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Kap. 10 – Lügenpropheten; auch ein ,Stall Gottes’; Besondere hohe Offenbarung

Kapitel 10

Lügenpropheten; auch ein ,Stall Gottes’; Besondere hohe Offenbarung; Fragen und Antworten.

Jederzeit sieht Samuel, was vor sich geht und trifft zu mit dem, was ihm die Freunde melden. David hat Goliath geschlagen und wird aus Haß von Saul verfolgt. Dieser Haß würgt nicht nur Feinde, Mann um Mann, er würgt auch Israel, daß es selten einen Frieden gibt. Es bleibt dennoch wie ein Stab in Kanaan bestehen, der Getreuen wegen, die sich Gott ergeben haben. Nebst Samuel ist es Fürst Chaha, dazu viele Männer samt den Frauen, ein Fels, an dem die Brandung Haß und Angst zerschellt.

In Rama sammeln sich die bekehrten Ältesten aus Juda, Sebulon, Gad und Benjamin, und die guten Nachbarn. Fürst Chaha war zu Jonathan, Sauls Sohn, geritten, um den König über ihn zu besänftigen. Saul wehrt jeden ab, und sendet dafür Boten, denen er befiehlt, sie sollen weissagen, um Samuel herauszufordern. Er denkt, dort ist David und ist er bei dem Seher, dann – –

„Was sollen wir denn sagen?“ fragt einer. „Ich bin kein Prophet.“ Saul zürnt: „Ah, sagt einfach, Gott wäre euch erschienen, Er hätte anbefohlen, David auszuliefern und Samuel hätte keine Sehergabe mehr,“ Um nicht in Sauls Mörderhand zu fallen, tun die Boten, was ihnen aufgetragen worden ist. Als die erste Rotte nichts erreicht ­Samuel schickt sie zurück -, sendet Saul die zweite und noch eine dritte Gruppe (1.19). Nichts kann Saul erzwingen.

Erbost macht er sich selber auf, hält in jedem Ort Gericht und verkündet: „Auf mich ist Gottes Geist gekommen (1.19,23),“ Er sagt nach, was er von Samuel einst hörte. Die Leute wundern sich, also glaubt man wieder, er sei der beste König. Nach Rama kommend, trifft Saul den Seher nicht mehr an. Dieser war mit einigen Verläßlichen nach Najoth aufgebrochen.

Er schickt die Männer in die Städte, um überall zu helfen, wo Hilfe nötig ist. Abseits Najoth steht eine Hütte, die niemandem gehört. Wanderer suchen darin Schutz und Schlaf. Dorthin geht der Seher. Ein Drang kommt über ihn. Lange hat er Gottes Stimme nicht direkt gehört. Das Innere, Schau und Eingebung, sind stets bei ihm gewesen. Er ist hier allein. Ob der Herr – „Aber Samuel“, sagt wie stets die Stimme neben ihm, „muß Ich nur in Rama mit dir sprechen? Offenbare Ich Mich bloß in Silo’s Zelt?“

„Herr, ich habe es gespürt, daß Du bei mir bist; nur dachte ich die Hütte, wie ein Stall …“ „Unwürdig deines Gottes, ja?„ Samuel nickt beklommen. Wieder steht Gott neben ihm in Seiner freundlichen Gestalt, das höchste Licht bedeckt, damit der Mensch die Anschauung erträgt. Anbetend kniet Samuel nieder, so selig ist er, die Hütten­armut leuchtet ihm wie pures Gold.

„Bei Mir ist ein Geringes groß, wohnt im Herzen Demut und die Liebe. Das Große dieser Welt gleicht einem Gras, das verdorrend stirbt. Es war Meine Führung, diese Hütte aufzusuchen, im Symbol der Stall, in dem der ,Herr des Universums’ wie ein Kind erscheint, um die Kinder zu erretten! Das siehst du nicht, obwohl dein Geist die Bildschau hat, die Erlösung, die ICH dem Abfall biete, damit jedem Kind, jeder Seele, jedem Wesen, wie eben jedes die Erlösung braucht. Wer – frage Ich – braucht diese nicht?“

„Alle, Vater, wie Du sagtest, daß Du das Ganze tust (S.82,2). Nun verstehe ich, weshalb Du her zu mir gekommen bist – nein, mich her in Deine Arme führst. Darf ich?“ „Was du willst, darf jedes Kind.“ Samuel schmiegt sich in Gottes Arme. Nie, und wieviel Wunderbares hat er bei dem Herrn erlebt, war er so selig wie im Augenblick, als der Heilige ihn fest umschlingt.

