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Der sechste Schöpfungstag – Da ward aus Abend und Morgen, der sechste Tag

6-624    Das Wort beschneidet ihren Wunsch. An Orytams grundwahre Worte mag sie auch nicht denken. Sie kehrt bei ihren Ältesten ein, die sehr fleißig sind, belehrt die gewordenen Gruppen und hält dabei trotz innerer Warnung es für richtig, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, indem sie sagt, alle Lebenskraft sei aus ihr gekommen. Sie erwählt vier und vierundzwanzig Kinderpaare zu ihrem ‚Stab‘, der Sonderdienste leisten soll. Ferner erläßt sie ‚Befehle‘, die sieben Reiche bestens zu bevölkern.

6-625    Sie geht auf die Orakania und freut sich auch, als Pflanzen und Tiere ihr wieder zugeneigt sind. Doch ihr Tatimpuls bleibt nicht stehen. Wohl könnte sie demselben eine gleichstarke Hingabe an UR entgegensetzen, auf welche Weise sie im Ordnungsfeld verharrte. Aber wenn sie sich erhöbe, um neben UR groß zu sein . . .? Da schafft sie 144000 Kinder, übergibt ihnen die Orakania, heißt sie siebenfach schaffen und setzt jede dieser neuen Gruppen auf die Hagarma und die übrigen drei Sonnenzwillinge ein. —

6-626    Der Mahapatra ist von dichten Wolken eingehüllt. Noch nie sah Sadhana Ähnliches und weiß sich‘s nicht zu deuten. Als sie sich dem Berge nähert, hört sie donnernde Geräusche. Tief erschreckt flieht sie in ihr geheiligtes Gemach, wo sie sich verteidigt, daß sie doch alles bildgetreu nach dem UR-Zentrum geschaffen habe. Am Altarherde kniend wird ihr bewußt, daß sie hätte handeln können; aber wie sie es tat, das entbehrt bereits der Schöpfungsordnung. Wie ist das wieder gutzumachen? Den Kindern ihr Leben nehmen? So ließe sich das Ungerechtfertigte der Handlung nicht rechtfertigen.

6-627    Noch ist Sadhana selbst vom Rand des Ordnungsweges in dessen Mitte gelangt. Als sie sich erhebt, um Räuchwerk in die Opferschale einzustreuen, ist UR erschienen, sehr ernst und doch von freundlicher Güte überstrahlt. Ein Blick genügt — und sie flüchtet in die sich ausbreitenden Arme, bekennt und fragt um ihre falschen Taten. UR hält sie in Seinem Schoße fest und erwidert:

6-628    „Meine Sadhana, dein Zuwiderhandeln gegen Meine Ordnung können Liebe und Barmherzigkeit, die du zumeist zur Tagesarbeit wünschtest, streichen; aber wie du wirktest, die eigenmächtige Erhebung deiner selbst, ist nicht eher auszugleichen, bis du zur Wiedergutmachung gelangst. Wie du bereits abgewichen bist, erkenne daran: Deine Kinder sahen den verhüllten Berg, hörten Meine Heiligkeit und eilen ängstlich her, um bei dir Schutz zu suchen, weil sie Mich nicht kennen. Du hast Mir ihre Herzen wenig zubereitet.

6-629    Ein Reich besteht, Sadhana! Du hast deine Sonne in sieben Reiche aufgespalten; deine Reichsältesten kennen Mich kaum noch, und alle andern wissen gerade, daß es einen UR gibt — mehr nicht. Du lehrtest sie, daß die Lebenskraft aus dir gekommen sei, und weißt genau, daß aus Mir das Leben fließt und du niemals schaffen könntest, hätte Ich die Kraft dazu nicht erst in dich gelegt. Nun belehre sie in Meinem Beisein über Mich, den UR! Vergiß es nie, sonst müßte Ich für dich zum Opferträger werden! Willst du das?!“

6-630    Sadhana ist schwer erschüttert. Noch fühlt sie sich mit UR so eng verknüpft, daß sie an keine Trennung denkt. Sie drängt sich fest an Ihn und flüstert: „Nie, o UR, sollst Du meinetwegen Opferträger werden! Ich will die Kinder Dich wahr erkennen lehren, daß sie Dich loben, preisen, lieben und anbeten, DICH, den allheiligen UR, den grundguten Vater. Hilf mir, wieder gutzumachen, was ich ungewollt ohne Deine Ordnung schuf.“ Mit einem Kuß entläßt Er Sadhana aus Seinem Arm, denn die Kinder sind im Hause angelangt.

6-631    Das wird eine sonderbare Szene. Außer den Hügelältesten weiß kein Kind, daß sie UR gegenüberstehen. Die Sieben gehen rasch an den Altarherd, beugen ihre Knie und beten an, so gut sie es vermögen. UR segnet sie und fragt, wessen Kinder sie denn wären. Ohne Zögern sagen sie: „Sadhana schenkte uns das Leben; aber Du, allheiliger UR, bist der Lebensspender. Darum bleiben wir Dein Eigentum, obwohl wir Sadhanas Kinder sind.

6-632    Noch kennen wir Dich viel zu wenig, Allmächtiger, und wir bitten Sadhana, uns Deine Schöpfungswahrheit zu erklären, damit auch wir Dein hocherhabenes Wesen mehr verstehen, Dich immer inniger lieben lernen.“ Das Wort taugt. Doch ein kaum erwecktes Kind vom siebenten Sonnenring hätte das genausogut gewußt wie die Ataräus-Ältesten. Trotzdem sieht es UR in Güte an; es ist nicht der Kinder Last, daß die Erkenntnis so geringe Reife zeigt. Der Vater segnet und belobt sie daher reich.

6-633    Sadhana belehrt alle Kinder mit vielem Fleiß; doch wird es ihnen schwer, von sich aus den Kontakt mit UR herzustellen. Der Grundstock fehlt. Die Tagesliebe spendet aber reiche Hilfe, und so erkennen denn am Ende auch die Kleinsten dankbar einen ewig guten Vater an, von dem das Leben kommt und es in Seiner Güte auch erhält. Doch ob der Augenblick die Wurzeln tief genug geschlagen hat, enthüllt die nächste Zeit. UR segnet alle, und auf Sein Geheiß gehen sie in die Hügelhäuser. Sadhana bleibt allein zurück. Nach einer kleinen Stille, deren Inhalt sie nicht abzumessen weiß, sagt UR:

6-634    „Meine Sadhana, bevor diese Gnadenstunde abgelaufen ist, sei dir zum letzten Male das gezeigt, was offen vor dir liegt, du aber überschattest. Du sahest tief in Mich hinein, obzwar du samt den Fürsten Mich im ganzen UR-Sein nie erblicktest, auch nie erblicken kannst. Dennoch war die Schau so groß, daß ihr rechtens sagen könnt: ‚Wir haben UR gesehen!‘ Habt ihr die große Freiheitsprobe abgelegt, dann offenbare Ich Mich immer mehr, bis ihr von einer Seligkeit in die andere versinkt. Und die Vierwesenheit wird für euch in eins verschmelzen, und der UR-Vater wird euch dann ganz nahe sein!

6-635    Gehst du aber deinen eignen Weg, so werde Ich zu eurem Heile alsdann wenig sichtbar sein. Das wäre dann die schwerste Probe, die auf allen Kindern lastete, und ist es deine Sache, diesen Probeteil zu vermeiden. Ich verweise auf das von dir mit anerkannte freie Willensgesetz, demgemäß die Freiheitsprobe als unumgängliche Notwendigkeit oder als durchaus leichte Schule anzusehen ist. Das liegt auf gleicher Basis auch mit an den Fürsten, Wächtern, Ältesten und Befehlsträgern. Da du aber bei Beginn der schweren Erprobung die Macht über die Demut stellen willst, geht die Entscheidung erstlinig aus dir hervor, ob Ich Mich vor euch verhülle oder nicht.

