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Was ist Demut? Vom Weltende. Wohnt Gott im Menschen? Bösen muß man helfen

3.T-Kapitel 20

‚Wenn ich dich nicht hätte.‘ Segen im Vorübergehen. Was ist Demut? Vom Weltende. Wohnt Gott im Menschen? Bösen muß man helfen. Hinweise über die Lufthülle der Erde. Urheiliges Muß als Lichttrieb der Barmherzigkeit. Kräfte oder Schicksalsschläge. Die Hütte Gottes. Unter schied Geist und Wesen. Das große Gebet

Simeon stößt auf dem Wege zu Athaja mit Mutter Hanna, Mallane und Sachis zusammen. „Was? Allein? Ein Stern ohne Strahlen?“ „Wie ihr seht“, lacht Simeon freundlich. „Doch nun habe ich drei gute Strahlen eingefangen.“ Mallane droht: „Als solche sind wir viel zu alt.“

Auch das lustige Gespräch hat einen Sinn. Hanna fragt: „Wo blieb dein Schäflein, das du dem guten Hirten zugetragen hast?“ Sie meint Nicodemus. „Er kommt nach. Wir freuen uns in Gott, läßt ER uns ein gutes Werk gelingen. Nun wird das Schäflein ganz gesund, innerlich und körperlich.

Geht hinein“, sagt Simeon am Hause des Athaja, „ich erwarte den Tribun.“ Als dieser kommt, ist nebst Rochus und Forestus auch der Duumvir dabei. Man sieht Cornelius den Ärger an. Askanius Bitte, wegen Simeon mitgehen zu dürfen, war kaum abzuschlagen. Aber ob das den Hebräern Freude macht — ? Dazu wurden nachmittags zwei Männer eingeliefert, die sich an einem Stützpunkt außerhalb der Stadt zu schaffen machten, doch mit nichts, nicht mit Güte noch mit Strenge zum Bekennen zu bewegen waren.

Simeons Gruß entlastet. Aber manche Gäste ziehen die Gesichter lang, als man Askanius gewahrt. Nun — GOTT wird es leiten. Bringt Simeon den Römer mit, so ist es Gottes Wille; und diesen muß man respektieren. Askanius bleibt auch mehr im Hintergrund, er fühlt sich ja als unerwünschter Gast. Noch vor der Türe hatte der Tribun zu Simeon gesagt:

„Dir muß ich rasch berichten, daß mich wieder etwas drückt. Zwei Männer, der Kleidung nach von höherem Stand, mußten eingekerkert werden.“ „Das brauchen diese; laß sie sitzen. Es sind die Sadduzäer Sabtharus und Amzi. Beide wollen hoch hinaus und sind großenteils euere sowie des Tempels Feinde. Ihr Einfluß reicht nicht weit, du kannst sie nach drei Wochen wieder laufen lassen. Nimm sie aber täglich tüchtig vor.“

„O Simeon, wenn ich dich nicht hätte!“ „So sprach Cyrenius. Dir gilt deshalb dasselbe Wort: ‚Wenn ich GOTT nicht hätte!‘ Darf ich dir helfen, kleiner Himmelsbruder, dann hilft ER durch mich.“ Der Römer sieht Simeon sinnend an und denkt: Die größten Lichter haben auch die größte Demut. —

Ein schöner Saal ist vorbereitet. Trotz der guten Tafel hat jeder das Gefühl: Das Beste, das Mahl des Geistes, das nur GOTT zu geben weiß, kommt hinterher. Man bildet eine traute Runde. Nebst den drei Templerinnen sind die Frauen Zikla, Esther, Aski, Mechona und Hethit dabei, die neben ihren Männern sitzen. Athaja dankt allen, zumal den Römern, für ihr Kommen.

Cornelius fragt: „Was ist Demut?“ Das Wort vor der Türe hat es ausgelöst. „Es mag zwei Arten geben“, sagt Zacharias, „eine echte und jene der Gebärde, mit der man gern hausieren geht.“ Chol-Joses meint: „Wie viele, die sich einen guten Anstrich geben, aber hinter der Fassade sieht es öd’ und traurig aus.“

Obadnia fällt ein: „Neuerlich traf ich Sabtharus. “ Cornelius beugt sich lauschend vor. Ah, das ist doch einer von den Kerlen? Obadnia berichtet: „Er fragte mich, ob im Tempel noch die großen Geister spukten. Er meinte Simeon.“ „Verständlich“, erklärt dieser. ‚„Vor kurzem sagte er zu mir: ‚Wärest du, für was du scheinen willst, so hättest du uns längst befreit. Bloß den Mund reißt du weit auf und behauptest, in dir wohne Gott.‘ Ich ließ ihn einfach stehen. So, Obadnia, muß man es mit denen machen.“ „Die Frechheit kreide ich dem an‘, nimmt Cornelius sich wütend vor.

„Das wundert mich“, sagt Jaor. „Sonst bückst du dich nach jedem, der verknackst am Boden liegt.“ „Schon recht, mein Freund. Manch‘ md liegt das Bücken im Vorübergehen.“ „Wer kann unterscheiden, was bei diesem oder jenem besser ist?“ Eliphel fragt‘s ungewiß. Da sagt der Duumvir: „Ein Simeon weiß das ganz genau!“ Dieser kleine Satz trägt dazu bei, die Hebräer für Askanius zu erwärmen. Pashur, der frühere Feind, fügt noch hinzu:

„Er ist kein Mensch wie unsereiner, er kann sagen, daß Gott in ihm wohnt. Mir kommt nur der Gedanke, ob Gott überhaupt im Menschen wohnen kann. Aber läßt sich das beweisen?“ „Es interessiert mich auch“, meldet sich der Stadtmann Josabad, „doch wäre erst die Frage des Tribuns zu klären. Stellt keine neuen, wenn Vorangegangenes noch keine Klärung fand.“

Das gefällt Cornelius sehr. „Josabad, du bist mein Mann!“ „Meiner auch“, bekräftigt Hanna. „Mir ist‘s gleichfalls lieber, es geht der Reihe nach.“ Furestus ist wie oft begeistert: „Sie ist die klügste Frau, die ich kennen lernte! Bei ihr können Männer in die Schule gehen.“ Man bestätigt es ihm gern.

Ahitop sagt: „Von Simeon glaube ich, daß Gott in seinem Herzen wohnt. In Demut sagt er sicher ‚nein‘.“ Cornelius nickt: „Vorhin gab er kund, zufolge dessen ich die Frage stellte.“ Er wiederholt das Gespräch und sagt: „Simeon hat uns geholfen. Selbstredend war es GOTTES Hilfe; doch wer uns dient, dem gebührt desgleichen Dank und Ehre.“

„Man muß dem Helfer danken“, bestätigt Hanna, „womit er auch die Ehre hat. Wer aber bloß aufs Außerliche hofft, der verfehlt zum Teil den Anschluß an das Licht. Was wir denken, reden oder tun, ist auf den einzigwahren Grund zu stellen, der in allen Dingen unser SCHÖPFER ist! Wer Simeon dankt, muß den Dank in Gottes Hände legen, wodurch Gottes Segen aus dem Dank den Helfer überkommt und den, dem Hilfe ward.“ „Dir gilt ebenso ein guter Dank.“ Hilkior sieht Hanna ehrerbietig an.

