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Buchstabensinn des Wortes
Der Buchstabensinn des Wortes ist die Grundlage, Hülle und Stütze seines geistigen und himmlischen Sinnes
In allem Göttlichen ist ein Erstes, ein Mittleres und ein Letztes, und zwar schreitet das Erste durch das Mittlere zum Letzten fort, und hat so Dasein und Bestand. Daher das Letzte die Grundlage ist. Ferner ist das Erste im Mittleren, und durch das Mittlere im Letzten, somit ist das Letzte das Enthaltende, und weil das Letzte das Enthaltende und die Grundlage ist, so ist es auch die Stütze. Die drei können auch genannt werden der Endzweck, die Ursache und die Wirkung; dann auch das Sein, das Werden und das Dasein; und daß der Endzweck das Sein, die Ursache das Werden und die Wirkung das Dasein ist. Daher gibt es bei jeder vollendeten Sache ein Dreifaches, das man das Erste, das Mittlere und das Letzte, dann auch den Endzweck, die Ursache und die Wirkung heißt. - So kann man begreifen, daß jedes göttliche Werk im Letzten vollendet und vollkommen ist, sowie auch, daß im Letzten alles ist, weil in ihm das Frühere beisammen ist. Daher kommt, daß unter drei im geistigen Sinn des Wortes verstanden wird das Vollendete und Vollkommene, dann auch alles zusammen. Und weil dieses durch jene Zahl bezeichnet wird, so wird sie immer dort gebraucht, wo dergleichen angedeutet wird. <WCR 210, 211>
Das Wort wurde so geschrieben, damit eine Verbindung des Himmels mit dem Menschen sein möge, und es ist eine Verbindung, weil jedes Wort in demselben, ja, in manchen Stellen jeder Buchstabe, einen geistigen Sinn enthält, in dem die Engel sind; so daß, wenn der Mensch das Wort nach dessen Scheinbarkeiten der Wahrheit auffaßt, die Engel, die um ihn sind, es geistig verstehen. Auf diese Weise wird das Geistige des Himmels mit dem Natürlichen der Welt verbunden, hinsichtlich solcher Dinge, die zum Leben des Menschen nach dem Tode beitragen. Wäre das Wort anders geschrieben worden, so hätte keine Verbindung des Himmels mit dem Menschen stattfinden können. Und weil das Wort im Buchstaben solcherart ist, deshalb ist es sozusagen eine Unterlage für den Himmel; denn alle Weisheit der Engel des Himmels hinsichtlich solcher Dinge, die zur Kirche gehören, laufen im buchstäblichen Sinn des Wortes wie auf ihrer Grundlage aus, weshalb das Wort im Buchstaben die Stütze des Himmels genannt werden kann. Der buchstäbliche Sinn des Wortes ist deshalb sehr heilig; ja, er ist sogar mächtiger als sein geistiger Sinn, denn wenn die Geister irgendeine Stelle des Wortes dem Sinn des Buchstabens gemäß vorbringen, so erregen sie sogleich irgendeine himmlische Gesellschaft zur Verbindung mit ihnen an.
