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3.e) Vom Werden des menschlichen Körpers

GrEv IV/118-120 (zit. n, V.M.) — (DER HERR in einem Lehrgespräch) "Was ihr da durch eure seelische Schaukraft wie eine Unzahl feuriger Schlangen in pfeilschneller Bewegung erblickt, ist der eigentliche Nährstoff alles organischen Lebens, ein Salz der Luft und des Meeres, den die Naturweisen einst ‚Sauerstoff‘ benennen werden. Dieser Stoff ist ursprünglich die eigentliche Seelensubstanz und entspricht als solche den Gedanken, bevor sie noch zu einer formbildenden Idee zusammengefaßt werden. Findet ihr aber einmal eine hinreichende Menge dieses seelischen Lebensstoffs irgendwo zusammengedrängt, so wird sich auch bald daraus eine belebte Form herausbilden. Ziehen sich solche Feuerschlangen zu Hunderten und Tausenden auf einen Klumpen zusammen, so beginnt dieser heftig zu leuchten. Dies ist das Zeichen des Sichergreifens jener Lebensfeuerschlangen, und damit ist auch schon eine Idee unter irgendeiner feinstofflichen Form fertig, die sich weiterhin zu einem Geschöpfe ausbildet. Ihr fragt nun, wer da wohl diese Lebensgeister zu irgendeiner lebensregsamen Form modelliert? Dies soll euch nach Meinem Willen Raphael beantworten."

(Raphael erläutert:) "Der Stoff, aus dem alles entstand, was die Unendlichkeit umfaßt, sind die puren Gedanken Gottes. Wir urgeschaffenen, allein durch den Willen des allmächtigen Geistes Gottes hervorgerufenen Urengel, die "Elohim" der Schöpfungsgeschichte, die "Erzengel" der christlichen Lehre zuerst, — alle Dinge und Wesen aber dann durch uns, die wir die ersten Aufnahmegefäße für Gottes Gedanken und Ideen waren und sind. Wir fassen die aus Gott kommenden Lebensgedanken, die sich euch in Gestalt feuriger Langzungen darstellen, zusammen und bilden nach der Gottesordnung in uns Formen und Wesen. Und wenn ihr nach dem materiellen Stoff zur Bildung dieser Wesen fragt: Diese schlangenartigen Feuerzungen sind die geistig-seelischen Bausteine, aus denen alles Materiell-Wesenhafte geschaffen wird.

Fügen sich nach dem Willen des Geistes solche feurige Langzungen zu einem hellstrahlenden Feuerball zusammen, so drängen sich die Feuerzungen aneinander und streben alle dem Mittelpunkte zu. Denn hier ist das Zentrum der ausgereiftesten Gedanken, die der künftigen Form innewohnen, und die gewisserart den reichsten Nährstoff für das Wirken der Langzungen bilden. Ihr wundert euch zwar über meine, aus dem ersten Umfang eines Wesens abgeleitete Erklärung. Wendet ihr aber eure Blicke zur Außennatur der Dinge, so werdet ihr bald dasselbe leicht wiederfinden:

Betrachtet zum Beispiel den Eierstock einer Henne. Einige Eiklümpchen werden noch klein sein wie Erbsen, andere schon wie kleine Äpfel. Innerhalb einer leichten Umhäutung findet sich nichts vor, als ein formloser Dotterstoff. Nun wird dieser Zentralstoff aber stets mehr ausgenährt und setzt um sich das klare Eiweiß an. Nach einiger Zeit wird aus dem Eiklar das Gröbste ausgeschieden und setzt sich als feste Schale um das Ei, als Schutz gegen das Erdrücktwerden bei der Ausgeburt. Nun beginnt die Henne das Ei zu bebrüten. Welche Veränderungen gehen da vor! Im Dotter fängt es an sich zu regen und zu ordnen, denn die rechten Formgedanken (feurige Langzungen) verbinden sich und ziehen die ihnen nächstverwandten an sich. Im Verlauf dieses immer weiter sich ausdehnenden Vorgangs werdet ihr bald Herz, Kopf, Augen, Eingeweide und Füße wie Flügel des werdenden Küchleins entdecken. Die so geordneten Gedanken [Teilideen] ziehen dann stets mehr ihr Gleichartiges aus dem Stoffe an sich und bilden alle Organe lebenstüchtig aus.