6-636    Du siehst die Wahrheit ein, und die Entscheidung fiele dir nicht schwer wie nicht die Bitte, allzeit offenbar bei euch zu bleiben. Nun gehe auf die halbe Höhe Meines Berges; dort wird dir gezeigt, welche Folgen Mein Verhüllen haben kann. Findest du den rechten Weg, so wisse, liebliche Sadhana, daß dann die Freiheitsprobe für das ganze Tat-UR-Jahr so gut wie abgeschlossen ist; denn hernach noch Nötiges erfüllt sich aus Meiner Gnade nahezu von selbst. Ich segne dich mit Frieden, du Kind, das Ich aus Meinem UR-Zentrum gebar. Wandle Meine Bahn der Liebe und des Lichts!“ UR legt der knienden Sadhana seine Hände auf, und noch einmal schmiegt sie sich fest an Ihn an, sie ahnt ungewiß, daß sie die kindliche Reinheit wieder erwerben muß, die sie vorher im Heiligtum besessen hatte.

6-637    Auf halber Berghöhe sitzt Sadhana. Endlose Fernen öffnen sich vor ihr. Zwischen zahllosen Lichtern bildet sich ein Dunkel, das sich rasch erweitert. Ein abgegrenzter Raum, umgeben und bewohnt von sonderbaren Wesen. UR schreitet durch den dunklen Teil. Die Lichtgeister erkennen Seine Nähe, doch wird es ihnen schwer, einen reinen Weg zu gehen. Die dunklen Wesen nehmen Ihn überhaupt nicht wahr. Da tritt Er mitten unter sie in der Gestalt, den Wesen gleich. Sie hören Seine Stimme wie die ihre, sehen Ihn wie sich selbst; allein — die meisten wollen Ihn und Seine Wesenheit nicht anerkennen.

6-638    Da vergrößert sich die Finsternis, obwohl UR Sein Licht zurückgelassen hat, das die Wesen zu zerstören trachten. Ob es gelingt? — Sadhana sieht es nicht. Lange grübelt sie, was dieses Bild bedeuten soll. Warum offenbarte UR sich nicht? Fehlte Ihm die Macht dazu? . . . Von der Höhe her flammte ihr ein heller Strahl entgegen. Sie will hinauf. Als sie aber merkt, daß die Ataräuskinder sich an ihrem Haus versammeln, kniet sie flüchtig nieder und spricht:

6-639    „O Vater, hohe Liebe, ich bitte Dich, mir das Geschaute zu enthüllen. Aber sieh, meine Kinder suchen mich, und so will ich erst zu ihnen gehen. Dann komme ich auf Deinen Berg, denn oben werde ich das Bild erkennen können. Doch jetzt schon flehe ich Dich an: Laß dies Dunkle nicht geschehen; bleibe offenbar bei allen Deinen Kindern.“ Hastig steigt sie niederwärts, ohne noch einmal emporzusehen. Darum merkt sie nicht, was mit dem hellen Strahl geschieht.

6-640    Die Kinder haben allgemein des Vaters Worte nicht vergessen, und trotzdem Sadhana das Grundlose ihrer Sorge merkt, kehrt sie nicht sofort zum Berg zurück. Der Gedanke wuchert, zur Macht zu gelangen. Die Scharen verteilt sie auf die Sonnen und heißt sie, weiter sich zu vermehren. Selbst schafft sie auf der Ataräus nochmals 144 000. Doch die Zahl ist ihr kaum noch ein Symbol; mit dem unzeitgemäßen Verlassen des Mahapatra hat sich das Licht vor ihr verschlossen, wie auch die Umwelt für sie mehr und mehr zum stummen Leben wird.

6-641    Nachdem eine gewisse Kraftverausgabung erfolgte, was erst durch Ruhepausen wettzumachen ist, denkt sie bewußt an UR und strebt Seinem Berge zu. Aber ach, ihr stockt der Fuß. Schon daß der Weg ihr zur Entfernung wird, macht sie aufmerksam, daß sie den heiligen UR hinter ihre Werke stellte. Noch ist ihr Inneres vom Heiligen nicht ganz gelöst; denn als sie des Berges obere Hälfte von Wolken völlig eingehüllt sieht und bloß ein Strahl noch einmal leuchtet, fragt sie sich entsetzt: „Was habe ich getan?“ Eine Stimme von der Höhe fällt auf sie herab:

6-642    „Sadhana, noch ist die Gnadentür für dich nicht zugeschlossen, noch hältst du die Willensgrenze ein; du stehst aber schon auf ihr. Eine Tat, und du bist über sie hinausgeschleudert. Den Rechtsweg nach der Bildschau einzuschlagen, konnte dir ein leichtes sein. Nicht Ich verdeckte dir den Berg, und Mein Strahl wies dir die Richtung an. Doch dein Wunsch war dir wichtiger als Meine Offenbarung!

6-643    Nicht umsonst sandte Ich dich auf die halbe Höhe, wo du dich entscheiden solltest. Du zogst die Tiefe vor. Wendest du dich jetzt nicht ernstlich um, so bleibt fortan Tiefe und Höhe geschieden für alle, die das Werk bedenken, anstatt seinen Meister! Auf der Höhe leuchtete dir Meine Liebe. War es so schwer, zwischen ihr und dem zu wählen, was dir letztlich immer blieb? Nun ist das Bild nicht eher zu enthüllen, als bis du in der nächsten Probe rechtzeitig die gerade Gasse gehst. Über Meine Heiligkeit hinaus kam dir Meine Liebe frei entgegen. Lerne daraus, o Sadhana, daß dir die freie Willensgrenze nicht zum Abgrund wird!“ Die Liebe hat stark angeklopft, und Sadhanas Herz klopft auch. Noch kann und will sie des Vaters nicht entraten. Zaghaft sieht sie zur verhüllten Höhe auf und sagt:

6-644    „O heiliger Herr, o Vater! Habe nur ich solch schwere Proben zu bestehen? Was geschähe mit den Fürsten, stünden sie an meiner Statt? Du gabst mir Fähigkeiten, vielerlei zu schaffen; und es sind meine Kinder, die ich liebe. Aus Deiner Kraft belebte ich die leeren Sonnen und handelte im Sinne Deines Schöpfertums. Wieso läuft das den Bedingungen zuwider? Ist nicht mein Werk damit erfüllt im Gesetz des freien Willens? Sollten wir nebst URs Kindern nicht auch UR Geschöpfe sein, die an der Schöpfermacht gerechten Anteil haben? (1. Mo. 3,1)

6-645    Hierin ersehe ich die vom Liebetag gegebene Angleichung. Habe ich jedoch unbewußt eine Grenze überschritten, so lehre mich in Gnade sie erkennen. Die von mir geschaffenen Kinder sind durch mich auch Dein, und ich enthalte sie Dir nicht. Als Dein erstes Kind ist alles aus mir Werdende Dein Eigentum. Zeige mir den Unterschied zwischen mein und Dein, und ich will nach Deinem Wohlgefallen handeln.“

6-646    „Viel hast du geredet und noch mehr gedacht“, ertönt URs Stimme. „Meine Fürsten haben gleiche Proben zu bestehen; doch sie schauen immer erst auf Mich, weil sie dem Wissen Treue hielten, daß allein mit Meiner Kraft ein Werk vollkommen wird! Du sahest Meinen Strahl; doch du stiegst zu deinen Werken nieder, statt hinauf zu Meinem Licht! Du konntest wissen, daß den Kindern nichts verlorenging, vielmehr Meine Herrlichkeit von oben ihnen sichtbar würde. Gedeutet sei vom Bilde nur der Ort, wo viele Kinder leben müßten, wenn du die gute Grenze brichst.

6-647    Meinst du, ein UR-Geschöpf zu werden, indem du Meine Schöpfermacht und -herrlichkeit erhältst, so hast du in Gedanken nach des ersten Lebensbaumes Frucht gegriffen! Noch — Sadhana — hängt sie über dir; noch kannst du dich beruhigt wenden. Allein, begehrlich schaust du aus, deine schöpferische Fähigkeit Meiner UR-Macht gleichzustellen. Irre dich nicht, Mein Kind! Auch eine Fähigkeit hat ihren Ursprung in Meiner Schöpfermacht! Wer diese mit einer verliehenen Befähigung verwechseln und zur Gleichheit stempeln will, vergreift sich an der Heiligkeit und will die Früchte Meiner Schöpfermacht genießen!

