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Das dritte Gebot: – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

“Gedenke des Sabbathtages, daß du ihn heiligest; sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk verrichten; aber der siebente Tag sei der Sabbath Jehovah deinem Gott”. Hierunter wird im natürlichen Sinne, welcher der Buchstabensinn ist, verstanden, daß sechs Tage für den Menschen und seine Arbeiten sein sollen, und der siebente für den Herrn und für die Ruhe des Menschen aus Ihm. Der Sabbath bedeutet in der Grundsprache die Ruhe. Der Sabbath war bei den Kindern Israels die Heiligkeit der Heiligkeiten, weil er den Herrn vorbildete; die sechs Tage Seine Arbeiten und Kämpfe mit den Höllen, und der siebente Seinen Sieg über sie, und so die Ruhe; und weil dieser Tag eine Vorbildung des Schlusses der ganzen Erlösung des Herrn war, darum war er die Heiligkeit selbst. Nachdem aber der Herr in die Welt gekommen war und infolgedessen die Vorbildungen desselben aufgehört hatten, so wurde dieser Tag ein Tag des Unterrichts in göttlichen Dingen, und so auch ein Tag der Ruhe von den Arbeiten und des Nachdenkens über die Dinge, welche das Heil und das ewige Leben betreffen, sowie auch ein Tag der Liebe zum Nächsten. Daß die Umbildung und Wiedergeburt des Menschen durch dieses Gebot im geistigen Sinne bezeichnet wird, hat seinen Grund darin, daß sie zusammenfällt mit den Arbeiten und Kämpfen des Herrn mit den Höllen und mit dem Sieg über sie und der alsdann eingetretenen Ruhe; denn in derselben Weise, in welcher der Herr Sein Menschliches verherrlichte und es göttlich machte, bildet Er um und wiedergebiert Er den Menschen und macht ihn geistig. Das dritte und vierte Gebot enthalten dasjenige, was getan werden soll; sie fordern, daß der Sabbath heilig gehalten und daß die Eltern geehrt werden sollen. Die übrigen Gebote enthalten dasjenige, was nicht getan werden soll; nämlich, daß keine anderen Götter angebetet, daß der Name Gottes nicht entheiligt werden, daß der Mensch nicht stehlen, nicht töten, nicht ehebrechen, noch falsches Zeugnis reden, noch sich der Güter anderer gelüsten lassen soll. Der Grund, weshalb diese zwei Gebote getan werden sollen, ist, weil das Halten der übrigen Gebote davon abhängt; denn der Sabbath bezeichnet die Vereinigung des Göttlichen und Menschlichen im Herrn, sowie Seine Verbindung mit dem Himmel und der Kirche und deshalb die Ehe des Guten und Wahren bei dem Menschen, der wiedergeboren wird.

Weil der Sabbath diese Dinge bezeichnet, war er das hauptsächlichste Vorbild aller Dinge, die zum Gottesdienst in der israelitischen Kirche gehören. Der Grund, weshalb er das hauptsächliche Vorbild aller zum Gottesdienst gehörigen Dinge gewesen ist, war, daß das Erste alles Gottesdienstes die Anerkennung des Göttlichen im Menschlichen des Herrn ist; denn ohne jene Anerkennung, kann der Mensch nicht glauben und handeln anders als aus sich selbst; und aus sich selbst glauben heißt Falschheiten glauben, und aus sich selbst handeln heißt Böses tun, wie aus den Worten des Herrn selbst bei Johannes hervorgeht. “Da sagten sie zu Ihm was sollen wir tun, daß wir die Werke Gottes wirken? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, daß ihr glaubet an Ihn, den Er gesandt hat,” und wieder: “Wer in Mir bleibet und Ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne Mich könnet ihr nichts tun”. <LL,S.188>

