3-118 Doch darauf kommt es nicht bloß an. Seht, wie die Häusermauern, die Umfassung unserer Gewässer aus vielen Einzelteilen zur Ganzheit zusammengefügt sind, so wird jede Einzelarbeit in sich Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel haben müssen, ansonst die Kinder frei aus sich es nicht erreichen. Jedes Einzelziel ist in euch Erstlingen schon so klargeworden, daß Ich Meine schönste Freude daran habe. Es ist ein heiliges Interesse am UR-Werk, daraus ihr beides schöpft: das ‚Sich-führen-lassen‘ und das ‚Selber-gehen‘! Damit habt ihr eine fortgeschrittene Doppelverbindung erreicht, und Ich will euch das am Warten Meines dritten Engelsfürsten vor dem Haus erklären.
3-119 Wäre in ihm die herübergenommene Erinnerung aus den Vortagen vorherrschend gewesen, noch dazu, da unsere beiden ersten Werktätigen vorausgesandt wurden, so lag der Gedanke, sogar das Recht nahe, daß auch er in sein Haus eintreten und tun konnte wie jene. Wenn ihr aber glaubt, Zuriel und Helia hätten sich nicht auf Mein Kommen vorbereitet, so täuscht ihr euch und der Weisheitsfürst am meisten! Das Gegenteil geschah! Nicht der bisherige Arbeitsgang leitete seine Erkenntnis an, sondern der gesteigerte Gedankenimpuls, sein Eigentum zum ersten Male von Mir zuerst betreten und weihen zu lassen. Diesen Selbstimpuls wendete er nutzbringend an. Das wird euch hernach ein Beispiel mehr enthüllen, wenn wir im Freien unsern Zuriel mit Helia aus vollem Herzen werken lassen, so daß es im Bereich der Weisheit bis zum Ende dieses Tat-UR-Jahres keinem Kind an etwas fehlen kann, wie Schönstes und Höchstes leicht zu erzielen ist.
3-120 Ich will daran eine weitere Lehre knüpfen, die — wie alles — nicht für euch nur gilt, sondern soviel Ewigkeiten, als das Tat-Jahr Tage hat. — Jedes Erstlingswerk soll stets mit Mir begonnen und vollendet werden und niemals völlig frei aus einem Kind! Gewiß, es geschieht nichts ohne Mich; doch bezieht sich das auf die erläuterte erste oder geheime Verbindung zwischen UR-Kern und Urzelle. Mit Beginn des ganz persönlichen Bewußtseins eines Kindes soll ein besagtes Erstlingswerk also ganz bewußt mit Mir getätigt werden. Denn auf die Erstlingswerke baute Ich Mein Tat-UR-Jahr!
3-121 Handelt ihr nach diesem Sinn, so braucht es euch nicht bange zu sein, ob sich unser Jahr bewährt. Dann wird es aus den freibewußten Regungen der Kinder sein Schöpfungssoll erreichen und darüber hinaus zur schönsten Herrlichkeit gelangen! Auch ergibt sich aus den Erstlingswerken alles Folgende wie von selbst; denn einmal Meine Hände grundordentlich erfaßt, bringt ein schöpfungsfestgefügtes Band!
3-122 Bisher habt ihr das befolgt, soweit die erlebten Einzelheiten ihr Möglichkeit dazu verlieh; besonders euer Herzenszustrom zu Meinem Herzen zeugt davon. Deshalb durften auch die beiden Häuser betreten werden, denn diese Erstlingswerke waren in sich festgefügt. Uraniel und Michael hätten, da ihr ja die Grundpfeiler Meiner Werke seid, aus der euch verliehenen Kraft wohl selber schaffen können; aber Erstlingswerke wären es dann nicht geworden. Doch ob eurer gerechtfertigten Arbeit kam die große Segensfülle über euch.
3-123 Mit dieser Lehre habt ihr allerhand in euch aufgenommen, und es ist an der Zeit, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Darum auf ins Freie! Am Brunnen wartet schon die UR-Sonne auf uns, damit Zuriel und Helia das Weisheitslicht ordentlich aufgehen kann.“ Zuerst ist es wie immer still, doch dann bricht Jubel, Dank und Freude aus. Und Zuriel sagt schlicht: „O UR, Spender hoher Gaben, wenn ich die Fülle Deiner Weisheit geschöpft haben werde, dann laß mich Dir mit Worten danken, um Dich gerecht und heilig anzubeten. Jetzt nimm meinen und unser aller Herzensdank entgegen. Deine heilige Freude an unserm Dank sei uns der Segen zu neuem Werk.“
3-124 „Gut, außerordentlich gut gesprochen, Mein Zuriel! Das lasse Ich gelten! Meine Freude an eurem Dank wird sich aber baldigst als ein Segen offenbaren, an dem sich eure Arbeit steigern wird. Das ist das gerechte Fließen von Meinem UR-Quell zu eurem Brunnen und zurück. Und dieser Segen hat UR-Ewigkeitswert! Amen.“ — Das löst in den Ersten ein bisher ungeahntes Gefühl aus: Das UR-Wort, um dessen Erfüllung sie niemals besorgt sein brauchen! Still knien sie nieder; der gewaltige Segenshauch hat sie zutiefst berührt.
3-125 Am Brunnen spüren sie, als ob die UR-Sonne sich verändert habe, zwar nicht in ihrer Strahlkraft oder Form. Staunend betrachten sie das neue, wunderbare Licht- und Farbenpanorama. Tief atmen sie auf, ihre Augen leuchten; und es ist ja nicht das pur äußerliche Schauen, was hier vor sich geht. Nein, äonmal mehr geschieht! Das ist die geheiligte Zwiesprache zwischen Vater und Kind, hergeleitet aus der ursächlichen Verbindung zwischen Lichtquell und Lichtwerk, zwischen Schöpfer und Geschöpf, Priester und Geist, Gott und Seele.
3-126 Je mehr die Ersten, frei und losgelöst vom Äußerlichen, sich diesem Fluidum ergeben, um so intensiver werden sie vom Lichte überstrahlt, bis sie es vor lauter Seligkeit kaum aushalten können, und Uraniel schließlich sagt: „O Höchster, Erhabener, grundguter Vater! Was willst Du aus uns machen, wenn Deine heilige und unermeßlichst beseligende Licht- und Lebensstrahlung derart uns umhüllt? Sieh, unsere Herzen können keinen noch so kleinsten Strahl mehr aufnehmen, sie fließen über, fließen zu Dir hin. Ich glaube, Du mußt nun doch Deine schöne Sonne ein bißchen von uns wenden, sonst zerfließen wir in ihrem allgewaltigen Schein, und wir sind dann nicht mehr Deine Ersten, sondern Funken in dem Sonnenmeer. Damit hätte wohl der Schöpfungstag sein Ziel verfehlt. So wende bitte nun zu unserm Heil die Sonne etwas um, damit wir bleiben, zu dem DU uns in Deiner Machtvollkommenheit hast werden lassen.“
3-127 „Schön und gut“, sagt UR, „doch nach welcher Seite, damit ihr nicht zerfließt, sondern getreue Helfer und liebe Kinder bleibt? Soll es nach jener Seite sein, auf welcher deine Bitte steht?“ „O ja!“ ruft Uraniel, „das ist ja meine Bitte.“ „Wir wollen es probieren!“ UR streckt die rechte Hand aus, wendet sie nach der Seite zu, wo Uraniel sitzt, und alle sehen, wie sich der Lichtball dreht. Kaum geschehen, fühlen sie einen weit stärkeren Licht- und Lebensstrahl als vorher und schauen UR verwundert an. Uraniel fragt bescheiden: „Herr, hast Du die Sonne nicht nach der falschen Seite umgedreht?“ Ein Lächeln geht über das heilige Gesicht. Gütig antwortet UR:
3-128 „O Ordnungsträger, wo ist die richtige oder falsche Seite Meiner Sonne? Damit du die richtige Antwort findest, will Ich als Schulbeispiel den Ring zeigen wie im Hause Michaels. Nun, er ist! Betrachte ihn genau und zeige Mir die richtige oder falsche Seite, worunter du an sich Anfang und Ende meinst. Dasselbe wenden wir hernach auf Meine Sonne an, der Ich aller Wahrscheinlichkeit nach noch nie eine falsche Seite gab! Jetzt, Mein Sohn, drehe du das Schöpfungsrad!“ Verdutzt schaut Uraniel auf UR, auf den Ring und sagt kleinlaut:
