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A) Die sechs ersten Siegel; ihre Verwahrung, Ausübung und Erfolg

Kapitel 6-7 (Ps. 89, 7-19)    

Das erste Gesicht von der Rechtsausübung hat neun Einzelbilder, deren Abgrenzung der Seher scharf erkennen läßt. Die Unterbrechungen geschehen nicht — wie schon bemerkt — für Johannes, sondern sind die Grundursache aller Bilder, von denen jedes seine eigene Zeit, auch Einzelwerke der Gesamtschöpfung betreffen. Die neun Bilder beginnen in ihrer ersten Deutung mit der Freiheitsprobe im Lichtreich, in der zweiten Deutung bleibt ihr Wirken bis zum Zeitschluß der Rechtsausübung. Es muß bei den Bild-Aufschlüsselungen davon ausgegangen werden, daß der Sadhana-Fall das werkhafte UR-Opfer (Golgatha) nach sich zog.

‚Und ich sah, daß das Lamm der Siegel eines auftat.‘ In erster Linie stellt das Lamm, zumal während der drei Anfangsperioden der Rechtsausübung, das Werk des UR-Opfers dar, nämlich die Hingabe des gerechten Zorns und der verletzten Heiligkeit, an deren Stelle die Gott-Geduld die Liebe rückte und die Barmherzigkeit. Lamm heißt also hier: Das Hilfswerk öffnet das erste Siegel des Rechtsbuches, das gerechte Gericht einzuleiten.

Beim Öffnen zeigt sich noch keine Folge, weswegen das zur letzten Schau ‚Die UR-Macht, dem Lamm-Christus übertragen noch gehört. Das beweist die ‚Donnerstimme‘ eines der vier Tiere, des Wächter-Engels vom Schöpferstrom (1. Mo. 2, 11). Der sagt zu Johannes: ‚KOMM!‘ Dieser Wächter hat freilich große Macht aus der UR-Macht erhalten, um sein Amt auszuüben. Nicht verwunderlich, daß Johannes den Befehl als Donnerstimme hört. Mit dem Rufen wird er an einen andern Ort geführt, der auch zu einer andern Zeit gehört.

Das erste Bild der Rechtsausübung. Johannes wird rückversetzt in das Heiligtum, in die Zeit, wo Luzifer dem Zornfeuer

entfliehen will und weder Raum noch Zeit zum Verbergen findet. Die UR-Macht, hier das Hilfswerk, überläßt vorläufig den Gefallenen sich selbst; und die Last des Verlassenseins ist so ungeheuer, daß ein erster wenn auch ungewollter Demutsakt beginnt. In der Qual des ‚ohne Geist‘ schreit der Gefallene um einen Ort. In diesem Augenblick ist das erste Siegel offenbar.

‚Ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der daraufsaß, hatte einen Bogen; ihm ward gegeben eine Krone, und er zog aus sieghaft, und daß er siegte.‘ Das Reich hat Tiere, denn das Irdische braucht seine Vorbildung. Das Pferd verkörpert Kraft, auch Verwendung zur Tätigkeit. Letzteres bezieht sich auf farbige Pferde, während das weiße eigene Tätigkeit, reine Triebhaftigkeit bedeutet.

Wer sitzt auf dem weißen Pferd? Doch nur jemand, der aus eigener Kraft sich darauf setzt. Es bedarf keiner sonderlichen Deutung, für den EINEN (19, 11). ER, der Ausübende des Rechts, hat einen Bogen. Dieser wird zumeist als Waffe ausgelegt, doch gehörte dazu auch ein Pfeil. Er wird nicht erwähnt und ist nicht so leicht ersichtlich, ob ein Pfeil vorhanden ist.

Doch es ist gar keine Waffe, sondern der ‚Bogen des Bundes und der Gnade‘ (1. Mo. 9, 13). Etir die Lichtkinder, die schon während der Scböpfungsprobe in der Tat URs gerechte Bedingungen über ihre Freiheit stellten, ist der Bogen = Bindung, Verbindung, der BUND. UR konnte mit Seinen Engeln aufgrund ihrer freigewollten Anerkenntnis den Bund für das Werk schließen; und sie schlossen den Bund mit UR, Mittätige zu sein, nicht Selbsttätige, wie Sadhana es werden wollte.

Entsprechend dem gebildeten Dual, Person und Werk, muß auch der Bogen seine Zweiheit haben. Das sind seine Enden, sichtbar ruhend wie auf einer Erde = festgefügt, als Bund und Gnade in des weißen Reiters Hand. Im Augenblick, als die Geduld die helfende Liebe und die erlösende Barmherzigkeit dem gerechten Zorn und der verletzten Heiligkeit überstellte, war der Gnadenbogen zubereitet. Er bezog sich ausschließlich auf den geschöpflichen Fall. UR bog Sich in Gnaden zu dem tiefgestürzten Kind hinab.

‚Ihm ward gegeben eine Krone‘ besagt nicht, daß ein Höherer der Geber ist. UR gab die unaussprechliche Gnadenbindung; also krönte Ihn Sein Gnadenbogen! ‚Er zog sieghaft aus, und daß er siegt, wird meist als doppelte Darstellung einer Sache angesehen. Es ruhen aber zwei Dinge darin und zwar: Er zog aus sieghaft = war von vornherein der Sieger. Das beweist die vorerfolgte Krönung, die ernstlich erst nach errungenem Siege hätte stattfinden können. Die Krone, richtig das Kronsiegel (das erste) war aber offenbar, als UR zur Seligkeit der Kinder neben Sein Bedingungsgesetz jenes des freien Willens erhob. Sein Sieg heißt: Höchstmögliche Angleichung der Kinder an das urpersönliche Sein! (Matt. 5, 48).