“Gedenke” bedeutet, es sei beständig in deinem Denken. Dies erhellt aus der Bedeutung von Gedenken, wenn es von dem gesagt wird, was durchaus nicht vergessen werden darf, insofern es das bezeichnet, was beständig im Denken ist. Beständig im Denken ist aber das, was allgemein darinnen herrscht; und im Menschen herrscht allgemein das, was beständig in seinen Gedanken ist, auch wenn er über andere Dinge nachdenkt oder in Geschäften ist. Das Denken des Menschen schließt vieles zugleich in sich, denn es ist die Form vieler Dinge, die allmählich eingedrungen sind. Was zur deutlichen Wahrnehmung gelangt, das ist dann in der Mitte und so im Lichte des inneren Gesichtes, und das übrige liegt dann an den Seiten ringsumher. Was in den Umkreisen sich befindet, das ist im Dunkeln und wird nicht offenbar, außer wenn solche Gegenstände entgegentreten, mit denen es in Verbindung steht; was aber noch entfernter liegt und nicht auf gleichem Grunde ruht, sondern sich abwärts wendet, ist das, was der Mensch verwirft und verabscheut. Von solcher Art ist das Böse und Falsche bei den Guten, und das Gute und Wahre bei den Bösen. Im eigentlichen Denken des Menschen ist nur das, was beständig in demselben vorhanden ist, d.h. was allgemein darinnen herrscht, und sein Innerstes bildet. Von diesem aus blickt der Mensch auf das, was nicht beständig in ihm ist, d.h. auf das, was noch nicht allgemein herrscht, als auf etwas außer ihm und auch unter ihm Liegendes, was noch nicht mit ihm verwandt ist, und aus diesem kann er sich dann wählen und sich beigesellen, was mit seinem Innersten übereinstimmt, und wenn es beigesellt und zuletzt verbunden ist, so wird dadurch sein Innerstes, d.h. das allgemein Herrschende verstärkt. Dies geschieht durch neue Wahrheiten bei den Guten, und durch neues Falsches, oder durch die Verkehrte Anwendung der Wahrheiten bei den Bösen. Ferner merke man: Was allgemein herrscht, ist das, was dem Willen selbst eingeprägt ist, denn der Wille selbst ist das Innerste des Menschen, weil er aus seiner Liebe gebildet ist. Alles nämlich, was der Mensch liebt, das will er, und was er über alles liebt, das will er am innigsten. Der Verstand aber dient dazu, um vor den anderen zu offenbaren, was der Mensch will, d.h., was er liebt, und

dient auch dazu, um den Willen anderer durch verschieden geformte Vorstellungen zur Zustimmung zu bewegen. Wenn dies geschieht, dann fließt auch wirklich aus dem Willen die Liebe oder die Neigung in die Gedankenvorstellungen ein, und bewegt und belebt sie durch eine gewisse Begeisterung. Diese Verstandesvorstellungen machen bei den Guten eins aus mit den Neigungen ihres Willens; anders aber ist es bei den Bösen, denn bei diesen stimmt das Denken und das Wollen zwar aufs innigste überein, indem ihr Verstand das Böse, das der Wille wünscht, denkt als das Falsche, das mit ihrem Bösen übereinstimmt, allein diese Übereinstimmung stellt sich nicht deutlich vor den Menschen in der Welt dar, weil sie von Kindheit an lernen, anders zu reden, als sie denken, und anders zu handeln als sie wollen. Kurz, sie lernen ihren inneren Menschen von dem äußeren zu trennen und in letzterem einen anderen Willen und auch ein anderes Denken zu bilden, als das, was in dem inneren Menschen ist, und so vermittelst des äußeren Gutes zu heucheln, ganz entgegen ihrem inneren Menschen, der in demselben Augenblick das Böse will und auch denkt, ohne daß man es merkt. Wie aber der innere Wille und das innere Denken beschaffen ist, zeigt sich im anderen Leben wie im hellen Lichte, denn dort wird das Äußere weggenommen und das Innere bloßgelegt. <HG 8885>

“Des Sabbathtages” bedeutet im höchsten Sinn die Vereinigung des Göttlichen Selbst mit dem Göttlich-Menschlichen des Herrn; im inneren Sinn die Verbindung des Göttlich-Menschlichen mit dem Himmel, also den Himmel, und somit die Ehe des Guten und Wahren in ihm. <HG 8886>