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Hieraus kann erhellen, daß alle Lehren der Kirche durch den Buchstabensinn des Wortes begründet werden müssen, damit sie Heiligkeit und Macht erlangen, und zwar aus denjenigen Büchern des Wortes, in denen ein geistiger Sinn enthalten ist. Auch wird hierdurch klar, wie gefährlich es ist, das Wort zu verfälschen bis zur Zerstörung des göttlich Wahren, das in seinem geistigen Sinn liegt, denn dann wird der Himmel dem Menschen verschlossen. <EKO 816>
In 2.Mose Kapitel 20-23 wurde von den Gesetzen, Rechten und Satzungen gehandelt, die vom Berg Sinai herab verkündigt wurden, und gezeigt, was sie im inneren Sinn enthalten, somit wie man sie im Himmel auffaßt, nämlich nicht nach dem buchstäblichen Sinn, sondern nach dem geistigen Sinn, der nicht im Buchstabensinn offen hervortritt, aber dennoch darinnen liegt. Wer aber nicht weiß, wie sich die Sache verhält, kann meinen, auf diese Weise werde das Wort in Ansehung des Buchstabensinns vernichtet, deswegen, weil er im Himmel nicht beachtet werde; aber man wisse, daß der Buchstabensinn des Wortes dadurch keineswegs vernichtet, sondern vielmehr bekräftigt wird, und daß die einzelnen Worte durch den geistigen Sinn, der darinnen liegt, Gewicht und Bedeutung haben und heilig sind, weil der buchstäbliche Sinn die Grundlage und Stütze ist, worauf der geistige Sinn ruht, und mit dem er auf das engste zusammenhängt, so daß nicht einmal ein Jota oder eine Spitze, oder ein Häkchen im Buchstaben des Wortes ist, das nicht heilig Göttliches enthielte, nach den Worten des Herrn bei Matth.5/18: “Wahrlich, Ich sage euch, bis daß Himmel und Erde vergeht, wird nicht ein Jota oder ein Häkchen vom Gesetz vergehen, bis daß alles geschieht”. Luk.16/17: “Leichter ist es, daß Himmel und Erde vergehe, als daß eine Spitze des Gesetzes falle”: daß das Gesetz ist das Wort ist. Darum hat es auch die göttliche Vorsehung des Herrn so gefügt, daß das Wort bis auf jedes Jota und Strichlein von der Zeit an, wo es geschrieben worden, erhalten wurde, hauptsächlich das Wort des Alten Testaments. Es wurde mir auch aus dem Himmel gezeigt, daß im Wort nicht bloß ein jeder Ausdruck, sondern auch eine jede Silbe und, was unglaublich scheint, ein jedes Häkchen einer Silbe in der Grundsprache etwas Heiliges in sich schließt, was den Engeln des innersten Himmels wahrnehmbar wird. Daß es so ist, kann ich versichern, aber ich weiß wohl, daß es über den Glauben der meisten hinausgeht. Hieraus erhellt zwar, daß die äußeren Gebräuche der Kirche, die den Herrn und die inneren Dinge des Himmels und der Kirche, die vom Herrn stammt, vorbildeten, von denen im Worte des Alten Testaments die Rede ist, größtenteils aufgehoben sind, daß aber dennoch das Wort in seiner göttlichen Heiligkeit bleibt, weil alles und jedes, das darin steht, dennoch heilig Göttliches enthält, was im Himmel wahrgenommen wird, wenn dieses Wort gelesen wird; denn es ist inwendig Heiliges im einzelnen, und das ist sein innerer Sinn, oder der himmlische und göttliche Sinn. Dieser Sinn ist die Seele des Wortes, und ist das göttlich Wahre selbst, das vom Herrn ausgeht, somit der Herr selbst. <HG 9349>
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Die vorbildliche Kirche wurde im Land Kanaan hauptsächlich wegen des Wortes errichtet, auf daß dieses in Vorbildern und Bezeichnungen verfaßt würde, somit in solchem, was bei jener Völkerschaft in ihrer Kirche und in ihrem Lande war, denn alle Orte im Lande Kanaan, alle Berge und Flüsse daselbst, bildeten von den ältesten Zeiten her solches vor, was in den Himmeln ist; und so auch später die Erbteile, die Stämme und so weiter. Der buchstäbliche Sinn des Wortes des Alten Testaments bestand aus solchem, damit ein Letztes vorhanden wäre, in welches das Innere auslaufen, und worauf es stehen konnte, wie ein Gebäude auf seinem Fundament. Wer