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Der dritte Schöpfungstag – Da ward aus Abend und Morgen, der dritte Tag

3-54    Meine Weisheit dringt mit ihren Strahlen bis in das Verborgenste hinein. Von ihr bleibt nichts ungesehen! Darum ist sie ja die erste Eigenschaft des Priestertums und wird durch dich, Mein Fürst, als erster Hüter an die zweite Herzkammertür gestellt. In ihr ruht der gerechteste Ausgleich zwischen Bedingungen und wandelbaren Gesetzen. Sie verkörpert zum ersten Teil den Anwalt Meines Werkes, würde einmal ein Gericht herausgefordert; denn sie ist unbestechlich.

3-55    Sei ewiger Hüter Meines priesterlichen Lichtes und der ihr zufließenden Strahlenkraft. Mein Wort soll der Tatsegen für das UR-Jahr sein!“ Danach knüpft UR das Band in der Farbe der priesterlichen Toga an Zuriel und Helia selber fest, und die Sichel funkelt silbern auf ihrer Brust. Dabei leuchten die im vorigen Schöpfungstag erhaltenen Sterne über den Kindern wieder auf. UR gebietet:

3-56    „Gib die Sichel an den Platz, Mein Engelsfürst, der dir recht erscheint, wo sie bis zur Vollendung des Tat-UR-Jahres bleiben soll.“ Helia überläßt es Zuriel allein, nach dem Gebot zu handeln; und er tut, wie an den Vortagen die zwei Ersten taten. Weihrauch steigt auf, denn ein Teilwerk ist nach Ordnung, Wille und Weisheit fertig. Eine innere Zwiesprache zwischen UR und den Lichtgeborenen beherrscht die heilige Stille. Das UR-Bild aber, das die Kinder sehen durften, ist ihnen lebensnah geblieben. Im herrlichen Gewand begibt Melchisedek sich unter die Seinen, fordert sie auf und sagt:

3-57    „Folgt Mir, liebe Kinder, denn an diesem Tag ist vielerlei zu tun. Des Inneren habt ihr zur Genüge nun erhalten, also muß das Äußere wieder an die Reihe kommen.“ Zu Seiner Rechten geht Sadhana, links Zuriel mit Helia, die andern folgen. Sie begeben sich durch das bekannte Tor ‚Hephata‘ und wandeln auf dem gelben Priesterteppich, der vorläufig bis zum ersten Hügel hinausgerollt ist. Auf dem Wege dorthin erklärt UR manches aus der Weisheitsfolge und fügt am Ende des Lehrganges hinzu:

3-58    „Meine Kinder, was ihr seht, ist und bleibt mehr ein Sinnbild Meines UR-Inneren; ja manches hat mit einem Äußerlichen nicht sehr viel zu tun und wird immer zweckentsprechend zur Belehrung sichtbar, um euch mit Mir vertraut zu machen. Ihr wißt: Ordnung und Wille stellen das Element Feuer dar, die Weisheit und der Ernst das Element Wasser. Über das Feuer habt ihr öfter nachgedacht, da ihr es auf Meinem Heiligen Herde brennen seht und auch auf den Altären des Ordnungs- und Willehauses brannte. Aber als was so eigentlich das Feuer anzusehen ist, wißt ihr noch nicht; auch vom Wasser habt ihr noch keine richtige Erkenntnis erlangt.

3-59    Im heiligen Feuer waltet Meine Macht. Wer einmal aus der Ordnung und dem Willen recht schöpferisch tätig sein kann, der wird gleich einem Feuer überallhin leuchten, vollends dann, wenn es auf dem hohen Berge angezündet wird. Ein Berg entspricht der Weisheit, die über Tag und Nacht, ja bis ans Ende eines UR-Jahres ihre Strahlen wirft. Doch auch dann verlischt nicht eigentlich ein solches Feuer, sondern steht in anderer Form wieder auf, bestimmt jedoch als ein Teil bewußten und gestaltlichen Lebens. Das in tieferer Wahrheit euch zu offenbaren, überlasse Ich der Waltung der Barmherzigkeit.

3-60    Dasselbe gilt dem Wasser, Inhalt Meiner Kraft. Ihr werdet die Symbolik merken, wenn wir am Abend einen letzten Gang durch unser Tagwerk tun. Strengt euch also an, die gute Spiegelung der Weisheit zu erringen, die an diesem Tag mit ihrer Leuchtkraft dominiert.“ Nun fragt Uraniel, was Weisheit eigentlich sei, da über ihre Wahrheit noch kein Belehrungswort gekommen wäre. UR antwortet:

3-61    „Mein Uraniel, Ich sagte schon, daß die Weisheit eine Denkkraft ist. Als Schöpfer lasse Ich die Dinge aus der Ordnung — von Meinem Willen vorgestaltet — zu ihrer Form gelangen. Als Ordnungsträger wirst du wohl erkennen, daß noch nichts damit fix und fertig sei, wie es Meine Denkkraft in sich trug. In dem Gedanke- und dem Wortzyklus war die Form dem Innern nach groß und reich geworden, denn da schufen Meine Eigenschaften in noch ungetrennter Einheit, weil es damals keine Teiloffenbarung Meines Wesens gab noch nötig war.

3-62    Im Tat-UR-Jahr hingegen teilte Ich Mein Inneres und stellte Meine Eigenschaften nacheinander in das Werk. Das hat zur Folge, daß Ich auch die Werke nicht wie in der Ganzheit Meines UR-Ichs erfassen lasse, sondern sie entsprechend in der Reihenfolge bilde, wie Ich Mein Wesen und die Grundlebensstrahlen der Reihe nach enthülle.