Simeon ergreift das Wort: „Samnus, der einmal als Beispiel diente (S. 196, 2 – 197, 5), prüft, ob das Licht die Demut braucht. Er verneint es bei sich selbst. Ja, wenn man Demut weitgebunden wertet, hat er recht. Doch sie ist ein reines Attribut. Denn die Unterwürfigkeit oder Demütigung, das gedemütigt werden, wie der Mensch beliebig sagt, ist dieser hohen Himmelstochter völlig fremd.

DEMUT ist der schlichte Sinn der Einfügung in Gottes Werk!

Kein Lichtgeist wähnt sich groß. Daß er aus höherer Verantwortung auch höhere Arbeit leisten kann, ergibt kein Hinausragen über jene Schöpfungsgrenze, die nur der Schöpfer Selber überragt!

Dies zu wissen und sich als ‚Teil des Ganzen‘ einzufügen, ist die echte Demut und wird im Licht nicht sonderlich hervorgehoben. Man ist dienstbereit und unterstellt sich Gottes Herrschaftswillen. Als sich das erste Schöpfungskind erhob, da erst sahen Gottes Kinder einen Unterschied, der nach dem Fall in der Materie prädominierte. Damit war das Empyreum von der Substanz des Unterschiedes wieder ganz befreit.

Ein Symbol: Der blaue Himmel, bildhaft Gottes Reich, ist dessen unveräußerlicher Teil, während Wolken nur vorüberziehen. Ist der Himmel tagelang bedeckt samt Sonne, so sind trotzdem beide existent und werden durch keine noch so dicke Wolkenwand zerstört, die der Veränderung oder Auflösung unterworfen ist. Nie gibt es zwei gleich geformte, substanzgleiche und bleibende Wolken.

Bildhaft so mit jenem ersten Himmelskind. Es wurde wie zu einer Wolke, weil es das Selbstverständliche der Lichtempfindung nicht mehr anerkannte, wobei aus Demut Hochmut wurde. Da sich nun diese Wolke nicht am, respektive im Himmel halten konnte, ‚verzog‘ sie sich, ganz logisch auch in ihrer Art, und ward im Licht nicht mehr gefunden. (Hiob 39, 19; OJ. 12,8)

In Erdenjahren ausgerechnet, die es fern vom Lichte lebt, nicht wissend, wie sich die Materie verändert und zusammenschrumpft, ist euch unfaßbar. Symbolisch gleicht Lo-Ruhama einer dunklen Wolke, noch gekennzeichnet in der den Menschen arg verkürzten Lebenszeit (Weish. 2, 4). Adam wurde tausend Jahre alt, Henoch soviel Jahre, als ein Erdjahr Tage hat. Und heute — ? Wer erlangt das gnadenvolle Alter eines Mose?

Das sind geistige Reflexe in der Materie, die jeden, der sie zu erkennen sucht, den inneren und äußeren Sinn der Schöpfung finden läßt. So kann der Mensch die Demut auch erwerben, das Lichtgefühl, dessen Ausdrucksfähigkeit der Spiegel der Gedanken ist. Durch die zunehmende Inkarnation der mitgefallenen Wesen verliert die Materie an Umfang und an Kraft.

Wieso? Die Schlechtigkeit nimmt zu; je mehr es Menschen werden, je mehr kommt Unheil über diese Welt. Genau! Aber seht: Nimmt ein Teil vom Ganzen zu, muß sich der zweite Teil verringern. Lo-Ruhama hatte nach dem Abfall keine Möglichkeit, sich weiter auszubreiten. Ihre Kraft war investiert.

Um ihr ein erdrückendes Licht-Übergewicht zu ersparen, blieb für den sechsten Schöpfungstag die Zunahme der Gestaltung abhängig von bereits freigegebener Lichtsubstanz. Was schon im Werden lag, das wurde; aber die geheime Lichtessenz lieferte hingegen weiterhin die sogenannte ‚Verbraucherkraft‘, ohne welche weder subjektive noch objektive Formen erhalten werden können.

Wird nahezu die Welt einst übervölkert, so ist‘s das Endsignal zur Auflösung der ‚dunklen Wolke‘. Dann sind andere Wohnstationen der Materie (Planeten) fast rein; nur diese Welt trägt bis zuletzt den Rest der Hölle. — Merkt noch auf: Vor dem Erdenleben [VH26] gibt es für die Mitgefallenen keine sonderliche Daseinsveränderung. Kommt ein Wesen auf eine Welt, bringt es seine eigene Hölle mit, die ihm auch zumeist ins Jenseits folgt, wo es zur Grundhölle kein Hinüber (Luk. 16, 26) gibt. Damit ist ihr jener Teil entnommen, den ein Wesen selber in sich trägt.

Das ist Schicksal und sinngemäß das Sterben der Materie. Freilich kann das nur das Licht genau erkennen. Doch im Glauben und in Demut könnt ihr zur Erkenntnis kommen, mit der ihr dann die Schau in Geist und Herz erlangt. Habt ihr diese, was sich wie im Lauf der Sonne äußert (ost-west), wird für Seele und Gemüt ein Stab daraus, den wir ‚Polverbindung‘ nennen (nord-süd). Die vier Haupthimmels richtungen entsprechen den vier Hauptwesensarten des Schöpfers, wie ebenso der Geschöpfe; das ganze einem Kreuz.

Ja, nun frage ich: Fühlt ihr euch vor Gott ob diesem Himmelswort gedemütigt? Ihr denkt: Wir fühlen uns im Gegenteil zu Ihm erhoben! Mit euerer Erkenntnis beschließen wir die Frage des Cornelius und besprechen das ‚wohnt Gott im Menschen‘. Danach ist noch Wichtiges zu klären.“

Zacharias sagt: „Ich hab‘ nur eine Bitte: Herr, mache DU uns zu Gefäßen, die diese Kostbarkeiten treu bewahren!“ „Amen“, bekräftigt Athaja. Esther bittet, Simeon möge ihr die ‚Wolke‘ mehr erklären. Hanna lobt die Fürstin und ladet die Frauen zu sich ein. Simeon würde dann gern weiterhelfen.

Richter Thola lächelt: „Unter Ausschluß aller Männlichkeit außer Simeon?“ „Das kommt auf die Frauen an“, blinzelt Hilkior seiner Hethit zu. Die ist mundbereit: „Wir werden es erlauben. Wer kommen will, wird eingelassen.“ Fragt buchstäblich der Duumvir: „Darf ich auch?“ „Ja“, erwidert Hanna hellen Blickes, „dann sitzt du neben mir.“ Damit hat sie den noch nicht Gefestigten wunderherrlich an das Lichtreich angebunden. Ein Schauer geht über alle hin. Simeon zeigt wieder sein bekanntes Erdenlächeln, das man an ihm besonders liebt. Er sagt:

„Kann Gott im Menschen wohnen? Das ist vielen zum Glaubensbegriff geworden. Ein ‚Wohnen‘ setzt ein ‚daselbst leben‘ voraus. Die Frage ist zu präzisieren: Lebt der Schöpfer in Geschöpfen? So formuliert läßt halbwegs Denkenden die Unmöglichkeit dessen ohne weiteres erfassen. Kein Meister lebt in seinen Werken, sondern diese gehen aus ihm hervor — als Zeuge seiner Tat.