‚Und daß Er siegte‘. Dieser werdende Sieg ist vom bestehenden nicht zu trennen; er betrifft die angebahnte Möglichkeit der freien Umkehr Luzifers. Dieser Sieg im Sieg heißt ‚Es ist vollbracht!‘, ist des weißen Reiters Dokument, das sich in zweiter Linie während der Ganzdauer der Rechtsausühung bei den Mit-Tätigen, den Mit-Opferträgern, zeigt. Sie Siegen in der Einheit ihrer Geisteskraft gegen den aufgenommenen Luziferanteil, also gegen die Finsternis. Daß der Sieg bei ihnen durch die Materielast kein ganz vollständiger, oft sogar ein minderer ist, wird vom Lichte ausgeglichen.

Die vier Reiter gehören im Prinzip zusammen, stellen eine sich unterteilende Folge dar, sind aber in ihrer Ausübung voneinander unabhängig. Deshalb im zweiten Bilde wieder der ‚Komm-Befehl‘ des zweiten Tieres als Wächter-Engel vom Priesterstrom (1. Mo. 2, 13). Der Seher wird wieder woanders hingeführt; und Raum, Zeit samt Auswirkungen des weiteren Geschehens sind für sich bestehende. —

‚Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war rot. Und dem, der daraufsaß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten; und ihm ward ein großes Schwert gegeben.‘ Eine andere Kraft geht von der Rechtsausübung aus, aber nicht wie der weiße Reiter aus eigener Tat. Sie wird eingesetzt und gelenkt. Der rote Reiter kann daher nicht aus Machtherrlichkeit tun und lassen was er will, sondern was geboten wird.

Rotes Pferd = Vergeltung an Gesetzesübertretern; auch: Die rote Rache schlägt die Völker, bis sich der heilige Rächer ihr entgegenstellt. Noch bleibt Er aus! Die Blutrache, das große Schwert, bringt lange friedlose Zeit, die — jetzt ab Kain — ausgelöst worden ist. Das als Ursache für die Welt, warum das rote Pferd bis auf den heutigen Tag unsere Erde fortgesetzt durchzieht.

Diesem roten Treiben gebietet UR scheinbar keinen Einhalt. Kain wird siebenfältig geschützt (1. Mo. 4, 15), aber nur zu dem hohen Zweck, daß die Finsternis ihre Seelen herzugeben hat. Allein, schon Lamech setzt siebenundsiebzigfältige Rache ein (1. Mo. 4, 24); und das nicht vom Herrn.

Zwar kaum geahnt, wirkt sich dadurch des weißen Reiters Gnadenbogen aus. Je weiter die rote Rache um sich greift, um so mehr wird die Zeit der Finsternis verkürzt. Sie verzehrt sich Praktisch dadurch selbst. Sobald ihre Kraft verausgabt ist, gibt es nur noch einen weißen Sieger. Wie ungeheuer jedoch der rote Reiter herrscht, wird im dritten Offenbarungsteil ersichtlich; denn mit der bildhaften Ablösung der Pferde ist ihr Wirken keineswegs vorbei. —

Das Lamm öffnet das dritte Siegel. Dem dritten Wächter-Engel vom Gottstrom (1. Mo. 2, 14) wird Gewalt gegeben, seinen Anteil an der Rechtsausübung einzuleiten. ‚Und ich sah (lerne daraus), und siehe (erkenne die Wahrheit), ein schwarzes Pferd. Und der daraufsaß, hatte eine Waage in der Hand. Und ich hörte eine Stimme unter den vier Tieren sagen: Ein Maß Weizen um einen Groschen und drei Maß Gerste um einen Groschen; und dem Öl und Wein tu kein Leid.‘

Vorwiegend gilt das Bild dem Unglauben, dem Lichtverlust. Es wird schwarz; am Ruder steht die Finsternis. Ihr wird jedoch Widerpart gesetzt, was der schwarze Reiter zeigt = völlige Geistverlassenheit des gefallenen Herrschaftskindes:. Es ist, als habe sich URs hochgerühmte Barmherzigkeit hinter Wolken versteckt. Das war sogar der Fall; nur wurde sie gerade dadurch dem Wortbrüchigen angeboten, denn nur in seiner Geistverlassenheit konnte Einsicht kommen. Ob erst gewollt oder nicht, spielt keine wesentliche Rolle.

Die hehre Hilfe beruht jedesmal auf eitlem, fast erschreckenden Rückschlag = Waage. Der Vernichtungsdrang der Dämonie ruft im Reich den Widerhall hervor: ‚Das schwarze Pferd!‘ Die Dauer seiner Gewalt ist hinsichtlich des ungeheuren Umbruchs im ganzen Schöpfungsall belanglos. Auf welcher Basis aus UR der Rückschlag folgt, offenbart der Befehl an den schwarzen Reiter.

‚Eine Stimme unter den vier Tieren.‘ Deren Befehlsgewalt hat einen gemeinsamen Bereich, weil sie am und um den Stuhlstehen = zuständig sind. Ihr Befehl müßte daher die gesamte Hölle treffen. Daß es das weder soll noch darf, sagt das andere Bild. Die Befehlsübermittelung — nicht ihre Ausgabe — nimmt eine Stimme vor, die den Tieren unterordnet ist, somit nur

einen Teil verwaltet. Das geschieht, weil es sich um eine UR-Bedingung handelt, der gegenüber Sadhana ihr Wort gebrochen hatte. Daher gelangt nur diese jetzt zur Auslösung.

Der Rückschlag bezieht sich auf die Erbarmung, wie auf das ‚ohne Geist‘ des Gestürzten. Der schwarze Reiter bringt wohl Teuerung, Hunger und Pestillenz, aber nicht zu dem Verderb, nein — nur zur Anregung der Erkenntnis. ‚Ein Maß Weizen um einen Groschen und drei Maß Gerste um einen Groschen.‘ Das Bild beginnt mit der Verfluchung des Ackers. (1. mo.4, 12) und mit der sich anhängenden erschreckenden Teuerung, die in allen Landen rundum war. Auch Ägypten blieb nicht von der Sieben-Zeit verschont, wo es weder Saat noch Ernte gab. Joseph hatte die Fruchtjahre aber ausgenutzt.