3-63    Habe Ich Mir also schöpferhaft ein Werk gestaltet, so muß Ich zusehen, was noch zu vollenden sei. Ich beleuchte es zuerst von allen Seiten mit dem Kraftstrahl Meiner Weisheit, ob es in inner- und außerschöpferischem Aufbau der Träger eines ‚Lebenskeimes‘ ist. Dann schleift die Weisheit jedes Werk. Hernach tritt Mein Ernst in Funktion; doch darüber sage Ich euch mehr am vierten Schöpfungstag.

3-64    Sofern es pure Werke Meiner Allmacht sind, also abhängig von unwandelbaren Gesetzen und Bedingungen und des freien Willens nicht bedürfen, genügt der Elementaraufbau aus Ordnung, Wille, Weisheit und Ernst. Geduld, sich steigernde Liebe, im Höchstausdruck die Barmherzigkeit brauchen dabei nicht zu wirken, weil sie in dieser Hinsicht sowieso in den bestimmenden Grundlebensstrahlen herrschen.

3-65    Doch für Geschöpfe, die je nach Entwicklung der Einzeltage Teilgeister, Seelen und hochentwicklungsfähige Kinder werden sollen, habe Ich zwei Werkabschnitte eingesetzt, und zwar den ersten wie bei den unbewußt lebenden Dingen, den zweiten aber auf Geduld, Liebe und Barmherzigkeit. Warum das so geschah, wird offenbar, wenn der Tag der Geduld euch genügend Fortschritt brachte. —

3-66    Nun schauen wir, ob die Grundwerke unsrer Haus- und Wassermeister wohlgeraten waren und sich daher auch am dritten Tage zeigen.“ UR befiehlt dem ersten Fürsten, vorauszugehen, damit — wenn die Gäste kämen — auch das Haus in Ordnung sei. UR freudig dankend, eilen Uraniel und Urea den Hügel hinan. Da steht das Haus, der Brunnen, in gleicher Vollkommenheit, wie sie es noch in Erinnerung haben. Doch merken sie, daß alles schöner geworden ist. Rührt das nun von ihrer Arbeit her oder vom All-Heiligen? Sie öffnen beide Pforten. Uraniel entfacht das verdeckt brennende Feuer des Hausaltars. Urea zögert; müßte das nicht besser dem Hochpriester überlassen bleiben? —

3-67    „Gewiß“, sagt Uraniel, „bisher hat es UR getan. Soll aber nun aus uns die Kraft der Weisheit fließen, so müssen wir als Träger Seiner Eigenschaften auch ein Werk vollbringen können. Es belehrte uns, nie nur zu warten, bis Er hilft. — Das ist gewiß: Würde ich für mich das heilige Werk des Feuers Seiner Hand entnehmen, so könnte ich es nicht entfachen, wenngleich wir die Opferschale bis zum Rand mit Weihrauch füllten. O sieh das Zeichen: Das Feuer brennt! Nun kann der Priester kommen!“

3-68    Uraniel ordnet das Haus, und Urea glättet den Altarteppich; sie haben den gelben des Priesters ausgebreitet. Da werden schon die Stimmen vor dem Hause laut. Uraniel eilt hinaus, während Urea in schöner Erkenntnis am Altar, dem Sinnbild des Herdes, UR empfangen will. Der Hochpriester Melchisedek überschreitet die Schwelle des Ordnungshauses. Vor dem Altar bleibt Er stehen und fragt:

3-69    „Wer hat das Feuer angefacht, die Opferschale angerührt, so dem Raum die erste Weihe gebend, als hätte Ich es selber für das Ordnungshaus getan?“ Uraniel sagt mir starker Stimme: „Die Ordnung!“ Und UR: „Ist das im Sinne Meines heiligen Wesens gerechtfertigt, daß es ein Werk in allen Werken bleiben kann?“ Urea sagt: „Es geschah im Namen des Ewig-Heiligen UR, des Ewig-Einzigen und Wahrhaftigen; Er rechtfertigt und heiligt es für alle Ewigkeit als unverrückbares Ordnungswerk.“ Da wendet UR sich gütig zu den Kindern um, und kniend erhalten sie den hochpriesterlichen Segen. Er begibt sich auf den Thron, heißt auch die Ersten sich setzen und hebt an zu sprechen:

3-70    „Meine Kinder, Lichtträger der UR-Ewigkeit! Der erste Fürst hat aus aller Lehre und deren Anerkenntnis ein gutes Werk vollbracht. Meine Morgenworte an den Tag sind bereits ein großer Segensteil geworden. Ich hatte aus dem inneren Kraftbewußtsein Samen ausgestreut, daß er sich im äußeren Kraftbewußtsein nützlich offenbare. Denn Ich hatte in der dritten Heilsstunde der letzten Nacht Meinen Weisheitsgrad zum höchstmöglichen Höhenfeld gesandt und als gesegneten Samen wieder herabgelenkt. Er ist dem ersten Fürsten zuteil geworden; und als lebendige Fackel vor Meinem Heiligen Herd und Stuhl hat er durch sich den Segensteil zu einem Reichsgut werden lassen.

