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Kap. 9 – Schwere Fragen und Lastentragen; Saul umnachtet; Gottes Wort

Kapitel 9

Schwere Fragen und Lastentragen; Saul umnachtet; Gottes Wort – Offenbarung; Auftrag in Bethlehem.

Wieder gehen Wochen hin in Leid und Streit. Samuel betet, Gott möge sich erbarmen. „über was?“ fragt er sich selbst. Das Volk samt Saul ist störrisch; kann da der Herr der Helfer sein? Nach langer Wanderung von Ort zu Ort, wo sich Getreue sammelten, vom weiten Weg ermüdet, kehrt Samuel nach Ramaheim, von den Nachbarn und vom Diener froh begrüßt.

„Du siehst müde aus.“ Patael bedeckt Samuel mit einem Fell, als er sich leicht frierend setzt. Es ist die Seele allzu müd geworden ob dem Arg der Leute. Er dankt: „Mir tut wohl, Treue vorzufinden. Ihr habt keine Ahnung, wie es gärt. Und immer das Geschrei: ,Wir sind … Gott muß …’ Dabei steht Gewinn und Sucht im Vordergrund. Nie hätte ich gedacht, daß Saul ganz niedersinkt. Also bleibt ja meine Frage haften: Habe ich Gott falsch verstanden? Sollte es zu keinem König kommen?

Fürst Chaha, eben eingetreten, hat die Frage noch gehört. Er sagt absichtlich hart: „Du bist Prophet, Samuel, der in Gottes Ordnung handelt, du solltest Gott mit dieser Frage nicht betrüben.“ „Wahr gesprochen, Freund. Nur bedenke – wenn es eine falsche Wahl gewesen ist, daß man, merkend, Könige bringen nicht bloß Glanz und Sieg -, mir es überträgt, das Ungemach, wohlgemerkt. Was noch wie Glorie erscheint, ein Trugbild dieser Welt, beziehen sie auf Saul und auf sich selbst.“

„Dagegen gibt es ein Mittel“, beruhigt Chaha. „Ich habe Älteste auf meiner Seite, nicht alle, aber sie genügen, um dich vor Unbill zu bewahren. Hm – ich meine“, lenkt er ein, „der eigentliche Schutz ist unser Herr, ebenso für uns, notfalls für das ganze Volk.“ „Und für Seine Werke!“ Samuel steht wieder da in alter Kraft, als ein Seher Gottes. „Ich werde noch mit Saul bereden, wie er handeln soll und ihm des Höchsten Willen offenbaren.“

„Ich hörte“, fällt Patael ein, „Sauls Geist würde sich umnachten. Er hätte seine eigenen Gesetze umgestoßen, Vasallen erst umarmt und hinterher verstoßen. Gar mancher wurde stutzig. Kann er dir nicht schaden, wenn du zu ihm gehst? „Eine ernste Sorgefrage. „Zumindest sollst du nicht allein zum König gehen; ich begleite dich.“ Fürst Chaha und die andern stimmen zu.

„Um der Treue willen soll es gelten, daß Patael mitgeht. Ansonst – – Gott ist unser Schutz, Seine Hände führen uns.“_ „Dessen sind wir selig“, bestätigt Abelae, und Chaha sagt: „Zieht nicht zu Fuß, das ist zu beschwerlich. So ist’s nun mal auf dieser Welt, und bei Gefahren könnt ihr schneller fort.“

„Auch das sei anerkannt.“ Samuel drückt Chahas Hand. „Ein paar Tage ruhe ich noch aus.“ Ein Gefühl beherrscht den Seher, ob Gott erst etwas sagen will. Zu vieles hat er auf dem Herzen. Die drei Männer gehen fort, nicht ohne Samuels Diener einzuschärfen, bestens acht zu haben. „Du kannst gewißlich sein“, sagt derselbe zu Fürst Chaha, „ich habe ein paar starke Knaben (junge Leute) an der Hand, die kommen gleich, wenn ich sie brauche.“