6-648    Hüte dich, Sadhana, Meine Liebe warnt dich vor solchem Schritt! Wendest du dich einsichtsvoll zurück, wird dir Mein Angesicht wie ehedem in voller Klarheit leuchten. Führst du alle Ataräuskinder Mir zu, so ist der Grundkern deiner Probe schon bestanden, und der Liebetag wird sich entwickeln, wie Ich ihn ohne Fehl in Mir ersah! Gehe in dein Haus und siehe zu, daß Ich Mich bald bei deinen Scharen offen zeigen kann. Doch Ich will dich nicht entlassen, ohne daß Mein Segen und Mein Friede auf dich kommt, und Meine Kraft soll mit dir sein.“

6-649    Der Berg Mahapatra verhüllt sich nun fast ganz. Sadhana bedenkt wohl ernsthaft Gottes Wort; doch da sie sich nicht ausschalten will, kommt sie zu keinem guten Resultat. „Was nützt es mich“, sagt sie zu sich selbst, „wenn ich jene Kraft erhalten habe, die an zweiter Stelle steht? Ohne Schöpfermacht und nur mit der Befähigung aus ihr werde ich nicht das, was ich sein soll, vor allem, was ich werden will!“ Sie stellt URs Bedingungen ihrer Ansicht gegenüber, gewährt dieser aber gern das erste Recht und will nicht anerkennen, daß dadurch die Trennung zwischen UR und ihr ganz unvermeidlich wird.

6-650    Ja, zieht ihre Liebe und die Demut Ihn überhaupt noch herbei? Was liegt ihr noch an Seiner Offenbarung? Als Er ihrem Sinne nach sie zu lange warten läßt, schaltet und waltet sie in ihrem Raum, als stünde kein UR über ihr. Sein Name wird vergessen, Sein hehres Bild — den Hügelältesten und ersten Ataräus Gruppen noch bekannt — verblaßt. Sadhana wird in ihrem Sonnenring zum führenden Prinzip. —

6-651    In Licht-Heilig und in den Sonnensphären hat sich indessen alles Leben ordnungsgemäß abgespielt. Überall wohnen freigeborene Kinder, dem UR-Vater geweiht. Sie hören und sehen Ihn, sie lieben Ihn und folgen frei jeder Anordnung der Ersten. Über alle kommen harte Proben, zumal über die Fürsten; doch keiner greift ernstlich nach der Schöpferfrucht, obgleich sie ihre großen Fähigkeiten spüren und anwenden. Oft denken sie: ‚Das können wir allein vollbringen!‘

6-652    Sie tun es auch allein, doch aus freier Dienstbarkeit für das Tagewerk. Auf solche Weise verbinden sie Bedingungen und freien Willen im Schöpfungsordnungsplan. Nachdem sie den Kernpunkt der Freiheitsprobe bestanden haben, ruft UR die Fürsten und Stuhlersten ins Heiligtum. Wie jubeln sie Ihm dankbar zu, und wie ernst werden sie, als sie in seinem Blick die Trauer sehen. Er spricht:

6-653    „Meine Kinder, ihr Ersten Meines Lichts, der Heiligkeit, Majestät und Liebe! Nun zeigt es sich, ob der große Plan, Meinen Bedingungen das Freiheitsgesetz gleichzustellen, sich bewährt. Es war euch nicht immer leicht, zur Klarheit zu gelangen; aber das Schwerste kommt erst noch. Die Liebe will bedecken, was der Ordnung widerstrebt, weil sie die Last der Proben kennt, das ‚Frei-aus-sich-Entscheiden!‘

6-654    Bedenket immer, warum Ich Meinen Herrschaftswillen an die zweite und die Ordnung an die erste Stelle rückte. Das geschah nicht für den Schöpfer, sondern für das Geschöpf, weniger für den Werkmeister als grundlegend für das Werk. Achtet Weisheit, Ernst, Geduld und Liebe hoch, daß die Barmherzigkeit regiert, dann erreicht ihr ungebrochen Mein vorbedachtes Ziel! Die nächste Stunde bringt viel Sonderbares, und ihr werdet fragen: ‚Verändert das Freiheitsgesetz derart den Ordnungs-Willeplan, warum durfte es zu solcher Macht gelangen?‘

6-655    Vergleicht mit solcher Frage die vergangenen Tage mit aller ihrer Herrlichkeit, so werdet ihr verstehen, warum solcherlei geschieht. Sadhana wendet sich schon von Mir ab; sie erstrebt die Macht und ist mit der Befähigung nicht mehr zufrieden. Also muß die nächste Probe zeigen, ob ihr widerstehen könnt. Ich wollte aus Geschöpf, Geist und Seele UR-Kinder machen und gab aus Meinem UR-Teil deshalb jenen Teil dazu, der zum UR-Kind nötig ist.

6-656    Der Anteil bezieht sich nebst der äußeren Art vordringlich auf die innere; nicht aber so, daß ein Kind Selbst- oder Mitschöpfer würde. Schöpfer bleibe ewig ICH allein! Doch aus der Schöpfermacht erhalten die ihre Freigeburt bewahrenden Kinder jenen Werkanteil, mit dem sie in Meinem Auftrag schöpfermäßig handeln können. Nur Ich übersehe die UR-Ewigkeit und weiß ganz allein, was, wie, wann und wo etwas zu geschehen hat. Andernfalls müßte ja Mein Recht zerfallen.

6-657    Könnte denn ein Kind, wenn es auch den Anteil Meines Vaterwesens in sich trägt, der UR-Vater sein? Nein, ihr erkennt es an, daß Ich ewig mächtig bin und ihr auf dieser Basis selige Kinder werdet. Darum glaubet nie, daß mit einer Angleichung an Meine Wesenheit auch gleiche Macht, Kraft, Gewalt und Stärke hergegeben ist. Da müßte jedes Kind den gleichen UR-Anteil besitzen, den Ich selber habe.

6-658    Stünde das zu Recht, nie wäret ihr aus Mir geboren, und es hätte nicht bedurft, euch zu belehren. Da hättet ihr aus euch geschöpft, wie Ich aus Mir selber schöpfe. Seid ihr aber einzelne Gedanken, so könnt ihr jeweils Einzelträger sein. Ihr habt an euch erlebt, wie schon groß und wunderbar ein Einzel sich gestaltet und was vieles ihr wie aus euch selber schaffen könnt.

6-659    Wäre auch die Macht zu übertragen, dann auf ein Kind, weil die UR-Macht sich nicht spalten läßt. Hingegen das aus der UR-Ewigkeit Erstandene unterwarf sich für die Kinder einer Spaltungsmöglichkeit.

Doch Mein Ich-Prinzip bleibt ewig ungeteilt!

Auf diese Weise werden alle Kinder nach Aufbringung des großen Schöpfungssolls Mich sehen als UR, wie Ich ewig war und bleiben werde! Die UR-Macht läßt sich also auf euch nicht verteilen, denn sonst müßte ja Mein UR-Sein auf euch übertragen werden. Doch die Befähigung daraus kann ein jedes Kind erlangen entsprechend dem Gedankenmaß.

Strebt ihr nach dieser Fähigkeit, erfüllt ihr Mein Werk;

greift ihr nach der Macht, so zerstört ihr euch selbst!

Das ist ein unwandelbares Grundgesetz, eine oberste Bedingung!

6-660    Wagt Sadhana sich an Meine Macht, wird sie viele in den Abgrund reißen. Das sage Ich, weil der Wendepunkt vom Kinde kommt und nicht aus Meinem Willen. Darum verhülle Ich Mich, daß die Freiheit euch erhalten bleibt. Wer sie mißbraucht und Meine Heiligkeit verletzen will, wird sich verbrennen! Ihr habt gelobt, die Werk-Heiligkeit zu schützen. Das gelingt, wenn ihr Mein Wort befolgt, auch ohne Mich zu sehen. Dabei werdet ihr sogar — durch Sadhanas Abspaltung bedingt — eure größte Probe vollwahr lösen. Seid Meiner dem Tage zubereiteten unwandelbaren Liebe ganz gewiß. Vollendet ihr euer Werk auf dem Grundfundament der Liebe unter gleicher Mitwirkung aller andern Eigenschaften, so könnt ihr mitschöpferische Werkträger sein!