3-129 „O UR, Du konntest Dich ja schlecht auf Deinen Ordnungsfürsten verlassen! Ja — weder dieser Ring, am wenigsten die wunderbare Sonne haben einen Anfang oder Ende und somit keine richtige noch falsche Seite. Aber sieh, das verstehe ich nun nicht, daß Licht und Strahlkraft zunahmen, da Du doch die Sonne nach meiner ganz bescheidenen Bitte hin gewendet hast. Du weißt, wie mein Wunsch beschaffen war.“
3-130 „Da muß Ich freilich helfen, und zwar durch Meinen Weisheitsträger. Ist das geschehen, so werde Ich das ‚Wunder‘ euch erklären. Auch steigt in Zuriel die berechtigte Frage auf, ob und was er dem Tage bringen soll. Häuser und Brunnen haben wir, denn unser Haus- und unser Wassermeister haben für die Ewigkeit gut vorgesorgt. Darum schaut euch um, Zuriel und Helia, und prüft, was die nächste Arbeit wäre, damit unsere Tagesfreude vollkommen wird.“ Da stellen sich die beiden vor den Schöpfer aller Dinge hin, und Zuriel sagt:
3-131 „Heiliger Herr, höchster Priester Melchisedek! Die Sonnenkraft nimmt ständig machtvoll zu, daß auch ich den Gedanken fassen muß: Wie schützen wir uns denn, damit wir nicht vor lauter Wonne in Dir, in Deinem Licht zerfließen? Den noch lasse ich Dein UR-Licht noch eine Weile über mich ergehen, bis es mir den richtigen Gedanken schenkt. Eines weiß ich schon: Jetzt soll auch ein Erstlingswerk geschehen. Deshalb will ich fleißig nach Dir Ausschau halten und Deine heiligen Hände, die das Ruder aller Lebens- und Schöpfungsschiffe halten, zuerst werken lassen und hernach in Deinen heiligen UR-Quell so tief hineinlangen, als mir immer möglich ist. Dann will ich aus der mir anvertrauten Weisheit sagen: Es geschehe! und will warten, was geschieht. Ist es so recht? O Allgeliebter, Du All-Heiliger, laß auch dieses Werk den UR-Ewigkeitswert erlangen.“ UR erwidert:
3-132 „Du hast recht geredet, Zuriel; handle so, mit Helia vereint!“ Da sieht der Fürst hinüber zum Heiligtum auf hoher Zinne. Das Licht umhüllt nun weich und wundersam sein Wesen. Am inneren Auge, das auch hier als geistig zu bezeichnen ist, zieht das Schöpfungstageswort bildhaft vorbei. Anlaß bieten die vier Lebensbäume, die am Quell des Heiligtums stehen. Bewußt weitet er den Blick. Da zeigen sich Gefilde mit hohen, fruchtbeschwerten Bäumen, dehnen sich grüne Flächen, übersät mit Blumen von unendlicher Farben- und Formenvariation. Herrliche Haine geben dem Gedanken Raum, daß dort der Höchste andachtsvoll wie vor dem Altar eines Engelshauses anzubeten sei. Immer gestaltungsfähiger in lebendiger Triebkraft wird das Bild. Und wie Sadhana sieht auch er zwischen all den Herrlichkeiten eingebettet die Stadt der goldenen Gassen und sieht Scharen ihnen gleich, ‚kommende Kinder‘, von denen UR sprach.
3-133 Sadhana und die sechs Fürsten bilden einen großen Kreis, während Zuriel und Helia nach URs Händen fassen. Dabei drängt es sie, das innere Bild zu gestalten. Sie rufen mit einer Stimme: „Also geschehe es! Alles Land unter des Schöpfers heiligen Füßen werde fruchtbar mit Bäumen, Gras, Kraut, Früchten, mit Blumen aller Art! Wie lebendige Taten sich selbst erfüllen, so trage jedes seinen ‚lebendigen Samen‘ bei sich, befruchte und vermehre sich, soweit der Allmachtsarm des All-Heiligen dem UR-Jahr Raum und Zeit gegeben hat! Jeder Tag bringe dieses Erstlingswerk hervor, das Werk der Nahrung und der Freude, des Segens und der Gnade.
3-134 Würde je der Weisheit Lichtgesetz verletzt, so soll es sich an den ‚verletzten Früchten‘ zeigen. Dann nähme einst die Weisheit die Sichel zur zweiten Arbeit in die Hand, und das UR-Wort wird erfüllt: an den Gesetzesverletzern und dem durch sie verletzten Segenswerk. So bleibe die Sichel das Zeichen bis zur Stunde, in der das freie Willensgesetz URs heiligstes Hochziel offenbart. Nun geschehe das Erstlingswerk der Weisheit! UR wolle als der Ewig-Heilige, Priester Melchisedek von Licht-Heilig, Sein AMEN dazu geben.“
3-135 O hehre Weisheit, von den Menschen unverstanden, hier hast du deine Himmelskraft vollwahr aufgetan! Alle, der dritte Fürst nicht weniger, können kaum erst fassen, was sich ihnen zeigt. Herrlichst aufstrebende Palmen und Bäume, den Säulen des Heiligtums gleich, überschatten sie, denn sie befinden sich in einem Haine erster Ordnung. Das vordem noch allzu stark empfundene Sonnenlicht wird ihnen zum unaussprechlichen Genuß. Und alles ist geschehen aus Gedanke, Wort und Tat. Wahrlich, der Weisheitshügel ist zu einem Paradies geworden. Beseligt jauchzend drängen sich die Ersten um UR, und ihre Liebe überflutet Ihn in diesem gnadenreichen Schöpfungsakt. — Als sich der Jubel etwas legt, spricht UR:
3-136 „Meine lieben Kinder! Ihr danket Mir, wie es vollkommener kaum noch geschehen kann. Da muß ich aus Revanche das Erstlingswerk zu einem noch größeren Segen umwandeln. Doch wir wollen uns bei unserm paradiesischen Gärtnermeister bedanken, als welche Zuriel und Helia einzusetzen sind. Sie haben ein überaus herrliches Eden geschaffen. Mein Dritter hat die UR-Sonne mächtig in sich aufgenommen, und so gebührt ihm gerechterweise auch der Dank.“ Die Engel, allen voran Sadhana, umringen Zuriel und Helia mit großer Liebe. Zuriel aber sagt:
3-137 „Wer trägt die Weisheit in sich als den Licht- und Lebensstrahl, aus dem das Werk geboren ward? Wer ließ die UR-Sonne als Mittelpunkt für jeden Tag, ja für Ewigkeiten werden? Das ist unser UR, ER allein hat es getan! Ich konnte wohl ein schönes Werk nach meiner Weisheit schaffen; ja ich ließ mich von URs Sonne fortgesetzt bestrahlen, damit nach Seinem Wort ein Ewigkeitswerk gestaltet wurde.
3-138 Allein, auch unsre allerbeste Sonne hat ihre Kraft vom Schöpfer, Der sie werden ließ; der All-Heilige UR, und nun im Übermaß einer uns ewig unbegreiflichen Fülle der gnadenvolle Hochpriester Melchisedek. Darum Ihm, dem Ursprung jeder Schaffung, allein der Dank. Denn vor Äonen, die wir nie bewußt erkennen werden, ruhte schon in Ihm der Same dieses Tages, uns zu ewiglichem Segen vorbedacht.
3-139 Kommt alle, schließt abermals den Ring um UR, damit Er als der heilige Mittelpunkt niemals mehr aus unsern Herzen geht. Von Ihm erhalten wir Macht, Kraft, Gewalt und Stärke, um nach Seinem ewigen Ordnungs- und Heilsplan die Tage auszufüllen. Wenden wir uns nie von diesem Mittelpunkt, so wird sich unsere Vollendung im Glanze der Vollkommenheit des Schöpfers, Priesters, Gottes und Vaters widerspiegeln. Dann schöpfen wir aus dem Ursprung die heilige UR-Sache, nämlich unsere Vollkommenheit, die von Ewigkeiten her die Heilssache unseres UR gewesen ist!
3-140 Lasset uns Ihm danken, wie die Weisheit es befiehlt.“ Da wird der Hain zum Tempel ewiger Majestät. Zuriel kniet feierlich nieder, die andern tun es nach. Grenzenlos offenbart sich das hehre Antlitz, die Herrlichkeit des Glanzes und der königlichen Pracht. Keines Wortes mächtig, sehen die Ersten unverwandt auf den erkorenen Mittelpunkt ihres Lebens, ihre Liebe, hochgereckt die Hände in schöpfungsschwerer Anbetung. So knien sie lange, bis endlich UR ihnen winkt, sich zu erheben. Er führt sie inmitten des Haines zu einem freien Platz, ganz mit moosartigem Gewächs bedeckt.