Samuel steigt auf den Söller. Eine linde Nacht, wie sie seltenst vorzukommen pflegt, senkt sich übers weite Land. Er sieht empor, wo des Schöpfers Lichterheere ihre Bahnen ziehn. „Ach Herr, herrlich sind die Werke Deiner Macht! Doch auf unsrer Welt -? Nicht hört der Blutstrom auf zu fließen, keine Eintracht, nicht mal unterm eigenen Volk, viel weniger denn zwischen all den Völkern. Muß das hier so sein? Oder ist es …“

Gott, in Seiner für die Menschen zugedeckten Weise, steht neben Samuel.“ … oder ist es nur der Ablauf jenes Falles? Als Mein Seher solltest du nicht fragen, was du geistig weißt. Immerhin – Ich will mit dir reden, um deine Bürde wegzunehmen. Nur ohne jede Last, Mein Sohn, ist der Lebensweg bloß halb gegangen. Lasten tragen ist die Dienstbarkeit, die Ich von Meines Lichtes Kindern abverlangen kann, als kleiner Gegendienst für alle Meine Güte, Meinen Segen und die Freundlichkeit. Oder nicht?“

,,O Vater, laß mich mein Haupt an Deine Seite lehnen. Mich reut sehr, Saul gesalbt zu haben und weiß noch immer nicht, ob ich Deine  Stimme recht vernahm. Habe ich zu sehr aufs Volk geachtet, was es wollte, weniger darauf, was Dein hehrer Wille war, so bin ich vor Dir sündig, wie kaum ein anderer Mensch. Und alle Last, die das Volk zu tragen hätte, ist meine Schuld vor Dir.“

„Und wenn, Samuel? Willst du nicht tragen, was aus Meinen Händen kommt? ICH gab den Auftrag, weil man es nicht anders haben wollte. Das Volksbegehren wurde ausgeführt, nicht dein, am wenigsten Mein heilsgewohnter Wille! Du weißt, Ich hatte es mit dir besprochen: Wer sich Törichtes erwählt, wird Torheit ernten!

Meinst du, MICH muß die Salbung reuen (1.15,11)? Weiß Ich nicht voraus, wie sich des Menschen Gasse wendet? Müßte Ich erst warten, was sich jedermann erdenkt und danach tut?“ „Herr, wie könntest Du als Schöpfer all Dein Wunderwerk erhalten, müßtest Du erwarten, ob und wie das eine und das andere geschieht! Allein bei Saul, da bin ich …“ „Samuel, reuen kann MICH nichts, (u.a.1.Mo.6,6); denn dann wären Mir bei Meiner Arbeit Fehler unterlaufen.

Der Mensch hat zu bereuen, weil er viele Fehler macht, die selten aufzuheben sind. Aber ICH -? Auch Mose dachte einst, es hätte Mich gereut, Menschen auf die Welt gesetzt zu haben. Nein, Samuel, Ich bedenke stets der Kinder Bürde, ob nicht manches aus dem Fall des ersten Kindes abzuwenden sei.

Die Lichtgetreuen boten selber an, für die arme Schwester in deren finsteres Verließ zu steigen, um mitzudienen, was gerettet werden muß. ,Alles-retten’ liegt bei Mir, das Mit-retten bei den Kindern! Weil Israel sich seinen Weg erkoren hat, muß es ihn auch bis zum Ende gehen, später sogar schwerer, Samuel. Aber das zu offenbaren sei der Zukunft überlassen.

Ich gebe dir zu wissen, den nächsten König vorzusalben; nicht aus Meiner Willensherrlichkeit, sondern aus der armen Freiheit, die dem Fürsten der Materie bewilligt ward. Das Geheimnis wird enthüllt, nachdem das ,Alles-retten’ mit Meinem höchsten Opfer (Golgatha) eingeleitet worden ist.

