Kapitel 26
Jahre sind vergangen, während derer Daniel viel Mühe hat. Kores ist gestorben. Der erste von den drei genannten Königen (S. 148, 6) ist ans Regiment gelangt. Wegen vieler Widerwärtigkeiten kümmert er sich nicht um Babylonien, während Darius mit Hilfe des Propheten nun das ganze Land beherrscht.
Er ließ den Tempelreichtum, den Kores sammelte, in sein Schatzhaus nach Ahmetha bringen (Esra 6, 2). Laut dortiger Tempellisten fehlte sonderbarerweise nichts. Daniel und Artharas hüten dieses Gut. Obwohl bald die Zeit gekommen ist, daß Juda‘s Schätze wieder in sein Land zu bringen sind — ?
Darius weilt im Duraschloß. Das Weltliche ist beigelegt. „Du hast lange nichts von einem neuen Bild gesagt. Nun“, besinnt der König sich, „Gottes Offenbarung ist nicht immer da. Man wird unachtsam mit dem, was man täglich braucht und nimmt die Lebensgaben hin, als müßte es so sein. Wieviel mehr würde dies mit Gottes Offenbarung Seiner Herrlichkeit geschehen?“
„Darius!“ Der Jordanseher umarmt den König. „Ich dachte nach dem letzten schrecknisreichen Bild, was nun alles käme. Die Jahre ohne Offenbarung — ? Man wird leicht unbescheiden, wenn einem eine große Gnade widerfährt und man meint, sie müsse immer fließen. Was aber wissen wir in Wirklichkeit von Gottes Gnade? Ist sie nicht an jedem Tage offenbar?
Zwischen Gnade und der Offenbarung gibt es einen Unterschied. Im kleinsten Sinn: wenn wir ohne Pause essen, schlafen oder schaffen möchten, was würde aus uns werden! Verwunderlich, daß wir eines um das andere erfüllen sollen, woran Gottes hohe Führung zu erkennen ist. Erst im Unterschied der Gaben lernen wir sie, wirklich kennen und — besonders schätzen.
Manches kleine Bild ist eingeflossen; ich habe sie den Freunden und dir kundgetan. Wir konnten also auch Fürst Achymad das Handwerk legen, ohne seine Seele zu zerstören. Nun höre, was in dieser Nacht geschah. Siehe es als Führung an, daß du heute zu mir kamst. Nicht bloß die Widersacher in dem eigenen Volke hindern Juda, ihr Land zu richten. Ich sah im Traum, daß auch die Fremden Persiens Klage wider Juda führen.
Man will die Schätze holen. Da gegen dich der Falsche machtlos ist, so verhindert er, vom Tempel und der Stadt den Grundriß herzustellen (Esra K. 4 u. 5). Heute kommen Boten, ob du wüßtest, daß Kores einst befohlen hätte, zur gegebenen Zeit Juda aufzubauen. Sage nicht gleich ‚ja‘, Darius; tue so, als ob du es erst prüfen müßtest, als wüßtest du es nicht genau.
Weil ich mit regiere, ist es für uns und für die Verleumder gut, das zu tun, was der Herr mir anbefahl. Nachher kommen Älteste vom Landgau Babel und von Babylonien. Die laß‘ Zeugen sein; ich bin für ein paar Stunden fort.“
„Es wundert mich“, bekennt Darius sein Bedenken, „du, in Gottes Lichtkraft stehend, kannst die Widersacher in die Enge treiben; und mir wärest du der beste Schutz.“ „Bloß ein Schutz, lieber Freund?“ lächelt Daniel. „Der beste Schutz ist Gott!“ „Hm, so habe ich es auch gemeint. Immerhin —“ „Du wirst merken, Darius, wie herrlich dir der Himmelsvater hilft.“
Verständlich, daß der König, allzu oft belastet, Daniel gern bei sich wüßte. Als die Boten mit den Briefen kommen und ein Stab von Ältesten ihn treu umgibt, fühlt er sich auf einmal sicher. „So“, sagt er nur, nachdem er alles las, „da werde ich wohl prüfen müssen, ob und wie das alles stimmt.
