6-824 Diese Offenbarung nannte UR einen Tropfen Seines heiligen Mitternachtsquells. Ihr fühltet euch wie neugeboren, wie auferstanden. In Geduld und Liebe erklärte Gott, daß ihr bei der Schau dessen nicht bedurftet, denn es lag kein Wirklichkeitsprinzip dafür vor. Es war eine geistgemäße Empfindung und erweiterte Erkenntnis für das, was sich am Beginn des vierten Schöpfungstages zugetragen hatte.
6-825 Ja, sollten die wandelbaren Gesetze durch die unwandelbaren, die große UR Bedingung durch das Freiheitsgesetz in den Kindern ihre höchste Entfaltung finden, so mußte UR alle Möglichkeiten, die durch die Erprobung des freien Willens in Erscheinung traten, bedenken und vorausschauend ihnen Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel gewähren.
6-826 Dasselbe gilt für alle Kinder. Es mußte demnach auf die Möglichkeit eine Notwendigkeit folgen, durch die Freiheitsprobe bedingt, die durch eine vorausgegebene Teiloffenbarung schon ihren berechtigten Einsatz erhielt. Das alles war dergestalt keine bedingte noch unbedingte Folge eines vorbestimmten Zieles, sondern die Einbeziehung freier Kindentfaltung und ob das Ziel des Gesamtwerkes in Verbindung mit UR unmittelbar oder mittelbar und dann durch eigenen freien Gesetzesweg zu erlangen sei.
6-827 Das letztere ist bei dir eingetreten, Sadhana. Noch hast du eine halbe Stunde Zeit, die UR über alle Grundbedingungen hinaus aus Ordnung Seiner Liebe schenkt, wodurch sogar die von dir als starre Form bezeichnete Ordnungsbahn ihre große Wandlungsfähigkeit besitzt, die allerdings keiner Willkür unterworfen ist. Sie ist ein Lebenskern! Denn eine jede Zelle, umfasse sie ein ganzes Makrokosmos oder eine winzige Mikrobe, hat ein UR-Atom als Lebenskern, der in seiner Unberührbarkeit gerade wandlungsfähig ist.
6-828 Da alles Unsichtbare und Sichtbare aus für euch unzähligen Zellen besteht, so ist ersichtlich, daß alle Zellensysteme das Ordnungssystem in sich tragen, was soviel heißt, daß alles Wandelbare vom Unwandelbaren gestützt ist, dieses aber durch jenes seine Erfüllung findet. In dieser Werkwahrheit des UR-Systems sind alle Gesetze enthalten!
6-829 Kein UR-Gesetz hat eine starre Form. Im Gegenteil sind sie in sich wechselwirkend, für die Kinder in der Einfachheit gegenseitigen Gebens und Nehmens. Ist nun Ur der erste, höchste Geber, der aus seiner Unwandelbarkeit einen ‚Wandel‘ zur vollkommensten Werkgabe schuf, so bleibt Er ja der erste, höchste Nehmer, der aus dem Segen der Wandelbarkeit durch die Kinder das Unwandelbare wieder nimmt und das UR-Sein selber in der Hand behält!
6-830 Kein Geschöpf ist imstande mehr zu werden als ein Kind, UR-Kind höchstenfalls! Gesetzte Wechselwirkung bedingt ‚Vater und Kind‘. Im Unwandelbaren kann nie Vater und Vater gegenüberstehen oder andere gleiche Wesensarten. Darum wird — wenn unbedingt — ein Sühnesohn erheischt, in dessen gesetzmäßiger Wechselwirkung zwar Sühnehelfer mit einbezogen werden, die jedoch keine ursächlichen Opferträger sind. Sie können bloß bedingte Mit-Opferträger sein.
6-831 Das bedeutet jenes einst geschaute Bild, das eine aus dem freien Willensgesetz sich ergebende Folge gebar, die eurer Entwicklung entsprach, an die aber eine im Unwandelbarkeitsprinzip bedingte Wiedergeburt und Auferstehung geheftet werden mußte. Ich sage dies ausdrücklich; denn ihr Lichtgeborenen werdet einst noch fragen: War Sadhanas Fall bedingt? Sogar Gereiften kann die Frage gefährlich werden, wird sie nicht im vorhinein beleuchtet, daß weder Unwandelbares noch Wandelbares solches je vorausbestimmte, nicht im Sinne einer UR-Bedingung noch des freien Willens.
6-832 Wäre dafür das Geringste in UR vorhanden, wahrlich, unnötig wäre der Aufwand der Liebe, mit dem sie ein einziges Kind zur UR-Ordnung zurückzuführen sich aufs äußerste bemüht. Umsonst wären alle hohen Offenbarungen; ganz umsonst ein Sühnesohn! Denn erst da tritt für die Liebe an ihrem Tage eine Sühne ein, wo sie durch die Freiheit in ihren heiligen Bestrebungen gehemmt sein wird. Geschähe das durch eine ob noch so sehr verborgene Bedingung, so wäre jedes Kind ganz frei von Schuld. Die euch offenbarte nötige Sühne wäre also nichts als das schäbigste Bildwerk einer Macht-Intelligenz!
6-833 Aber UR ist nicht nur Macht, Er ist auch Kraft, Gewalt und Stärke. Als Gesamt-Intelligenz schuf Er um eines höchsten Zieles willen vier sich gegenüberstehende lntelligenzpunkte, die im gegenseitigen Ausgleich Bedingung und Freiheit, Unwandelbares und Wandelbares zur sich vereinigenden Werkharmonie gestalten. Diese Harmonie schließt die jedes Werk vollendende Wechselwirkung ein, über die Zuriel sehr richtig als ‚Leben und Kraft‘ lehrhaft sprach.
6-834 Jedes Werk entsteht aus dem allein zeugenden Allmachtswillen. Die Geburt, die Gestaltung bringt die Ordnung, die UR im Werkablauf wegen eurer Freiheit vor den Willen rückte. Darüber hinaus geht an jedem Tag eine Art Wiedergeburt im jeweiligen Dominium vor sich. Ihr seid daher am sechsten Tag nebst eurer Grundgeburt aus Wille-Ordnung nun aus dem lntelligenzpunkt der Gewalt im Gotteslicht der Liebe sozusagen wiederauferstanden.
6-835 Die Zweitgeburt bleibt bedingt. Mit ihr aber ist das Hoheitsrecht der Erstgeburt aus Wille-Ordnung zu erwerben. Das geschieht durch freie Annahme der Liebe samt freier Dienstbarkeit, mit der ihr eure Proben als Opfer auf den Heiligen Herd legen dürft. Tun das alle Kinder ausnahmslos, so ist das Liebeopfer aus dem UR-Opfer auch erfüllt, womit ein Notopfer (Golgatha) unterbleiben kann.
6-836 Schließt sich eins der Kinder aus, kann die sinngemäße Auferstehung und die vorausgehende Wiedergeburt erst nach gebrachtem Sühneopfer ganz gültig erfolgen und sich zur aktiven Wirklichkeit gestalten. Die einst erhaltene Wiedergeburt und Auferstehung müßte zur freien Vollendung des Werkes nochmals vollzogen werden, für Sadhana, wenn sie ihren Irrweg beibehält.
6-837 Sadhana, du hast eine Grundentscheidung angefordert, deren Mißverhältnis Zuriel sah und das Schwergewicht dem Lichte übergab. Du wolltest ausweichen und beriefst dich lediglich auf deine Kinder. Doch diese brauchen sich nicht zu entscheiden, weil nun ICH, die Liebe, als URs Beauftragte, die Waage zur Hand genommen habe. ICH wiege deine Entscheidung!