Sauls letztes Handeln ist vergeblich. Er hat Meinen Willen in den Wind geschlagen. Du aber sei getrost; Ich bin bei dir und allen, die ihr Herz in Meine Hände legen.“ “Und die anderen?“ forscht Samuel. „Verbirg die Frage in der Brust“, erklingt es ernst. „Ich bedenke die Verlorenen. Unter Meinem Segen gehe deinen Weg.“

Bis das Frührot aus den Nebeln steigt, bleibt Samuel betend auf dem Söller. Seine Seele ist befreit, Sein Geist voll Dankbarkeit und Ehre gegen Gott. So rüstet er sich schon am andern Morgen, läßt Patael rufen und gemeinsam traben sie dahin, nachdem beide Männer noch ihr Haus bestellten.

Wieder ist’s ein Gnadenzeichen, das dem Seher wird. Es dauert gar nicht lang, kommen hie und da Berittene hinzu. Daß Fürst Chaha sie berief, wann Gottes Seher König Saul besuchen würde, deckt Gottes Güte zu. Samuel soll sich ob der Männer freuen, und er dankt ihnen mit des Vaters Segen, den er übermitteln darf.

Saul war, vom Karmel kommend, er machte sich ein Siegeszeichen, nach Gilgal aufgebrochen. O, wie sind ihm die Gedanken brüchig, die er mit Glanz zu übertünchen sucht. Als er den Propheten sieht, ruft er laut: „Gesegnet seiest du gem Herrn! Ich habe des Herrn Wort erfüllt.“ Er wüßte nicht zu sagen, welches.

Samuel rechnet ab. Nichts bleibt dabei von weltlich Hohem übrig.

„Meinst du, daß der Herr Lust habe am Opfer und am Brandopfer gleich wie an dem Gehorsam gegen die Stimme des Herrn? Siehe, Gehorsam ist besser denn ein Opfer, aufmerken besser denn das Fett von Widdern!“ (1.15,22)

Saul bittet Samuel, bei ihm zu bleiben, bis er angebetet hätte. Dieser sieht, daß es eine kurze Reue ist, gedenkt jedoch dem ,Mit­retten’. Da will er noch einmal dem König helfen. Doch bald zieht dieser sich nach Gibea zurück. Von dieser Zeit an bleibt Samuel im Auftrag Gottes fern; erst später trifft er ihn nochmal.

Er kehrt jetzt des öfteren bei einem und dem andern ein, unruhig, obwohl vom Herrn entlastet. „Es ist das Menschliche am Menschen“, sagt er zu sich selbst, „man weiß trotz Gnadenworte nie genau, ob man alles richtig tut. Herr, Dir will ich immerfort vertrauen. Nur wie es weitergehen soll, da wollest Du mich führen. Dir brauche ich es, nicht zu sagen, was Du weißt, bevor etwas geschieht: Saul soll umnachtet sein, nicht immer, doch es wäre mit ihm arg. Wie kann er so das Volk regieren?“

Es ist abermals ein Abend, als Samuel auf seines Hauses Söller sitzt. Die Hände fest verschlungen, das Haupt darauf geneigt, so wartet er, ob nicht doch ein Wort des Höchsten zu ihm käme. Schon will er in die Kammer gehn, die Nacht wird kühl – -„Ach, der Herr bleibt fern, weil ich …“

„Ist dir die Geduld entschwunden? „ Nahe klingt die Stimme und ist ein Licht, das neben Samuel erscheint. O, der Herr wird Sich nicht immer zeigen; das gute Wort – sollte das mir nicht genügen? „Dein Gedanke gilt, und wisse wohl: Ob du Mich siehst oder bloß Mein Wort vernimmst, ob ein Engel dir erscheint, ist’s allewege Meine Gnade, die dich auf Schritt und Tritt umgibt. Du solltest jetzt um Saul nicht länger leiden; denn das merkst du ja, wie Ich alles lenke, selbst wenn es weltlich wie verdorben wirkt. Auf daß du aber ganz entlastet wirst, so merke auf.