6-661    Nun kommt! Ich kehre noch einmal bei allen Kindern ein und bringe ihnen jene Gabe, Meine Allgegenwart notfalls ohne Schau immerdar zu fühlen. Ich bleibe aber stets bei denen, die sich zu Mir wenden, auch wenn ihr Mich dann bis zu einer Lösungszeit höchst selten und im zugedeckten Glanze seht. Wie Meine Stimme in euch wirkt, so auch Meine Gegenwart bei euch! Wer Mich im Herzen hört, kann dem Troste leben, die unaufhörlich fließende Kraft zu schöpfen, die euch zu Siegern macht, so ihr euch deren stets bedient.

6-662    Mein Schöpfersegen und Mein Priesterfriede komme über euer Herz. Mit Meiner Gottgewalt ausgestattet, werdet ihr das Licht bewahren können. Auch Meine Vaterstärke steht mit einer Gabe nicht zurück. Die Barmherzigkeit wird euch befähigen, dort Barmherzigkeit zu üben, wo sie vonnöten ist. Den gerechten Anteil dieser Gaben wollen wir nun allen Sonnenkindern bringen.“ Da tritt Rafael vor und sagt:

6-663    „Ewig-Heiliger UR, Gott und Vater! Herrlich hast Du Dich gesetzt als Schöpfer aller Werke! Ein Frevel ist‘s, wer sich erdreistet, nach Deiner hehren Macht zu greifen und zu wähnen, er sei wie Du! Du bist UR von Ewigkeit zu Ewigkeit, und wir wollen danach trachten, Deine lieben, vollendeten Kinder zu werden. Haben wir das erreicht, so sind wir ganz in Dir, ob Du Werke sichtbar werden läßt oder in Dir trägst, ob ein gnadenvoller Tag uns neben Dir bewußtes Dasein schenkt oder eine stille Nacht uns in Deinem Herzen ruhen läßt.

6-664    Herr, hilf! Wir wollen nie nach Deinen Schöpferfrüchten greifen, sondern aus der Befähigung Dir dienen. Laß uns nichts anderes sein als Deine Kinder, heilig- guter UR! O Du Vater . . .“ Rafael stürzt sich in Gottes Arme, kniet auf der obersten Stufe des Thrones und birgt sich dorthin, wo URs Herz hebend schlägt. Er sagt weiter:

6-665    „Vater, wir sind und bleiben Deine Kinder; hilf, hilf, daß auch die liebliche Sadhana für immer Dein Kind bleibt!“ „Auch wenn sie fällt? Wenn sie sich wider Mich erhebt und über Mir zu stehen trachtet? Auch dann, Sohn der Liebe?“ — Das hat der ganz heilige UR gefragt. Rafael spürt es erschüttert. Er forscht in den sanftdunklen Augen nach der Tiefe des Verstehens und erwidert:

6-666    „Ja, Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Auch dann soll Sadhana um den Preis der Liebe Dein Kind bleiben! Vergeblich greift sie ja nach Deiner Macht! Und wenn sie fällt? Nicht tiefer kann sie fallen, als der Raum aus Deinem UR-Raum seine Grenze hat; nicht länger kann sie widerstehen, als Deine UR-Zeit die Zeit des Tages schuf. Nichts wird sie erreichen! Denn aller wahren Tiefe Grund und der erhabenen Höhe Ziel bist Du allein! Du bist der Kinder Grenze und der Pol, um den sie kreisen, der Lebenskern und die unermeßlich weite Hülle, darein alles eingeschlossen werden muß. —

6-667    Sieh, o Vater, Sadhana will; aber ob sie kann? Sie könnte nur für eine kleine Zeit das Gebilde ihrer Täuschung halten. Deshalb bitte ich, daß sie ewiglich Dein erstes, liebstes Kind verbleiben soll. Unterstützt von Geduld, Barmherzigkeit und den bestimmenden Eigenschaften stellt die Liebe diese Forderung an Dich, all mächtiger UR!“

6-668    Die Worte klingen, als habe UR gesprochen; und doch kommen sie aus dem Herzensgrund des Rafael. Aber alle geht diese bittere Entscheidung an. UR schaut ernst auf Seine Schar hernieder. Seine Antwort ist eine zweite Frage, die dem Tagesdominanten gilt.

6-669    „Verlangt die Liebe auch dann ein Ja, müßte Ich zum Opferträger werden, in den das Vaterherz, Mein Gottsein und das königliche Priestertum einzuschließen wären, während Meine Schöpfermacht für diese Zeit fernzuhalten sei. Soll Ich Mich all dessen eines Kindes wegen in der Opferzeit begeben? Willst du das, Mein Rafael?

6-670    Die Frage löst Ungeheures aus. Die Fürsten stehen im Nu ganz zu oberst an dem Thron, die Wächter dicht am Herd, die Ältesten und die Befehls-Engel im engen Ring herum. Alle heben ihre gefalteten Hände hoch, alle sagen ja und nein! Das Kind soll erhalten bleiben, doch nicht UR der Opferträger sein. O Rafael, auf dir lastet jetzt gar viel; du mußt UR gehorchen und den Kindern dienen. Er sieht in die heiligen Augen, und dort leuchtet ihm das Mysterium entgegen. Seine Hand legt er auf die Schulter URs, links steht Agralea, und er sagt:

6-671    „All-Heiliger, ich darf als Lichtträger das Geheimnis sehen, daß der Schöpfung schönstes Kind Dir selbst erhalten bleibt, wenn die Liebe sich zum Opfer gibt. Wir Fürsten haben es einst anerkannt: Die Heiligkeit verlangt das Opfer ganz für sich! Wir wollen jetzt als Kinder Dir, heilig liebevollster Gott und Vater, dienen, um als Fürsten und Erste Deines Reiches Deinen Willen auszuführen. Um Deine Mithilfe bitte ich im besonderen, ist er ja in tiefster Wahrheit Dein erster UR-Lebensimpuls, aus dem Du alle Deine Werke schufst. Und die Liebe braucht im Opfer Deines Willens Macht!

6-672    Kommt aber eine Finsternis, so sie nicht mehr aufzuhalten wäre, über uns, so werden wir aus Deinem Liebewillen fähig sein, sie zu überwinden, in sie Dein Licht zu tragen, bis sie wieder Ewig-Licht geworden ist. — Vater! Nimm — noch sichtbar unter uns als UR — unsere Anbetung entgegen, Dir in dieser heilig segensvollen Stunde dargebracht. Dich preisen und ehren wir, lobsingen Deinem hehren Namen, rühmen Dich und geben uns Dir hin! Dir danken wir, UR-IMANUEL!“

6-673    Der Preisgesang durchbraust das Allerheiligste, daß der Vorhang sich zu beiden Seiten löst und sich von selber die vier Tempeltüren öffnen, von denen bis ans ‚Hephata‘ die Lichtbahnen offen leuchten, dort aber zur noch verhüllten großen Einheitsstraße werden. Alle Sonnenkreise spüren und hören das vierfache HEILIG; alle Lichtkinder nehmen es auf und werfen es zurück bis ins Heiligtum. —

6-674    Auch Sadhana spürt und hört. Ein letzter Ruf. Da hebt sie lauschend ihren Kopf, aber nicht ihr Herz, und keine Sehnsucht wird lebendig. Sie sieht auf das, von dem sie glaubt, es aus eigener Macht getan zu haben. Als sie sich vom stark umwölkten Mahapatra löst, schließen sich des Heiligtumes Tore. Zugedeckt ist URs Herrlichkeit. Für die Getreuen bleibt der ‚Not-Teil‘ offen und die rote Bahn, auf der UR als GOTT manche unsichtbare Wege wandeln wird.