3-71    Somit hat die Ordnung Mir ihr Haus gar wohl bestellt, und Ich fühle Mich“, UR lächelt, „ganz als Miteigentümer und Anteilnehmer. Eure Tat, Uraniel und Urea, wird ihren reichen Samen bis ans Ende des Tat-UR-Jahres bei sich selber tragen, weil ihr Mir in Meine Hände dient.“ UR erläutert diesen Segenssamen, der durch allein hervorgebrachte Taten gerechtfertigt wird, lehrt aber auch sorgsam achtzugeben, daß sich keine Vorwegnahme einstellen kann, und fügt hinzu:

3-72    „Das UR-Ich zu begreifen und in sich lebenswahr zu tragen, bis eine freigebrachte Tat im Blickfeld aller Eigenschaften die Gestalt erhält, dazu gehört sehr viel. Noch ist es nicht zu schwer, das Richtige zu tun, denn Ich hüte euch. Eure Erkenntnis und Meine Hut gehen Hand in Hand. In den nächsten Tagen, Wochen oder Monaten, wo jedes Kleinwerk verantwortlich zur ‚Jahrgröße‘ führt, nimmt auch euere Erkenntnis entsprechend den Anforderungen der verantwortlichen Werkgestaltung zu. Doch genauso steigern sich allein vollbrachte Taten! Da gilt es sehr zu prüfen; und Ich erinnere daran, wie Ich jedes geschöpfte und gestellte Werk durch Meine Weisheit von allen Seiten schleifte, ehe es dem weiteren Fortgang anheimgegeben wird.

3-73    Sollte aber je ein Kind nach einer falschen Tat sich selber sagen: ‚Ich habe es doch gutgemeint‘, und verstrickte sich in Ausflüchte aller Art, da flüchtete es wirklich von Mir fort. Erst wenn das Kind in aller Demut sich Mir wieder unterstellte, sobald der Fehler eingesehen wäre, würde solche ungerechte Tat von Mir bald gutgemacht. Dann erst würden Kind und Werk zu Mir erhoben, denn Rückgabe und Demut legten Ungerechtfertigtes oder Falsches in das Feuer Meines Herdes, wo es zu einem Schöpfungssegen wieder umzuwandeln ist.

3-74    Denkt nun deshalb nicht ängstlich: ‚O, da wollen wir doch lieber alles Schöpfungswerk dem Heiligen alleinig überlassen, dann gerät es sicher ewig gut!‘ Gewiß, Meine Ersten, daß es da zum Besten wird, brauche Ich nicht zu bestätigen. Allein, Meine Kinder sollen Mir als gute Früchte reifen, um gleich Mir zum Besten tätig zu sein! Sofern das Herz voll jener Demut bleibt, die Kraft, Freude und das Vollbringen zeugt, gibt es kein Kind-Werk, das nicht zum Besten wäre oder würde. Es ist, wenn es die Rechtfertigung erhält; es wird, wenn man es Mir zur Richtigstellung übergibt! Uraniels Tat ist ein gutes Zeichen: Wer wie er handelt, handelt wie Ich! — Damit brechen wir die Belehrung ab und begeben uns zum Haus des Michael.“

3-75    Auf dem Weg besprechen sich die Ersten schon recht gut. UR läßt sie gewähren; Er geht ihnen voran. Als Michael und Elya – auch vorausgesandt — die Pforten öffnen, blinkt ihnen das Altarfeuer hell entgegen. Wer hat es angezündet? Michael bleibt, im Herzen sinnend, davor stehn. Da überkommt ihn die Erkenntnis: Nicht gleiche Handlungen sind stets das gleiche! Elya füllt die Becher und verharrt am Herd. Michael richtet UR den Thron; an alles legt er seine Hand. Dann wartet er vor den Pforten. Als er so steht, wirkt er wie die Verkörperung einer großen Kraft. Die anderen spüren dies so deutlich, daß sie verwundert fragen: „Ist Michael mehr als wir?“

3-76    Er aber grüßt, sich tief verneigend, den ‚heiligen Eigentümer‘ seines Hauses. Er grüßt die anderen und führt Sadhana an der Hand zu ihrem Sitz. O Michael, völlig ohne Schau in eine schicksalsschwere Schöpfungszeit begehst du eine Handlung, die einmal zwischen dir und Sadhana den Ausschlag gibt, wenn das erste Kind des All-Heiligen sich dem höchsten Willen beugen lernen muß. Noch ahnen beide nichts, noch verbindet sie die Liebe. Ein gütig-ernstes Leuchten geht über URs Gesicht. Danach deutet Er auf den Altar und sagt:

3-77    „Wahrlich, Meine Kinder bereiten Mir allseits einen festlichen Empfang; da muß Ich wohl in Meinem Hause ihnen gleichfalls einen reichen Tisch bereiten. Meine innerste Bereitung sieht kein Kind, weil sie von Mir aus schon im vorhinein der Zeit gegeben ist, die erst noch kommt. Doch die Verbindung, von der Ich sprach, steigert ja die Schau, daß demnach beim Empfang der Gaben hohe Seligkeit zu spüren ist. Dabei ist das Herz so vollgeschöpft wie hier die Becher auf dem Altarherd des Willens, Mir und allen zum köstlichen Trunk bereitgestellt. Wollen wir uns also stärken, damit das Weitere gut aufgenommen und verwertet werden kann.“

3-78    Michael reicht kniend dem All-Heiligen den großen Kelch. Auch das ist ein geheimes Bild, von dem er noch nichts ahnt, wie nicht, daß das Symbol einmal zwei Gesichter haben wird, eines voll unsagbarer Überwindung, das andere voll höchstem „Gloria-in-jubilate“! Und als feiner Fürst des Himmels, ernst und ritterlich, gibt er Sadhana den nächsten Becher in die Hand. Als alle getrunken haben, beginnt UR mit einer neuen Lehre.

3-79    „Uraniel und Urea besahen sich erstaunt ihr Haus. Es dünkte sie schöner und größer, wußten aber nicht, ob das so tatsächlich war, mit dem Hausbau selbst oder nur mit MIR zusammenhinge. Und als Michael vor seiner Türe stand, glaubtet ihr anderen, er überrage euch um Bedenkliches. Nun, Meine Kinder, höret Mir gut zu!