6-838 Die Fürsten lockten dich, die reinen Kinder baten, URs Liebe in eigener Person und Gewalt rief. Ja, eine Schöpfung bahnte dir den Weg zum Heiligen Herd, damit er jetzt zum Opferaltar würde, darauf deine freie Dienstbarkeit zu legen sei! Wäre das erfolgt, wahrlich, das freie Willensgesetz hätte sein höchstes Tagesziel erreicht, und alle Kinder hätten es als glorreiche Auferstehung mit dir erlebt! —
6-539 Du hast nichts gewollt! Es dünkte dich zu schwer. Nun, so wird an deiner Statt UR das Demutsopfer sichtbar machen, das Er einst im Ausgleichskampf vollbrachte. Wenn du nun weißt, daß UR selbst das Opfer bringen wird, so überlege, Sadhana, ob nicht auch du fähig wärest, ein ähnliches Opfer darzubringen!“ Sadhana zögert. Ihre Schar, vornehmlich die bekannten Hügelältesten, bitten, sie möge doch das Wort des Jünglings reiflich überdenken.
6-840 Deutlich ist zu sehen, daß es nun eines leisen Anstoßes von Sadhana bedürfe, und ihre Geschaffenen beugten sich vor dem Jüngling nieder. Sie aber denkt: ‚Soll ich mich demütigen? Wer garantiert mir denn die Wahrheit dessen, was der Jüngling sprach? daß UR etwa gar kein Demutsopfer bringen kann? Soll ich mich meiner bewußt gewordenen Kraft begeben, damit der andere beide Kraftanteile hat?‘
6-841 Die vielen Einzelkämpfe sind nicht zu berichten, auch die dafür beanspruchte Zeit ist in keine Erdzeit umzurechnen; es genügt zu sagen, daß sich die Erstgeburt vom Jüngling wendet und ihre Schar fragt, ob sie in ihr eine Kraft anerkennt oder nicht. Die Dunklen stellen sich auf ihre Seite. Sadhana triumphiert. Ihr ist‘s Beweis, daß sich die zwei Kräfte nicht vereinigen lassen und es nun darum geht, wer die stärkere ist: UR oder sie! Im Vollgefühl eines leicht errungenen Sieges spricht sie, halb umgedreht, zum Jüngling:
6-842 „Wer du auch seiest, schöner Jüngling, so begrüßt dich dennoch meine Liebe, und ich rate Dir, daß Du Dich abseits eines Kampfes hältst, der nun entbrennt. Erkennst Du am Ausgang dieser Schöpfungsschlacht die Wahrheit meiner Ansicht an, dann komm zu mir; und an die oberste Spitze will ich Dich stellen, die zu vergeben ist. — UR aber“, Sadhana richtet sich hoch auf, „sage ich Kampf an: ich gegen Ihn, Kraft gegen Kraft, Schar gegen Schar, Werk gegen Werk!
6-843 Er gab sich als der Erste, unerreichbar Höchste aus, der allein alles leitet. Nun es darauf ankommt, die Kraft auch zu verwirklichen, will Er mich, die wirksam werdende Kraft, durch ein scheinbar gebrachtes oder zu bringendes Opfer beeindrucken, daß ich meine Kraft Ihm kampflos überlassen soll. Täte ich das, so wäre das ein wahres Opfer! Mag Er mir das Seine zeigen, und ich will glauben, daß es geschah. Ich will meine Kraft unter der Bedingung opfern, wenn beide Kräfte sich verschmelzen lassen. Dann will ich mit UR eines Sinnes sein und Er mit mir, eine Wesenseinheit, eine Herrschaft!
6-844 Ein UR-Opfer ist noch nicht erbracht und kann auch nie gebracht werden, weil UR damit seine personhafte Einheit aufspalten müßte. O Jüngling, wo kann man dieses Demutsopfer schauen? Wo ist sein Beweis? Ah, Du kannst keine errungene Substanz vorzeigen, die es manifestiert. Tue es, und ich will es glauben!“ Eine Veränderung geht plötzlich mit dem Jüngling vor. Außer den Stuhlersten kann kein Lichtkind, am wenigsten die Schattenschar das wirklich sehen; doch gefühlt wird es von allen. Der Jüngling wächst ins Unermeßliche. Seine Stimme, zwar noch von Liebe sanft getönt, ist voll erhabener Macht. Hier spricht die Liebe in ihrem ureigenen Ernst:
6-845 „Sadhana, du erkennst den nicht, der vor dir steht; du verschließt dich der Sprache aus der Tiefe heiliger UR-Wesenheit. Dennoch prägt sie ihren Stempel in dich ein. Du kannst nicht ‚nein‘ sagen, denn innerlich beugst du dich unter dieser Größe. Damit hast du einen ewigen Beweis des UR-Opfers, das nicht zu sehen noch zu hören, sondern von dir und allen Kindern und Geschaffenen zu spüren ist.
846 Wisse, den Geist UR wirst auch du niemals völlig schauen, wirklich hören, weil Er in der Vollwesenheit sich keinem Geschöpfe zeigt! Das, was der Werke wegen nötig ist, wird dargestellt und ist vom Geschöpf sicht- und hörbar zu begreifen. Das kann es erfassen und ihm gegenüberstehen: Gestalt um Gestalt, Person um Person. Und allein die ausfließenden Göttlichkeitspotenzen können vom Geschöpf errungen und getragen werden, sobald es ein UR-Kind wurde.
6-847 Wie endlos erhaben — von dir nicht zu übersehen — schon URs Machtvollkommenheit der werkangepaßten Offenbarungsformen ist, erkenne daraus, daß nur die Hälfte den Gesamtwerken zur Aneignung gegeben ward. Sieh aber an: Zahllose Werke, Kinderscharen und unermeßlich große Lichter, rechne Äonen hinzu, die waren und noch kommen werden, und alles zusammen wird nicht fähig sein, diese Hälfte aufzunehmen, aus der UR zur personhaften Offenbarung abermals die eine Hälfte nahm, daß jedes Kind mit Ihm vertraut verkehren kann. Die erste Hälfte bleibt die unsichtbare Macht! Ein ganzer Zyklus mit acht Jahren ist ein einziger Strahl aus dem Reichtum seiner UR-Unendlichkeit!
6-848 Wie magst du dich vermessen, diesen UR herauszufordern? Du siehst nicht Seine hehre Demutsgabe; dennoch hat sie sich dir offenbart, indem du jetzt noch lebst! Versuche doch, alle Lebenszellen zu zählen, die jene dir gänzlich unbekannte viergeteilte Schöpfung trug. Zähle hinzu alle Lebenszellen der aus- und einzuatmenden Gedanke-, Wort-, Tat- und Folge-UR-Jahre des dritten Tat- Zyklus, vervielfältige es so viele Male, als es Werke gab und geben wird, stelle alle diese Lebenszellen in-, neben-, über- und untereinander, und du hast UR, wie Er in Wahrheit ist! Kannst du etwa das begreifen? Nein, es schwindelt dir bei der Darstellung, und du hast jedes Maß verloren.
6-849 Nun erkühnst du dich, diesen UR herauszufordern? Hast du Ihn, wenn zu einem Teil, gesehen, so sahest du Sein Opfer. Er ist in sich selbst das Opfer, wenn Er aus Seiner Machtfülle eine Lebenszelle zu Seiner Offenbarung nimmt, damit die Kinder zur seligsten Anschauung gelangen. Hat Er nicht die Erhabenheit zurückgestellt und sich in einer euch völlig angepaßten Außenlebensform enthüllt? Soll das kein Opfer sein?!