verständig ist, kann aus diesem merken, daß das Wort höchst heilig ist, und daß sein buchstäblicher Sinn heilig ist wegen seines inneren Sinnes, daß aber der von diesem getrennte Sinn nicht heilig ist; denn der vom Inneren getrennte Sinn ist wie das von seinem Inwendigen getrennte Äußere des Menschen, das ein lebloses Bildnis ist, und wie die Schale eines Baumes, einer Blume, einer Frucht oder eines Samens ohne das Innere von diesen, und wie eine Grundlage ohne Haus. Deshalb können diejenigen, die sich bloß an den Buchstabensinn des Wortes halten, und keine Lehre aus dem Wort haben, oder sich verschaffen, die mit seinem inneren Sinn übereinstimmt, in alle möglichen Irrlehren gezogen werden. Daher kommt es auch, daß das Wort wegen solcher ein Buch der Ketzereien genannt wird. Die eigentliche Lehre aus dem Wort muß immerdar vorleuchten und führen. Eben diese Lehre lehrt aber der innere Sinn, und wer diese Lehre kennt, hat den inneren Sinn des Wortes. Weil die jüdische Völkerschaft nichts Heiliges im Wort anerkannte, als in seinem Buchstabensinn allein, den sie ganz vom inneren Sinn trennte, darum fiel sie in solche Finsternis, daß sie den Herrn nicht erkannten, da Er in die Welt kam. Von solcher Art ist jene Völkerschaft noch heutzutage, und deshalb erkennt sie, obwohl sie unter den Christen lebt, dennoch den Herrn aus dem Wort noch nicht an. Daß jene Völkerschaft im Äußeren ohne das Innere von der ersten Zeit an war, darüber sehe man, was in den angeführten Stellen: HG 9320 und 9380 gezeigt wurde. Wenn daher der Herr nicht in die Welt gekommen wäre, und das Innere des Wortes geöffnet hätte, so wäre die Gemeinschaft mit den Himmeln durch das Wort unterbrochen gewesen; und infolge dieser Unterbrechung wäre das Menschengeschlecht auf dieser Erde zugrunde gegangen, denn der Mensch kann nichts Wahres denken, und nichts Gutes tun, wenn nicht aus dem Himmel, d.h. durch den Himmel vom Herrn. Das Wort ist es, was den Himmel öffnet. <HG 10276>
Der Buchstabensinn ist für Einfältige und Kinder
“Ich will doch hinabfahren, und sehen”, 1.Mose 18/21, daß dies die Heimsuchung bedeutet, kann erhellen aus der Bedeutung von hinabfahren um zu sehen, das soviel ist als das Gericht, wovon HG 1311, folglich soviel als die Heimsuchung.
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Die letzte Zeit der Kirche im allgemeinen, und die letzte Zeit eines jeden im besonderen, wird im Wort Heimsuchung genannt, und geht dem Gericht voraus, und ist so die Heimsuchung nichts anderes als die Untersuchung der Beschaffenheit, nämlich wie die Kirche im allgemeinen, oder der Mensch im besonderen beschaffen ist, und diese Untersuchung wird im Buchstabensinn dadurch ausgedrückt, daß Jehovah hinabfahre und sehe. Die Beschaffenheit des Buchstabensinnes kann hieraus erhellen, denn Jehovah fährt nicht hinab, da vom Herrn ein Hinabfahren nicht ausgesagt werden kann, weil Er immer im Höchsten ist. Auch sieht Jehovah nicht, ob es so sei, weil Er alles und jedes von Ewigkeit her weiß; dennoch aber wird so gesagt, weil es beim Menschen scheint als ob es so geschehe, denn der Mensch ist im Unteren, und wenn da etwas entsteht, so denkt er nicht, und weiß nicht einmal, wie sich das Obere verhält, also auch nicht, wie es einfließt; denn sein Denken geht nicht weiter als aufs Nächste, daher kann er es nicht anders fassen, als daß es so etwas ist, was einem Hinabfahren und Sehen ähnlich ist; und dies umso mehr, wenn er meint, es wisse niemand, was er denkt. Abgesehen davon, daß er keine andere Vorstellung hat, als daß es von oben herab, und wenn von Gott, daß es vom Höchsten her komme, während es doch nicht vom Höchsten, sondern vom Innersten herkommt. Hieraus kann erhellen, wie der Buchstabensinn beschaffen ist, daß er nämlich den Scheinbarkeiten gemäß ist, und wäre er nicht den Scheinbarkeiten gemäß, so würde das Wort niemand verstehen und anerkennen, somit nicht annehmen. Die Engel aber sind nicht so in Scheinbarkeiten wie der Mensch, daher denn das Wort, während es in betreff des Buchstabens für den Menschen ist, in betreff des inneren Sinnes für die Engel, dann auch für diejenigen Menschen, denen, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, gegeben ist, während sie in der Welt leben, wie die Engel zu sein. <HG 2242>