6-675    Die sechste Tagesstunde ist vorüber. Noch einmal war UR sichtbar allen Seinen guten Kindern, und Seine Worte füllten ihre Herzen an. Die UR-Glocke läutet bang und schwer. Sadhana versäumt, dem letzten Rufe zu gehorchen. Die Frage ihrer Reichsältesten, warum der schöne Berg so selten sichtbar sei, beantwortet sie ganz nebensächlich. Dadurch geht ihnen der Zusammenhang verloren, und bald gilt ihnen Gottes Berg nicht mehr als einer ihrer Hügel.

6-676    Die vier Sonnenpaare haben nichts von ihrer Schönheit eingebüßt; aber daß die Ataräus nach und nach ihr Licht verliert, wird Sadhana bewußt. Obwohl sie es zu leugnen sucht, merken ihre Kinder auch die zunehmende Verdüsterung. In Angst bitten sie Sadhana, es abzuwenden, sie habe ja die Macht dazu. Über diese Meinung ist sie hocherfreut; denn nun zeigt es sich, daß die Wesen ihr Eigentum und nicht Gottes sind, der ferne bleibt. Sie löst sich ganz bewußt von UR und übernimmt selbstwillig das Regiment. Einmal stellt sie an den Kindern fest, daß die positiven größere Kraft besitzen als die negativen, und erkennt nicht mehr, welch wichtige Aufgabe den letzteren als Kraftausgleich gegeben wurde. Da will sie kein Negativ mehr sein.

‚‚Ich will sein wie Gott !‘‘

6-677    Noch ist ein Unsichtbares da, und das treibt sie ins geheiligte Gemach, das seinen Zweck für sie verloren hat. Trotzdem hantiert sie am Altarherd und entfacht die fast verloschene Flamme, die klein und flackernd brennt. Auch die Opferschale, die sie mit Weihkraut füllte, rhythmisiert nicht mehr. Da wendet sie sich völlig ab, setzt sich in ihren Stuhl und spricht laut:

6-678    „Gott, ich weiß, daß Du bist, denn ich habe Dich gesehen. Warum aber zeigst Du Dich nicht mehr? Sage an, was soll ich tun, so will ich es befolgen. Doch ein Negativ will ich nicht mehr sein! Bin ich das erste Deiner Kinder, so müssen mir die Engelsfürsten dienen. Daß dies bisher nicht geschah, beweist zu deutlich, daß ich bloß dem Worte nach ein Erstes bleiben sollte. Allein, die Tat regiert! Also stelle ich mich neben Dich, auf gleiche Höhe, daß sich durch mich die Schöpfung im gerechten Ordnungsplan entwickeln kann.

6-679    Die Fürsten durften handeln; und als ich die Ataräus schuf, mißgönntest Du mir dieses eine Werk. Warum? Liegt in mir mehr Macht und Kraft, als ich bisher ahnte? Trage ich in mir die gleiche Ewigkeit wie Du in Dir, und die Engel wurden aus uns beiden? aus mir freilich unbewußt, weil Du mein Bewußtsein untergrubst? Ja, so wird es sein! Also fordere ich mit Recht, daß Du mir Antwort gibst.“ Ehe sie noch weiterreden kann, öffnet sich die Pforte, eine weiße Wolke schwebt herein bis hinter den Altarherd, und aus ihr tönt URs Stimme:

6-680    „Sadhana, du, aus Meiner Lebenskraft gekommen, forderst deinen heiligen Herrn heraus, Antwort zu geben und Wünsche zu erfüllen, die alles andere bedeuten, nie aber die Vollendung deiner selbst. Dein Irren ließ dich schon weit ab von der freien Willensgrenze gehen. Du glaubst, es ginge ohne die Bedingungen, die ich in weisheitsvoller Güte hochgerecht errichtete, als unwandelbares Gesetz zum Schutze Meiner Heiligkeit, zur herrlichen Entfaltung aller Werke! So müssen sie erst recht dem Kindervolke gelten, das ja der Inbegriff Meiner erhabenen Schöpfung ist.

6-681    Ich halte die Meinem UR-Sein verhafteten Bedingungen höchst selbst ein; das merke dir! Es bedarf da keiner zweiten Satzung! Als ewig gerechter Schöpfer gebe Ich aus Meiner Ordnung die Gesetze, die die Willensmacht zum Fundament gebildet hatte, lasse sie durch Meine Weisheit rechtskräftig werden und bin in Meinem heiligen Ernst ihr oberster Erfüller und erster Garant! Erst dann stelle Ich Geduld, Liebe und Barmherzigkeit zum Hilfsschutz bei, daß sich Meine Kinder ihnen ohne Mühe unterstellen können.

6-682    Du weißt das auch, willst aber nun im freien Willen wirken. Ich soll dir zeigen, was Rechtens sei und du würdest danach tun? Du klagst, hinter die Fürsten zurückgesetzt zu sein und Ich soll dich neben Mich erheben, wie ein Fürst neben dem andern steht. Das sind Dinge, deinem Geiste fremd. Du zertrümmerst deinen Tempel, den ICH dem Schöpfungsall errichtete: das geheiligte Kindesherz! Und nun wundert‘s dich, daß Ich verborgen zu dir komme? —

6-683    Wisse: Die Ordnung verlangt einen Weg, der zwar so vielfältig ist, als es Kinder gibt; doch er bleibt jener durch Bedingung und freien Willen! Erinnere dich der vierten Tagesstunde, die Ich dir gewidmet hatte, eine Zeit, wie sie bisher dieser Art noch keinem Kinde zugekommen war. Ich zeigte an, warum die Fürsten mehr die äußeren Werke schaffen sollen, und du kamst dabei zur einmalig wahren Erkenntnis, wie hoch Ich dich über alle Kinder setzte.

6-684    Bist du Mein erstes Kind, bedarf es da nicht einer Sonderführung, damit du wirst, was Ich für dich ersah? Ich offenbarte dir, daß du einst — bis auf Mein UR-Gemach — Mein ganzes Haus verwalten solltest. Ist‘s aber eben nicht dies eine, was du begehrst, um dein Negativ mit einem dir unpassenden Positiv umzutauschen? Sadhana, so verlierst du deine wunderherrliche Bestimmung!

6-685    Ich berief dich einst an Meine Rechte, wenn auch der Platz von dir selbst noch nicht erworben war. Ich ließ dich über die Kinderzeugung nicht im Zweifel und daß die aus deinen vier in höchster Ordnung gezeugten Wächtern kommenden Kinder ja die Deinigen seien, im Sinne der Schöpfung aber alle insgesamt Meine Kinder ganz allein!

6-686    Du wolltest mehr und schufst dir sieben Hügelälteste. O Sadhana, jede Zeugung ist allein Mein Lebensakt! Doch Ich wollte euch die Lust bereiten, Mithelfer an Meinem Werk zu sein, und ermöglichte euch dieses Tun: Das geschah neben anderem im Rahmen der Kindvermehrung durch euch. Aber Ich, der Ewig-Heilige UR, legte die Gedankenkraft in euch durch Mein Wort ‚Es werde!‘ So ward Meine Tat zur eueren. Mein Kind, kannst du diesen unsagbaren Reichtum je ermessen?

6-687    Auf dem Mahapatra merktest du, daß etwas gutzumachen sei. Deine Tränen sammelte Ich, legte sie als Sonderkraft in dein eigen Herz, und in Güte nahm Ich die sieben Kinderpaare an wie Meine eigenen. Ich erklärte dir dabei, daß erst dann das Licht die wahre Leuchte eines Kindes ist, wenn es selbst zum Licht aus Meinem Lichte ward.

6-688    Ich gebe das den Kindern, was jeder Tag erfordert. Daher kann Ich auch ein Tagewerk zurückerwarten. Die Hingabe verlangt das ganze Kind! Behielte Ich Mir etwas aus dem Werk zurück, so hättet ihr das gleiche Recht. Richter hierüber ist das heilige Ausgleichsgesetz! Du meinst jetzt, von Ewigkeiten her neben Mir existiert zu haben in Macht und Kraft, bloß daß du nicht zuerst zum eigenen Bewußtsein kamst. Nehmen wir an, Mein Kind, auch Ich sei eine gleiche unbewußte Macht und Kraft gewesen. Wer hätte demnach Mich erweckt?