6-850 Siehst du, Schöpfungskind, die Gewalt der Demut nicht? UR hat den vierfachen Zügel angelegt, daß sich nicht die ganze Machterhabenheit in ein Einzelwerk ergießt! Was meinst du, was mit dir im Augenblick geschähe, ließe Er den Zügel locker? Hält Er Seine Machtvollkommenheit zurück, läßt pur einen Grundlebensstrahl, die Liebe, vor dich hintreten, und auch diese noch gedeckt in der euch völlig gleichen Wesensart des Jünglings, daß du mit UR rechten kannst, sage, was ist das anderes als ein heiliger Demutsakt?! (nicht Demütigung)
6-851 So wenig sich URs All-Existenz durch eine Sichtbarkeit beweisen läßt, so wenig auch die Demutsgabe. Was willst du bezweifeln, da du UR gesehen hast? Aber beides läßt sich mit Ernst nur glauben! Das Werk, das dich als ersten Keimgedanken sah, stützte Er auf diesen Nur-Glauben! Durch ihn erlangte wirklich jedes Kind die vollendete Vollkommenheit! Wird das erreicht, so kann hernach ein neuer Zyklus auf ein neues Glaubensgrundwerk aufgerichtet werden.
6-852 Einst wirst du schauen und erkennen, wie furchtbar dieses Schauen ist, das niemals vorgesehen war! Der reine Glaube soll die schönste Tat der Kinder sein! Daß UR sich jeweils in einer den Einzelheiten angepaßten Form enthüllt, ist segensreich dem Tat-Jahr vorbehalten. Und nicht ward der fünfte und der sechste Tag von der dritten UR-Wesenheit (0ff J. 4,7 = das 3. Tier wie ein Mensch; die 3. Wesenheit Gott (Jesus) am 6. Tag in Geduld und Liebe) allein beherrscht, sondern auch das dritte Jahr der Tat und der dritte Tat-Zyklus. So hat UR im Zyklusstrom die dritte Zeit als Tat ersehen, in der das Kind-Werk reifen kann, um dann im vierten Werden, in der Folge, mit dem König königlich zu leben.
6-853 Darum ist am hocherwählten sechsten Tag die LIEBE die Regentin und große Repräsentantin der Tat-Schaffung, mit ihr die Geduld. Dem Liebe-Übergewicht hast du es zu danken, daß UR deine Herausforderung nicht unbedingt angesehen hat. Würde eine bestimmende Eigenschaft präsidieren, ach, deine Angelegenheit würde keine Tages-, sondern eine UR-Jahr-Sache sein!
6-854 Wer weiß, warum das freie Wille-Gesetz und die Schöpfungsfreiheitsprobe auf diesen Tag verlagert ward? Nur die Fürsten ahnen es. Du hast die Doppelkraft erkannt, aber nicht ihre tiefe Wesenheit. Die Liebe ist Doppelkraft, sie dominiert und präsidiert. Darin zeigt sich um so mehr, daß UR trotz Seinem Grundopfer seine Personalität behielt, um sie in einem Göttlichkeitsgeheimnis um so fester für das Kindervolk zu gestalten. Für sich brauchte Er das nicht zu tun; Er war, ist und bleibt die UR-Einheit!
6-855 Wenn Er das, bevor es zur inneren oder äußeren Gestalt gelangte, auf die Doppelwirkung der mittleren (der Mittler) tragenden Eigenschaft setzte, so muß Sein UR Opfer ein ganz unfaßbares gewesen sein, durch das Er Seine bestimmende Position in den Hintergrund stellte, was nicht bedeutet, daß sie ausgeschaltet ist.
6-856 Gibt dir das noch nicht zu denken, Sadhana, so sei deine Gasse frei! Nur siehe zu, einst durch den Glauben und nicht durch eine Schau zur Erkenntnis zu gelangen, daß UR Sein Opfer brachte und ein Sühne- oder Schöpfungsopfer einzig deinetwegen nötig ward. Willst du aber die sichtbar errungene Substanz des Demutsopfers schauen, dann — sieh MICH an —‚ und du hast den Beweis!“
6-857 Plötzlich löst sich aus des Jünglings Brust ein Strahl, von dem Sadhana samt ihrer Schar über den vierten Sonnenring zurückgeworfen wird. Ihre Geschaffenen weichen von ihr ab und blicken hinüber, wo sich in für sie unmeßbarer Ferne das glänzende Lichtspiel zeigt, dessen Macht sie nun erkennen müssen. Aber Sadhana hebt frech die Stirn und sagt, sie selber habe ihre Schar so weit zurückgenommen, um einen gehörigen Abstand von ihrem UR-Feind zu erzielen. Sie hätte nur — da rasch gehandelt — nicht erst darauf aufmerksam gemacht. Nun aber wollten sie sich auf der Ataräus sammeln und neu stärken, denn ein schwerer Kampf wäre unausbleiblich. —
6-858 Bis zur achten Stunde schafft Sadhana ein großes Reich, streift das Negativ äußerlich ab, das Innere kann sie nicht zerstören, und nennt sich ‚LUZIFER‘. Ihr Wesen wird damit einschneidend verändert, und bald glaubt sie von sich selbst nichts anderes, als Luzifer zu sein: ein ‚Herrscher in Kraft‘! Von nun an gibt es keine liebliche Sadhana mehr, kein erstes Kind der UR-Schöpfung! Vergangen ist‘s durch Hochmut, Trotz, Schuld und Frevel. An der so hoch erkorenen Stelle steht der dunkle Fürst des Schattens: LUZIFER!
6-859 Die neunte Stunde ist prall gefüllt mit schwersten Kämpfen gegen die sich stark verdichtende Finsternis. Alle Lichtkinder ringen um das verlorene Kind. UR bleibt unsichtbar. Verhüllt ist Sein heiliges Wesen, verhüllt der erhabene Stuhl im Allerheiligsten; am Herd versehen die Fürsten ihren Schöpfungsdienst, wachen die vier Wächter, beten die Ältesten an und erhalten die Befehlsträger die Gesetze, die sie — unwandelbar und wandelbar — dem Raum und Zeit, dem Licht und auch der Finsternis bringen. Doch wo immer nötig sehen die Getreuen GOTT in der Gestalt. (2. Mo. 33,11; 4. 12,8; 5. 34,10)
6-860 Luzifer ist innerhalb der ihm gestellten Grenzen frei. Stößt er aber mit dem Licht zusammen, muß er zähneknirschend weichen. Das stachelt seine Wut, sein Machtgelüste bis zum Untragbaren an. Die Scharen, ihm verfallen, stöhnen unter seiner harten Hand. Trotzdem der Dunkle stets die Lichtmacht fühlt, wähnt er sich als positives Wesen stark genug, gegen das Licht positiv zu kämpfen. Seine Wesen gehorchen ihm; er zwingt sie unter seinen Willen.
6-861 Nichts weniger setzt er sich zum Ziel, als den Heiligen Stuhl einzunehmen, denn dort ist die schöpferische Gott-Gewalt zentralisiert. Zwar rechnet er mit Kämpfen, aber nicht mit härtesten. Seine Schar ist groß und unbeugsam sein Wille. Für das, was bisher im Reich geschah, ist ihm jede Schau verschlossen. Das Licht überblickt die Finsternis bis in deren grauenvolle Schluchten. Also wissen die Getreuen sich zu wappnen.
6-862 URs letztes Wort ist ein unauslöschliches Vermächtnis. Im Glauben beten sie Ihn an, spüren stark das Liebewalten und verneigen sich in unbedingter Ehrfurcht vor der Macht. Sogar die Nachgeborenen, die Ihn noch nicht gesehen haben, lieben und verehren Ihn; denn die Stuhlersten lehren sie, Ihn als VATER zu erkennen. Überall herrscht hohe Seligkeit, überall dient man der Liebe! Dadurch ist URs Kraft mit allen. Gesammelt stehen sie bereit, als der Zug der Dämonen sich der äußeren Lichtmauer nähert, bis wohin er durch die reinen Sphären dringen darf.
