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13. Unter der Schirmherrschaft der Engel

Liebe Freunde!

‚Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so IHN fürchten, und hilft ihnen aus.‘ Ps. 34, 8

Die jetzige Zeit hat viele Herzen arm gemacht. Man schämt sich, an Gott zu glauben; und wer es tut, wird als ‚unmodern‘ bezeichnet. Diese Ansicht bietet keinen Platz, auf dem wir unser heutiges Gnadenwort erkennen könnten. Und selbst jene Christen, die vom Jenseits so gut wie nichts wissen wollen, müssen wir an den Rand der heutigen Betrachtung rücken. Nicht, weil wir für sie keine Liebe hätten, sondern weil wir selber erst zur größeren Klarheit kommen müssen, damit wir um so besser wirken können.

Die Schirmherrschaft der Engel verlangt die Antwort auf die Fragen:

1. Wer sind wir Menschen;

2. Wo kommen wir her;

3. Was waren wir;

4. Wo gehen wir hin.

Ist eine Antwort gleich zu finden? Ich muß um etwas Geduld und Nachsicht bitten, auch auf die Hilfe eures Liebewillens, bis wir geeint Gottes Licht erkennen und wissen, was uns alles an ewiger Güte beschert wurde. Gerade der Adventsgedanke verbindet uns mit der Vorbereitung, Licht, Engel und Christkind, wenn wir glauben, daß diese Dinge sich auf uns beziehen lassen. — Nun zuerst:

Wer sind wir Menschen? Kurz gesagt lautet es: Wir sind Geschöpfe des Gottes, Der unser Schöpfer und Vater ist. Das geschöpfliche Dasein ist ein heiliges Mysterium. Es ist nicht nur der Zweck, daß wir leben oder uns zu Vaterkindern heranbilden lassen, wenngleich Letzteres ein bedeutender Grundzug unserer Bestimmung ist. Werden wir dieser Bestimmung in der Anerkenntnis des Lebenszweckes gerecht, so führt uns der Erfolg zur zweiten Frage:

Wo kommen wir her? Gott hat alles erschaffen. Ist Er das ewige Lebensprinzip, dann müssen wir göttlicher Abstammung zufolge ein Teil desselben sein, gleichgültig, ob wir als Geschöpfe einem von Gott gegebenen Anfang wie einem Ende unterliegen. Beides, Anfang und Ende auf das Leben der Erde zu beschränken, wäre ein armer Glaube, mit Ernst aber eine Beleidigung des Heiligen Geistes unseres grundguten Vaters.

Seine hehre Güte hat unmöglich Seine reinen, schönsten Kraftsubstanzen, die Er zu Kindern formte, an einen solch armseligen Raum und kurzfristige Zeit gebunden, wie die Erde es ergibt. Sondern auch für uns, trotz geschöpflicher Beschränkung, gilt das Wort

‚Von Ewigkeit zu Ewigkeit‘.

Wir lebten als Gedanken in der Gottheit, als Geschöpfe im Reiche ihres Geistes. Da wir glauben können, daß wir nach dem Erdenleben wieder in ein Jenseits wandern, so ist zu merken: Vom Reich gekommen — ins Reich zurück! Es ist wahr: ‚Die Engel Gottes steigen die Leiter zur Erde herab und hinauf‘, obgleich die Welt als die niederste Stufe dieser himmlischen Verbindungsleiter anzusehen ist.

Wir Menschen entstammen also einem vorherigen Leben, zunächst unabhängig davon, ob aus dem Licht oder aus einer vorübergehenden Finsternis. In der Haushaltung Gottes offenbart der Herr durch Jakob Lorber Eingehendes über die ‚Kinder der Höhe und Tiefe‘. Zumal die Patriarchen, Propheten, Jünger und alle treuen Gotteskämpfer kommen als ‚Kinder des Lichts‘ von oben her. Dieser Glaube stellt uns vor die dritte Frage:

Was waren wir? Darauf kann keine andere Erkenntnis folgen, als daß echte Gläubige Reichsbürger Gottes waren. Wird eingeflochten, daß es vor Luzifers Fall ohnehin nur eine Kindergruppe gab, die im ‚Ewig-Vater‘ damals ihre göttliche Kindschaft besaßen, so sind die Gläubigen, ebenso die Ungläubigen, ihrem Geist und himmlischem Seelenprinzip gemäß aus dem Reich hervorgegangen, auch die nachmals Gefallenen.