„Du bedarfst der Kraft, sowie Meines Trostes; denn ein Schweres steht bevor. Frage nicht, wie lange Saul noch wüten kann. Dadurch werden manche aus dem Volk erweckt und wenden sich Mir zu.“ „Darf ich dennoch fragen?“ „Immer, Samuel; es ist gut, wenn du sagst, was Ich in deinem Herzen lese.“

„Ja, du weißt es, Vater, und doch drängt es mich. Warum wird der Mensch erst durch ein Ungemach erweckt? Muß Saul sich so gebärden, damit die Leute zur Besinnung kommen? Kannst Du nicht aus Deiner Allmachtsherrlichkeit die Seelen lenken?“ „Das hast du schon einmal gefragt; bloß geht es heute tiefer ins Gemüt, du möchtest vor Mir eine reine Straße sehen, auf daß Meine Gnade nicht erst durch ein Unglück zu den Menschen käme.

Meine Gnade ist so groß wie Mein Empyreum; sie füllt die Werke Meiner Schöpfermacht. Sie braucht nicht erst zu fließen, wenn sie im besonderen zu wirken hat. Ob sie immer offenbar erscheint, ob man bloß die Hände aufzuhalten braucht, um sich ihrer zu bedienen, das steht im Geheimnis Meiner väterlichen Waltung. Darüber weißt du schon Bescheid. Nimm die Lehre an:

Besonders auf der Welt, dem Kernstück luziferscher Finsternis, da ist’s nicht leicht, sich selber zu bekehren. Sind es Kinder aus Licht, so haftet ihnen jener Teil als Bürde an, den sie freiwillig aus den Abfallkräften Satans aufgenommen haben, um dieselben als ein Rückbringgut ins Reich zu tragen. Ohne Rückerinnerung, zu Gunsten des Gefallenen, wissen sie ja nicht, oder ungenau, weswegen sie die Weltengasse wandern. Und so brauchen sie die Hilfe aus dem Licht.  Es muß ein Unglück nicht sie selbst betreffen, es kann dem Nächsten oder einem ganzen Volk widerfahren.

Bei denen aus der Finsternis ist’s stets aus ihrem eigenen Wesen kommend und – Samuel – gerade da läuft es durch Meine Hand. Ohne diese Lenkung würde keins der Hingefallenen die Materie überstehen, weil sie ja ein Teil derselben sind. Ich hatte Abraham die Sterne und den Sand verheißen; denn bloß da, wo die Lichter wohnen, kann der Sand sein Leben haben.

Zumal in Israel ist’s jetzt zu merken, wie Getreue neben all den Ungetreuen leben und auch leiden, für diese, nicht für sich. Nehmen sie, ob mit Wissen oder nicht, das bleibt sich gleich, das Ungemach für andere auf, so helfen sie der armen Seele, einst das Heimatland zu finden. Alsdann bleibt Meine Gnadenführung nicht geheim und da offenbart sie das, was jedem Kinde dienlich ist.

Doch nun der Trost, der nötig ist, um das jetzige Geschehen auch zu überwinden. Wundere dich wieder nicht und frage nicht, warum ICH diesen Greuel zugelassen habe. Eben, weil Ich ihn verkünde, passiert die böse Tat, die bitterschwerlich abzugelten ist. Es ist Saul, der gebietet, Hand an einen Priesterstamm zu legen. Doch vom Volk mag es niemand tun; also muß ein Fremder, ein Finsterling, die Priester töten (1.22,18). Damit ist Saul an jener Grenze angelangt, wo er sein letztes Halt erfährt: ,Bis hierher und nicht weiter!’ Und ob er wohl noch manche böse Tat auf seine Seele bürdet – alles ist in dieser Tat geeint.

Er kann nicht sagen: ,Ich hab’ es nur befohlen, der andere …’ O ja, so redet sich der Mensch heraus, zeigt mit dem Finger auf den Nächsten und spricht wie Adam tat: ,Das Weib, das DU mir gabst …’ Wer seine eigene Schuld dem Nächsten zuzuschieben sucht, wer einen andern, der gesündigt hat, in die Grube üblen Nachworts wirft, der sündigt mehr als alle anderen, dessen Schuld ist größer, als die Schuld von vielen Leuten!

Ein Rächer ist geblieben (1.22,20), der einst seine Klage vor Mir führen darf. Übt er selber keine Rache aus, so gilt sein Klagewort; denn gerächt wird jede übeltat – von MIR, Samuel! Die Rache ist Mein und ICH vergelte gut und böse!“ „Ach Herr“, Samuel hebt beide Hände hoch, „die Rache ist auf dieser Welt ein arges Ding, es steigert sich von mal zu mal. (s.1.Mo.4,23 u.a.)