Ein Maß Weizen und ein Groschen ist gleich um gleich! Des Menschen Geistesfrucht ist einen Groschen wert: sie wird so teuer als möglich erkauft, durch EINEN! JESU hat vom Weizen und Groschen oft gelehrt (Matt. 2; Mark. 12; Luk. 15). Anders bei der Gerste (Tierfutter), Symbol weltlichen Gewinnes. Ein Weltling muß es auf sich nehmen, statt Weizen (Licht) Gerste (Materie) zu erhalten. Weil diese soviel minder ist, hat er Dreifaches aufzubringen, wenn er auch zu einem Groschen kommen will.

‚Dem Öl und Wein tu kein Leid.‘ Öl wird aus der Frucht geschlagen, Wein gekeltert. Beides hohe Symbole. Öl = Geschlagene, Wein = Gesegnete des Herrn, Kinder des Lichts. Geschlagene sollen durch ihre Trübsal preisen, Gesegnete durch ihren Reichtum danken. Tu kein Leid = die Geistverlassenheit darf beide Arten nicht betreffen. Sie werden zwar die Lebenstrübsal leiden müssen (2. Kor. 11, 23-31), jedoch ihr Innen-Sein ist davon frei. Dem Geiste nach sind sie Öl und Wein, ihr Herz trägt Weizen. Im irdischen sollen sie mit Gerste fürlieb nehmen, was ein Teil ihres Mitopfers ist. Darum hat der schwarze Reiter den Befehl erhalten, ihren Geist unverletzt zu lassen. —

Das vierte Siegel! Der vierte Wächter-Engel vom Vaterstrom (1. Mos. 2, 14) ruft ‚Komm‘! ‚Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, des Name hieß Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen ward gegeben, zu töten den vierten Teil auf der Erde mit dem Schwert und Hunger und mit dem Tod und durch die Tiere auf Erden.‘ Fahles Pferd = unbestimmbare Kraft. Fahl entsteht aus gemischten Farben. Zuerst ist der geistige Tod gemeint, den dieser Reiter mit sich bringt; denn ihm folgt die Hölle nach. In ihr gibt es keinen erdzeitlichen Tod, nur jenen der Erkenntnis. Auch Sadhanas Fall war ein Tod!

Luzifer versucht, die Menschenseelen seinem Tode, den er fortgesetzt erleidet, einzubannen. Da ihm das wirklich nie gelingt, wälzt er seine Last der Geistverlassenheit auf alle inkarnierten Seelen ab, um sich selber davon freizumachen. So hofft er, die Kraft aufzubringen, um Selbsttätiger zu werden. Er gab es niemals zu, daß die Lasten sich verschlimmerten, je mehr er Seelen mit dem Tode traf. JESU nennt ihn ‚einen Mörder von Anfang an‘ (Joh. 8, 44).

Dieses Bild fängt mit der Sintflut an. Die Menschen waren so verderbt, daß Gott es reute, sie gemacht zu haben (1. Mos. 6, 6). Nicht, daß Er Sein Werk bereute; Er wäre sonst nicht der Allwissende. Reue = reizen, es reizte Seine Heiligkeit. Darum kam Sein Zorn als Sintflut auf die Welt.

Doch die Krönung Seines Opfers stand vor Seinem Zorn. Noah‘s Stamm wird gerettet. Und nicht die ganze Welt wird überflutet; denn ‚… zu töten den vierten Teil auf der Erde.‘ Primär entfällt dieses Töten auf das Innere, und das Naturmäßige auf die gesamte Gerichtszeit, wo der Schöpfungsfall gerichtet, zurechtgerichtet, wieder aufgerichtet wird. Aber jede Einzelphase ist erstlinig auf ihren Beginn gesetzt, um das Rechtswerk abzuschließen. Dasselbe bei der Sintflut. Dem körperlichen Tod, der Vernichtung jenes Landes, ging der Geist-, ja richtiger der Höllentod voraus.

Wieder ein Vierfacher. Der Tod durch Schwert und Hunger vom roten und schwarzen Reiter sind gezeigt; der dritte müßte sinnhaft heißen: Tod durch den Tod (21,8). Wenn einem durch Gemütsverhärtung sein Herz erstirbt, so auch, wenn er seinen Geist verliert. Einmal vom Licht gelöst, sinkt die Seele bis zu jenem grundlosen Grund, dem sie niemals wieder aus sich selbst entsteigt. Das ist der andere Tod; der fahle Reiter hat sie mit seinem Tod getötet. Oder: Es ist eine große Kluft, sie können nicht herüber… (Luk. 16, 26) nicht eher, als bis der weiße Reiter aus Seinem Sieg den Sieg des Vollbracht erkämpft, das Gegenstück vom Tod aus dem Tod.

‚Durch die Tiere der Erde.‘ Wie die Pferde oder die vier Tiere bedeuten sie eine Kraft. Nur ist diese in ihrer Art und Anwendung nicht mit der Kraft der Stuhl-Tiere zu vergleichen. Die Tiere der Erde sind eindeutig Diener der Welt, untergeordnete Machtträger, die die ihnen übertragene Gesetzeskraft mit Nachdruck ausüben, um sich als Mächtige auszugeben. Sie haben Kraft, leben zu lassen oder zu töten, ein Gesetz in Anwendung zu bringen oder nicht, jenachdem sie durch das eine oder andere an Ansehen, auch Verdienst, gewinnen.

Die vor der Sintflut um sich greifende Gewissenlosigkeit bewirkte Glaubensunterdrückung und auch Glaubensverlust durch die ‚Tiere der Erde‘ als Ausführende der Herrschgewalt. Der fahle Reiter reitet aber heute noch, zeitweilig sogar mit verstärkter Rechtsausübung. Denn alle Geschehnisse haften nebst ihrem Lichtcharakter der Bilder entsprechend ihrer weitgebundenen Auswirkungen dem Zeiten-Ende an.

