6-324 Der Jüngling schaut URs Herzkind an. Offensichtlich hat Er hier gewartet. Ja, sein Herz ging Sadhana entgegen, und nun harrt Er in Geduld, bis die Seele vom Bann des Unbekannten, des Plötzlichen befreit und empfängnisbereit wird für das, was geschehen soll. Das dauert nicht allzulang, trägt doch Sadhana einen Ausgleichsanteil aller Eigenschaften in sich. So gelingt ihr, das Neue aufzunehmen und mindestens zeitgemäß zu verstehen. Feierlich geht sie zwischen Blumen und Bäumen des Haines auf einem schmalen Pfad dahin, bis sie nahe vor dem Jüngling steht. Dieser deutet auf eine zweite Moosbank, Ihm gegenüber. Sadhana setzt sich wortlos und gehorsam.
6-325 „Liebliche Sadhana, das Wissen, daß die Schöpfung zur Entscheidung drängt, trieb dich an diesen Ort. Du fragst verwundert, wer Ich sei, vergleichst Mich mit dem Ewig-Heiligen UR, dem Ewig-Einzigen und Wahrhaftigen. Die viele gute Lehre, dir zuteil geworden, geben keine Möglichkeit, Mich ins Werkbild einzureihen. Frage nicht! Deine Freiheitsprobe kann dir die Erkenntnis über Mich erbringen. Du als der UR-Gottheit gerechter Widerstrahl sollst und mußt erfahren, daß die schwere, dich fast erdrückende heilige Schöpfungsprobe in
ursächlicher Folge nur von Mir und dir auszutragen ist!
6-326 UR entledigt sich der Probe, obgleich die Macht und Dienstbarkeit betreffend, nicht, sonst würde die in Rechtsfolge auftretende Kindprobe eine scheinbare sein. UR-Macht und UR-Persönlichkeit sind nicht zu trennen; auch stellt Er wegen eines Kindes trotz seinem herrschaftlichen Willen die Schöpfermacht und -herrlichkeiten nicht zurück. UR hat sich entäußert und gab e i n e Eigenschaft für seinen Opfereinsatz frei. Nun — Ich bin jener, der gleich dir sich Seiner Probe unterzieht. Weil UR den Kindern Seine Lebensfülle geben will, darum wird Er auch zu ‚seiner Zeit (Gal. 4,4) den Kindern gleichen.
6-327 Meine Sendung ist, dir zu helfen. An Mir erkenne, wie man sich erproben lernt. Beuge ICH Mich unter einen Ordnungswillen, so tue du es auch; und des Liebetages Pracht und Herrlichkeit geht über dir im Licht der Sonne auf. In dieser Gnadenstunde wird dir des Ernstes Heiligkeit erhellt. Denn wisse: Die Freiheitsprobe wird von uns beiden ausgetragen; ihr Maß liegt jedoch zuerst bei dir! Die Last ruht gleichanteilig auf uns, denn du bist URs erstes Kind!
6-328 ICH trage sie für UR, du für Sein Werk! Die Fürsten tragen eine andere Last, und deren Siebenfältigkeit hegt unser beider Lasten ein. Ihre Bürde ist ein Ausgleichspunkt. Denn sollte sich bei uns ein Ausgleichsunterschied ergeben, so sind die Fürsten in der Lage, pur aus sich das eine oder andere zu wählen. Würden sie durch dich zu Fall gebracht, so fällt Meine Last auf dich! Darum hüte dich, Sadhana, die schöpferische Macht aus Lust anzustreben!!
6-329 Siehe in Mir nur die Liebe, Güte und Bereitschaft, jedem Kind zu dienen. Willst du an Mich nun Fragen stellen, steht dem nichts im Wege.“ — Die ernsten, eindringlichen Worte verfehlen ihre Wirkung nicht. Sadhana spürt das Kommende wie eine bittere Geburt. Doch ein Aufhorchen ist plötzlich da. Denn besteht sie ihre Probe, könnte sie hernach nicht schöpferisch befähigt sein, wie sie glaubt, daß der wundersame Jüngling es schon ist? —
6-330 Daß sie dem Opferträger gegenübersitzt, weiß sie nicht, und nicht, welche Gewalt Seiner Liebegüte innewohnt, die nicht mit Schwächlichkeit verwechselt werden darf. Bewußt ist ihr jedoch, daß der Jüngling aus UR gekommen sei, dessen Träger, Sein Verkünder. Über das spricht sie zum Jüngling und fragt, ob Er immer sichtbar bei ihr bliebe, ob die Fürsten ihn sehen dürften und manches andere. Sie erhält auf alle Fragen zeitbedingte Antwort.
6-331 Indem kommen die sieben Fürsten herbei, besorgt um Sadhana, ihren UR laut und leise rufend. Ihnen ergeht es wie Sadhana, und sie erhalten gleichfalls ernste Hinweise. Der Jüngling geleitet die Ersten zum Rafaelhaus zurück. Als sie eintreten, geht zwischen ihnen das Lamm einher, aber der Jüngling ist verschwunden. Dafür sitzt UR wieder auf dem Liebethron, jedoch zu seinen Füßen breitet sich eine weiße Wolke aus, die sich während der weiteren Handlung allmählich hebt. Zuerst aber bleibt Er sichtbar wie bisher; und Er spricht:
6-332 Meine Sadhana und Engelsfürsten! Ihr wartet auf Erklärungen, doch als nächstes muß erst der Liebeträger zum gerechten Fortgang seines Tagewerkes reden. Darum rufe Ich dich vor Mein Angesicht, Rafael-Agralea.“ Der Fürst begibt sich an den Altarherd, nimmt das Tageszeichen, das ernstlich noch unverstandene Kreuz zur Hand und sagt:
6-333 „Heiliger Herr und Gott! Demütig stehe ich vor Dir, denn ein Unendliches legst Du in meine Hand. Nicht als Geschöpf, Geist, Seele oder Kind, sondern als Träger Deiner erhabenen Liebe, der Regentin, will ich mein Werk vollbringen. Allein, vor mein eigenes Tagewerk ist ein anderes Werk zu setzen.
6-334 Sieh, o UR, sechs Leuchter hast Du angezündet; der siebente fehlt, dessen Licht zur Endoffenbarung Deines Zieles mitzustrahlen hat. Wohl, der siebente Fürst kann erst sein Amt erhalten, wenn der hohe Feiertag erwacht. Doch ohne dessen mit offenbartes Wirken wird der Tag unvollendet bleiben. Darum erwähle ihn und setze ihn in das Amt als siebente Fackel ein; steht ja sein Name im Schöpfungstestament geschrieben.
6-335 Treten alle Eigenschaften mir zur Seite, so erfüllt sich auch des Tages Herrlichkeit. Denn in der Einheit können wir als Ewigkeitsgesegnete allen Kindern den Segen Deiner Ewigkeit vermitteln! Ohne Barmherzigkeit kann durch die Probe kein Kind Vollendung finden.“ Rafael führt den siebenten Fürsten an den Altarherd und fordert die andern auf, zu sprechen. Alle bringen die gleiche Bitte vor. Und so erhält der siebente Engel seine amtsmäßige Vorerwählung.
6-336 Sie gilt, auch wenn sie nicht im Heiligtum erfolgt. Der Einsatz der Barmherzigkeit steht im Rahmen der sechs Tage nicht den anderen Eigenschaften nach. Offen erstrahlt im Liebehaus die hehre Krone, das siebente Zeichen, und die Ersten jubeln laut. Nun sind wir geeint. Nach ihrer gewaltigen Lobpreisung fragt UR, was Rafael dem Schöpfungstag zu geben hätte, und der Fürst erwidert:
6-337 „Was sich vollziehen soll, Ewig-Heiliger UR, lag in Dir, in Deiner Macht begründet, ehe wir uns als Geschöpfe sahen. Vom Werden Deines Heiligtumes an bis zur Liebesonne hast Du, All-Heiliger, uns viele Dinge anvertraut, Deinen Reichtum hergeschenkt, durch den wir zur Vollendung kommen. Noch aber fehlt das Schönste! Ja, es mußte erst das Zeichen der Barmherzigkeit in Deiner Herrlichkeit erglänzen, bevor ich sagen durfte: O Vater UR, es fehlen noch die Kinder!! —
6-338 Liebe kann die Kinder zeugen, nur aus ihr können sie geboren sein! Hätten aber nicht zuvor Ordnung, Wille, Weisheit, Ernst und Geduld den Grundbau aufgestellt, hätte die Barmherzigkeit ihren Heilssegen nicht darüber ausgebreitet, wie vergeblich würde sich die Liebe nach den Kindern sehnen!! So hast Du wohlweislich geordnet, daß die Liebe die Verbindung zwischen einem Anfang und dem Ende ist und hast den Schöpfungstag der Kinder mit Deinen Gütern angefüllt!