Ich bin zwar alt geworden“, er blitzt die Boten an, „aber nicht so alt, daß ich vergessen hätte, was damals war, nachdem der große Kores Babylon besetzte — mit mir, wohlverstanden! Er wollte ja das Jordanvolk zur Heimat bringen. Damals war es noch nicht angebracht, sammelte jedoch die Tempelschätze und verwahrte sie. Jetzt liegen sie in meiner Stadt.“
Er befiehlt dem Schatzmeister, nach Ahmetha aufzubrechen, sieben Zeugen mitzunehmen, ob von König Kores eine Schrift vorhanden sei. Artharas tritt vor: „König Darius, gerade wegen dieser Schrift bin ich gekommen. Ich wollte um dein Siegel bitten; denn ich ließ sie zweimal schreiben, die Urschrift gilbt ein wenig. Du solltest den genauen Wortlaut überprüfen.“
„Ah, wie gut!“ ruft Darius erleichtert aus. Ist das nicht schon Gottes Hilfe? Da springt ein Bote vor: „Abgekartet! Ist es eines Königs würdig, solch ein Spiel zu treiben?“ Erbost greifen zwei den Sprecher an und Artharas zankt heftig:
„Du Lümmel lästerst König Darius und auch mich? Ich habe nicht gewußt, daß er dich und dein Gesindel hier empfängt. Ich trage die Verantwortung, was mir mein edler König Kores einst befohlen hat und unterstehe nun dem edlen Darius. Schreibe dir das hinter deine Eselsohren!“
„Laßt los!“ gebietet Darius. „Hört an, ihr Boten, was die Schrift enthält.“ Es dauert lang, bis der einstige Befehl des Kores, von ihm mit unterzeichnet, vorgelesen ist. Die Gesichter der Gesandten werden lang und länger. Unbezweifelbar — auch nicht mit gemeinster Bosheit —‚ die Räte zu Jerusalem, bereits aus Babel heimgekehrt, befinden sich im Recht.
„Wir wußten nicht“, stottert einer. „Geschenkt!“ zürnt Darius. „Die Sache ist an Ort und Stelle zu bereinigen. Ab — ihr seid mir widerlich!“ Er dreht sich um, was er allgemein nicht tut, als die Boten unterwürfig grüßen. „Ich hätte sie so leichten Kaufes nicht entlassen“, warnt Artharas. „Du bist zu gut, König Darius; doch das kommt vom . . .“ „. . . Jordanseher?“ Halb ernst und halb belustigt klingt die Frage.
„Genau! Ich gebe zu, der Mann weiß viel; und obwohl er Jude ist, hat er für Babel, Medien und Persien gesorgt. Allein — allzu große Weichheit macht Regierung und Regenten schlapp.“ Noch belustigter fragt Darius: „Du meinst, ich bin ein schlapper König?“ Artharas fällt erschrocken auf die Knie.
„König, nimm mein Leben, wenn davon ein einziger Gedanke in mir war, dich schlapp zu wähnen! Doch die Gauner wollen dich zur Seite schieben. Zum Glück halten jene Judenoberen dir auch die Treue, da du ihnen stets geholfen hast, daß sie hier fast besser lebten als in ihrem armen Jordanland.“
„Steh‘ wieder auf“, lacht Darius. „Ein Mann, auf den ich mich verlasse, soll nicht schlapp vor seinem König liegen!“ Artharas springt auf: „Du hast königlich zurückgeschlagen! Ist das die Art des Jordansehers, so sei er mir ein Freund.“ „Das gilt!“ Daniel tritt ins Gemach. „Schau, Freund Artharas, manchmal muß man streng regieren. Frage deinen König, ob ich die Härte angeraten habe, die Heuchelei nicht anzunehmen, den Burschen obendrein zu zeigen, daß ich ihre Art durchschauen konnte, bevor sie hierher kamen. Das ist das beste Maß für diese . . .“ „Lumpen“, unterbricht der Schatzmeister strahlenden Gesichts.
