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Joh. Kap. 20 – Liebe

Joh. Kap. 20 – Liebe

LIEBE

‚Daran ist erschienen die Liebe Gottes.‘

1.Joh.4,9

Der Herr ist auferstanden, Er ist wahrhaftig auferstanden! jubeln alle Gläubigen an jedem Ostermorgen. Die Liebe fordert viel, weil Gott mit ihr auch alles gibt: Das Bedecken Seiner Herrlichkeit, das Kommen auf die Welt, das Opfer und das Kreuz! Wie dürfte sie nicht alles fordern? Freilich kann der Mensch sich nicht vermessen, das zu geben, was der Heiland gab: Sich Selbst! Aber ‚Selig sind, die Seine Gebote halten, auf daß sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt‘ (OJ.22,14) LICHT-HEILIG.

Außerhalb von Jerusalem hat der Herr Sein Kelchgebet gesprochen, außerhalb ist Er gekreuzigt und begraben worden. Wer das miterleben will, muß dem Herzen nach die Welt verlassen und sich hinaus in Seine Herrlichkeit begeben. Das tut Maria Magdalena, jene Frau, die man als Sünderin bezeichnet, ohne Ahnung, wie ihr Lebensweg gewesen ist, und weil man — auch so gern — vom andern alles Böse glaubt.

‚Am ersten Tag der Woche kommt Maria Magdalena früh, da es noch finster war, zum Grab und sieht, daß der Stein vom Grab hinweg war‘ (V.1). Als es noch finster war, als die Jünger noch im Dunkel ihres Leides sich verstecken. Eine Frau, nicht achtend der Gefahr. Die Wächter konnten sie verhaften; und schon einmal in des Hohen Rates Rachen, wäre sie nur durch ein zweites Wunder wieder freigekommen. Doch ihr Weg ist lichtgelenkt.

Sie erschrickt, als sie die leere Kammer sieht. Wo ist denn der Herr? Ihr Herz zieht sich zusammen, sie läuft, so rasch es geht, zurück zur Stadt. Sie kennt den Unterschlupf der Jünger. Eben sind bloß Petrus und Johannes da, der jüngste, den der Heiland liebt. Außer sich ruft sie: ‚Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab und wir wissen nicht, wo sie Ihn hingelegt haben‘ (V.2).

Ängstlich machen sich die beiden mit Maria Magdalena auf den Weg. Nicht, weil Johannes jünger ist als Petrus und deshalb schneller gehen kann, nein — es ist ein Zeichen: Die LIEBE eilt voraus, wie URs hehre Liebe als der HEILAND auf die Erde kam.

Johannes schaut ins Grab. Die Liebe braucht nicht erst hinein zu gehen, weil sie als HEILAND schon erstanden ist für die Welt — für die Menschen für die ganze Finsternis. Petrus geht hinein; er ist im Augenblick dem Äußeren verhaftet, während Magdalena auch mit draußen stehen bleibt. Gleichfalls ein Symbol, daß das Schweißtuch extra liegt. Mit dem Linnen war der Leib bedeckt, das Körperliche; das Schweißtuch ist mit Jesu Opfer-Blut getränkt. Man soll inne werden, was das zu bedeuten hat (V.3-8).

Nun das Sonderbare: Die Jünger wußten es noch nicht, daß und wie sich alle Schrift erfüllen sollte. Sie waren schlichte Leute, die die Tempelschriften wenig kannten (V.9). Warum jedoch wenden sie sich wieder ab und gehen fort? Ach, was sollen sie an diesem leeren Grab! Ob sie vielleicht die Sache einem ihrer Römerfreunde melden können? Zur Zeit ist aber keiner in der Stadt. Auch dieses hat sie sehr bedrückt.

‚Maria aber stand vor dem Grabe und weinte draußen‘ — in der Armseligkeit der Welt. — Nochmals blickt sie in die Höhle, ‚und sieht zwei Engel in weißen Kleidern sitzen, einen zu den Häupten und den andern zu den Füßen, da sie den Leichnam Jesu hin gelegt hatten‘ (V.11,12). Weshalb sehn die Jünger nicht die Engel? Das bedeutet nicht, daß sie noch nicht reif gewesen wären, auch nicht, ob Maria über sie erhoben werden soll. Immerhin — sie bleibt an der Stätte, sie wartet auf das ihr noch unbekannte Osterwunder.