Noch ein Schritt weiter: Das Werk wohnt im Meister als Gedanke, den Er formt. Die gedankliche Substanz jeder Schaffung bleibt stets im Meister haften, auch wenn sie ihre Außenform bekam. Um schon eine kleine Probe abzuhalten, frage ich unsere gescheite Aski, was sie dazu meint.“

„Simeon“, ruft ihr Mann erschrocken aus, „ich wüßte keine rechte Antwort!“ „Dich habe ich auch nicht gefragt“, scherzt Simeon. „Der Himmel weiß, wer etwas weiß.“ „Wieder so ein Satz“, läßt Cornelius sich vernehmen. „Wie gut, daß nicht ich der Prüfling bin.“ Allseits Heiterkeit. Aski zerquetscht fast ihres Mannes Hand; doch ein Blick hüllt sie so gütig ein, wie — Elia‘s Mantel, den er Elisa hinter ließ (2. Kön. 2, 13). Da legt sie mutig los.

„Gott ist nicht in uns. Er kann Sich nicht verkleinern; Er müßte sonst in allen denen wohnen, die Ihm dienen. Mir geht nicht ein, daß Er in uns Teile Seiner Kräfte als ‚Sein Ich‘ gestaltete, am wenigsten solche Seiner personaliten Wesenheit. Das Gegenteil ist mir sympathisch: Die Ihn lieben, wohl auch arme Hingefallene, wohnen in der Liebe Seines Herzens, in Seiner Unendlichkeit. Hiermit — so denke ich — ist der richtige Kontakt gefunden, ob und wie Gott in uns zu finden sei.

Simeon gab kund: Im Meister bleiben die Substanzen Seiner Werke als Gedanken haften, auch wenn sie eine Form erhielten. Also wohnt das Kindgeschöpf in Gott als Sein Gedanke; als Form lebt es in des Schöpfers herrlicher Unendlichkeit. Da Er des Lichtes Kinder, die Menschen auch, nach Seinem Ebenbilde schuf, ist Gottes ewig-hehres UR-Bild allen eingeprägt.

Ich möchte es ‚die Anschauung im Herzen‘ nennen. Das ‚wohnen‘ ist die Präge, die Gott den Kindgeschöpfen angedeihen ließ; das ‚leben‘ als lebendiges Gefühl ist das ‚lebendigmachen‘ in uns selbst, da wir Gott lebenslang vor Augen und im Herzen haben sollen! (Tob. 4, 6)

Mit meiner Weisheit bin ich nun am Ende angelangt“, lacht Aski leicht verlegen. Cornelius geht zu ihr hin, drückt ihre Hand und sagt: „Für deine Weisheit sei bedankt, kleine Frau. Erlaube mir, sie ebenfalls zu meinem Nutz und Frommen anzuwenden.“ Über dieses liebe Lob freuen sich die Frauen sehr, wenn auch Aski bloß den Rand der tieferen Erkenntnis streifte.

Hanna fügt hinzu: „Der Mensch kann es nicht ganz erfassen; doch was guten Willens zu erreichen ist, langt vollauf. Das Geschöpf im Schöpfer, der Geist im Priester, die Seele in Gott, das Gemüt als Lebensherz im Ewig-Vater! Dieser hocherhabenen Vierwesenheit in ihrer UR-Grundgestalt kann das Kindgeschöpf in der ihm verliehenen Gestaltung gegenüberstehen.“

Askanius staunt: „Nie hätte ich gedacht, daß hier solche Wahrheit anzutreffen sei, noch dazu bei Frauen!“ Simeon entgegnet: „In jedem Volk sind Lichter inkarniert. Besonders drängen sie sich jetzt ins Morgenland, weil hier der HERR erscheint. Er bringt aus Seinem LAND den MORGEN mit; Seine Lehre ist die SONNE! Auch Rom, Askanius, hat gute Lichter; auch du wirst noch ein guter Strahl.“ „Ich — ?“ Eine ehrliche Zweifelsfrage an sich selbst.

„Wer sich verkleinert, den vergrößert Gott; wer sich in die Höhe hebt, ist gesunken! — Nun kann der Hausherr erst noch einen Trunk spendieren.“ „Da sind zwölf Krüge unangebrochen“, sagt Athaja, „mir ist‘s recht, wenn ihr sie leert.“ Schithinaz flüstert Mithra-Bosnai zu: „Nun sind die Bilder an der Reihe. Ich gebe sie nicht kampflos her.“ Sagt der Jüngere: „Hier regiert ein Geist, dem kein einziger widersteht.“ Beklommenes Nicken. Was sie hörten, hat die Ansicht ihrer Lehrkönige im Schloß zu Persepolis bestätigt. Zwischenhinein sagt der Wissenschaftler Galal:

„Ich habe noch so viel zu lernen!“ „Man lernt nie aus“, erwidert Nathan. Simeon setzt sich neben die zwei Perser und beginnt: „Liebe Freunde, wir stellen nun den Eigentümer eurer Bilder fest.“ Gleich ruft Schithinaz aufgeregt: „Sie sind unseres Königs Eigentum. Selbst wenn der Tempel Eigentümer war, ist das Recht daran verjährt, weil sie nie zurückgefordert wurden.“

„Klug!“ Richter Thola zieht eine Rolle vor. „Landeseigene Gesetze sind für andere Länder unmaßgeblich; es gibt jedoch ein sogenanntes Weltgesetz.“ Thola verliest den Passus, daß Dinge, deren Eigentümer nachzuweisen sind, zurückgegeben werden müssen, ganz unabhängig von etwaiger Besitzesdauer durch andere. „Das ist in diesem Falle für euch günstig“, meint Mithra-Bosnai.

Cornelius fragt nach Römischem Recht: „Könnt ihr beweisen, daß sie einst durch Kauf erworben worden sind, so zeigt die Käuferrolle vor.“ Schithinaz pariert: „Ich weiß nicht, ob eine existiert. Nur ist nicht anzunehmen, daß der Tempel zu Jerusalem solche Dokumente ohne Gegenwert verkaufte.“

„Und ich kann mir nicht denken“, braust Cornelius auf, „daß er überhaupt Verkäufer war! Die Bilder gingen durch ein Unglück einst verloren, was ich beweisen kann, und zwar bei der Einnahme dieser Stadt durch Pompejus, wie es bei Feindbesetzung eines Landes leicht geschieht. Eben diese Sache war wie folgt.“ Der Tribun skizziert das damalige Geschehen. (s. 1. Teil)

Schithinaz gibt sich noch nicht geschlagen: „Beweise mir, Tribun, daß jene Leute, die den Sterbenden betreuten, die Bilder an irgendwen verschenkten.“ „Das kann heute keiner. Gerade deshalb ist es meine Überzeugung: sie sind des Tempels Eigentum.“ Askanius bestätigt das nach Römischem Gesetz. Hilfe heischend wendet sich der Perser an Simeon:

„Israels, Persiens und Roms Recht kommen nicht zusammen. Du kennst des Himmels Recht. Das sprich aus, und also soll‘s geschehen.“ „Auch wenn es gegen Persien stimmt?“ Ein langes Zögern. Das Übergewicht hat sowieso der Tempel; und Schithinaz selber hat des Himmels Recht herausgefordert. Simeon sagt:

„Nach dem Weltrecht ist der Tempel Eigentümer, obwohl jene Leute an einen Fremden das Material verkauften, für — ein Brot. Wären sie damit bezahlt gewesen?“ „Nein; aber . . .“ Simeon sagt weiter: „Nun geht es kaum um Irdisches, das sich nie entgelten läßt. Die Bilder sind in mühevoller Arbeit eines Einzelnen entstanden. Das Geistige daran kann keine ganze Welt bezahlen! Es sei erklärt.“ Er offenbart von jener Zeit und jenem Stern (s. 2. Teil), die das Dokumentarische der Bilder sind. Man lauscht ergriffen. Am Ende fragt Simeon die Perser:

„Wem gehören sie?“ „Dem Tempel.“ Man hatte sie gesehen, während Simeon abwesend war. Die Hebräer freuen sich. Und Simeon fährt nun fort: „Doch auch Persien geziemt ein Recht daran. Nun, Jissior und Malluch sind sehr geschickt; sie kopieren alle Bilder. Die Kopien werden vom Tribun, vom Duumvir, von den Hohenpriestern, den Richtern und den Stadtoberen signiert. Die Kopien bekommt Persien; und deren Weise können sich nach ihnen richten. Was meint ihr zum Recht des Himmels?“

Der Anwalt ruft spontan: „Da sieht man wieder mal, wie dumm wir Menschen sind. Ans Nächstliegende dachte keiner. Nur gut, daß wir einen Simeon haben.“ „Das laß ihn bloß nicht hören“, tut Cornelius leise, als ob jener es nicht hören dürfe, „sonst wirst du, wie der Quirin und ich, himmlisch korrigiert.“

„Des Himmels Urteil unterstehen alle“, sagt Simeon ernst. „Wer sich ihm beugt, der steht in Gottes Recht und Gnade!“ Er erklärt einige ‚Linien des Firmaments‘, wie man die Zeichnungen unverstanden nennt. Dadurch werden sie zur wunderbaren Offenbarung. Schithinaz sagt ehrfürchtig:

„Unsere Philosophen, wie die ‚Könige der Weisheit‘ heißen, haben uns zwar vielerlei erklärt, damit wir beweisen konnten, um was es ging. Sie selber sind wahrscheinlich bestens eingedrungen. Ob sie aber alles wissen, was wir an diesem Abend hören durften — — ? Ich bezweifle es.“

„Ja, weil die Einführung des Zeichners fehlte. Doch die Straße finden sie, euer Perser und seine Freunde. Im kleinen Ephrata, nicht weit ab von dieser Stadt, bringen sie dem Ewigen dann ihre Gaben dar.“ Man möchte fragen, aber jeder schweigt. O, das Kommende soll zu seiner eigenen Stunde wirken. Nachdem die Bilder rundum gingen und zuletzt den Hohenpriestern ausgehändigt werden, stellt Pedatja eine schwere Frage.

„Simeon sprach von den inkarnierten Wesen, die vom Dunkel ihren Anteil nach dem Erdenleben mit ins Jenseits nehmen. Demnach nähmen zwar die Teile eines Ganzen jeweils ab und zu, allein die Hölle bliebe ganz. Denn ob hier, ob dort, das spielt wohl keine Rolle.“ Ahitop läßt sich vernehmen: „Da bliebe noch zu fragen offen, ob sie ihren Höllenanteil ungereinigt beibehalten.“ Von Aski angespornt, sagt Zikla, des Chol-Joses Frau:

„Ich denke, solche bringen vorbelastete Charaktere mit. Weil sie mit dem Schöpfungskind gefallen waren, ist das ihre eigene Schuld. Doch ich lernte Leute kennen, die sich durch Gottes Güte umgewandelt haben. Diese hörten auf zu stehlen, Schläger warfen ihre Stöcke weg und anderes mehr. Was nehmen sie ins Jenseits mit, und wo bleibt ihr Höllenteil?“

„Seht unsere Zikla“, lobt der Doktor, „die hat aufgemerkt!“ „Kein Wunder“, schmunzelt Josabad, „sie ist die Frau des Schulgelehrten.“ Eine Weile wird darüber diskutiert, bis Simeon sagt: „Gedanke, Wort und Tat sind substantiell, obgleich nicht immer zu begreifen. Die Substanz ist wandlungsfähig, sonst würden böse Wesen oder Menschen niemals gut.

Wie sich Böses in Gutes umwandelt, läßt sich euch in voller Tiefe nicht enthüllen, gebe aber gern ein Beispiel an. Eine Frucht fällt vom Baume unreif ab, vergleichsweise, daß solche Seele ungeläutert in das Jenseits geht. Trotzdem fällt deren Höllenanteil nicht in die Grundhölle zurück, Pedatja, wie ich es bereits erklärte. Demnach nimmt die Hölle mit jeder einzelnen Wesensinkarnation anteilmäßig ab. Aber weiter:

Notreife Früchte fallen auch herab oder werden abgenommen. Das sind jene, die Zikla meint und die das Jenseits reifen hilft. Die sich völlig wenden, was wenigen gelingt, erlangen auf der Welt die Gnadenreife. Notreifes wirft man ungern fort, man verwendet es zu allerlei. So handelt unser Schöpfer! Jeder Armselige wird liebevoll betreut. Gottes große Freundlichkeit verwandelt finstere Substanz in Licht, und alles Böse macht er letztlich gut.

Der vorbelastete Charakter stimmt. Aber keiner wird belastet; das wäre ungerecht. Was mit denen wundersam geschieht, ist, daß Gott entlastet, wie und wo es möglich ist. Fraget nicht: Warum hat der Herr den Menschen nicht im voraus gut gemacht? — Durch den Mitfall sind die Wesen bös geworden. Darum will der Vater der Barmherzigkeit nichts anderes tun, als alle zu entlasten, was besonders durch Sein Kommen rück- und vorwirkend geschieht. In Ihm wohnt ewig die Barmherzigkeit; und ewig wirkt sie in dem heiligen

Ich war, Ich bin, Ich werde sein!“

Babbukia fragt: „Wäre es nicht besser um die Welt bestellt, wenn es weniger Menschen gäbe?“ „Kaum zu sagen“, meint Athaja. „Die Welt als Planet hat mit gut und böse nichts zu tun. Mit den Menschen, wenig oder viel, kann Gott handeln wie Er will. Viele, auch wenn sie erst zum Guten hingeleitet werden müssen, entsprechen Seiner Größe und Erhabenheit.“

„Mir ging soweit alles ein bis auf eines“, sagt Forestus. „Wenn jenes Erstkind, das mir freilich etwas ‚dunstig‘ ist, sich gegen den Allmächtigen erhob, konnte Er es ja zerschmettern. Dann gäbe es auf unserer Welt nur gute Leute.“ Hanna lächelt fein: „Forestus, passe einmal auf!