„Weltlich kannst du sie so nennen. Doch sie sind nur Boten, zwar gern gewesen. Sonst — es sind arme Menschen, die keine Liebe, keine Treue kennen. Sieh an die Führung meines Gottes! Du dachtest, es sei Zufall, weil du zur Beratung eingetroffen bist und hast den ‚Zufall‘ hoch gerühmt.
Manches, was das Geistige nicht berührt, ist als ‚zufällig‘ zu bezeichnen; ansonst liegt Gottes weisheitsvolle Führung vor. Warum triebst du deine Schreiber an, um bald die Reise anzutreten? Warum sah ich nachts zuvor das Bild, kam König Darius gerade heute her? Mir wolltest du die Listen bringen und die Boten mir den Brief — an diesem Tag, zur gleichen Stunde. Soll das alles Zufall sein!? Oder ist‘s der Schöpfer, Der Seine Kindgeschöpfe lenkt?, ebenso, wie Er die Sonnen und die Sterne, unsere Welt erhält und lenkt?“ „Hast recht, Fürst Daniel.“
Da wird wiederum ein Mann gemeldet. „Wer ist‘s?“ „Ich meine, ihn zu kennen“, sagt der Verwalter, „er ist ein Hochgestellter.“ „Dann bitte ihn herein.“ Die Türe öffnet sich. Es ist der Schatzmeister Mithredath (Esra 1, 8-9). „Du kommst uns sehr gelegen“, grüßt Daniel freundlich. Artharas nickt dazu. Ah, wie laufen hier die Fäden nur zusammen? Schicksal — Führung — Zufall — —
Mithredath erzählt: „Von Juda kamen etliche, um ihre Heiligtümer anzufordern, daß ich sie ihnen geben solle. König Darius, du hast mich entlastet, indem du nach dem Tode Kores diese Schätze an dich nahmst. Ich sagte es; doch man drohte mir, ich hätte sie veräußert und den Gewinn an mich gebracht.“
Darius Stirne zieht sich hart zusammen. „Weißt du, wer die Leute sind?“ „Einer heißt Simsai, ein Rat des Rehum‘s, der . . .“ „Ich weiß Bescheid“, zürnt der König. „Es waren also keine Juden. Nun, dem Pack ist beizukommen! Bereits andere Gesandte dieses Rehum waren heute hier, mit der gleichen Forderung. Was kann ich also für dich tun, Mithredath?“
„Gib mir ein Siegel, daß ich dir den Schatz am Todestage meines Königs übergab. Man hatte oft versucht, eines um das andere mir zu entwenden. Wenn den Juden einmal ihre Sache übergeben wird, sollen sie es wissen, daß ich ohne sonderliches Entgelt treu gewesen bin.“ „Das stimmt“, bestätigt Daniel, „ich werde dich belohnen. Wir haben dir es aber doch bestätigt, König Darius, Artharas und ich. Diese Schrift genügt.“
„Das würde sie“, sagt jener traurig, „doch sie existiert nicht mehr.“ „Wieso?“ „Ich zeigte sie dem Simsai; er entriß sie mir und zerstörte sie. Da ich niemand bei mir hatte . . .“ „Mithredath“, fängt Darius die Rede ab, „du hast in deinem langen Leben klug gehandelt, warum hast du keine Wache eingesetzt?“ „Sie ließen sich als Juden melden und da glaubte ich . . .“
„Du bekommst das Siegel; aber ich verwahre es.“ Daniel drückt den alten Mann auf einen Stuhl. „Wenn wieder einer kommt, ganz gleich wer, so verweise ihn an mich.“ Der Perser atmet auf, seine Augen glänzen. „Außer unseren Königen Darius und Kores fand ich keinen Menschen, der so weise und so fürstlich handeln kann wie du, ein Seher deines Gottes.“
„Er ist auch dein Gott, deiner Treue wegen.“ Wunderbar, daß beide Schatzhüter zur selben Stunde ‚GOTT erkennen. Darius nimmt sie mit nach Babylon, um dort für eine Zeit zu residieren. Dabei werden einige Gesandte Rehum‘s abgefangen, die eben Mithredath beseitigen sollten. Sie werden nach Ahmetha abgeführt. Dort wird über sie Gericht gehalten. Bei Darius gibt es, seit er Gott erkannte, keine Todesstrafe mehr. —
Als Daniel schlafen ging, wird er wieder aufgeweckt. „Daniel, der HERR ruft dich!“ „Der Herr — ?“ Hastig steht er auf. „Wo, wo?“ Voll Sehnsucht ausgerufen. Die Hände greifen in, das Dunkel des Gemachs. Da steht eine Lichtgestalt vor ihm: Gabriel. Niederfallend, dankt der Jordanseher für die hohe Gnade, daß er für die Menschen ‚noch‘ prophetisch wirken darf.
