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Der sechste Schöpfungstag – Da ward aus Abend und Morgen, der sechste Tag

6-724    Die Glocke schlägt die achte Stunde ein. Im Reich herrscht regestes Leben. Alle Sonnenkreise sind geordnet; überall wohnen Engel, die ihre Kindschaft durch Bestehen aller Proben aus dem Freiheitskampf erhalten. Ob sie einst im Fallwerk straucheln, kann sie ernstlich nicht vom Lichte scheiden, weil sie durch Gehorsam Kinder wurden. Nun ruft UR alle nach Licht-Heilig. Die Tempeltüren sind weit aufgetan, die Vorhangteile seitlich angebunden, die Stuhlersten nehmen den inneren Raum, die Scharen den äußeren bis hinaus in die Sphären ein. Hinter dem Herd lagert die weiße Wolke, und in höchster Andacht kniet Schar bei Schar. Ihre Herzen gleichen hellen Leuchtern; und sie beten an. Gott offenbart sich und Sein Wort:

6-725    „Meine Kinder! das Schöpfungsopfer ist durch Sadhanas Widerwillen nicht mehr aufzuhalten. Schon nennt sie sich GOTT, erkennt nicht mehr eine unsichtbare UR-Macht an, geschweige denn die sichtbare in Mir! Bald wird sie sich noch über Mich erheben wollen. Der freie Wille muß ihr bleiben; allein gerade dadurch wird Meine Schöpfermacht und Herrlichkeit den Sieg behalten.

6-726    Die Liebe leidet bitter, denn das Schöpfungskind reißt sich vom UR-Herzen los. Die Liebe muß des einen Kindes Fehl erdulden und ertragen. Ihr Fürsten wißt es, daß Mein Heiligtum den einen Raum besaß, Symbol für einen UR, der euch für jeden Tag eine Seiner sieben Eigenkräfte übergab. Ihr habt in den ersten Tagen treulich jedes Für und Wider ausgewogen, habt auch das freie Willensgesetz als jene Möglichkeit erkannt, durch die Ich Meinen höchsten Schöpferjubel, alle freibewußten Kinder ihre höchste Schöpfungsseligkeit erlangen können. Daher bleibt trotz Sadhanas Abkehr das Freiheitsfundament als Gerechtigkeitsausgleich zugunsten Meiner Kinder gegenüber den Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen bestehen.

6-727    Die unwandelbaren Gesetze bleiben aber souverän. Darum stützten sich die Weisheit und der Ernst auf den Willen und die Ordnung. Die Weisheit schuf den Vorhang, der aus Meinem Tempel ein Allerheiligstes und einen hegenden Vorhof machte. Fällt Sadhana ganz ab, so können zum Allerheiligsten nur die Fürsten, Wächter und Ältesten gelangen, und im Vorhof halten die Befehls-Engel ihren schweren Dienst. Für alle anderen Kinder bin Ich der ‚ÜBERALL‘! Wer sein Herz mit Mir verbindet, bei dem bin Ich mit Meinem Heiligtum.

6-728    Wer Mich als seinen Gott und Vater liebt, wird diese Anordnungen anerkennen. Damit hebt er für sich die Gesetzmäßigkeit derselben auf, setzt an deren Stelle den freien Willensentschluß und wird also die Bedingung zum Bestandteil der großen Schöpfungsseligkeit. So hütet Mir Mein Heiligtum, fällt auch Raum und Zeit des Liebetages unter eine Teilung. Wie der Vorhang Schutz und nicht eigentliche Trennung ist, so soll des Schöpfungstages Trennung keine bleibende sein, sondern dessen Sicherung, ja die Zusicherung der Liebe für jene, die einst die ‚Erlösten‘ heißen werden!

6-729    Wenn einst im abgetrennten Schöpfungsteil ein Vorhang zerreißt (Matt. 27,51) im Augenblick, sobald der Schöpfungssieg errungen ist, dann wird hier der Vorhang nicht mehr sein. Und kein wieder heimgekehrtes oder erlöstes Kind wird draußen (Hebr. 13,12) vor den Toren, knien brauchen. Nein, der Opfersieg öffnet die vier Pforten! Und alle können Mich dann wieder schauen als Schöpfer, Priester, Gott und Vater, als Erlöser, als Ewig-Heiliger UR, als Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, der sich in höchster Herrlichkeit des Lichts und Lebens offenbart!

6-730    Durch Mein Opfer wie durch ungezählte Mitopfer aller Lichtkinder wird das verlorene Erbgut heimgebracht; und ihr werdet in Mir den Sohn der Liebe sehen, in Ihm aber Mich, den UR-Vater, der alles in allem ist! Bleibt dieses Wortes eingedenk und seid getrost. Der Liebesohn wird euch um eurer Treue willen auch vor dem Opfer helfen!

Denn der Kinder Treue belohnt der SOHN mit seiner Liebe!

6-731    Nun bringet eure Bitten vor; noch ist Zeit, sie vor dem Heiligen Herd auszusprechen, was späterhin seltener geschieht. Doch die gesegneten Herzen sind Mir ein eigener Herd! Hört aber noch Mein offenes Gnadenwort.“ Alle Kinder treten vor, zumeist in Gruppen; alle aber mit der einen Bitte: „O UR, hilf dem Werk als Schöpfer und Priester, hilf Deinem Kind als Gott und Vater! Erhalte uns in Deiner Liebe, im Lichte Deiner wunderbaren Herrlichkeit!“

6-732    Das ist eine Bitte, die sich nicht im einzelnen verliert, daher im Gefolge einen Schöpfungssegen hat, unvorstellbar in seiner das All umschließenden Einmaligkeit! Er hüllt alle Kinder ein, auch die fallenden. Die vom Lichte schöpfen daraus unerhörte Kräfte, heilige Reichtümer, die Wege wandeln helfen, nicht vom ersten Fundament gefordert, doch durch beide Fundamente hoch gesegnet. Die Reinen ziehen ihre Bahn, und UR als Vater wohnt unter ihnen in Seinem Wort. Ab und zu sehen sie Ihn, auch und Seine Offenbarung stärkt und tröstet sie. Die Stuhlersten erfüllen ihr schweres Werk. —

6-733    Sadhana rüstet sich. Noch spüren ihre Scharen nicht die Macht, die sie beherrscht, denn die Freiheit werkgerechter Kinder ist ihnen unbekannt. Sie führen die Befehle aus, wobei auch Kämpfe um die Vorherrschaft entbrennen. Doch Sadhana hat sie in ihrer Hand und wählt positive Führende aus. Einmal will sie sich Mahapatra nahen, doch eine gewaltige Ausstrahlung wirft sie zurück. Furchtsam verbirgt sie sich, betäubt aber durch weitere Willkür ihre Angst und nimmt sich vor, als ‚positiver Widerstrahl‘ den Berg zu bezwingen.

6-734    Bei einer Beratung sagen die ihr völlig hörigen Reichsältesten, daß sie unter Sadhanas Führung den ‚zweiten Gott‘, wie sie UR jetzt nennen, aufsuchen und den Kampf mit Ihm aufnehmen wollen. So würde Sadhana das Positiv erreichen. Der Rat gefällt. Sie zieht mit allen Scharen einen Sonderweg durch die Sphären, ahnungslos, daß ihr derselbe zugeschnitten ist. Niemand begegnet ihr, und sie wähnt die himmlischen Gefilde leer. Noch ist ihr Pfad vom Licht umrahmt, denn die achte Stunde mit der Hauptprobe ist noch nicht vorüber. Es gibt noch ein Zurück!