6-339 Gib uns Kinder, die wir als Liebepfand zu Dir, als unverbrüchliche Treue zu Deinem Werk Dir wiedergeben können, Dir zur Freude, uns zum Segen, darinnen Du, Ewig-Allmächtiger, Deine Macht, Majestät, Herrlichkeit und Heiligkeit erschaust! Laß die Vielzahl der Impulse Deinem mitternächtigen Quell entsteigen und das All durchströmen, bis sie Kinder werden, die Dich, Lebensspender ohne Ende, lieben und Dir gehorsam sind! Deine Sadhana soll zuerst die Schöpfungsfreude haben, denn sie ist Dein und Deines Werkes erstes Kind.
6-340 Hochgelobt sei die Güte, Gnade, Langmut und Sanftmut; gepriesen seiest Du, Schöpfer, Priester, Gott und Vater! Heilig-erhaben bist Du! Dir danken wir, Dich loben wir und preisen Deinen Namen! Kniend beten wir Dich an!“ Die Ersten scharen sich um Rafael-Agralea. „Wir heben unsre Herzen hoch; fülle DU sie mit dem Strome Deines Lebens an! Die Kinder sind ja Dein, ehe sie denn werden. Wir erheben unsre Seele zu Dir, und unser Geist fleht: Ewig-Heiliger UR, Ewig- Einziger und Wahrhaftiger, hilf uns durch Deine Liebe und lasse uns durch sie Dein Werk erfüllen! Heilig, heilig, heilig, heilig ist unser König ewig, Herr IMANUEL!“ Der Altarraum hallt wider vom Jubel und Dank, in dem sich der Schöpfung höchster Segen offenbart:
DAS KIND-WERK!
Und UR spricht:
6-341 „Amen! Mein heiliges Amen setze Ich vor und hinter dieses Werk! Nun steht die Liebe — auf dem UR-Grund aller Eigenschaften — im Vorfeld Meines Tat-UR-Jahres. So schaffe, Meine Liebe! Auch für Mich! Bringt ja dieser Augenblick Mir selber höchste Genugtuung. Darauf habe Ich gewartet und es vorbereitet, seit undenklicher Zeit, die kein Kind erfaßt. Und doch — wo ist sie in Meiner Unendlichkeit geblieben? Ich messe sie nicht, nicht an Mir, nicht am Werk, denn nun trinke Ich die Zeit als Meinen Lebenswein!!
6-342 Aus der Stärke — Symbol des Vaterwesens — lösen sich in ungeahnter Fülle neue Zeiten. Sie gelten allen Kindern, groß und klein, den Getreuen, die ihrer Pflicht genügen und Meiner Krönung inne sind. Ja, sie sollen im Unendlichkeitsprinzip dessen Seligkeiten schmecken, wie Ich jetzt Meine schöpferische Vaterfreude schmecke. Und aus Meinem Lebensbecher bleiben ihre Herzen ewig angefüllt!
6-343 Doch wer glaubt, ohne Mich etwas tun zu können, dem bleibt der Segen vorenthalten. Eine Stunde ohne Segen brächte ihm das quälende Gefühl: Die Zeit gibt kein Entrinnen! Das bewirkte ihre Schuld und nicht Mein Wort! Denn Verirrten, die sich zur Liebe wieder wenden und die Demutsprobe auf sich nehmen, würde ihre Last in Meinem Gnadenborne ausgelöscht, weil des Tages Endziel ja für alle ‚Mein hocherreichtes Soll und Haben lautet‘!
6-344 Nun schaffe, Meine Liebe! Meine Hände sind bereit, als offenbarer GOTT, ja als UR, das Herrliche der Liebe zu bewirken!“ Abermals herrscht tiefe Stille. Köstlicher Weihrauch durchweht den Raum. Sadhana und Rafael-Agralea bleiben am Altarherd stehen, die übrigen Fürsten nehmen ihre Stühle ein. UR, zu der Gruppe hingetreten, berührt segnend Sadhanas Haupt. Da schmiegt sie sich zum ersten Male frei aus sich an des Vaters Brust. Ein Vater umfängt Sein Kind! —
6-345 Nie wird Sadhana wissen, was in UR jetzt vor sich geht, und nie den Gnadenstrom ermessen, der sie wie eine Lohe, wie sanftester Hauch umgibt. Wohl nimmt sie vom Gegebenen den für ihre Zeit bereitgehaltenen Teil im Innern wahr; und diesem Teilchen beugt sie sich wie einer Gnadenlast. Den Vollteil für das Werk trägt UR allein. —
6-346 Die weiße Wolke hüllt die Gruppe ein. Der Liebefürst sieht das ‚Es werde‘! Aus dem heiligen Altarfeuer lösen sich zwei Flämmchen. UR hebt sie in die Opferschale und nach einer Zeit wieder heraus. Und sieh, da sind es zarteste Gebilde, die sich — noch unbewußt — zu URs Füßen niederlassen. Er neigt sich herab, mit unsagbar liebevollster Gebärde, hebt die Gebilde hoch und legt sie in die Arme Sadhanas, die sich wie im Schlaf befindet. Und dann ist es geschehen. —
6-347 Die Wolke teilt sich: In Sadhanas Armen liegen zwei holdseligste Kindlein. UR gebietet, sie auf Ruheplätze zu tragen, die hinter dem Gestühl der Fürsten sich befinden. Dann erhalten diese ihre Kinder. Rafael-Agralea sind jedesmal bei der schaffenden Geburt mit in der Wolke; es ist ihr Tagewerk. Als sie selber an der Reihe sind, stehen die Träger der Geduld und Barmherzigkeit bei ihnen. Sadhana und die Fürsten erhalten je drei Kinderpaare aus dem Priester-, Gottes- und Vaterherzteil des allheiligen UR, dessen Schöpfertum sich ein weiteres zurückbehält, erst in der nächsten Tagesstunde offenbar.
6-348 UR verläßt nach dem großen Werde-Akt den Altarraum. Welche Freude, als gleich hernach die Kinder zum bewußten Leben kommen. Ja, da herrscht Jubel, emsiges Schaffen, und die Ersten wetteifern, die Kindlein heranzubilden, um sie baldmöglichst dem Vater zuzuführen. Selbst nach geistiger Zeit währt es nicht lang, so kann ein Gebot URs befolgt und die Kinder in den nahen Hain gebracht werden.
6-349 Dort wo der Jüngling erstmals saß, finden sie Ihn wartend vor. Sadhana und die Fürsten befällt wieder eine tiefe Liebe und eine gleichtiefe Scheu. Noch können sie beide Gefühle nicht vereinigen; doch den Vorrang hat die Liebe. Großen Eindruck erweckt der wundersame Jüngling bei den Kindlein. Da sie UR nicht kennen, haben sie auch keine Scheu und gehen einfach auf Ihn zu. Er versammelt sie um sich: schon jetzt ein Heiland, der die Kleinen zu sich ruft.
6-350 Freudig staunend verfolgen die Ersten diese Szene, und sie scharen sich mit um den Jüngling her. Aber die gerechte Ehrfurcht, der Herzboden echter Scheu, ist geblieben. Auf ihm kann immer wahre Liebe wachsen. Der Jüngling ist für sie Liebe selbst geworden und — wenn auch nicht ganz bewußt — ihnen schon ein Mittler. Ja sind sie nicht durch diesen Mittler losgelöst vom überheiligen Anblick URs? O, so werden sie vor UR noch sein, wenn Er einst als UR-Vater sich enthüllt! — Der Jüngling erteilt viele Lehren. Nach einem gewissen Abschnitt sagt Er folgendes zu den Kleinen:
6-351 „Kinder aus Gottes Licht und Liebe! Weder kennt ihr euren Anfang aus UR noch das aus ewigem Sein euch zubereitete Leben. Sadhana und die Eigenschaftsträger sind am Beginn des Tat-UR-Jahres zum freibewußten Leben gelangt; also tragen sie die Ewigkeiten dieser Zeit in sich. Doch auch ihr sollt dieser Jahr-Zeit eingereiht und Mitträger ihrer Entwicklung werden. Es bedarf daher großer Schule, damit ihr entsprechend der Bestimmung fähig werdet, Zeit und Werk zu tragen. Die Erfüllung spielt sich in Schöpfungsperioden ab, deren Länge oder Kürze jedes Kind erst am Ende überschauen lernt.