Der zweite König mag das Volk zusammenhalten, ein dritter auch.  Dann wird Israel geteilt, weil es MICH mit seiner Welt zu teilen sucht. Doch Ich bin unteilbar! Bei Mir gilt allezeit das Ganze! Du denkst, Menschen können sich nie ganz ergeben, das Leben dieser Welt verlangt das Äußere. Du hast recht, Mein Sohn, das vermag, das kann kein Mensch. Könnte Ich das nicht auf andere Art besehen?“ „Herr, gewiß, ganz gewiß“, erwidert Samuel.

„Dein Geist ist hoch, die Seele nicht aus einer Niederung, daher weißt du, was gesagt sein soll. ICH handele im Ganzen, im Empyreum oder auf der kleinen Welt. Gibt nun der Mensch sich Meiner Führung hin, dann ist die Willigkeit vor Meinem Angesicht das Ganze; alles andere, was mit am sogenannten ,Werkrock der Materie’ hängt, wird von MEINEM GANZ bedeckt. Sollte Ich nicht wissen, was der Weg durch die Materie mit sich bringt?“

„Vater, Du weißt allein alle Dinge, Du weißt auch, daß ich …“ Samuels Inbrunst lodert, „ …. du Mich liebst. So spürt es dein Gemüt mit all den Kräften, die du in dir trägst. Wie anders könntest du Mein Seher sein? Was dich noch bewegt, das lasse fahren; denn alle Reichsinsassen lieben Mich und wären somit jeder ein ,Prophet’. Du, weißt nicht, daß sie es auch sind. Gilt Mir bloß die eine Welt, wo Meine Sendlinge zu dienen hätten? Gilt stets das, was sich offenbar erweist? Viele, Samuel, die niemals offen wirken, es auch gar nicht brauchen, wirken in der Stille ihres Geistes [VH7]. Du bist darob erstaunt? So merke auf!

Lichtgedanken, gute Wünsche, Herzensbitten für den Nächsten, nicht zuletzt für Feinde, sind ein gesegnetes Prophetentum! ICH sammele Gedanke, Wunsch und Bitte, Ich mache daraus, was Mir wohlgefäIIt. Du weißt ferner, daß sich Mein Segen nicht bei jedem offen zeigt, mancher scheinbar ungesegnet ist. So auch bei der Prophetie. Kein Lichtkind geht von seiner Himmelsheimat aus, ohne einen Auftrag, ohne einen Sonderweg.

Den Gedanken decke Ich dir auch noch auf, wie es da mit kleinen Kindern stünde, die sehr früh die WeIt verlassen. Das sind zumeist die Lieblinge des Himmels, auch dort die Kleinen, die Behüteten, die gedeihen müssen. Weil sie aber auch ihr kleines Herz Mir willig geben und Ich mit solchem kleinen Kindesweg viel Wunderherrliches verbinde, daher werden sie von ihrem großen Engel hergeführt, wobei die Eltern dieser Welt ein Heil erfahren.

Das wird freilich seltenst anerkannt. Mein hoher heilsgewohnter Wille soll nicht gelten. Allein – was ist die kurze Erdenlebenszeit vor Mir? Treten solche Elternseelen in das Jenseits ein, dann tut sich ihnen kund, weshalb ein Liebling weggenommen worden war. Aber nicht bloß so erfüllen sich die kleinen Wege. Es gibt arme Seelen, damals mit dem großen Stern gefallen (OJ.9,1), die keinen ganzen Weg bewältigen können. Da wirken Liebe und Erbarmung, und die kleinen Finsterlinge haben gleichfalls einen kurzen Weltenweg.