Außer dem weißen Sieg bringen die Reiter Krieg, Pestillenz und Tod. Aber das steht nur an zweiter Stelle; im Vordergrunde herrscht der Geist, mit dessen Waltung auch die irdische Einsicht auszulösen ist. Wird das Geistige reichsmäßig erfüllt, folgt das Erdhafte wie der Mond der Sonne. — Johannes sieht beim fünften Siegel-Aufbruch ‚…unter dem Altar die Seelen derer, die erwürgt waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, das sie hatten.‘ Der Altar, richtig der Heilige Herd bedeutet „Schutz“. Verfolgten, sobald sie einen Tempel, einen Altar erreichten, durfte dort kein Leid widerfahren. Sie standen sofort unter dem Schutz des Heiligtumes. JESU, der Heilige Altar, schützt die Frau vor der Steinigung (Joh. 8).

Wer sind die erwürgten Seelen? Das Bild ist dem Letztgezeigten anzuschließen. Da es christliche Märtyrer geschichtlich aber sehr viel später gibt, könnte in der Aufschlüsselung eine Fehlerquelle liegen. Doch es wird sich ja erweisen, wie es anzusehen ist.

Kinder des Lichts tragen freiwillig im Mit-Opferweg Potenzen der gerichteten Materie zurück. Tun sie das, so müssen sie ihr reines Lichtgewand ablegen und haben keine Rückerinnerung an ihr geistig reiches Leben. Außerdem sind sie dem finsteren Einfluß der Materie unterworfen. Was nur haben sie verschuldet? Nichts! Warum geschieht es dann? Wo bleibt hier die göttliche Gerechtigkeit?

Hat die Finsternis eine Lichtseele erwürgt, so kaum ohne eigene Schuld. Was an Schuld zu werten wäre, wird durch den Weg reichlich aufgewogen. Sobald sie daher diese Erde oder eine Welt verlassen, setzt im Jenseits eine außerordentliche Hilfsaktion ein, und sie werden bis zur Rückerlangung ihrer Reinheit unter den personhaften Schutz des Heiligtums, des Stuhles und seiner Rechtskraft, also dem Altar geborgen, bis ihr vorübergehender Lichtverlust am Schuldner gerächt — ihm angerechnet — und von UR Selber ausgeglichen ist.

Auch irdisch gilt das ‚Erwürgtsein der Seelen‘. Die Märtyrerzeit setzt nicht erst mit der Verfolgung der Christen ein. Sie beginnt offensichtlich schon beim Turmbau zu Babel. Immer geschahen solche Greuel, an den Propheten, in Babylon und sonstwo in der Welt. (18, 2 u. 24). Je mehr man solche Seelen geistig wie auch leiblich tötet, um so mehr wird die Macht der Welt geschwächt.

Der Rechtsakt beim Turmbau zu Babel fällt auf den Verstand der Weltmächtigen, daß sie ihre gegenseitige Verständigung verlieren. ‚Drei Maß Gerste um einen Groschen.‘ Welche Wahrheit! Je größer alle Last und die Verfolgung, um so schwieriger ihr Werk. Dieser Turmbau zu Babel spielt noch immer eine große Rolle. Deshalb sind Verständigungen schwer zu erzielen: Die Rechtsausübung, die mit dem fünften Siegel vom ersten bis zum letzten Turmbau herrscht!

Den vorchristlichen Seelen, um die Rache fragend, wird gesagt, ‚daß sie ruhten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazukämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch sollten noch getötet werden gleich wie sie.‘ Die kleine Zeit, einige tausend Jahre, ewig ‚eine Nachtwache, die vergangen ist‘ (Ps. 90, 4), bezieht sich jeweils auch auf des Einzelnen Verfolgungszeit. Doch wie groß ist im voraus die Hilfe zubereitet! Zwar mag während einer Leidenszeit der Mensch verzagen; hinterher aber gedenkt er kaum mehr seiner Schmerzen, die er auch nicht nachempfinden kann (Joh. 16, 21).

Das ist der Segensstrom an denen, die das Wort bewahrt und Glauben gehalten haben. Die Wartezeit erstreckt sich höchstsinnig auf JESU Zeit. Mit Golgatha ist eines jeden Zeugen Blut gerächt = gerecht gemacht worden. ‚Es ist vollbracht‘ hat die einmalige Abrechnung herbeigeführt und gilt als ‚genommene Rache um der erwürgten Seelen willen‘, rückwirkend und bis zur Endzeit der Materie.

Jede Seele empfängt als Sonder-Schutz ein weißes Kleid, während der Altar heiligen Schutz für alle bietet. Ferner bedeutet es, daß sie nicht abermals der Finsternis preisgegeben werden. Das aber nur, weil sie ihren Glauben schon beim Fall ‚bewahrten‘. Es wirkt sich eine ganz persönlich erworbene Rechtsfolge aus.

Das Lichtvolk (19, 1) bringt ebenso seinen obwohl kleineren Anteil am Hilfswerk bei. Auf die Kleineren entfällt geringere Last, die nicht unbedingt ganz einzulösen ist. Darum stehen sie unter dem Heilsschutz des Altars. Im Verhältnis ihrer Kraft sind sie auf alle Fälle den Königen und Priestern gleichzusetzen, wie auch JESU die Kindlein segnend als Beispiel zu Sich nahm. Aber nicht von ihnen, nein, von den Jüngern erwartete Er unbedingte Nachfolge. Märtyrer sein ist nicht nur getötet werden, ist alle Arten von Verfolgungen und Schmerz erleiden (1. Kor. 4, 9-13). —

Das Lamm öffnet das sechste Siegel. ‚Siehe, da ward ein großes Erdbeben, und die Sonne ward schwarz wie ein härener Sack, und der Mond ward wie Blut; und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von großem Wind bewegt wird.‘ Großes Erdbeben zeigt die Erschütterung einer Sache an. Erd = wirklich, festes; aber beben = die Menschen lassen sich im Glauben sehr erschüttern und verlieren ihren Halt. Damit bricht auch Ethik und Moral zusammen.

Das Bild beginnt mit der Teilung Israels nach Salomos Tod (2. Chron. 10). Das vorerst festgefügte Volk gerät in inneren und äußeren Zerfall. Ab dieser Zeit beginnen die großen Völkerkämpfe, die sich steigernd — Welt-Erschütterungen (Dan. 7, 2) nach sich ziehen. Der Völker Herrschaft steht nur mehr auf wankendem Gebiet; und nicht erst einmal hat es sich wie Schlünde aufgetan, um ganze Reiche zu vertilgen.