Ist so der Leib ausgebildet, nimmt der in den ganzen Organismus übergegangene Lebensgedanke, was eigentlich die Seele ist, bald wahr, daß er sich noch in einem Kerker befindet. Er fängt sich deshalb stärker zu regen an, durchbricht den Kerker [Geburtsvorgang] und tritt noch matt in die große Welt hinaus. Hier beginnt er äußere Weltnahrung zu sich zu nehmen und der Wachstumsvorgang nimmt seinen weiteren Verlauf. Wir sehen nun eine ausgebildete, fruchtbare Henne vor uns; ein organisches Lebewesen, das nun wiederum das Vermögen besitzt, aus den Naturreichen die ihm entsprechenden Seelen-Spezifikalteile als Nahrung aufzunehmen: Die geistigen zur weiteren Ausbildung ihrer Lebensseele und die gröberen [das Stoffliche der Nahrung] nicht nur zur Erhaltung des Organismus, sondern auch zur Neuschaffung gleichartiger Wesen.

Die Art des Geschlechtes rührt von dem jedesmaligen Mehr oder Weniger der ursprünglichen Schwere, das heißt Gediegenheit und Kraft des lebendigen Seelengrundgedankens her. Ist dieser schon vom Ursprung an völlig gediegen, so daß er schon in sich selbst eine Idee [geistige Zusammenfassung von Gedanken] bildet, so wird dessen Ausbildung zu einer männlichen Gestalt führen. Ist aber das Primitive des Grundlebensgedankens auf einer leichteren (noch der Entwicklung bedürftigen) Stufe stehend, so wird die Ausbildung sich in eine weibliche Gestalt hinüberziehen.

Durch die Begattung der Tiere erfolgt nur eine Erregung zu geordneter Tätigkeit des im Ei schon vorhandenen Seelen-Grundlebensgedankens, ohne die dieser in seiner trägen Ruhe verbliebe. Tierseelenklümpchen [siehe die Feuerzungen] sammeln sich in bestimmter Zahl und Ordnung in jedem Mutterleibe. Sie erregen zuerst das Weiblein, dieses erregt sodann das Männlein zur Befruchtung; nicht aber, als legte dieses einen neuen Samen in die Mutter, sondern nur zur tätigen Erweckung des im Mutterleib schon vorhandenen Lebensklümpchens. Dies geschieht, indem des Männleins Same — aus mehr freien und ungebundenen Lebensgeistern bestehend — die gebundenen Lebensgeister im Eiklümpchen der Mutter in eine Art Revolution versetzt und also zur Tätigkeit zwingt, ohne welchen Zwang die Lebensgeister in Trägheit verharren und sich nimmer zur Formung und Organisierung eines Wesens ergreifen würden. Des Männleins Samengeister geben jenen im Weiblein keine Ruhe, welchem Anreiz sich die Mutterlebensgeister kräftig zu widersetzen versuchen, da sie wie erwähnt, der Ruhe zugeneigt sind und sich ohne Zwang nicht zu einer anhaltenden geordneten Tätigkeit [Zellteilung, Organbildung] bereitfinden.

Ohne äußere Erregung würde ein Mutterlebensklumpen in seiner Ruhe stets mehr einschrumpfen, da sich seine Teile stets mehr nach dem Zentrum zusammenzögen, dieses ganz aussaugten und am Ende mit demselben ganz verkümmern müßten. Nun aber treten männliche, nur für die Bewegung gleichfort erregte Urlebensgeister hinzu und bestreichen die weiblich trägen Klumpen. [Zusammentreffen von Sperma und Ovum.] Und schon beginnen sich die kleineren, weiblichen Lebensgeister zu rühren und bemühen sich, diese Angreifer loszuwerden. Allein diese weichen nimmer, und die Erregung der weiblichen Lebensgeister greift immer tiefer bis zu ihrem Hauptlebenszentrum. Endlich beginnt sich auch dies zu rühren, und — da die ihre Mitte umlagernden weiblichen Langfeuerzungen durch starke Regsamkeit gleichsam wie hungrig wurden — sind sie genötigt, vom Lichte der männlichen Feuerzungen Nahrung zu nehmen. Auf diese Weise erhält dann auch der zentrale Hauptlebensgedanken-Geist durch sie einen männlichen Antrieb. Durch diese Tätigkeit genötigt, erhalten die Umlagerer von innen heraus eine Anregung, sich mehr und mehr zu ordnen, wie zu einer Art gutorganisiertem Bollwerke.