“Daß du ihn heiligst” bedeutet, in keiner Weise soll eine Verletzung desselben eintreten. Dies erhellt aus dem, was über den Sabbath befohlen wurde, worüber HG 8495 und aus dem, was über die Heiligung des Sabbaths hier folgt, nämlich: “Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk tun, aber die siebente Tag ist ein Sabbath für Jehovah, deinen Gott, da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist; denn in sechs Tagen hat Jehovah den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage, darum segnete Jehovah den Sabbath und heiligte ihn”; woraus erhellt, daß den Sabbath heiligen bedeutet, ihn in keiner Weise verletzen. Im inneren Sinn aber, daß in keiner Weise verletzt werden dürfe, was durch den Sabbath vorgebildet wurde, nämlich die Vereinigung des göttlichen Wesens des Herrn mit seinem menschlichen Wesen; dann die Vereinigung des letzteren mit den Himmeln, und deshalb die Vereinigung des Guten und Wahren in diesen; denn wenn diese verletzt werden, dann geht bei dem Menschen das geistige Leben zugrunde, und es entsteht ein bloß natürliches, hernach ein sinnliches Leben; dann aber wird das Falsche anstatt des Wahren und das Böse anstatt es Guten ergriffen, denn diese beiden sind es, die dann allgemein bei ihm herrschen. <HG 8887>

“Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk tun” bedeutet den Kampf, der vorhergeht und auf diese Ehe vorbereitet. Dies erhellt aus der Bedeutung von sechs Tagen, insofern sie die Zustände des Kampfes bezeichnen. Ferner aus der Bedeutung von arbeiten und sein Werk verrichten, insofern es heißt, das tun, was für das Leben notwendig ist, hier für das geistige Leben, d.h. für das Leben im Himmel. Außerdem wird unter dem Kampf, der vorhergeht und für die himmlische Ehe vorbereitet, der geistige Kampf oder die Versuchung verstanden, denn bevor der Mensch in die himmlische Ehe eintritt, d.h., bevor er wiedergeboren ist, steht er in einem Kampf wider das Böse und Falsche in ihm. Dies muß nämlich entfernt werden, ehe das Wahre und Gute, das vom Herrn ist, aufgenommen werden kann. Jenes, nämlich das Böse und Falsche, wird durch die Glaubenswahrheiten entfernt, denn durch sie lernt der Mensch nicht nur was gut ist, sondern wird auch zum Guten hingeführt. Dies ist der erste Zustand des Menschen, der wiedergeboren wird, und wird der Zustand genannt, welcher der himmlischen Ehe vorangeht und auf sie vorbereitet. Wenn aber der Mensch im Guten ist und durch das Gute vom Herrn geführt wird, dann ist er in der himmlischen Ehe, somit im Himmel, denn die himmlische Ehe ist der Himmel. Der erste Zustand wird durch die sechs Tage bezeichnet, die dem siebenten vorangehen, und der spätere Zustand durch den siebenten Tag. Weil durch Sabbath die himmlische Ehe bezeichnet wird, die der Himmel ist, deshalb wird das Reich des Herrn in den Himmeln der ewige Sabbath genannt, somit die ewige Ruhe und der ewige Friede, wo also nicht mehr sechs Tage der Arbeit sind. <HG 8888>

“Aber der siebente Tag ist ein Sabbath für Jehovah, deinen Gott” bedeutet das eingepflanzte Gute und dadurch die Ehe. Dies erhellt aus der Bedeutung des Sabbathes, insofern er die himmlische Ehe bezeichnet, somit das Gute, das durch die Wahrheiten eingepflanzt und nachher von ihnen gestaltet wurde. Denn das Gute bei dem Menschen ist nicht eher ein geistig Gutes, als bis es von den Wahrheiten seine Form erhalten hat, und wenn es gestaltet ist, dann findet die himmlische Ehe statt, denn diese ist die Verbindung des Guten und Wahren, und der Himmel selbst bei dem Menschen. Daher kommt es auch, daß der siebente Tag einen heiligen Zustand bedeutet. <HG 8889>

“Da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist” bedeutet, alsdann sei der Himmel und die Seligkeit in allem und jedem, das im Inneren und Äußeren des Menschen ist. Dies erhellt aus der Bedeutung von “kein Werk tun”, insofern es die Ruhe und den Frieden bezeichnet, somit den Himmel; denn wenn sich der Mensch im Himmel befindet, ist er frei von aller Sorge, Unruhe und Beängstigung, und wenn er von diesen frei ist, genießt er die Seligkeit.