“Und grub einen anderen Brunnen, und sie zankten nicht über ihn”, 1.Mose 26/22, daß dies den Buchstabensinn des Wortes bedeutet, erhellt aus der Bedeutung des Brunnens, sofern er das Wort ist, hier das Wort in Ansehung des Buchstabensinns, denn es wird gesagt, daß er von da weggezogen sei, und einen anderen Brunnen gegraben habe, und daß sie über den nicht gezankt haben, und hierdurch wird bezeichnet derjenige Sinn des Wortes, welcher der auswendigere ist und den sie nicht leugnen, und dieser Sinn ist es, welcher der buchstäbliche genannt wird. Der Buchstabensinn des Wortes ist ein dreifacher, nämlich der historische, der prophetische und der lehrhafte, ein jeder ist so beschaffen, daß er auch von denjenigen begriffen werden kann, die im Äußeren sind. Mit dem Wort verhält es sich so: In der Urzeit, da die himmlische Kirche war, ist das Wort nicht gewesen, denn der Mensch jener Kirche hatte das Wort eingeschrieben in seinem Herzen; denn der Herr lehrte sie unmittelbar durch den Himmel, was gut und daher was wahr, und gab ihnen beides innezuwerden aus der Liebe und Liebtätigkeit und zu wissen aus Offenbarung. Das eigentlichste
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Wort war ihnen der Herr. Nach dieser Kirche trat eine andere auf, die nicht himmlisch, sondern geistig war; diese hatte Anfangs kein anderes Wort, als das, welches von den Uralten zusammengetragen war. Dieses war eine vorbildliche Darstellung des Herrn, und eine bezeichnende Schilderung Seines Reiches, somit war ihnen der innere Sinn das eigentliche Wort. Daß sie auch ein geschriebenes Wort hatten, sowohl ein historisches als ein prophetisches, das nicht mehr vorhanden ist, und daß in demselben gleichfalls ein innerer Sinn war, der sich auf den Herrn bezog, sehe man HG 2686; daher war die Weisheit jener Zeit reden und schreiben in Vorbildern und Bezeichnungen, innerhalb der Kirche von göttlichen Dingen, und außerhalb der Kirche von anderen Dingen, wie klar wird aus den Schriften jener Alten, die wir noch haben, aber im Fortgang der Zeit ging jene Weisheit verloren, bis daß man zuletzt nicht wußte, daß ein innerer Sinn auch in den Büchern des Wortes sei. Die jüdische und israelitische Völkerschaft war von solcher Art; diese hielt das prophetische Wort heilig, darum weil es altertümlich lautete, und sie den Jehovahnamen im Buchstabensinn hörten. Dabei glaubten sie nicht, daß etwas Göttliches tiefer darin verborgen liege. Die Christenheit denkt auch nicht heiliger vom Wort. Hieraus kann erhellen, wie die Weisheit im Lauf der Zeit vom Inwendigsten zum Äußerlichsten sich gewendet, und der Mensch vom Himmel sich entfernt hat, und zuletzt heruntergekommen ist zum Erdenstaub, in den er nun die Weisheit setzt. Weil es diese Bewandtnis mit dem Wort hatte, daß nämlich sein innerer Sinn allmählich in Vergessenheit kam, und zwar heutigen Tages, so daß man sein Dasein nicht weiß, da er doch das eigentlichste Wort ist, in dem das Göttliche zunächst, darum werden dessen Zustände wie sie aufeinanderfolgen, in diesem Kapitel beschrieben. <HG 3432>