6-863 Hart prallen beide Heere aufeinander. Der Kampf währt nach einer für Menschen unerrechenbaren Zeit. Die Mauer der Lebendigen erweist sich ebenso als uneinnehmbar wie die fundierte Schöpfungsmauer. Die Dunklen bäumen sich, stürzen in Veränderung von Abgrund zu Abgrund, tauchen wieder auf, um sich neu zu sammeln. Nur Luzifer ist keiner Veränderung unterworfen, weil er das Unheil selber ist. Lichtlose Welten werden, zerstieben, stoßen neue Eruptionskörper aus. Unverkennbar stehen sich zwei Gewalten gegenüber: UR und Luzifer! UR unsichtbar als Person, sichtbar in Macht und Herrlichkeit; Luzifer sichtbar in der Gestalt, ungestaltbar in der Kraft.
6-864 URs Macht und Luzifers Kraft konzentrieren sich. Im einzelnen Kampfverlauf hat trotz aller Siege der Getreuen Luzifer sich nicht ergeben, ist vom Zentralplatz auch nicht abgewichen. Die Fürsten haben im Heiligtum mit UR gerungen, einen Ausgleich angebahnt, auf den das Weitere getrost zu stützen ist. Michael war auserwählt, UR als sichtbare Lichtmacht zu vertreten.
6-865 Kein anderer als der Schwertfürst kann es sein, weil die erste Eigenschaft in UR der WILLE ist. Nicht umsonst hat er einst Sadhana in sein Haus geführt und Rafael geholfen, das große Liebemahl zu richten; zwei Dinge, wie auch die Liebe jetzt die doppelte Funktion besitzt. O UR, wer will die heiligen Zusammenhänge merken? Wer sie aber ahnt, muß sich in tiefer Demut still vor Dir verneigen, völlig hingegeben im Anblick Deiner unbegrenzten Herrlichkeit.
6-866 Die Schöpfung wird vom ‚Wille wider Wille‘ erschüttert. Dieser im Gelüste einer Herrschaft sich selber fesselnd, jener in Seiner UR-Souveränität! Die Wille-Teile tragen den Streit innerlich aus, die Geisterheere äußerlich. Luzifer strengt sich ungeheuer an, jenes Lichttor (Hephata) zu erreichen, von dem UR sagte, daß ER allein hindurchtrüge, was Er sich vorbehalten hat. Und außer anfänglich die Ersten sah des Tores Schwelle niemals eines Kindes Fuß. Luzifer stürmt darauf zu, mit wilder Energie. Dort hindurch und er hat gewonnen!
6-867 Ein gefährlicher Meteor wird im Laufe plötzlich aufgehalten. Aus der Bahn geschleudert, liegt Luzifer an seines Weges Rand. Ein von starker Hand geführtes Schwert, beseelt von unbeugsamem Willen, wirft den Dämon in die Erstarrung. Erst nach langer Zeit rafft er sich wieder auf, säumt aber nicht, zum zweiten Male vorzudringen, nun bedacht, dem Schwerte auszuweichen. Doch vergeblich! Er strebt ja selbst zur Willensäußerung. Gäbe er dieselbe hin, so würde GOTT die Waffe decken und ein anderes Zeichen dafür setzen.
6-868 Das Schwert ist harte Wirklichkeit. Da will auch Luzifer die Kraft als Waffe tragen, und siehe da — ein Speer entsteht. Ward nicht der heilige Kreuzträger mit einem Speer zerstochen? Man kann ihn — sich selber deckend — tückisch werfen, daß er tödlich trifft. Welch ein Spiegel im Leben der Materie! Ja, die heilige Führung ist hiermit so dargeboten worden, daß alle Getreuen sich auf einmal wie ein Lichtkeil hinter Michael zusammenstellen, befähigt, die Finsternis zu durchschneiden, und wäre diese härter als Granit.
6-869 Schwer wiegt der Speer in Luzifers Hand, schwerer noch das heilige Schwert in des Gotteskämpfers Rechten, ein Zeichen himmlischer Ritterlichkeit und Offenheit. Das Schwert verlangt den Einsatz Fuß bei Fuß; der Speer verkörpert Hinterhältigkeit! Ein Symbol des Schöpfungskampfes! Michael dringt innerlich lichthaft und äußerlich persönlich Schritt um Schritt voran; er bedrängt mit der von UR erhaltenen Waffe den Listigen immer mehr.
6-870 So oft Luzifer den Speer auch schleudert, mit der Schildhand fängt der Recke jene Tücke auf und wirft sie mit dem stumpfen Ende so oft seinem Feinde zu, bis dessen Kraft erlahmt. Und nun rollt Michael wie ein Blitz die dunkle Flanke auf. Zu seiner Linken kämpft Uraniel, hinter ihnen Zuriel und Muriel, ihre Scharen in der Schöpfungsfront. Luzifer hat sich nochmals rasch gesammelt, mit ihm die Dämonen, die sich dichter um ihn scharen. Der Endkampf ist gewaltig, bis der herrliche Recke den finsteren Fürsten niederstreckt. —
6-871 Da ertönt ein mächtiges „Es ist vollbracht!“ Wenn in der letzten Phase dieses Ringens der Opferträger des Dämons Kraft zerschlägt, dann erfolgt der gleiche Ruf, auch in einer neunten Stunde (Mark. 15,34; Luk. 23,44; Joh. 19,30) — Er leitet alle Treuen hinter die Innenmauer. Als letzter lebendiger Schild geht Michael, aufrecht, umjubelt von den Kindern. Doch auch der Jubel geht hinter eine Mauer die ‚Mitleid‘ heißt. Denn sobald das Siegtor zugeschlossen ist, braust vom Heiligtum ein Sturm daher.
6-872 Sein lohender Strahl reißt ‚Hephata‘ auf, hebt aus der vierten Fackel einen Brand, und die Richterhand trägt ihn durch URs Tor, das Luzifer erstürmen wollte. Dröhnend wird es aufgestoßen, dröhnend fallen seine beiden Flügel wieder zu. Und nun wälzt sich dieser Feuerbrand durch Raum und Zeit, verheerend, doch das ‚Werk Seiner Hände‘ schonend. Der Brand treibt die Dämonen vor sich her in wilder, zügelloser Flucht. Ruhelos, schreiend stürzen sie durchs All; und als das Feuer ins Reich der Ataräus kommt, zerstiebt sie in Äonen Teile.
6-873 Die neunte Stunde endet; doch des Feuers Ende ist nicht abzusehen. Das Schlimmste des Gerichts bleibt aus Gnade zugedeckt. Erst allmählich erkennen die Stuhlersten das Geheimnis. Die Reste der Ataräus, feuerglühend, durchrasen nochmals ihren Raum; dann sind sie erstarrt. Und dort, wo das Zorngericht sich zentralisiert, herrscht statt Sehnsucht, Friede, Freude, Seligkeit nun Unrast, Friedlosigkeit, Leid und bitterer Tod. Die nächsten sieben Tagesstunden offenbaren, was siegend diesem Tode abzuringen ist, und es wird sich zeigen, ob er der Zerstörer eines Werkes oder jenes freien Willeteiles ist, den der Hochmut über urgöttliche Bedingungen hinauserheben wollte.
6-874 Die Fürsten übertragen Rafael das erste Amt, bis die Brandtat sich erfüllt und sie UR wieder sehen können. Rafael nimmt an, aber Michael soll als Haupt-Sieger der Beistand sein. Muriel hat nach innerem Gebot während der Feuerzeit allein am Heiligen Herd hantiert. Alle Kinder — ihre Freiheitsprobe gut bestanden — bleiben in den drei ersten Sonnenringen; die vier andern werden zu Vorsphären ausgerichtet. Die Kinder nehmen an Erkenntnissen, die Lichtsonnen an Strahlkraft zu, denn UR segnet das Tagewerk der Ersten.