Das hast du nicht gewußt, nicht klar erkannt. Doch nun weißt du, wie Mein Walten überall und bis ins Letzte für die großen und die kleinen, für die lichten und die finsteren Seelen wirkt.“ „Bei mir auch“, wagt Samuel einzuwerfen. „Das mit den Propheten im Geheimen – Vater, hier bin ich ganz entlastet, bin nicht mehr einer von den Wenigen, sondern von den Vielen, von der Schar, die nie zu zählen ist.“ (Dan.7,10; OJ.7,9)

„Genau, Mein Sohn! Nun wandere; Bethlehem, der kleine Ort, soll ausersehen sein und wird es einmal, wann die große Löse kommt. Du hast des Volkes Stimme schon gehört: Kann Saul nicht mehr wirken, begehren wir den nächsten, der uns königlich regieren soll! Und was des weltlichen Gelüstes mehr, wurde Mir in Silo vorgelegt. Als ob Ich nicht in ihres Herzens Schächte sehen könnte! So hatte man in Silo sich versammelt, hat einen Mann als Priester hingestellt, der Mir sagen mußte, was man abermals begehrt.

Aber keine hundert Jahre gehn dahin, und ein ,Peres’ (Teilung) wird das Volk erschrecken. Weiter noch einmal zweihundert Jahre und zehn Stämme sterben, weil man Meine Zehn Gebote, am Horeb herrlich offenbart, zunichte macht, freilich – für sich selbst, um die Materie über Geist und Licht zu heben. Und nach siebenhundert Jahren, wenn Meine Löse (Heiland) nicht erkannt, nicht angenommen wird, verliert des Volkes Rest Heimat, Haus und Herd. Das Weitere, Samuel, bleibt für die späteren Zeiten zugedeckt.

In Bethlehem besuche das Haus Isai; du kennst ihn, einer von den seltenen Getreuen. Da findest du, was man will: den nächsten König. Kannst ihn schon salben, wie man es verlangt. Vor Mir gilt allein des Herzens Salbung. Ist dies ein Wohlgeruch, so steigt er auf zu Meinem Herrschaftsstuhl. Siehe, Könige des Herzens sind des Lichtes Kinder. Menschen sehen, was vor Augen ist; der Herr, ICH, besehe Mir das Herz!“ (1.17,6)

Samuel hat einen kurzen aber guten Schlaf; und bevor die Sonne kommt, wandert er dahin – allein, einen Stab in seiner Hand. Auf dem Weg führt er ein inneres Gespräch, als unterhielte er sich mit dem Herrn, wie mit einem Freund. An einem späten Abend sieht er Bethlehem im Schimmer vieler Sterne friedlich liegen. Im winzigen Herbergshaus kehrt Samuel ein, um erst den andern Morgen abzuwarten. Früh, kaum erwacht der Ort, klopft es an das Tor bei Isai. Gleich wird geöffnet.

„Du, Samuel?“ Erfreut streckt der Hausherr seine Rechte aus. „Was führt dich denn in aller Frühe zu mir? Tritt ein.“ Isai öffnet rasch die Tür und geleitet ihn ins Haus, wo man beim bescheidenen Frühmahl sitzt, sein Weib und seine Söhne. Einer fehlt. „Sprich, was ist geschehen?“ Isai denkt an Schweres, weil die Zeiten voller Wirrnis sind. O, nein, nicht die Zeit, die Menschen machen sich das Leben schwer.

„Ich komm’ im Auftrag Gottes, Isai. Er hat dich gesegnet, dich md dein Haus.“ Ein extra freundlicher Blick trifft Magdala, Isais Frau. Sie errötet und sagt bescheiden: „Dem Herrn sei Dank, daß ich mit unter Seinem Segen bin.“ „Magdala, ER macht keinen Unterschied zwischen Mann und Frau, Er schuf sie beide (1.Mo.1,27). Sollte Gott den einen Teil vor den andern stellen? Ihm sind beide lieb und wert, Seine Töchter und die Söhne.“

