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Das Gleichnis vom Weinstock

444. – 15. März. 1885  Das Gleichnis vom Weinstock

Weinstock „Bleibet in Mir, und Ich in euch! Gleichwie die Rede kann keine Frucht bringen von sich selber, sie bleibe denn am Weinstock; also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in Mir. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in  Mir bleibet, und Ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne Mich könnet ihr Nichts tun!“  Jobs. 15. 4. 5.
 

Liebe Kinder!

Bleibet in Mir und Ich in euch! Diese Worte enthalten alle Bedingungen, welche Ich Meinen Kindern mache, auf dass ein inniges Zusammenhalten in der Liebe stattfinde, durch welches allen Versuchungen von Seite Meines Gegners ein Damm gebaut ist, weil die göttliche reine Liebe all seine List und Bosheit im klaren Licht erschaut, und sogleich merkt, was gegen Meinen Willen ist.

Eine Seele, welche viel Liebe zu Mir hat, und um Meinetwillen auch zu ihren Nebenmenschen, wird ihre Nebenmenschen stets mehr richtig zu beurteilen wissen, und weil durch die Liebe das Urteil stets ein milderes wird, so bleibt ihr auch der Zugang an die Herzen mehr möglich, so dass sie bei denselben durch ihre Liebe zur wahren Erkenntnis und Besserung oft viel beitragen kann.

Diese Liebe aber muss gepflegt werden, und wie die Rebe ihren Saft vom Weinstocke bezieht, mit welchem sie verwachsen ist, und einen Teil von dessen We3sen ausmacht, so ist eine Seele, wenn sie in der reinen Liebe und somit im Guten wachsen will, von Mir und Meiner Liebe abhängig. In der Vereinigung mit Mir liegt die Kraft Gutes zu wollen und zu üben; denn es gibt keinen andern Weg; denn ohne Mich könnet ihr Nichts tun, das Mir wohl gefällt, und euch geistig beglückt.

Darum machte Ich stets wieder Meine Jünger aufmerksam, wie nicht allein der Glaube, welcher in der Annahme besteht, dass Ich Gott bin, dazu gehört, um ewig selig zu werden, sondern hauptsächlich die Liebe, welche Mich liebt, als Wohltäter und Vater, eine Liebe, welche aus dem Dank entsprochen, durch das Erkennen, dass Alles ein Gnadengeschenk von Mir ist, und die durch das immerwährende Empfangen leiblichen und geistigen Segens sich immer mehr steigert, und somit immer mehr Liebe erzeugt.

Auf diese Weise wird das Gesetz aufgelöst, und dagegen durch die Liebe erfüllt, weil die Seele erkennt, dass so die Erfüllung des Gesetzes Freude, Wonne, Seligkeit bewirkt. – Wer ernstlich anfängt (in solchem Sinne) Liebe zu üben, der wird bald die Beobachtung machen können, dass er wiederum geliebt wird; denn es gibt keinen Menschen, welcher ganz ohne Liebe ist, es gibt aber auch keinen Menschen, welcher dieselbe ganz entbehren kann.

Der Mensch kann eher alles Andere entbehren, als die Liebe, weil diese alle anderen Besitztümer ersetzt; z. B.: wenn ein armes Kind eine liebevolle Mutter hat, so fühlt es sich reich genug, die Liebe ersetzt ihm alle Mängel; wenn dagegen ein Reicher keine Liebe zu genießen hat, so bleibt er unbefriedigt; denn das höchste Kleinod des Lebens – die Liebe fehlt demselben. Betrachtet alle Verhältnisse in eurer Umgebung, und es wird euch stets mehr klar werden, dass die Liebe zum Glücklichsein nicht fehlen darf. Darum bleibet in der Liebe, und somit in Mir, als dem Urquell der Liebe, so bleibe Ich in euch, als Euer Vater.  (1. Jobs. 4, 16.)

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