Gabriel hebt ihn hoch. „Die Jahre sind dir lang geworden, seit jenem letzten großen Bild (D. 11, 1-35). Du hast dich angeklagt und wüßtest schon, warum der Herr die Sehergabe von dir nahm. Schütte dein Herz aus; mit Engelshänden will ich deine Fehler unserm Vater übergeben. Er weiß genau, was Er damit tut.“ „Oh oh, gewiß“, sagt Daniel verlegen.
„Ich hätte meine Brüder in Judäa anders unterstützen müssen. Ich lag faul und . . .“ „. . . krank“, Gabriel streicht ihm übers Haar. „Ach was, faul war ich! Du, der Träger der Barmherzigkeit, deckst gern die Fehler armer Menschen zu — im Auftrag deines Königs, der mein Schöpfer ist.“ „Und dein Vater!, vergiß das nicht! Kennst du dabei einen Unterschied?“ „Ach, hoher Engelsfürst . . .“ Wieder unterbricht der Himmlische:
„Ich bin dein Bruder, Daniel. Darum sei kein kleiner Mensch; sei des Vaters Sohn, wie ich einer bin.“ „Welche Gnade!“ Daniel hebt dankend beide Hände hoch. „Ob ich‘s mit der Unterscheidung richtig treffe? Nun — du kannst mich treu belehren, so es bei mir fehlen wird.“ „Wir werden sehen.“ Liebes, leises Engelslachen füllt den Raum. Daniel fühlt sich wohlgeborgen und lacht verstohlen mit, sagt dann aber ernst:
„Im Schöpfer steht der Wille und die Ordnung auf dem Plan, jenes Fundament, mit welchem Er die Werke schuf und darauf setzte — im herrlichen Gesetz. Was von den Kindern zu Ihm steigt, muß zuerst das Fundament berühren: für sie die Ordnung und der Wille. Denkst du auch so, Bruder Gabriel?“ Etwas zag gefragt. „Ja, bis hierher stimmt‘s“, gibt das Licht Bescheid.
„Da wird mir leichter, alle meine Fehler vor dem guten Schöpfer auszubreiten. Ich diente Kores und auch Darius; hätte ich jedoch nicht besser meinen Brüdern in Jerusalem geholfen, indem ich meinen Euphratreichtum von mir warf? Ich hätte alle Not mit ihnen teilen müssen! Jetzt noch schlafen sie auf Steinen, brechen miteinander sich das trockene Brot, müssen tausend Widerwärtigkeiten auf sich nehmen, während ich — ich — ach“, stöhnt Daniel, „habe ich nicht wie Lots Weib mich umgesehen? Ich liebe dieses Schloß, das weite Land, den großen Vaterstrom; und ich liebe Reinheit, Ordnung und gesittetes Benehmen, und . . .“
„Halte ein, sonst vergesse ich das Viele, was du stöhnend vorzubringen hast!“ „Du meinst, ich spräche bloß vom Seichten meiner Fehler?“ „Wenn du es so hören willst — ? Genau! Des Schöpfers Wille und die Ordnung nehmen das Bekenntnis auf. Was aber soll Er damit tun?“ „Es wäre gnädig, leider unverdient, wenn es gleich dem VATER in die Hände fiele. Allein da stehn die Weisheit und der Ernst und verlangen den Tribut. Ich dürfte mich nicht scheuen, im Licht der Weisheit meine Fehler zu bekennen, nicht verzagen, wenn der Ernst die Änderung verlangt.“
„Richtig; doch Geduld und Liebe folgen nach. Das Letzte nenne ich zuerst, weil der Mensch am besten lernt, wenn er — nicht so wie Lots Weib — auf seine Lebensstraße rückwärts schaut. Denn im Rückblick auf Vergangenes, wenn der Mensch dies ehrlich meint und die Fehler abzulegen wünscht, lernt er die Gegenwart erkennen und die Kraft, der Zukunft zu begegnen.