Sonne in Verbindung mit Erdbeben bedeutet Regierung, Oberhaupt. Wird schwarz = von Finsternis beeinflußt; hären = falsche Decke, die ihre Haare lassen muß, ihr Tun wird entblößt; Sack = undurchsichtige auch grobe Handlung, ferner: als volles Maß wird er umgestürzt, ausgeschüttet, wobei sein Inhalt erdbebengleich durcheinanderfüllt. Umstürzungen gab es genug, viele Sonnen waren (sind) schwarz. Das gilt sowohl Regenten, Politikern, wie auch mancher Kirchenführung. Alle drei hängen meistens voneinander ab, was das Weitere beweist.

Der Mond (Trabant) = sind die Völker, von ihrer schwarz gewordenen Sonne beherrscht, wandeln ihr nach, gern, gleichgültig, unwissend, oder wehrlos. Der Mond wird zu Blut = dieVölker werden mitschuldig oder auch: ihre Regierungen lassen sie verbluten.

Sterne des Himmels = Einflußreiche, zwar ihrer Sonne unterstehend, lenken sie zeitweilig deren Kraft nach eigenem Willen, nicht wie die ‚Tiere der Erde‘ aus überkommener Machtbefugnis. Aus Klugheit dienen sie der Sonne. Sterne bedeuten noch Wissenschaftler, die, um Macht und Einfluß zu gewinnen, nicht selten geistige Gesetzmäßigkeit verletzen. Manche Irrlehre ist schwer aufzudecken, denn ihr Licht leuchtet; wie die Sterne bei Nacht heißt hier: ihre Zwecke verhüllend, doch treten sie mit ihrem Glanze = Können auf.

Fallen herab unwert, werden nicht von Gott geerntet; wie Feigen = Früchte; aber von großem Wind bewegt = Triebkraft, immer mehr hervorzubringen. Wissenschaft und Technik schreiten nicht, sie rasen vorwärts, getrieben von der Sucht nach Gewinn und einflußreicher Macht. Das ist ihr Fall = sie fallen herab.

‚Und der Himmel entwich wie ein zusammengerolltes Buch; und alle Berge und Inseln wurden bewegt aus ihren Örtern.‘ Dieser Himmel ist Licht oder Glaube. Das Buch, die Gotteslehre, wird zusammengerollt nicht mehr anerkannt. Deshalb entweicht er von der Erde, und die Menschen verlieren die Berge = Wächter, die einem Chaos steuern könnten; dazu die Inseln Rettungsplätze. Das bedeutet: Die Helfer von Oben werden verworlen, oft getötet. Mit ihrer Vernichtung = dem Bewegen aus ihren Ortern, geht die geistige Hilfe verloren.

Man will dem Untergange steuern. Sieben Gegenspieler treten dem ‚zusammengerollten Himmel‘ gegenüber. ‚Die Könige auf Erden (Regierende) und die Großen (Machtträger) und die Reichen (Wissenschaftler) und die Hauptleute (Techniker) und die Gewaltigen (Monopolinhaber) und alle Knechte (abhängige Diener) und alle Freien (Mitarbeiter) verbargen sich in den Klüften und Felsen an den Bergen.‘

Alle heben ihre Taten hoch, um sich unter deren Ruhm zu stellen: ‚Wir haben durch ‘Wissen, Können, Fleiß und Kraft den Lebensstandart gehoben.‘ Die Kluft = ihr Wissen hält kein Verderben auf. Der Verlust des Geisteslichtes ist durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch ihre Felsen = wir haben das Beste gewollt! An den Bergen = an ihren Taten wollen sie sich anlehnen.

Daher ihr Ruf: ‚Fallet über uns und verberget uns vor dem Angesichte Des, Der auf dem Stuhle sitzt, und vor dem Zorn des Lammes. Denn es ist gekommen der große Tag Seines Zorns, und wer kann bestehen?‘ Sie möchten jedoch ihre Errungenschaften am großen Tag des Herrn als Schatz und Schutz vorzeigen. Je mehr sie sich verbergen wollen, um so mehr fällt ihre Arbeit über sie herein und deckt alle ihre unguten, törichten und — hilflosen Taten auf, ehe sie — geistig wie irdisch — von ihrer eigenen Wissenschaft begraben werden.

Die Teilung des ausgesuchten Israel im Bruderzwist hat auch die anderen Eedbeben ausgelöst. Je näher der große Tag heranrückt, um so schwerere Erschütterungen auf allen Gebieten. Der ‚große Tag des Herrn‘ bezieht sich allerdings auch auf Einzelabrechnungen mit den Königen und Völkern, während die letzte Grundabrechnung erst noch folgt, welche lautet: ‚Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert‘, im Guten wie im Bösen. Ob aber der ‚große Tag‘ nicht zusätzlich URs Großmütigkeit bedeutet — — ?

Kapitel 7   (Ps. 126)

Das siebente bis neunte Zeitbild zeigen die Verwahrung der sechs ersten Siegel, ihre eigene Ausübung und Erfolg im Licht und in der Finsternis. Eigenartig mutet oft die Wortarmut des Sehers an, denn nur der erste Vers des siebenten Kapitels gilt dem neuen Bild.

‚Danach sah ich vier Engel stehen auf den vier Ecken der Erde, die hielten die vier Winde der Erde, daß kein Wind über die Erde bliese noch über das Meer noch über irgend einen Baum. Diese Engel unterstehen den vier Tieren, wie schon ein anderer im Auftrag des dritten sprach. Es ist nicht zu übersehen, daß andere   Engel wirksam sind, wenn Teilzeiten betroffen werden, zum Segen oder zur Züchtigung.

Die Beauftragten halten im Rechtssinn der sechs Siegel die vier Winde. Ob sie diese nun nur zurückhalten oder bis zu ihrer Ausübung verwahren, enthüllt sich noch. ‚Vier Ecken der Erde bedeuten vier Grundpfeiler, zunächst jene des Heiligen Reichs, darüber hinaus auch die gesetzten Gnadenpfeiler für den Schöpfungsfall.