Sagt man dem anderen ein schweres Wort, so wird man leicht dafür geschlagen; schlägt man mit der Hand, findet man aus Rache seinen Tod. Noch schlimmer ist es zwischen Sippen und den Völkern. Ich bedecke oft die Augen, sehe ich solch dunkles Zukunftsbild.“

„Bedecke sie nicht mehr“, mahnt Gott so gütig, daß dem Seher seine Tränen rinnen. „Schwerlich wird die Menschheit es verstehen, warum das Unrecht immer größer wird. Rückblickend auf vergangene Zeiten wird es heißen: damals war es besser. – Der Ablauf des Geschehens steigert sich, bloß nicht so, wie es betrachtet wird. Du weißt es zur Genüge, wie der Fall gerettet werden muß. Gibt es zwar eine karge Freiheit, in der sich Satan groß und herrlich dünkt, nicht zuletzt der Mensch, so bleibt gerade diese kleine Freiheit in der mächtigen Erlösung eingeschlossen.

Es genügt, wenn jedes Kind, heimgekehrt zur höheren Erkenntnis kommend, es versteht, wieso sich durch den Fall viel Schreckliches ergab, doch all die Schrecknisse der Welt, der Menschen, bloß ein winzig kleiner Splitter sind von dem, was sich einstens zwischen Mir und Sadhana ergeben hatte.

Ihre Auflehnung, ihr Hochmut, ihr Wille, mehr zu sein als Ich, erschütterte das ganze Empyreum. Nicht mal Meine lieben Großen, die Fürsten Meines Reiches, konnten ganz die Freveltat erfassen. ICH hatte ja das Schwerste zugedeckt; das Schlimmste an dem Fall hatte Ich im voraus in den Quell der Mitternacht gesenkt. Und dort heraus wird es einst gehoben, wenn der Tag der Liebe in die gnadenvolle Nacht, die kommt, gebettet wird.

Ehe dann das lichterfüllte Morgenrot des neuen Schöpfungstages der Barmherzigkeit erglüht, und ehe Ich Mein Kindervolk aus seinem hochbeseligten Schlaf zu neuem Dasein, zu weiterhin gesteigerter Seligkeit erwecke, da hebe Ich die Schmach des Liebetages aus dem Quell heraus. Forsche nicht, was Ich damit tue! In der Stunde vor dem Morgenrot! Niemand wird es je erfahren; nur daß es so geschieht, das sollst du wissen, das wird offenbart.

Was die Lichtgetreuen sahen, die ihren Mitopferweg erbrachten und weiterhin zum Dienen sich erbieten, sollst du auch erkennen. Doch wird es wieder zugedeckt, bis die Materie aufzulösen ist. Zwar wird der Mensch zuletzt erst seine Löse merken, aber eben diese letzte Spanne wird mit höchster Gnade angefüllt. Dann wird offenbar, was lang hindurch verborgen bleibt. Einzelnen, die für ihre Zeit zu wirken haben, wird es angezeigt.

Wie Ich noch ein Opfer (Golgatha) trinke, so trank Ich einst die Schmach des Liebetages. Aus dem Born der Mitternacht schöpfe Ich es wieder, das heilige Geheimnis für die Kinder. Ein Tropfen, wie Ich der EINE bin! Mit diesem einen Tropfen ist alle Schöpfungsschuld getilgt. Was jedoch der Tropfen ist, was aus ihm geschieht, daß ICH ihn trinke, offenbart zu einem Teil zur neuen Kinderseligkeit der Tag der hocherhabenen Barmherzigkeit.

Wisse noch, was im Lichte Meine Großen wissen: Das Licht Meiner heiligen UR-Wesenheit ist ewig unzugänglich, weil aus demselben Meine Werke wurden, die Ich in Meinem Inneren gestaltet hatte, zur hehrsten Freude Meiner Schöpfermacht das Kindervolk. In ihm – nicht durch dasselbe – gipfelt Meine Herrlichkeit, so unmeßbar, wie Mein Empyreum ist. Und so unzugänglich, wie die eigene Lichtwesenheit es ist, also bin Ich’s in Mir Selbst!