Du hast den Rat des Herrn gehört. Dein Geist hat Ihn gesehen wie einst, ehe du als Sendling auf die Erde gingst. Für die Brüder war es gut, hier im Babelland zu sein. Konnte Darius die Hetzer gleich durchschauen? Du hast hier besser wirken können, als in Jerusalem. Dort hättest du nur sagen können, wie es war, und keiner hätte dir geglaubt. Hier konntest du beweisen, was Juda — wenn eben auch nur weltlich — nützlich ist.
Konntest du vom Jordan aus die Könige bekehren? Winke nur nicht ab, es sei des Vaters Werk. Das sowieso! Aber Gottes Segen kann ja fließen, wie ER will.“ „Allerdings.“ „Der Herr hat dich am Euphrat eingesetzt. Aus der Ferne kann man oftmals besser helfen, als im Nahen, so wie Gott es herrlich offenbarte: ‚Bin Ich nur ein Gott, der nahe ist, nicht auch ein Gott von ferneher?‘ (Jer, 23, 23)
Man stellt Ihn gern in weite Ferne, weil man sich selbst von Ihm entfernt — die Menschen und die Wesen, und da würden ihre Fehler vor Ihm klein. Wie wenig dieses gilt, weißt du selbst. Schau nur deine Straße rückwärts an, die Arbeit aus dem Gnadengeiste Gottes. Du hast Persern, Medern und so manchem Babylonier Gott nah gebracht — hier, am Euphratstrom.
Denke an Asnorba, wo Harphya behütet ward. Er kam ins Licht, nun auch sein Weib. Die Kinder kommen morgen her, daß du für sie sorgen sollst. Ein Entlastungspunkt, nicht wahr? Bleibe in der Demut; denn diese, die man sich von GOTT erbitten kann, ist der Weg zur wahren Liebe — für Gott, und für die Nächsten auf der Welt. Und wer wäre nicht dein Nächster?!
Schwer waren zwanzig Jahre, unterjocht in Kanaan, schwerer noch die andern zwanzig hier in Babylon; und die letzten dreißig runden sich in Gnaden. Hier kannst du für die Brüder, ihre Frauen und die Kinder sorgen, kannst ihnen ihre Wege vorbereiten. Weißt du, was man sagen würde, wenn du die Letzten ihrem Schicksal überließest? Darius ist alt, er kann abberufen werden. Was dann mit denen, die zurückgeblieben sind — ?
Es hieße: ‚Er läßt uns allein! Als Seher weiß er, was die Zukunft bringt!‘, zwar mit kargem Recht gesagt. Ist‘s abgemacht, daß keine böse Zukunft kommt? Du würdest sie erkennen, nicht aber wissen, ob du wiederkehren könntest, um auch das letzte Leid mit deinem Volk zu teilen.
Gehst du fort, so verlierst du deine Fürstenwürde, die du für die Welt noch brauchst. Gehst du als der Letzte hinter Juda heim, so ist‘s das Gnadenzeichen für das Volk, — auch für dich! Achte aber auf: es ist das Gnadenzeichen für die Welt, für die Materie, für das verlorene Kind! Diesem geht GOTT nach, um es heimzubringen. So bring‘ auch du das Volk zurück, das letzte Kind, die letzte Frau, den letzten Mann!“
Tränen fließen in des Engels Hände. „Bring‘ diese heim, als Dank, Demut, Liebe und Gehorsam, wie Gott-Vater es verlangen kann.“ „Ich komme morgen wieder, dann erfährst du von dem letzten Bild den zweiten Teil.“ Gabriel legt seine Hände auf das tiefgebeugte Haupt des Menschen. Sanft schläft der Jordanseher ein.
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