Die Licht—Stadt = Stätte ist viereckig (21, 16), was ihren außerordentlichen Grundaufbau ergibt. Erde = hier geistige Tatsache, aber nebenher erdhafte Wirklichkeit. Vier Ecken = Licht-Elemente: Feuer, Wasser, Erde, Luft, oder Tiefe, Höhe, Weite, Nähe des All-Heiligen. Als Pfeiler sind sie Gesetz, gerechtigkeit, Wahrheit, Treue, aus denen die geistigen Winde antreibend und befruchtend kommen. Die Früchte der Reihe nach sind Anerkenntnis der Gottheit; Annahme der UR vorbehaltenen Bedingungen; Bewahrung der Heilslehre;  Vermehrung der heiligen Reichs-Güter: das Reich-Tum !

Handelt es sich um die vorgenannten Kräfte, warum hält man sie zurück? Warum statt dieser jene finsteren Gegenspieler (Dan. 7, 2), daraus nur weitere Verderbnis und Strafgerichte steigen? Sacharja (Sa. 6, 5) sieht auch vier Winde, aber ‚vor dem Herrscher aller Lande stehend‘, also zuständig sind, deren vier Engel in einer Rechtssache stehen vor dem Herrscher aller Lande = dem Ewig-Heiligen UR-Imanuel!

Die Segensströme waren ursächlich die vom Urquell kommenden vier Wasserströme (1. Mo. 2, 11-14); dann die Gnadenbündnisse mit Adam, Kain, Noah und Abraham, zusammenfassend mit Mose, dem Gesetzesbringer. Doch das ‚freiheitliche Denken und Handeln stand der irdischen Triebhaftigkeit weit näher als eine freiwillige Annahme der Gnaden- oder gar der Gesetzesbündnisse.

Also ist die Rechtsausübung einzusetzen, wie sie gerade auch bei diesem Bild des zweiten großen Gesichtes deutlich wird. Sie bleibt in sich selber aber trotzdem die geheime Gnadenbindung, der Bogen des weißen Reiters (6, 2). Erst das, was aus ihr die Erde überkommen muß, ist Abrechnung.

Nodi halten die vier Engel die Winde des Bundes und der Gnade nur zurück; noch gehen von dieser Zurückhaltung = Verwahrung nicht die gerüsteten Gegenkräfte aus. Denn abermals strömt eine unendliche Hilfsbereitschaft auf die Materie nieder. Der inkarnierte Fürst Michael (Dan. 10, 13 u. 21) tut sein Großwerk als Elia, nicht nur für Israel. Ihm folgt Elisa. In Juda dürfen vornehmlich lsa-i und Jeremia Gottes Hilfe bringen. Als das aber auch nichts fruchten will, tritt die Wende = Winde ein. Aus der Verwahrung der sechs ersten Siegel wirkt deren Ausübung. Noch geschieht‘s nicht jäh; der Gnadenbogen soll ja nicht zerbrechen. Immerhin werden sich die Folgen grausig steigern. — ‚Ich sah einen andern Engel aufsteigen von der Sonne Aufgang, der hatte das Siege! des lebendigen Gottes und schrie mit großer Stimme zu den vier Engeln, welchen gegeben war zu beschädigen die Erde und das Meer.‘ Vom Aufgang der Sonne = Sichtbarwerdung des Lichts und Lebens. Es kann nur Uraniel, der Ordnungsträger, der erste Geist, Stern, Lenchter, die erste Fackel sein. Das Siegel des lebendigen Gottes = das Reichs- oder Kronsiegel, zumal keine Zahl genannt ist. In ihm liegt alle Macht, Kraft, Gewalt und Stärke, deren Verwahrung und Ausübung, jenachdem die Materie des einen oder anderen bedarf.

Mit großer Stimme schreien = als erster Geist in URs Rechtshand kündet Uraniel selbst die Schöpferordnung. Er übt Macht aus über Gesetz, Gerechtigkeit, Wahrheit und Treue. Sein Befehl: ‚Beschädigt die Erde nicht noch das Meer noch die Bäume, bis daß wir versiegeln die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen.‘ In der Befehlsmacht ruht der Mitauftrag der übrigen sechs Fürsten. Deshalb Unser Gott! Darüberhinaus meint er den Gott aller Engel, und die auf Erden als Knechte (Mägde) dienstbar sind. Letztere sind zu versiegeln.

Würden Erde, Meer und Bäume aus den ausübenden oder den zurückgehaltenen Gnadenwinden zu beschädigen sein? Allerdings kommt die Beschädigung aus ihrer Verwahrung, da dergestalt die Gegenwinde Auftrieb haben, die aber in der umgekehrten Reihenfolge zu erkennen sind, daß aus dem letzten Gnadenwind der erste Sturm, aus dem des ersten der letzte bricht.

Statt Treue tritt die Ausbeutung, statt Wahrheit die Verleumdung auf den Plan (Luk. 20, 20). Gerechtigkeit wird von Rechtlosigkeit abgelöst, bis aus Gesetzesordnung chaotische Revolution das Ruder hat. So wirken diese Folgen und stehen den vier Befruchtungen vier böse Stürme gegenüber. Ausbeutung zerstört den Segen; Verleumdung den Frieden; Rechtlosigkeit die Gnade; Anarchie das Leben, zumal das geistige.

Daniel sieht die ‚Winde unter dem Himmel widereinander stürmend auf dem großen Meer‘ (Dan. 7, 2). Unter dem Himmel = ohne Verbindung mit dem Reich; auf dem Meer = Weltgeschäftigkeit. Erde in diesem Zusammenhang das Weltgesetz und die ihm unterstehenden Menschen, Herrscher und Beherrschte. Meer = Wissenschaft, Arbeit; Bäume = Früchte, Erfolg der Betätigung. Das ist vorläufig nicht zu beschädigen, bis Gottes Knechte versiegelt werden an ihren Stirnen.