3-80    Von Meinen Werken trägt jedes Einzel einen Teil Meiner Macht und Kraft; und Gewalt und Stärke bilden ihre Form. Sie werden also Teil um Teil aus dem Schaffer-UR-Prinzip hervorgebracht entsprechend den ihnen vorbestimmten Vollkommenheitsgraden. Wäre aber von vornherein ein solcher Vollkommenheitsgrad gemäß des zugeteilten Raumes und der Zeit wie auch der Entwicklung abgegrenzt, so stünde damit praktisch Mein Werk still, und es gäbe keinen wahren Aufbau, ewig keine Steigerung, erst recht kein Vollendungsziel, das allein zur Vollkommenheit zu führen weiß. Ich will euch das noch mehr erklären.

3-81    Seht, Ich ziehe hier aus Weihrauch einen Kreis.“ UR tut es, und das von heiliger Hand gezogene Gebilde bleibt unbewegt im Raume hängen. Nun formt UR innerhalb desselben viele kleine Ringe, die allmählich den Außenring völlig füllen. „Jeder kleine Ring“, fährt Er in der Belehrung fort, „stellt ein UR-Jahr vor. Zu eurem besseren Verständnis nehme Ich einen heraus und zeichne innerhalb desselben noch die Schöpfungstage eines Jahres als kleine Pünktchen ein.

3-82    So“, spricht UR weiter, nachdem die Ersten dieses ‚Wunder‘ laut bestaunen, „nun sehen wir den großen Ring als Zyklussammler vieler Jahre an, die kleinen als ein Einzeljahr. Doch es würden alle Tage wie die Jahre sein, hätte Ich die Vollkommenheitsgrade der einzelnen Ringe im vorhinein nach Raum, Zeit und ihrer eigenen Vollendungsmöglichkeit gegrenzt. Das gäbe praktisch eine fortgesetzte Wiederholung, die kurz erfreut und man hernach als überlebt in eine Rinne wirft. Daß es bei MIR unmöglich solches Machtwerk geben kann, das spürt ihr selbst. Doch nun zeige Ich anhand desselben Bildes Meine Werkwahrheit, und ihr werdet ohne viel Worte euch ein rechtes Weisheitslicht erwerben, demzufolge mancher verborgene Tageswinkel heilst beleuchtet wird.

3-83    Ich streiche dieses Bild und zeichne noch einmal den großen Kreis. Nun wollen wir soviel Jahre hineinpraktizieren, als es solche — sagen wir — in Meinem kleinen rechten Finger gibt. Denkt dabei an die Unendlichkeit, an die Werke Meiner Macht.“ UR haucht in den Ring, doch ist nicht zu zählen, wie oft das geschieht. Auch kann kein Kindesauge die Geschwindigkeit erfassen. Die Ersten sehen aber deutlich, wie jeder Anhauch ein Pünktchen erzeugt, das eminent schnell wächst und sich an die Innenseite des großen, feststehenden Kreises schmiegt. Wie viele Pünktchen aber auch zum wachsenden Gebilde werden, bleibt dennoch der Innenraum des Hauptringes wie unausgefüllt, und er selbst wird auch nicht größer. Das ist allen unerklärlich. UR deutet es:

3-84    „Nun liebe Kinder, wie gefällt euch das? Seht, Zyklen, Jahre oder Tage — alles ist im ‚Entstehen‘ einem Pünktchen gleich, in dem Ich aber Meine Macht, Kraft, Gewalt und Stärke — wenn auch jedem Einzel angepaßt — konzentriere. Wie mächtig diese Konzentration, die eine Zusammenballung unendlicher Schaffensenergien ist, sich auswirkt, sahet ihr am Wachsen jedes Pünktchens. Nun begreift ihr wohl, daß es in Mir nicht zu messende Vollendungsmöglichkeiten gibt.

3-85    Doch nicht leuchtet es euch ein, wieso der große Ring sich nicht erweiterte noch ausgefüllt ward, obwohl er eine Unzahl Pünktchen seiner Innenseite einverleibte. Ja, ja, da werde Ich wieder Meine UR-Sonne herleihen müssen, damit ihr das versteht.“ Es fällt durch die vier breiten Fenster, die den Pforten rechts und links angeschlossen sind, ein voller Strahl herein. UR erläutert:

3-86    „Mein pulsierendes Leben ist in sich grenzenlos schöpferfähig, ohne irgend woher Gestaltungskraft oder Gestaltungswille zu nehmen. Der große Kreis stellt das Schöpfer-Lebensprinzip dar. Ein Ring ist stets ein Ganzes, ohne Anfang, ohne Ende. Bin Ich selbst symbolisch dieser Ring, so enthält er alle UR-Substanz, die sichtbare und unsichtbare Werke schafft. Ich entnehme also dem Gesamtring jeden kleinen Lebenspunkt und verleihe ihm seinen Pol oder Werkanfang, der — entsprechend einem Schöpfungstag — beinah ein Nichts bedeutet. Logischerweise muß die UR-Substanz des Ringes die kleine Punktsubstanz an sich ziehen, denn sie ist der gewaltigste Lebensmagnet und läßt nichts von sich, was ihr entnommen ward. Jedes kleine Lebenspünktchen dehnt und erweitert sich durch die Bestrahlung der Ringsubstanz, wird von ihr magnetisch wieder angezogen und somit Teilsubstanz im UR-Raum, in der UR-Zeit, im UR-Leben! Darum blieb der Innenraum des großen Ringes sozusagen leer, ohne es jedoch zu sein.