„Leider wird das nicht beachtet“, sagt Isai, „aber nun – sicher geht es um den König Sau. Ich hörte schon …“ „Um diesen geht’s nicht mehr, sein Regiment ist bald zu Ende. Weil jedoch das Volk Silo durch einen falsch gewählten Priester Gott im Ohre lag um einen andern König, damit es wie die Heidenstämme prangen könnte, halb kommt ein anderer an Sauls Stelle.“ Samuel schiebt eine Pause ein, die man nicht zu Unterbrechen wagt. „Dieses Haus ist ausersehen worden. Du hast viele Söhne, Isai, jung, groß und stark des guten Geistes (Gemütes), da wird sich einer finden, auf dem die Hand des Ewigen ruht.“

„Großer Gott“, ruft Isai, „mich erkennt man niemals an, wird mich ehren, da wird …“ „Gemach!“ Samuel hebt eine Hand. „Es geht um keine Menschenehre, auch nicht um die deine. Du weißt, wie rasch sie sich verliert. Dein Haus erkennt man an. Selbst bei jenen, die ihre Weltsucht über Gottes Führung heben, bist du überall geachtet­ und wohl angeschrieben.

Nun laß mich wählen, wer der König werden soll.“ Isai führt seine Söhne an Samuel vorbei. Bei jedem schüttelt er das Haupt. Keiner ist’s, er hat nichts gesehen, nichts gehört, kein Omen kam. Ob er jetzt wieder – wie bei Saul – ? Nein, er hat sich nicht geirrt, zu deutlich hörte er die Hohe Stimme.

„Hast du noch einen andern Sohn? „Er sieht sich suchend um. „Der Herr sprach ganz genau von deinem Haus. Auch sah ich an der Tür ein Mal.“ Isai lacht ein wenig. „Diese hier“, zeigt er auf die sieben Söhne, „kämen als die einzigen in Frage. Der Jüngste, David, der ist noch ungeschickt, auch ein wenig fremd, weil er meistens bei den Herden ist.“

Eliab der Älteste sieht am besten aus, aber – „Er ist es nicht“, hört Samuel neben sich, „keiner, der an dir vorüberging.“ „Eliab“, gebietet Samuel, „geh’ und hol deinen Bruder.“ Jener lacht, und daran merkt der Seher: Gott achtet nicht der äußeren Gestalt, das Herz besieht Er sich. Die andern lachen mit: „Der Kleine, der kommt doch nicht in Frage? „ Und jeder hofft, Samuel würde ,ihn’ erwählen, mindestens einen von den sieben.

Die Mutter mischt sich ein: „Lacht nicht über David, kürzlich hat er mit der Schleuder eine Bestie erlegt. Auch sonst ist er lieb und brav.“ „Ah, das Muttersöhnchen“, stichelt einer. Isai verweist es ihm. „Los, bleibe bei der Herde und schicke David sofort her! Zwar glaube ich es nicht, daß unser Kleiner …“ „Warte ab“, unterbricht Samuel. Der Name David klingt in seiner Seele wider.

David ist der Jüngste, doch von schöner, kräftiger Gestalt, mit Augen, in denen sich viel Gutes spiegelt. Samuel sieht über ihm ein Flammenod und hört: ,Dieser!’ Er legt ihm seine Hände auf und sagt zu Isai und Magdala: „Euer David ist erwählt. Seine Art ist gut, soweit eben etwas ,gut’ zu nennen ist. Gut im hohen Sinn ist GOTT allein. Das wisset ihr.

„Ihr Brüder“, wendet er sich an die sieben, die verbissen auf den ,Kleinen’ sehen, „bedenkt euch eueren Segen. Wähnet nicht, König spielen wäre leicht, David“, spricht er diesen an, „sei auf deiner Hut. Leicht verderben Macht und Reichtum eine reine Seele. Noch befleckt dich nichts, aber was die Welt -„ Samuel mag das Herz des Jungen nicht belasten. Das Leben hat ihn viel gelehrt, oft mehr Böses als was anderes. Er salbt David und entläßt ihn zu den Herden auf dem Feld. Isai gibt er den Rat:

„Wenn Saul ruft, dann lasse David ziehen. Am Hof des Königs wird er selber Gold und Flitter unterscheiden lernen. Möge er stets nach dem Golde greifen.“ „Da verdirbt mein Sohn! Warum hat der Herr ihn denn erwählt?“ „Unbesorgt, David ist ein klarer Quell. Wird er zum Bach, zu einem Strom, so reißt er zwar vom Ufer manches ab, was die Quelle nie besaß; das Wasser aber bleibt, was es ist.