6-735    Sadhana dringt bis zur Mauer von Licht-Heilig vor und stößt dort unvermutet auf die riesig große, weiße Wolke, die die Mauer ganz verdeckt. Plötzlich blitzt ein Licht aus ihr hervor, drängt Sadhana und die Geschaffenen weit zurück und wird zum wundersamen Jüngling, Jenem, dem Sadhana einst begegnete und sehr ins Herz geschlossen hatte. Wäre UR vor sie hingetreten, sie wäre weniger betroffen als vom Anblick dessen, der sich ihr nun offenbart. Der Jüngling sagt:

6-736    „Sadhana, du bist ausgezogen, um eine Macht an dich zu reißen, die dir nicht gehört, um die urewige Ordnung aufzuheben und den Tag der Liebe ungültig zu machen. Noch erinnerst du dich dessen, was Ich dir im heiligen Hain verkündete, noch ist ernstlich nichts verloren. Du mühtest dich, das zuzudecken; doch Mein Antlitz hat die Decke weggezogen. Du weißt jetzt auch die ganze Offenbarung! —

6-737    Am vierten Schöpfungsmorgen geschah durch Muriel eine solch gerechte Anbetung, daß die dir wohlbekannten sieben Fackeln am Heiligen Stuhl entstanden. Damals fragtest du, wie möglich durch die Preisanbetung diese Feuermale werden konnten; und in guter Demut fragtest du auch UR, den Ewig-Einzigen, warum für dich keine Fackel mitentstanden sei; denn deine Preisung war genausogut wie die der Fürsten.

6-738    Das war ein Stück von jener Demut, die das Tat-UR-Jahr zur Vollendung braucht. Sie ging zuerst aus UR hervor. Er selbst hatte sie am ersten Morgen des viermal heiligen Jahres als Seine ‚Heilsgabe‘ auf den Herd gelegt, nach dem Er sie in der nie zu enthüllenden Nacht, die das viergeteilte Werk beschloß, als sichtbares Zeichen unlöslicher Verbundenheit zwischen sich und allen kommenden Geschöpfen aus seinem Quell der Mitternacht herausgehoben hatte.

6-739    Es war Seine einmalige Demutsgabe an das Werk, das Er zu einem Kind-Werk machte. Durch sie stellte Er das UR-Ich zurück, daß aus Geschöpfen Kinder würden, die trotz Seiner Heiligkeit schrankenlos mit Ihm verkehren sollten. Noch kannst du diese Gabe nicht erahnen. Nun beschwörst du eine Zeit herauf, in der jenes unerhörte UR-Opfer auszubreiten ist und dem das Schöpfungsopfer folgt, wendest du dich nicht freiwillig jetzt zu deiner damaligen Demut um, die als Nachbildung der UR-Demut im Sinne deiner Erwählung allen Kindern zum Vorbild dienen durfte. Sieh, legst du jetzt auf den Heiligen Herd neben das grundheilige UR-Opfer das Kind-Demutsopfer hin, wahrlich, wahrlich, Ich hebe dich zu UR empor, wodurch alle Kinder augenblicklich auch emporgehoben werden, ohne daß dabei die UR-Macht ein anderer tragen wird als UR allein!

6-740    Muriel deutete das Bild, zeigte auf die Flamme des silbernen Tellers und nannte sie deine Fackel. Damit hatten die Fürsten — wohl einst unbewußt — ihre Demutsgabe dargebracht. Sie betrachteten die Fackeln aus dem Herdfeuer, aus UR und aus dir genommen; und jene Morgenstunde am Ernst-Tag einigte UR, dich und die Fürstenträger zu einer sich vollständig ausgleichenden Schöpfungsgabe, nämlich der Demut, durch die des Tat-UR-Jahres Ziel gesichert ward.

6-741    Der Ernst verwies dich aber auf die weitere Erkenntnis, die zum Bestand der Demut führte und daß nicht du die Herdflamme wärest, die stets der UR Bestandteil ihres Schöpfers bliebe. Er nannte dich und die Fürsten das heilige Symbol des Feuers, UR jedoch das Feuer selbst und das aus Ihm sich offenbarende Licht. URs Demutsgabe nannte er mit Recht den Mantel, mit welchem Er die Heiligkeit verhülle, um sich seinen Kindern ganz personhaft darzutun.

6-742    Damit hat er eine hohe Wahrheit kundgetan. Jedes Leben, Sadhana, deines wie auch das der anderen Geschöpfe, geht allein vom UR-Leben aus, die Form aus der UR-Form, das Äußere aus der Innerwesenheit des Schöpfers, der sich durch die Demutsgabe eine äußere Gestalt verlieh, als eine UR-Anschauung für die Kinder.

6-743    Das geschah zu eurer Freude, UR zur Ehre, dem Werk zum Zeichen Seiner Macht und Majestät. Du kannst Ihm ja die Ehre weigern; aber als Geschöpf bist du Sein Ruhm, denn Seine Werke ehren Ihn! Dieses Unbedingte ist nicht aufzuheben. Du kannst dich nie zerstören, kannst nur von einem Leben in das andere stürzen, Leben wirst du immer! UR ist der Ewig-Lebendige, und was ER schafft, ist in Ewigkeit lebendig. Darin offenbaren sich schon Ehre, Preis, Ruhm und Anbetung, was das Werk dem Schöpfer zollt! —

6-744    Du kannst deine Schar zum Kampf verleiten, aber trotzdem ist ihr Leben Ruhm und Dank an UR! Freilich, so ein Dank wird keinem Kinde gutgebracht, da er nicht freiwillig kommt. Der Lebensdank gilt ihrem Schöpfer! Was einst daraus ersteht, hält noch der Mitternachtsquell bedeckt. Der freie Dank gilt dem Priester-, Gott- und Vaterteil; und Weisheit, Ernst, Geduld, Liebe und Barmherzigkeit vereinigen denselben mit dem geschöpflichen Lebensdank, aus welcher Vereinigung Wille und Ordnung wieder neue Werke wirken.

6-745    Der Ernst-Träger sagte dir noch weiterhin, daß die sieben Fackeln vergingen und niemand, auch nicht du, lebendig bliebest, wenn die Schöpferhand sich auslöschend auf die Herdflamme legt. Aber sie ist in sich selbst URs Heiligkeit, und Er allein entscheidet über einen Fortbestand oder eine Tilgung des Herdfeuers und der Fackeln.

6-746    Dich gelüstet nach dem Feuer, um es auf dem Heiligen Herd zu löschen und es als eigenen Besitz in einen Raum, in eine Zeit zu tragen, die du nicht kennst, weil sie noch nicht bestehen. Würde UR dir deines Trotzes wegen einen Raum- und Zeitteil (spätere Materie) überlassen, so wisse, Sadhana: Nie wäre dort das heilige Feuer zu verwahren, weil es daselbst keinen UR-Quell gäbe! Umsonst ist also dein Begehr; denn wider dich selber steht dein Trotz!

6-747    Deine Herausforderung bringt dir den Verlust des Lichtes und der Seligkeit. Das sagt dir nun der Liebesohn! Und verbleibst du auf dem falschen Weg, so wirst du einst MIR gegenüberstehen müssen, und all dein Trotz wird dir dann keine Hilfe sein; er macht dich bitterarm! Ja, die Schöpfungsarmut wirst du ernten!