Letztere könnten nicht als Abgefallene bezeichnet werden, wenn sie vor ihrem Fall keine Reichsbürger waren, doch durch Ungehorsam und Erhebung wider heilige Bedingungsgesetze aus dem Licht zur Tiefe abgestürzt. Dieses Hauptproblem der Schöpfung war hier nur zu streifen; wir müssen bei unserem Thema bleiben.

Michael, den Daniel (10, 12) ‚einen der vornehmsten Fürsten‘ nennt, stritt mit seinen Engeln, mit seinem Anhang, wider Luzifer und dessen Schar. Sein Sieg bewahrte allen Himmelskindern ihre Reichsbürgerschaft, wodurch für sie kein ‚mit-Luzifer-Fallen‘ geschah. Wäre es anders, so müßte des Vaters herrliches Reich unvorstellbar lange Zeit bar jeglicher Kinder gewesen sein. Das Wort Jesajas (K. 9) vom ‚Ewig-Vater‘ wäre dadurch eine Illusion. Das EWIG bezieht sich auf das ‚Ich war — Ich bin — Ich werde sein‘! Jesus bestätigte Seinen Jüngern die längst bestehenden Wohnungen in des VATERS Haus.

Geist- oder Lichtseelen stammen demnach aus dem Reich, die materiellen aus dem Fall, womit im großen Grundzug, wo wir herkommen, seine Löse hat. Übrigens entspringt der Geist im Menschen pur dem Geiste Gottes, unbeschadet dessen, daß jene von Oben im Mitopfergang materielle Kraftsubstanzen übernehmen. Andererseits erhalten die Gefallenen aus dem ‚Erlöserwillen Gottes‘ bei ihrer Inkarnation den vor dem Fall besessenen Geistfunken zurück, weil sie ohne denselben kein irdisches Leben haben könnten. Und nun:

Wo gehen wir hin? Gottes A und O, das heilige ATMA, die Ausatmung Seines schöpferischen Lebensimpulses, wie dessen Wieder-Einatmung, zeichnen unseren Weg. Aber nur der rote Faden ‚Wir kommen aus Gott und gehen zu Ihm zurück‘ gibt keine volle Klarheit. Dienlicher ist, daß die Lichtkindgeister, vom Reich gekommen und im hehren Schöpfungskreislauf, der keine Wiederholungen bringt, in das heilige ATMA als Reichsbürger heimkehren, die Engelschaft wieder erhalten, zu erkennen. Petrus und Paulus weisen darauf hin.

Die Lehre: ‚Engel sind Gedanken Gottes‘ betrifft nicht deren Person. Engel bedeutet in echter Übersetzung ‚Lichtkind‘. Die durch Luzifers Fall entstandene Reichsteilung rief nur zwei geschöpfliche Gruppen hervor: die Getreuen und die Ungetreuen. Unter den Getreuen gab es keine weitere Spaltung etwa dahingehend, daß die Engel andere Wesen wären, als was wir unter ‚Kinder Gottes‘ verstehen.

Der Herr bestätigt das von guten Menschen, indem Er sagt:

‚Denn sie können hinfort nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Göttes Kinder, dieweil sie Kinder sind der Auferstehung.’ (Luk. 20, 36)

Dieses Gnadenwort ist unmißverständlich; doch unterstreicht es Gott in Seinem Wort:

‚In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien lassen, sondern sie sind gleichwie die Engel Gottes im Himmel.’ (Matt. 22, 30)

Ein anderes Zeugnis ist nicht nötig, um zu erkennen, wo der wahre Christ hingeht und was er einst wieder werden wird.