Du merkst schon, was Ich künde. Sieh, habe Ich den einen Tropfen Schöpfungsschmach getrunken, da ist er ewiglich verborgen, wie Mein Licht! Allein – wie Ich in ersichtlicher Person aus diesem Meinen Eigenlicht herausgetreten bin, um den Kindern die für sie höchste Se­ligkeit zu schenken, genau so ist es mit dem einen Tropfen. Als Schöpfungsschmach bleibt er durch das Sühneopfer immer unsichtbar, nachdem für den Tag der „Liebe Soll und Haben abgerechnet ist. Die Kindesschmach muß jedoch am Abend ausgeglichen sein, ansonst kom­men Meine Kinder nicht zum hochbeseligten Schlaf. Es gäbe dann auch nicht die höhere Erweckung für den heiligen Sabattag.

In der Steigerung, den Kindern unverständlich, liegt das Leben. Unverständlich dahingehend: bei Mir gibt’s keine Steigerung, da ist für alle unmeßbaren Zeiten und die Räume vorgesorgt. Das ist, wenn du es so nennen willst, der GOTT-Begriff! Aber aus demselben nehme Ich je eine Zeit und ihren Raum und fülle sie mit Herrlichkeiten, die für die Kinder dann die Schöpfungstage sind. Wie sich diese aneinanderreihen, also für Mein Volk das ewigliche Leben.

Nun merke noch auf das und verschließe es in dir, es kommt die Zeit, wo sich mancherlei enthüllen läßt – für die Menschen dieser Welt und im Materieraum, während dann im Reich schon alles zu er­kennen ist, was zur Offenbarung kommen soll. Sadhana, Mein erstes Kind, hat die Schöpfungsschuld hervorgerufen, womit für sie selbst die Kindesschuld entstand. Letztere ist offen auszugleichen, damit die Eigenlast von ihr genommen werden kann. Ohne dem müßte sie ja unter ihrer Schuld vergehen.

Aber daß die Schöpfungsschuld das gesamte Reich erschüttert hatte, das habe ICH von Meinem Kind genommen! Niemals wäre möglich, daß je ein Kindgeschöpf sie abzutragen wüßte! Weil es jedoch am Liebetag geschah, darum hat ja MEINE LIEBE diese Opfer aufgenommen und trägt sie aus vom Anfang Meines Ur-Opfers bis zum Ende! Das vollbrachte Ich zuerst, habe Meinen Ur-Willen hinter Meine Ordnung eingereiht, wobei freilich – auch geheim – der Wille die Regentschaft immer inne hat. Kein Werk lie’ße sich erhalten, besäße nicht der Schöpferwille ewig seine Souveränität!

Nächst diesem Opfer, vorausbedacht, nie vorausbestimmt!, trank Ich den einen Tropfen, käme es durch die den Kindern zugebilligte Freiheit zu einer Schöpfungsschuld. Im vornhinein, Samuel, damit auf Meine Kinder keine allzu große Last entfiele. Denn war und bin Ich Gott, so mußte Ich es sehen, ob Freiheitswege das eine oder andere gebar. Zwingkinder brauchte Ich Mir nicht zu schaffen, sie wären Meiner Göttlichkeit zuwider, ganz unwürdig Meiner Machtfülle und Meiner Gottes-Herrlichkeit! Bloß freie Kinder – gewiß im Grenzraum Meiner Führung – sollten Mich erfreuen. Und sei gewiß: Unabhängig von dem Fall, dafür durch gerechte Freiheitsprobe, hat sich Meine Kinderschar bewährt!

Zwei Drittel blieben treu, zwei Drittel gingen sogar Meinem Opfer nach, in der Möglichkeit für Kinder. Sie boten Mir ihr Dienen an, gehen so lang noch in die Materie, bis Sadhanas Kindesschuld einst aufzuheben ist. In hoher Freiheit opferten sie ihre Himmelsselig­keit, wahrlich – welch ein hehres Anbild Meiner Opfertat! Meine Kinder sind Mir wohlgeraten, sie sind gut und treu. Was sie auf ihren Weltenwegen hie und da versehen, das – Samuel – hülle Ich mit in die Schöpfungsschuld; und da weißt du nun, was mit ihr geschehen ist, ehe sie entstand, was mit ihr geschieht, wenn der Liebetag zur herrlichen Vollendung kommt.

Dann kommen all die Abgewichenen zur Reue, zur Erkenntnis und zur Buße. Es bleibt ihnen freilich nicht erspart, sich auch einmal zu opfern. Das bringt der nächste Ordnungstag, wenn die zweite Woche Meines Tat-UR-Jahres dem Mitternachtsborn entquillt. Der Tag der Barmherzigkeit ist der ,Frei-Tag’ voller Licht und Güte; da ruhen die Getreuen aus, da werden alle Hingefallenen erlöst.