6-748    Muriel mahnte dich, im Herdfeuer deine Flamme zu erkennen, wodurch du UR in dir hättest wie kein anderes Kind. Soll dieser Hinweis nutzlos sein? Und was sprach UR? Er nannte dich der UR-Schöpfung Kind, ihr Licht, ihre Flamme, ihren Schein! Er sagte auch, daß die Zeit und Stunde käme, wo du aus dir selber die Beweise anzutreten hättest, daß das Wort an dir zur Wahrheit wird.

6-749    Sadhana, die Stunde ist gekommen! Noch ist zu erreichen, was dem Freiheitsgesetz überlassen ward; noch stehst du auf der Grenze, von wo aus mit kleiner Mühe die gewollte Trennung aufzuheben ist. Noch soll sie keine Schöpfungsschranke sein. Stellst du sie aber auf, dann wird es dir einst bitter fallen, diese wieder einzureißen, um auf ihren Trümmern einen Heimweg aufzubauen!

6-750    Die Heiligkeit läßt dich mit schwerem Ernste wissen: Der heilige Opferträger reißt die Schranke einst nicht ein, nicht für dich, sondern für jene, die aus Treue URs Mitopferträger werden. Für diese fällt sie augenblicks, sobald das Opfer seinen Sieg errungen hat. Für dich ist jenes Werkzeug herzustellen, mit dem du selbst die aus Eigensinn errichtete Barriere zerschlägst.

6-751    Wohl mag die Liebe es erreichen, daß dir URs zugedeckte Heiligkeit das Werkzeug gütigst in die Hände legt, vielleicht in arme Hände, Sadhana, die sich langsam öffnen. Das Händeöffnen würde aber eben ungleich leichter vor sich gehen, weil es jetzt nur eine kleine Reue wäre, die einen kleinen Demutsakt erfordert. Die Fürsten, willst du diese Demut UR beweisen, trügen dich frei und königlich ins Heiligtum. Doch deine einstigen Lasten könnten bloß noch mit der Demutsgabe URs vergleichbar sein.

6-752    UR opferte Seine Herrlichkeit, den Titanenjubel, den schon einmal Seine Brust durchlohte, als Werke fertig vor Ihm standen, die du nie erblicken wirst! Aus diesem FERTIG schuf Er Kindgeschöpfe, Ihm zum Ebenbild gemacht. Und ER sieht es, was du opferst, stellst du nun dein Ich zurück. Einst bliebe es dem Opfersohne und der Ausgleichung der Fundamente überlassen, ob eine nachmalige Reue im jetzigen Licht bestehen kann. UR fragte dich, ob du für dein Werk IHN eintauschen willst. Sieben deiner Wesen sind als Kinder anzusehen, alle anderen sind Geschaffene. Wie könnten sie geheiligt sein?

6-753    Du hast dich schon am Ewig-Heiligen UR versündigt! Zwar weißt du nicht, weil ja vom Lichte abgewendet, was das bedeutet; aber fühlen kannst du es. Die Ersten sehen schon den bösen Brand, der Opfer und Mitopferschaft verlangt; sie wissen um die rote Lohe.

6-754    Wer sich wider die heilige Herdflamme erhebt, dem wird sie ein Brand, der den freien Lebenswillen ganz verzehrt, auch das letzte Fünkchen, bis das Kind zur Schöpfungsdemütigung gelangt. Erst dann, wenn es sich gedemütigt und sich der aufgebrachten Schöpfungsschuld unbedingt ergeben hat, wird der Brand zur heilig-heilenden Flamme werden. Durch sie, vom Opfer her erlöst, kann das hingestürzte Kind aus Schöpfergnade wieder hochgehoben werden.

6-755    Das, Sadhana, wird dein Weg, nimmst du jetzt nicht diese Wahrheit an. Gib dem Gefühl, das dich beherrscht, die Oberhand. Ich, der Liebesohn, dem du dich bei der ersten Schau ungeteilt ergabst, frage dich: Muß das kommen, nur weil du es nicht über dich gewinnst, den kleinen Reueschritt zu machen, der dich aber sofort an URs Seite stellt, der euer aller Schöpfer, Priester, Gott und Vater ist?! Muß der Liebesohn das längst gebrachte UR-Opfer als Sühneopfer auf den Schöpfungstagesaltar legen? Für dich? —

6-756    Muß der Erhabene die dir völlig unfaßbare Heiligkeit bedecken, so, als ob Er vor den Kindern stünde ohne Mantel, ohne Kleid‘?! Wenn auch für einen Schöpfungsaugenblick, dennoch aber so, als ob entkleidet Seiner Herrlichkeit und Majestät?! Nimmst du das bewußt auf dich, Sadhana, ohne in der tiefsten Tiefe deines Herzens zu erzittern ob der Folgen, die du dadurch auf dich lädst?!

6-757    Willst du im Anblick dessen, was das UR-Jahr zugerüstet hat, das Muß solchen Opfers und Antastung der Heiligkeit übernehmen, um an dich zu reißen, was im Augenblicke des Besitzes alles andere ist, aber keine Schöpfermacht!? Ich habe dich auf alles hingewiesen, um dich zurückzuleiten, dorthin, erhebe deine Augen . . .“ Der wundersame Jüngling deutet auf die weiße Wolke, in deren Mitte kurze Zeit das Heiligtum zu sehen ist, „. . . und auf deinen Sturz in den Abgrund, in die Sünde, Lossagung, den Brand einer Ewigkeit voll Qual, bis der letzte Funke deines freien Willens ausgetilgt sein wird.

6-758    Alle Tage lebtest du im Frieden, die voll von Erkenntnissen und Freuden waren. Du mißt deren Zeit nicht ab. Der Liebetag, fast zur Hälfte schon vorbei, brachte — außer deiner Überhebung — so viel Schätze, daß du diese Zeit wie besten Wein getrunken hast. Wendest du dich aber ab, so überkommt dich eine Finsternis, die es bisher niemals gab. Die hehren dir unbekannten Nächte sind mit böswillig erweckter Finsternis ewiglich nicht gleichzusetzen, in der dir eine einzige Minute, gerüttelt voll mit deiner Qual, unendlich länger werden wird als ein Schöpfungstag voll Seligkeit.

6-759    Vergeblich wirst du sie ertränken wollen in der Bosheit deines Willens; an der Oberfläche deines armen Daseins kannst du triumphieren, innerlich, Sadhana, brennt das Feuer unaufhörlich weiter. Sieben Stunden dieses Schöpfungstages wirst du tragen müssen, was du selbst dir aufgelastet hast!. Die Sekunden werden Ewigkeiten, deren Bürde dir jetzt unausdenkbar ist. Die fünfzehnte Stunde steht im Zenit, ehe du — vielleicht aus eigener Erkenntnis, geläutert aber einzig durch den Sühnesohn — wieder durch ein Lichttor gehen darfst.