Mit einem guten Willen beseelt, sind wir eng mit dem Reich verknüpft, auch während unseres Erdenlebens nicht von ihm gelöst. Da sehen wir, daß die intime Verbindung sich offenbart. Und wenn wir auch die Zugehörigkeit sehr selten merken, ihrer nicht bewußt inne werden, so ist nicht zu leugnen, daß sie besteht.

Solch ein Glaube wird durch ein weiteres Bibelwort gerechtfertigt:

‚So dann ein Engel für ihn als Mittler eintritt, einer aus tausend, zu verkündigen dem Menschen, wie er solle recht tun, so wird Er, Gott, ihm gnädig sein und sagen: Erlöse ihn, daß er nicht hinunterfahre ins Verderben; denn Ich habe eine Versöhnung gefunden.‘ (Hi. 33, 23)

O, ein ewiges Evangelium, wie der Engel in der Offenbarung Johannes es allen Menschen, Heiden, Sprachen und Völkern verkündigt (14, 6).

‚Ewig‘ bedeutet nicht nur Zukünftiges; das ist Gottes Allgegenwart. Wir sehen also klar: Die durch Jesu Wort offensichtlich als ‚Kinder Gottes‘ bezeichneten Engel, wie jene von oben her kommenden Menschen, haben geistgemäß keinen anderen Ursprung und keine andere Heimkehr als vom und ins Licht.

Schon darum verwahren die Engel die Schirmherrschaft über uns. Unser Leitwort ‚Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so Ihn fürchten und hilft ihnen aus‘ wird mit jenem andern Wort bestätigt: ‚Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn:

Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe!‘ (Ps. 91, 1)

Hoffen wir so fest auf diese Schirmherrschaft? Fühlen wir täglich die Behütung? Nehmen wir sie dankbar an? Wer hat bewußte Verbindung mit seinem Führerengel? Es braucht nicht unbedingt zu bedeuten, daß man ihn sieht und hört. Es genügt, den Schutz zu erkennen, täglich zu erbitten, und zwar selbstredend zuerst von Gott. Fast alle Führerengel haben das Erdenleben schon hinter sich; doch auch die noch nicht inkarnierten Reichskinder können ob ihres außerordentlichen Gehorsams in der Fallzeit einen Menschen treulich leiten.

Anhand einer Offenbarungsschrift möchte ich von einer solchen Führung künden. Über Seinen Erdenweg hat Gott Selbst hauptsächlich durch unsern Bruder Jakob Lorber Herrliches offenbart. Das beweist, daß derselbe ein Kind von Oben ist, ansonst, er unmöglich ‚Gottes Stimme‘ so ausgiebig hätte hören und wiedergeben können.

Er ist an die Seite der eingangs erwähnten Patriarchen, Propheten, Jünger und Gotteskämpfer zu rücken. Die aus den ersten Lichtgruppen nachgekommenen Engelskinder haben auch solche Berufung und Erwählung erhalten. Zu ihnen gehört, wollen wir der Sache Glauben schenken, unser Lorber. Höret Einiges aus seinem Leben vor der Erde.

Er, ein Kind aus dem Hause Rafaels, heißt Karmatha. Seine Zugehörigkeit zum sechsten Fürsten hat seinen Grund im sechsten Schöpfungstag. Karmatha wird von den Fürsten erzogen. Er muß in allen Häusern der sieben Grundlebensstrahlen eine zeitlang leben. Sein freier Willenstrieb wird in nichts beschnitten; wohl aber wird er durch die freundliche Führung seitens der Eigenschaftsträger angeleitet, Gott über alles zu lieben und sich zum Erdenweg bereit zu erklären, was er fast am Anfang seines Himmelslebens tut.