Du kannst nicht wissen, was Meine LIEBE ist. Sei nicht traurig, Samuel. Auch Meine Ersten messen nicht den Grund der Eigenschaften aus. Das gerade ist ein Anteil Meines Segens, gleichfalls für euch ohne jeden Grund. Könntet ihr auf einen solchen kommen, so würdet ihr in ihm versinken und gäbe es kein Eigenleben mehr.

Für euch habe Ich der Tage Seligkeit erdacht. Von dem, was Ich Meinem UR-Sein für die Schaffungen entnahm, hat jedes Kind seinen werkgerechten Teil, der es ewig zu beglücken weiß. – Nun hast du viel gehört und behalte es für dich. Denke nicht, es sei umsonst gesagt; denn nur für dich -? Im Infinitum gibt es viel Stationen, denen jetzt die Offenbarung zugeflossen ist, wo heimgekehrte Kinder fähig sind, mehr vom Lichte aufzunehmen als allgemein der Mensch.“

Der Herr ist nicht gegangen, obwohl Samuel sich lange niederbeugt der unerhörten Fülle wegen, die über ihn gekommen ist. Da sieht er auf ins freundliche Gesicht, in dem es wie ein Warten steht: ,Was sagt Mein Sohn?’ Ach ja, die Steigerungen – mehr und mehr fühlt es der Seher, wie auch er emporgehoben wird. Wohin -? Gibt es nicht bloß eine Stätte, wo man des Tages letzten Segen hat? Er greift ins heilige Gewand und fleht:

„Herr, laß mich noch mit Dir reden!“ „Darauf habe Ich gewartet“, sagt Gott gütig. „Ich sehe ja, was dein Herz bewegt, Fragen, die berechtigt sind, weil du mancherlei Geheimnis hörtest.“ „Ich will nicht mehr erforschen als was Du, Mein Vater, mir enthüllst. Es ist nur, es ist – -„ Samuel stottert und Gott lächelt. Da ermannt er sich und fragt:

„Du sprachst von der Schöpfungs- und der Kindesschuld. Verzeih, ich halte das nicht auseinander. Hat Sadhana die Schuld hervorge­rufen, so wurde sie an sich und an der Schöpfung schuldig. Denn die Schöpfung selbst – – DU hast sie werden lassen und so gibt es darin keinen Fehl. Ein Baum, der krumm gewachsen ist oder keine Früchte trägt, ist nicht sündig; und ein Tier, das seine Nahrung sucht, ist frei von jeder Schuld. Oder nicht?“

„Ich habe die Natur geschaffen, die ist frei und gut, stets zum Nutzen für den Menschen. Der Baum, den du erwähntest, wächst durch Wind und Wasser krumm und es schadet nichts, wenn da einer keine Früchte trägt. Ein Zeichen ist’s, nur achten dessen viele Menschen nicht. Wenige haben einen offenen Blick dafür, um auch diese Lehre zu verstehen. Nicht das Mindere und Geringste, das nicht zu einer Lehre dient.

Grundloses gibt es bei Mir nicht! Ebenso die Tiere, die ihr böse nennt. Sie kennen weder gut noch böse, sie handeln nach dem Hunger und Instinkt. Letzteren brauchen sie, um sich zu erhalten. Selbst das wildeste Tier ist besser als ein Mensch, der absichtlich arg und niederträchtig ist. Der Mensch weiß, was gut und böse ist, er kann danach handeln. – Doch nun zu deiner Frage.

Als Sadhana. sich erhob und wider Mich zu Felde zog, wußte sie, daß sie im Unrecht stand. Durch die Erkenntnis, selbe aber nicht mehr achtete, schuf sie sich die Kindesschuld. So gesagt: sie wurde an sich selber schuldig. Ich hielt sie dennoch offen fest. Geheim, geheim, Samuel, habe Ich sie niemals losgelassen, kein Kind und nichts von allen Meinen Werken!

Als sie sich im frevlen Übermut von Mir befreite, sich göttlich wähnte, als sie sprach, sie wäre eine zweite Kraft und vielleicht sogar die erste und was des Übels mehr, versündigte sie sich an der Schöpfung. Nicht mehr allein betraf sie das, es ging um die ganze Kinderschar. Du weißt, ICH schuf sie Mir, sie war Mein schönstes Wer, an dem Ich im Titanenjubel Meine Schöpferherrlichkeit ersah ­  —  Mein göttliches Erleben.