3-141 „Hier wollen wir nach der großen Arbeit ruhen und uns erlaben“, sagt UR. „Dazu fehlen uns noch manche Dinge, und so muß der Gärtnermeister den Hausbauer um Hilfe bitten.“ Zuriel befolgt die Aufforderung; Uraniel aber wendet sich an UR: „O Vater, meine Bitte wegen der Sonnendrehung war doch falsch, und so weiß ich nicht, ob ich nun Deinen mich ehrenden Auftrag ausführen kann.“ Uraniels Bescheidenheit ist so groß, daß sie sogleich herrlich zu belohnen ist. Es ist das erst Mal, daß UR in dieser Weise zu einem Kinde schreitet, ohne abzuwarten, daß es Ihm entgegeneilt. Die Demut war das Entgegenkommen. Er nimmt Seinen ersten Befehlsträger an Seine Brust und sagt:
3-142 „Mein Cherub, betrübe nicht dein Herz! Deine Bitte war berechtigt, und ihr erfahret noch, warum Meine Sonne stärker statt schwächer leuchtete. Nimm die Ehre und verwandle sie in Kraft, dann wirst du sehen, wie leicht etwas zu beschaffen ist. Zudem ist das Erstlingswerk mit Mir in Ordnungsfolge aus der Weisheit hervorgegangen. Nun kann Ich Meine Kinder wirken lassen, haben sie sich beim Hauptwerk ja prächtig bewährt; da gehen kleine Nebenwerke niemals fehl.
3-143 Zu allem Überfluß habt ihr Mich in eine Mitte gestellt, aus der Ich schwer herauskommen kann. Denn entsprechend Meiner Grundlebensstrahlen habt ihr einen Ring geformt, an den Ich Mein Tat-UR-Jahr ohne Sorge hängen kann. Das Ganzwerk wird nicht fallen. Würde auch ein Kind mit seinem freien Willen diesen Kreis verlassen — Mein euch jetzt gegebener Doppelsegen würde dann die Lücke füllen und außerdem dem Kinde seinen Platz erhalten — notfalls durch ein Opfer!!—
3-144 Nun wieder auf zur Tat! Ich habe ja noch viel zu offenbaren.“ Da mißt Uraniel den Hain nach dem Bau des Tempels ab, errichtet unter der höchsten Palme den erhabenen Stuhl, davor im Halbkreis Plätze für die Kinder. Wie von ungefähr hat jeder Stuhl eine schöne Palme. Nach Herzenslust werken beide Fürsten. Helia und Urea bauen einen Altar auf und schmücken ihn mit bunten Blumen, die im Haine wachsen. Das ist alles wunderbar geworden. UR belobt die Ersten, als sie Ihm ihre Arbeit zeigen, nimmt auch gleich den Hauptstuhl ein und sagt:
3-145 „Jedem Schöpfungsmorgen gebe Ich ein heiliges Wort. Das habt ihr noch nicht gehört, denn ihr erwacht erst durch das Wort zum bewußten Leben. Es durchtränkt Meine Nächte und führt die Werke ihren Tagen zu. In einer Nacht ist alles Werk heilig zugedeckt, denn da schlummert es in Meinem UR-Gedanken. Wie es allda ist, so schenke Ich es jedem Tage zur Gestalt. Die Gestaltung ist dann das Geheiligtsein! —
3-146 Ihr fragt, wie Ich in Mir vollendetes Gedankenwerk einem Tage überlassen kann, der doch selbst ein Teilwerk Meines Wesens ist. Ganz recht, liebe Kinder; doch höret, und ihr werdet bald verstehen, was euch daran unklar ist. Ihr kennt ja schon den Unterschied von den Gedanke-, Wort- und Tat-UR-Jahren. Meine schönste, größte und Mir liebste Arbeit ist Mein Kind-Werk, das mit der Geburt des Tat-UR-Jahres in Mir seine eigene Gestalt bekam. In der Kraft Meines heiligen UR-Geistes sind die Kinder schon gezeugt und werden alle ausgeboren, wenn Meine dritte Herzkammer in vollste Tätigkeit gelangt. Diesem Kind – Werk widme Ich Mich selbst! Jede hochgesegnete Nacht benutze Ich für das Mir höchste Werk, wo Ich es zubereite zu Meinem Schöpferjubel, zur Schöpfungsseligkeit der Kinder!
3-147 Das Wort, das Ich meine, heißt: Es werde! ! Ein kleines Wort aus Meinem Mund — und birgt doch alle Macht, Kraft, Gewalt und Stärke, die Überfülle Meiner Herrlichkeit und Vollkommenheit! Ja, in ihm offenbart sich Meine Größe! Ich vertraue Meinem Tat-Jahr an, daß aus Kleinstem auch das Größte werden soll. Den Zusammenhang könnt ihr freilich nicht erkennen und müssen erst noch ein paar Tage kommen, bis ihr in Mein Schöpferwort ‚Es werde‘ hineingewachsen seid. Voll wird es erkenntlich, wenn das freie Willensgesetz durch Meine Kinder seine höchste Bewährung hat. Das ist Mein Hochziel in der ersten Tat-Jahr-Woche. Soweit der Fortgang jedes Tages von euch ein Verständnis heischt, werdet ihr es auch in Wort und Werk begreifen.
3-148 Kommt einst die Stunde der Bewährung, so muß in euch Meine Kraft verwurzelt sein, daß euer ganz eigenes ‚Es werde‘ imstande ist, in den Werkverlauf nach Maßgabe Meiner Schöpfungsvorsehung mit einzugreifen, womit jedes Endziel gesichert ist. Alles muß werden: Mein Licht, aus ihm das Leben, aus diesem Meine Kinder und aus ihnen dann das Ziel! Das sind die vier Haupt-Werden! Alles andere ergibt sich stufenweise selbst. Die Kraft des Wortes muß in euch ein Leben sein, das im Sinne aller Tagesziele diese eure höchste Aufgabe erfüllt. Darin ruht die Vollendung und eine Mir im Ebenbilde gleichgemachte Vollkommenheit. Wer das Soll erreicht, erkennt Mich Meinem UR-Sein nach, den ‚ICH-BIN‘, wie auch die ‚Offenbarungskleider‘, die Ich zum Heil der Kinder angezogen habe. Aber ohne demutsvolles Streben gelingt keinem Kind, das ‚Es werde‘ schöpfungswahr zu sprechen. Ja, jeder derartige Versuch würde schwerste Lasten mit sich bringen.
3-149 Wunderbar und leicht führe Ich euch diesem Lichtziel zu, denn eure Arbeit, zumal die Grundwerke, sind die beste und sicherste Lebensschule, die Ich eingerichtet habe. Wenn auch an jedem Tage — weil so nach Meinen Eigenschaften heilsamst vorgesehen — äußerlich nur einer ihrer Träger das Grundwerk tut, so seid ihr dennoch alle daran beteiligt, jeder nach seiner Art, Meine Sadhana als Spiegelsammelpunkt des Ganzen und Ich selbst als euer frei erkorener UR-Mittelpunkt.
3-150 Ich bin der Grundeigentümer aller Werke, will jedoch an jenen Werken Anteilnehmer sein, die ihr selber kraft der gegebenen Licht- und Lebensstrahlen schafft. Uraniel ist demnach der erste Mitgrundeigentümer der Häuser, Michael von den Brunnen und Zuriel derjenige aller paradiesischen Gefilde. Doch jedes Kind erwirbt sich sofort seinen Anteil an dem Mitgrundeigentümerrecht, sobald es ganz bewußt den vorerwähnten Weg sich wählt. Denn höret, Meine Ersten: Alle, die das befolgen, werden einmal Miteigentümer sein, weil sie Meine Kinder sind und ICH ihr rechter Vater bin!
3-151 Darüber nun nichts weiter; die Zeiten bringen euch das Geheimnis des ‚Es werde’ bestens nahe. — Erst muß Ich dem Uraniel die UR-Sonne vom Herzen nehmen, denn ein bißchen lastet sie immer noch auf ihm, das heißt: die falsche Seite.“ Ach, wie blickt der erste Fürst in die grundguten Augen, und wie geht eine Kraft auf gleichem Weg zurück, und dabei ein befreiter Atemzug. UR fährt in Seiner Rede fort:
3-152 „Meine Kinder, was ihr erhaltet, entnehme Ich jeweils einem Abschnitt: Tag, Stunde, auch der Minute oder nur Sekunde; weiß Ich ja allein, was der Fortgang jedem Einzel bringt, was noch an Vollendung fehlt, was Mir ferne oder nahe steht. Das ganz besonders in Hinsicht der freigeborenen Kinder. Denn würde Ich zuwenig geben, als was ihr tragen könnt, oder auch ein Mindestmaß zuviel, so wäre beides ohne jeden Nutzen. Freude und Last an der Mühe der Arbeit sind sehr genau zu wiegen, sollen sie dem ganzen Werk zum Segen sein.
3-153 Ihr waret der Ansicht, als ob die UR-Sonne allzu heftig schiene, beinah wie unerträglich. Doch ihr lebt, die Sonne hat euch sich nicht einverleibt. Das geschah, weil ihr zwar mit rechter Freude, aber auch fast unentwegt zur Sonne schauet und Mich, unter euch weilend, ein wenig übersehen hattet. Weil der Grund dieser Handlung Mir jedoch recht große Freude machen sollte, war es dennoch in der Ordnung und nichts dabei Meinem Werke hinderlich. Im gleichen Sinne haben wir Uraniels Bitte anzusehen, die UR-Sonne ein wenig abzuwenden.