3-87    Ja, Kinder, das sind Meine Wunderwerke, die aus dem Großmagnet, dem Gesamtprinzip Meiner Grundlebensstrahlen, sich offenbaren und dazu dienen, Mir Meinen Schöpferjubel, den Kindern die steigerungsfähige Schöpfungsseligkeit zuzusichern! Gerade das ist Mein Wesen, bin Ich, UR, der unbegreifliche Schöpfer, der an eigener Quelle ein um das andere herrliche Werk aus Ordnung und Wille schöpft! Das bin Ich, Priester, der in Weisheit und Ernst segnet; das bin Ich, Gott, der sich durch Geduld und Liebe magnetisch an sich zieht; und das bin noch einmal Ich, Vater, der sie durch Barmherzigkeit mit sich selber vereinigt! So schließt sich Ring an Ring — und alles, alles ruht in MIR, dem UR-Ring, dem Grundlebensprinzip!!

3-88    Nun staunet ihr, eure Augen strahlen Mir entgegen als gesegnete Pünktchen, die bald Raum und Zeit eines Tages restlos füllen werden. Auch erkennt ihr nun, warum der erste Fürst das Ordnungshaus größer vorzufinden wähnte. Alles gesegnete Werk wächst mit Meinem Werk zwar nicht formgemäß, was der Außenlebenssphäre eines Tages angepaßt sein muß, wohl aber nach der inneren Struktur, dem Vollendungsdrang.

3-89    Jedoch habt ihr das Wachstum wie äußerlich bei unserm Schöpfungswassermeister Michael erkannt. Nun seht, an anderen ein Wachstum festzustellen und darüber die eigennützige Freude haben, ist die gerechteste Demut und gilt bei Mir als eines der kostbarsten Kleinodien. Meine Kinder sollen nie ihr eigenes Größerwerden an sich erschauen oder messen, sondern immer an der Größe ihrer Nächsten.

3-90    Ihr habt es vermocht und inzwischen festgestellt, daß es weniger auf die sichtbare Größe ankommt, sondern auf das ausstrahlende Wesen, das als ‚Seele’ anzusprechen ist. Sie wächst aus dem Geist wie das Äußere aus dem Inneren; aber das Äußere ist im Tat-UR-Jahr der Ausdruck Meiner Verbindung zu den Kindern. So soll die Seele Ausdruck ihres Geistes sein. Ist sie das geworden, da sind beide im Verein mit dem Geschöpf das ‚Kind‘. Demut ist ein guter Schutz; denn es ist besser, wenn die Seele ihr Wachsen nicht fortgesetzt, sondern so von Zeit zu Zeit einmal sieht. Sie kann sich auch nicht wachsend machen, sie wächst von selbst, wenn sie die von Mir gereichte Speise annimmt und verwertet. Das wird euch am Tag der Kinder klarer werden, und dann kommt hohe Seligkeit und Freude über euch.“

3-91    Selig sind sie schon, denn herrlich hat die UR-Sonne das Haus, weit mehr die Herzen hell gemacht. Müßten sie nicht eigentlich . . ? Ja, Michael beugt seine Knie vor dem All-Heiligen, flammenden Auges; dann nimmt er das Schwertzeichen zur Hand und hebt es hoch. Er steht da, wahrlich ein Fürst, wie des Lichtes Recke, der verteidigt, was ihm heilig wurde. Und er betet an:

3-92    „Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Groß sind alle Deine Werke, die der schöpfungsschönste Ausdruck Deiner Herrlichkeiten sind. Du hast uns am Ordnungs- und am Willetag eine Überfülle Deines Wesens offenbart, und am Weisheitstag bestrahlt uns unentwegt Dein UR-Sonnenlicht. Sage, o All-Heiliger, wie wir Dir zum Wohlgefallen danken sollen?! Willig folgten wir dem Wort, das uns das herrliche Wunder Deines UR-Ringes beschrieb. Wir kannten davon keine Frage, noch wußten wir, ob uns die Lehre Segen brächte oder nicht. Aber jetzt . . . O Vater!“ jauchzt auf einmal laut des Himmels Fürst, und seine Stimme tönt hell und stark wie ein Posaunenton, „ . . . Vater, was Du uns gibst, dient allezeit zu unserm Besten! Was Du uns lehrst, wird uns zum Eigentum, denn es ist Teil aus Deinem heilig-hohen UR-Teil; und es ist die schönste Gabe, die uns Deine Gnade schenkt. Nun aber unser Dank! Nimm ihn an, o Vater UR.

3-93    Vier Fenster bekamen unsere Häuser, ohne daß Uraniel, den ‘Du in Güte den Schöpfungshausbauer nanntest, wußte, wie sein Werk sich formen würde; denn beim Bau bedachte er Dein Heiligtum wie ich die Quelle vor demselben. Die zwei Pforten hast Du uns erklärt, nicht aber die vier Fenster. Da Du diese reiche Gnadenstunde vorgesehen und unsern Dank nicht vorweggenommen hast, sind wir selig, weil wir selbst ein Licht ums andere anzünden dürfen dank Deiner freundlichen UR-Sonne, die soviel Licht verleiht, als wir immer haben möchten.