Du hast drei flügge Kinder; aber deine väterlichen Hände walten noch.“ „Und wie gut!“ „Eben. Das Erste will den Zügel nicht mehr leiden. Tötest du es, wenn es trotzig deine Hand verschmäht?“ „Nein nein«, sagt Forestus hastig. „Das wäre strafbar und — ich könnte es auch nicht. Es ist doch mein Altester.“

„Um wieviel mehr erhält der Ewig-Vater Sich das erste Kind, auch wenn es auf die schiefe Bahn geriet. Hast du ein Mittel, deinen Sohn zu retten?“ „Das schon.“ „Wenn dir gelingen kann, in Geduld, Liebe und geheimer Führung, etwa durch Cyrenius, dein Kind umzulenken, wird es doch dem Schöpfer abgelegener und leichter sein, eben jenes erste Kind zu retten, nicht wahr?“

„Die Kraft des Widerstandes konnte Gott ihm aber nehmen.“ „Auch nicht! Wenn du deinen jungen kraftlosmachtest, müßtest du‘ ihn ja verstümmeln.“ Forestus wehrt energisch ab, und Hanna Sagt:

„Gott nahm dem Erstling nicht die Kraft, denn das käme der Verstümmelung des Körpers gleich.“ „Ich hab‘s erfaßt; ich danke dir, ehrwürdige Mutter Hanna.“

„Darf ich etwas fragen?“ Askanius rückt ein wenig vor. „Es gehört nicht in den strengen Rahmen des Gesprächs; immerhin . . .“ Simeon bejaht. Jener sagt: „Ich hätte gern von unserer Erde mehr gewußt. Die Ansicht über sie scheint nicht zu stimmen nach dem, was bisher zur Sprache kam. Wie ist der Lauf der Welt? Ist im Raum nur Luft? Mir, fehlen die Zusammenhänge.“ Dieses Thema interessiert die Männer. Cornelius freut sich über seinen Duumvir; da fällt die ‚Abrechnung‘ gelinder ‘aus, als er sich vorgenommen hatte.

Simeon erklärt erst allgemein die Erde, ihren ‚Luftballon‘, wie er die Planetenhülle nennt und weitet seine Lehre aus: „Die Pole zu verstehen macht euch Schwierigkeit. Ihr meint, sie müßten wie am Rad die Nabe sein, schnurgerade, in der Mitte. Die Raumstrahlung, die jeden Universumskörper speist, wird von einem Pole aufgenommen, verdaut, und der Rest vom andern Pol gewissermaßen ausgestoßen. Das geschähe nicht, wenn die Pole, gemäß der Erdumdrehung, nur senk- oder waagerecht verliefen.

Zufolge leichter Schräge, im Erdinnern in Windungen, wird ein Raumstrahl intensiver aufgenommen, über die gesamte Oberfläche und durch verschiedene Kanäle dem Erdinneren zugeführt. Höhere Sonnen leiten stufenweise überregionale Kräfte über die Planetarsonne durch je Poren der Außenhülle in den Innenluftraum des Planeten ein. Die Hülle ist so ungefähr wie euere Haut präpariert, durch die die zuströmenden Luft- und Sonnennstoffe in den Körper dringen.

Die Lufthaut einer Welt hat eine siebenfache Schicht, auf der die überregionalen Kraftzufuhren erst verbrennen müssen. Daß aber nicht die ‚Haut des Luftballons verbrennt, dafür sorgt die euch nicht zu berechnende Schnelligkeit des Planeten. Jeder Universumskörper läuft in einem ‚Luftfluß‘, den ihr Eisstrom nennen könnt. Später werden die Polargebiete gut erforscht, auch ihre Kältegrade. Diese wirken wie zentrale Hitze gegenüber jener Luftflußkälte. Trotzdem ist sie absolut kein zerstörendes Element, wie es in urkosmischen Räumen solche überhaupt nicht gibt.

Inkarnierte sind an die Bedingung ihrer Lebenswelt gebunden, in Hinsicht zu erreichender Höhe, sowie ins Innere der Welt sogar sehr begrenzt gegenüber jener Raumentfernung, die die Strahlungskraft durchläuft.“ „Eine Frage bitte“, meldet sich Gedalmar. „Die Sonne erhält jedwedes Leben; aber wenn man in sie sieht, schmerzen einem gleich die Augen. Sie verbrennt und versengt, zumal wenn‘s lange keinen Regen gibt. Warum ist das so?“

„Auch gut gefragt“, lobt Simeon. „Nur bezieht sich das auf die spezielle Führung euerer Welt, was aber auch bei anderen Planeten möglich ist. Es hängt lediglich mit den Inkarnierten, mit ihrer Art zusammen. Zum Teil betrifft das Abgötterei, worunter weniger der Götzenglaube zu verstehen ist, wenn jemand durch Generationen nichts vom wahren Schöpfer weiß. Wer nichts weiß, den betrifft in diesem Sinne keine Schuld (Joh. 9, 41). Abgötterei ist die bewußt gewollte Abwendung von Gott.

Andererseits entfalten Katastrophen einen Ausgleich für noch weit verheerendere Gewalten, für die in jedem Falle Weltbewohner selber schuldig sind (Sodom pp), ohne sich vorher annähernd von solchen wütenden Auswirkungen ein Bild machen zu können. Und hier hilft nur Gewalt gegen Gewalt.

Die von überregionalen Raumstrahlungen zusätzlich eingeschleusten Kräfte sind als kosmische Gewalt den Weltraumkräften überlegen; sie wirken aber sozusagen sanft. Rom hat eine rohe und feine Fechtkunst ausgedacht. Mit der rohen schlägt man nieder (Krieg), mit der feinen (Spiele) überwindet man. So im Vergleiche wirkt die überregionale Kraft. Sie überwindet mit Lichttaktik die rohe Gewalt der Innerraumkräfte einer Welt.“

Da wirft Galal hitzig ein‘. „Viele Katastrophen wirken kolossal verheerend; und das nennst du sanfte Kraft?“ „Vom Standpunkt der Geschehnisse hast du wohl recht. Von der Schöpferwarte aus hat das ein anderes Gesicht“, entkräftet Simeon. „Allerdings“, gibt Galal ohne Zögern zu.

„Erkläre, Galal: Warum gibt es bei Gewittern immer Sturm? Warum steigert sich der Sturm, wenn die Gewitter böse toben?“ Verblüfft sieht der Wissenschaftler drein, sagt aber schließlich: „Das ist kosmisch bedingt. Ich nahm an, die Blitzgeschwindigkeit erzeugt den Sturm.“

„Nicht unrecht. Gewitter sind Luftreiniger. Die überregionale Kraft als Sturm hemmt und ‚verstreut‘ weitgehendst die Zerstörungskraft der Blitze. Wie ein Raumkörper in seinem Luftfluß vorwärtsrast — aber nicht der Körper gibt dem Fluß die Ufer, er ist darinnen ein gebettet — ‚ ebenso verläuft im Sturmfluß auch der Blitz. Besser ist‘s, er tobt sich dann an etwas aus, als wenn sich seines Feuers Macht als Konzentrat entlädt.