Leicht fällt einer in die Irre. Wenden wir uns um, recken unsere Hände nach dem Höchsten aus – Er neigt Sich nieder; und niemand, der nicht Seine Gnade fände. Laßt mich eine Weile bei euch ruhn.“ „So lang du willst, Samuel“, sagt Isai herzlich, und Magdala richtet ihm ein Brot, Milch und Käse. Später wandert er aufs Feld. Er sieht zu, wie David seine Lämmer streichelt, sie zum Wasser führt und eine Handvoll Salz sie lecken läßt.

Er hört Harfenspiel. Sehr verwundert ist der Seher Gottes. Wer so fein die Harfe schlägt, bei dem mag außer dem Geschick der Menschen wirklich Gottes Wahl vorhanden sein. Trotzdem, auch ein David wird dem Machtwahn unterliegen. Nicht wie bei Saul, allein – Bekümmert wendet er sich ab und kehrt ins Haus des Isai zurück. Er nächtigt aber nur einmal.

Anderntags wandert er den weiten Weg zurück nach Rama. „Ich würde immer einen Esel brauchen“, murmelt er. „Die Füße werden müd, der Körper matt und – Ach was, sollte ich mein kleines Ungemach nicht tragen?, bei so viel Güte, die der Herr mir allezeit erwiesen hat?“ Trotzdem ist er froh, als er seines Hauses Schwelle überschreitet und vom Diener gleich empfangen wird. – –

Monde sind vergangen, in denen sich die Rede mehrt, wie krank der König wäre. Der Nachbar Patael sagt: „Der gute Geist ist von Saul gewichen, ein böser Geist aus Gott hätte ihn befallen (1.16,15).“ Samuel zieht die Augenbrauen hoch. „Du hast die echte Lehre auch erhalten, und nun sagst du das?“ „Es wurde so verbreitet“, meint Patael, „es stünde schlecht um Saul.“

„Gottes Geist ist gut! Von Ihm aus gibt’s nichts Böses, vor allem keinen bösen Geist. Was Saul betroffen hat, mag eine abgeirrte Seele sein, die er ermordet hat, den Menschen. Es geschieht, daß solche Seele sich an ihren Mörder hängt. Grundsätzlich ist’s die Schuld, die den Argen sinken läßt, und verdüstert den Verstand. Der Mensch weiß dann nicht mehr, was er tut und sagt. In dieser Hinsicht ist und bleibt es stets das eigene Vergehen.

Du kennst des Königs Hauptmann. Mit diesem sprich, in Bethlehem wohnt ein junger Mann, der seine Harfe spielt. Wunderbar! Es kann sein psaltern Sauls Gemüt besänftigen.“ Samuel verrät es nicht, daß David als der nächste König vorgesehen worden ist. Die Eltern und die Brüder schweigen auch.

Viele Lichtgedanken, Wünsche, Herzensbitten gehen Tag für Tag vom Seher aus für alle, die in Not und Elend sind. Er forscht dabei nach keinem Namen. ,Ja Herr, so unvernünftig wird gesprochen. Man nennt Dich gut und wähnt zugleich, aus Dir käme auch das Böse. DU würdest Böses Deinen Menschenkindern schicken. Ach Herr, kehre doch den Unsinn von den Herzen aus, damit sie Dich so wahr erkennen, wie Du in Deiner hehren Heiligkeit es bist.“

„Deine Bitte gilt vor Meinem Angesicht.“ Gottes Stimme ist zu hören. „Gibst du Mir einen Rat, die Herzen umzuwenden, wenn sie sich an ihre arge Meinung klammern und denken noch dabei, wie klug sie wären?“ „Einen Rat – ? „ Samuel duckt sich ein wenig, als hätte er mit seiner Bitte sehr gesündigt. Dabei ist es ihm, als säße Gott an seiner Seite.

