türe klopfen und er — ahnungslos — auch öffnet, prallt er zurück. Was will ein Romaseth, was die anderen bei ihm? Er hat keine Ahnung, die drei Argen gleichfalls nicht, daß ihr übler Plan zunichte ward — durch Gottes unbekanntem Segen.

Bei Matuja hält sich Romaseth zurück, weil dieser ganz zerbrochen auf dem Lager liegt. „Bei dir hat Gott selber das Gericht gehalten; doch du, Mijamin“, man hat ihn mitgenommen, „Regem-Melech und Sarezer, ihr kommt vor unser Ältestengericht. Sage nicht, ihr gehörtet selbst dazu. Wenn ja, müßte ich mich schämen, der erste Älteste zu sein! Euer Anrecht war euch schon genommen worden; es liegt nicht an mir allein, welche Strafe euch betrifft. Was ihr erdachtet und ausführen lassen wolltet, schreit gen Himmel! Kommt ihr freiwillig nach Jerusalem, will ich versuchen, das Strafmaß abzumildern, weil die Untat nicht geschehen ist.“

Nach wenigen Tagen, vorausgesagt, zeigt es sich, daß die drei mit ihrem Hab und Gut, soweit möglich, sich nach Syrien verzogen haben. „Auch gut“, sagt Romaseth im Rat, als man es erfährt, so bleibt das Volk unbelastet. Doch an dem Tag muß Romaseth seine Meinung über den Propheten andern. Erst, als er ihn begrüßt, denkt er: ‚Der ist noch viel zu jung, um Prophet zu sein und vergißt, daß Samuel schon als Knabe Gottes Seher war.

Sehr beeindruckt die Jerusalemer die Andacht in der Halle, zumal als Sacharja Gottes Worte wiedergeben kann (5. 98, 5 – 100, 3), nur das Schwerste abgeschwächt. Doch zum Schluß klingt seine Stimme anders, wie von weither und so herzensnah, daß selbst ein Romaseth sich niederneigt. Er hätte sowas nie gedacht. GOTT muß es sein! Auch hier vergißt er abermals, daß Daniel sehr oft ‚wie Gott‘ gesprochen hat.

» Meine Kinder auf der Welt“, läutet eine wundersame Stimme, „hört Meine Worte an, die euch Kraft und Segen bringen. Achtet auch, daß Ich ‚auf der Welt‘ sagte, nicht von ihr. Denn die ihr gläubig hier versammelt seid, unter Meinem Schutz und Schirm“, den engeren Freunden fährt es durchs Gemüt: Wie recht hat der Herr, das bittere Unheil hat ER abgewendet, „habt euch eurem Gott, der euer Vater ist, wieder zugekehrt. Ich schicke immer Meine Boten, wenn es nötig ist, um die Menschen zur Erlösung anzuleiten, zu rufen an den Ort, der für jedes Kind der Beste ist: das Vaterhaus!

Glaubt nicht, daß Ich damit bloß den Himmel meine, von dem ihr denkt, da wäre ja des Vaters Haus. Das auch; doch wo Ich und Meine Worte aufgenommen werden, da bin ICH und also auch die Stätte, ewig allen Kindern zubedacht. So habt ihr jetzt den Himmel unter euch, währenddes die Hölle sich verkriechen mußte und ihre Sühne haben wird, ohne welche keine Abrechnung erfolgt. Erst nach dieser ist die Tür zum Vaterhaus geöffnet.

Die meisten unter euch haben nicht gefragt, welchen Knecht Ich sende, sondern euch gefreut, daß Meine Offenbarung zu euch kam. Einige müssen es noch lernen, nicht unbedingt zu fragen, was und wie Ich etwas vorgesehen habe. Wohl sind sie guten Herzens und Ich sehe ihren Glauben an. Auch merke Ich es vor, zu euerem Heil, sowie zu euerer Entlastung, daß schwere Jahre über euch gekommen sind, und vieles aufzubauen, mehr aber auszumerzen ist; denn das letzte Übel hat es euch gezeigt, wie vieles noch am Lichtweg fehlt.