Es gibt noch Blitze, die ‚Lichtgeburten‘ sind, wo sich unzählige Elementteilchen vereinen. Der Vorgang bis zur Ganzgeburt läßt sich durch tausende von Jahren nicht verfolgen. Offenbar verlöscht solch ‚Himmelsblitz‘, bleibt im ureigenen Großelement jedoch bestehen, aus dem unter anderem auch neue Weltraumkörper werden können.“

„Gibt es in überregionalen Räumen auch Gewitter?“ fragt Nicodemus. „Ja, nur anderer Art, und sie bezwecken auch was anderes. Denn dort sind die Elementsubstanzen essentiell und schaffen dem gemäß ewigkeitsbedingt. Zu Askanius‘ Frage noch: Die Raumkörperbewegung und Luftflußkraft sowie deren Temperaturen sind haarscharf aufeinander abgestimmt.“

„Wer kann das fassen?“ Samnus greift sich an die Stirn. Simeon beschwichtig ihn: „Es kommt weniger auf das Erfassen als mehr auf die Erkenntnis an, aus der Gottes Weisheitstiefe leuchtet. Wenn du, Samnus, daraus Gottes Herrlichkeit entnimmst, hast du den Weißen Stein (OJ. 2, 17) gefunden. Wissen ist gut; Weisheit ist alles! Und deren Inhalt soll für alle Kindgeschöpfe Andacht, Demut, Ehrfurcht und Liebe sein. —

Askanius hat gern zugesehen, wie Prätario, der Quirinkapitän, das Schiff mit beiden Händen und großen Anstrengungen durch die Wogen lenken mußte; die andern Schiffe fuhren fächerartig hinterdrein. Nur hier angelehnt, so betrachte alle Raumkörper als Schiffe, die der Schöpfer durch das Meer des Universums leitet. Dazu braucht Er nur die rechte Hand; mit der linken weist Er Seinen Kindern Weg und Arbeit zu. Mit ihr segnet Er sie auch. Verstanden?“

„Verstanden? Du hast dich sehr um mich bemüht, o Simeon; doch ‚verstanden‘ zu sagen wäre pure Überheblichkeit. Aufgenommen, ja; bloß dauert es ein Weilchen, bis ich es verstehen werde. Bitte, laß dir danken.“ Er senkt sein Schwert. Allen Priestern kommt hier der Gedanke: ‚Wie sicher lenkt er alle Bösen und die Guten; wenn wir das nur auch so könnten.‘ Es ist kein Neid; der Himmelsbruder sieht sie liebreich an.

Athaja kommt auf die Raumlehre zurück: „Ich habe über die zwei Pole unserer Welt noch keine rechte Vorstellung. Simeon hat viel Kosmisches mit unserm Körper, zumal mit unserm Glauben in Symbolik wunderbar vereint. Die Pole wären sinngemäß der Schöpfer, auch die ‚Mitte‘ seiner Schöpfung. Man soll sich ja ins Innere, in das Herz versenken, wenn man betet.“

„Sehr recht, Freund Athaja“, erwidert Simeon. „Eine Urschöpfung gleicht sogar vier Rädern, die ineinander laufen (Hes. 1, 15-17) und das keineswegs nur im Symbol, sondern in der wirklichen Struktur. In diesen ewig laufenden Rädern ist der Schöpfer als die Nabe zu vergleichen, unabhängig davon, daß Er in PERSON überall zu finden und zu sehen ist.

Der Prophet Hesekiel hat in der Bewegungsfähigkeit des Schöpfungs- oder Räderwerkes sowohl dieses als auch die Gottheit offenbart. Im Schöpfertum, in Seiner Macht, Kraft, Gewalt und Stärke, ist jedoch der Schöpfer auch der ewig feste und stabile Reifen, der die Werke unentwegt umschließt und ihnen dadurch die Bewegung, durch diese die Lebendigkeit erhält.“

„Das ist herrlich!“ Zacharias Augen strahlen. „So ist unser Gott das wahre Innere und Äußere, alles in allem, und Seine Güte währet ewig!“ (Ps. 106, 1) „Ja“, sagt Mutter Hanna feierlich, „Gott ist in Ewigkeit der Born, der alle Brunnen speist. In der Unaufhörlichkeit des Fließens wird Er für uns immer wieder neu; denn auch jeden Tag ist Gottes Güte neu.“

Cornelius denkt: ‚Wenn das Cyrenius wüßte! Ah, ich diktiere da den Tempelschändern, etwa werden sie bei diesen wunderbaren Dingen angerührt.‘ Sagt Simeon: „Gut, Cornelius, wenn sich auch die Böcke nicht leicht scheren lassen. Was du tust, das ist vom Segensquell, für dich bald, für die zwei zu ihrer Zeit.“ „Dann soll‘s geschehen“, schmettert der Tribun. „Und von mir aus kann es heute bis zum Morgen gehen. Also gleich noch eine Frage:

„Haben die Bewohner anderer Planeten eine ähnliche Mission wie wir auf dieser Welt? Oder steht sie sogar höher?“ „Der edle Tribun bringt Fragen!“ ruft Jaor bewundernd aus. Simeon lächelt: „Wer mit geistiger Gewalt (Matt. 11, 12) das Licht erstrebt, nimmt damit einen inneren Kontakt mit der überregionalen Raumkraftstrahlung auf, mit welcher sich höchst wunderbar die personalite Verbindung zwischen Gott und einem Kindgeschöpf gestaltet.

Dieser Welt ist das Letzte der Erlösung vorbehalten. Der Mensch hat sie zur Magd Lo-Ruhama gemacht. Die Inkarnierten anderer Welten haben sie schon überflügelt, haben größeren Kontakt mit Lichtfeldsphären, soweit möglich und gegeben ist. Sie helfen kräftig mit, daß der Kern der Finsternis, nunmehr fast ausschließlich auf diese Erde konzentriert, zur Erlösung kommen kann. Aber Gott kennt dafür keinen Zwang, um dieses UR-Ziel zu erreichen.

Sein heiliges Muß ist der Lichttrieb der Barmherzigkeit!

Darum hat Er Sich die ärmste Welt erwählt, Sinnbild von Lo-Ruhama oder Sadhana, wie ihr ‚Tochtername‘ war. Ich führte Nicodemus, was in jeder Weise, auch durch Lehre, ein ‚An-die-Hand-nehmen‘ ist. So und nicht anders macht es Gott! Von jener Fallzeit an hat Er, der Vater, unaufhörlich Seine Hände ausgereckt, um alle Abgestürzten aufzurichten, wieder heimzurichten.