6-352 Auch UR behält in sich das Auf und Ab von Zeit, Entwicklung und Vollendung: Sein Ziel! Die UR-Ewigkeit hat Er für die Kinder äonfach unterteilt, demnach grundgemäß für sie zwei Zeiten gelten, in denen sie durch Vollendung ihres Selbst ihr Ziel erreichen sollen.
6-353 Jede seiende Zeit ist anders als die vergangene, obwohl sich jede aus der anderen entwickelt und alle das ‚Gesamt‘ ergeben. So müßt ihr ebenfalls alle Dinge lebensbewußt vereinigen, auf dem Grundboden euerer Geburt, der Liebe, während die Ersten den erlebten Aufbau im Tagesstrahl zusammenfassen müssen. Aber jedes Werk ist willensmäßig auf die Ordnung aufzubauen, weil auch UR auf dieser Basis Raum und Zeit der UR-Ewigkeit entnahm.
6-354 Wie wenig ein Tag irgendwelche Vollendung für URs Meistergedanken bedeutet, so wenig stellt eine Eigenschaft allein URs Vollkommenheit dar! Würde der Liebetag den Fortgang des Tat-UR-Jahres unterbrechen, so wäre alle Leistung der fünf ersten Grundlebens strahlen für das Werk vergeblich. Die Vierwesenheit und die Siebenfältigkeit sind UR-vollkommen in jedem Einzel, vollkommen im Gesamt!
6-355 UR wollte das Leben Seiner Kinder, die Er aus Gedanke, Wort und Tat sich zur höchsten Freude und zu einer euch nie zu begreifenden Folge gebar, auf die Liebe gründen. Warum gerade auf sie, ist euch jetzt noch nicht zu offenbaren. Aber das sei euch gesagt: URs persönliche Liebtat während des sechsten Tat-Jahr-Tages bringt den Beweis, daß Er in seinen Ausgleichskämpfen durch vollsten Einsatz der Barmherzigkeit als Nachfolgerin und Vollstreckerin Seiner Liebe Sein Hochziel fertig in sich trug!!
6-356 Sollte das auch im Äußeren geschehen, mußten die ersten Kinder — Seiner ungeheuren Machtmäßigkeit allmählich und durch Einzeloffenbarung Seiner UR-Person nahezubringen — am Tag der Ordnung geboren werden, andernfalls könnte kein Kind jemals die Heiligkeit der Liebe fassen, weil ihnen das gesamte Erbgut unverständlich bliebe! UR zeugte machtmäßig ein einziges Kind: Sadhana, seine Liebliche, tatsächliche Manifestation für das gesamte Werk!
6-357 Aus dieser einzigen Zeugung gingen die Eigenschaftsträger hervor, die sieben Engelsfürsten, von UR persönlich aus höchster Machtvollkommenheit frei geboren. Alle anderen Gedankenkräfte, die Er mit der viergeteilten Schöpfung für ein persönliches bewußtes Lebensdasein vorbedachte, legte Er in das Wesen dieser ersten Großkinder, Seiner eigenen Geburten. Aus ihnen soll alles Kind-Werk erstehen zum Zeichen heiliger Verbundenheit zwischen UR und jedem einzelnen Kind! —
6-358 Alle Wesensgedanken sind zu seinem Ebenbild gemacht. Sollten sie aber auch aus sich zur persönlichen Vollendung kommen, mußten die ersten Großgeister, Sadhana und die Fürsten, den gleichen Werdegang und Aufbauweg erfahren, wie UR in sich Sein heiliges Schaffen auf die Einheit, Werkdualität, Vierwesenheit und sieben Eigenschaften gründete, weil so auch den nachgeborenen Kindern ein ‚Vollendet‘ ihres Ebenbildes erreichbar wird, wonach sie ohne geringsten Unterschied als URs Kinder gelten! Aus diesem Grunde wurden die Ersten in die Ordnung eingeboren und durch sie den Lebensvollendungsweg wandeln, um mit und in der Liebe im gleichen Ordnungssinne zu verfahren, wie UR mit Seinem Werk verfuhr!
6-359 In symbolischer Wahrung dessen werden Sadhana und die Ersten nur eine bestimmte Anzahl Kinder selber schaffen dürfen, wie aus allen Kindergruppen immer fortgesetzt weitere Einzelgruppen hervorgehen sollen. Erhaltet ihr daher solche Anweisung, so tut gewissenhaft danach und mißbraucht die schöpferische Fähigkeit nicht willkürlich zu Taten, die URs Aufbauplan zuwiderlaufen.
6-360 Gut getan, führt die Ordnung in höchster Harmonie alles zur Vollendung! Erfolgt zwar jede Kindgeburt nur in der Liebe, dem unmittelbaren Zepter des Gott-Herzteiles, so muß trotzdem die Ordnung als erster Werk-Grundlebensstrahl ihren Volleinsatz erhalten. Erkennt ihr die gegebenen Ordnungszahlen an, dann befähigt euch der Wille zu der Tat. Wohl seid ihr in eurer Handlung frei; aber freier Wille-Gehorsam handelt nach dem Ordnungswerk, um die eigene Freiheit den urheiligen Bedingungen gerechtest anzugleichen, wie auch UR für die Kinder Seine Grundlebensstrahlen zur Vierwesenheit aus- und angeglichen hat, damit auf Seiner Bahn die Kinder Ihn als Vater erkennen und lieben lernen, einst in einer Großvollendung auch als UR!!
6-361 Seid ihr willensmäßig mit dem Schöpfungswerk übereingekommen, so zündet euch die Weisheit eine gute Leuchte an, daß ihr eure Straße sehen könnt. Denn sie leitet auch zum innerlichen Ziel, wenn es äußerlich noch gar nicht offenkundig wurde. So sah UR nach dieser dritten Stufe durch die Weisheit die Vollendung, als deren Bild noch keine Werkdualität besaß. Innerlich stand UR stets inmitten Seines Zieles und nicht erst vor dem selben. Auch ihr könnt im Herzen kraft der Weisheit inmitten eures Zieles stehen, auf welche Weise dann der Ernst aus innerlich Erlebtem das Äußere erstehen läßt und aller Kräfte voll — gleichrangig erstrebt. Der Ernst als Impulsträger hört nicht eher zu schaffen auf, bis die innere Zielsetzung nach der Vorschau für das Jahr zur äußeren Bildung wird.
6-362 Die Geduld folgt solchem Ernste auf den Fuß. Sie trägt unermüdlich Stein um Stein zusammen, bis sie zum Ziel das Ihrige vollgerüttelt beigetragen hat. Außer dem hilft sie den schon eingesetzten Eigenschaften und gibt das beste Schrittmaß an. Ordnung, Wille, Weisheit und Ernst können in einem alles schnell erreichen; dennoch würde ihnen etwas mangeln. Nicht umsonst legte UR sich einen vierfachen Zügel an, und der sei euer Haltepunkt. Alsdann wird der Tag erfüllt, anders nicht! Die Liebe krönt sich ja nicht selbst, sie wird gekrönt! Das tut die Barmherzigkeit, der letzte Seiner Strahlen.
6-363 UR hat äonmal so gehandelt und die Vollendungsmöglichkeit nach seiner heiligen Vierwesenheit und den sieben Grundlebensstrahlen erprobt und auch gefestigt. Schon sieben mal sieben UR-Zyklen haben in gleicher Grundfolge ihr Ziel erreicht. Immer war die Liebe dann die große Siegerin, wenn sie sich auf die fünf voraufgegangenen Eigenschaften gemäß der hochheiligen Ausgleichskämpfe stützte. Und noch jedesmal folgte ihr die Jubelfeier als Krönung des Gesamten!