3-154 Aber seht, wie sollte Ich denn Meinen Lichtspender drehen, da Ich — wie geschildert — sorgsamst wiege, was zu eurem Besten dient? Zuriel erbrachte den Beweis, daß die Sonne richtig stand und ihr Maß ein ordentliches war; denn er hielt sogar die verstärkten Strahlen aus. War aber eine von Uraniel gewünschte Drehung dennoch möglich, so stets nach der ‚Vollkommenheitsseite‘ zu, weil es in Mir kein Ab im Sinne des Wortes gibt, sondern immerdar ein Auf! Darum nahm die Strahlung zu. Außerdem war Uraniels Bitte so mit Demut und Liebe angefüllt, daß Mein Vaterherz aus diesem ganz eigentlichen ersten Grund an keine Lichtabnahme dachte, sondern zusätzlich eine gehörige Portion zu euer aller Segen gab. Daran schließe Ich eine Mahnung, deren Beachtung jetzt und zu allen Zeiten fleißig anzustreben ist.
3-155 Meine lieben Kinder, bleibt eingedenk, daß jede Meiner Gaben ein gerechtes Maß besitzt! Jedes Maß, ob für ein unbewußtes Werk, erst recht für Meine Freigeborenen, wiege Ich selbst auf Meiner Ordnungswaage ab! Ich benutze aber nur ein Maß und einerlei Gewicht nach Meiner einen Grundgerechtigkeit, die ein Vollendungsziel erstrebt! Dieses eine Maß paßt sich jedem Grad und jeder Größe eines jeden Gefäßes an. Ich gebe gern ein vollgerüttelt Maß, Ich spare nicht, aber — Ich verschleudere auch nicht! Alles hat UR-Ewigkeitswert und ist Mein kostbares Eigentum. In der Verteilung Meiner Gaben die freiherrliche Grundgerechtigkeit anzuerkennen, bringt jedem Kind Vollkommenheit, zumal bei uneigennütziger Freude, wenn ein anderes mehr empfängt. Das ‚Mehr‘ ist dann längst ausgeglichen und wird das vollendete Kind nicht anders Meiner Güte danken, als ihr vordem wortlos danktet. Anerkennt Meine Grundgerechtigkeit und lehret sie anerkennen jene, die nach euch kommen. Wer also handelt, gleicht sich selbst als ‚Mein Ebenbild‘ Mir an, und der ist wahrhaft ein von Mir bestätigter Anteilnehmer Meines Grundeigentums!
3-156 Noch etwas habe Ich euch zugesagt im Hinblick darauf, daß Zuriel und Helia vor ihrem Hause Mich erwarteten. Tretet näher zu Mir heran! Sehet, rechts und links Meines Stuhls sind zwei schöne Bäumchen aufgeblüht, eines durch Uraniels Demut, das andere durch Zuriels gerechtes Warten. Wir wollen sie ‚Rosen‘ nennen, und entspricht die rote rechts der Demut, die weiße links des Auf-Mich Harrens. Zuriel hat sich als bester Gärtnermeister entpuppt, daß alles seinen Samen bei sich selber tragen soll. Denn die erste Vollrose an jedem Strauch trägt schon viele Knospen. Erfreuet euch von Herzen an dem schönen Werk. Auch solche Freude bringt euch Kraft.
3-157 In Zukunft soll nun jedes gute Wort und jede wahre Tat einer Rose gleichen. Und wer beidem Rechnung trägt, gleicht selber bald solch edlem Rosenstock. Sein Blütenduft soll einem Gebet entsprechen; und Andacht oder Anbetung soll Mir so entgegenströmen. Darum nenne ich sie unter ihresgleichen eine Königin. Und Ich sage euch: Bleibt vor Meiner Heiligkeit so lieblich wie dies köstliche Gewächs, und Ich will euch wie sie ins Innerste Meines Paradieses pflanzen, daß ihr darin eure Wurzeln schlagt. Je tiefer ihr die Wurzeln in Mein heiliges Erdreich treibt, nämlich in Mein Herz, je fester seid ihr mit Mir verbunden. Dringt eure Hauptwurzel bis zu jener Tiefe vor, wo die Quelle Meiner Mitternacht ihr Rauschen hat, so bleibet ihr für jede Ewigkeit untrennbar Meine lieben Kinder!
3-158 Nun haben wir dem Weisheitshügel mit langem Dasein eine große Ehre angetan; der Tag schreitet weiter, und auch wir wollen weiter schreiten. Indem wir das tun, tragen wir das neue Werk in Raum und Zeit hinaus. Zwar wird es zuerst mehr innerlich geschehen, wie das stets das Grundlegendste ist. Die äußere Offenbarung bringt erst der nächste Tag, in welchem Meine Vollhöhe sich auf Meine Kinder senken wird. Während der zwei ersten Tage führte Ich euch sinngemäß in Meine Tiefe, denn die Ordnung und der Wille sind der Strom aus Meinem Grund. Nun müssen wir zur Höhe klimmen, weil von da aus erst die Weite übersehen werden kann. Diese sparen wir uns aber für die fünfte und die sechste Schaffung auf und beanspruchen sie heute nur insoweit, als es nötig ist. Die Heimkehr aber, zurück in Meine Nähe, in Mein Herz — seht, dies bleibt die höchste Hauptsache von allem aus der Tiefe, Höhe und Weite. Also laßt uns wandern.“
3-159 UR geht voran, dennoch ist den Ersten der Weg zur Höhe unbekannt. Die Herrlichkeit des von ungeheurem Lichte überstrahlten Weisheitstages öffnet sich den Kindern immer mehr. Oft wandeln sie still hinter UR, Der ihnen diese Kostbarkeiten schenkt. In der Höhe Seines Priestertums läßt Er sie, soweit für sie ein vollgerüttelt Tagesmaß in Frage kommt, einen Blick in die zweite heilige Mitternachtsstunde tun, wo die Weisheit und in großer Vorschattung auch der Ernst als zweite Eigenschaft der priesterlichen Herzkammer sich segnend ausbreiteten und als Licht und Leben wieder auf das Kommende, das Werdende hernieder ging.
3-160 Viel sehen sie; noch mehr dürfen sie für den Tag zur Tatsache, für das Kommende in innerer heiliger Vorbereitung mithelfend sein. Dabei vergeht die Zeit wie ein Geringes, doch an Seligkeit und Freude mit unmeßbarem Reichtum angefüllt. Ja, sind die Vortage nun ‚arm‘ zu nennen? Die Kinder spüren, wenn auch nicht vollwissend, daß es wie mit der richtigen und falschen Sonnenseite werden möchte, würden sie UR befragen. So schweigen sie. Er aber freut sich ihrer Liebe und erklärt, daß es bei Ihm keine reichen oder armen Tage gibt, sondern daß der erste Tag mit dem ganzen Jahresmaße trächtig war, daß aber Teil um Teil sich offenbart und daher eine Steigerung empfunden wird, weil ja jede Tagesoffenbarung in den folgenden sich zeigt, wie als Beispiel: Die Häuser in dem zweiten, diese und die Brunnen im dritten und alles mit dem Paradieswerk im vierten Tag. „Denn“, sagt UR:
3-161 „Die Urgrundform ist ja aus Mir, die Ausschmückung überlasse Ich den Kindern, zumal wenn sie verläßlich sind. Je mehr ein Kind die Wirksamkeit entfaltet, um so schöner wird sein Werk. Wie hoch eure Anleihe bei Mir ist, so reich seid ihr. Je höher eine Anleihe, desto besser, denn aus dieser könnt ihr pünktlichste Rückzahler werden! Und auch ICH werde dabei reicher; seid ihr doch nachgerade Meine besten Sachwalter wie einst jeder, der so handelt. Zuriels gärtnerische Hochleistung bestätigt für euch die Wahrheit dessen.“
3-162 Daran schließt sich noch so manche Schöpfungsschau. Allgemach naht der Abend. UR leitet Seine Kinder auf dem Rückweg in einen sehr fernen Raumteil. Von dort aus heißt Er sie allein heimzukehren. Ein Segenswort, und alsbald ist Er ihrem Blick entschwunden. Wer geht nun voran? „Unser UR soll ewig vor uns hergehen“, sagt Sadhana, „auch wenn Er uns nicht sichtbar ist, Er läßt uns auf keinem unbekannten schweren Weg allein. Doch ihr, Zuriel und Uraniel, übernehmt die Führung, und Michael und ich gehen am Ende. Also werden auch wir am Ende ganz richtig beim Vater anlangen.“
3-163 Das ist ein Wort! Die Engel umringen Sadhana; es kommt ihnen vor, als habe UR Sein kostbarstes Kleinod ihnen anvertraut. Darum sagt der siebente Fürst: „Nur du, Sadhana, vom Vater als die ‚Liebliche‘ angesprochen, konntest also reden. Der Vater wird sich freuen! Lasse mich und meinen sechsten Bruder dich in unsere Mitte nehmen und hinter Uraniel und Zuriel heimgeleiten: sonst bleibe, wie du gesagt hast.“ Und sie ziehen heim, noch viele Herrlichkeiten auf dem Weg findend, bis sich der gelbe Teppich zeigt. Da wissen sie, daß sie recht gegangen sind. Doch bald führt eine Abzweigung auf Zuriels Hügel. Wohin sollen sie sich wenden? Gleich heim? —
3-164 „Laßt uns zu meinem Hügel gehn“, entscheidet Zuriel. „Auch an den Vortagen ging der Heimweg über diese Hügel. Vielleicht erwartet uns daselbst der Vater.“ Sie eilen vorwärts und merken auf einmal, daß sie immer schneller laufen. Am Hügel steht die hehre heilige Gestalt. Sie beschatten ihre Augen: Er ist es, ihr UR!! Da hemmt sie nichts; ihre Füße berühren kaum noch den Boden. Fliegen sie? Schneller als der sanfte Wind, der durch die Palmen streicht? Sie wissen‘s nicht. Doch die Sehnsucht spüren sie und daß die Zeit ohne UR unendlich länger für sie war als die Tagesstunden, in denen sie Ihn bei sich hatten.