Es war durchaus möglich kraft der Freiheit und Entwicklung, jedem Kinde zubedacht, daß die ganze Schar ihr anheim fiel. Frag’ Mich nicht, was dann geworden wäre! Allein – auch im tiefsten Niedergang der Kinder hätte Ich die Werke Mir erhalten! Ich habe Schöpfermacht genug, Samuel, um auch das Schlimmste gut zu machen. Raum und Zeit spielen dabei für Mich keine Rolle, weil aus und in Mir Selbst die Räume und die Zeiten sind!

Der Kampf war hart, aber segensreich! Und weil sich die Sadhana an der vollen Schar vergriff – sie hatte allesamt herausgefordert, zumal schwer die Engelsfürsten, an denen dann das eigentliche Auf und Nieder in der Schöpfungsfreiheitsprobe hing -, war das ihre für sie ausweglose Schöpfungsschuld.

Unabhängig davon, daß die sieben Engelsfürsten widerstanden, mit ihnen alle Lichtgeborenen, war doch des Tages ,Schöpfung’ in die Not geraten. Denn sieh, das KindervoIk, Meine Edelschaffung, der Diamant an Meiner Krone, dieses hatte sich aus für euch unzählbaren Schöpfungsjahren herauskristallisiert.

Das wird nie ein Kind erfassen, und wenn es an die letzte Grenze der Erkenntnis käme, wie die Kristallisation geschehen ist. Selbst eine Teilerkenntnis könnte euch die Seligkeiten nicht vermehren, läßt sich die Verbundenheit mit Mir nicht steigern. Das ist eines Meiner UR-Geheimnisse, aus denen Ich die wahren Freuden schöpfe, Meinen Kindern ewiglich beschert.

Weil Sadhana die treue Schar vernichten wollte, ,Griff ans Werk der Liebe’, das ergab die Schöpfungsschuld. Nie wird sie diese ab­zutragen wissen, nicht einmal nach einer Voll-Erlösung, wenn sie nach dem ,heiligen Vollbracht’ zur Einsicht und zur ersten Umkehr kommt, das die Reinigung am Liebe-Abend von der Kindesschuld ergibt! Vermerkt: sie muß auch wie alle Abgewichenen am nächsten Ordnungs­tag ihr Opfer bringen. Davon ist keines zu befreien, weil eben erst danach für diese alle eine gleiche Seligkeit gegeben werden kann, die die Lichtgetreuen schon am Liebe-Feierabend und am Sabbat der Barmherzigkeit erhalten.

Den Unterschied zwischen beiden Seligkeiten werden die Erretteten nicht spüren. Jedoch nach „ihren ,nachgebrachten Opferwegen’, wie gesagt, werden sie es rüc schauend erkennen. Dann aber sind auch sie gefestigt, weil – und darauf kommt es für sie an, vordringlich für Meine Sadhana – Ich die Schöpfungsschuld getrunken habe. Damit waren im voraus die Getreuen von der Last befreit. Nämlich: als der Kampf entbrannte, hatten sie geforscht, ob sie allein bei MIR verbleiben sollten oder aus der Liebe zu dem ersten Kind auch ihm getreu verbleiben müßten. Sie wankten eine zeitlang hin und her, es selbst nicht richtig merkend.

Das bezog sich nicht auf sie, es entsprang dem Kampf, den Sadhana entfachte. Deshalb traf die Treuen keine Schuld. Ich legte dieses Wanken mit in Meinen Trunk; sie waren innerlich mit Mir verbunden und wollten es von Anfang an: Allein bei UR, sonst nirgendwo! Sie liebten aber Sadhana, was sich mehr aufs Äußere bezog, dahingehend, weil sie alle miteinander Meine Kindgeschöpfe sind. Also lag das Liebe- Schwergewicht bei Mir!

Nun kennst du diesen Unterschied und weißt, wie bereits betont, daß nie ein Kind, ein Fürst, am wenigsten Sadhana, als Urheberin des Falles, die Last, der Schöpfung aufgebürdet, abzutragen wüßte. Hätte Ich das übelste vom übel nicht in Meine UR-Geheimnisse ge­senkt – kein größtmögliches Opfer eines Kindes wäre je imstande, es voll zu annullieren!

Jetzt begreifst du recht, daß niemand wissen kann, was wirklich MEINE LIEBE tut! Ihren Strahl und was sie für die Kinder tut, das ist leichtenst zu erfassen im Umfang dessen, inwieweit ein Kindge­schöpf sie anzuwenden weiß. Tut es das, Mein Samuel, dann hat es Meinen ,offenbaren Liebeteil’ erkannt und weiß genau, was es diesem schuldig ist.