6-364 Im Tat-Zyklus soll erstmals das innere UR-Bild eine äußere Gestalt erhalten. Dazu bedarf es notwendigst des besagten Grundaufbaues, wie Ich ihn als Sprache URs vermittelte. Er gab zugleich ein heiliges Verbindungszeichen, das etwa auftretende Überheblichkeit der Kinder durch die Schöpfungsfreiheitsprobe werkgerecht ausgleichen kann.
6-365 Das Verbindungszeichen kann freilich nun kein Sachwerk sein wie etwa eine Sonne oder auch ein Haus, die — wie alles — Entsprechungsformen zum Verbindungszeichen sind. Ihr seid verwundert, und sogar Sadhana fragt geheim: Was ist mit diesem Jüngling? Spricht Er nicht gewaltiger als UR in einer Seiner Wesenheiten? Ist in Ihm wohl UR verkörpert, uns bloß noch verhüllt? Das beschäftigt euch Erste, die ihr bereits fünf herrliche Tage neben und mit UR erleben konntet.
6-366 Ich will das Dunkel lüften, denn gerade Ich bin der große Helfer, zumal während eurer Probezeit, die auch Heimsuchung zu nennen ist. Höret: In Mir lebt UR, die personhaft gewordene Gott-Liebe, als heilig-lebendiges Verbindungszeichen, das dem begegnen wird, was URs Ordnungsfolge widerrechtlich werden kann. Ich bin dazu da, den Widerpart für UR und für die Kinder auszugleichen! Wie das Freiheitsgesetz seine gewaltige Konzentration in der Machtbefugnis der Kinder, wenn sie reifen, erfahren soll, so die gerecht gestellten UR vorbehaltenen Bedingungen in gleicher gewaltiger Konzentration ihre Machtbefugnis in Mir, dem Mittler, in schöpferischer Sammlung. Ja, darum ist Mir alle Gewalt gegeben (Matt. 28,18), schon jetzt, dann in der Zeit der Probe, der Heimsuchung und in der vierten Versöhnungszeit!!
6-367 Was Ich darüber hinaus noch bin oder werde, bleibt vorläufig zu eurem Besten verhüllt. Doch eure Gedanken sind auf guter Bahn. Wird der Opferträger auch der Sühnesohn, dann kennen die Getreuen Mich, wie UR Mich kennt und Ich Ihn! (Joh. 7,29 u.a.) Sie werden den All-Heiligen sehen, wie Er Mich und Ich Ihn ewig sah und sehe. Das trage Ich, das Verbindungszeichen, als kommenden Sieg des Werkes über das Werk! —
6-368 Nun ist‘s soweit, daß ihr Kinder Gott schauen könnt, was euch in den Stand gerechter Arbeit bringt; denn auch eurer wartet ja ein Lebenswerk. Kehrt zurück ins Liebe-Haus. Aber ohne Frieden, ohne Meinen Segen entlasse Ich euch nicht. Denn ist Mir alle Gewalt gegeben, wie offenbart, so auch jene der Segens- und Friedenserteilung und noch Unendliches mehr, was ihr gar nicht kennt. Ziehet hin, gesegnet von Mir und mit URs heiligem Frieden überströmt.“
6-369 Die Kinder haben den Sinn der Rede nicht voll begriffen; nur die Ersten schürfen die gewaltige Tiefe auf. Der Jüngling erhebt sich. Alle Kinder umringen Ihn, der sie herzt und kosend segnet. Rafael-Agralea verneigen sich vor Ihm in tiefer Ehrfurcht, desgleichen alle Ersten. Was für ein wonnesames Gefühl steigt in ihren Herzen hoch! Auch sie begeben sich in die offenen Arme. Als sie so nahe das wundersame Antlitz sehen, ist es für sie ein anderer, der vor ihnen steht. Ist das UR, der Ewig-Heilige? Durften sie ihn für den Bruchteil eines Augenblicks erkennen, wie bisher noch nie? Zitternd halten sie sich gegenseitig fest, und da — ist der Jüngling fort.
6-370 Zwischen Altar und Thron steht hoch die weiße Wolke, so daß die Kinder Zeit haben, sich auf die Schau Gottes vorzubereiten. Jetzt teilt sie sich. Die Ersten merken gleich, wieviel von URs Wesen verborgen ist. Sie erleben die Offenbarung des Gott-Herzteiles in Geduld und Liebe, über die sich des Jünglings Wesen breitet. Die Kinder sind zutiefst erschüttert. Doch wie gut, daß solche Erschütterungen sie durchpulst; denn so reifen sie. Fast sind sie froh, hinter den Fürsten zu sitzen. Sie gewinnen einen Abstand, der aber keine Trennung gibt. Wie reich sich das gestaltet, zeigt sich rasch.
6-371 UR-Gott schweigt längere Zeit. Dafür geht ein sanfter Lebenshauch von Ihm aus, der die Kinder befähigt, in Sein Angesicht zu schauen, bis sie ihren Blick nicht mehr davon lassen können. Die Erkenntnis zieht in sie ein: UR-Gott, der auf dem Thron der Liebe sitzt, zeigt sich äußerlich als ein ungleich Gewaltigerer denn der Jüngling, doch innerlich steht dieser der Gott-Offenbarung nicht nach. Es ist eine Liebe, in Gott und im Jüngling, die alle im heiligen Schweigen trinken. Da sind sie sehr gestärkt. Und nun spricht Gott:
6-372 „Meine Sadhana, Meine Fürsten! Zuerst bedarf es eines Wortes an euch, aus dem der rechte Anteil dann den Kindern zuzukommen hat. Ihr habt im heiligen Hain bedeutende Offenbarungen gehört und wähnt, als wäret ihr ganz neu erwacht. Das Gefühl einer Auferstehung, deren werdenden Sinn ihr gar nicht kennt, hat euch ergriffen, weil ihr einen Augenblick UR in seiner Gesamtheit schauen konntet, soweit der Liebetag es möglich macht. Unter die Hand des Jünglings gebeugt, heißt, sich unter UR gebeugt zu haben! Ihr erkanntet Meine offenbarte Willensführung an. Das mußte so geschehen, weil zuerst und ausschlaggebend die Probe auf euch lastet. Und es konnte auch geschehen, weil ihr — frei aus euch — Mir einen bedeutenden Schritt näher gekommen seid. Damit habt ihr viel erreicht!
6-373 Dieser Schau-Tropfen aus urheiliger Mitternacht brachte euch das Gefühl einer abermaligen Geburt. Eure Herzensfrage steht zu Recht, was sie bedeutet und in welchem Verhältnis sie zur dritten Stunde dieses Tages steht. Ihr könntet eine Auferstehung oder Wiedergeburt am Beginn und Ende eines Tages fassen, nicht aber jetzt. Das Gefühl ist durch Meine urhafte Werkvollendung bedingt. Eine äußere Form gestaltete sich im fortlaufenden Tag, würden die unwandelbaren Gesetze vom Freiheitsgesetz herausgefordert und mißbraucht.
6-374 Jetzt betrifft das Erneuerungsgefühl kein äußeres Prinzip, sondern eine geistmäßige Empfindung, die aber — von Mir segensreich gestaltet — der beste Nährboden einer nötig werdenden Auferstehung für das geschöpfliche Dasein im Eigenprinzip des Geistes und der Seele ist. Euch Ersten kommt Mein Wort von der dritten Stunde des Ernsttages in Erinnerung, als Ich über den Auferstehungsgedanken am Tat-Jahr-Ende sprach. Eine Auferstehung kennt letztlich jedes Tagewerk, weil sich unter dem Einfluß der UR-Ewigkeit in allem eine Wandlung für Raum und Zeit vollzieht. Und das habt ihr wahrgenommen.