6-875 Die zehnte Stunde ist noch nicht abgelaufen, da bilden Legionen herrlicher Gestalten eine breite Bahn (Ps. 68,5, Jes. 40,3 und 57,14) durch die eine Feuersäule (4. Mo. 14,14) in der roten Gottesfarbe wandelt. Ihr Glanz ist weiß wie das Gewand des Vaters, wie der Teppich am erhabenen Stuhl. Der Säule schließen sich die Kinder an, das Heiligtum füllend, dessen vier Türen weit geöffnet sind. Bis zum Tor Hephata steht Schar bei Schar; aber ihre Herzen sind im Allerheiligsten vereint.
6-876 Eine unsichtbare Hand senkt die Feuersäule in die vierte Fackel, nimmt den Lebenszweig der einst lieblichen Sadhana, der verdorrt auf dem Werkbuch liegt, und wirft ihn in den Fackelgrund. Dunkelglühend schießt eine Funkengarbe hoch. Das macht der heilige, sehr bittere Zorn! Dann wird die weiße Wolke hinter dem Herde sichtbar. Alle harren in Ehrfurcht und in Liebe, denn GOTT wird zu ihnen sprechen. Lange sahen sie Ihn nicht. Nur Seine gütige Stimme hörten sie in der Zeit des Kampfes. Das aber spricht Gott aus Seiner Wolke:
6-877 „Meine Licht- und Lebenskinder! Ernst war die letzte Zeit, ernst wird sie bleiben, bis aus dem Feuer einst der Brand gerissen werden kann. Ihr Fürsten erinnert euch des Wortes, das Ich redete, als am vierten Schöpfungstage die Fackeln um den Stuhl erstanden, daß jene aus dem Ernst als verzehrender Brand genügen würde, falls der Schutz Meiner Heiligkeit auch sichtbarer Wahrnehmung bedarf. Das spürt ihr alle, Meine Kinder, und eure Trauer ist sehr groß.
6-878 Ich, der Ewig-Heilige UR, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige, unsichtbar in Meiner Unendlichkeit, unangreifbar in Meiner Allmacht, trug den Brand in den geschändeten Liebetag hinaus! Da mußte jener vor ihm fliehen, der ihn entfesselt, der ihn in Meine heilige Zorngerechtigkeit geworfen hatte und höher sein wollte denn ICH!
6-879 Während er in der fernen Tiefe des befleckten Schöpfungsteils wütete, war es richtig, Fürst Muriel-Pargoa das Amt am Heiligen Herd zu überlassen. Denn der Ernst konnte in der für euch schreckensvollen Stunde Wächter Meines Heiligtumes sein. Und Ich sprach vom segensvollen und vom fluchbeladenen Brand. Nun müssen alle Treuen diesen zweigeteilten Brand über sich ergehen lassen, weil aus der nunmehr gesetzten Grenze allein das Gesamtziel zu erreichen ist.
6-880 Ich nannte euch ‚Meine Kinder‘! Das bleibt ihr auch durch die bewahrte Treue. Doch der fluchbeladene Brand, der Unrast, Friedlosigkeit, Leid und Tod hervorgerufen hat, setzt dem Tage eine breite Kluft (Luk. 16,26). Kein Geschöpf durchstößt die Feuerwand Meines hocherhabenen Ernstes, denn das käme einer vom Geschöpf erzwungenen Überbrückung gleich. Die Kluft zwischen ‚Leben und Lebensziel‘ ist erstanden!
6-881 Dem Gefallenen ist‘s unmöglich, sie zu umgehen, durchzustoßen. Das bildet sich nach dem freien Willensgesetz, und es fragt sich, ob ihr Kinder auf bereits erworbene Lebensziel verzichten wollt, um aus dem Nur-Leben das Ziel noch einmal zu erkämpfen.
6-882 Ihr habt durch Anerkennung beider Fundamente eure Kindschaft voll errungen. Sie ist nicht aufzuheben! Die in hartem Kampf bestandene Freiheitsprobe bindet euch ewiglich an Mich! Sollte Ich die in Treue erprobte Liebe nicht mehr gelten lassen, bloß weil ein Kind seinen Willen über die Mir vorbehaltenen Bedingungen erhob? Nein und für stets ein Nein! Kinder waret ihr aus Mir, die Kindschaft habt ihr euch erworben, und Urkinder bleibt ihr Mir!!
6-883 Doch durch den Fall ist eine schwere Tat von Mir und euch aufs neue zu vollbringen, daß aus dem Fallwerk ein Erlösungswerk erstehen kann. Hier waltet offenbar der freie Wille und — die Demut! Aus der luziferischen Unrast ist Sehnsucht, aus Friedlosigkeit Friede, aus Leid die Freude zu erwecken; und aus dem Tod, der die Gefallenen betroffen hat, muß neues Leben zur Geburt gelangen! Wie wird das möglich sein? Darf nur der freie Wille walten? Kann solch ungeheure Umgestaltung ohne UR-Bedingungen geschehen?
6-884 Kinder, Ich habe eure Fragen wohl erwogen. Meine Antwort lautet: Ohne Bedingung ist kein Werk zu vollenden, denn zwei Fundamente hat das Tat-UR-Jahr! Die genannte Umgestaltung zu erreichen bedarf es einer einzigen Bedingung, die trotzdem eine freie ist. Erschrecket nicht! Ihr sollt die schon erlangte Kindschaft MIR wieder übergeben und sie durch Annahme der Bedingung auf dem begonnenen Erlösungsweg abermals erkämpfen! Nun seid ihr doch erschrocken; sogar ihr Fürsten spürt die schwere Last. Denn kaum die Treue voll bewahrt, das Ziel erreicht und zu Urkindern aufgestiegen, die vollsten Rechtes die Belohnung heischen durften, so will die Bedingung, als hättet ihr euch nichts erkämpft.
6-885 Ich weiß genau, welch Bürde die Bedingung ist! Ich könnte, das Opfer zu erleichtern, ja enthüllen, was eure Annahme MIR einbringt. Euretwegen darf es nicht eher offenkundig werden, als bis einer aus euch fraglos kraft der Bedingung seine geheiligte Kindschaft Mir wieder übergibt und gewillt ist, sein Leben neu, ja im strengsten Sinne überhaupt ein neues Leben zu beginnen und das erreichte Ziel in weiter Ferne zu erblicken, ohne Frage, warum das so geschieht und wann das freiwillig Aufgegebene wieder zu erreichen sei.
6-886 Nimmt das einer unter euch vor Meinem Herd entgegen, so erfolgt eine große Tagesoffenbarung, die euch das Richtige erkennen lehrt. Bedenket aber das: Greift ein Kind die Forderung auf, dann geht sie zwangsläufig auf alle über. Das sich zuerst Entscheidende muß fähig sein, für alle den Erlösungsweg zu bahnen, um den ihr aber keine Frage stellen dürft! Prüfet euch auf euren Arbeitsfeldem, und ihr werdet merken, sobald sich jemand durchgerungen hat.“
6-887 UR wartet mit dem Segen. Kann sich jemand sofort schenken? O, die gute Saat der Kindschaft ist schon in sich selbst gerecht geworden, durch den Treuebund zur Heiligkeit und zur Liebe ihres UR! Alle prüfen nach der Befähigung und Größe ihres Geistes. Nicht lange dauert es, da treten Rafael-Agralea vor den Heiligen Herd, halten ihre Hände in das Feuer vom silbernen Teller, bis sie lichtweiß schimmern, und Rafael sagt:
6-888 „Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Du gabst uns Fürsten die Tage von Ordnung, Wille, Weisheit, Ernst und Geduld, in den Liebetag aber senktest Du Dein Kindervolk als schönste Tat-Jahr-Frucht. Doch an dem, was DU dem Tag als hehres Ende bringst, wollen alle Treuen mitbeteiligt sein, läßt sich‘s auch einzig aus Bedingungen erreichen. Selbst wir Fürsten sehen das nicht klar, obwohl die Tageszeit ihren Scheitelpunkt schon überschritten hat.