Zum letzten Hilfsakt kommt der Höchste menschpersonhaft auf die Welt und bringt aufs neue Seine Lebenslehre mit, damit das seelisch Allerärmste heimwärts pilgern kann. Ich sagte wiederholt: Er kommt bald!“ Fragt Mechona schüchtern: „Von jenem Priester Sakkai stand auf einem Bilde ‚bald‘ geschrieben. Seither sind fast sechzig Jahre hingegangen. Wie kann man dieses Bald verstehen?“

„Du hast fein aufgemerkt“, wird sie belobt. „Bald oder spät läßt sich mit euren Zeiten nicht belegen, weil nur das UR-Tun eine Zeit ergibt. Dem Äon gegenüber ist ein Säkulum der Welt weniger als die Sekunde eines Erdenjahres. Da sich das Erlösungswerk bloß auf die Lichtzeit stützt, steht ein ‚Bald‘ (OJ. 22, 20) zu seinem Recht. In solchen Hoch-Zeiten haben Menschen und die Wesen die Gelegenheit, sich endgültig umzuwenden.“

„Ich danke“, sagt Mechona und macht einen förmlichen Knicks vor Simeon. Sie hat ungeheure Hochachtung vor ihm. Er hat Pashur, ihren Mann, unter dem sie viel zu leiden hatte, umgewendet; er ist ein guter Vater und ein rechter Mann geworden. Das wird sie Simeon nie vergessen. Hanna streichelt ihre schmalen Wangen.

Hasabra fängt aufs neue an: „Simeon, du hast eine Menge Fragen wachgerufen und erklärt, bitte, löse mir auch meine Frage.“ „Nur heraus damit“, lacht Obadnia, „auf diese Weise kommt der Morgen, wie der liebe Römer wünscht.“ Der erwidert ernst: „Wir lernen heute eine ganze Schule aus. Dafür ist dem Schöpfer und auch Simeon nie genug zu danken.“ Hasabra fragt:

„Bei dem Thema von Innenraum- und überregionalen Kräften sagtest du, daß diese wirken. Sind es selbsttätige Elemente oder werden sie von Lichtträgern (Engeln) gelenkt?“ „Selbstredend sind sie nicht selber tätig“, lehrt Simeon, „womit ein ‚Selbstdenken‘ verbunden wäre. Sie werden stets gelenkt. Darüber hinaus besteht noch eine Ausgleichsachse, die — bleiben wir bei euerer Welt — sich auf das Menschenvolk bezieht.

Letzteres bedingt die Katastrophen (1. Mo. 8, 21). Doch werden dann zur gnädigen Entlastung Bosheitsteile mit gefesselt. Die Investition wirkt, wie ihr denkt, als blindes Schicksal. Im gelenkten Sturmfluß fährt der Blitz daher. Innerhalb seiner Ufer wird er sozusagen oft zum blinden Schicksal.“ „Laß mich unterbrechen“, bittet Ahitop. „Bei solchen Schicksalsschlägen werden öfter Unschuldige als Schuldige betroffen.“

„So sieht es aus.“ Simeons Worte wiegen schwer. „Unschuldig ist höchst selten ein Betroffener, weil frühere Untat dabei abgegolten werden kann, wo Gott gnädig solche alten Schulden zur Begleichung bringt, zumal für Jenseitswege. Wenn Unschuldige mit leiden, dann sind sie ja von vornherein auf diesen ‚Gnadenplatz‘ gestellt, für sie kein ‚Unglücksplatz‘! Sie sind mindestens in dieser Hinsicht unbelastet (Joh. 9, 3) und können daher einen Teil der ‚Bruderlast‘ mit tragen helfen.“

„Gnadenplatz für Unglücksplatz zu sagen, ist der Menschheit nicht zu lehren“, sagt Chol-Joses. „Braucht auch nicht zu sein“, entgegnet Simeon. „Es genügt, wenn das eine kleine Schar erfährt, die durch bewußtes Denken besser hilft, als mit öffentlichen Lehren möglich ist.“ Nathan erzählt: „Kürzlich hielt mich Usiel an. Simeon hätte ihm gesagt, wenn Gott käme, käme auch die Stiftshütte wieder. Er lachte widerlich. Wie war das gemeint?“

„Die Stiftshütte stand in der Wüste, draußen (Heb. 13, 12-14). Man mußte zu ihr aus dem weltumhegten Lager gehen. Tat man das, so kam man wirklich zu dem Herrn! Es besagt zum Teil, daß die Lichtkinder aus dem Reich hinaus in das ‚Draußen der Materie‘ gehen, umgekehrt die Inkarnierten aus der Welt hinaus in die Stadt des Lichtes. Ich hatte Usiel das erklärt und er spottete, dann wäre er bei Gott, der Tempel stünde in der Stadt und wär keine arme Hütte außerhalb. Ich ließ Usiel stehen, weil er nur zu streiten suchte. Dabei ist das Ganze eine wundersame Schau.

Die Hütte als ‚die Obhut Gottes‘ ist der hohe Tempel in der Stadt Licht-Heilig. Ihr Symbol stellte Gott in der Materie auf — nicht nur für das Jakobvolk. Wüste bedeutet die Materie. Weil Gottes Obhut überreich und herrlich ist, darum sollte Mose jene euch gegebene Hütte herrlich schmücken (2. Mo. K. 24-27). Salomo hat dies verkannt, trotz seines großen Wissens. Er prahlte mit der Pracht als seines und des Volkes Gut und Geld.

Daß Gott es zugelassen hat, lag im ‚Hieb der Axt, die des Volkes Wurzel traf‘ (Matt. 3, 9-10), durch einen fortgesetzten Götzendienst hervorgerufen. An sich ist der Axthieb nicht mehr aufzuhalten, es sei denn, das Volk wendete sich völlig um, wenn der Höchste Herr wie eine ‚arme Hütte‘ kommt; als nur ein Menschensohn trotz Seiner UR-Gott-Wesenheit; als armer Mensch, um alle armen Seelen aus der Ferne zu befreien.

Kein reiner Geist braucht in eine Welt zu gehen; sie tun es aber, um Verlorenen die Hütte zu gewinnen oder wie ich sagte: Unschuldige können für Schuldige Mitträger sein.“ Fragt Eliphel: „Gibt es auch unreine Geister? Man sagt zwar so, doch mir sind Bedenken aufgestiegen.“ Simeon erwidert:

„Gott ist ein heilig-reiner Geist! Darum will Er auch im Geiste — innerlich, und in der Wahrheit — äußerlich, angebetet sein (Joh. 4, 24). Unter Geist versteht ihr mehr das Undefinierbare und verbannt ihn in eine Nebelwelt, während ihr die Realität auf euch und die Materie bezieht. Dieses gilt den materiell Gebundenen bis zu ihrem Leibestod. Mit ihm hört der Realismus vor der ‚gedachten Nebelwelt des Geistes‘ auf. Bloß dauert es oft lang, ehe solch ein Mensch zur klaren Geisteswirklichkeit erwacht.

Absichtlich sagte ich im Hinblick auf die Licht-Realität ‚reine Geister‘. Was man unreine oder unsaubere Geister nennt (Sach. 13, 2; Matt. 10, 1 pp), sind mitgefallene noch nicht inkarnierte Wesen, aber auch böse, unreine Gedanken, Worte und Taten eines Menschen. Daher ist es angeraten, den Unterschied zwischen Geist und Wesen scharf hervorzuheben.