6-689    Wäre Ich dergestalt zuerst erwacht, warum geschah das nicht mit dir? Wären wir beide gleichen Rechts, so bliebe es verwunderlich, daß ICH der Erste war, der allen anderen das ATMA gab! Kannst du Mir hierüber eine die Schöpfung befriedigende Antwort geben, so sei neben Mir als positiver Mitschöpfer erhoben, und es wird sich hernach zeigen, wer der Ewig-Einzige und Wahrhaftige ist! — Berate dich nun gut; denn nicht Mir gilt eine Antwort, sondern allem Werk.“ Sadhana stutzt sehr; das hat sie nicht erwartet. Es ist auch nicht leicht. Dennoch formt sie die Entgegnung viel zu rasch und sagt:

6-690    „Meine Antwort kann jeden Schöpfungstag befriedigen, denn es verhält sich anders, als Du sagst. Wohl mag der Aufbau des Tat-UR-Jahres so gewesen sein, wie Du ihn enthülltest. Besteht aber nicht die Möglichkeit, daß ich selbst zum Leben kam, Du als zuerst bewußt gewordene Kraft mich abhängig machtest? Du behieltst Dir alles vor: das Recht, der UR-Ewige zu sein, die Schöpfermacht und Herrlichkeit; und in den Mantel Deiner Heiligkeit hüllst Du Dich verbergend ein.

6-691    Aus dem Gottprinzip nimmst Du Dir das Beste, und UR-Vater kann kein anderer sein denn Du! Wo ist hier Anfang, Ende, der gerechte Ausgleich, darauf das All gegründet steht? Beweise, daß Du nichts Dir vorbehältst, vom Schlüssel zum UR-Gemach noch ganz zu schweigen, und ich will bleiben, was ich bisher war. Sonst aber . . . Halte deine Zusagen ein; denn brächest Du Dein Wort, was wäre dann an Dir?!“

6-692    Plötzlich steht ein Schweigen da, lastend wie ein Schatten. Aber frevelhaft schüttelt Sadhana ihn ab: ‚Den in der Wolke habe ich mit Seinem eigenen Wort geschlagen.‘ Es kommt anders. Noch einmal muß das erste Kind die Allgewalt der Wahrheit spüren, zwar widerwillig und nicht zugegeben. Aus dem bitteren Ernst würden selbst die Fürsten keine Güte schmecken. Und doch wirkt sie hier.

6-693    „Sadhana, sehr klug hast du gesprochen! Nur steht deiner Klugheit Meine Weisheit gegenüber. Zu früh hast du triumphiert. Was du als Rückbehaltegut ersiehst, trifft zu! Ja, Mein Wille handelte absichtlich so zum höchsten Segen Meiner Kinder. Nie sagte Ich, daß Mein UR-Sein herzugeben sei; Schöpfermacht und Herrlichkeit halten einzig Meine Hände. Wahr ist, daß Mir die Heiligkeit zum Mantel dient; aber — törichtes Kind — zu deinem und aller Kinder Schutz! Wäre dieser Mantel nicht, dein Frevel hätte dir das Leben nun genommen! Im innerheiligen Teile Meines Gotteswesens liegt die Möglichkeit zum Schöpfungsopfer! Und kein Kind kann zum winzigsten Teile UR-Vater sein, weil nicht das Kind, sondern der VATER die Seligkeiten gibt!

6-694    Das alles werde Ich in Ewigkeit MIR vorbehalten und verwahren; anders kann es keinem Werke nutzbar sein! Nun merke auf und prüfe vorher deine Widerrede. Ich behielt Mir also wirklich das zurück und müßte dich getreu Meinem Wort zum Mitschöpfer machen. Allein, deine Antwort hat in keinem Falle einen einzigen Schöpfungstag befriedigt. Im Gegenteil! Nicht Ich brauchte Mich dagegen zu verwahren, wenn Ich dessen nötig hätte; vom Werke selbst mußt du die Gegenantwort ernten. Denn du und das Werk würdet aufhören zu existieren, würden deine Wünsche sich erfüllen.

6-695    Von Anfang an sagte Ich: Was jeder Tag aus Meinem UR-Sein in sich trägt, das fließt euch zu! Und das habe Ich durch Meine Tat getreu bestätigt. Aus Meiner Schöpfermacht und Herrlichkeit bereitete Ich euch Kindern Seligkeit und Freude, gab euch jeweils alle Fülle, die ein vollendeter Tag besaß. Hierin haftet auch der Kinder wahre Grenzenlosigkeit, wie Ich sie als urheilig Grenzenloser im gerechten Anteil ihnen überließ samt einer schöpferischen Fähigkeit.

6-696    Den Priestermantel nehme Ich — wie gesagt — nicht Meinetwegen um und brauche nicht den Schutz der Wächter oder Fürsten! Nein, Sadhana, allen Kindern als UR zu begegnen, ohne daß die Heiligkeit sie überfällt, würden sie an deren Grenze stoßen und gar wie du den freien Willen über die Bedingungen erheben wollen, darum habe Ich die Heiligkeit MIR vorbehalten; sonst hätte sie dich schon verzehrt, als du ohne Ordnungsplan die Hügelwesen schufst. Du wirst zu deinem eigenen Richter ohne deinen Willen. Und wahrlich, dieser Richter ‚Heilig‘ ist ums unendliche strenger und schwerlich zu besänftigen, tritt er ohne Mantel auf! Aber rückbehaltlich mit dem Mantel bleibt die Heiligkeit der wahrste Segensbringer für die Kinder.

6-697    Nicht anders verhält es sich mit Meinem Gott-Herzteil. Wäre dieser substantiell in dich gelegt, so müßte er zur Auswirkung gelangen, demzufolge du kraft eines eigenen Gottespunktes deinen falschen Weg richtig machtest, womit du dann ein Selbsterlöser wärest. Doch wie wolltest du das fertigbringen, wenn im Schöpfungswerk kein Anhaltspunkt für ein ‚Vollbracht‘ besteht? Wer handelte denn wider sich, um sich dann selbst von dieser falschen Handlung zu erlösen?! Zufolge einer höchsten UR-Bedingung, die noch kein Kind kennt, ist das unmöglich. Denn jede Bedingung, Sadhana, stützte sich auf diese eine UR-Bedingung, auch beide Fundamente, auch alles Werk! Aber höre einen Teil davon: Stets kann einer für den anderen Erlöser werden, weil dahinein das volle Ziel des Tat-UR-Jahres eingebettet ist.

6-698    Darum behielt Ich mit Rücksicht auf das Freiheitsgesetz ein etwa notwendig werdendes Erlösertum Mir selber vor, was Ich einzig im Behälter der Geduld und Liebe aufbewahrte. Ich behielt es also wohl zurück, aber nicht zu Meinem Reichtum, sondern zu dem Reichtum aller Kinder! Und dein Schritt, Sadhana, wirst du nicht die Umkehr wählen, fordert den Erlöserweg! Nie jedoch kann er geschehen, ist er nicht in Meiner Gott-Herzkammer konzentriert! Wäre er in alle Kinder aufgespaltet, wo bliebe die Gewalt, die dem Erlösertum die Hoheit gibt? Sieh, auch hierin ist dein Spruch nicht wahr, denn allein für Meine Kinder habe Ich das alles eingerichtet!

6-699    Nun kommt das letzte! O Sadhana, wie dünktest du dich klug; doch Ich biete Meine Weisheit gegen deine Klugheit auf! Sieh zu, finde wieder, was dir schon verlorenging. Wie könnt ihr UR-Kinder werden, wenn es keinen UR-Vater gibt? Von diesen vier UR-Essenzen ist aus heiliger Gesetzesfolge nichts einem Kind zu überlassen! Du fühlst gar wohl, daß Mein Wort gerecht und aus diesem Grunde auch die wahre Liebe ist. Trotzdem möchtest du dich drehen; es behagt dir nicht, zwischen Meinen Vorbehalten stehen zu müssen.