Noch eines liegt in deinem Sinn, was Ich von der Auflösung der Materie sprach (S.93,1). Ich hatte dies nur angedeutet, weil hierin auch das Eigentliche erst zu geben ist, wenn die Zeit sich dafür naht. Im Geistigen ist für die letzten Wanderkinder schon die Schau gegeben; denn dann haben diese allerlei zu tragen, selbst wenn sie es in dem natürlichen Bewußtsein höchstens ahnen. Das liegt gleich­falls in der ,Lade der Geheimnisse’.

Wüßten einst die Menschen dieser Welt voraus, wie die Auflösung geschieht, o – schwerlich würden die Getreuen solche Lasten tragen können, die Ungetreuen würden es nicht glauben. Sie lebten dennoch ohne wahres Ziel. Was ihr materielles Denken und Begehren wünscht, würden sie sich noch erraffen. Für diese daher ganz umsonst, einen Schleier wegzunehmen.

Daraus ist ersichtlich, daß nicht viel davon zu sagen ist, bloß daß die Materie schon in der Löse steht. Der Fürst der Finsternis, wie man Satan nennt, ist zwar der überzeugung, sein Bereich sei stark gefestigt, und in Hinsicht der Erstarrung, was sich ganz be­sonders auf die Liebe, -auf das Gemüt bezieht, hat er recht. Ja, die Menschheit dieser Welt sinkt immer tiefer in die eigentliche, ihre Finsternis herab; und würden nicht die Treuen helfen, da wäre es um alle diese Seelen schlecht bestellt.“

Darf ich wieder etwas fragen?“ Samuel sah unentwegt ins heilige Gesicht, hatte seine Hände nicht vom Saum des göttlichen Gewandes genommen, seine Frage brennt im Herzen. Ach, das gute Lächeln Gottes, so väterlich, daß es dem Menschen überselig wird. Ein „Ja“, und das genügt dem Seher.

“Herr, wieso gibt es keine Hilfe für die armen Seelen, wenn nicht die Lichter helfen? DU bist unser guter Gott, Du hast Dich Deinen Kindern offenbart, DU allein bist unser Helfer! Ich weiß wohl, wer Dir gehorsam ist und tut nach Deinem werkgerechten Willen, der kann das Seine opfern, um mitzuhelfen, damit die Verlorenen einst ihren Heimweg finden. Dies ist für uns gewiß sehr viel; das Höchste aber kommt von Dir, ist Deine Sache ganz allein.

Was könnten wir erreichen ohne Deine Hilfe, ohne Deine Hand,  ohne Dein Erbarmen, was auch Deinen treuen Kindern gilt? Wüßte man, ob man nach Deinen Worten solche Hilfe brächte, würde das nicht leicht die Überheblichkeiten schüren? Ist es da nicht besser, man verläßt sich einzig und allein auf Dich, auf die väterliche Führung durch die ganze Lebenszeit?“

„Du hast Meinen Hinweis gut verstanden. Selbstredend könnt ihr allzeit nur aus MEINER Hilfe helfen. Du hast es an dir längst erfahren, wie Meine Worte und die Taten in dich eingeflossen sind. Denke aber nicht, nun wäre gar nichts Eigenes von dir dabei und du wärest eine leere Hülle. Nein, Samuel, so ist es nicht! Wenn Ich solche Kinder hätte, brauchte Ich Mich nicht einmal zu offenbaren. Leere Hüllen kennen keine Seligkeit!

Wie Ich von Meinem Geiste den gerechten Anteil jedem Kind verlieh, im Licht geboren und darin verblieben, so auch von Meiner Hilfe, die aus Meinem Schöpferwesen kommt. Ihr könnt selber denken, reden und auch handeln; und ist das gut getan, so steht der Geist im Vorfeld eurer Seele. Das Nichtgute brauche Ich dich nicht zu lehren, das lehrt das Weltliche euch Menschen selbst. Es jedoch zu überwinden, sieh, da kann sich wohl ein Kind auf Meine Hilfe stutzen und zur guten Arbeit Meine Kraft erflehn.

Sei nicht betrübt, wenn die letzte Zeit verborgen bleibt. Es ist zwar gut, mit Lichtgedanken, Wünschen und mit Herzensbitten jetzt schon  helfen wollend, um den Einstigen die Lasten zu erleichtern. O der Gedanke ist schon eine Hilfe. Im Geist geht nichts verloren, für ihn ist jede Zeit gleich einer Ewigkeit. Doch das Empfinden einer Ewigkeit ist die Lichtsekunde Meiner Zeit!