6-760    Wiegt das deine Torheit auf, sein zu wollen, was du niemals werden wirst? Was du dir vorgenommen hast, bleibt ein schattenhaftes Truggebilde, ohne wahre Innerheit. Denn wo ein Äußeres nicht aus dem Inneren ersteht, haben beide keinerlei Bestand, weil dabei Mein ATMA fehlt! Und merke dir: Die Hülle, mit der du dich umgibst, bleibt aus purer Gnade so lang Hülle, als sie dem Erlösungswerke dienlich ist. Länger nicht! Plötzlich wird sie platzen! Und nichts, Sadhana, hältst du dann in deinen leeren Händen, im kranken, ausgebrannten Herzen! —

6-761    Willst du Licht, Liebe, UR an dir verraten, die Grundlebensstrahlen von dir weisen, die in dir den wunderbarsten Spannungsbogen bilden, der — allerdings auch ohne dich — das Tat-UR-Jahr zur höchsten Blüte bringt?! Ist dieses Himmelsgut ein Tand, den man achtlos von sich wirft? Glaubst du, daß UR solche Ruchlosigkeit im Tat-Jahr tatenlos betrachtet? daß Seine Taten keine Runen in dir hinterlassen?! So sieht die Wahrheit aus, Sadhana, gegen die du völlig machtlos bist. Denn auf deinem Weg kommst du zu keinem Ziel!

6-762    Noch ruft die Liebe, ja, sie bittet: Komm! Des Vaters Gnadenarme sind geöffnet! Mein Herz“, der Jüngling deutet auf sich selbst, „ist bereit, dich dem Vater in den Schoß zu legen. Die Demütigung des Selbergehens kann dir jetzt der Liebesohn ersparen, obwohl du im frevlen Übermut nach jener hocherhabenen Schöpferfrucht verlangst, die keinem Kinde werden kann. Komm, Sadhana, Ich trage dich zu UR!“

6-763    Kann von feierlicher Stille im besonderen gesprochen werden, wie sie noch nie erfunden ward, dann hier. Oft herrschte sie, geschahen große Dinge; und auch da gab es Steigerungen. Alle bisher erlebte Stille ist jedoch ein Nichts gegen das, was sich über alles Licht, über die aufkeimende Finsternis, über Raum und Zeit wie ein Stillstand heilig und lähmend ergießt. Seine Last nimmt zu, je länger das Schweigen dauert. Die Fürsten, den Jüngling umgebend wie die Fackeln URs Stuhl, wissen, daß keine Zeit zum Reden ist. Alles ist gesagt, was gesagt werden durfte und mußte, um ein Kind auf seinen Platz zurückzuleiten, ohne das freie Willensgesetz zu fesseln. —

6-764    Sadhana schweigt. Kann sie auch anders? Muß nicht des Jünglings Ruf ihr Herz zutiefst erschüttern? O ja, gewißlich nicht nur jenen Teil, der sich trotzig abgekehrt, um statt ihrer Kraft URs Macht zu erlangen. In ihr erhebt sich ein gewaltiger Streit. Der stets UR verhaftete Geistteil, bald von den gütigen, ein dringlichen Worten des Liebesohnes eingefangen, versucht mit seiner vollen freien Fähigkeit, das Schöpfungskind noch einmal umzuwenden.

6-765    Sähe es jetzt einmal in die Liebeaugen, so käme schon ein freies ‚Es ist vollbracht‘ zustande. Das opferreiche, durch heiliges Blut besiegelte ‚Es ist vollbracht‘ könnte ungeschehen bleiben. Sadhana sieht zwar zum Jüngling NUR-LIEBE hin, wie sie in UR ihr höchstes Maß besitzt, das Machtmaß heiliger Vierwesenheit und der hehren Siebenfältigkeit! Das Maß untrennbarer Einheit, Alleinigkeit, des Ewig-Einzigen UR!!

6-766    Sie sucht aber nicht die Jünglingsaugen. Kann, will oder darf sie nicht, weil sie machtgelüstig war? Noch ist‘s Geheimnis, das die Fürsten ahnen. O, sie kann und darf. Daß sie nicht will, liegt daran, weil sie kann und darf auf die Seite ihres Trotzes, das Will auf die Seite ihres freien Geistes stellt, doch ihre Scharen keineswegs dabei vergißt. Wiederholt versucht sie es, allmählich in die heiligen Augen einzutauchen. Sie sagt sich selbst:

6-767    ‚Nichts hindert mich daran. Ich müßte sehen, was aufzugeben oder einzutauschen sei. Gebe ich mich jetzt der Macht der Jünglingsaugen preis, dann bleibe ich von ihr in Ewigkeit gefangen.‘ Sie wendet sich, geht mitten durch die Dunkel Harrenden und bleibt hinter der letzten Reihe stehen. Aus der Ferne versucht sie es, die Augen zu ertragen. Aber sieh: ganz nahe sind sie hergerückt; für diese Augen gibt es keine Ferne! (Jer. 23,23) Ohnmächtige Wut ballt sich in ihr zusammen, und sie geht wieder bis zum Jüngling vor.

6-768    „Ich weiß“, sagt sie, und weiß nicht, wie weit sie abgewichen ist, „Du bist etwas Besonderes. Noch hast Du Dich nicht offenbart, außer, daß wenige Kinder eines UR Dich sahen. Auch Du trägst einen Mantel, der Deinen Reichtum oder . . . Deine Armut deckt. Etwa bist Du sogar UR, der sich solcher Art bedienen muß, damit Seine Kinder um so williger an Ihn glauben. Ah, es gibt stets zwei Kräfte, von denen eine mir gehört und die ich selber bin. Ich fragte mich bisher vergeblich, wieso sich UR, die andere Kraft, in verschiedenen Wesenheiten offenbaren konnte. Deine Augen, die auch hinter meiner Schar mir nahe waren, haben das Geheimnis mir gezeigt.

6-769    Der sich seit kurzem VATER nennt, was Seiner Lehre widerspricht, da erst der nächste Schöpfungstag den Vater brächte, hat sich beide Kräfte angeeignet und sie zu den Fundamenten, zu dem getrennten Positiv und Negativ gemacht. So entstanden zwei sich widerstrebende Pole. Durch die Absurdität von unwandelbaren und wandelbaren Gesetzen können keine Werke zur Vollkommenheit gelangen. Vorbehaltene Bedingungen lassen sich mit Willensfreiheit nie in Einklang bringen!

6-770    Daß ich nicht lache! Die Wahrheit wurde allen vorenthalten. Nun reiße ich den geheimnisvollen Schleier der Vielfältigkeit eines UR hinweg und will sagen, wie es ist. Beide Kräfte waren von Anfang an getrennt und sollten niemals ausgeglichen sein. Sie konnten sich im freien Kampfe messen, bis sich erwies, welche Kraft die ursächliche war. Ha, es ist noch nicht zu spät! Rechtzeitig kam mir das bewußte Sein, um ein gewichtiges Wort für die Schöpfung einzuwerfen, damit die Entscheidung bald und gut geschieht.

6-771    O schöner Jüngling, den ich eigentlich ins Herz geschlossen habe und oben drein bedauere, daß Du kein Kraft-Ich bist, sondern eine Augenblicksgestalt, höre mich an, auch wenn Du als Beauftragter URs oder gar um eines Dich persönlich angehenden Umstandes willen als verkappter UR selber vor mir stehst:

6-772    Zwei Kraftfundamente stellen erstens die Bedingungen dar, durch die sich alles unwandelbar zu erfüllen hatte, zweitens den freien Willen, der das Wandelbare bietet. Welches Fundament je einer Kraft entsprach lag daran, welches Kraftgeschöpf sich eines der Fundamente nutzbar machte. Das Kraftgeschöpf UR, zuerst erwacht, hat sich klüglich das Bedingungsfundament erkoren. Daher war Ihm möglich, obwohl ungerecht, sich auch das Fundament des freien Willens anzueignen, um das Werk aus beiden Kräften zu beherrschen.