3-94    Unsere Fenster sind ein Spiegelbild der vier Herzkammern Deines hochheiligen Wesens. Wir wollen sie wie Deine Feste öffnen, damit durch jedes Fenster ein voller Strahl Deiner Wesenheiten fallen kann. Durch die gleichen Fenster wollen wir unsere Strahlen in steter Ausschau Dir entgegensenden. Und jubele ich Dir nun zu: Vater, Vater! so ist der Ruf gleichgeteilte Anbetung und Dank dem Schöpfer, Priester, Gott, Dir All-Heiligen und All-Gerechtesten! Dich allein, Ewig-Heiliger UR, anerkennen wir, Dich allein beten wir an, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Du, der große Ring, der UR-Sprung allen Seins und Werdens, hast Dein heiliges Kind-Werk aus Deinem mitternächtigen Quell geschöpft und zu Deiner UR-Sache gemacht!

3-95    Nun sieh mein Schwert, o UR, ich halte es dem Licht entgegen, daß es schön in Kraft erstrahlen kann. Ich erhebe es zum Schutz des Lichtes, ich führe es zum Schutze Deiner Werke; und ich, Michael, trage es zum Schutze für Geduld, Liebe und Barmherzigkeit!! Kommt, Brüder, Schwestern, jauchzt dem Herrn entgegen, frohlockt und singt, denn der heilige Hochpriester Melchisedek ist ja unser König. Wir schließen uns zu einem Ring zusammen und fügen uns in Seinen hochgesetzten UR-Ring ein. Er ist ewig unser Hort! Halleluja, Halleluja! Heilig, heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr!“

3-96    Alle stimmen in den Dank- und Jubelruf des Willefürsten tosend ein. Im Halbkreis stehen sie vor dem Altarherd. Ihr Ruf brandet zum Allerheiligsten hin über und wirft gesegnet und äonenfach Licht und Strahl zurück. Wie Wogen wälzt sich das durch Raum und Zeit, bildet sich und lehnt auf einmal als ein Zeichen an der linken Altarseite. Sie hören ‚Schild‘ und begreifen, daß er dem Schwerte beigegeben ist. Sie ahnen aber nicht, daß er aus Michaels Schutzgelöbnis ihm selber einst zum mächtigen Schutze werden wird. Auch UR bedeckt das Kommende; es darf ja keine Bestimmung sein. —

3-97    Unter Jauchzen aller heben Michael und Uraniel den schweren Schild auf und bitten UR, ihn zu weihen. Das geschieht. Drauf und dran sind die Ersten, den ‘Thron zu stürmen. Da begibt UR Sich mitten unter sie. Deutlich wird empfunden: Es ist UR! Ehrfurchtsvoll schauen sie zum Schöpfer auf, empfangen aus des Priesters Hand den Segen, und es ist Gott, Der wie ein Magnet sie an sich zieht. Immer enger umringen sie Ihn. Am Ende aber ist‘s der ‚Vater‘, denn Sadhana bricht den heiligen Bann und wirft sich Ihm an Seine Brust. —

3-98    Ach du schönstes Kind! Hat dein Herz gezittert, als aus dem Jubel vor dem All-Heiligen der Schild wie eine harte Wehr erstand?! War eine Bangnis über dich gekommen? Ja, unbekannte Angst, UR zu verlieren, hat Sadhana befallen. Darum heischt sie schutzsuchend Hilfe für etwas, was sie noch nicht kennt. UR soll ihr Schild sein gegen alles, notfalls gegen sich selbst. Er gönnt der Vorschau weder Raum noch Zeit, denn Sadhana ist Sein gerechter Widerhall. Er tut alles, um Seine Kinder über einstige Klippen des freien Willensgesetzes zurück zum Urschoß der Barmherzigkeit zu leiten.

3-99    Aus Seinem Vaterherzen strömt heilige Ruhe auf das Kind und auf die Engel, die mehr unbewußt Sadhanas unruhevolle Sorge spüren. In allen herrscht der eine Schrei: Bei UR bleiben, den Vater nicht verlieren! Mit einem Kuß nimmt Er alle Bangnis weg und geht nun dem dritten Hügel zu. Während des Ganges lehrt Er noch einiges über das Sammeln der Wasser und welche Tagesaufgabe darin liegt. Er sagt:

3-100    „Liebe Kinder, denkt an die Schöpfungsworte am Beginn des Tages vom ‚Sammeln der Wasser‘ und vom ‚Trockenen sehen‘. Daß das Wasser als Mein Geist das Werk wie einen Lebensstrom durchpulst, ist euch bekannt. Es gibt zwei Stromarten. Seht, eure Hügel bedürfen auch des Lichtes und Wassers aus Mir, nicht aber jene UR-Substanz, die aus Meines Herzens Zentrum kommt. Jedes Werk muß laufend von Licht und Wasser genährt werden, soll es sein vorbestimmtes Ziel erreichen. Solche Vorbestimmung ist stets eine aus unwandelbaren Gesetzen heraus gegrenzte. Denn kann ein Hügel sprechen, hören oder sonstwas tun? Kann er etwas anderes werden, als was er nach ewigen Ordnungsgesetzen ist? Deshalb bedarf er bloß der mittelbaren Strahlung.

3-101    Eigenbewußt lebende Kinder, später auch zu mancherlei Zweck auftretende reine Geister oder Seelenwesen, selbst Geschöpfe bedürfen unmittelbarer Licht- und Lebensstrahlung, sollen sie auch aus sich vollkommen werden. Zwar ist das gleichfalls eine Vorbestimmung, doch die höchste, die nicht eng gegrenzt, sondern auf wandelbare Gesetze gegründet ist. Trotzdem entnahm Ich Meinem UR-Born für alle Dinge einen einzigen Licht- und Lebensstrahl.