6-889 Aus Geduld und Liebe wurdest Du, allheiliger UR, an diesem Tag ein guter Gott, ein Vater der Barmherzigkeit, hast der Kinder wegen die Macht Deiner Schöpferherrlichkeit, die Kraft der Priesterheiligkeit zurückgestellt. Ich weiß, daß Deine Demut jedes Maß eines durch unsern freien Willen beigebrachten Teilsieges ums Unendliche übersteigt. O, sie wiegt den Einsatz aller Kinder auf, auch die Bürde der Gefallenen! Sie ist das Gefäß, darein wir unser bisheriges und das auf der Grundlage der gestellten Forderung neu zu beginnende Leben fraglos legen können. Dein Gefäß muß ja größer als der Inhalt sein, den es in Liebe birgt, soll die gerechte Ordnung walten.
6-890 Wie möchte ich da zögern, auf mich zu nehmen, was so unendlich kleiner ist als das, was DU in Deine Opferwaage wirfst! Sieh“, Rafael nimmt das Kreuzzeichen von seiner und Agraleas Brust, beide knien nieder, und legt das Zeichen in URs Hand, die aus der Wolke sichtbar wird, „nimm die Würde, die Du uns gabst, bevor wir ernstlich sie errangen, nun aber wohl mit vollem Rechte tragen konnten. Nimm sie zurück aus unsern Willen, daß wir Deine Heilsbedingung, die Du dem Tag der Liebe stellen mußtest, fraglos anerkennen.
6-891 Ich weiß“, tief erschüttert neigt sich Rafael, „wie schwer es ist, um eines Geschöpfes willen die Demut einzusetzen, die DU allein wahrhaft aufbringen kannst. Doch weit schwerer ist es Dir, Deinen Kindern den erkämpften Lohn vorzuenthalten und dafür harte, bittere Bedingungen zu stellen. Was das DICH gekostet hat, wird ewig kein Kind fassen! Aber nachempfinden kann man es, und ich habe es gespürt, o Vater! Darum sage ich: Nimm mein erreichtes Lebensziel zurück; ich will das neugesetzte Leben auf mich nehmen unter Anerkennung der Bedingung und den Weg zur notwendigen Heilserlösung vorbereiten. Als Erster übernehme ich fraglos das heilig-schwere Schöpfungsmuß!
6-892 Wir sind gewiß, daß Deine Demut unser Opfer trägt und die uns aufgebürdete Last bestrahlt. So wäre eine Furcht ganz unbegründet, daß das neue Ziel nicht zu erreichen sei. Es mag ein Schwerstes uns in einen Abgrund stoßen, kaum weniger tief als jener, dahinein die Armut fiel; aber nie gibt es für Deine Kinder eine brückenlose Kluft! Unsere im UR-Herzen bewahrte Kindschaft ist die Brücke. Sollten wir mit der Gewißheit nicht freudig übernehmen, was uns Kindern zuzukommen hat, weil ein Kind die Kluft zwischen Leben und Lebensziel erzwang? Michael hat den sichtbaren Kampf gegen den Abtrünnigen bestanden, nun nehme ich den unsichtbaren durch die Bedingung auf.“
6-893 Heiliges Schweigen legt sich auf die Scharen, die niederknien, um UR anzubeten. Und verstehen auch die Kleinsten die Gewalt des Aktes nicht, so erkennen sie doch frei, daß sie auf dem von Rafael gewählten Weg UR die Opferliebe bieten können. Die Fürsten treten alle vor und legen in die sichtbare Lichthand ihre Brustzeichen in folgender Reihe hinein: Weisheit, Wille, Ordnung, Ernst, Geduld, Barmherzigkeit. Ihnen schließen sich die Wächter-Ältesten und Befehls-Engel an. Diese legen ihre Würdezeichen feierlich auf das geöffnete Schöpfungsbuch. Die Lichthand nimmt von dort die Zeichen weg. Alle andern bis zum noch kleinsten Engelskind strecken ihre Hände aus, zur Wolke hin, daß auch sie die Bedingung anerkennen wollen. Da steht auf einmal der wundersame Jüngling hinter dem Heiligen Herd. Beide Hände legt Er auf das Buch und spricht:
6-894 „Gelobet sei die Liebe, die in UR das heilige Opferfeuer angezündet hat. Gelobet sei auch die Liebe, mit der ein Kind in Freuden seiner wohlverdienten Gabe nicht gedenkt, die UR-Trauer spürt und sie durch Hingabe der errungenen Kindschaft unbedingt zu mildern sucht. So geht das Gottesherz den Weg zum Schöpfer, von wo aus noch einmal um des Falles willen der Weg zum Vater führt. Recht ist daher jetzt die Reihenfolge, mit der ihr Ersten diesen neuen Weg beschreiten wollt.
6-895 Ja: Liebe, Weisheit, Wille als Gott-, Priester- und Schöpferteile kennzeichnen die Rückgabe eures Eigentums und dadurch um so herrlicher UR als Schöpfer-Ordnung, Priester-Ernst, Gott-Geduld und — euch krönend — als Vater-Barmherzigkeit! —Diese Reihenfolge bleibt bis zur ‚Notopferzeit‘, wo UR mit eurer zweitmalig errungenen Kindschaft die Kluft auch für den Widerpart beseitigt. Dann gilt wieder jene Zyklusfolge, die in UR auch jetzt nicht aufgehoben ist!
6-896 Sobald Rafael-Agralea den Bedingungsweg beschreiten, wird die genannte Kluft sichtbar sein; auch euch Ersten wird manches zugedeckt, damit das Opfer ein vollkommenes werde. Denn bliebe euch das schon erreichte Ziel stets klar vor Augen, so würdet ihr den neuen Lebensweg in hoher Lichterkenntnis sehen. Das ergäbe kein Hingabeopfer. Auch URs Demut steht unter der Bedingung! Der Sohn wird zu Seiner Zeit zuerst nicht völlig wissen, daß Er mehr ist als nur der Sohn! Er wird — gleich euch — das Ziel in der Ferne sehen und gerade dadurch der ‚höchste Opferträger‘ sein! In der elften Stunde erhaltet ihr die Vorbereitung; denn die heilige Demut und euer freier Wille müssen unter dieser UR-Bedingung stehen, und es wird euch nichts jäh genommen, was ihr euch erworben habt.
6-897 UR sprach vom Brand, den man aus dem Feuer reißt. Ihr Fürsten habt am vierten Schöpfungstag gesehen, wenn auch nicht in voller Tiefe, daß die Heiligkeit zu schützen sei. Nun seid ihr erleuchtet, daß dieser Schutz keineswegs gegeben ist, weil die Heiligkeit dem freien Willen gegenüber schutzlos sei, sondern sich allein auf ein Geschöpf bezog, das den zweiten Fundamentsträger über den ersten stellen wollte. Das ist ein Wall gegen die der Heiligkeit entströmende Allmacht, ansonst wäre der Gefallene davon erfaßt und — ihr stellt es schaudernd fest, denn ihr habt das Allmachtsfeuer ja gesehen — jedes Geschöpf und das herrlichst aufgebaute Werk hätten aufgehört zu sein!
6-898 Die Heiligkeit schützt sich noch immer selbst! Doch für den Fall setzte UR die Getreuen ein, daß sie den Schutz in dieser Hinsicht bieten sollen, die erzürnte Heiligkeit zu besänftigen, daß sie nicht aus ihrer Macht das Werk zerstören würde, dem nächst dem SCHÖPFER als dem Lebenszeuger auch der PRIESTER Seine Kraft zur Richtung gab, dem GOTT in Seiner Gewalt den Lebenslauf zur Vollendung zubereitete, das ihn des VATERS Stärke sein Ziel erhielt: die Vollkommenheiten! —
6-899 Da von URs Vierwesenheit und sieben Grundlebensstrahlen nichts mehr oder minder heilig ist, mußte die Allmächtigkeit des Feuerbrandes auch Kraft, Gewalt und Stärke gleichanteilig einbeziehen. Doch dem Ernststrahl sind die Auswirkungen übertragen, weil dieser bestimmenden und tragenden Charakters ist: die Ausgleichskraft!