6-773    Weil Er aber wußte, daß keine Angleichung oder gar Verschmelzung möglich war — der UR-Anfang schuf sie getrennt —‚ gab Er die zweite Kraft samt Fundament als sogenannte Schöpfergnade den Nacherwachten, teilte sie aber unter ihnen auf, damit keine zweite Machtperson erstand, mit der Er sich hätte auseinandersetzen müssen.

6-774    Die eingetretene Entscheidung beweist es nun, daß die Fundamente unvereinbar bleiben. Hat die erste Machtperson sich die Bedingungen errafft, so ist folgerichtig, daß in mir die zweite Kraft vollwahr zu Hause ist, der vollste, freie Wille, das wandelbare UR-Gesetz! In diesem aber ruht allein die Macht zur freien Tat!

6-775    Ist mit Gesetzen, die sich weder biegen noch verändern lassen, obendrein durch Stützung auf Bedingungen verhärtet werden, etwas zu beginnen? Ich wußte nichts! Der freie Wille aber, dessen Grund die Wandelbarkeit allmählich sich entwickelnder, aufbauender Gesetze ist, läßt ein aus starrer Form hervorgegangenes Schöpfungswerk zu höchstherrlicher Blüte und Frucht gedeihen.

6-776    Die zweite Kraft wird die erste starre Kraft besiegen! Höret ihr Geschaffenen, ihr Ersten, die ihr bekundet, unter mir zu stehen, eure Fackeln an meinem Feuer angebrannt zu haben: Ja, es gab einen Allmachts-UR, dessen unwandelbare Normen erstarrte Dinge schufen, die als nicht erhaltungsfähig sich erwiesen! Er mußte die zweite aufblühende, in Zukunft allein herrschende Kraft anerkennen.

6-777    Er hat uns dem Worte nach erschaffen, wie Er sagte: erst der Gedanke, dann das Wort! Der Versuch, Sein ausgedientes, unwandelbares Gesetz mit dem wandelbaren auszutauschen, gelingt Ihm nicht! Die Fundamente sind abzulösen und nicht auszugleichen. Da versuchte Er durch Freiheitsraub die zweite Kraft sich anzueignen, um durch sie das sogenannte UR-Dasein sich zu erhalten.

6-778    Das Werk entwickelt sich! Die unwandelbare Bedingungskraft ist am Ende angelangt! Beweis: URs Verbergen in der Wolke! Die zweite Kraft steigt ins Regiment. Nicht ich, die abhängige Sadhana, durch irgendeine Gnade Erhobene, nein, ich als Schöpfungswillenskraft trete meine Herrschaft an! Ihr Fürsten müßt es jetzt bezeugen, daß UR, der die erste Kraft gewesen ist, im nunmehrigen Tat-UR-Jahr die zweite Kraft, den freien Willen, zum Fundament erhob.

6-779    Ich nehme sonach das in Anspruch, was UR selbst als Wirklichkeit bewies. Das Recht liegt ganz bei mir! Ich bin die zweite Kraft, die zur ersten wurde, das Fundament des Tat-UR-Jahres. Höret es, ihr Nachgeschaffenen: Frei seid ihr, frei und wandelfähig! Nicht mehr untersteht ihr dem erstarrten Fundament, sondern es erscheint für euch das höchste Ziel, das da lautet: Vollendung des Tat-UR-Jahres durch euch! Das bedenket, wenn ihr euch entscheiden wollt!“ —

6-780    Hart lastet es auf Raum und Zeit. Die Last ist eines Widersachers Wort, das nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen ist. Ob die Engelsfürsten das Gesagte mit URs Tatsachen in Einklang bringen werden? Leichter wäre es, URs LIEBE gäbe eine Antwort. Kann diese aber hier alleinig rechten? Sie will allerdings das arme Kind vor dem bewußt gewollten Schritt des Widersachertums bewahren.

6-781    Nicht umsonst bot der Jüngling gern sein Herz dafür. Er sieht die sieben Fürsten an, von denen jeder weiß, was zu geschehen hat. Doch der Weisheitsträger hat das Wort. Hell leuchten seine Augen auf, die wie Sonnenstrahlen Raum und Zeit durchdringen. Die Weisheit stellt URs Wahrheit und des Widersachers Rede gegenüber. Zuriel, neben dem Jüngling stehend, spricht:

6-782    „Sadhana, du sprachst größere Wahrheit aus, als in dir lag. Etwas Urgöttliches, das aber nicht aus deinem Wissen kam, sondern aus der Siebenfältigkeit, die UR in dir verkörpert hat. Du willst das Freiheitsgesetz, die Wandelbarkeit, die sich nach jeder Seite ohne Ordnung wenden ließe? Das sollst du haben, wenn du durchaus willst. Der Ordnungs-Willeplan bleibt trotzdem unberührt im UR-Prinzip bestehen! Dafür hast du selbst das beste Zeugnis abgelegt.

6-783    Wie kam es denn, daß du solches offenbaren konntest, obwohl dir die Erkenntnis dazu fehlt, es auch nicht in deinem Willen lag? Wie möglich konntest du uns von der hehren Schöpferordnung überzeugen, da du die Ordnung umzustoßen suchst? Du staunst und meinst, ich drehe dir die Worte um. O nein, ich will dir Punkt für Punkt genau erklären. Dazu kann sich jeder äußern. Doch es kommt wohl nur ein ‚Für‘ heraus, für deine Rede und was ich hinzuzufügen habe.

6-784    Dein Wissen sei hervorgehoben, daß der wundersame Jüngling ein Besonderer ist. O, ER konnte dir das Wissen geben. Im heiligen Hain erklärte Er das Besondere: URs Liebe zur Person gestaltet! War es nichts Besonderes, daß die Freiheit den Bedingungen gleichzusetzen war? Du und wir Sieben ahnten, daß der Jüngling Opferträger wurde, brächte uns die Schöpfungsfreiheitsprobe einen Fall.

6-785    Nun ist es uns bewußt geworden, ebenso, daß du zur Urheberin des Schöpfungsopfers wirst, wenn du auf deinem Abweg bleibst. Dieses Wissen hinderte dich, den gütevollen Augen zu begegnen. Und noch mehr: Das wissende Erkennen, im Jüngling UR zu sehen, UR als LIEBE, als jenen Gott-Herzteil, der sich den sechsten Werktag auserkoren hat, trieb dich hinter deine Scharen.

6-786    Du hast recht: am, nicht im Anfang (1. Mo. 1,1; Joh. 1,1) gab es zwei Kräfte, wenn du die gewaltigen UR-Quellteile, das Innere, Geistig-Essentielle, und das Äußere, Geistig-Substantielle, so nennen willst. Schon am für uns ersten Ordnungstag erhielten wir davon, ein gutes Licht; allein, UR war in sich selber eine Kraft, richtiger: die Macht. Denn Macht und Kraft bildeten nichts Gegensätzliches in Ihm.

6-787    Sie entströmten Seinem Quell, wie da Seine Sonne Licht und Wärme sendet. Du würdest dich vergeblich mühen, sie zu trennen. Nur die aus Quell und Sonne kommenden Vielfältigkeiten sind zu sehen und wahrzunehmen. Um bei deinem Wortbegriff zu bleiben, sind also beide Quellteile nicht zu verwechseln mit dem allheiligen UR-Strom, mit dem einzigen UR, der nur der Kinder wegen die vier Wesensströme, die Vierwesenheit sich schuf und darin offenbarte.