3-102    Doch schon der ersten sichtbaren Spiegelung, dem Brunnen vor dem Heiligtum, entströmen vier Lebenswasser. Zwei von ihnen geben ab, zwei leiten zurück, und je einer von beiden Arten enthält eine mittelbare und unmittelbare Bestimmung. Auch in euren Brunnen sind die beiden Vorbestimmungswasser und fließen nach den Grundlebensstrahlen siebenfach heraus. Sie verkörpern aber einen gemeinschaftlichen Plan; denn wie es sich bei dem einen Werkteil gestalten soll, so wird es sich beim anderen zwangsläufig gestalten müssen.

3-103    Nun etwas vom Sammeln und vom Trocknen! Wenn unser Schöpfungswassermeister keine Brunnenmauer gebaut hätte, würde sich das Wasser überallhin ergießen, und wir müßten immer durch das Wasser gehen, was zwar möglich ist, aber Meinem Werkplan nicht entspricht. Es gliche dem, als wenn mein UR-Ich überfließen würde, womit ewig nicht an ein sichtbares Werk zu denken wäre. Ist‘s jedoch gesammelt, so bewegt es sich in den gesetzten Grenzen. Allein, gerade dadurch wird es zur konzentrierten Macht, die unendliche herrliche und bleibende Werke schafft! Entsprechend gilt dasselbe für das Licht, doch wird darüber euch der nächste Tag eine große Offenbarung bringen.

3-104    Zugleich geschieht mit diesem Sammeln nebst dem Aufbau auch die offenbarte Richtung. Damit ist des Wassers Lauf geordnet und gelangt gewiß an sein gesetztes Ziel. So auch sollen Meine Kinder Licht- und Lebenswasserstrahlen zu machtvoller Einheit sammeln und dann zweckmäßig hier- oder dorthin leiten, mit mehr oder weniger Inhalt, wie jedes Werk für sich bedarf. Wolltet ihr auf einmal alles schaffen, möchte manches euch gelingen; doch alles bliebe dann ein seichter Aufbau ohne schöpfungsmäßigen Bestand.

3-105    Nun versteht ihr, warum Ich als sogenanntes Hauptwerk am ersten Tage durch Uraniel nur den Hausbau vornehmen ließ, am zweiten Tag durch Michael den Brunnenbau, und ferner, daß solche Grundwerke von einem zum anderen Tag bestehenbleiben. Kleine Nebenwerke, die als Ausschmückung der Grundarbeiten anzusehen sind, beschneide Ich in nichts; da könnt ihr nach Belieben schaffen. Hauptsache, ihr tut alles mit Mir, das heißt mit dem bewußten Willen, dem Gesamtwerk zur weiteren Verherrlichung zu helfen. Allein durch Konzentration, durch das Sammeln, bildet sich das Bleibende!

3-106    Ein Schöpfungswerk, das auch mit von vielen Kindern zu vollbringen ist, braucht die Sammlung vieler Lebenswasser wie zu einem Meer, darein Meine Weisheit und über diesen Tag hinaus in gleich starkem Anfall alle Eigenschaften sich ergießen, wodurch die Zusammenballung schöpferischer Machtteile in solchen ‚Kraftbecken‘ vor sich geht, das in der Lage ist, den entsprechenden Arbeitsanteil zu bewältigen.

3-107    Auch hier die zweifache Segnung; denn solches Lebenswassermeer ist zugleich eine Kraftzentrale für alle kleine und kleinste Kinder-lebens-wässerlein, die aus ihm ihren Zufluß haben oder bei fast völligem Versiegen neu zu speisen und wiederherzustellen sind.

3-108    Im Sammeln der Gewässer liegt noch ein besonderes Symbol. Es bedeutet das alleinige Schauen auf Mich, auch auf Mein Schöpfungsziel, und daß alles andere als das ‚Trockene‘ nicht im Vordergrund stehen soll. Letzteres aber außer acht zu lassen, wäre gänzlich falsch. Denn ein Land, durch das das Wasser in geregeltem Laufe sinnvoll fließt, ist als das Trockene nicht nur nützlich, sondern reichst gesegnet und selbst segnungsfähig. Denn auf ihm lassen sich die Früchte durch Licht und Wasser zu eurer Seligkeit und zu Meiner Freude reifen.

3-109    Wer nicht das Wasser sammelt, kann zwar Meine Wahrheit kennen, besitzt aber keinen Ordnungsgrund und ertrinkt im eigenen Nur-Wissen. Das heißt, die ‚Wucht der Wahrheit‘ wird ihn zunächst einmal zu Grunde bringen. Ich erinnere an das vom Sandberg verdeckte Wasser. Und wer aus Lauheit es versickern läßt, hat ausgedorrtes Land, das keinen Früchten Nahrung gibt. Es ist daher zu beachten, alle Erkenntnisse zu Taten sammeln, damit fruchtbare Erde wird, wie auch Mein Heiligtum nicht auf der Quelle, sondern sichtbar neben ihr errichtet ist.