Du bist nicht der Erste und auch nicht der Letzte, der aus seinem Geist das Herzensflehen kennt: Herr, hilf! Sollte Ich Mir solches Flehen nicht bewahren und mit ihm tun, was Mir gefällt? Was, Samuel, gefällt Mir wohl am besten?“

­„Das ist keine leichte Frage“, murmelt Samuel. „Ich ahne, was Du meinst, nur die Worte fehlen mir.“ „Sehr fehlen sie dir nicht.“ Der Herr legt ihm beide Hände auf. „Oder meinst du, Ich höre Mir bloß wohlgesetzte Reden an, die meistens leere Hüllen sind, während das Gestammel einer Seele, die sich innig an Mich klammert, das ganze Lichtgefilde hört? Natürlich ist es gut, lernt der Mensch das echte Reden. Doch noch immer achte aufs Innere der Worte; denn das ergibt die richtige Empfindung. –

Tue noch dein letztes Werk, dann …“ „Darf ich heim?“ unterbricht Samuel und duckt sich rasch. Wie konnte er Gott in die Rede fallen? Da ist es mit beseligter Heimkehr schlecht bestellt. „Nein“, tröstet Gott. „Wohl ist es besser, die Rede eines andern ruhig anzuhören und dann sein Wort dazu zu geben.

Es war die Inbrunst deines Geistes, Sehnsucht und das Frohgefühl: heim zum Vater! Eine Unterbrechung aus der Sehnsucht ist kein Fehl, also, duck’ dich nicht, sondern schaue hoch, wie du bisher getan.“ ,,O Vater, wie gut Du bist! Ich habe das um nichts verdient. Doch vielleicht verdient kein Kind, auch nicht die Ersten, Deine große väterliche Güte. Sie prägt Deinen Namen GOTT !“

„Sehr wahr gesprochen, Sohn! Diese Güte, das Wertzeichen Meiner UR-Gottheit, kann sich kein Kind verdienen; doch erhalten kann auch hieraus jedes einen Anteil aus dem Werk, weil ohne diese Güte, ohne dies Mein Gottes-Tum sich nichts erhalten läßt. Eben dieser Teil ist zu verdienen. Es wäre traurig, wenn keines ein ,Verdiener’ wäre oder werden könnte.“

„Darf ich sagen, daß auch DU verdienst? „ Zaghaft ausgesprochen. „Was sollte ICH verdienen, das nicht Mir gehört?“ ,Jetzt hast Du mich geprüft, lieber Vater. Du weißt, wie ich es meinte. Verdient hast Du unsere Liebe, den Gehorsam, die Einhaltung Deiner heiligen Gebote, eine volle Hingabe an Dein väterliches Herz. Das hast Du verdient, eben wegen Deiner hocherhabenen Güte, die ewiglich Dein Eigen bleibt. Aus Deiner Fülle kamen alle Werke, aus ihr nehmen vir das Leben.“

„Ja, Mein Sohn, so bin Ich ein Verdiener – um euretwillen. Denn ler gibt, der darf auch nehmen; und da Ich ewiglich der GEBER bin, nehme Ich von Meinen Kindern ihre Liebe an, den Gehorsam, wie du richtig sprachst, und alles das, was ein Kind als Rückgabe Mir zu bringen weiß. ­ —

Für dich gibt es nochmals einen weiten Weg. Mein Geist der Gnade leitet dich. Die Heimkehr lege noch zur Seite, lange brauchst du jedoch nicht zu warten. Die pflichten sind erst zu erfüllen. Oder möchtest du mit einem halben Maß nach Hause kommen? „ „O nein! Wer aber, der die Materie durchwandert, kann ein volles Maß erzielen? Das ganze hättest Du gewiß verdient, weil Du der ganze Geber für uns bist. Du hast nichts Halbes. Bei uns – – ?“

„Grübele nicht über eine Menge; denn das kann auch ein volles Maß bedeuten, wenn die Last des Weges damit ausgeglichen werden muß. Ich bin euer Vater, Samuel. Ich erfreue Mich an jeder Gabe Meiner Kinder. Ich kann ein Kleinstes mit dem Großen messen; wähnt aber jemand, Mir ein Großes darzubringen, so kann das leichtlich in ein Kleines fallen. Bleibe du bei deinem halben Maß und warte ab, was Meine Güte damit tut. Sei gesegnet.“

Noch einmal liegen Gottes Hände auf dem Haupt des Sehers und der denkt: so tut Gott mit allen, auch wenn nicht alle es erleben, wie ich’s unverdient erleben darf. Da ist’s, als striche nochmals eine linde Hand über Stirn und Wangen. Beseligt schläft Samuel ein. Es ist tiefe Nacht geworden.

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