6-375 Trotzdem liegt die unbedingte Wandlung im wandelbaren Gesetzablauf, weil Ich sie von eurer Erkenntnis und eurem Fortschritt abhängig machte. Ihr habt vom Jüngling die ‚Sprache URs‘ gehört, daß ihr in die Ordnung eingeboren wurdet. Wolltet ihr nächst der euch übergebenen Schöpfungsaufgabe aber auch vollwahre Kinder sein, so bedurfte es einer Nach- oder Wiedergeburt am Tag der Kinder. Diese Geburt aus der Liebe und für sie vollzog sich bei jener UR-Schau im Hain. Nun gibt es nur noch freigeborene Kinder der Liebe! Und so steht zu eurem Recht die Willensfreiheit, durch die ihr grundlegend den überkommenen Werkanteil im Sinne Meiner hochheiligen Ordnungs- und Willensfolge auszuführen und zu vollenden fähig seid.
6-376 Ihr seid schon Meine Kinder, seitdem Ich euch aus Meinem UR-Sein hob; doch das geschöpfliche Dasein stand im Vordergrund. Gerade deshalb konntet ihr in den vergangenen Tagen größere Wesens- und Geheimnistiefen hören. Von nun an spreche Ich weit mehr mahnend und führend. Alle noch nötigen Offenbarungen werden stark umhüllt, denn ihr selbst sollt ihren Wesenskern erkennen.
6-377 Das stützt sich auf die Tagesliebe, die aktiv gebend und nehmend zu nennen ist. Als Herrscherin übersieht sie ihren Werkverlauf und ist unter den sich ablösenden Grundlebens strahlen die letzte Schafferin. Ihr vornehmster Charakter ist, Vollendungen auch dort zu erblicken, vor allem mit ihrer unermeßlichen Gewalt herbeiführen zu wollen, wo diese etwa erst erstehen. Daraus erkennt ihr, wie urmäßig es war und ist, die Geduld der Liebe voranzusetzen.
6-378 Ja, ihr seht an euren Kindern schon einen Vollendungsgrad, der in euch real, in ihnen eben aufgebrochen ist. An diesem Beispiel zeigt sich die Wichtigkeit hochweiser Führung, damit die Liebe — was möglich ist — die anderen Eigenschaften von der Mitregentschaft nicht verdrängt. Allerdings steht diese Möglichkeit immer im Bereich des jeweils regierenden Wesensimpulses.
6-379 Die Liebe kann da das stärkste Maß erlangen, weil die erreichten Vollendungen der fünf ersten Dominanten mitherrschend sind. Darum wurde in den einstigen Ausgleichskämpfen die Liebe an sechste Stelle gerückt, damit sie nicht die Selbstherrschaft ergreift, was ebenso zerstörend als vollendend wirken kann. Aus gleichem UR-Bedenken kann aber auch durch die Liebe alles andere Fünf-Tage-Werk zur höchstgeeinten Vollherrschaft erstehen. Das bewirkt die Ordnung in all Meinem Tun!
6-380 So zeigt sich auch die Auferstehung, die sich in fortgesetzter Zielerstrebung äußert. Die Hauptauferstehung, die sich erst im Folgejahr enthüllt, ist zwar durch die Liebe zu erreichen, nicht jedoch ohne gleichwertige Mitwirkung der übrigen Eigenschaften. Dergestalt offenbare Ich Mich ganz als UR! — Doch nun kommt, ihr Kinder, vor den Altarherd.“ Sie kommen, knien nieder und empfangen ihre erste Heiligung. Danach spricht Gott zu ihnen:
6-381 „Eure Zahl hat einen heilig großen Grund. Ihr sollt die Ältesten vor Meinem Stuhl der Herrschaft sein, denn ihr seid der Wurzelstock der Kinderscharen. Sadhana und die Fürsten sind allgemein und für den Liebetag Meine Machtträger, die Manifestation an erster Stelle für das Gesamtwerk aus UR-Ewigkeit in Raum und Zeit.
6-382 Ich, UR, halte sie in ihrer gerecht bleibenden Entwicklung in Meiner Rechten, zu Meinem Recht! Das Hochziel hat jedoch die Grunddarstellung Meines UR-Seins in vierfacher Weise vorbestimmt, wie Ich Mich vierfach als Schöpfer, Priester, Gott und Vater offenbare.
6-383 Dieserhalb bedarf es weiterer Einzelträger, die — wenn auch nachgeordnet — doch ebenfalls zu Meiner Rechten stehen! Ich offenbare Mich, entsprechend der vier UR-Ströme aus Meinem Mitternachtsquell, jedem Werk der Reihe nach. Diese Grundregel bleibt bestehen, mit der in Einzelabläufen die sieben Grundlebensstrahlen dominierend sind, wonach die Erst-Offenbarung der vortretenden Herzkammer nötig wird. Dadurch wird die Aufbauordnung nie gestört! Die Offenbarungsfolge an die Kinder hebt erst recht nicht diese Ordnung auf.
6-384 Wenn ihr daher Mich zuerst als GOTT erschaut, so deswegen, weil ihr diesen Teil werkhaft manifestieren sollt. Ferner kommt ihr dadurch leichter zur Erkenntnis, und gleichzeitig wird für die Zukunft der Weg der Kinder vorbereitet. Die Herzensfrage Meiner Sadhana, wo die zweite Darstellung verbleibt und es keine Ordnungsfolge wäre, wird euch allen bei der gegebenen Geburt enthüllt.
6-385 Trete Ich am Liebetag in Meinem ganzen Gott-Wesen auf, so geht es sicher ordnungsmäßig zu, wenn Ich Mich als GOTT den Kindern zeige. Vom UR-Herzen leuchten über Meinem Gott-Herzteil nächst den sieben Eigenschaften zwölf heilige Grundstrahlungen auf, die ihre Urwurzel in den Grundlebensstrahlen haben. Sie heißen: Güte, Gnade, Langmut, Sanftmut, Demut, Freiheit, Friede, Freude, Reinheit, Wahrheit, Erkenntnis, Hingabe und besitzen in allen Fällen eine zweifache Wirkung, entsprechend auch den beiden ehernen Fundamenten.
6-386 In beiden Wirkungen entwickeln sich zusätzlich die voneinander abhängigen rein positiven und rein negativen Gestaltungen, wodurch sie zu einer ungeheuren Entfaltung gelangen. Die erste Wirkungskraft der Grundstrahlungen gründet sich auf das UR-Gesetz, die zweite auf eure Kind-Paarung. Auch hierin steht die Aus- und Angleichung der Fundamentsträger sowohl zu Meinem als auch gleichanteilig zu Meiner Kinder UR-Recht! Darum stehen für das Werk aus den vier ersten Engelsfürsten, den Trägern der bestimmenden Eigenschaften, zwölf Kinderpaare als Gewaltträger im Sinne der UR-Bedingungen vor Meinem Angesicht, die anderen zwölf Kinderpaare aus Sadhana und den Fürsten der drei tragenden Eigenschaften in selber Maßgabe für das freie Willensgesetz.
6-387 Der Ausgleich durch Sadhana zwischen den bestimmenden und tragenden Grundlebensstrahlen ist eine Gunst für alle Kinder, was die Last des Ausgleichskampfes beider Schöpfungsgewalten betrifft. Ich stehe aber immer helfend bei! Da der Beistand kein willkürlicher werden darf, waltete Ich längst Meines heiligen Amtes und gestaltete die Mithilfe auf eine bedingte Form, hier ganz offensichtlich in der Einteilung der zwölf Grundstrahlungen.
6-388 Von ihnen gehören in genauer Ordnungsfolge die sechs ersten Meinem Person-Recht an, die zweite Gruppe dem Besitzrecht Meiner Kinder, welch letzteres Ich schon bei der Gedankenzeugung in sie gab und aus dem der Besitztitel der ersten Gruppe erworben werden kann. Die große Wechselwirkung, die auch euch Ersten bisher kaum erkenntlich war, offenbart sich hier nun deutlich; denn: ‚Was Mein ist, fließt Meinen Kindern als Eigentum zu; was Meine Kinder sich selbst erwerben, schließe Ich in Mein Person-Recht ein!
6-389 Das geschieht über Mein Gottes-Tum, wodurch die Grundstrahlungen allen Kindern zuzuleiten sind, und außerdem noch aus dem Kind-Werk selbst. Noch andere Hauptträger und ungezählte Gnadenträger werden neben euch erwachen. Ihr Kinder werdet als Ältesten-Engel die Träger der zwölf Grundstrahlungen, in eurer Einheit der Grundträger Meines Gottes-Tumes für das Werk. Als Einzelträger seid ihr gleichfalls mit der Machtbefugnis eingesetzt, die — jedem Teilwerk angepaßt — stets vollkommen ist.