3-165 Ein majestätischer, unaussprechlich hoheitsvoller Priester steht zum Empfang bereit; aber Seine guten Vaterarme sind ausgebreitet. Jedes Kind ruht an Seiner Brust, und jedem ist, als ob sie gleichzeitig die Seligkeit genießen. Dank und Jubel will kein Ende finden. 0 Schöpfer, Du hast Dich als Vater Deiner Kinder unsagbar reich gemacht! Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört. UR läßt sie ihre Freude verausgaben, denn dadurch sind sie tausendfach gesegnet.
3-166 Doch dann sagt Er, daß sie ihren letzten Dank aufbewahren sollen, bis sie ganz zu Hause sind. Er befiehlt Zuriel und Helia vorauszugehen. Sie tun es, und da sehen die andern, daß die beiden ‚Flügel‘ haben; so hören sie das Wort in sich. Ja, was ist das nun?! Und alle haben solche Flügel, mit denen sie sich ohne Füße fortbewegen können. Fragend schauen sie auf UR, und Er erklärt lächelnd:
3-167 „Meine Kinder, die Flügel sind eurer Sehnsucht Lohn. Auf dem Rückweg, eine Schöpfungsstunde lang allein, hatte euch die große Sehnsucht unentwegt beherrscht. Gedanke, Wort und Tat — wie geboten war und das Tagwerk es verlangte — galt dem Einen: Das war Ich! Und so kanntet ihr auch nur ein Ziel: Das war wieder Ich! Äußerlich zwar fern, waret ihr doch nicht von Mir getrennt. Den noch trieb es euch zu Mir, und eure Sehnsucht wuchs über euch weit hinaus.
3-168 So hoch Ich euch in Meine Höhe führte, so hoch stieg das Verlangen, das brennende Gefühl. Am Ende war das Heimbegehren nach Mir dergestalt, daß eure Herzen schon längst bei Mir angekommen waren, ehe dieses äußerlich geschah. Da stieg Meine Freude in eure Sehnsuchtshöhe auf, und was Gutes aus den Herzen zu Mir kam, floß tausendfach auf euch gesegnet nieder. Die Flügel befähigen euch im gewissen Sinn, Mich schneller wieder zu erreichen.
3-169 Freilich sind die Flügel ein Symbol; praktisch überlassen wir sie später anderen noch zu erschaffenden Lebewesen. Doch soll die schöne Gabe bildhaft bleiben, an der andere Kinder erkennen, welch große Kraft einem ‚Engel‘ innewohnt, mit welcher Leichtigkeit er in Lichtschnelle Schöpfungsräume überwinden kann. Jetzt, mit Mir wandelnd, sind die Flügel verschwunden. Nur Zuriel und Helia, die uns vorauseilen, sind zu eurer Freude für den Hügelweg belassen.
3-170 In Meinem Lichtreich braucht ihr keine Flügel; Meine Freude hat sie euch gezeigt. Am nächsten Tage werdet ihr noch große Räume zu durcheilen haben. Dann gedenkt der Gabe, und ihr werdet wie mit Flügeln euch bewegen, rasch wie Wasser, schnell wie ein Gedanke, ja schneller als des Lichtes Strahl. Ihr bleibt befähigt, eure Flügel auch zu zeigen, sobald es ein Werk erforderlich macht.
3-171 Aber wir sind angelangt, Zuriel erwartet uns als liebenswürdigster Gastgeber. Nun — da wollen wir uns recht beeilen.“ Zuriel begrüßt den Hochpriester Melchisedek mit größter Ehrerbietung und bittet Ihn und seine Lichtgeschwister einzutreten. Helia wartet vor dem Altar. O, wie ist dieser und der Raum aufs schönste hergerichtet. Viele Blumen leuchten im hereinbrechenden Abendglanz der UR-Sonne, und am Thron zwei Rosenbäumchen, rot und weiß. Neben den Bechern stehen silberne Teller, angefüllt mit wunderbarsten Früchten.
3-172 Am reichsten ist URs Teller bedacht und mit einem Blumenkranz geschmückt. Die Ersten beherrscht große Freude, und am nächsten Schöpfungsmorgen wollen sie das Allerheiligste mit diesen Gaben zubereiten, für ihren UR! Der Priester belobt Zuriel und Helia sehr und erklärt den schönen Sinn, Blumen zur Freude zu verwenden. Er sagt:
3-173 „Seht, jede Blume ist das Gleichnis einer Nebengemeinschaft, die aus Meinen sieben UR-Lebensstrahlen kommen, keineswegs aber nebensächlich sind, sondern weitgehendst zur Vollendung mit verhelfen. Gerade Freude ist eine schöne Befähigung, somit als Nebeneigenschaft zu werten. Der Dank kann vornehmlich eine Haupteigenschaft im Kinde sich entwickeln lassen. Ferner die Gerechtigkeit, dann die Freundlichkeit, Güte, Milde, Sanftmut und vieles mehr sind nutzbringende Nebeneigenschaften, ohne welche kein Kind vorwärtskommt. Denn je mehr der Tage, um so reichlicher die Strahlung. Wie ein Hauptwerk in viele kleine Nebenwerke zerfällt, so auch Meine Haupteigenschaften in entsprechende Nebeneigenschaften; denn dadurch gelangen Meine Schöpfungstage in den höchsten Segensstand.
3-174 Nun lassen wir uns unseres Gärtnermeisters Gaben schmecken und sind diese kein Symbol, sondern ordentliche Wirklichkeit. Gewiß kommt auch hierbei ein Entsprechen in Betracht, da eure erlangten Fähigkeiten, euer Dienst in Meinem Allerheiligsten den guten Früchten, eure Liebe all den Blumen gleicht. Auch das unterstellte Ich dem inneren und äußeren Kraftbewußtsein; denn der Aufbau bei der Grundfundamente gab euch ja ein Inneres und Äußeres, jedem Fürsten zwei Gestalten, die positive und die negative, wie ICH jedem Werke gegenüber stets die Positive bin, Meine Sadhana hingegen das Negativ ergibt.
3-175 Alles Herrliche, das ihr in Meinem Lichtreich schaffen werdet, wird formgemäß ersichtlich sein, unabhängig davon, ob manches nur ein Gleichnis ist. Aber auch ein Gleichniswerk ersteht der Zukunft wegen, meist zur Erhaltung des Freiheitsgesetzes. Denn sollte es bei Symbolen bleiben, hätte die Gedankeschöpfung Mir genügt. Da ruhte ja in Mir das Ganzwerk gleich einem erhabenen Symbol! Denselben Stempel trug zum Großteil auch das Wort. Gedanke- und Wort-UR-Jahr waren überhaupt vorgeschattete Symbole für das Tat-UR-Jahr.“
3-176 Die Früchte sind genossen. Nun kniet Zuriel inmitten der Ersten vor dem Altar nieder. Er streckt seine Hände UR entgegen und sagt: „O Allheiliger, Hochpriester Melchisedek, Du hast uns diesen Tag mit großer Freude angefüllt. Was wir aus Deiner Machtvollkommenheit an Werken schaffen durften, sei Dir der Ausdruck unseres Dankes und der Anbetung. O Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, lasse uns aus echtem Dank die Kraft Deiner hohen Weisheit schöpfen, um zur Wahrheit zu gelangen. Du Heilig-Heilig bist die Wahrheit, und Dein Werk ist Wahrheit! Das Strahllicht Deiner schönen Sonne, das Quellgeheimnis Deiner Mitternacht, Dein Heiligtum ist Wahrheit und alles, was aus Deinen Dingen fließt. Deine heiligen Lebensimpulse sind Wahrheit, denn sie sind die Grundstrahlung Deiner UR-Wesenheit.