Ich wiege beides aus, die Mühe und auch das Versagen, und seid gewiß; Meine Ordnungswaage wiegt gerecht! Wenn darüber Ich die Gnade breite, verbunden mit der herzlichen Erbarmung, so könnt ihr weiterhin getrost und gläubig sein: Ich breite Meine Hände über euch! Gehet hin in Frieden, haltet euch an Meinen Worten fest und denkt stets daran: Gott sieht alles! «

Es ist keiner unter allen Leuten, der nicht dankbar seine Hände faltet und innerlich hinauf zum Himmel schaut. Ja, er ist ihnen nah gerückt, beinah so, wie Nachbar neben Nachbar sitzt. Tief beeindruckt sind besonders Romaseth, Bebai und der dritte Älteste, Asrah. Die letzte Mahnung von den etlichen, die noch lernen müßten, haben alle drei auf sich bezogen. Sie kamen ja mit Vorbehalten an; und was blieb davon übrig? Nichts! Alles ist wie weggewischt und merken es, daß Sacharja vorgesehen ist, um den guten Glauben wieder neu zu machen — für die Menschen.

Darüber hat Romaseth die Übeltat vergessen; sein Herz ist so froh geworden. Er drückt stumm des Sehers Hände, sieht ihm in die Augen und ist ein Dank, der dem Höchsten gilt. Genauso handeln Bebai und Asrah. Trotz Einladung Hachaljas sagt Romaseth: „Sieh es bitte nach, daß ich jetzt nicht kommen kann; ich muß das, was mir plötzlich heilig ward, erst überdenken. Bald kehren wir“, er zeigt auf Bebai und Asrah, „bei dir ein. Wir möchten mehr von all dem Herrlichen erfahren, was Gott uns in dieser schweren Zeit bereitet hat.“

„Ist recht“, nickt Hachalja. „Unter uns geht‘s jedem so, sich ins Kämmerlein zurückzuziehen (Matt. 6, 6), da nimmt man die Herrlichkeit am besten auf. Überdies, wenn ihr wollt: wir haben alle Bilder aufgeschrieben, dazu die Worte, die Sacharja meist des nachts bekam. Kostbarkeiten werdet ihr erfahren.“ „Ob man Gottes Worte nicht im ganzen Land verkünden sollte?“

„Das wünschten wir uns auch“, sagt Jichri. Leise Trauer schwingt in seiner Stimme. „Es kommt alles an den Tag.“ Sacharja spricht es so bestimmt, daß man es gern bestätigt. „Alles, was Gott offenbart, jetzt uns auf unserer kleinen Welt, das geht durch Sein unendliches Licht-Heilig, dringt durch alle Seine Werke, und nicht nur wir sind Hörer Seines Wortes. Wir brauchen nicht zu wissen, wie, wann und wo Er Seine Herrlichkeiten fließen läßt. Bloß danken sollen wir und glauben.“ Da drückt man dem Propheten nochmals seine Hände.

Asrah erinnert an die Burschen, die im Kerker sitzen. „Wir nehmen sie mit nach Jerusalem. Da wir beritten sind, geht es nicht anders, als sie an unsere Sättel festzubinden. Brauchen wir halt lange Zeit bis nach Hause.“ Romaseth tut es nicht sehr gern, doch anders ist‘s nicht möglich, sie mitzunehmen. „In Silo freizulassen — ? Das geht nicht.“ Hachalja lacht: „Den Burschen schadet‘s nicht, wenn sie gehen müssen, da büßen sie schon etwas von der Strafe ab.“ Romaseth zieht sein Gesicht ein wenig schief.

„Sie sind die Verführten, so will ich sehen, daß ich sie in eine Arbeit bringe. Etwa lassen sie sich noch erziehen.“ „Dir wird es gelingen“, bestätigt es Sacharja. „Kommt unter Gottes Segen wieder wohlbehalten heim.

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