Also wird seine Erziehung darauf zugeschnitten. Größere Lichtkinder bemühen sich, Karmatha zu dienen und zu helfen. Alles ist vom Vater wundersam gesegnet. Ja, Karmatha sitzt unter dem Schirm des Höchsten, er lebt im Gnadenschatten des Allmächtigen, Der ihn oftmals Selbst belehrt.

Mitunter muß er auf verschiedenen Sonnen leben, um das jeweils Erworbene in sich lebenswahr zu gestalten. Darüber ist er manchmal stolz, bis er zur Erkenntnis kommt, daß er ja der Geführte ist. Er kommt mit Reichskindern zusammen, die zur Materie gehen, wie mit Heimkehrenden, ebenso mit Kindern der Welt, die entweder kurz vor dem Tode oder erst im Jenseits zur Gott-Wahrheit gelangten. Er darf jene belehren, die auf einer Welt keine große Last erhalten, weswegen sie meist als reine Kinder sterben.

Herrlich sind die Szenen mit den Engeln Eraskar und Tullay, deren Sonnenbewohner er belehren soll. Das geschieht, um ihn in der Demut zu erproben. Immer aber untersteht er der Schirmherrschaft desjenigen Engelsfürsten, in dessen Sphärenkreis er lebt. Das sind die Häuser der Liebe, Geduld, Ernst, Weisheit, Wille, Ordnung und Barmherzigkeit.

Im wunderbaren Schluß, im Heiligtum, empfängt er seine Weihe mit des Vaters Segen. Hier steht sein Führer hinter ihm, der Gruppenbefehlsengel Jehasmael, der sich zu diesem Amt besonders eignet. Und so tritt er den Prophetenweg zur Erde an.

Auch Jehasmael erhält zur Ausübung der Schirmherrschaft Gottes Segen. Auf dem Weg zur Erde durchwandern sie die Sonnen Orakania und Hagarma, auf denen die Hallen Jechahal und Merhatom stehn. Jechahal bedeutet ‚Verbindung, auch Wiederkehr‘, Merhatom heißt ‚Loslösung‘. Alle Reichskinder nehmen diesen Weg. Heimwärts kommt erst Merhatom und dann Jechahal. Dann öffnet sich das Gnadentor Hephata. Allein, auch die armen Kinder der Welt, sobald sie ‚Harmagedon‘ überwunden haben, müssen Merhatom und Jechahal passieren.

Der Reichsengel Jehasmael hat Jakob Lorber unter seine Schirmherrschaft genommen. Vielleicht war er dessen sich nicht voll bewußt; auch war er zu bescheiden, um so etwas zu melden. Zudem ist‘s besser, wenn man nichts weiter weiß, als daß ein Engel führt. Wer das in Demut glaubt, den erfüllt des Himmels Licht. Wir haben an Jakob Lorber einen herrlichen Beweis. Diese von ihm gehütete Verbindung ermöglichte ihm, die ‚Stimme des Herrn‘ aufzunehmen,

Nun fragen wir: Befinden wir uns unter solcher Schirmherrschaft? Darauf gibt es schon ein ‚Ja‘, ob gespürt, geglaubt oder nicht. In Verbindung mit der Weltangst bestätigt es die Bibel:

‚Wer sie ängstete, der ängstete Ihn auch; und der Engel Seines Angesichts half ihnen. Er erlöste sie, darum daß Er sie liebte und ihrer schonte. Er nahm sie auf und trug sie allezeit von alters her.‘ (Jes. 63, 9)

Zur lieblichen Adventzeit strömen Lichtquellen auf die arm gewordene Welt, um aus Gottes Herrlichkeit die Menschen reich zu machen. Träger dieses Reichtums sind die Engel, Gottes Kinder, und sind wir, wenn wir unsern Ursprung als die Heimat anerkennen. Wer das glaubt, bei dem wirkt die Schirmherrschaft der Jenseitsfreunde offenbar.