Die nun gut erhellten kräftigeren Lebensgeister gegen das Zentrum hin erkennen [seelisch] ihren Sinn und dessen Ordnung und scharen sich nach der Ordnung ihrer Verwandtschaft. Daraus entstehen dann organische Verbindungen und das Äußere geht in eine Form über, die stets mehr und mehr dem zu schaffenden Wesen ähnlich ist [Embryonalentwicklung].

Wenngleich nun bei der Zeugung und Werdung eines Menschen viel dem Tiere Ähnliches vor sich geht, so ist aber der Grund davon dennoch höchst verschieden. Es hat zwar die Frau auch schon einen Naturstoff in sich, und wenn die Zeugung geschieht, wird auch ein Lebensklümpchen erregt und befruchtet. Aber dieses wird wie eine Beere von einer Traube abgerissen und an die rechte Stelle seiner künftigen Entwicklung gebracht. Dort tritt nun eine schon fertige Seele hinzu und pflegt eine Zeitlang diese Lebensbeere, bis der Stoff darin so weit gediehen ist, daß die sich stets mehr zusammenziehende Seele in den sehr flüssiglockeren Embryo eindringen kann. Zu dieser Verrichtung benötigt die Seele etwa zwei Monate. Hat sie sich des Embryos ganz bemächtigt, dann wird das Kind fühlbar lebendig und wächst zur ordnungsgemäßen Größe heran.

Solange die Nerven des Fleischkindes nicht völlig ausgebildet und tätig sind, arbeitet die Seele mit Selbstbewußtsein eifrig fort und richtet den Leib nach ihren Bedürfnissen ein. Sind einmal die Nerven alle ausgebildet und wird deren sich stets mehr entwickelnder Geist ordnungsgemäß tätig, dann begibt sich die Seele mehr und mehr zur Ruhe und schläft endlich in der Gegend der Nieren ganz ein. Sie verliert nun ihr Selbstbewußtsein und vegetiert nur ohne jede Erinnerung an ihren früheren Naturzustand. Erst einige Monate nach der Geburt beginnt sie immer mehr zu erwachen, was aus der Abnahme der Schlafsucht des Säuglings gut wahrgenommen werden kann. Bis die Seele jedoch zu einigem Bewußtsein gelangt, bedarf es einer längeren Zeit. Wenn ein Kind der Sprache mächtig wird, dann erst tritt auch ein rechtes Bewußtsein in die Seele, jedoch ohne Rückerinnerung, da eine solche für ihre willensfreie Höherbildung durchaus hinderlich wäre.

Die Seele, nun ganz im Stoffe des Fleisches eingeschlossen, erkennt zunächst nichts, als was ihr durch die Sinne des Leibes an Eindrücken vermittelt wird. Denn sie vermag in sich darum nichts zu erkennen, weil sie durch die Materie des Körpers derart verfinstert ist, daß sie zumeist gar nicht weiß, daß sie für sich auch ohne ihren Leib bestehend ist. Lange Zeit hindurch fühlt sie sich mit dem Fleischesleib ganz identisch, und es bedarf einer langen Entwicklung, eine eingekörperte Seele so weit zu bringen, daß sie ein Selbstbewußtsein empfindet und sich als etwas Eigenes zu betrachten fähig ist. Erst wenn der Geist in der Seele zu erwachen beginnt, wird es nach und nach lichter im Seelenbewußtsein, das sodann beginnt, sich genauer zu erkennen und in sich ganz verborgene Dinge zu entdecken. Erst wenn der Geist und sein mächtiges Licht in der Seele zur vollen Tat werden, dann kehrt auch alle Rückerinnerung in die Seele zurück und sie überblickt ihre gesamte Entwicklung aus den Naturreichen in einem verklärten Lichte. Damit fällt aller Trug und alle Täuschung und es verbleibt nur die hellste Wahrheit des ewigen Geistes.

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