3-177 Du hast uns Tatsache und Symbol erklärt. Beides ist die Wahrheit, denn Du hast alles werden lassen. Wenn wir das erkennen, so haben wir Dich erkannt als die UR-Wahrheit! Aus ihr lasse uns am Abend die letzte Tagesgabe Deiner Weisheit nehmen, auf das wir vollendet mit der Vollendung Deiner Tagesschöpfung in Dich zur vorgesehenen Ruhe kommen. Du bist die Wahrheit, bist unser Leben, und wir sind Dein Leben; also sind wir Deine Wahrheit. Denn Du hast uns gezeugt und geboren aus der Fülle Deiner Grund-Wahrhaftigkeit!
3-178 Diese Anerkenntnis zu erlangen war die Hauptaufgabe des dritten wunderbaren Schöpfungstages. Niemand geht in Deine große Wahrheit ein, wer nicht die Weisheit zu erringen sucht! Dir danken wir wahrhaftig, denn DU bist der Wahrhaftige! Dir danken wir in Weisheit, weil Du die Fülle aller Weisheit bist! „O“, ruft Zuriel, indem er den anderen vom Altar Zweige reicht, „kommt, laßt uns frohlocken, das neue Lied der Wahrheit singen, den Gesang der Weisheit!
3-179 ‚Dir, Herr, sei Dank, Lob, Preis und Ehre, Dich beten wir an! Hochgelobt bist Du Schöpfer, Priester, Gott und Vater Ewig! Halleluja! Du König von Licht-Heilig! Vor Deine heiligen Füße breiten wir die Palmen aus; schreite darüber hin, siehe, das ist unsere Anbetung. In Deine heiligen Hände legen wir grüne Zweige; das sind unsere Herzen, Dir am Schöpfungsabend dargebracht. Und wir selbst bleiben ewig Dein Grundeigentum! Heilig, heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr, Allmächtiger und All-Erhabener! Dich loben wir, Dich preisen wir, Dich beten wir an, Dir sagen wir Dank in Ewigkeit! Amen‘.“
3-180 Die Jubilate braust durch den Raum. UR tritt mitten unter Seine Ersten. Vor ihm breitet sich ein grüner Palmenteppich aus, und Seine Hände heben acht wunderbare grüne Zweige hoch. Er hält diese über das Feuer. Da sprossen aus ihnen ungezählte kleine Zweige und aus diesen wieder welche, fort und fort. Er aber spricht:
3-181 „Liebe Kinder! Jedes von euch gab Mir sein Herz; und in jedem liegen so viel schönste, stärkste Triebkräfte, daß aus einem Zweig unzählig neue wachsen. Was ihr im Hinblick eurer Jubilate in aller Zukunft tut, wird auch den Segenssamen bei sich haben, der euere Arbeit vollkommen macht. Hier, Ich gebe euch die Zweige wieder; legt sie auf jenen Platz, wo sie bleiben können, als würde Ich sie immerdar in Meiner Hand behalten. Nun habt ihr euch in aller Wahrheit in Mein Herz gesenkt, und das ist für ewig euer Vaterhaus! —
3-182 Nun kommt! Die Glocke kündet bald die letzte Stunde an.“ Mit rührender Sorgfalt tragen die Kinder ihre Zweige heim. Kurz verweilen sie in den Häusern Michaels und Uraniels, wo UR noch manchen Hinweis gibt, wie jede Eigenschaft durch eine andere und wie Er selbst durch alle vereinten Grundlebensstrahlen sicher zu erringen ist.
3-183 Auch hier finden sich die schönen Haine vor, worüber große Freude herrscht. Allein, hinter Hephata biete sich ein noch viel wunderbareres Bild paradiesischer Gefilde. Die Stadt zeigt ihre Grundform an mit Gassen, von schlanken Palmen eingesäumt. Aber erst das Allerheiligste! In überreichen Schmuck prachtiert es, so daß die Ersten nicht einmal mehr jubeln können. Sie sind ganz freudenmüde. Still legen sie ihre Zweige um das Schöpfungsbuch, und ihre Augen fragen, ob das richtig sei und wer dem Heiligtum die Königspracht verliehen habe. UR entfacht die Tellerflamme für den Abend, legt des Tages letztes Weihkraut in die Opferschale und nimmt Seinen erhabenen Stuhl ein. Dann hebt Er an zu sprechen:
3-184 „Meine liebliche Sadhana und starke Fürsten! Den rechten Platz habt ihr gewählt, wo die grünen Zweige liegen können; sind ja eure Herzen Mein schönstes Tagewerk geworden, stehn in Meinem Buche eingeschrieben und kann Ich wohl dazu Mein ‚Schöpfungs-Amen‘ setzen. Doch die ‚Gewissensfrage‘ ist noch zu klären, die ihr an Mein UR-Ich stelltet: Gibt es in Mir eine Grenze oder nicht? Dem wäre eine zweite Frage anzugliedern: Gab Ich Mir etwa eine Grenze?! —
3-185 Wir beschäftigen uns zuerst mit der zweiten Frage, weil dabei die erste sich nahezu von selber löst. Außerdem habt ihr viel Weisheit geschöpft, nicht minder an Ordnung und Wille zugenommen; gehen doch die dominierend gewesenen Eigenschaften mit dem jeweiligen Tages-herrschafts-grundstrahl Hand in Hand, wodurch die Vollendung und die daraus an Mich anzugleichende Vollkommenheit zu erreichen ist.
3-186 Das Einzelwerk hat seine Grenze, die Schöpfungstage ihren Morgen und den Abend; und selbst ihr, Meine höchstbefähigten Kinder, habt einen werkgerechten Lebensanfang und ein Lebensende. Allein — noch wißt ihr nicht, wie solche Grenze eigentlich beschaffen und von Mir gestaltet worden ist. Ich will euch anhand des bekannten Ringbildes das Wichtigste erläutern. Seht, der Ring hat weder Anfang noch Ende, wie man ihn auch drehen oder wenden mag. Nehmen wir nun an, es beginnt ein neuer Morgen. Da halte Ich ihn mit zwei Fingern, und wäre so die Stelle, wo Ich ihn halte, als ein Anfang anzusehen.
3-187 Meine Hände, selbst ein Stück UR-Ewigkeit, holen sich aus ihr den Ring, und Ich schenke ihn dem Werk. Ihr merkt nun schon, daß solch gesetzte Grenze nichts anderes ist als ein Punkt, der einen Satz beendet und zugleich dem neuen seinen Anfang gibt. Die Struktur der Grenze ist — zumal im Tat-UR-Jahr — kompakt, wirklich der Zuständigkeit von Raum und Zeit ganz angepaßt. Ich halte diese Grenzen ein, denn Ich habe sie geheiligt, wie jeglicher Gedanke, zu Tat und Wort geformt, auch seine Heiligung erhält, weil ICH heilig bin!
3-188 Meinen Kindern als Meinem schönsten Herzenswerk ist alles Abgegrenzte unterstellt; denn Ich schuf um ihretwillen. Darin liegt das Wie der Grenzen. Allerdings hängt allgemein jede Endlichkeit vom Fortschritt Meiner Kinder ab, richtiger: Ich leite sie von derselben her. Das geschieht freilich in den Nächten, weshalb ihr selbst bei bester Darstellung es eigentlich bloß ahnen könnt.
3-189 Wie sich das Erreichte Meiner Kinder kraft des freien Willensgesetzes am Ende eines Schöpfungstages zeigt, genauso gestaltet sich das Wie der Grenzung. In keiner Meiner Schöpfungen ist jemals eine Grenze trotz Kompaktheit starr und unbeweglich. Ich bin das urewige Leben, die Beweglichkeit; und so ist all Mein Tun beweglich, veränderlich im Augenblick, wo die Fortentwicklung Meiner Kinder es erheischt. Aber ein Geheimnis: Auch Meine Nächte haben Grenzen, obwohl da kein Werk offenbar gestaltet ist, auch Meine Kinder nur urbewußt in Mir als eingeatmeter Gedanke leben. Gerade der nachts schlummernden Kinder wegen grenzte Ich die Nächte ab, und zwar weit unbeweglicher als die kompakt gegrenzten Tage. Das deshalb — und hier kommen wir zur ersten Frage —‚ weil Ich, der Grenzenlose, Mir ursächlich keine Grenzen bauen kann. Alle Abgrenzungen haben einzig und allein im Werkgedanken ihren großen Grund!
3-190 Aber keine Grenze formte Ich, ob kompakt, wesenhaft, mit größerer oder minderer Dehnbarkeit ausgestattet, ohne nicht schon im Ursprung des Gedankenaufbaus die um des Fortschritts willen später nötig werdenden Außengrenzen berücksichtigt zu haben!
