Empfangen durch Jakob Lorber (Graz), am 30. Mai 1847
Bei diesem Texte haben sich wohl schon sehr Viele Große und Kleine auf das Gewaltigste angestoßen; denn natürlich gilt dieser Ausspruch den Menschen und nicht den Dingen und Tieren, und so sind es da auch besonders die Menschen von weltlich hohem Range, denen dieser Text widriger klingt, als die allerverstimmteste Musik! Aber dessen ungeachtel kann dieser Ausspruch dennoch ewig nimmer zurückgenommen und als völlig ungültig erklärt werden. Dieser Text ist ein Eckstein, den die gewöhnlichen Bauleute verwerfen tatsächlich, und fallen oft ganz gewaltig über ihn her, und zerschlagen sich scheußlich, oder was noch ärger ist – der Eckstein fällt über sie; da erst werden sie ganz zermalmt! –
In gar vielen Ländern, wie in Frankreich, Spanien, Niederlande und in noch manch‘ andern ist dieser Eckstein schon öfters den sich groß dünkenden Bauleuten – natürlich und geistig – auf den Kopf gefallen, und hat sie samt ihrer Wahngröße ganz entsetzlich zermalmt; „diabolus autem non in pace suam habet requiem“, (der Teufel hat eben keine Ruhe!) daher werden diese dennoch nimmer durch solche Erfahrung klug, sondern sind gleich dummen Sperlingen, die sich bald wieder auf denselben Ast setzen, von dem sie eine Minute früher ein Jäger durch einen scharfen Schuss bis über die Hälfte herabsubtrahierte. Ja, gar viel mehr würde Ich bei den Großen gelten, so Ich diesen Ausspruch nicht getan hätte; da Ich ihn aber eben dennoch gemacht habe, wohlwissend, dass er den Weltgroßen nicht munden werde, so bin Ich für Mich Selbst bei ihnen nicht am besten angeschrieben; sie behandeln Mich daher auch nur als eine moralisch politische Person, der sie des gemeinen Volkes und Pöbels wegen die Göttlichkeit belassen, ja der sie goldene sogenannte Gottesdienstfeste halten, und eben wegen des Volkes und Pöbels oft selbst – um Geld – diesen Dienst vorrichten; aber ihr Herz ist (meist) so ferne von Mir, als da entfernt sind die äußersten Polarsterne der Weltschöpfung.
Daher sage Ich allezeit zu ihnen: Wehe euch, ihr hochmütigen Pharisäer, die ihr Mücken fängt, dafür aber Kamele verschlingt, euch wird dieser Eckstein dreifach schwer treffen! Wehe euch, ihr argwähnigen Großen, die ihr euch für groß und mächtig dünkt, und drückt durch eure Gräuellast den Geist und das Fleisch der Kleinen und Armen; – euch wird der Eckstein zehnfach schwer treffen, und wird euch zermalmen, wie der Mühlstein das Korn, und zerschmeißen wie der Sturm eine leichte, wertlose Spreu! – Warte nur, du reicher und durch dein Geld mächtiger Prasser in den Gelüsten der Welt, der du deinen Knecht und deine Magd schlägst und tötest, so sie dir gestehen, dass auch sie Menschen sind; dein Gericht wird wie ein glühendes Erz über dich ausgegossen werden, und es wird sich zeigen, ob du Mir auf 1000 Eins wirst antworten können! –
Die aber auf der Welt groß sein müssen, als Kaiser, Könige, Herzoge und Fürsten, des Volkes wegen, – diese geht unser Text nicht an, so sie ihn nicht verachten; verachten sie ihn aber, dann geht er auch sie an, obschon sie Meine gesalbten Machtträger auf Erden sind! –
Alle aber, die sich groß dünken und nicht gesalbt sind – weder irdisch und noch viel weniger geistig – als da sind Reiche an Geld und Gütern, und Reiche an allerlei weltlichen Wissenschaften und sonstigen Geld und Auszeichnungen tragenden Geschicklichkeiten, als etwa allerlei Doktoren, Meister (Professoren), Gaukler, Schauspieler, Dichter, Maler, Tonkünstler und noch eine Menge derlei, so sie Brotneider und Ehrabschneider an allen ihres Gelichters sind, diese alle sind, je größer und geachteter sie sich dünken, und je mehr sie ihresgleichen in den Staub herabzudrücken sich bemühen, desto mehr Gräuel vor Mir, dem Herrn! –
Jede Vollkommenheit kommt von Mir, und ist als eine Gabe Meines Geistes zu betrachten; wer sie demütig und zum Nutzen seiner Brüder (Mitmenschen) verwendet, und nicht damit giert nach Geld und Ehre der Weit, dem solle sie ein rechter Segen sein zeitlich und ewig; wer aber damit das Gegenteil tut, der ist wie ein Sünder gegen den heiligen Geist, und somit buchstäblich ein Gräuel vor Mir, der Ich ihm solche Gabe verliehen habe.
Herrscher (auch Amtleute und Bürgermeister) sollen sich bemühen, Männer nach Meinem Herzen zu sein, im Geiste und in der Wahrheit; Reiche sollen für die Armen pure Sachwalter sein; Doktoren (Gelehrte) sollen Meine Gnade fassen; Künstler sollen aus ihrer Kunst Mich erkennen, und alle sonstigen irdischen Meister sollen bloß Mich als den alleinigen Meister in allen Dingen anerkennen, dann das was sie sind in Meiner Ordnung sein, und alsdann wird aller Gräuel vor Meinen Augen verschwinden für ewig.
Amen, Amen, Amen!
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