Sie hat den Meister so geliebt! Und nun — ? Ein neuer Tränensturz. Da sagt ein Engel: ‚Weib, was weinest du?‘ ‚Ach, sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie Ihn hin gelegt haben‘ (V.13). Meinen Herrn! Ihre Liebe wird gesegnet. Denn als sie sich nun wieder wendet, ratlos, wohin, da sieht sie Jesu stehen, erkennt Ihn aber nicht. O ja — der Menschkörper ist vergangen, GOTT steht da, für die Menschen noch in deren Form.

‚Weib, was weinest du? Wen suchst du?‘ Es wird der Gärtner sein, denkt sie und jetzt wundert sie sich, daß die Legionäre nicht mehr wachen. ‚Herr, hast du Ihn weggetragen, so sage mir, wo hast du Ihn hin gelegt, so will ich Ihn holen‘ (V.15). Sie, die Schwache, denkt nicht daran, daß sie allein die Leiche gar nicht tragen könnte, daß man es verhindern und sie obendrein verhaften würde. Nein — ihre Liebe brennt so sehr, daß alles Denken und Besinnen ausgeschaltet sind. Bloß ‚ihr Herr‘ beherrscht das Herz.

Da — ein wundersamer Laut, ein Ruf: ‚Maria!‘ Ihr Name, ‚Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist Mein‘ (Jes.43,1). Sie fährt herum. Oh, die Stimme ihres Herrn! Sie fragt nicht, ob es möglich wäre, wundert sich auch nicht — sie glaubt und liebt! ‚Rabbuni!‘ (V.16). Sie will nach Seinen Händen greifen — — ‚Rühre Mich nicht an! denn Ich bin noch nicht aufgefahren zu Meinem Vater. Gehe aber hin zu Meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu Meinem Vater und zu eurem Vater, zu Meinem Gott und zu eurem Gott‘ (V.17). Bei dem ‚rühre Mich nicht an‘ heißt es, sie war noch sündig, darum durfte sie es nicht. Wenn das, so hätte sie Ihm nicht zuerst begegnen können. Dieses Vorrecht wäre falsch.

Bloß eben jetzt, als der Heiland aus der Hölle kommt, wo Er aus Seinem heiligen VOLLBRACHT Sein Schöpfungskind zur Umkehr leitete, wo Er völlig GOTT gewesen ist, da soll die Frau Ihn nicht berühren — zu ihrem Heil und Segen. Noch ist es die Erscheinung‘, die sie sieht; erst später will der Herr Sich den Getreuen zeigen wie, als noch der Nazarener. Darum dieses ‚rühre Mich nicht an‘!

‚Aufgefahren zu Meinem Vater und zu eurem Vater, zu Meinem Gott und zu eurem Gott‘ ist sinnfällig noch sehr zugedeckt. Er ist selbst der eine Gott, doch für die Treuen ist die letzte Hülle noch nicht abzutun. So spricht Er noch als ‚Menschensohn‘ als die inkarnierte Liebe, die im Kapitel wunderbar zum Ausdruck kommt. Schon die Szene mit Maria Magdalena ist ein hohes Zeugnis dieser Liebe.

Gern wird ferner ausgelegt, daß Er bloß ein Mensch gewesen sei, Gottes Sohn, nicht Selber Gott. Er nennt die Jünger Seine Brüder, es mußte heißen: ‚gehe hin zu deinen Brüdern.‘ In Kap.7,5 sind es jene aus Josephs erster Ehe stammend. Da gilt der Ausdruck ‚Brüder‘. Hier sagt es Jesu aus einem andern Grund. Als ‚Sohn der Menschen‘ habe Ich das Opfer dargebracht; in diesem Opfer seid ihr Gottes Kinder. Für euch bin Ich nochmals nur der Menschensohn.‘

Mit diesem hohen Auftrag sucht Maria Magdalena alle Jünger auf, die, bis auf Thomas, ‚hinter verschlossenen Türen versammelt sind‘ (V.18). Petrus hat erzählt, Jesu Grab sei bestohlen worden. Um so größer ist die Angst. Maria hatte keine Angst; Schmerz und Liebe waren größer. Daher hat sie auch zuerst den Herrn gesehen. Sie sagt ihnen, was sich zugetragen hat. Wer will das glauben?, noch dazu, daß ihr Meister erst erschienen wäre, nachdem Petrus und Johannes wieder weggegangen waren — ?