“Und Jehovah sah, daß er hinging zu sehen”, 2.Mose 3/4, bedeutet die Reflexion sei vom Herrn her. Dies erhellt aus der Bedeutung von hingehen zu sehen, sofern es die Reflexion bezeichnet. Wie der Buchstabensinn des Wortes beschaffen ist, zeigt sich auch hier: es wird gesagt, Jehovah sah, daß er hinging zu sehen, als ob Er es zuvor nicht gewußt, und als ob Er es ihm nicht eingegeben und ihn dazu veranlaßt hätte hinzugehen und zu sehen. Es wird jedoch so gesagt, weil nach dem Schein gesprochen wird. Der innere Sinn dagegen lehrt, wie es zu verstehen ist, nämlich daß der Herr auf sein Denken eingewirkt, daß er darüber nachdachte. Hieraus kann erhellen, wie es sich mit dem Buchstabensinn des Wortes im Vergleich mit dem inneren Sinn verhält, und daß, was der Buchstabensinn enthält, so beschaffen ist, daß es sich nach der Fassungskraft der Einfältigen richtet, die nicht glauben, wenn es nicht so beschrieben ist, wie es erscheint. Was nicht erscheint, das glauben sie nicht, weil sie in das Inwendige der Dinge nicht eingehen können. Wenn daher das Wort im Buchstaben nicht so beschaffen gewesen wäre, so wäre es nicht angenommen worden. Wer im Sinnlichen steht, und von weltlichen Dingen
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eingenommen ist, begreift die inwendigeren Dinge gar nicht; ein solcher will sehen, was er glauben soll; was er nicht sieht, ist ihm gleichsam fremd, und er verweist es unter die Dinge, die zu verneinen, oder wenigsten ihm zweifelhaft sind, wenn er darüber aus sich denkt. <HG 6839>
“Da entbrannte der Zorn Jehovahs wider Mose”, 2.Mose 4/14, bedeutet Milde. Dies erhellt aus der Bedeutung des Zorns Jehovahs, sofern er nicht Zorn, sondern das Gegenteil von Zorn, also Barmherzigkeit, hier Milde ist. Daß Jehovah keinen Zorn hat, wird daraus klar, daß Er die Liebe selbst, das Gute selbst, die Barmherzigkeit selbst ist, und der Zorn das Gegenteil, und auch eine Schwachheit ist, was bei Gott nicht zutreffen kann. Wenn daher im Wort Jehovah oder dem Herrn Zorn beigelegt wird, so werden die Engel keinen Zorn inne, sondern entweder Barmherzigkeit oder die Entfernung der Bösen aus dem Himmel. Hier die Milde, weil es gesagt wird zu Mose, durch den der Herr, da Er in der Welt war, in Ansehung des göttlich Wahren vorgebildet wird. Daß dem Jehovah oder dem Herrn im Wort Zorn zugeschrieben wird, hat den Grund, weil es die allgemeinste Wahrheit ist, daß alles von Gott kommt, also sowohl Böses als Gutes. Aber diese allgemeinste Wahrheit, die für Kinder, Knaben, Einfältige bestimmt ist, muß nachmals erläutert werden, nämlich daß das Böse vom Menschen komme, und daß es nur scheine, als ob von Gott, und daß so gesagt ist, damit man lerne Gott fürchten, um nicht durch das Böse, das man tut, zugrunde zu gehen, und hernach Ihn zu lieben; denn die Furcht muß der Liebe vorausgehen, auf daß in der Liebe eine heilige Furcht sei; denn wenn der Liebe Furcht eingeflößt wird, so wird sie heilig durch das Heilige der Liebe, und dann ist keine Furcht vor dem Herrn da, daß er zürnen und strafen werde, sondern nur, daß man dem Guten selbst entgegenhandle, weil dies Gewissenspein verursachen würde. Außerdem wurden die Juden und Israeliten zur Beobachtung der Satzungen und Gebote in der äußeren Form durch Strafen angehalten, und daher glaubten sie, daß der Herr zürne und strafe, während doch sie selbst es waren, die durch Abgöttereien sich solches zuzogen, und sich vom Himmel trennten. <HG 6997>
Allein der Buchstabensinn des Wortes ist für die Einfältigen, für diejenigen, die in die inneren Glaubenswahrheiten erst eingeleitet werden, und für diejenigen, die das Innere nicht begreifen, denn er ist dem Anscheine gemäß, wie dieser sich vor dem sinnlichen Menschen darstellt, somit seiner Fassungskraft gemäß. Daher kommt es, daß in demselben vielfach nicht Übereinstimmendes und gleichsam Widersprechendes erscheint, wie z.B., daß der Herr in Versuchungen führe, und anderwärts, daß Er nicht hineinführe; daß den Herrn etwas gereue, und anderwärts, daß Ihn nichts gereue; daß der Herr aus Zorn und Grimm handle, und an anderen Stellen, daß Er aus lauter Güte und Barmherzigkeit handle; daß die Seelen gleich nach dem Tode ins Gericht kommen, und anderwärts, daß es zur Zeit des Letzten Gerichtes geschehe und dergleichen mehr.