Daß alle sieben Fürsten wirken, geht aus dem ‚bis wir versiegeln‘ hervor, und das wegen der Bereitschaft und ihrer Mit-Opfertat. Die Versiegelung beginnt schon im Reich, wenn ein Lichtkind zur Materie geht. Letztzeitlich wirkt sie ab Abels Tod. Kain wurde nicht versiegelt, aber um des Werkes willen in die Verwahrung einbezogen.

Die Verwahrung, Ausübung Erfolg der sechs! Siegel beginnt mit deren Rechtsausühung. Nur müssen nicht erst alle Knechte =  Mittätige ihren Opferweg gegangen sein, sondern sind vom Reich aus vorgesehen und für entsprechende Zeiten eingesetzt. Der Ablauf des Mitopfers spielt nicht die erste Rolle, da nicht deswegen die Rechtsausübung aufgehalten wird. Würde ihre Versiegelung erst mit Eintritt in die Materie beginnen, oder sogar später, da könnte sich die Finsternis weit schadloser an ihnen halten als es ohnehin passiert.

Dodi an den Stirnen! Stirn = Stern (Gestirn) ist der Sitz gesammelter Erkenntnis. Wo anders können hohe, reine, ewig beständige Erkenntnisse gesammelt werden als zuerst im Reich? Aus was anderem konnten sie entspringen als aus erster Denkfähigkeit! Mußte diese nicht mit Beginn des bewußten Lebens einsetzen?

Ja, das Leben regte zum Denken an, aus welchem die Erkenntnis kam. Als mit deren Steigerung ein Überblick über die Schöpfung gewonnen wurde, bildete sich in der Stirn ein Sammelsitz für Erkenntnisse, der tiefe Verbindung mit dem Lebenszentrum, dem UR-Persönlichen und dem eigenen schuf. Daraus entsprang der Wille, dem heiligen Ganzen sich einzuordnen, und die TAT war so geboren. Auch hier wieder die ‚vier Ecken‘: Denken, Erkenntnis, Wille, Tat!

Aus zwölf Stämmen werden 144.000, die vierte Stuhlgruppe versiegelt. Diese Zahl ist nur geistig anzusehen, zumal es weit mehr Versiegelte gibt. ‚Die große Schar, die niemand zählen konnte‘, folgt unmittelbar darauf. Um zu verstehen, sei vom nächsten Bild gedeutet, daß alle Mitopferträger versiegelt werden. Die vierte Stuhlgruppe, an den Stirnen, bleiben sinngemäß die ‚Gestirne‘, die besondere wegweisende Bahnen innehaben.

Ihre Stämme gehen aus den Ältesten hervor als die Befehls-Engel, Träger und Gesetzesvermittler der zwei Schöpfungsfundamente: die UR-Bedingungen und der Freie Wille. Diese gleichen sie aus oder an, wie jedes Werk es braucht. Sie werden als zwölf Edelsteine usw., erkenntlich, wenn der ‚Neue Himmel und die Neue Erde‘ in Erscheinung treten. Lichthaft sind sie Güte, Gnade, Langmut, Sanftmut, Demut, Kraft, Friede, Freude, Reinheit, Wahrheit, Erkenntnis und Hingabe.

Abrahams, des Gesegneten Same, sollte des Reiches Bildnis sein und war gleichfalls in zwölf Stämme unterteilt. Johannes bezieht sich auf dieselben; aber nur, um der Endzeit nicht vorauszugreifen, außerdem zu zeigen, wie genau des Reiches Ebenbild auf Erden anzutreffen war. Auch der Salomonische Tempel darf als ein Abbild des Reichstempels angesehen werden.

Mit der Versiegelung dieser Stämme-Vertreter beginnt die zweite Ausübung der sechs Siegel. Jene vier Winde, die nicht vor dem Herrscher aller Lande standen, werden von den Engeln auf den vier Ecken der Erde losgelassen und beschädigen das weltliche Gesetz, dessen Aufbringer und Erfüller, ihre Arbeit und Früchte: die Erfolge. Das Wider-einander-stürmen steigert sich allmählich, bis es beim Öffnen des siebenten Siegels zu tobenden Orkanen kommt.

Das letzte Bild aus diesem Teilgesicht. Erfolg der sechs ersten Siegel: die erwähnte große Schar, ‚aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen.‘ Wenn diese Schar nicht auch Versiegelte wären entsprechend Art und Umfang ihres Glaubens, ihrer Wortbewahrung, sie könnten keine weißen Kleider, keine Palmen haben, erst recht nicht jetzt schon vor dem Stuhl und Lamme stehen.

Heiden = bildmäßig jene, vom Licht wie von der Finsternis, die wenigstens glauben, daß es einen Gott gibt. Das bedeutet schon einen Ausschlag für ihren Weg. Doch die Seelen von Oben sollen zusätzlich eine allgemeine Erkenntnis über die Reichsaufgabe haben.

Völker = überlassen sich mehr und mehr der Lichtführung; nehmen größere Gnade in Anspruch wofür größere Bereitschaft aufzubringen ist. Diese Lichtgeführten in weiterer Vollendung gibt der Seher als ‚aus allen Sprachen‘ an.

Sprache allgemein = der Erkenntnis folgt das Bekenntnis; und alle Sprachen = verschiedene Bekenntnisse (gute Gemeinden). Bei dieser großen Schar zeigt sich herrlich der ‚Reiter aul dem weißen Pferd‘, die Enden Seines Bogens enthüllend: Der Bund und die Gnade! Sie treten in gewisser Wechselwirkung auf. Der Band gibt die Belohnung, das weiße Kleid; die Gnade über alles Verstehen das Verdienst, die Palme. Darum diese in ihren Händen = ihr Eigentum.

Wohl werden erst mit Wiedereintritt in das Reich das weiße Kleid und die Palme ausgehändigt. Das sind Reichs-Güter, Reichs-Eigentum, das nicht in die Materie gelangt. Wie sehr das zutrifft, geht aus der vollgültigen Darstellung der Johannes gegebenen Offenbarung hervor, deren Reihenfolge mit nichts aufzuheben ist.