6-700    UR-Vatertum ist Mein Reservatio mentalis, Mein All-Teil von alters her. (Jes. 63,16) Erst recht ist sein äußerer Einbehalt im hochgesetzten Tat-UR-Jahr für alle Kinder segensreich! Im Rückbehalt der Schöpfermacht und Priesterheiligkeit, Gott-Erlösungstat und was Ich daraus — konzentriert im Schöpfungssoll — als UR-Vater in die Lade (Bundeslade) Meines Heiligen Herdes legte, wurzelt jede Möglichkeit, UR-Kinder zu erziehen, woraus ihr erst die volle Seligkeit genießen könnt.

6-701    Wahrlich, alles habe Ich verwahrt, sogar das, von dem zwischen uns die Rede ging. Und ewig gehe Ich allein ins UR-Gemach, Sadhana, und hole dafür Meine Kinder jede Herrlichkeit heraus. Dergestalt hat jedes seinen Teil an Meinem Eigentum und bleibe dennoch Ich allein der Ewig-Heilige, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige. Niemand steht neben Mir im gleichen Range einer UR-Persönlichkeit! Der König hütet Seine Kronjuwelen aus Seiner Macht als jenen Schatz, mit dem Er Seine Untertanen zu beglücken weiß. Er wacht über Seinen urpersönlichen Besitz, bis der Kronerbe seine Reife hat, um ein Mitregent zu werden. Und — Sadhana — Kronerbe sind alle Kinder! Nun beweise Mir, was Ich in Meinen Händen hielte, ohne nicht davon mit einem urgerechten Anteil alle Kinder zu beschenken!“

6-702    Ein viel längeres Schweigen als vordem tritt ein. Sadhana sucht nach neuen Argumenten, faßt und formt Gedanken zu einem Widerspruch, der sie wie ohne Furcht bis vor die Wolke hintreten läßt. Sie will so ihr Recht beweisen, unterdrückt ihr Ungefühl und sagt:

6-703    „Es sei dahingestellt, unsere Ansicht schöpfungsmäßig abzuwägen. Dein Hinweis, alles Gut zurückzuhalten, um es sparsam auszuteilen, zeugt von Liebelosigkeit. Liebe opfert alles, nicht nur das Einzel. Unser beider Liebe wurde unterschiedlich. Ja — wurde! Du in der Wolke, es war nicht! Was Du in Dir trägst, war ursächlich auch in mir, und will ich es zurückgewinnen. Mir wird die UR-Macht helfen; denn nun erkenne ich, daß vor Beginn des ersten Schöpfungstages, den Du den Tag der Ordnung nennst, eine andere Ordnung herrschte. Die UR-Macht lag außerhalb von uns beiden und hat nie gewollt, daß Du der Herrschende bist, ich aber der Gehorchende sei.

6-704    Weder Du noch ich können es behaupten, wer und was die UR-Macht ist. Auch genügt es zu erkennen, daß es eine solche gibt, der wir unterstehen, die wir — uns messend — zu erringen haben. Demnach ist es nebensächlich, ob meine Antwort einen Schöpfungstag befriedigt oder nicht. Hauptsache ist, daß wir so lang uns gegenüberstehen, bis einer siegt und die UR-Macht erhält. Ich fordere die Engelsfürsten auf, keinesfalls gegen Dich, noch für mich, sondern für die Entscheidung. Laß uns also zu dem Kampfe rüsten.“

6-705    „Es sei!“ entgegnet UR. „Hab‘ acht, daß dein entfachter Kampf nicht gegen dich entbrennt! Ich sende dir die Fürsten her.“ „Nein“, widerredet sie, „ich komme mit, sonst überredest Du sie gegen mich.“ „Wie du willst“, sagt UR, „damit du merkst, wer und was die UR-Macht ist. Folge Mir!“ „Erst muß ich die Reichsältesten unterrichten; es könnte sonst indessen etwas gegen meinen Sonnenraum geschehen.“ „So tue es.“ Nach ihrer Anordnung folgt Sadhana der weißen Wolke. Ihr Bemühen, neben ihr einher zu wandeln, ist vergeblich.

6-706    Die Stuhlersten sind im Heiligtum versammelt. UR braucht nichts zu künden; sie sahen ja, was vor sich ging. Uraniel und Michael öffnen den Vorhang. UR tritt aus der Wolke und nimmt gleich Seinen Machtstuhl ein. Sadhana wird von den Fürsten zum Gestühl geleitet und aufgefordert, ihr Begehren vorzutragen. Ihre Rede ist gehalten, nicht so herausfordernd wie auf der Ataräus. Zuletzt wendet sie sich an die Eigenschaftsträger und sagt:

6-707    „Brüder und Schwestern, obwohl aus mir zu eurem Eigensein ein großer Lebensanteil floß, will ich nicht das euch überragende Wesen sein, selbst wenn es sich entscheidet, daß die UR-Macht mindestens zur Hälfte mir gehört. Ja, zusammen statten wir das All mit vielen besten Gaben aus. Wie ich euch neben mich erhebe, so wollen wir den Kindern auch das gleiche Glück bereiten. Darum bekundet, was ihr von der UR-Macht haltet und ob nicht die freie Kräftemessung ganz allein das wahre Leben gibt.“

6-708    Die Fürsten stehen einmütig auf. Rafael bittet UR, sie möchten sich in seinem Haus beraten. Sadhana frohlockt; ihre Rede hat großen Eindruck hinterlassen. Sie befragt indessen auch die Engel, meidet aber die vier Wächter. Die Fürsten kehren bald zurück. Mit ernsten Mienen stellen sie sich rechts am Herde auf und sprechen der Reihe nach. Jeder wägte Sadhanas Forderung; alle aber bekennen sich zu UR, dem All-Heiligen. Das gleiche Zeugnis legt auch jeder Engel ab. Rafael faßt alles in einer Rede an die Sadhana zusammen.

6-709    „Sadhana, Kind heiliger Macht und Majestät! Nie kannst du Höheres und Schöneres werden als das, zu dem UR dich bereitet hat. Du stehst über uns als das geheiligte Negativ, des UR-Schöpfers und aller Seiner Werke wahrer Widerhall. Als solchen achten, ehren und lieben wir dich, und uns gelüstet nicht, neben dir zu stehen, wie uns auch nie gelüsten wird, die Hand nach der UR-Macht auszustrecken! Tun wir URs Werk, so hat ER uns an unsern Platz gestellt; und der ist geheiligt, weil zum gerechten Dienst am Kind-Werk vorbestimmt.

6-710    Unsre Liebe weicht nicht von dir; doch betrübt es uns, daß du die Freiheitsprobe ganz verkennst. Nicht darum handelt sich‘s, in der Probe die Befähigung eigenwillig zu entfalten, sondern freiwillig durch sie dem Tag der Liebe dienen. In diesem Tun steigert sich die schöpferische Fähigkeit, ohne daß wir dadurch ‚Schöpfer‘ werden könnten. Wir haben dir es frei gesagt, daß für uns die UR-Macht allein im Ewig-Heiligen UR, im Ewig-Einzigen und Wahrhaftigen wirkt und daß Er selbst die UR-Macht ist! In IHM schauen wir sie; durch Seine Worte hören wir sie; Dank und Bitte nimmt sie entgegen. Sie befähigt uns, das erhaltene Eigenleben zu vollenden, bis wir in UR unsere Hochvollendung haben werden.

