174. – 9. Mai 1880 "Wer den Herrn fürchtet, der ehret auch den Vater!"
Liebe Kinder!
Diese Worte gelten euch zum Troste in solchen Stunden der Anfechtung, wo ihr fühlet, daß ihr zu lau in der Liebe gegen Mich seid, und darum nicht in derjenigen Freudigkeit zu Mir kommet, welche zugleich einen Segen wieder fühlen läßt.
Diese Stimmung der Freudigkeit ist oft mehr ein stärkerer Einfluß von Oben, damit ihr schneller diese oder jene Sünde einsehen und euch selbst mehr erkennen lernet. Es ist dieser Zustand eine besondere Gnade, auf welche oft eine Pause erfolgt, wo ihr euch selbst mehr überlassen seid, damit ihr wählen könnet, und euer freier Wille mehr hervortreten kann.
Wenn euch nun in solchen Zeiten bange wird, und ihr euch fürchtet im Bewußtsein eurer Schwäche vor Mich zu kommen, so fürchtet ihr in Mir den Herrn; aber ehret zugleich auch den Vater! Ein jedes Kind soll den Vater weit höher über sich stellen, wenn es Ihn wahrhaftig liebt; auch muß es Ihn ehren und sich scheuen etwas zu tun, was gegen des Vaters erhabenes Wesen ist; ebenso liegt in der Furcht auch ein Teil derjenigen Liebe, welche nur durch Hochachtung völlig ausgebildet werden kann.
Das Hochachten der Gnaden-Einflüsse wird gerade dadurch erzielt, wenn ihr dieselbe nicht in solchem Grade an euch bemerket, wie es sonst der Fall war; auch ist eine solche Pause das beste Schutzmittel gegen die List und den Angriff des ärgsten Feindes, welcher geistiger Hochmut heißt, und der Verderber aller Liebe ist.
Denn die Liebe braucht nicht das Gefühl zu haben, als ob sie schuldenfrei gegen Gott und ihren Nächsten dastehe, sondern sie soll immer den Dank und die Demut in sich schließen, und um zu dieser wahren Liebe zu gelangen, da sind die Stunden der Schwachheiten und der Lauigkeit oft sehr behilflich.
Darum, liebe Kinder, verzaget nicht dabei; ihr ehret den Vater in eurer Furcht, wenn ihr euch nicht würdig glaubet Mich lieben zu können, und ihr werdet Meine Vater-Stimme bald wieder vernehmen in eurem Herzen, welche spricht: "Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden!" Überhaupt liebe Kinder, wenn ihr in die Irre geratet, kehret vertrauensvoll um; die Gnadensonne leuchtet stets auf dem Wege und bringt euch wieder an`s Vaterherz zurück, das nicht nach menschlicher Weise züchtigt, sondern nur aus und in Liebe bestrafen kann. Amen!
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„Wer den Herrn fürchtet, der ehret auch den Vater!“
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