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Solche Meinungen werden, weil sie dem Buchstabensinn des Wortes entnommen sind, wißtümliche Wahrheiten genannt, und unterscheiden sich von den Glaubenswahrheiten, die der Lehre der Kirche angehören; diese gehen nämlich aus jenen durch Erklärung hervor; denn wenn dieselben erklärt werden, wird der Mensch der Kirche unterrichtet, daß im Worte der Fassungskraft und dem Anschein gemäß auf solche Weise gesprochen worden ist. Daher kommt es auch, daß die Kirchenlehren in sehr vielen Stücken vom Buchstabensinn des Wortes abweichen. Man merke aber, daß es die Lehre der Kirche ist, die hier der innere Sinn genannt wird; denn im inneren Sinn sind die Wahrheiten so beschaffen, wie sie die Engel im Himmel haben. Unter den Priestern und unter den Angehörigen der Kirche gibt es solche, die die Wahrheiten der Kirche aus dem Buchstabensinn des Wortes lehren und lernen, und solche, die sie gemäß der aus dem Worte geschöpften Lehre lehren und lernen, die die Glaubenslehre der Kirche genannt wird; diese unterscheiden sich von jenen sehr in betreff der Auffassung. Das gemeine Volk kann sie jedoch nicht unterscheiden, weil diese und jene fast in gleicher Weise aus dem Worte reden; aber jene, die nur den Buchstabensinn des Wortes ohne Anleitung durch die Lehre der Kirche lehren und lernen, begreifen nichts, als was sich auf den natürlichen oder äußeren Menschen bezieht. Diejenigen hingegen, die dasselbe gemäß der wahren Lehre aus dem Worte tun, verstehen auch das, was sich auf den geistigen oder inneren Menschen bezieht. Der Grund ist, weil das Wort im äußeren oder Buchstabensinn natürlich, aber im inneren Sinne geistig ist, jener Sinn wird im Worte eine Wolke genannt, dieser aber die Herrlichkeit in der Wolke. <HG 9025>
Durch den inneren Sinn des Wortes soll der Buchstabensinn nicht geleugnet und infolge nicht ausgelöscht werden
In diesen beiden Versen wurde gehandelt von der Schwächung des geistig Wahren, d.h. des Wahren der Glaubenslehre der Kirche, in den beiden nun folgenden Versen aber ist die Rede von der Schwächung des wißtümlich Wahren, das dem Buchstabensinn des Wortes angehört, von seiten des geistig Wahren, das der Glaubenslehre der Kirche angehört. Dieses scheint zwar das gleiche zu sein, wie das erstere, es ist aber gleichwohl demselben nicht gleich, es soll daher auch hier ein Beispiel zur Erläuterung dienen: Es ist eine geistige oder echte Wahrheit der Glaubenslehre der Kirche, daß der Herr niemanden straft, weil Er die Barmherzigkeit selbst ist, daher tut Er alles, was Er tut, aus Barmherzigkeit, und durchaus nichts aus Zorn und Rache, und doch sagt der Herr bei Matth.10/28: “Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können; fürchtet euch aber vielmehr vor Dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle”. Hier wird von Gott gesagt, daß man Ihn fürchten solle, weil Er Leib und Seele verderben könne in der Hölle, während Er doch niemanden verdirbt. Aber dennoch ist jenes eine Wahrheit, und deswegen soll