Die Unbegrenztheit Meiner Wesenheit ist damit bestätigt!
3-191 Andernfalls müßte Ich — wie schon angedeutet — ein Embryo gewesen sein. Die Fragen, woher der Embryo-UR-Gedanke kam und was vor diesem existierte, wären unvermeidlich. Aber sie sind müßig, denn sie treffen keine UR-Substanz! Folglich sind sie ohne Schöpfungsrecht!
3-192 Wichtig ist zu erkennen, daß Ich des Kindwerkes wegen Mich in eine Grenze selbst begehe! Ich nenne sie die ‚UR-Grenze‘, wobei das Beispiel mit den ungezählten Ringen im UR-Ring und dem Ring in Meinen Fingern gilt. Gleich grundtief ist, daß alle Grenzen, auch die kompakten, frei beweglich werden, sobald das in ihnen sich abspielende Werk vollendet und die Zweckbestimmung erreicht worden ist. Das will Ich noch erläutern, soweit es jetzt offenbar werden kann.
3-193 Nehmt das Beispiel wahr: Bis zur dritten Tagesstunde sollte ein bestimmter Weisheitsteil erworben sein, mit dem das Tagwerk, nämlich die Erschaffung und Gestaltung der Bodensegnung, zu erfüllen war. Das ist Grenzbestimmung! Doch ihr habt nicht nur das Stundensoll erreicht, sondern ein Weisheitsmäßlein mehr geschöpft. Damit wurde die gezogene Grenze schon beweglich, denn ihr kamt Mir über sie entgegen. Ja, da mußte Ich von Mir aus die Grenze dehnen‘, sonst wäret ihr um eine Seligkeit zu kurz gekommen. — Ob das aber auch den rechten Nutzen bringt, hängt weniger von Mir als von euch selber ab. (Jes. 40,22)
3-194 Es liegt zum guten Teil an Meinen Kindern, ob die nach heiliger Ordnung fundierten Grenzen sich bewegen lassen. Je mehr ihr fortschreitet, um so tiefer offenbart sich Mein unbegrenztes UR-Wesen in und außer euch! Auf dem Heimweg hat sich die Beweglichkeit nach außen hin gezeigt, indem ihr den Raum ‚überflügelt‘ habt, in Aufhebung dem Inneren nach in Mein UR-Herz geflogen seid. Zumal die letzte Stunde gab euch ein fast ungeheuerliches Maß an Seligkeit, weil ihr Mir ein ‚Tagesübermaß‘ an Freude brachtet.
3-195 Damit sei folgendes gesagt: Wenn ihr den UR-Zentralpunkt zu erreichen trachtet und das Trennende überfliegt, ohne das Überflogene unbeachtet zu lassen, dann hebt ihr jegliche Begrenzung auf, dann seid ihr Ring im UR-Ring, Sein im UR-Sein, Leben im UR-Leben und vollkommen in der UR-Vollkommenheit! — Wie es in Mir den raumlosen Raum, die zeitlose Zeit gibt, so auch die grenzenlose Grenze: Als UR grenzenlos, als UR-Werk die selbstgesetzte Grenze! Das habt ihr nun verstanden. Je mehr das Tat-Jahr seine Tage bringt, werdet ihr euch um so größere Erkenntnis aus der Weisheitshöhe holen, bis ihr auch hierin Anteilnehmer Meines hochheiligen Grundeigentums seid.
3-196 Nun ist noch das praktische Ergebnis der Errungenschaft auf Meinen heiligen Herd zu legen. Das äußere Zeichen sind die grünen Zweige, das innere steht noch aus. Die Antwort auf die dritte Schöpfungsfrage wird es bringen. Ich weise auf die Vorfragen und Beantwortungen über das freie Willensgesetz sowie über die Wiedergutmachung und deren anhaftende Wiedergutmachungsfolge hin. Die dritte Frage, die sich mit der zweiten auf die erste stützt, lautete:
3-197 „Können Einzelopfer, die die Zeit eines Werktages ungebührlich überlasten, eine Wiedergutmachung erstellen, oder wäre ein einmaliges UR-Opfer aufzubringen, das sowohl die Bedingungen wie auch das freie Willensgesetz rechtfertigen? Seht zu, daß die Antwort dieser schweren Frage alle Zukunft segnen kann. Ich lasse euch Zeit; noch braucht Meine UR-Sonne sieben Wenden, sieben Sekunden bis zur Nacht. Zu eurer Entscheidung segne Ich euch.“ UR erhebt sich. Sein Priesterkleid glänzt im Abendlicht wie Gold. Er amtiert am Heiligen Herd und ist entschwunden. Die Ersten müssen nun allein die innere Straße gehen wie vordem die äußere. Schöpfungsschwer fällt auf sie im Schweigen nieder: die Mitverantwortung am großen Werke URs!
3-198 Wie lange währt eine Sekunde? Ist sie beweglich, ist sie festgegrenzt? Kommt es darauf an, wie schnell oder wie sicher sich eine Antwort finden läßt? — Feierlichkeit, heilige Stille um sie her. Alle tragen sie an beidem, an der Stille und an der Feierlichkeit. Beides aber hebt sie hoch hinauf in jene Höhe, die sie an diesem Tage zweimal sahen. Aus dieser Höhe holen sie sich auch die Antwort durch Anvermählung an den Hochpriester Melchisedek. Da teilt sich der Weihrauch, und UR wird sichtbar. Ohne Jubel, bitterernst als Vorsymptom zum vierten Schöpfungstag, tritt Zuriel zum Heiligen Herd, hält seine Sichel über das Feuer auf silbernem Teller und sagt:
3-199 „Heiliger UR! Unfaßbar ist Dein hehres Wesen, unbegreiflich uns Ersten die UR-Ewigkeit, das Wunder Deiner Wahrheit, bis Deine hohe Allmacht sie uns spüren und erleben läßt. Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, Du hast zahlreiche Herrlichkeiten aufgebaut! Vereinigst Du das Ausgesandte und das Wiederkehrende in Dir, sieh, so ist ein Neues da, was Du zu immer größerer Machtvollkommenheit verschmilzt. Kein Kind wird vollwahr Deine unbegrenzte Tiefe, Höhe, Weite und innerste Nähe begreifen lernen.
3-200 Erhaben war Dein Plan, aus eigenem Gedankengut Kinder neben Dir zu eigener Vollendung zu erschaffen, bis sie im Vollkommenheitsgrad Dir angeglichen wären. Dazu bedurfte es der inneren Erprobung dieses Planes bis zur letzten feinsten Phase. Wer begreift, daß Du, Wahrhaftiger, dem Kindgedanken nebst machtgehaltenem Werk auch eigenbewußte UR-Substanz verliehen hast, damit die Kinder nicht allein ihr Hochziel in der Wieder-Einheit mit Dir finden, sondern im Wandel einzelner Schöpfungstage werkbefähigt die erhaltenen UR-Lebenssubstanzen zu eigenem Kraft- und Wahrheitsgut machen können?
3-201 Das hast Du durch Äonen erst in Deiner Innerwesenheit bedacht, zweitens durch Dein heiliges Wort gesprochen, drittens in der Machtvollkommenheit des gnadenvollen Tat-UR-Jahres auf der Vollendungsbasis hergestellt. So sind wir geworden Geschöpfe, Teilgeister, Seelen und — dann ‚Schöpferkinder‘, die mit Dir schaffen sollen! — Doch Deiner wäre es nicht würdig, so die Schöpferkinder allein durch von Dir gewollte Lenkung ihre Mitarbeit vollbrächten, abhängig von der Machtvollkommenheit. Da wären wir trotz äußerer Gestalt in Dir. Ewigkeitsmal hast Du recht: Wäre es an dem, Du hättest bei Gedanke-Werken stehen bleiben können; und alles Folgende in Wort und Tat hätte keinen Zweck, es bliebe ohne UR-würdiges Ziel!
3-202 Aber daß die Schöpferkinder zur Vollkommenheit Deines An- und Zweitbildes gelangen, darum schufst Du Dir das Tat-UR-Jahr mit seinen Fundamenten: die Dir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen als Dein eigenes Wesensbild und das freie Willensgesetz als ein Symbol des neben Dich gestellten Ebenbildes. Jede Entscheidung muß beide Grundfundamente zum rechtfertigenden Ausgleich haben.
3-203 Du weißt, daß wir keine Trennung von Dir wünschen. Dennoch hast Du diese Möglichkeit geheim vorausgeschaut. Du bestimmt sie nicht, sie liegt im Bereich des freien Willens und seiner restlosen oder rechtlosen Inanspruchnahme. Ja, ich erblicke jetzt: Weil Du aus den zu Kind gewordenen Gedanken Schöpferkinder bilden willst, die nicht allein in ursächlicher Abhängigkeit von Deiner Machthilfe tätig, sondern freibewußt schöpferisch befähigt wären, muß der freie Wille auch eine UR-Grenze haben, die in sich selber unbegrenzt sein kann.