Ferner aus der Bedeutung von “du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, und dein Fremdling, der in deinen Toren ist”, insofern es alles und jedes bezeichnet, das im Inneren und Äußeren des Menschen ist. Durch “du” wird nämlich der Mensch selbst bezeichnet, durch Sohn sein Verstandesvermögen, durch Tochter sein Willensvermögen, beides im inneren Menschen; durch Knecht wird das Natürliche in Ansehung des Wahren, und durch Magd das Natürliche in Ansehung des Guten bezeichnet, somit beides im äußeren Menschen. Durch Vieh wird die Neigung im allgemeinen, und durch den Fremdling in den Toren das Wißtümliche im allgemeinen bezeichnet, somit alles und jedes einzelne. Der Sohn bedeutet aber das Verstandesvermögen, weil er das Wahre bezeichnet, denn die Wahrheiten bilden das Verstandesgebiet; und die Tochter bedeutet das Willensvermögen, weil sie das Gute bezeichnet, denn das Gute bildet des Willensgebiet. <HG 8890>

“Denn in sechs Tagen hat Jehovah den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles was darinnen ist” bedeutet die Wiedergeburt und Belebung dessen, was im inneren und im äußeren Menschen ist. Dies erhellt aus der Bedeutung der sechs Tage, insofern sie die Zustände des Kampfes bezeichnen; und wenn es von Jehovah, d.h. von dem Herrn gesagt wird, bezeichnen sie die Arbeit an dem Menschen, bevor er wiedergeboren wird. Aus der Bedeutung des Himmels und der Erde, insofern sie die Kirche oder das Reich des Herrn im Menschen bezeichnen, den Himmel im inneren und die Erde im äußeren Menschen; somit bezeichnen sie den wiedergeborenen Menschen, d.h. denjenigen, der das neue Leben erlangt hat und lebendig gemacht ist. Ferner aus der Bedeutung des Meeres, insofern es das Sinnliche bezeichnet, das dem Körperlichen des Menschen anhängt. In diesem Vers, 2.Mose 20/11, wird von der Heiligung des siebenten Tages gehandelt oder von der Einsetzung des Sabbaths, und sie wird dadurch beschrieben, daß: “Jehovah in sechs Tagen den Himmel und die Erde gemacht hat, das Meer und alles was darinnen ist und am siebenten Tage ruhte; daher segnete Jehovah den siebenten Tag und heiligte ihn”. <HG 8891>

“Und alles was darinnen ist” bedeutet, alles dessen was in denselben ist, nämlich die Belebung. Dies erhellt ohne Erklärung. <HG 8892>

“Und ruhte am siebenten Tage” bedeutet, dann der Friede und das Gute der Liebe vorhanden sei. Dies erhellt aus der Bedeutung von ruhen, insofern es den Frieden bezeichnet; und aus der Bedeutung des siebenten Tages, insofern er den Zustand der himmlischen Liebe bezeichnet. Die Ruhe am siebenten Tage bedeutet den Frieden und das Gute der Liebe, weil der Mensch, bevor er wiedergeboren oder von neuem erschaffen ist, in Unruhe und Aufregung lebt; denn dann kämpft sein natürliches Leben mit dem geistigen Leben, indem jenes über dieses herrschen will. Deshalb hat alsdann der Herr

Arbeit, denn er kämpft für den Menschen wider die Höllen, die ihn angreifen. Sobald aber das Gute der Liebe eingepflanzt ist, hört der Kampf auf und es wird Ruhe; denn dann wird er in den Himmel eingeführt und vom Herrn nach den dort bestehenden Gesetzen der Ordnung, somit in Frieden geleitet. Dies wird bezeichnet durch die Ruhe Jehovahs am siebenten Tage. <HG 8893>