Laßt uns eingedenk bleiben, daß Gottes Hausgenossen nur mit echter Demut die Himmelsleiter wieder aufwärts steigen können, die sie als Reichskinder im freiwilligen Mitopfergang herabgekommen sind. Um so günstiger geht der Weg zurück, wenn wir der seelisch Armen im Gebet gedenken. Und wir werden wahre Hausgenossen Gottes, wenn wir wegen unserer irdischen Unzulänglichkeit uns mit jenen Armen auf die eine Stufe stellen: Wir sind alle unter der Sünde beschlossen, auf daß wir alle die Erlösung empfangen!

Es gibt Freunde, die von sich sagen: Ich war dieser oder jener. Auffällig ist, daß sie sonderbarerweise sich die Besten wählen wie etwa: ‚Ich war Abraham, Michael und andere große Himmelsleuchten‘. Ob es Demut ist, sich mit solcher himmlischen Glorie zu schmücken, muß jeder selber wissen.

Keiner will Kain, Kaiphas, Herodes oder gar der arme Judas sein. Welcher Schaden, welche Irrung! Diese Freunde haben ihres Führerengels Schirmherrschaft verloren. Denn wer so groß sein will, welch anderer Großgeist soll ihn führen? Die Gegenrede: ‚Ich erkenne nur des Vaters Führung an‘, ist nicht bloß töricht, sondern kennzeichnet den Hochmut; außerdem ist das bar der echten Liebe.

Für uns, die wir im sechsten Schöpfungstag, unter dem Leitstern der Liebe leben, gilt das Wort als höchster Segen: ‚Dient und liebt euch untereinander, damit ihr Gottes Kinder seid.‘ Auch bestätigt Gott die himmlische Abkunft der Getreuen, indem Er einst zu Seinen Jüngern sprach:

‚Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern Ich habe euch von der Welt erwählt,

darum haßt euch die Welt!‘ (Joh. 15, 19)

Genügt es nicht, wenn wir unter der Obhut Gottes stehen? Was bedürfen wir der Engel, wenn wir einen Vater haben? Wir wollen mit Bedachtsamkeit die Fragen prüfen, ob sie gültig sind oder inwieweit sie abzuändern wären, ohne dabei Gottes Schirmherrschaft zu lösen.

Das zweite Liebegebot verlangt die gegenseitige Hilfeleistung. Eine tatlose Liebe hat keinen Wert. Natürlich übt Gott Selber alle Schirmherrschaft im geheimen aus; aber was dem Liebetag zur Manifestation gegeben wurde, muß ja eine entsprechende Tat-Form haben. Gäbe es keine Schirmherrschaft der Engel, so würde des Kindervolkes lieblichste Blume verdorren: Die Liebe zueinander!

Ein kleines Beispiel: Ein altes Mütterchen, ein gebrechlicher Greis, ein unerfahrenes Kind wollen über die Straße. Trotz des bekannten Wortes ‚Ich habe keine Zeit‘ führen wir die Hilfsbedürftigen durch das Autochaos. In diesem Augenblick sind wir ein Ausübender der Schirmherrschaft; und beide, der Geführte und Führende, stehen wegen der Dienstbarkeit unter der persönlichen Obhut des Vaters, ausgeführt von unserm Engel.

Das läßt sich auf alles, auch auf die Erkenntnis von gut und böse und ihrer Nutzanwendung beziehen. Vertraue ich mich dem Beistand meines Engels an, so stehen er und ich unter der Obhut Gottes. Aber stoßen wir den Schutz aus immer welchem Grund zurück, so wird Gottes Obhut, Seine heilige Hütte, uns kaum zuteil.

Ebenso im inneren Entwicklungsleben müssen wir mit plötzlichen Gefahren rechnen, wenn wir unseres Engels Schirmherrschaft nicht anerkennen. Dann ist er traurig, weil unsere Seele leichtsinnig, springend oder geängstigt, durch das Labyrinth der Versuchungswege läuft. Daß wir dabei zu einem erheblichen Teil der Heilsobhut des Vaters verlustig gehen, ist gewiß, weil nicht der Engel sich zum Führer machte, sondern er den Dienstauftrag erhielt.

