Joh. Kap. 2 – Wille
WILLE
‚Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern.‘
Ps.40,9
Die Hochzeit zu Kana. Bei ihr wird die zweite Eigenschaft, der WILLE offenbart. Erwiderung: ‚Da waltete die Liebe; Jesu half den Leuten!‘, ist der Weg sehr leicht gemacht und läßt nichts anderes erkennen. Wenn nun ‚in Ihm die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte‘, so müssen auch in Seinem ganzen Wesen alle Eigenschaften wirken. Allein — jeweils tritt ja eine Eigenschaft besonders auf den Plan. Hier der Wille!
Maria hat aus Liebe auf das Fehlen des Weines hingewiesen. Dabei zeigt es sich, daß die Liebe ohne andere Eigenschaften doch recht mangelhaft erscheint. Maria wußte nicht, daß Jesu Selbst die leeren Krüge sieht, auch aus der Ferne; und sie ahnte nicht, daß der Herr absichtlich wartet. Daher ist es trotz der guten Liebe falsch, ihn aufmerksam zu machen.
Der Herr verweist sie auch, daß ‚Seine Stunde noch nicht gekommen sei‘ (V.4). Und nicht die Liebe sagt: ‚Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?‘ Der Herr weiß, daß der Brautvater sparen will; und so ist es gut, diesen durch das Warten zu ermahnen. Das geschieht in der Fortsetzung der Schöpfer auf welche nun der Wille für die Werke in Erscheinung tritt: der Herr hilft — durch ein Wunder, kraft Seines Willens! Der Wille wird also nicht durch die Liebe, sondern diese durch den Willen offenbart.
In der Gottheits-Fülle übersieht der Herr das Ganze. Als Maria sich in Demut unter das scheinbar harte Wort beugt, der Brautvater keinen Geiz mehr hat, erfolgt das Wunder. Der Heiland läßt sich nicht von der in Maria symbolisierten Liebe verleiten, vorzeitig Seinen Willen kundzutun. Der UR-Wille weiß am besten, wie sich der Gedanke und das Wort zur Tat gestalten lassen (V.7-11).
Noch deutlicher tritt der Wille bei der Tempelreinigung zutage. Gottes Zorn entbrennt, als Er des Tempels Greuel sieht (V.13,14). Da steht die Heilandsliebe ganz zurück; die Heiligkeit schwingt ihre Geißel (V.15). Eigenartig mutet an, daß Er die Krämer und die Wechsler nicht verschont; aber jene mit den Tauben weist Er ohne Strafe fort. Wer erkennt hier nicht den heilsgewohnten Willen, der jeden nach dem Maße einer Übertretung in die Schranken weist?, die einen durch das Wort, die andern durch die Tat — die Geißel —?
Sein WORT für alle Taubenkrämer war die Geißel, der unschuldigen Tiere wegen in Nachsicht und Geduld geschwungen. Johannes schreibt bei dieser Szene wahr: ‚Der Eifer um Dein Haus hat mich gefressen!‘ (V.17) Galt das dem Tempel, auf dem ‚kein Stein auf dem andern liegenbleiben würde‘ (Matt.24,2)? Ach nein, es galt und gilt den Kinderherzen, dem ‚Haus der Wahrheit und der Reinheit‘! Denn: ‚Ich bin ein eifriger Gott!‘ (2.Mo.20,5)
Dieser Gottes-Eifer ist der hehre Wille, der als äußeres Symbol den Tempel zu Jerusalem gereinigt hat. Da gibt auch die Liebe ihren vollgerechten Teil hinzu. Die Weltkrämer müssen es erkennen, daß sie auf dem ‚Geistgebiet‘ nicht handeln können wie sie wollen; eine für sie schmerzliche, jedoch heilsame Erziehung.
Aber nicht bloß das: Der Herr ordnet so das Heiligtum. Er stellt die Ordnung wieder her. Was nicht hineingehört, treibt Er hinaus kraft Seines Willens. Auch die Weisheit wirkt schon mit, indem die Taubenkrämer bloß hinausgewiesen werden. Und welch ein heilig-hoher Ernst prägt sich in dieser Szene aus.
Wie erhaben ging der Heiland durch das Haus, ernst Sein Blick, schwer Sein Wort, unmißverständlich Seine Tat! Im Zepter lag auch die Geduld; denn die ‚Fülle Seiner Gottheit, der Gewalt‘, — konnte sie den Tempel wegen dessen Unreinheit nicht gleich zerstören? Oh, die Barmherzigkeit zügelt trotz Berechtigung den Zorn. Gott kennt ja, ‚was für ein Gemächte die Menschen sind‘ (Ps.103,14)
Allein, an dieser Stelle steht der hehre Wille auf dem Vorfeld des Geschehens, weil er in der UR-Gottheit als erste Eigenschaft regiert, aber mit der Ordnung das Prinzip des SCHÖPFERS ist, die erste UR-Herzkammer. Natürlich wäre einzuwenden, daß die Bibel so und auch anders auszulegen ist. Wer jedoch aus Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel auch Gedanke, Wort, Tat und Folge aus der UR-Gottheit erkennt, soweit die Menschen das vermögen, der nimmt es wahr, in welcher Herrlichkeit das Leben JESU sich enthüllt — für die Kinder und die Schöpfung in drei Lehramtsjahren dreimal alle sieben Eigenschaften.
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