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sie nicht ausgelöscht, d.h. geleugnet werden, denn wenn sie geleugnet wird, geht der Glaube an das Wort zugrunde, und wenn dieser zugrunde geht, kann der Mensch nicht geistig leben; denn der Mensch hat das geistige Leben durch den Glauben aus dem Worte. Es verhält sich aber damit in folgender Weise: Es ist ein Gesetz der göttlichen Ordnung, daß das Gute seinen Lohn, somit den Himmel in sich trägt. Daher kommt es, daß auch das Böse seine Strafe, somit die Hölle in sich trägt. Das erstere Gesetz ist vom Herrn, weil der Herr für alle das Gute will, das letztere aber nicht in gleicher Weise, weil der Herr für niemand Böses will; allein dennoch geschieht es so, nicht aus dem Herrn sondern aus dem Menschen, der im Bösen ist, demnach geschieht es aus dem Bösen. Es wird jedoch dem Herrn im Buchstabensinn des Wortes zugeschrieben, weil es so erscheint. Weil es aber ein scheinbar Wahres ist, darf es nicht geleugnet, d.h. nicht ausgelöscht werden, denn dadurch würde der Glaube an das Wort vernichtet werden, den die Einfältigen haben. <HG 9033>
Durch den inneren Sinn des Wortes lebt der Buchstabensinn
“So wirst du ihn entweihen”, 2.Mose 20/22, bedeutet, daß es dann kein Gottesdienst sei. Dies erhellt aus der Bedeutung von entweihen, insofern es heißt, machen, daß es kein Gottesdienst mehr ist; denn was aus der eigenen Einsicht stammt, das ist in sich ohne Leben, ja geistig tot; denn das Eigene des Menschen ist nichts als Böses. Wenn daher aus demselben ein Gottesdienst angeordnet wird, so ist dieser Gottesdienst nichts anderes als ein Götzendienst, ein Anbeten der Schnitzbilder und Gußbilder, in denen kein Atem, d.h. kein Leben ist. Was aber aus dem Worte ist, das dient allein zum Gottesdienst, denn es ist in sich lebendig; es ist nämlich inwendig im einzelnen des Wortes ein geistiger Sinn, der vom Reich des Herrn handelt, und im Inneren dieses Sinnes ist das Göttliche, weil das Wort in seinem innersten Sinn vom Herrn allein handelt. Hieraus stammt die Heiligkeit und das Leben des Wortes und nirgends andersher. Das Wort ist wie ein göttlicher Mensch: der Buchstabensinn ist gleichsam der Körper desselben, der innere Sinn aber ist gleichsam seine Seele. Hieraus erhellt, daß der Buchstabensinn durch den inneren Sinn lebt. Es scheint, als ob der Buchstabensinn durch den inneren Sinn verschwinde oder ersterbe, allein das Gegenteil ist der Fall: er verschwindet nicht, noch weniger erstirbt er, sondern er lebt durch den inneren Sinn. Hieraus kann man nun erkennen, daß der wahrhafte Gottesdienst aus dem hervorgeht, was aus dem Worte stammt, und keineswegs aus dem, was aus der eigenen Einsicht stammt; daher kommt es, daß durch “wenn du mit dem Meißel über den Altar fährst, so wirst du ihn entweihen” bezeichnet wird, wenn du nicht aus dem Worte, sondern aus eigener Einsicht das bildest, was zum Gottesdienst gehört, so ist es kein Gottesdienst. <HG 8943>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 104 →
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