6-390 Aber stehen auch die Fürsten an erster, ihr an dritter, die folgende Gruppe an zweiter Stelle, und kommt noch eine vierte hinzu, so merkt euch alle eines: Seht, Meine Sadhana, Mein Herzkind, hat kein Voraus als allein die Herzstelle in Mir, und die kann, soll und darf sich jedes Kind erwerben! Urmäßig ist nur diese Stelle gültig; alles andere geschieht euretwegen! Darum bedenkt: Jede Erwählung arbeitet auf die Erfüllung einer Schöpfung hin! Diese aber, ist sie erreicht, bringt allen ungeteilt die UR-Kindschaft! Ewig gibt es die zwei Grade: entweder im Herzen ruhen oder am Herzen stehen! Es liegt an jedem selbst, welchen Grad er erreicht. —
6-391 Nun ist die dritte Tagesstunde nahezu vorbei; die nächste bringt einen weiteren Abschnitt Meiner Offenbarung. — Ihr, Meine Fürsten, bleibt hier im Liebehaus. Hütet eure Kinder, und auch Sadhanas Kinder sollen euch überlassen sein, wenn Sadhana damit einverstanden ist. Euch Kindern aber sage Ich: Achtet auf die Stimme Meiner Ersten, denn was sie euch zu künden haben, ist Mein Wort. Tut ihr danach, so wird die neue Stunde mit ihrem reichen Segen ganz genügen, euch zu dem zu machen, zu dem ihr vorgesehen worden seid.
6-392 Hat noch jemand eine Frage, so bringt sie vor. Wohl sehe Ich, was euch bewegt; doch ihr sollt Vertrauen zu Mir haben. Eure Seligkeit wäre eher eine hohle Nuß, würde Ich Mein All-Wissen immer wirken lassen. Dann hätte es der reichen Ausdrucksfähigkeit des inneren Gefühles nicht bedurft. In der Enthüllung eigener Gedanken steigert sich die Seligkeit, weil die Sprache als ein Gradmesser zunehmender Vollendung verliehen wurde.“
6-393 Die Ersten umringen sogleich den Thron; dem Beispiel folgen alle Kinder. Jedes ruht an des Vaters Brust. Rafael sagt: „O heiligguter Gott und Vater, Dir haben wir eine große Bitte vorzutragen, doch ist‘s mit wenig Worten aufgetan. Unsern Dank nimm aus der Liebeglut unsrer Herzen an und senke ihn in Dein hocherhabenes Herz, daß Deine Liebeglut uns immerdar entgegenstrahlen möge, auch in der Zeit, wo die Freiheitsprobe uns verirren lassen kann. Da verhülle nicht die Flamme Deiner Liebe, den Lichtstrahl Deiner Bündnisgnade, sondern denke an den Dank, der nun aus unsern Herzen in das Deine strömt. Das möge Dir, ewigguter Vater UR, als eine vollgerechte Dankgabe gelten.“ Welch Segenswort wird dafür ausgesprochen. Jubel herrscht im Haus. Danach sagt UR zu Sadhana:
6-394 „Meine Sadhana, folge Mir! Und bleibst du ohne Frage, wohin, so ist es gut.“ Ernst liegt des Heiligen Blick auf ihr. Auch Uraniel schaut sie wie mahnend an, denn es stand in ihr sogleich die Frage auf, ob sie zur Ataräus dürfe, an die sie schon den ganzen Morgen dachte. Die geheime Mahnung verfehlt die Wirkung nicht. Wortlos übergibt sie Alaniel, Rafael und Gabriel ihre Kinder. Rafael fragt, ob sie wegen mancherlei Belehrung auch die übrigen Häuser aufsuchen dürfen, es wäre vielleicht gut. UR lächelt leise:
6-395 „Mein Rafael, wo Ich personhaft bin, ist auch das Heiligtum. Sind alle Träger der Grundlebensstrahlen in deinem Haus, so sage, könnte etwa einer fehlen? Weniger sind ja die Häuser als mehr die Träger ausschlaggebend. Diese sind die Lebensquellen, jene stets eine Werkkonzentrizität. Da du zum Besten eurer Kinder fragtest, steht nichts im Wege, deine Bitte zu gewähren. Sammelt euch aber rechtzeitig im Liebehaus, daß ihr Mich trefft, sobald Ich komme.“ O, wie kann Rafael so herzlich danken. Uraniel bittet auch, ob sie den Kindern Namen geben dürfen, und erinnert daran, daß Muriel am Vortage auf dem Weg zur Ataräus den Dank URs erhielt dahingehend, die Urzentralsonnen zu benamsen. Ein Name, sagt der Erste, künde einen hohen, schönen Schöpfungsschmuck, eine großmächtige Ehre URs.
6-396 „Auch du, Erster, hast eine gute Bitte vorgebracht“, antwortet UR. „Ansonst hätten die Kinder ihre Namen im Heiligtum erhalten. Doch ich bin ja da, und so kann es hier geschehen. Hernach soll Muriel die Sonnen auch bedenken.“ Der Kinder Dank ist groß, als sie ihre Namen hören. Muriel schreibt ins Tagebuch des Hausaltars die Sonnennamen ein; er leitet sie von ihren eigenen ab wie folgt: Uranastia, Midephna, Zurania, Mugona, Alphania, Rajona und Garapäa. Nach dem UR noch ein Weihkraut in die kleine Opferschale legte und alle Kinder segnete, verläßt Er, von Sadhana gefolgt, das Haus.
6-397 UR ist äußerlich gegangen; allein zurück blieb Sein ATMA, Sein Licht. Die Fürsten handeln streng nach seinem Wort. Auch Sadhana folgt treu den Spuren der UR-Heiligkeit. Noch weiß sie nicht, wohin es geht; aber welche Wunderwerke lernt sie kennen. Auf einer herrlichen Mittelsonne des vierten Sonnenringes in der Strahlsphäre des Ernstes beruft UR die Sadhana an Seine Seite und spricht:
6-398 „Meine Sadhana! Treulich bist du Mir gefolgt, auch fühlst du immer Meinen Blick, der doch hebend mahnte, nicht nach dem ‚Wohin‘ zu fragen. Geschwiegen hast du wohl, aber mehr als die Hälfte unsrer Wegzeit befaßte sich dein Herz mit dieser Frage. Ich sagte Rafael nicht umsonst, daß das Äußere an zweite Stelle rückt; und dieser Hinweis galt — wie sonstige Belehrungen, die ein einzelner erhält — allen Kindern, auch dir. Denn was ICH sage hat UR-Ewigkeitswert!
6-399 Mein Kind, was hindert dich, Meiner Führung zu vertrauen? Mußt du fragen, ob du in einer dir ewig unbegreiflichen Güte allein Mich hast? Mußt du forschen, wo du Meine Bahn erkennen kannst? Tut es not, den Pfad zu wissen, da ICH dich leite? Jeder Weg an Meiner Seite geht zu Mir selbst! Sagte Ich auf deine dich fast verzehrende Frage: Ich bringe dich auf deine Ataräus, was willst du daselbst finden? Mich oder deine allein auf Gnadenwegen geheiligte Sonne? Glaubst du, daß sogar der von Mir geweihte Berg Mahapatra dir ein Atom Freude, Seligkeit, Segen oder gar Vollendung brächte, wenn du MICH auf ihm nicht suchst? Wo Ich nicht bin, Mein Kind, innerlich wie äußerlich, da ist Nichts im Nichts! Das merke dir!
6-400 Würde deine Ataräus zu einem Widerstrahl Meines UR-Heiligtums, so geschähe das für eine Tagesfolge. Sie wäre aber ein glanzloser, kalter Körper, wenn du die Liebe schlägst und die Heiligkeit verletzt! Bist du Mir gefolgt, um auf deine Sonne zu gelangen oder zu beweisen, daß du Mein erstes gutes, Mein schöpfungsgeheiligtes Kind sein willst?! Rede, Sadhana, sieh, Ich liebe dich, und was du jetzt dir von dem Herzen sprichst, kann dich einmal nicht bedrücken.“
6-401 Sadhana ist bestürzt. Sie folgte UR, hat willig die Glückseligkeit der Kindererziehung den Fürsten überlassen, die dadurch die größte Freude haben; und sie können frei auf ihre Sonnen gehen. Mußte sie nicht immer hinter UR verbleiben? Sie sah nur Sein Antlitz, wendete Er sich nach ihr um. Warum tadelt Er? Ihr Herz ist aufgewühlt; aber zutiefst fühlt sie das Unberechtigte der Gedanken. Ja, sie wartete ungeduldig, ob UR endlich den Gang zur Ataräus kündete.