6-788    Daß du eine, nennen wir sie ‚zweite Kraft‘ verkörpern sollst, ist uns Fürsten absolut nicht neu. UR nannte dich einst Seinen großen Widerhall, das Negativ, den Spiegel Seines Inneren. Wo wäre also hier ein Widerspruch? Du erkennst ja vor der Schöpfung das längst Enthüllte als eine sich nun beweisende Wahrheit an.

6-789    Daß UR, auch in der Vierwesenheit, ewig ist, wurde uns bereits am Ordnungstag gekündet. UR hat nicht nach unwandelbaren Gesetzen das Vatertum auf den siebenten Tag zurückgestellt; es geschah im Rahmen der Entwicklung, der wandelbaren Gesetze, des freien Willens, der — wie du richtig sagtest — mit dem Tat-UR-Jahr begonnen hat. Allmählich Offenbartes haben wir als für uns dienlich anerkannt. Damit hast du fernerhin bestätigt, daß die Fundamentsträger, unwandelbar und wandelbar, die UR vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen und der freie Wille der Kindgeschöpfe auszugleichen, obendrein in höchster Fülle restlos zu vereinigen sind.

6-790    Unwandelbar, wegen heiliger Erfüllung, war die Art der Gestaltung dieser Zeitschöpfung, das Tat-UR-Jahr aus einem UR-Zyklus; wandelbar aber ist gewesen, daß wir sie erkennen und dadurch mit erfüllbar machen konnten. Denn wir haben entschieden, daß der freie Wille als Gesetz in das Tat-Jahr einzugliedern sei. Also bringst nicht du uns Nachgeschaffenen, wie du uns billig nennst, den freien Willen. Nein — aus URs zweitem, dem geistig-substantiellen Werkteil dienenden Kraftstrom ging er hervor, und wir haben ihn uns schaffen dürfen, wie UR ihn frei in unsre Hände gab.

6-791    In einem hast du dich geirrt, Sadhana: Wir sind nicht die zweite Kraft, wir besitzen sie! Wären wir sie, wo bliebe unser bewußtes Leben? Denn Kraft in sich ist zwar lebendig, weil sie das zweite UR-Element, das Wasser ist. Ah, Wasser belebt alles, ist aber keine lebensbewußte Substanz. Wer will die Persönlichkeit mit einer Kraft vertauschen? Sadhana, das vermögen wir nicht; doch wenn wir es auch könnten, o sieh, wir wollen nicht! Wir wollen unser Eigenleben ganz behalten und in ihm URs Kraftträger sein!

6-792    Richtigerweise ist, daß UR uns beide Kräfte zugeleitet hat. Und wie wir Leben und Kraft vereinigen, so sind auch beide Fundamente zu verschmelzen. Daß wir uns das Leben weder gaben noch nehmen können, bestätigt eine grundlegende Bedingung. Die Kraft aber können wir selbständig entfalten, mit ihr unser Leben sogar frei umwandeln, wie der Jüngling sprach. Das beruht auf wandelbarem Gesetz. Auch hierzu gabst du selbst das schönste, wahrste Beispiel an. Höre:

6-793    Deine Scharen sind aus dir gekommen. Nun probiere es an einem Kind, sein Leben auszulöschen, durch deine Kraft im wandelbaren Gesetz!“ Gebieterisch hebt Zuriel die Rechte auf. Dann stellt er sanft ein kleines Kind vor Sadhana hin. Doch es wehrt sich heftig: „Warum ich? O nein, ich will mein Leben haben; ich weiß ja nicht, was dann mit mir geschieht!“

6-794    Sadhana erschrickt. Soll das eine Probe werden? Sie muß es darauf ankommen lassen, darum sagt sie zum Kind, es würde sein Leben nicht verlieren. Doch weder dieses noch ein anderes Kind will mit sich experimentieren lassen. Sadhana muß ihre Schar beruhigen und sagt, daß jedes Kind seinen freien Willen hätte. „Richtig“, fällt Zuriel rasch ein, „hier gilt der eigene Wille! Bringst du also mit pur deinem Willen jemals deine Kraft in Anwendung? Auch deine Kinder haben ihr unbedingtes Leben; doch ihre Kraft aus dem Leben sträubt sich gegen die Vernichtung. Du siehst, sogar in deinen Geschaffenen — wenngleich armselig und klein — herrschen Leben und Kraft in einem, das Unbedingte und Bedingte, das Unwandelbare und Wandelbare.

6-795    Deine durchaus tiefe Erläuterung sagt ferner, daß UR tatsächlich beide Kraftströmungen trennte, weil sie sich voll entfalten könnten. Jedoch da sie in UR vor allen Schaffungen eine Einheit waren, lag ihrer nachmaligen Trennung nichts anderes zu Grunde, als die Kinder einer höchstmöglichen Vollendung zuzuführen. Das machte eben diese Trennung möglich, weil durch die Werkgestaltung und der sie belebenden Geschöpfe das innere URs eine Äußerlichkeit erfuhr. Denn auch die Geschöpfe hätten nicht sichtbar werden können, wenn nicht UR selbst sich ganz zuerst einer Sichtbarwerdung unterwarf.

6-796    Inneres und Äußeres, von UR stets als getrennte Kraftbewußtseinsarten dargestellt, hast du ganz genau erkannt. Diese traten mit Beginn des Tat-UR-Jahres ihre Wechselwirkung an. Da das Innere, als Bedingung und unwandelbares Gesetz anzusprechen, die erste uns erkennbare Kraft gewesen ist, so liegt nichts näher als die Wahrheit, daß UR auf diese erste wirksam gemachte Kraft Seine Werke gründete und sie daher mit Recht zum ersten Fundament erhob.

6-797    Du sagtest, daß vom Uranfang und Urende die Trennung beider Fundamente abhängig waren. Welch große Wahrheit! Ja, der zeitlos Heilige offenbart sich daher stets als UR! Die Werke sind aber zeitbedingt, sie lösen sich einander ab, wobei neue Ziele mit größeren Vollendungen geschaffen werden. Abhängig von jedem Raum-Zeit-Ablauf sind auch die Geschöpfe innerhalb eines UR-Zyklus geworden und nach unerforschlich heiligem Rat darin verbleibend. Unabhängig davon ist ein etwaiges Wiederwerden im Folge-UR-Zyklus.

6-798    Sieh, Sadhana, der jetzige Zyklus, mit der viergeteilten Schöpfung als heiligem Zwischenwerk begonnen, brachte werkbedingte Trennungen, die bis zum Ende des Folge-UR-Jahres bestehenbleiben, ja, bis etwa auch zur Endherrlichkeit des unermeßlich erhabenen Folge-UR-Zyklus! Erst danach erhalten sie ihre Wiedervereinigung, weil sie dann von Bedingung und freiem Willen ihre Aus- und Angleichung gewonnen haben werden. Wir wissen ja, daß UR in seiner Vierwesenheit eine unbedingte Einheit ist und sich darin alle Werke spiegeln.

6-799    Auch wir tragen diese Einheit wechselwirkend von Leben und Kraft in uns, womit erwiesen ist, daß der zweite Kraftteil dem Kind-Werk übergeben ward. Daß derselbe nach deinem sonderbaren Wort unter uns allen aufgeteilt wurde, damit keine zweite Machtperson erstünde, war ein Weisheitsakt, der Gerechtigkeit zur Wirkung hat. Könnte UR alle Kinder zu sich erheben, wenn Er die dem Leben beigegebene Kraft einzig einem zufließen ließ und die andern wären leer ausgegangen?! Du sagtest ja: ‚Frei seid ihr, frei und wandlungsfähig!‘ Kannst du das mit deiner Anmaßung, du wärest diese zweite Kraft, in Einklang bringen? Willst du dich unter uns allen aufteilen? Gelingt dir das?