“Darum segnete Jehovah den Sabbath” bedeutet, dann finde die himmlische Ehe statt durch den Herrn. Dies erhellt aus der Bedeutung von segnen, insofern es soviel ist, als in die himmlische Ordnung gebracht, und mit dem Guten der Liebe begabt werden; und aus der Bedeutung des siebenten Tages, insofern er den Zustand der himmlischen Liebe bezeichnet, somit die himmlische Ehe, denn die himmlische Ehe ist die Verbindung des Guten und Wahren, die der Himmel im Menschen ist. <HG 8894>

“Und heiligte ihn” bedeutet, daß diese Ehe durchaus nicht verletzt werden könne. Dies erhellt aus der Bedeutung von heiligen, wenn von der himmlischen Ehe bei dem wiedergeborenen Menschen gehandelt wird, insofern es ausdrückt, daß sie unverletzlich sei, denn das Heilige des Herrn bei den Menschen kann nicht verletzt werden, also auch der Mensch nicht, der das Heilige vom Herrn aufnimmt, d.h., der im Guten der Liebe und daher im Himmel ist. <HG 8895>

Das dritte und vierte Gebot des Dekaloges enthält das, was getan werden soll, nämlich, daß man den Sabbath heiligen und die Eltern ehren müsse; die übrigen Gebote aber enthalten das, was nicht geschehen soll, nämlich, daß man keine anderen Götter verehren, den Namen Gottes nicht entheiligen, nicht stehlen, nicht ehebrechen, nicht falsches Zeugnis geben und die Güter anderer nicht begehren soll. Jene zwei Gebote sind aber Vorschriften, etwas zu tun, weil die Heiligung der anderen Gebote von diesen abhängt; denn der Sabbath bedeutet die Vereinigung des Göttlichen Selbst und des Göttlich-Menschlichen im Herrn, wie auch Seine Verbindung mit dem Himmel und mit der Kirche, und daher auch die Ehe des Guten und Wahren im Menschen, der wiedergeboren wird. Weil der Sabbath diese Bedeutung hatte, deshalb war er das wichtigste Vorbild für alles, was zur Gottesverehrung in der israelitischen Kirche gehörte, wie man aus Jerem.17/20-27 und anderen Stellen deutlich erkennen kann. Er war aber die wichtigste Vorbildung für alle Gottesverehrung, weil bei dieser das Hauptsächlichste die Anerkennung des Herrn in Seinem Göttlich-Menschlichen ist; denn ohne diese Anerkennung kann der Mensch nur aus sich glauben und handeln, und aus sich glauben heißt Falsches glauben, und aus sich handeln heißt Böses tun. Daß der Sabbath jene Vereinigung vorbildete, wie auch die heilige Anerkennung derselben, ist in den Himmlischen Geheimnissen ausführlich gezeigt worden, nämlich: Der Mensch, der wiedergeboren wird, hat zwei Zustände: der erste ist der, wenn er die Wahrheiten aufnimmt und durch dieselben zum Guten und in das Gute

geführt wird; der zweite aber ist der, wenn er wirklich im Guten ist. Wenn der Mensch im ersten Zustand ist, dann hat er Kämpfe und Versuchungen zu bestehen, wenn er aber im zweiten Zustand ist, dann lebt er in der Ruhe des Friedens. Der erste Zustand wird durch die sechs Tage der Arbeit bezeichnet, die dem Sabbath vorangehen, der zweite Zustand aber wird durch die Ruhe am Tag des Sabbaths bezeichnet. Auch beim Herrn traten zwei Zustände ein: der erste, während Er als das göttlich Wahre gegen die Höllen kämpfte und sie unterjochte; der zweite, als Er das göttlich Gute ward durch die Vereinigung mit dem Göttlichen Selbst in Ihm. Der erste Zustand wurde im höchsten Sinn durch die sechs Tage der Arbeit bezeichnet und der zweite durch den Sabbath. <EKO 965>