‚Es ist wahr!‘ beteuert sie, ‚Ich dachte erst, es sei der Gärtner, doch Sein Ruf „Maria!“ Diese Stimme, diese Liebe — kein Mensch kann derart rufen, wie Er es am Morgen bei mir tat. So glaubt es doch!‘ Ah, wer soll den Meister aus dem Grab gerufen haben, wie Er Lazarus aus dessen Grabe rief? Ist Er aber Gott, wagt eine Stimme, dann lag Er gar nicht in der Gruft. Ja — nein — wer will das wissen? Und auf einmal man hat nichts gehört, und der Riegel liegt noch fest im Pfosten — steht ER da!

‚Friede sei mit euch!‘ Er zeigt die Wundenmale an den Händen, an den Füßen, an der Seite, an der Stirn. Dies geschieht, damit sie glauben können; denn sonst — ? Gott braucht die Zeichen nicht und ER trägt sie nicht! Mit Golgatha ist alles abgegolten.

Die Jünger brauchen noch das Zeichen. Dafür folgt der wunderbare Satz: ‚Da wurden sie froh, daß sie den Herrn sahen‘ (V.19,20). Ein unerhörter Glaube vollzieht sich im Bruchteil des Bedenkens. Eben noch verängstigt, den Bericht bezweifelnd, und dann mit einemmal die selige Gewißheit: ‚Er ist‘s!‘

Noch wagen sie sich nicht zu offen in die Stadt. Kaiphas schürt weiter, zumal des zerrissenen Vorhangs wegen. Er weiß genau: das hat GOTT getan! Aber vor der Welt bekennen? Nein, dieser Nazarener scheint im Geist zu leben, obwohl Er wie ein toter Mensch begraben ward. Man muß den Geist bezweifeln, man muß sagen: sowas gibt es nicht! Jerusalem ist also noch die wüste Stätte, in der hin und her gestritten wird — für und gegen Christus.

War es auch der Herr? Haben sie sich‘s nicht bloß eingebildet, weil Maria Magdalena ihre Mär erzählte? Eine Auferstehung — — nach so einer Kreuzigung — !! Allein — die Nägelmale und der Gruß und die liebe Stimme voller Trost — Sie bleiben noch versteckt, weil sie es nicht ganz erfassen. Hie und da geht einer, um zu hören, wie die Stimmung unterm Volke ist.

Abermals erscheint der Herr. ‚Friede sei mit euch!‘ Er ist‘s, Er ist‘s ganz gewiß! Sein Auftrag an die Jünger. Ob er wörtlich gilt, zumal das von der Sünde? Zuerst: ‚Gleichwie Mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch‘ (V.21). Die Barmherzigkeit hat die Liebe für die Abgeirrten ausgesendet. Keine andere Order als jene: ‚Liebet alle, ihr sollt Austräger Meiner Liebe sein!‘ Was Ich euch gelehret habe, das lehret allen, die euch übergeben werden. Und auf daß es euch gelingt, deshalb:

‚Nehmet hin den Heiligen Geist (V.22) Meine Gaben; denn ICH bin der Ewig-Heilige, der Ewig-Einziger und Wahrhaftige! Jenes aber: ‚Welchen ihr die Sünde erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten‘ (V.23) darf niemals wörtlich gelten.

Gott allein ist der Richter über alle! Nur wer ohne Sünden ist, kann dem Sündigen vergeben — oder nicht. Ewig aber ist der Herr und Seine herzliche Barmherzigkeit! Für diese gibt es keine Sünde, die auf ewig angerechnet wird, vergeblich wäre sonst das Kreuz-Not Gottes! Nein — das ist gemeint:

Wer kommt und bittet, da sollt ihr dessen Last vermindern, zumal wer euch gekränkt, beleidigt hat. Dem sollt ihr vergeben. Tut ihr es nicht, so bleibt die Sünde — auf euch! Ich habe es vorgelebt; Mein Kreuz hat alle Sünden eingeschlossen, auch wenn sie abzugelten sind. Das ist Mein Gebot, das Ich euch gebe. — —

Thomas ist noch nicht gekommen. Wollte er nicht mit dem Heiland sterben (11,16)? Er ist der einzige, der nah am Tode war, fortgeführt und dann errettet. Verständlich, daß er nun nicht glauben kann, der Herr sei auferstanden. Gaukler gibt‘s genug, die die Jünger foppen möchten. Er hat es auf dem Weg erlebt.