6-800    O Sadhana, so tief geschaut und doch so töricht! Du kannst entweder dich erheben und die zweite Kraft an dich reißen, was freilich bei Gelingen uns andern allen den freien Willen nähme und das Kind-Werk auflösen würde, oder du bleibst das, zu dem UR in Güte dich erhob: ein Kind wie das Kleine, an dem du deine Probe einer Lebensauflösung vergeblich vorgenommen hast. Dann bleiben die unwandelbaren Gesetze, der erste Fundamentsträger, eine unbedingte Notwendigkeit! So auch erlangen alle Tage die Vollendung in der Tat.

6-801    Nun komme ich zu dem, was du ohne eigene Erkenntnis und daher ohne eigenen Willen sprachst, eine Wahrheit, die im Strahl der UR-Weisheit zu erkennen ist. Du sagtest, die Entscheidungszeit sei angebrochen, weil sich die Fundamentsträger nicht ausgleichen ließen. Gewiß, die große Schöpfungsfreiheitsprobe hast du nicht bestanden und lassen sich daher in dir die zwei Gesetzesfolgen auch nicht vereinigen.

6-802    Gerade darin zeigt sich die ursächliche Kraft: UR oder — du! Nicht aber, ob unwandelbare oder wandelbare Gesetze, die durch sich selber ihre Einung haben. Doch ob du sie mit UR erreichst, mag sich am Ende zeigen. Der Liebe, dem Jüngling, bleibt es überlassen, wann für dich solch Ende naht und ob es mit dem Ende eines Schöpfungstages oder erst eines Jahres verbunden werden muß.

6-803    Unwandelbarkeit wird nicht beliebig umgedreht; es war, ist und bleibt ein festgefügtes Fundament, auf die Bedingungen gegründet, durch sie erhärtet, aber nicht verhärtet, wie du sagst. Wären sie das, nicht könntest du jetzt fordernd, ja herausfordernd vor UR stehen, weil auf ihre Verhärtung ewig sich kein wandelbares Gefüge bauen läßt! Ich will dir diese Wahrheit mehr beleuchten.

6-804    UR schuf sich das Heiligtum; es stand immer festgefügt. Unwandelbar sind seine Fundamente mit allem, was dazu gehört. Wandelbar war indessen vieles, was seine Mauern bergen. Jeder Tag enthüllte neue Zeichen; neu gestaltet wurde auch der einheitliche Innenraum durch einen Vorhang, der seiner Einheit zwei Teile gab. Wäre aber das Gefüge, der heilige Bau, nicht fest gegründet, sage, wie hätte sich das Wandelbare, was täglich vor sich ging, erkennen lassen?

6-805    Das gilt auch unserm Leben, unsrer Kraft. Das Leben selbst bleibt unwandelbar, gleichgültig, wo es sich befindet oder wie es sich zum Ausdruck gibt. Doch in dem Leben, gleich wie im Heiligtum, kann die Kraft, die wandlungsfähig ist und Wandlungen erzeugt, Veränderungen schaffen. Wie wir beide Gesetzesfolgen zum Einklang bringen, also wird die Kraft das Innere unseres Lebens gestalten.

6-806    Ehe UR einen Gedanken zum Lebewesen machte, stellte Er auf Sein unwandelbares Leben das wandlungsfähige Kraftfeld: die Schöpfung! Weil das Nur-Leben die sogenannte ‚starre Form‘ besaß, darum löste Er aus Seinem UR-Willen — die zuerst wirksame Eigenschaft in Seinem UR-Leben — die wandlungsfähige Kraft und ließ sie dominieren. Das geschah vor dem Am-Anfang, in Ihm, nicht außer Ihm, wie auch im Heiligtum die Wandlungen vor sich gingen.

6-807    Gewiß, Unwandelbares allein ließ sich nicht auf die Dauer als Gesetz erhalten, um so weniger, da ja die Werke wandelbar sein mußten, oder sie hätten sich in keiner Weise abgelöst. Wohlgemerkt, Sadhana, nur als Gesetz war dies unmöglich; doch als Unwandelbarkeit selbst blieb die Macht in sich das, was sie urewig war! Anders wären wandelbare Gesetze nie imstande, ein Werk zielbewußt hinauszuführen.

6-808    Wie die wandelbaren Gesetze den unwandelbaren entsprechen, so der freie Wille den Bedingungen. Die Kraft beruht nicht auf dem freien Willen; sie würde sein Zerstörer sein, wäre es an dem. Das Sichtbare findet seine Gestaltung aus dem Unsichtbaren, das Geschöpf aus dem Schöpfer, Raum und Zeit aus der UR-Ewigkeit. Ja, alles geht aus UR hervor, dem Ewig-Heiligen, Ewig-Einzigen und Wahrhaftigen.

6-809    Dein Wort ist wahr, UR habe uns zuerst nach Seinem Gedanken, dann nach Seinem Wort erschaffen. Unser Zyklus ist ja auf Gedanke, Wort, Tat und Folge ausgerichtet, und zwar auf das aus Unwandelbarkeit gehobene wandelbare Gesetz. Daß das erstere bedingungsgemäß und fundamental ausgedient haben soll, widerlegte ich. Unwandelbarkeit braucht nie in ihrer Ganzstruktur zu dienen! Wie möglich hätte sie da also ausgedient?“ Zuriel sieht jetzt sehr weit.

6-810    „Das Tat-Werk setzte ja die Dienstbarkeit erst ein, weil UR durch Freigabe eines Willeteiles an die Kindgeschöpfe unwandelbar dienen wollte, dienen in Geduld, Liebe und Barmherzigkeit. Das Äußere wird aus sich selber auch nicht innerlich, wenn nicht das Innere es durch freie Dienstbarkeit sich wieder einverleibt.

6-811    Gehst du von UR ab, Sadhana, nie — das sagt die Weisheit — ist‘s dir selber möglich, an den Heiligen Herd zurückzukehren! O, ein Schöpfungsopfer kann den Heimweg sichern. Und selbst darin ist dein Weg ein wandelbarer; das Opfer ist unwandelbar. Aber merke es dir gut: es heißt ‚Güte, Gnade, Langmut und Sanftmut, zur einzigen Bedingung vereint: unbedingte Opfererfüllung, wenn der freie Wille von Kindern anerkannt und — mißbraucht werden wird!

6-812    Völlig zu erkennen ist‘s dir erst möglich, wenn du den gezeigten Rückweg gehst. Wie froh wirst du dann sein, daß das Wandelbare sein Urfundament im Unwandelbaren hat! Denn sonst würden wir Fürsten kraft des freien Willens die Bedingung vom heiligen, hochgeliebten Jüngling nehmen und ein wandelbares Gesetz begründen. Wegen deines Frevels solle niemand, am wenigsten UR, ein Notopfer bringen! Wir Träger der Grundlebensstrahlen hätten Kraft genug zur Ausführung. Da aber würde dir niemals ein Rückweg möglich werden, und das Ende des Tat-UR-Jahres wäre auch dein Ende!