6-900 Diese Ausgleichskraft trieb die Dämonen in ihren Fall. Wie kam es aber, daß sie da nicht ihr Sein verloren, nicht der vollsten Tilgung anheimfielen? Nun, das ist ein Lohn, den ihr, liebe Kinder, eurer Treue wegen bekommt. Denn ihr habt den Wall gebildet, der aus dem strafenden Feuer zweifachen Brand erweckte: der eine verzehrt, der andere läutert! Beide Brände sind verwoben; denn eine Hand entnahm beide Teile einem Feuer — der Fackel ERNST!
6-901 Daher kann der eine Brand nicht töten, wie der andere auch nicht alleinig läutert. Das käme einer zwangsläufigen Löse gleich! Beide sind — wie entnommen — gemeinsam der Fackel zurückzugeben; aber der zweite trägt die Last des ersten. Darum mußt du, Rafael, den zweiten Brand auf dich nehmen, um den ersten für den Fall zu tilgen.
6-902 Doch des ersten Brandes Fluch und ihm anhaftende Verstoßung hebt nur der Sohn der Sühne auf! Aber Kinder sind die Straße, über die der Opfersohn die Löse trägt! Über die aus heiligem Ernst entfachte Feuerwand ist durch die freiwillig aufgenommene Bedingung ein Steg zu schlagen, der den zweiten Brand zum läuternden Prinzip erhebt: Der Sühnesohn trägt dann das hehre Demutsopfer in den ersten Brand hinein! Dadurch wird der Fluch gelöst, ihr Kinder erhaltet euren Jubelsieg, und die Verlorenen werden wieder heimgeführt!
6-903 Auf diese Weise wird die hervorgerufene Kluft zwischen Leben und Lebensziel überbrückt, was allen Treuen, die den Weg freiwillig gehen, die zweite Kindschaft sichert. Hiernach erfüllt sich eine Vorschau, die allerdings zufolge der gerecht gestellten Bedingungen und des freien Willensprinzips noch kein unwandelbares Werkgesetz gewesen ist. Allein, unsagbar herrlich soll sich durch eure freie Opferung entfalten, was in UR einst königlich erstand.
6-904 Weil Rafael-Agralea vom ungesehenen Kampfe sprach“, der Jüngling streckt über dem Herd Seine Hände dem Fürstenpaar entgegen, die sie ehrfurchtsvoll erfassen, „fraglos dem Demutsopfer folgen, so zeigt sich nun das Ziel. Zwar wird es wieder zugedeckt; allein, einmal gesehen, und es kann weder euch, am wenigsten dem Liebetag verloren sein. Merket auf: Gibt es die zwei bekannten Fundamente, herrschen zwei Polaritäten: selbst heiliges Positiv und geheiligtes Negativ, zeigen sich zwei Richtungen: unwandelbar und wandelbar, gelten das innere und äußere Kraftbewußtsein, durch welche die ursächliche Einheit wieder zu erzielen ist, so erfüllt sich eure Kindschaft in nun ganz gleicher doppelt hochgesetzter Folge!
6-905 Wie das Innere das Ursächliche war, ist und bleibt, wie aus ihm das Äußere erstand, also auch die Kindschaft. Durch freien Gehorsam habt ihr die innere erlangt; UR bestätigte sie euch, auch wenn ihr sie freiwillig opfert. Sie ist als der kostbarste Königsschatz in UR, in Seiner Vater-Herzkammer versiegelt.
Niemand kann eure Kindschaft aus des Vaters Hand und Herzen reißen!
6-906 Ihr wollt Leid, Unrast, Friedlosigkeit und den unbekannten Tod ertragen, indem ihr zum ersten verzehrenden Brand, in die gebildete Materie niedersteigt. Aus ihr ist für euch und für die Gefallenen die ‚zweite Kindschaft‘ des freien Willens, gerechten Negativs, des äußeren Kraftbewußtseins heimzubringen. Damit hättet ihr beide Fundamente der zur herrschaftlichen Einheit gelangten Werkvollendung als eigene Kraftquelle in euch erschlossen. Ihr sollt, wenngleich im Rahmen dieses Tages, beide Kindschaften in euch vereinigen, die innere als euer in UR verwahrtes Eigentum und die durch den Mit-Opferweg erzielte äußere für das gefallene Kind!
6-907 Keines von euch bedarf dessen für sich selbst; sonst müßte UR das Demutsopfer Seinetwegen bringen, was jeder Art entbehrt, zumal so der Sühnesohn für sich das Opfer trüge! Hingegen verkörpert Er das Opfer! Das besagt, daß alles sich um die Wiedergutmachung des der Hei ligkeit zugefügten Unrechts handelt! Volle Genugtuung ist erforderlich, die durch die restlose Kapitulation des gefallenen Geschöpfes möglich wird. Ja, dem sichtbaren Kampf des Schwertfürsten muß nun der unsichtbare des Kreuzfürsten folgen!
6-908 Der Abtrünnige wurde kraft eurer inneren Kindschaft dem äußeren nach bezwungen; er wird kraft der zu erwerbenden äußeren Kindschaft dem Inneren nach überwunden werden! Hieraus ist eine tiefstheilige Wechselbeziehung der Schöpfungsfundamente zu erkennen. Was vor dem Äon in UR im Gedanke auferstand, bewirkt über das lebendige Wort jetzt die Tat, wie ihr Lichtgeborenen es kaum erahnen könnt. Alles Innere wird durch das Äußere bestätigt und dieses durch jenes voll erfüllt. Und das Gesamte hat UR in sich verankert!
6-909 Nehmt ihr als zweites Rückbringegut je eine Kraftsubstanz des Gefallenen auf, so gewinnt ihr durch die Tagesliebe den unsichtbaren Kampf. Diesen Sieg behält der Sühnesohn in Seiner rechten Hand. Das geschieht im Einzelkampf Lichtkind gegen finstere Substanz. Jede Lichtseele soll mindestens eine Substanzeinheit für den Gefallenen aus dessen selbst zersplitterter Kraft zurückgewinnen.
6-910 Das schwerste ist, daß durch Hergabe eurer königlichen Kindschaft euch ein zeitweiliger Mitfall passieren kann, weder UR sieht noch kaum im Herzen hört und was ihr euch auf diesem Weg an reichem Gut erwerbet, auf diesem Herde herzulegen habt für den, der fiel. Nichts dürft ihr behalten! Ihr habt zugunsten des Gefallenen aus Gottes Liebe um die Heiligkeit den Schutz gewoben, den dichten Mantel, durch den das Feuer zwar verzehrend, aber keinesfalls vernichtend drang. Ihr habt gewollt, daß dies alles nicht für euch geschieht, sondern für den einen, der euch den sichtbaren UR und das Heiligtum für lange Zeit verschließt, und der euch vom Himmel in eine unbekannte, grauenvolle Hölle stürzt.