6-711    Ich, Rafael, Träger der Liebe und ihres Tages Dominant, an dem wir in der Tat die UR-Kindschaft erlangen können, bitte dich, Sadhana, komm zum Heiligen Herd! Deine Probe war sehr schwer; so kannst du gern bekennen, daß du ihr unterlegen bist. Diese Demut führte dich schon wieder auf den Ordnungsweg, und der Vater wird dich segnen. Wir helfen dir; denn wir möchten nicht, daß dein Stuhl im Heiligtum verwaisen müßte. Du kannst zurück; die Liebe deckt dein Aufbegehren zu, und die Barmherzigkeit kann es umwandeln, daß sogar die Ordnung es in ihren Werkplan fügt. Sieh, wir alle rufen und bitten dich: Sadhana, du Liebliche, du erstes, allerschönstes Kind der heiligen UR-Wesenheit, komm, die LIEBE will dich leiten!“

6-712    Der Fürst führt die noch einmal Willige zum Heiligen Herd. Die Liebe aller Ersten bändigt ihren falschen Freiheitsstolz. Doch der Zwiespalt ist nicht aufgehoben. Sie fragt sich zwar, ob es nicht besser sei, hierzubleiben. Wohin aber mit den Ataräuskindern, die sie doch wirklich ohne UR erschuf, an denen sie ihre eigene Macht erprobte? Sie unterdrückt das Wissen, daß ihr die Arbeit äußerlich gelang, weil sie noch nicht gänzlich widerstand und im Grundgesetz der Freiheitsprobe ihr Wille offenkundig werden durfte. Aber, was soll sie vor dem Heiligen Herd beginnen? —

6-713    Die Engel harren bang. Sadhana schaut von einem zum anderen. URs Blick meidet sie, kniet auch nicht nieder, will vor den Ersten keine Demut üben und redet sich ein, sie würde es tun, wäre sie mit UR allein. Soweit aber fühlt sie sich bezwungen, daß sie sich als URs Kind und Ihn als den Allein-Mächtigen anerkennt. Daraufhin hebt UR noch einmal das hervor, was bisher geschah. Auch die Folgen deutet Er. Seine Liebe leitet Sadhana zurück, daß sie guten Willens auch das Schwerste überwinden kann. Ihr Herz wird froh. Zwar ist‘s nicht die alte, reine Freude mehr, dennoch ist sie fleckenlos. Sie dankt dem Vater und den Fürsten und ist bereit, ihren selbstbewußten Willen dem Werk zu unterstellen. Auf ihr Bekenntnis antwortet UR:

6-714    „Meine Sadhana, dein Herz hat sich Mir wieder zugekehrt, also kann Mein Segen wieder in dir wirken. Behalte die Erkenntnis, begib dich des Gedankens einer Macht, die gar leicht zur untragbaren Bürde wird. Wollte Ich ein Kind davon befreien, so nur, wenn die Bedingung ohne freien Willen waltet. Da wäret ihr aber ewiglich Geschöpfe! Denn wo ein Schöpfungszwang ersteht, bleibt — ohne Freiheit — das Ziel des Werkes für euch ein Phantom! Daran denke stets, Mein Kind, und verwahre es als große Mahnung Meiner UR-Liebe an dich.

6-715    Die siebente Stunde ist zur Hauptentscheidung angesetzt; nicht jener, o Sadhana, die du erstrebst, die Meine Heiligkeit herausfordern müßte! Sieh die Wahrheit: Herausforderungen dürfen mit der Freiheitsprobe nicht verwechselt werden. Die Tat, kraft des freien Willens die gegebenen Bedingungen zu erkennen und anzuerkennen, liegt vor euch. Das ist jetzt in der Kampfesstunde auszutragen.

6-716    Nun habt ihr Mich zunächst zum letzten Mal als UR gesehen. Erweist sich die Probe zugunsten Meines Werkes, daß ihr eure Tätigkeit auf beide Fundamentsträger gleichmäßig auslastet, so werdet ihr Mich in der nächsten Stunde sehen und hören können in einer Herrlichkeit, wie bisher nie geschah. Anders würde sogar eines Kindes wegen Mein UR-Wesen sich verbergen, bis das Schöpfungsopfer Mein gebrachtes UR-Opfer gleichsam überstrahlt und eine nötige Erlösung sichert.

6-717    Allzeit aber bleibt Mein Bild und Wort in euch lebendig und gibt es keine Trennung zwischen uns! Um euch das beseligende Äußere zu bewahren, muß nun das heilige Innere vorherrschend sein. Denn das Innere ist das A und O, ohne welches ihr zu keiner Seligkeit gelangt. Wer das Innere sich erhält, hat auch das Äußere bis zur Vollendung seiner selbst. — Seid gesegnet, Meine Ersten und mit euch alle, die sich treu erweisen.“ Alsbald steigt viel Weihrauch auf, er hüllt UR und Seinen erhabenen Rechtsstuhl ein. Der Herd bleibt sichtbar.

6-718    Die Fürsten beschließen, daß als Werkschutz die vier Wächter und je ein Fürst im Heiligtume bleiben. Die Ordnung übernimmt die erste Wache. Rafael bittet Sadhana in sein Haus; er und Agralea dienen ihr lange Zeit. Sie findet nahezu zu ihrem Sadhana-Sein zurück und beginnt nun ihrerseits zu dienen. Da sie sich aber nicht von ihrer Eigenschaffung löst, wendet sie sich ihrer Ataräus wieder zu.

6-719    Sie bittet, Rafael-Agralea möchten sie begleiten. Der Fürst geht in das Heiligtum und empfängt die Zusage. Aber wie betrübt sind beide, als sie die Kinderscharen sehen, klein, fast ohne Licht, fast unwissend über Gott, vor allem über UR. Aus Liebe lassen sie Sadhana nicht ihr Versäumnis fühlen; doch eifrig und mit geheiligter Inbrunst sorgen sie für all die armen Herzen.

6-720    Seit Sadhana das Heiligtum verließ, ohne Segen zu erbitten, flammt ihr Machttrieb neu empor. Nicht ungern läßt sie deshalb den Fürsten gehen; er ist ihr unbequem geworden. Sie wundert sich jedoch, daß Rafael—Agralea auf den ganz verhüllten Mahapatra steigen, und nimmt sich vor, es später auch zu tun. Sie weiß nicht, daß für die Treuen der Berg ohne Wolken ist. Immer mehr schlägt sie jede Warnung in den Wind. Im Heiligtum rechtet Uraniel mit UR und hebt hervor, was Er am Beginn des fünften Schöpfungstages vorbedachte. Es wird ein heiliges Zwiegespräch. Die Wächter sind die Zeugen.

6-721    Er fragt, ob die Werkkraft samt Freiheit zu beschränken sei. Noch einmal wägen UR und der Ordnungsträger dieses Maß; aber URs erstes Maß erweist sich als das beste. Der Fürst hat seine höchste Probe abgelegt. Was an Last noch kommen mag, nichts schleudert ihn mehr aus der freien Bahn zu UR. Gleich also, zwar in anderer Art, erfüllen sich die Proben aller Fürsten und der Wächter im Heiligtum, der Ältesten in der Stadt Licht-Heilig, der Befehls-Engel in ihrem Sonnenring. Die Lichtscharen bestehen in ihren Sphären unter guter Führung der Stuhlersten ihre Proben. Alle tun es für UR, den sie nicht mehr sehen und doch von ganzem Herzen lieben. —

6-722    Sadhana hingegen lehrt die Kinder: „Mich könnt ihr sehen; der sich aber GOTT nennt, muß sich in eine Wolke hüllen. Warum? Meine Macht nimmt zu, wie die Seine sich im selben Maß verringert. Die UR-Macht will: ‚Wir sollen sein wie Gott!‘ Er weiß es ja, darum versteckt Er sich! Wir erheben uns mit Recht zu unserer Bestimmung. Ein Unterschied besteht nun zwischen Gott und mir, und das ist: Ich verhülle mich mitnichten, und offensichtlich ist euch meine Macht. Frage: Wem wollt ihr gleichen?“ Ein Chor antwortet: „Gott!“ „Wem wollt ihr gehorchen?“ „Dir, Sadhana! Sei du unser Gott, denn du hast uns geschaffen. Erhebe uns zu dir, so wollen wir dir dienen.“

6-723    Die Wesen trifft noch keine Schuld, denn Sadhana nahm ihnen ihren Grund, das Licht von Rafael-Agralea ausgestreut. Waren die Hügelältesten die einst UR erkannten, auch im Heiligtum gewesen, sie würden schwerlich Sadhana zur Göttin machen. Und die Scharen haben Gott noch nie gesehen. — Die siebente Stunde wird der Schöpfung zum Verhängnis; immerhin noch fraglich, ob zur Vernichtung oder zum ‚Dennoch-Erhalt‘. Gleicht das Schöpfungsopfer, auch im Vorstrahl über treue Kinder, die Fundamentsträger aus, so bleibt das Ziel des Tat-UR-Jahres gänzlich unberührt.

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