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Evangelium für die verschiedenen Müßiggänger

Empfangen durch Jakob Lorber, am 8. Juni 1847

Wer ist ein Müßiggänger und wird den Lohn als solcher ernten, nämlich den Lohn dessen (im Evangelium), der sein Talent vergrub? –
Jeder ist ein barster Müßiggänger, der nicht beachtet das Wort des Lebens, vom Anfang bis zum Ende, auf dass er in sich auffinden möchte den Brunnen Jakobs, darinnen das lebendige Wasser ist für die rechte Taufe – in der Wiedergeburt des Geistes – aufbewahret zum ewigen Leben!
Wer da sucht viel irdische Güter zu erwerben, und ist voller Tätigkeit darum, der ist der größte Müßiggänger – in Meinem Reiche, und wüsste er auch die ganze heilige Schrift von Wort zu Wort auswendig, was für ihn um so schlechter wäre, so er das Wort kennt und dennoch nicht danach handelt, sondern lieber das tut, was die Welt als „vornehm“ und „ehrbar“ bekennt, und woraus ein pur irdischer Nutzen herausschaut, Mein Wort aber nur in soweit beachtet, als es mit seiner weltlichen Tätigkeit vorteilhaft vereinbarlich ist, alles andere darin aber tatsächlich rein verwirft und das nicht selten mit der ganz leichten Entschuldigung; „das kann der Herr damit nicht gemeint haben und hat Er das gemeint, so kann Er weder die Menschen noch ihre Bedürfnisse gekannt und richtig vorgesehen haben!“ –
Ich der Herr aber sage darauf: „für dich, du weltsüchtiger Faulenzer in Meinem Reiche, habe Ich es gemeint, gerade also wie du es wähnest, dass Ich es nicht gemeint habe! Du barster Müßiggänger aber gleichest vollkommen jenem Toren, der sein Haus auf Sand baute und als da kam ein Sturm und ein mächtiger Regen und stieß an das lose Haus, da fiel es alsbald und ward fürder keine Spur mehr davon zu entdecken, wie und wo es gestanden! So wird auch deines kurzen Daseins Spur für die Ewigkeit verwischt werden, darum du warst auf Erden (Mir) ein barster Müßiggänger, und ein leichtsinniger blinder Tor und wolltest lieber auf Sand, denn auf einen Felsen das Haus deines Lebens bauen!“
O es gibt überaus fleißige Menschen – für die Welt, die Tag und Nacht simulieren, was sie tun sollen, wie ihre Güter verwalten und bearbeiten lassen, damit sie desto reichlichere Prozente abwerfen, und wie sie ihre vielen Gelder auf die sicherste und einträglichste Art irgend anlegen sollen, und beten sogar auch zu Mir, dass Ich ihnen solches ihr Unternehmen ja doch so reichlich als nur immer möglich segnen möchte! Sie üben auch eben darum mäßige Werke der anscheinlichen Nächstenliebe; aber das alles entbindet sie nicht von der geistigen Müßiggängerschaft! Sie sind und bleiben dennoch doppelte Müßiggänger im Reiche des Lebens, weil sie Meinen Segen obendrauf noch haben wollen, dass er ihnen noch mehr bringen solle, was ihnen den Geist dreifach tötet, einmal schon gleich diesseits, denn ihr Sinn ist die Welt, alles andere aber was sie vorgeben ist Lüge; den sie leben nicht nach dem Worte, auf dass ihnen so das ewige Leben wurde, sondern so sie auch in irgend einem oder dem andern Stücke nach dem Worte leben, so tun sie das auch nur der Weltglückseligkeit wegen, wodurch ihr Geist natürlich schon in dieser Welt ganz tot wird; ist aber dieser schon in der und für die Welt tot, so ist er auch tot für die Seele, und ewig tot für den Himmel.
Also derlei ehrbare und weltfleißige Menschen sind dennoch die größten Müßiggänger für’s Himmelreich, und werden dort in die äußerste Finsternis hinausgestoßen werden, da ewiges Heulen und Zähneknirschen sein wird, darum da sie auf eine gar so entsetzlich leichtsinnige Art ihr Talent (für den Himmel) in die Furchen der Welt verscharrten. (hierher passt wohl das Wort Luk. 18, 26. 27 – Da sprachen, die das hörten: Wer kann denn selig werden? Er aber sprach: "was bei den Menschen unmöglich, das ist bei Gott wohl möglich". D. Hsg. )