3-110    Ja, Meine Ersten, Werke zu gestalten, ist nicht schwer, ihnen aber nach der Schöpfungsordnung Dauerwert zu verleihen, dazu gehört viel Weisheit. Deshalb wollen wir uns ihr jetzt anvertrauen, wir haben ihren Hügel ja erreicht. Geht vor aus, Zuriel und Helia, damit wir auch die richtige Weisheit finden.“ Entgegnet Zuriel: „O heiliger und liebevollster UR, dazu bedürfte es von uns aus keines Schrittes, denn sie ist bei Dir, und Du bist bei uns! Wir wären demnach schon am besten Ort. Nun Du aber den Befehl gegeben hast, wird es sicher die ganz richtige Weisheit sein, die solches angeordnet hat.“

3-111    „Gut gedacht, Zuriel“, bestätigt UR. „Nichts geschieht bei Mir ohne heiligen Sinn und Zweck! Rüstet euch auf dem Wege, es wartet eurer eine große Arbeit.“ Der Engelsfürst eilt voraus, im Abstand folgen UR und die übrigen. — Zuriel und Helia finden auf ihrem Hügel alles bisher Erschaffene vor. Ihre Freude ist derart groß, daß zunächst die Frage unterbleibt: Was wird unsre Arbeit sein? Den All-Heiligen zu erwarten als Grundeigentümer und Gast, daß Er ihr Haus nebst dem Brunnen segnet und dem Tagwerk übergibt, überflutet ihr Gemüt. O, ihr Menschen, ihr könnt solche Seligkeit der Engel nicht ermessen, weil ihr den Lichtstrahl auf der Erde noch nicht habt, wie er im reinen Schaffensdom der Allmacht den Ersten dargeboten wurde.

3-112    Zuriel und Helia haben das Haus nicht betreten, auch am Brunnen nichts getan; denn UR weilte mit den Kindern noch nicht segnend hier. Doch im Lob und Dank haben sie den Hügel eingenommen. So sagt Zuriel, als UR fragt, warum sie ihre Stätte zum Empfang nicht zubereitet hätten. „O Wahrhaftiger, im Herzen durften wir das tun; Du siehst, ob am festlichen Empfang noch etwas mangelt. Wir sind ohne Gabe, mit der wir den Eigentümer- und Gasttisch wohl bestellen könnten, so nimm in Gnaden an, was unser Herz Dir bietet.“ Da zieht der Hochpriester Melchisedek mit segnend ausgebreiteten Händen in das Haus der Weisheit ein, von dem die Strahlen alle Werke hell beleuchten. Er segnet Haus und Brunnen, entfacht das Feuer, daß es ein Eigentum des dritten Schöpfungstages wird, und sagt:

3-113    „Meine Sadhana und Engelsfürsten Meines Herzens und Heiligtums! Jetzt seid ihr aus dem ersten Morgenwissen herausgetreten. Was ihr bisher hörtet, war die Anleitung zum neuen Tagewerk; was ihr vollbrachtet, war das Werk der Kinder, deren Hände der VATER führt. Aus den ersten Tagen blieb euch die Lebendigkeit, derzufolge Erkenntnis und Tat geschah. Dennoch schöpftet ihr mehr oder weniger aus fremder Quelle und nicht aus eurer. Zweimal habt ihr bewußt geschöpft aus Meiner wie aus eurer Quelle am Ordnungs- und am Willetag. Auch hier treten zwei Unterschiede auf gemäß den Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen und dem freien Willensgesetz. Merkt gut auf!

3-114    Ich enthüllte schon, daß und aus welchem Grund die großen Hauptwerke nie aufs neue hervorgerufen werden brauchen. Sie sind! und wurden also auch als feststehendes Gut dem Tag der Weisheit einverleibt. Anders dagegen verhält es sich mit inneren Lebenswerken Meine Kinder. Gewiß bleibt einem Großwerk ihre Ursubstanz erhalten, muß aber von den Kindern an jedem Tage neu erkannt und bewußt wieder angeeignet werden, weil auf diesem in Meiner Weisheit gütig vorgesehenen Weg die höchste Vollendungsstufe zu erreichen ist, die in jenen Vollkommenheitsgrad mündet, der dem Ende einer UR-Schöpfung vorbehalten ist. Darin ist Mein heiligstes Ebenbild verkörpert!!

3-115    Weil nun jedem Tag, besonders den sieben ersten des Tat-UR-Jahres, als neue zusätzliche Strahlung Meine Eigenschaften unterstehen, um zu den vorgenannten wahren Ebenbilde für das Kindwerk zu gelangen, muß jedes freigeborene Kind aus jedem Tag den für sich neuen Aufbau entnehmen, womit es aus dem Zufluß jeden Tages auch den entsprechend höchstmöglichen Strahl entnimmt. Also schöpftet ihr an jedem Morgen zuerst einmal gehörig aus besagter Quelle, wie gerade in dieser schönsten Schöpfungsfrühe, in der Meine Weisheit als leuchtende Sonne euch am reinen Erkenntnishimmel aufgegangen ist.

3-116    Nun sollt ihr eure Quelle in das Tagwerk leiten, deren Grundwasser freilich kein anderes sein kann, soll noch darf als das aus Meinem Quell. Da gilt ebenfalls das Grundeigentümer-, Anteilnehmer-, Gast- und Herbergsrecht. Stets kommt es darauf an, welche dieser vier Verbindungen das Kind belebt, demnach sich der Zufluß Meines Quells zum eigenen oder nur entliehenen Besitz gestaltet. Deshalb ist es völlig in der Ordnung, wenn in den ersten Stunden der sieben hoch konzentrierten Tage des Tat-UR-Jahres, in der erstmals die Eigenschaften grundlegend wirken, Meine Kinder auch aus Mir allein erst schöpfen, hernach bewußt und mit freiem Willen alles Lebensgut erringen.

3-117    Dergestalt wächst mit jedem Tag die Arbeit und Verantwortung, und ihr begreift, warum am ersten Tag für solche Vorarbeit eine Stunde, am zweiten Tage deren zwei und am dritten Tage sogar drei benötigt waren, in denen der gewaltige Aufbau geschah. Jetzt liegen Richtung und Lauf offen vor euch, ungehemmt könnt ihr das Ziel erreichen, das ihr dann am Abend als eine gute, reife Frucht der Weisheit aus Ordnung und Wille Mir auf den Heiligen Herd legen könnt.

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