6-402 Erschreckt erkennt sie Seine Gnade, mit Ihm allein zu sein. Wäre sie dieser Gnade eingedenk gewesen — sie spürt es wohl —‚ nicht hätte UR sie hinter sich gelassen. Die Erkenntnis überwältigt. Weinend stürzt sie vor Ihm nieder, birgt ihr Gesicht in des Lichtgewandes Falten, und ihr Herz liegt demütig vor UR. Sie sagt:
6-403 „All-Heiliger, o UR, mein Vater! Aus einer mich erschreckenden Tiefe muß ich zu Dir aufschauen und weiß nun erst, was es heißt, Deinen Spuren folgen zu dürfen. Bisher war es mir wie eine Selbstverständlichkeit, vor Dir im Heiligtum zu sein oder, wohin Du uns führtest, neben und hinter Dir herzugehen. Alles nahm ich auf als Deine Sadhana, als ein Dir ersterwähltes Kind. Ich erkannte Deine Güte, Deine königliche Gnade, die mein Lebenssein umschloß, die mich mit dem Mantel Deiner Herrlichkeit umgab. Und nun? —
6-404 Ich bin noch weit entfernt von dem, wozu Du mich erkoren hast. Jetzt ahne ich, was DEMUT heißt! Wo sollte ich hingehen vor Deinem heiligen Angesicht, daß Du es nicht wüßtest? Wo bleiben, da nicht Dein Odem weht?! (Ps. 139,8) O, laß mich Deinen Spuren ohne Frage folgen! Nun bittet meine Demut Dich: Führe mich, wohin Du willst, wenn ich immer dort sein kann, wo DU bist! Gehe fortan vor mir her, innerlich und äußerlich; denn bin ich gleich Dein erstes Kind, sieh, niemals bin ich wert, neben Deiner hochheiligen UR-Person einherzuschreiten.
6-405 Unfaßbar muß ich Deine Liebegüte nennen, daß Du meine Kinder den Fürsten übergabst, die weit besser als ich befähigt sind, sie zu erziehen. Ich erkenne Deine unübertreffliche Weisheit an, aus der Du dieses alles lenktest. Nun will ich Deine gehorsame Sadhana sein.“ Tief neigt sie ihr Haupt, und das ist gut. Sie soll die Demut restlos schmecken und den Freudestrahl nicht sehen, der aus URs Augen auf sie niederfällt. Doch es ist der Tag der Liebe, die überwiegt, zwar stets im gerechten Ausgleichsmaß. Darum nimmt UR Seinen Strahlenblick zurück, als Sadhana nach einer Weile forschend in die Höhe sieht, wie Er ihr Wort aufgenommen habe. Eine sanfte, ernste Güte leuchtet ihr entgegen. UR hebt das Kind an seine Vaterbrust. Da ruht es selig, wohlgeborgen, ohne alle Pein. Und Er spricht:
6-406 „Mein geliebtes Kind, auf diese Demut habe Ich gewartet! Wisse aber, daß Ich dich nicht gedemütigt sehen will, nicht einmal ein kleinstes Kind. Niemand soll sich unterwürfig vor Mir neigen. Zwar ist das auch ein Demutsakt, doch fehlte ihr der eigentliche Wesenszug: die Hingabe! Diese vereinigt in sich alle Grundstrahlungen, wie Barmherzigkeit alle Eigenschaften eint. Jede Eigenschaft, jede Strahlung haben ihre eigene Vollendung. Im Zusammenschluß ist jedoch stets der letzte Dominantstrahl jener, der die Werkvollendung setzt. Trotzdem ist weder die Barmherzigkeit noch die Hingabe ein größerer Teil, weil es in Mir ewiglich kein Vor und Zurück Meiner eigenen Strahlen gibt; oder Ich wäre — wie oft gedeutet — nicht UR!
6-407 Ein Kind muß sich Demut selbst erringen, was durch volle Hingabe leicht geschieht. Wahre Demut hat einen freien, königlichen Blick. Sie schaut frank zu Mir auf, denn sie ist ein Innerstes von Mir. Das Bewußtsein, Mein Geschöpf und auch Mein Kind zu sein, rechtfertigt jedes Verhältnis zwischen ihm und Mir, wie das Kind es frei gestaltet. In dieser wahrhaft einzigen Ordnungsfolge ist jegliches Werk für die ‚freie Kindschaft‘ vorgeschaut und auch fundiert!
6-408 Meine Sadhana, du hast dir Demut und Hingabe erworben, soweit die Tage dies erwarten durften. Doch die bedingungslose Demut hast du erst jetzt erlangt. Darum steht nun Meine heilige Demut, die nicht einmal du erfassen kannst, dir gegenüber, und im Vaterprinzip hat sie deine Fragen aufgenommen und geprüft. Ja, du bist Mein erstes Kind, obwohl oft hinter den Fürsten zurück gesetzt gewesen. Im UR-Prinzip, Sadhana, sieht es ganz anders aus! — Wie unendlich Ich in Wahrheit dich über Meine Fürsten stelle, die Mir als Träger Meiner Eigenschaften wahrlich herznahe sind, kann Ich zu deinem Besten jetzt nicht völlig zeigen; doch ein Hinweis werde dir zuteil.
6-409 Sieh, Ich sagte, daß Meine Demut dir gegenüber steht. Messe daran die Wahrheit Meines Wortes an dich! Denn du sollst am weitesten in Mein urheiliges, fast ewig verhülltes Demutsgebiet eindringen, um auch hierin für Mein Werk den gerechten Widerhall zu bilden! Dazu gehört eine Schule, die Ich zum Endzweck Meines Werkes dir nicht ersparen kann, worin dann aber auch zugleich dein Höchststand Mir und dem Werke gegenüber urgegründet ist. Doch wisse, daß Ich ewig in die Demut keine Erniedrigung, keine Demütigung und Unterwürfigkeit gegeben habe, vor Mir keinesfalls gerechtfertigte Dinge, mit denen ein Kind selbst bei größter Zerknirschung Mir niemals nahen kann. Einzig die freie, königliche Demut führt ein Kind — auch aus tiefstem Fall — wieder unmittelbar in Mein UR-Herzsein zurück.
6-410 An jedem Schöpfungsmorgen wurdest du zuerst erweckt; die Fürsten jedoch empfingen fast das gesamte Tagewerk. Ja selbst mit der Kindschaffung betraute Ich den Liebefürsten und nicht dich. Dafür hattest du voraus, was das alles überwiegt: Du begegnetest zuerst dem wundersamen Jüngling! Ich weise dich auf eines hin: Sage nicht, das müsse so nach Meinem Ordnungs-Willeplan geschehen oder daß du dich demselben fraglos um das ‚Warum‘ beugen willst. Beides wäre falsch!
6-411 Will jemand zur Grundvollendung kommen, muß er das Grundprinzip des Ordnungs-Willeplanes kennen. Die Kinder stünden Mir kaum allzunahe, die sagen würden: Herr, ich beuge mich Deinem Willen! — Die Heilslast einer Demut wird erst dann frei übernommen, wenn ein Kind in Erkenntnis Meiner Waltung jeder Probe standzuhalten sucht. So erstarkt es, kann gleichzeitig sehen, warum dies und jenes sich ergibt, und lernt dabei Meinen großen Schöpfungshaushalt kennen. Es steht nicht als Gast in irgendeinem Prunkgemach, wohinein der Hausherr ab und zu einmal blickt, sondern kennt jeden Raum und weiß den Hausvater allezeit und überall zu finden.
6-412 Erkennst du daraus Meine gute Führung, so ersiehst du allerwärts deinen wahren Vorzug. Mir zu folgen, wie dir jetzt gestattet war, Sadhana, ist eine hohe Auszeichnung gewesen, ein Entgelt für das, was du den Engeln gerne gönntest. Die volle vierte Tagesstunde soll dir gewidmet sein. Und dir will Ich bei Bewährung zeitweilig die Schlüssel Meines Schöpfungshauses übergeben.