Es gibt zwar noch andere Müßiggänger, die weder für die Welt, noch für den Geist etwas tun; es sind das die sogen. „Lumpen und Vagabunden“, „Pflastertreter und Tagediebe“. Diese Klasse Müßiggänger ist, obschon natürlich zum Himmelreiche nicht tauglich, dennoch viel besser daran, als die erste (geistig betrachtet); denn sie hängt für’s erste schon bei weitem weniger an der Welt, und das, woran sie noch hängt, wird von der ihnen bevorstehenden Armut dann leicht vollends herabgestreift; für’s zweite haben recht viele von diesen Pflastertretern nicht selten das beste Herz, und wenn sie die Mittel hätten, würden sie die halbe Welt – nach ihrer Idee – glücklich machen. Eine bald darauf folgende Armut macht aus ihnen nicht selten die rarsten Menschen, die schon leicht zu Mir zu wenden sind; denn die eigentliche „Welt“ war nie ein Magnet für ihre Herzen; für’s dritte sind diese „Lumpen“ gewöhnlich Freunde der Glückseligkeit und der Freigebigkeit; hat ihnen die darauf folgende Armut den dabei starken Anteil von Dummheit herabgestreift (und sie also weiser gemacht), und hat ihr Herz so recht derb die Härte der Weltmenschen verkostet, dann wenden sie sich, voll Galle gegen die Welt, zu Mir, und Ich sage: sie sollen an Meinem Tische speisen, auf dass erfüllet werde, was die Pharisäer zu Mir sagten: siehe, das soll der Messias sein!? Mit Sündern, Zöllnern, Huren und Ehebrechern geht er um, und ist selbst ein Sabbatschänder! – Allein das macht Mir weder heiß noch kalt, und Ich tue wie und was Ich will, und sage allezeit Meinen Dienern: „da die Geladenen nicht kommen wollen, so sollen sie auch ewig draußen bleiben; ihr aber gehet hinaus an die Zäune, Straßen und Gassen, und treibet herein, wen ihr da antreffet, also alles Lumpenpack; von den Geladenen aber solle Keiner Mein Lebensmahl verkosten, außer er ist auch unter dem Lumpengesindel anzutreffen da draußen an den Zäunen, Straßen und Gassen. Du fauler Feigenbaum aber, der du nichts trugst als Laub (Werke für die Welt), so dass, als Ich hungrig zu dir kam, du keine Frucht der reinen Liebe auf deinen vielen Zweigen hattest, damit Ich hätte Mich sättigen können, sei verflucht! Denn ewig solle von dir Niemand mehr eine Frucht genießen, nämlich im Reiche des Lebens.“
Diesem Feigenbaume völlig gleich sind alle jene hier in dieser Kundgebung zuerst bezeichneten Müßiggänger für’s ewige Leben des Geistes, und sein Los wird auch das ihrige sein, so sie in solchem ihrem Müßiggange bis ans Ende verharren werden. –
Eine dritte Art Müßiggänger für Mein Reich sind auch die vielen Weltgelehrten in allerlei Sache und Fache; darunter meistens Brotgelehrte und nur selten allein der reinen Wissenschaft wegen Gelehrte; solche gleichen, zumeist den „törichten Jungfrauen“, die erst dann ihr Öl kaufen gingen, als der Bräutigam sich schon dem Hause näherte, und sie dann Einlass verlangten, als der angekommene Bräutigam schon alle Tore versperrt hatte. –
O, so ihr saget: „So lange wir hier leben, müssen wir tun, was die Welt will, auf dass wir Brot haben, wann wir nachher Drüben sein werden, wenn nämlich irgend „ein Drüben“ ist, dann werden wir auch tun, was des Drübens ist.“ –
Ich der Herr Jesus aber sage: dann wird es zu spät sein; wer nicht hier bittet, sucht und anklopfet, dem wird es Drüben nicht angetan werden, außer die Pforten der Finsternis; denn was jedermanns eigentliche Liebe ist, das wird auch sein ewiges Drüben sein!
Amen.
Das spricht Der, Der das Gericht – sei’s zum Leben oder zum Tode – in Sein Wort ewig unabänderlich gelegt hat.
Amen, Amen, Amen.

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