6-813    Du hast den Ablauf dieses Jahres in hellstes Licht getaucht, und ich bestätige es dir. Den Unterschied zwischen unseren Darlegungen brauchte ich dir nicht zu zeigen. Selbst deine Geschaffenen ahnen ihn; aber unsere kleinsten Engelskinder sehen diese Wahrheit ein. Die heilige UR-Macht hat nicht abgewirtschaftet. Was sie Unermeßliches erschuf, waren Splitter dessen, was noch vor ihr liegt. Ihre große Tätigkeit hat erst richtig mit dem Tat-Zyklus begonnen, und zwar nicht für sich, für dich, Sadhana, für alle Kinder.

6-814    Das Ruder, das du ergriffen hast, kommt mir eigenartig vor. Deiner Schar bringst du damit das Gegenteil der Freiheit, die du verheißen hast. Unterordnet sie sich der Befehlsgewalt, so ist‘s Nebensache, als was du dann fungierst; denn das kümmerte kein wandelbares, am wenigsten ein unwandelbares Gesetz. Diese gehen zum höchsten Ruhm des Schöpfers ihre Ordnungsbahnen gleich den ungezählten Sonnen; und sie fragen nichts nach einer abgefallenen Sadhana.

6-815    Aber — UR fragt heiligst entbrannt, ob es zukünftig eine liebliche Sadhana gibt oder nicht. Mit Ihm fragen wir Fürsten, mit uns deine gezeugten Kinder und unsere Scharen. Und weil wir fragen: ‚Wo bist du, Sadhana?‘ darum haben wir das Recht, dich zur Entscheidung aufzufordern. Du hast dich des Rechts begeben, weil du nicht mehr Kraftträgerin, sondern eine persönliche Macht sein willst.

6-816    Du hast die Wahrheit kundgetan. Doch wie du sie entstelltest, das enthebt dich deines Rechts. Die Kraft des Tat-UR-Jahres nimmt die Sichtung für dich vor. Aber meine Liebe ruft dich zurück, und die Weisheit hat dir den Weg gewiesen. Wenn du willst, so kannst du sehen! Schau mit offenen Augen in das Licht, das aus mir strahlen konnte. Und nun“, Zuriel geht zu Sadhana, ergreift deren Hände, und sein glanzüberflutetes Gesicht wird sanft. Er sagt weiter:

6-817    . . . „nun lasse dich zum Jüngling führen; ich trage dich zu Ihm, zu UR! Gedenke aller ersten Liebe, die du erhalten hast; eines Opfers mit der Furchtbarkeit: ‚um deinetwillen‘; unsers Vaters, der Sein liebliches Kind betrauern würde. Denke auch an unsere Liebe. Sieh, niemand mag dich missen! Wie kannst du von uns gehen, da wir dich so lieben? Und auch deine Liebe haben wir als köstliches Geschenk empfangen. Kommt, meine Brüder, meine Schwestern“, ruft Zuriel den Fürsten zu, „helft tragen, helft führen!“ Im engen Ring umstehen die Lichtrecken schirmend das Schöpfungskind.

6-818    Der Ruf ist stark, das Licht umgibt Sadhana wie eine Mauer. Dennoch sträubt sie sich. Soll sie sich beugen, da sie von der ihr allein zustehenden Kraft gesprochen hat? sich demütigen vor ihren und den hellen Scharen? O nein! Ihr inneres Widerstreben lockert das feste Band der Fürsten. Die vier Wächter-Engel treten in den Ring und Sadhanas lichtgeborene Kinder, die drei Ältesten. Alle bitten:

6-819    „Bleibe bei uns, Sadhana! Wir können ja allein vom UR-Vater Leben und Kraft erhalten. Schleudere das teure Gut nicht fort, das Kronerbe, dir gegeben! Du tauscht armseligen Flitter ein! O komm, Sadhana, laß dich von deinen Kindern führen!“ Die Gerufene sieht niederwärts. Was in ihr mächtig zuckt, unterdrückt sie mit Anstrengung und sagt:

6-820    „Bin ich aus euch oder seid ihr aus mir hervorgegangen? Ihr müßtet also bei mir bleiben! Seid ihr keines Liebe-Opfers für mich fähig? Sagt ihr auch zu UR: Bleibe Du bei uns, dann bleiben wir bei Dir? Spürt ihr meine große Liebe nicht? Ihr bejaht. Nun — da stellt euch her zu mir, und ihr sollt gleich mir am ersten Platze sein.“ Sadhana liebkost ihre Kinder, auch die von Orytam und Hagar. Es scheint, als habe sie gesiegt; denn Zuriels Wort ist übergangen, und sie ist es, die Entscheidung fordert.

6-821    Ihre Kinder kämpfen bitter. Sie hängen an Sadhana; und wer sollte dieses herrlichste Geschöpf nicht lieben? Die liebliche Sadhana ! Mit Recht hatte UR sie so genannt. Auch Engelskinder, die sie erstmals sehen, fühlen sich zu ihr hingetrieben. Allein, die Fürsten, Wächter und Ältesten sind mit UR verbunden. Um so mehr möchten sie Sadhana dem Heiligen erhalten. Sie wissen: Nun kommt Wiedereinung oder Trennung. Der Kampf wird schwerer. Oft fragen sie den Jüngling und erbitten Antwort, auch für Sadhana. Als sich lange Zeit nichts ändert, bitten sie den Jüngling, ganz dicht vor Sadhana hinzutreten; Sein Strahl müßte sie bezwingen. Der Jüngling tut es des ehrlichen Kampfes wegen, den die Ersten um UR und für Sadhana austragen.

6-822    Unterdessen gehen Befehls-Engel zur Dunkel-Schar, belehren sie und zeigen den Weg, der nach Licht-Heilig führt. Da schaut gar manches Kind zur weißen Wolke hin, die Herrlichkeiten in sich birgt. Manche lassen sich schon willig führen. Doch Sadhanas dämonisch werdende Augen genügen, und die Verängstigten reißen sich von den Engeln los. Sadhana zerstört so jede Lichtsehnsucht, was ihr leicht gelingt, denn die Dunklen sind kein Ordnungswerk. Den Jüngling, der nahe vor ihr steht, sieht sie nicht an. Die Zeit enteilt, und das Soll ist aufzubringen. Alle müssen sich zu UR oder zur Sadhana bekennen. —

6-823    Noch eine Bitte wird vorgebracht; dann ist vor dem Schöpfungsherd im Sinne einer Planverwirklichung die große Freiheitsprobe zu beenden. Doch vergeblich ist auch dieses Letzte, der Chor geheiligter Äonen, ihre Liebe, der Schöpfungsschrei: „Kehre um, Sadhana, komme heim!“ Die Gerufene verschließt ihr Herz. Sie sieht nur ihr Werk, ihre Kraft, ihre Macht, die sie zu besitzen wähnt. Da erhebt noch einmal der Jüngling Seine Stimme, und Er spricht: „Sadhana, an nichts mehr will Ich dich erinnern als an die Szene, da du Mir zum zweiten Mal im Hain begegnet bist. Mein Wort steigt in dir auf, und das Bild kannst du trotz aller Mühe nicht verwischen: die bisher einmalige Schau URs in Seiner Gesamtheit. Es war für euch Ersten ein flüchtiger Augenblick, angefüllt mit dem Reichtum einer Ewigkeit. Du warst beseligt, und die Fülle der Offenbarung schlug in deinem und der Engelsfürsten Herzen einen verborgenen Quellstrom an, der das Bild untrüglich für immer bleiben läßt.

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