3-204 Streifen wir die letzte Grenze unseres eigenen Willens, so wird in uns das Höchstvollkommene geboren! Freilich kann es hart hergehen; und auf dem hochgespannten Seil des freien Willens zeigt es sich, ob ein Kind herunterfällt, dann von sich selber abhängiger wird als von Deiner UR-Macht, oder seine ‚Flügel‘ breitet, um von dieser hohen Freiheitswarte aus durch restlose Annahme Deines und unter Preisgabe des eigenen Willens in Dein UR-Licht aufzusteigen!
3-205 Die Antworten der ersten Fragen und deren Befolgung brachten die Verbindung zwischen Schöpfer und Geschöpf sowie zwischen Priester und Teilgeist. Daher wird die Antwort auf die dritte Frage und ihre Befolgung die gerechteste Verbindung zwischen Gott und Seele sein, weil Du ihren Bestand aus den Grundlebensstrahlen Geduld und Liebe Deines Gott-Wesensteils nahmst. Ja, Geduld wird zeugen, und Liebe wird gebären! — Sei gepriesen, denn wir durften Dir Palmen und grüne Zweige streuen als Symbol der letzten Entscheidung aus Deiner noch ausstehenden vierten Schöpfungsfrage.
3-206 Meine Antwort aber sei: Hast Du, allheiliger UR, Dein Gesamtwerk auf beide Grundfundamente abgestellt, so sind beide der Garant der Werkerfüllung. Sollte daher je ein Kind in seinen Willensabgrund stürzen, daß es weder aufstehen noch den Heimweg finden kann, dann sollen die bei Deinem Ordnungsweg verbliebenen Kinder in freier Dienstbarkeit und Opfern dem Gefallenen helfen. Denn das Gefallene könnte ja zufolge der Geheimverbindung zwischen UR-Kern und Urzelle sich von Dir und Deinem Werke niemals lösen.
3-207 Wohin sollte es geschleudert werden? Raum, Zeit und Grenze sind Deine alleinige UR-Sache, Ursprung aus Dir! Könnte solches Fall-Kind aber irgendwo verbleiben, so müßten auch der ihm gegebene Raum in Deinem UR-Raum, seine Zeit in Deiner UR-Zeit und die Grenze von Deiner UR-Grenze eingeschlossen sein. Nichts ist außerhalb von Dir!
3-208 Alle Kinderopfer, auch in fortgesetzter Folge, könnten keinen Schöpfungs-Abweg ganz bereinigen. Sie könnten helfen, Einzelteile in bitterem Kampfe abzuringen, um sie in Dein Heiligtum zu tragen, wo sie bis zur Rückkehr des Gefallenen gesammelt werden müßten.
3-209 O Heilig-Heilig, große Dinge müßten dann geschehen! Solche Opfer müßten unter höchster Berücksichtigung Deiner gerecht gestellten Bedingungen erfolgen, bis Du selber sie durch ein Eigenopfer für das freie Willensgesetz krönst. Denn nur solches Höchstopfer — Dir vorbehalten — bezwänge eines Kindes Herz! Die Teilopfer der Getreuen könnten aber wohl den ganzen Um- und Anhang eines Falles lösen.
3-210 Deine anderen Eigenschaften fragen, warum die Weisheit fordert, daß Deine erhabene Gott-Wesenheit ein Schöpfungsopfer bringen soll. Kannst Du Dich der Heiligkeit begeben, wo Du doch zu heischen sie berechtigt bist?! Wer kann Deiner Allmacht eine Bahn bestimmen, wolltest Du äonen Zeiten warten, bis sich ein Fall nach restloser Verausgabung zwangsläufig zu Dir wenden muß! Die Weisheit hat ihren Sitz in hehrer Höhe. Sie übersieht, daß dann ohne Opfer Werkmeister und Werk nur anzugleichen wären, womit sonst das Werk vollkommen würde. Du kannst warten; Äonen sind Sekunden der UR-Ewigkeit!
3-211 Deine Grundgerechtigkeit gedächte derer, die vor Deinem Throne und in Deinem Herzen blieben. Darum würdest Du dem Fall sehr harte Grenzen setzen. Das einmalige Opfer könnte ja kein vollendetes Kind auf sich nehmen, wenn das Fallkind größer wäre. Zwar würdest Du sein Opfer heiligen; doch immer bliebe es der Rahmen einer Wiedergutmachung, die die Rückführung eines verschleuderten Erbgutteils fertigbrächte. Wie lange die getreuen Kinder bis zur Heimkehr des Gefallenen harren müßten, um in höchster Seligkeit wieder geeint im Allerheiligsten einen Feierabend zu erleben, wäre niemals abzusehen. Denn über eine Nacht hinaus kann kein Kind ferne von Dir sein, weil Du pur UR in Deinem heiligen Nächten bist und allein auf dieser Basis jeder neue Tag Dein Tat-UR-Jahr zum Fortgang führt. Doch der Tag, an dem ein Fall geschehen würde, müßte auch den Opferweg vollendet sehen, die Herrlichkeiten Deines Ziels!
3-212 Wir aber, Hochpriester Melchisedek, bitten um die Segnung, die uns befähigt, kraft des freien Willens ein oder mehrere Opfer auf den Heiligen Herd zu legen. Die Einzelopfer füge dann zusammen als ein Mitopferteil Deines einmaligen UR-Opfers zu höchster Krönung Deines Tat-UR-Jahres. — Dann hast Du Dich selbst gekrönt; denn Dein UR-Opfer krönt uns, und unsere Opfer krönen Dich, da sich so bestätigt, was Du Deinem Tat-Werk vorbereitet hast! Also geschehe es!! —
3-213 Für den Segenstag sei Dir gedankt, allgeliebter UR! Du hast uns in Deinem hochpriesterlichen Wesen so viel Herrlichkeit geschenkt, ein vollgerüttelt Maß, so daß unsre Herzen an diesem Abend nichts mehr fassen können. Ja, Du gabst uns mehr als den Reichtum eines Tages! Nun sieh, o Herr und Meister von Raum und Zeit, nimm von uns alles das, was uns Dir zu geben möglich ist. Und das sind — wir selbst! Lasse uns zur heiligen Ruhe Deiner Nacht in Dir geborgen sein und einen neuen, für uns noch schöneren Lebenstag entgegenschlummern. Dich haben wir in unser Herz geschlossen, so behalte Du auch uns in Deinem Herzen der UR-Ewigkeit! Amen.“
3-214 Feierliche Stille. — Der Spruch, das Wort, bildet bereits die anzufordernde Entscheidung, sobald sie in Kraft zu treten hätte:
Ein Schöpfungsopfer steht einem Schöpfungsschicksal gegenüber!
3-215 UR erwartet von den Kindern ihren Volleinsatz, also muß Er selbst Seinen UR-Volleinsatz wagen! Und — Er wird es tun! —
3-216 UR nimmt das Buch der Schöpfung in die Hand. Er schreibt den Tag in die aufgeschlagene Seite ein. Welch kostbares Ergebnis! UR kann sagen: „Siehe, es ist alles gut geworden!“ Er segnet die Seinen mit dem priesterlichen Abendsegen und sagt, daß der Schmuck des Heiligtums, über den sie sich verwundert hatten, durch ihre Vollhingabe ihre Tat gewesen sei. Deshalb wolle Er den nächsten Tag mit Seinen Lichtern schmücken. Dreimal bläst Er über den silbernen Teller hin, und da sinkt Sein Feuer nieder, bis es wie ein trautes, kleines Licht im innersten Gemache eines Hauses friedlich glimmt. Die UR-Sonne deckt ihre Strahlen zu, die Opferschale hört auf zu schwingen. Auf leisen, ungesehenen Flügeln kommt die heilig-hehre Nacht. —
3-217 Der letzte Weihrauch, zur gewaltigen Kuppel des Domdaches aufgestiegen, senkt sich auf alles heilige Gerät herab; er hüllt die Kinder in ein sicheres Gehege ein. Da schließen sie schon unbewußt die Augen. Nun ruhen sie in UR — und haben doch ihr geheimnisvolles Leben. Wer will das erfassen?! O, die wundersüßen Heimlichkeiten in Dir, Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Du bettest Deine Kinder in den UR-Schoß Deiner Nacht und löst dennoch nicht die Lebenskraft. Vielmehr speisest Du sie dadurch ganz geheim, damit am nächsten Morgen sie gestärkt erwachen, um das bisher errungene Gut ebensooft steigern zu können, als ein Tag Sekunden hat. Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört! O Johannes, du hast viel gesehen und viel erkannt. —
3-218 Heilig, Heilig, so sangen die Engel, so jubelte Sadhana. Heilig, heilig bist Du, o Herr!! Und heilig ist die neue Nacht, heilig das geheimnisvolle Werk am Quell der Mitternacht. —
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