Nicht zu verwechseln mit GOTTES Wesen, Seiner Universalität! Man sagt auch: Dieser Mensch hat ein gutes Wesen, müßte aber heißen: hat ein gutes Gemüt. ‚Geist‘ ist pur auf das Lichtreich zu beziehen.“ „Das will ich mir gut merken.“ Eliphel lacht ein wenig. „Hinterher wundert‘s einen, daß man das nicht selbst erkannte.“

„Unser Weg ist eine Leiter, die in das Lichtgefilde führt“, sagt Malluch. „Zu gut und böse heißt es El-Elion und Schaddai. Es ist der gute und der böse Gott gemeint. Das ist eine fest verwurzelte Idee. Wie wäre hier zu wirken, daß kein böser Gott besteht? Denn das setzte ja voraus, daß er auch ein Geistprinzip, außerdem mit einem, mit dem guten Gott im gleichen Range am Bestehen und in der Kraftentfaltung wäre, wenn natürlich nach zwei grundverschiedenen Richtungen hin.“

Darauf erwidert Zacharias: „Wenn wir diese Lehre, die zumeist in Überlieferungen wurzelt, nicht mehr bringen, wird sie nach und nach versiegen. Es ist ja für die Masse nicht ganz ausschlaggebend, ob sie das Exakte an der Unterscheidung weiß. Das Wichtigste am Glauben sind vier Punkte: Wer und was ist Gott; wie hält man Sein heiliges Gesetz; worin besteht die Liebe zu Ihm; wie kann man seinen Nächsten bestens dienen!“

Simeon bestätigt das. „Natürlich soll man alles, was gesammelt wurde, weiterleiten; denn alle Menschen sind zum Licht berufen. Wer die Wege weiß und nicht offenbart, sagend: Ach, die Menge kann dies nicht begreifen, — der ist nicht geschickt zum Reiche Gottes. Er verschleudert seinen Schatz; denn er zehrt vom Pfund, ohne dieses zu vermehren (Luk. 19, 21).

Beim Weltenende bricht sich die Erkenntnis volle Bahn. Was GOTT auf Seiner Erde sät (Golgatha), kann Ihm keine Welt verderben! Es kann wie gestorben wirken. Allein zur Ernte offenbart sich Seine Aussaat in der Ewigkeit; und diese Saat befruchtet jede Welt. Dann wird noch viel mehr, als ihr erfahren habt, die ganze Menschheit überkommen.

Sorgt euch also nicht, wie diese Wahrheit auszubreiten sei. Tut ihr das euere; die Kommenden, auch berufen und erwählt, werden einst das ihre tun! Gott läßt ja nichts so ungesegnet, daß es nicht doch, mitunter erst nach langer Zeit, zum Segen wird. Denn Sein Tun ist lauter Segen, und Sein Gang ist lauter Licht!

Zeit an sich ist die Empfindung der Materie. Bei Gott gibt es im wesentlichen keine lange oder kurze Zeit. ‚Endlos‘ heißt‘s bei Ihm, wie Seine — hier zu sagen — ewigheilige Wesenheit!“ Es ist wieder einmal still. Man spürt den Morgen kommen — ein neues Leben, ein Unbegreifliches, was ihre Herzen jauchzen macht. Hanna fängt mit einem Lobpreis an zu beten:

„O allmachtsvolle Liebe! Du hast Dich aufgemacht, Du kommst zu Deinen Kindern und zu denen, die es werden sollen. Ewig Ehre, Preis und Dank und Lob sei Dir! Wir knieen vor Dir nieder, vor Deiner Macht und Majestät, vor Deiner herzlichen Barmherzigkeit!“ Hanna tut es, und alle folgen ihrem Beispiel nach. „Aber Du, wunderbarer Gott, Vater großer Freundlichkeit, erhebst uns ja; und Dich bitten wir: Laß uns allesamt an Deinem Herzen ruhen, bis wir in uns auch die Ruhe Deiner Ewigkeit besitzen.“ Simeon fällt ein:

„O Herr, Du unser aller Trost und Hilfe, hast uns schon erhoben; denn in der alten Zeit [VH27], da Deine Gnade die geheimnisvollen Bahnen ging, hast Du uns aus purer Güte an Dein Herz gedrückt. Da hast Du unser Leben, unsere Kindschaft, in dem Schreine (Urwerk, der Heilige Herd) Deiner Heiligkeit verwahrt, damit kein Fall uns treffen konnte. Du hast uns zubereitet für die Arbeit auf dem Schöpfungsfeld. Das hast DU für uns getan, Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger!“

Hanna: „Für alle hast Du es getan, nicht nur für Israel, und hast es an den lieben Römern offenbar gemacht.

Denn wo Dein Geist erstrahlt, da wohnen Deine Kinder!

Laß Deinen Geist durch Deine Kinder hingetragen sein zu denen, für die Du Deine LIEBE (Jesu) hergegeben hast. Denn wenn Du einst Dein Lichtvolk zählst, soll Dir kein einziger Name fehlen!“

Simeon: „Kein Name fehlt! Den Falschgläubigen, die meinen, daß die Namen der Gestürzten in dem Lebensbuche auszulöschen wären, sei gesagt: Sie sind nur zugedeckt, vom Sand der Sünde zugestreut. Gottes ATMA wird den Sand verwehen! Dann werden auch die kleinen Lichter wieder leuchten, die kleinen Strahlen angezündet werden. Nichts wird außerhalb des Empyreums sein. Ausgelöscht wird nur der Tod und seine Tränen, die Sündenlast und ihre Schmach, die Dunkelheit und ihre Angst!“ (OJ. 21, 4)

Hanna: „Was wir nicht begreifen, hat der Herr des Lichtes und der Liebe einst beschlossen, hat es vorgebahnt zur Offenbarung Seiner Herrlichkeit. Was noch nicht zu sehen ist, haben Seine Hände längst geformt. Die Barmherzigkeit ist stets bei uns, um sie brauchen wir uns nicht zu sorgen. Aber sie uns zu erhalten, darum wollen wir Dich fleißig bitten; sie uns zu bewahren, darum flehen wir: Komm, ewiger Erlöser, großer Arzt von alters her, Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst!“ (Ps. 74, 2; 2. Mo. 15, 26; Jes. 63, 16 u. 9, 5)

Simeon: „Hochgelobet sei Dein Name, Herr erhabener Herrlichkeit! Hochgepriesen sei Dein Geist, Deine ewige Allmächtigkeit! Deine lichtgeprägte Wesenheit sei angebetet! Dein Herrschaftswille sei geehrt! Schöpfer, Priester, Gott und Vater heiliger UR-Ewigkeit!“

Hanna: „O Vater, was wissen wir denn heute von der Gnade, die Du uns in Deiner heiligen Nacht bescherst?! Aus dem Geheimnis Deiner Lebensnächte wird Deine Liebe allen Kindgeschöpfen offenbar!!“

Beide:

„Heilig, Heilig, Heilig, Heilig o Imanuel!

In Andacht, Ehre, Liebe, Demut angebetet!

Komm, König Ariel, komm bald!“

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