Philippus findet ihn. ‚Wir haben den Herrn gesehen‘ (V.25)! Was? O nein, die Römer sagten, Er sei tot. Man hatte mich geschlagen, weil ich es nicht glauben wollte. Von Gethsemane hat man mich weit verschleppt, bis unser guter Hauptmann kam. Der hat mich errettet, hat jedoch bestätigt, daß der Herr gekreuzigt und begraben worden sei. Wie hernach habt ihr Ihn sehen können? — Thomas einfach als den ‚Ungläubigen‘ zu bezeichnen, ist weder wahr noch gut.

Die Bibel kündet nicht, warum er bei den andern fehlte, es gibt auch keine Andeutung, daß er sich allein verborgen hielt, während von den andern steht; aus Angst versteckt. Weil er mit dem Heiland sterben wollte, im vollen Mit-Opfersinn, darum wurde er auf einen Weg geführt, auf dem er wie sein Herr gefangen und gefesselt ward. Doch wie wunderbar: von Sich sagt Gott der Herr:

‚Niemand hat größere Liebe denn die, daß ER

Sein Leben läßt für Seine Freunde‘:

K. 15,13

aber von den Freunden:

‚Sei getreu bis an den Tod‘.

OJ.2,10

Nicht bis in den Tod, wie Gott, der Herr, für alle tat. Das ist der Unterschied. Auch die nachmaligen Märtyrer heben dieses Wort nicht auf. Der Tod der Menschen ist Bestimmung und ein heiliges Gesetz zu ihrer Seligkeit; der Kreuztod Gottes war und bleibt das Siegel der Erlösung.

Eben also ward auch Thomas in der Opferwilligkeit bis an den Tod geführt und alsdann gerettet, wie der Leibestod des Menschen die Errettung aus Materie und aus aller Sünde ist. Deshalb ist es auch verständlich, daß Thomas nicht gleich glauben kann. Er geht mit; die unbestimmte Sehnsucht seines Herzens treibt ihn zu den andern Jüngern hin. Und da geschieht:

‚Friede sei mit euch! Thomas, reiche deinen Finger her und siehe Meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in Meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig‘ (V.26,27). Hatte er dies nicht gesagt, ohne diese Zeichen könne er nicht glauben? Nun steigt aus seinem Willen, mit zu leiden, auch der starke Glaube auf:

‚MEIN HERR und MEIN GOTT!‘

Dies ist die höchste menschliche Bestätigung, wer der Heiland war und ist: Herr und Gott — der EINE !

Nicht allein für Thomas gilt das Wort: ,Dieweil du Mich gesehen hast, Thomas, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!‘ (V.28,29). Hatten denn die andern es geglaubt, als Maria Magdalena erst vom leeren Grab und dann vom Meister, vom ‚Rabbuni‘ Kunde brachte? Waren sie ihr nachgegangen? Hatten sie es selbst erforscht, ob der Heiland lebte? Nein, sie auch glaubten erst, als Er erscheint und Sein ‚Friede sei mit euch‘ ertönt. Das sollte man bedenken und den einen nicht allein als Ungläubigen bezeichnen, wie es allgemein geschieht.

Wer würde heute glauben, wenn er es nicht sieht? Sagt man nicht: Gott gibt es nicht, wer hat Ihn je gesehen? Gerade in der Jetzt-Zeit gilt kaum anderes als was man sieht, hört oder greifen kann. Alles andere ist abstrakt.

Und doch wäre es so einfach, Gott zu lieben und zu glauben, auch ‚die vielen andern Zeichen‘, die der Herr vor Seinen Jüngern tut in den vierzig Tagen von Ostern bis zur Himmelfahrt, und ‚was nicht aufgeschrieben ist‘ (V.30). Es kann genügen, was verzeichnet steht (V.31), um jene Worte an sich selber wahr zu machen:

‚Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir Seine Gebote halten;

Seine Gebote sind nicht schwer.

Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt;

und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!‘

1.Joh.5,3.4

Und noch ein wunderbares Wort als Abschluß des Kapitels, und als Zeichen, wie die Jünger Gottes Liebe-Bahn erkannten, sich dieser völlig hingegeben haben. Paulus hat es aufgeschrieben:

‚Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben,

weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten,

weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur

mag uns scheiden von der LIEBE Gottes,

die in Christo Jesu ist, unserm Herrn.’

Röm.8 ‚38-39

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