6-413 Allerdings, ein einziges Gemach behalte Ich Mir vor! Und du solltest nie Gelüste haben, es betreten oder fragen zu wollen, was darin verborgen sei. Es sei dir gesagt: Darin steht Mein UR-Geheimnis! Ist mit dem Wissen etwas zu beginnen? Nein! Du müßtest werden, was Ich bin! Dann wäre dir das Geheimnis offenbar. Doch ICH habe dich gezeugt; so bleibst du ewig stets Mein erstes Kind! Die Hand nach mehr ausgestreckt, gibt jedem Kinde einen Tod, der seine Seligkeit verdirbt!
6-414 Damit hast du eine große Aufgabe für den ferneren Weg erhalten, den du mit Mir noch gehen sollst. Denke über alles nach und frage Mich, denn nun hat deine gute Demut dich neben Mich gestellt.“ URs heilige Hände gleiten kosend über Sadhanas Haupt. Nun schreitet sie zur Rechten URs, tief versunken im Bedenken über das Gehörte. Wie sie das erste nützliche Hausglied werden könne, beschäftigt sie am stärksten. Sie lernt das mit zahllosen herrlichsten Lichtgebilden bevölkerte Universum kennen. UR hilft ihr, alle Lichtlast tragen, denn oft schließt sie vor den Wundern ihre Augen. Zuviel dünkt sie es der Gnade, die sie haben darf.
6-415 Da leuchtet von ferne die große, reiche Ataräus auf. Ein gerader Lichtweg führt direkt auf die Spitze von Mahapatra. Sadhana steht daselbst vor UR, und alle gesammelte Demut kommt über sie, daß sie beide Knie beugt. Ob sie in kommender Zeit einen bleibenden nutzbringenden Segen daraus zurückbehält, wird ihre weitere Entwicklung lehren. Sie hat das viel mehr in eigener Hand, als sie es nun ahnt.
6-416 Mit gütigem Lächeln sieht UR auf Sadhana herab. Ob in den ernsten Augen neben aller Freundlichkeit die geheime Trauer sich vermehrte, weiß sie nicht; doch sie nimmt den unmittelbaren Schöpferblick wahr. Bewußt gibt sie sich ‚dem segnenden Vater‘ hin und ist glücklich, mit Ihm auf Mahapatra sein zu dürfen. Er zeigt ihr die Verwaltung des Sonnenbereichs. Dabei gewahrt sie, daß zwei schöne Sternsonnen die Ataräus umkreisen. Wie ein Paar drehen sie sich umeinander und in dieser Bewegung um die Muttersonne. Im weiteren Verlauf zeigen sich noch drei Sternsonnenpaare, die zur Ataräus gehören.
6-417 UR erklärt ihr diese als werkmäßige Offenbarung Seiner heiligen Vierwesenheit, wie die um Mahapatra und ihrem Haus gelagerten sieben Hügel eine Eigenschaftsdarstellung seien. Dadurch soll Sadhana stets an das Heiligtum erinnert werden. Viel Schöpfungseinweisung und ein Großteil des Geheimnisses von der Freiheitsprobe wird ihr aufgetan. Ab und zu läßt UR sie allein, damit sie das Empfangene verarbeiten kann, um selber kraft des freien Willens die Dienstbarkeit und die gerecht gestellten Bedingungen in alles Tun einbeziehen zu lernen.
6-418 Wieder einmal steht sie auf dem ihr liebgewordenen Berg. Sinnend schaut sie den weiten Weg zurück zur Sonne Rajona, wo ihre Kinder unter der Engelsobhut weilen. Berechtigt steigt die Sehnsucht nach den Kindern auf. Da wirft sie sich vor den erhabenen Bergstuhl, den das Werk dem Schöpfer schuf, nieder, und heiß und drängend bittet sie den Vater, Er möge ihr Kinder geben, die sie behalten, selbst belehren und Ihm im Gehorsam zuführen dürfe. Ihre Bitte ist ernst. Das Kommen URs merkt sie nicht eher, als bis Er ganz nahe ist und sie Seinen heiligen Hauch verspürt. Voll Wonne eilt sie Ihm entgegen. Nachdem Er sie gesegnet hat, sagt Er in bekannter Güte:
6-419 „Meine Sadhana, Ich lehrte dich, nur in einem Hause Kinder zu erbitten, sollen diese zu wahrem Leben im heiligen Ordnungs-Willeplan hervorgerufen werden. Du hast das vergessen, denn du dachtest bei der Bitte allein an dich, nicht daran, daß Bitten erst dann begnadete Erfüllung finden, wenn sie sich gerecht auf alle sieben Eigenschaften, somit auf Mein UR-Sein stützen. Auf dieser Basis wird allein jedes Schöpfungswerk zum Schöpfungssegen!
6-420 Die Unendlichkeit ist Mein, und Ich personifiziere sie! Begreifst du das, so magst du fragen, warum Ich Mir ein Heiligtum erbaute und ob in dessen Sichtbarkeit das Unsichtbare wohnen kann. Den noch habe Ich darin Mein Kind-Werk aufgeweckt, habe Mich an jedem Morgen dort zuerst enthüllt. Nun Ich das sage, geht die Kenntnis dessen in dich ein. Ja, Ich schuf das Heiligtum, begebe Mich personhaft in dasselbe, und in der Verbindung zwischen Mir und ihm wurde dir und den Fürsten erst ermöglicht, Mich zu schauen, zu erkennen und zu lieben! Zwar bewirkt das weniger die Form, ein Mittel zum Zweck; doch es ist ein heiliges Schöpfungsmittel, mit dem Ich die aus Mir gezeugten Geschöpfe zu freigeborenen Kindern mache und das Ich deshalb nicht einmal bei Mißbrauch des Freiheitsgesetzes verändern werde.
6-421 Darum kann das Tat-UR-Jahr niemals mehr der Form entbehren, ganz gleich, welcher Substanz sie wäre. Du trägst, wie Ich selber in der Offenbarung, eine geistige Form, wobei die innere die essentielle, die äußere die substantielle ist. Brächte nun der Tag — oft mahnend betont — einen Fallverlauf, so erständen Formen, die allen jetzigen kaum mehr entsprechen. Zumal das Innere, der Charakter und dessen Anwendung würden schlecht erkannt. Es könnten Wesen kommen, die Ich aus purer Liebe ‚Kinder‘ nennen würde, die — geistig weit zurück — euere jetzige substantielle Gestalt Fabeln nennen würden.
6-422 Damit ist gesagt, daß Ich die Form geheiligt habe und ihre Heiligung so lange bleibt, solange das an sie gebundene Kind darin eine ihm gestellte Aufgabe erkennt. Die Form wahren ist etwas Heiliges, Mein Kind. Dem ein ‚Wehe‘, der mit ihr bloßes Spiel betreibt! Ich selbst halte Mich an die gegebene Form, zwar stets euretwegen, weil ihr ohne Formenschau Mich ewig nicht begreifen würdet. In Meiner Anschauung liegt die höchstoffenbarte Form! Darum habe Ich als die unendliche UR-Ewigkeit, als die ‚ohne Form euch nie faßbare UR-Person‘ euch Erste zum Leben in Meinem Heiligtum erweckt, wo Ich Mich zuerst euch offenbarte. Die Erweckung von Kindern und eine Erstoffenbarung an sie in anderen, von Mir aber vorgesehenen und daher auch geheiligten Häusern gilt genauso, wie wenn es in Meinem Haus geschieht.
6-423 Auch hier Mein Mittel! Kinder, abhängig von der Grundtendenz des Tat-UR-Jahres, können Mich nur durch die Form erkennen. Ohne diese besitzt keines eine Möglichkeit, Mich wenigstens von ferne wahrzunehmen. Es spielt keine Rolle, daß Ich dein und der Fürsten eigener Schaffer war, die Nachkommenden über euch und weiterhin über sie in geistighoher Fortpflanzung erstehen. Kein einziges Kind könnte leben, wäre es an die äußerlich existenzlose Unendlichkeit gebunden.
NEUOFFENBARUNG