6-911 Doch steht es jedem frei, den Weg zu gehen oder nicht und wieviel Kraftsubstanzen vom Gefallenen aufgenommen werden. Ihr könnt sogar euer Licht hinuntertragen, ohne im Sinne eines Opfers euer Geistsein aufzugeben. Das dabei etwas Unerlöste müßte freilich zusätzlich der Sühnesohn im Opfer tragen, weil unerlöst nichts bleiben kann! Ihr selber habt mit UR das Ziel dem Liebetage ausbedungen. —
6-912 Das Herz des Gefallenen ist dem Opfersohne vorbehalten. Das nimmt Er auf sich im bittersten, im schwersten Kampf. UR setzt eure hohe Kindschaft nicht aufs letzte Spiel. Seid ihr Ihm in Treue zugetan, wieviel mehr bewahrt Er Seine Treue! Der Kampf um dieses böse Herz bringt den Entscheid und den euch zugesagten Sieg. Nun prüft: Wollt ihr im Zeichen eures Lichtes handeln oder — ohne Rückerinnerung, wie und was im Opfergang geschieht — reine Seele gegen höllische Substanz, die ihr zu bezwingen und UR ohne Lohnforderung zu überlassen habt, der sie einstens, wenn des Opfersohnes Sieg den weiten Himmel füllt, jener Seele überläßt, der alle diese Opfer gelten und die dann als ‚Erlöste‘ ihrem Vaterhause wieder Ehre macht.“
6-913 Unsicher sind die Forderungen und das ungeschaute Ziel. Die Fürsten forschen in des Jünglings Augen, im Herdfeuer, im UR-Sonnenlicht, ob ihnen wo ein Zeichen wird. Es schweigt das Heiligtum! Die größeren Engel passen sich den Fürsten an, die kleineren suchen bei jenen ihren Halt. Viel Zeit vergeht, die solche Sammlung braucht. Eine Ewigkeitsminute, während der die innere Entscheidung ausgefochten wird. Wer kann aber die Minute messen? — Der Jüngling löst aus dem Gesetz der Freiheit Seine Finger aus denen von Rafael-Agralea; doch fest halten sie die unbeschreiblich schönen Segenshände, bis ein Strom vom noch geheimen Opferträger auf den zur Zeit ersten freien Schöpfungsträger übergeht. Und Rafael sagt:
6-914 „Wundersamer Jüngling! Deine Demut sehe ich in mir und — teils — unser aller Pfad. O, ein Weg, der alles kosten kann: Kindschaft, Seligkeit, Leben und Vollendung! Und doch — der Ewig-Heilige UR hat dafür als Anfang und als Ziel Sein Eigenes gesetzt! Darum ist in diesem aller Kinder Richtung und ihr Lauf enthalten. Schufen URs Fürsten in Liebe die Bedingung, so wollen wir sie kraft des freien Willens anerkennen. Sind alle UR-Bedingungen gerecht gestellt, so muß auch diese erste Kindbedingung eine urgerechte sein!
6-915 Bauten wir für die Gefallenen ein schützendes Gehege auf, so soll auch unser Sohn ganz eingeschlossen werden dadurch, daß jedes Kind auf seinem Wege mindestens eine Kraftsubstanz erwirbt. Doch das Recht muß sein, die Last der Finsternis mit der Kraft der Kinder auszugleichen. Wir Großen wollen unsern Kleinsten es so leicht als möglich machen und sollen trotzdem ganze Rückbringer sein. Dafür wollen wir die etwa fehlenden Teile zusätzlich übernehmen. Stimmt UR mit mir überein und stützt mit Seiner Segnung unsere erweiterte Bedingung, so will ich zuerst so oft zur Hölle gehen, als jeweils ganz bedeutende Kampfepochen sich entwickeln werden.
6-916 Nimmt der ‚Sohn‘ des Gefallenen Herz auf sich, in welchem UR die heilige Vernunft verkörperte, so wollen wir fürstlichen Geschwister sein Haupt bezwingen, das er zum niedrigen Verstand herabgewürdigt hat. Daher soll die Liebe dem Verstande überlegen sein! UR sicherte uns den Endsieg zu; in Seinem heiligen Sieg ist auch jener unsrer Kindesliebe gegen den gerichteten Verstand enthalten.
6-917 Schon jetzt begrüßen wir den heiligen über alles beseligenden Augenblick, wenn vor dem Heiligen Herd“, Rafael berührt ihn mit der Rechten, „Sadhana steht, die Liebliche, der Schöpfung schönstes Kind. Was sie jetzt frevelhaft verschleudert — o, wir helfen sammeln, wir tragen heim, so oft es unser UR erlaubt. Freuen wollen wir uns über all das königliche Erbe, das hier gesammelt und einst unserer Sadhana zurückgegeben werden kann!
6-918 O Brüder, Schwestern, stimmet an, was einst der Jubelchor der Erlösten‘ heißt! Ewig-Heiliger, Einziger, Wahrhaftiger UR, lasse unser Wort zu Deiner Wahrheit werden! Wir wollen Dein erstes Kind erretten helfen und rufen es als Bitte aus: Barmherziger, alles soll sich vollenden in Deinem einen Namen UR-IMANUEL!“ Der Ruf braust auf aus ungezählten Herzen, er erschüttert die Unendlichkeit. Was der Fall verschlossen hatte, es wird wieder offenbar.
6-919 Die Wolke teilt sich, alle sehen UR nach dem Maße ihres Geistes. Und der Jüngling ist in Ihm. Da wissen sie: UR selbst macht sich zum Opfersohn! Auf Seiner Brust leuchten im hehrsten Glanz Kelch, Kreuz und Krone. Tiefes Schweigen bricht sich an den Altarsäulen als eine Anbetung, die UR entgegenloht. Auch die Seligen haben Ihn gesehen, und reich gestärkt geht später jedes seinen Weg. Nochmals spricht der Jüngling, nachdem die Wolke sich geschlossen hat:
6-920 „IMANUEL! UR mit uns! Ihr habt nicht nach Lohn gefragt, sondern nach der Liebe, die sich selber schenkt, die sich opfert, ohne eine Gegengabe zu erwarten. Gottes wahre Liebe! Die andern Eigenschaften sind an diesem sechsten Tag der goldene Reif, an dem die Liebe als ‚Edelperle‘ prangt. Zeigt sich irgendeine Liebe anders, so greift nicht danach, denn dann ist‘s keine Gottesliebe!
6-921 Was UR Seiner Liebe anvertraut, ist euch Kleineren noch verborgen. Doch ihr habt den Glanz gesehen, der — den Tag vollendend — eine Herrlichkeit gebiert, die Gewesenes übertrifft! Was UR in hoher Mitternacht aus Seiner Quelle schöpft, wird jene Krone sein, mit sieben Zacken und sieben Edelsteinen ausgeschmückt, eines so kostbar wie das andere. Nun seht zu, daß diese Herrlichkeit der Lohn des Tages wird, für das ganze Tat-UR-Jahr!“
6-922 Heiliges ward gegeben, Heiliges erhalten Raum und Zeit. Im Heiligtum schließt sich der Vorhang; die Halle bleibt geöffnet. Da treten alle ein, da empfangen sie den Trost, beten an und erlangen ihre Reife für die große Opferung. Im Allerheiligsten walten die Fürsten. Als jetzt nach reichem Schaffen die zehnte Stunde endet, ruft UR alle Stuhlersten. Vor der weißen Wolke dienen sie, schmücken den Herd und nehmen ihre Plätze ein. Sadhanas Stuhl ist leer, und diese Leere lastet. URs Wort empfinden sie zum ersten Male so, als würde es in ihren Herzen tönen; es füllt ihr Inneres wie etwas Greifbares aus, und sie sehen Ihn in sich als liebes Bild. Er spricht:
6-923 „Meine Ersten! Meine Stimme wird euch immer führen, auch wenn die Schaubarkeit fast ganz versinkt. Der Fall verlangt die innere Vollendung durch das äußere Prinzip des Lebens. Die Fähigkeit dazu erhaltet ihr von Mir. Am Tag der Weisheit legte der Ordnungsträger auf den Heiligen Herd die Erkenntnis, daß durch Äußeres das Innere sich erwerben ließe, was als Gabe Mir zurückzureichen sei. Völlige Rückkehr in Mein Inneres war Uraniels Schau, die nun durch euere jetzt bewährte Liebe Bestätigung finden kann und wird.
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