„Die Bitte war schon gut“, erklingt es freundlich, „bloß nicht besonders gut bedacht.“ „Wer kann DIR raten? Du hast ewiglich des Rats genug. In ihn will ich mich immerdar begeben, Ich hatte eben bloß gewünscht, daß der Glaube an Dich sauber würde und man nicht sein armes Weltliches auf Deine Schultern legt.

„Die Weltlichen gerade werden bis zuletzt sich ihre Normen bil­den. Wie sie selber sind, soll auch Ich vor ihnen sein. Hoch hinauf will man nicht blicken, das strengt an; doch daß Ich, GOTT, nicht auf ihrer Stufe stehe, wissen sie genau. So wird Mir ab und zu von ihres Wesens Kleinheit etwas angedichtet, obwohl mancher spürt, so könne es nicht sein.

Das wiege Ich nicht allzu schwer, Mein Sohn. Weltlich, was sich ohne böses Denken aus dem Weg ergibt, fällt unter eine Abrechnung, nicht unter ein Gericht. Beides wäre einerlei? In einer Hinsicht schon, weil jedermann sein Sündenmaß bekennen muß. In der Abrech­nung wird der Materieweg bedacht, weil da manch einer von anderen verdorben ward. Darunter entfallen vordringlich die Seelen, die nicht selber unterscheiden können, nicht genau. Ins Gericht fallen alle, die sich selbst erhoben haben, wo das Seelische samt Welt­sinn ihres eigenen Wesens überwiegt.

Jene Lehrer, die sich nicht bemühen, Meinen Geist der Gnade zu erfassen, Mich den ,guten Vater’ nennen, zugleich den unerbittlich strengen Gott, weil sie selber streng und unerbittlich sind, eben diese stehen im Gericht. Natürlich alle, die bewußt das Böse tun: Diebe, Mörder, und die ihre losen Zungen wetzen. Kurzum alles, was die Finsternis gebärt, das wird gerichtet.

Auch Abrechnungen sind nicht leicht. Erst von der Schuld befreit, kann die Seele in dem Geist des Lichtes Segen haben. Solang nicht abgerechnet ist, haften jedem seine Fehler an. Sicher ist es möglich – da hilft auch die Erbarmung -, daß der Mensch des inne wird, was er falsches tut und sich Mühe gibt, dem Übel zu entrinnen. Diese Mühe kommt vom Geist, den ICH den Kindern gab, ohne welchen es kein wahres Leben gibt.

Wer sich also während seines Weges durch die Weltmaterie wendet, kann schon vor der Heimkehr in das Reich einen Teil der Abrechnung erfahren und das Jenseits wird ihm licht und leicht. Ohne Mühe gibt es keinen Preis, Samuel! Jetzt noch ein anderes:

Es war gut, David hin zu Saul zu senden. Dich wird er nicht mehr rufen, er fürchtet dich, was seiner Seele heilsam ist. Gehe in die nahen Orte und bring’ den armen Leuten Meinen Segen, Wort und Gnade und du selber bist gesegnet. Du stehst immer unter Meiner Hand.“

Wie stets nach einer Offenbarung bleibt Samuel versunken sitzen, wiederholt sich Wort für Wort in seinem Herzen. Eine Seligkeit ­Vorgeschmack vom Reich. Darüber schläft er ein, ruft am andem Morgen seine nahen Freunde und teilt ihnen Gottes Segen mit. Hernach wandert er, wie der Herr es ihm befohlen hat.

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