Empfangen vom Herrn durch J. Lorber, am 9. April 1842
1. Sendschreiben Johs. 2 Kap. 23. Vers
„Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennet, der hat auch den Vater!“ – (Den die rechte Liebe – als der Geist der Wahrheit – enthüllt ihm dies große Geheimnis.) –
So da Jemand hat eine gewählte Jungfrau und verlanget Liebe von ihr, dabei sagt er ihr aber in’s Gesicht: „Du hast kein Herz!“ – Da er ihr aber solches beweiset, und will nimmerdar zugeben, dass sie ein Herz habe, wie mag hernach der Thor aber von ihr verlangen, dass sie ihn lieben solle? – Verstehet ihr solches? – Oder kann da Jemand anders, denn allein nur durch das Herz zur Liebe gelangen, das allein nur ein Wohnhaus der Liebe ist? –
Oder so Jemand möchte an einen Ort gelangen, und leugnet aber den Weg dahin, wie wird er ohne einen Weg wandeln? – Und so ihr zu Jemand saget: Siehe, wenn du schon keinen gebahnten Weg zugibst, so gehe doch über die Steppen, Felder, Wälder, Wiesen, Fluren und Äcker! – Der Gegner aber erwidert ihm: Auch dergleichen gibt es nicht, sondern allein ein unergründliches Meer! – Saget, wie wird dieser an den Ort gelangen? – Und so ihm der Führer dann sagt: Wenn du denn schon nichts denn lauter Meer siehst, so steige in ein Schiff und lasse dich vom Winde dahin tragen und schieben. – Der Andere aber leugnet auch die Schiffe. – Saget, wie wird der wohl an den Ort gelangen? – Oder wie will Jemand zu Jemanden kommen und von ihm etwas verlangen, so er ihm abspricht die wirkliche wesenhafte Existenz? – Kurz und gut, und genug der Gleichnisse!
Wie kann Jemand aber zum Vater gelangen, und leugnen zugleich durch die Nichtannahme des Sohnes die Wesenheit des Vaters Selbst, während doch allhier Sohn und Vater also vollkommen Eines sind, wie Herz und die Liebe im Herzen, oder wie ein Mensch und sein Leben, oder wie Licht und Wärme, oder Wärme und Licht, oder wie ein Ort und irgend ein möglicher Weg dahin, da ohne irgend möglichen Zugang wohl ewig nie hätte ein Ort erbaut werden können!
Wenn sonach aber der Sohn die eigentliche wirkliche Wesenheit ist des Vaters, und ist das wichtige Gesäß, in dem der Vater oder die ewige Liebe und Weisheit wohnet, in welcher da begriffen wird die allerhöchste Fülle der Gottheit; – wie kann da Jemand zum Vater gelangen, wenn der Sohn für ihn so gut wie eine baare Nulle ist? – Ich meine, das solle euch genügen, um obigen Vers zu verstehen aus dem Grunde. Sollte aber Jemanden trotz aller dieser handgreiflichen enthüllenden Darstellungen der Verstand noch dunkel sein, dann rate Ich ihm einen Versuch zu machen, wann er so recht hungrig ist; und zwar diesen, dass er sich sättige von einem bloß gedachten Brote, darum es ihm unglaublich ist, dass da in der gewisserart groben sichtbaren Materie des Brotes sich aufhalten solle ein ätherisches Brot zur Nährung und Belebung der Geister des natürlichen Lebens!
Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen, denn wer das nicht fasset, dem sind vorher noch zwei Ärzte nötig, nehmlich ein Augen- und ein Ohrenarzt. Solches verstehet wohl, und haltet euch an den „Sohn“, so wird euch „der Vater“ nicht durchgehen, indem der Sohn und der Vater „auf ein Haar“ – wie ihr zu sagen pfleget – Eines und dasselbe sind.
Aber ohne den Sohn gibt es keinen Vater, wie ohne den Vater keinen Sohn! Solches verstehet auch wohl in euch.
Amen!
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