‚Schrieen mit großer Stimme und sprachen: Heil sei Dem, Der auf dem Stuhl sitzt, unserm Gott, und dem Lamm!‘ Heil = HEILIG, Gott und Seinem Erlösungswerk, dem Lamm-Christus. Dieses Heilig pflanzt sich auf alle Engel, Ältesten und vier Tiere fort, die den Stuhl umgeben = für den Heilsakt zuständig sind. Vor der Rechtskraft URs fallen sie auf ihre Angesichter = beugen sich der Allmächtigkeit.

‚Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.‘ Wieder eine siebenfache Anbetung! Der Erfolg der Rechtsausübung, für das Reich, zeigt schon jetzt die Vollendung des sechsten Schöpfungstages. Ein Ältester fragt den Seher, ob er wisse, woher die Schar gekommen sei. Er verneint. Zwar sieht er sie von der Materie aufgestiegen; aber wie sie vor den Gnadenstuhl gelangten, ist ihm unverständlich. ‚Herr, du weißt es‘, erwidert er. Und nun die hehre Offenbarung des Erlolges für das Licht:

‚Diese sind‘s, die gekommen sind aus großer irübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blute des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhle Gottes und dienen Ihm Tag und Nacht in Seinem Tempel.‘ Und noch der ungeschriebene Erfolg in der Materie: Die große Trübsal wurde ausgelebt. Die vier widereinander stürmenden Winde lösen furchtbares aus, bis der weiße Reiter die Materie dem Ende übergibt. — Der erste Teil der Rechtsausübung — — Es folgen noch drei schwerere.

Aber erst: ‚Haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes.‘ Ist das nicht eins? Nein, es gilt wie ‚Er zog aus sieghaft und daß er siegte‘. Gewaschen = Sünden in Tränen erkannt, in großer Trübsal bereit; hell gemacht = nur im Blut des Lammes, in voller Anerkennung des UR-Opfers möglich. Und geschieht das, so verwandeln sich die Sünden in Seligkeit. Und ‚darum vor dem Stuhle Gottes‘ = vor Seinem Recht und vor Seiner Gnade, der ihnen gegebene Ort. Der Ort selbst ist jener der Seligkeit.

‚Dienen Ihm Tag und Nacht in Seinem Tempel.‘ Man sagt zwar: Die Ewigkeit kennt keine Nacht. Allein — ein etwa ewiger Tag würde kaum die Seligkeit erhöhen; das Einerlei müßte auch im Reich belasten. Daß es das nicht gibt, beweist der Dienst bei Tag und Nacht. Der Unterschied existiert in der Wirksamkeit des Tat-UR-Jahres. Denn wie wenig es auf Erden Tag und Nacht gäbe, wenn kein ewiges Vorbild wäre, so nicht der falsch erträumte ewige Tag!

Da ward aus Abend und Morgen, aus einer Nacht, ein neuer Tag (1. Mos. 1), ist hier nur im Rahmen des Zeitbildes zu deuten. Das Reich kennt Zeiten eines Zuwartens, einer Pflege, und Zeiten der Arbeit und Betriebsamkeit. Letztere sind die Tage, das Erstere die Nächte. Trotzdem sind die Geistkinder auch in einer Ruhezeit zu stetem Gottesdienst bereit. Ferner ist noch der Tagesdienst als jener im Licht, der Nachtdienst als jener in der und für die Materie anzusehen.

Tempel = Sitz der Heiligkeit, der UR-Souveränität; zweitrangig das Schöpfungswerk. ‚Wird über ihnen wohnen‘ = der Stuhl-Herr wacht über sie und achtet auf ihre Seelen, wenn sie — besonders in der Materienacht — für den Gnadenstuhl und seine Rechtskraft tätig sind. ‚Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten.‘ Dazu sagt JESU: ‚Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben (Joh. 6, 33). Er meint Sich als wahres Gottesbrot. Wer IHN hat, den wird nicht hungern. Die große Schar ist durch das ‚Wort‘ gespeist und durch die Heilsgnade getränkt (Joh. 1, 1).

Noch ein Wichtiges hat das Zeitbild-Ende: ‚Es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgend eine Hitze.‘ Zur großen Schar eingegliedert, bedarf es keines nochmaligen Weges zur Materie; so kann niemals wieder eine Sonne = weltliche Tyranei, irgend eine Hitze = Glaubensverfolgung, Drangsal aller Art ihnen schaden. ‚ER wohnt über ihnen, und das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen.‘

Der Seher hat alle Gesichte fast karg geschildert; so fällt es auf, wenn er bei einer Sache zwei Wörter nennt. Weiden und leiten sind daher zweierlei. Das bezieht sich mit auf die Fundamentsträger. Da der freie Wille für die Kinder im Gesetz verankert wurde, steht er in gewissem Sinne zu näherer Rechtsanwendung.

Durch den freien Willen werden sie geweidet = können sich auf der Weide frei bewegen, doch bleiben unter der Obhut ihres Hirten. Der leitet sie weiter, wenn eine Weide abgegrast, eine Stufe erworben ist. Dann geht Er voraus zur nächst höheren Stufe; und sie lassen sich dorthin leiten, auch von Stern zu Stern. Das ist Bedingung, die UR Sich Selber stellte, nämlich die freibewußtlehenden Kinder zur Vollendung eines jeglichen Schöpfungstages zu bringen. Also weidet und leitet der heilige Hirte Seine Herden (Joh. 10, 10).

‚Lebendige Wasserbrunnen‘ = geistiger Reichtum, das weiße Kleid, die Palme, beides dem Kronschatz URs entnommen. Nun am Ende: ‚Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.‘ Wahrlich, hier öffnet sich die dritte UR-Herzkammer, mit Geduld und Liebe, und das Kronwerk der Barmherzigkeit. Denn die Erlösung, die UR als Gott in Jesum Christum Seinen Kindern am sechsten Schöplungstag erwarb, wird mit Abschluß desselben alle Tränen von ihren Augen trocknen!

Johannes hat den Erfolg der Rechtsausübung aus den sechs ersten Siegeln von ihrem Beginn bis zum heiligen Finale wunderbar gesehen.

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