Lassen wir uns mehr von der Behütung überzeugen. Konnten wir erkennen, daß mindestens die reingläubigen Menschen in ihrem Vorleben Reichskinder waren, so durften sie gewiß schon Menschen führen. Ob nicht auch wir manchmal traurig am Rande standen, wenn wir unser Bestes leisten wollten, aber unser Pflegling sich nicht führen ließ, weil der Mensch so wenig davon spürt? Ob wir da nicht auch schon fragten: „Vater, was soll ich mit dem mir Anvertrauten tun?“ Das beantwortet der Vater mit zwei Worten: „Harre aus!“

Wenn wir den Lichtgeschwistern ihren Dienst an uns nicht schwerer machen, als er ohnehin durch unsere Unzulänglichkeit schon ist, so wird jeder Herrliches erleben, der die Schirmherrschaft der Engel anerkennt! Jesus nahm zum Zeichen die Behütung an, wie geschrieben steht: „Da traten Engel zu Ihm und dienten Ihm,“ —

Öffnen wir unsern Engeln die Herzenstür, so führen sie uns in das geistige Bethlehem. Sie kamen ja zu Abraham und vielen gläubigen Menschen. Fürst Rafael, als Henoch bekannt, hat als sichtbarer Engel den jungen Tobias geführt und dessen blinden Vater geheilt. Und die Engel brachten die Hirten zum Jesuskind; Engel halfen dem Cyrenius; und ebensolche befreiten Petrus aus dem Gefängnis.

Der ‚Engel des Herrn‘ geleitete die heilige Familie nach Ägypten. Wären die Engel in diesem Führer- und Obhutsgeschäft überflüssig, so hätte wohl am wenigsten Gott als Jesus einem Engel diese Gnadenlust gewährt. Es wäre eine lange Kette aufzuzählen, wo Engel sicht- und unsichtbar, erkannt und unerkannt, die Menschen führten und ihnen hilfreich zur Seite standen und noch stehen.

Wir befassen uns viel zu wenig mit der Wahrheit. Manche Freunde dünken sich viel höher als die Engel, obgleich sie, wenn auch sie dem Reich entstammen, vorher doch nichts anderes waren und wieder welche werden können: Engel, die ‚Lichtkinder des Vaters!‘ Vor der Erde besaßen sie die geschenkte Kindschaft, und nach der Erde dürfen sie dieselbe als höchstpersönliches Eigentum besitzen. Dem Eigentum geht immer Gottes Lichtgeschenk voraus, ohne dem ein Eigentümeranrecht schwerlich zu erlangen ist. Denn also lautet es:

‚Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe, kommt von obenherab, vom Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der Finsternis!‘ (Jak. 1, 17)

Das bedeutet: Alles Licht aus Gott geboren bleibt ewig Licht! So bleiben Seine am Schöpfungsmorgen des herrlichen Liebetages geborenen Lichtkinder auch ewig Seine Kinder; aber sie können, wie JESUS als Kind auf der Erde, ‚zunehmen an innerem Alter, an Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen‘.

Nun wollen wir die vier Adventskerzen anzünden, damit unser Vater Jesus Christus eine echte Freude hat und Er mit Seinen Engeln zu uns kommt und bleibt von nun an bis in Ewigkeit. Wir wollen für die heutige große Gnadengabe unsere Hände dankbar emporheben mit dem Ruf:

„UR-IMANUEL“ — Gott mit uns! Herr Jesu!

Gnade quillt aus Dir und wird zu ganzen Strömen. Aus Deiner Fülle dürfen wir  Gnade um Gnade nehmen. Weil denn ein jeder nehmen soll, so schöpf‘ auch ich das Herz mir voll aus Deiner Gnadenfülle!!

Amen

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