“Du sollst den Sabbath heiligen”. Was will aber das sagen, besonders hier, wo keine Nacht mehr mit dem Tage wechselt, und somit nur ein ewiger Tag fortwähret? Wann ist da wohl Sabbath? Ist das Gebot aber göttlicher Abkunft, so muß es eine ewige und nicht nur zeitliche Regel sein und muß im Reiche der Geister jene vollgültige Bedeutung haben wie auf der Erde. Bei euch heißt es, man soll an dem als Sabbath gebotenen Feiertage keine knechtliche Arbeit verrichten, worunter nämlich alle Erwerbstätigkeit verstanden wird. Wohl aber ist es erlaubt, Spektakel aufzuführen, zu spielen, gleich den Heiden zu tanzen. Einen Tag vor dem Sabbath zu fasten ist geboten, um an dem Sabbath desto besser und mehr fressen zu können. Also ist auch den Wirten erlaubt, ihre Speisen zu verkaufen und ihre Gäste an einem Feiertage mehr als an einem sonstigen zu betrügen. Das heißt demnach rechtlichermaßen den Sabbath heiligen; nur keine mehr gesegnete Arbeit auf dem Felde und auf dem Acker darf verrichtet werden, alles andere aber ist für den Sabbath tauglich. Der Herr aber hat auf der Welt gezeigt, daß man auch am Sabbath gar füglich arbeiten und Gutes wirken kann. Wenn aber der Herr selbst am Sabbath gearbeitet hat, da meine ich, solle jeder Mensch des Beweises genug haben, daß unter “Heiligung des Sabbathes” etwas ganz anderes verstanden werden soll als nicht zu arbeiten, noch in die Hände zu nehmen, was nützlich und ersprießlich ist. Was aber wird demnach unter der Heiligung des Sabbaths verstanden? Was ist der Sabbath? Ich will euch ganz kurz sagen: Der Sabbath ist weder der Samstag, noch der Sonntag, noch der Oster- und der Pfingstsonntag, noch irgendein anderer Tag in der Woche oder im Jahre, sondern er ist nichts anderes als der Tag des Geistes im Menschen, das göttliche Licht im menschlichen Geiste, die aufgehende Sonne des Lebens in der menschlichen Seele. Das ist der lebendige Tag des Herrn im Menschen, den er fortwährend mehr erkennen und durch alle seine Handlungen heiligen soll, die er aus Liebe zu Gott und daraus aus Liebe zu seinem Nächsten verrichten soll. Da aber der Mensch diesen heiligen Ruhetag des Herrn im Gewühle der Welt nimmer finden kann und mag, daher soll er sich von der Welt zurückziehen und diesen Tag des Lebens der heiligen Ruhe Gottes in sich suchen. Darum war auch

dem Volke der Israeliten geboten, wenigstens einen Tag in der Woche zu bestimmen, an welchem es sich von weltlichen Geschäften zurückziehen und allein diesen Tag des Lebens in sich suchen sollte. Aber man beobachtete das Gesetz bloß äußerlich materiell und brachte es auf diesem Wege am Ende so weit, daß man nicht einmal den Herrn des Sabbaths erkannte, Ihn den heiligen Vater, als Er von unendlicher Liebe getrieben zu Seinen Kindern auf die Erde kam! Ich meine, aus diesen Worten dürfte es euch völlig begreiflich sein, was unter der Heiligung des Sabbaths verstanden und wie diese gehandhabt werden sollte. Zugleich aber dürfte euch auch die Frage begreiflich sein, ob sich eure Sonntagsheiligung wohl als eine Sabbathsheiligung in der Wahrheit ausnimmt, ob man durch eine Stunde kirchlichen Andachtsdienstes, dann aber durch lauter Weltunterhaltungen wohl zum inneren, ewig lebendigen Ruhetag des Herrn gelangen kann? Wenn ich mit euch auf der Erde wäre, da möchte ich wohl einen sehr hohen Preis auf den Beweis setzen, ob sich durch das Kirchenlaufen, dann durchs tüchtige Fressen, endlich durchs Spazierengehen, Fahren oder Reiten, mitunter auch durchs Tanzen, Spielen und Saufen, nicht selten durch Lügen und Betrügen, durchs gewöhnlich ehrabschneiderische Visitenmachen und dergleichen mehr Unternehmungen der wahre Sabbath im Geiste finden und heiligen läßt. Wer weiß, ob es nicht Philosophen gibt, die solchen Beweis zu liefern imstande wären, - bei uns möchte er sich freilich ausnehmen wie eine falsche Münze. <GS II,76/11-20>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 263 →

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