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Kap 3 – Sieben Männer sterben; stiller Segen und ein gutes Gebot; Wiedersehen…

Sieben Männer sterben; stiller Segen und ein gutes Gebot; Wiedersehen mit dem Jüngling; Todesgedanken

3. Kapitel

Zur selben Zeit, als Tobias und Hanna stritten, geschah in Medien, in der Stadt Ekbatana, was Tobias hätte sehr berührt, würde er dies wissen. Später wird es ruchbar werden. Es waren jene Meder, die einst den Israelen in der Gefangenschaft nach Möglichkeit geholfen hatten. Solche Hilfe hatte Tobias auch erfahren.

Der Zeit entsprechend dem Ein-Gott-Glauben fern, war geschehen, daß die Tochter jenes Meders namens Raguel, viel Schmach ertragen mußte, weil man sie fraglos einem wilden Manne gab. Doch er starb schon in der ersten Hochzeitsnacht. Dies geschah in kurzer Folge siebenmal. ‚Sie hat einen Asmodi‘, sagte man rundum, ‚der hat durch Sara‘, so hieß die Tochter, ‚alle Männer umgebracht.‘ Sara wußte, daß sie schuldlos war und weinte bitterlich. Sie, damals noch ein Kind, als Tobias mit den Seinen in Medien war, hatte sich von ihm so viel erzählen lassen über den ‚wahrhaftigen Gott‘ und für sich insgeheim Gott angebetet und an Ihn geglaubt.

Es ist fast der gleiche Tag, als Tobias sein Tun bereut, da muß Sara eine Magd, die sich widerspenstig zeigt, sehr schelten. „Ha“, schreit die Magd, „sieben Männer hast du umgebracht. Willst du mich töten, du Männermörderin? Bist reich und schön; doch was nützt dir das? Keiner gibt dir mehr die Hand aus Angst, dein Asmodi brächte ihnen auch den Tod!“ Kaum gesagt, wird es der Magd bewußt, was sie angerichtet hat; denn todblaß ist das Gesicht der Sara, die Augen schreckgeweitet. Wankend kann sie das Gemach verlassen.

Sie steigt ins obere Geschoß des Hauses. Niemand gibt ihr Schutz. Die Eltern sind zwar still, doch die Verachtung ob der ‚ungeratenen Tochter‘ ist wie ein Geiselhieb, den die zarte Seele Saras spürt. Sie schließt sich in ihre Kammer ein, in der das Unglück mit den Männern aber nicht geschah. Auf ihre Knie fällt sie nieder, weint und fleht:

„Herr Gott, den ich erkennen durfte, all mein Leid liegt vor Dir so, wie ich auf meinen Knien liege.“ Drei Tage lang ringt sie so, ohne Speise, ohne Trank, ohne eins der Ihren aufzusuchen. Und wie wird sie getröstet! Nicht eigentlich mit Worten einer Offenbarung, mehrmals ist‘s wie eine linde Hand, die über ihre Wangen streicht und wie segnend auf dem tief geneigten Haupte ruht.

Weil sie sich nicht würdig fühlt, solche Gnade zu erfahren, setzt sie sich ans kleine Pult, wohin sie ihre Hände legt, in Andacht tief versunken. „Gelobet sei Dein Name, Herr, der Du aller Menschen Gott und Vater bist. Du hast nicht gezürnt, weil Du meine Unschuld kennst. In meiner Trübsal hast Du Deinen Segen offenbart. Zu Dir, Herr, kehre ich mein Angesicht, zu Dir hebe ich die Augen auf.

Befreie mich von dieser Schmach oder — wenn Du willst — nimm mich von hinnen.“ Tobias sprach fast die gleichen Worte. „Du weißt, Herr, daß ich keinen Mann begehrte, habe mich vor böser Lust bewahrt. Daß mich die Eltern zwangen, und ich die Männer nahm — Herr, kein Fürwitz ist‘s gewesen. Bin ich ihrer oder sie nicht meiner wert? Ich weiß es nicht. DEIN Rat wird sich zeigen. Wer DIR dient, Herr-Gott, wird nach der Anfechtung getröstet und aus meiner Trübsal wirst Du mich erlösen. Auch in einer Züchtigung herrscht Deine Gnade vor.

Hättest Du, ewigwahre Liebe, Lust an dem Verderben, in das ich hineingestoßen wurde? Lässest Du nach jedem Ungewitter nicht die Sonne scheinen, die die Fluren wieder trocknet? So trockne meine Tränen, hebe mich aus meiner Schmach heraus. Gib mir des Herzens Freude, heilighoher Vater-Gott! Deinem Namen sei ewig Lob und Ehre dargebracht, Du Gott der Israelen und — mein Gott immerdar!“

Dies Gebet, wie auch das schluchzende Gebet des Tobias ward erhört. Wer wagt es anzuzweifeln, wer will‘s verstehen, daß sich der Himmel öffnet? GOTT sendet Seinen Liebeträger aus, den Fürsten Rafael, um der jungen Tochter, dem alten Mann zu helfen. Der oberflächlich Denkende wird wähnen, das alles kommt, wie die Blitze aus den Wolken und bedenkt es nicht, daß dem Menschen auch die Zeit gegeben wird, sich in ‚Gottes Führung‘ einzufügen.

Tobias ruft später seinen Sohn, nachdem im Hause wieder Friede eingezogen ist und er selber glaubt, die Welt bald zu verlassen, er spricht: „Ich will dir meinen letzten Willen künden; höre meine Worte und behalt‘ sie fest in deinem Herzen.

Wenn Gott meine Seele weggenommen hat, so begrabe meinen Leib und ehre deine Mutter all dein Leben lang. Uns beiden diente sie, mit vieler Müh und Sorge. Denke daran, was sie für Gefahr erlitt, als sie dich unter ihrem Herzen trug. Wenn sie stirbt, dann begrabe sie neben mich. Das Teuerste, was ich dir in Auftrag gebe, ist der Hinweis auf den Herrn. Und das ist:

>Dein Leben lang habe Gott vor Augen und im Herzen,

und hüte dich, daß du in keine Sünde willigst noch

tust wider GOTTES Gebot!<

Von deiner Habe gib den Armen; also wird der Herr, dein Gott, dich nicht vergessen. Hast du viel, so gib reichlich; hast du wenig, so gib das Wenige mit treuem Herzen! Dann wirst du sammeln. Ist es Weltliches, so denke daran: der Reichtum eines reinen Herzens mißt keine Welt, mißt nicht ein ganzes Leben aus!

Almosen erlösen ja von Sünden; wer darum jedoch gibt, Verzeihung zu erlangen, der hat schlecht getan; sein Lohn fällt in die Asche! Hüte dich vor Hurerei und bösem Leben. Nimmst du ein Weib, so sei treu und ehrlich, wähle eine Tochter unseres Glaubens. Überall hat der Herrgott Seine allmachtsvolle Hand und wirst finden, was deiner Seele wohlgefällt. Kommst du in die Not des Lebens, so findest du bei mir die Schrift, daß ich damals, du warst noch ein Kind, einem Gabael in Rages, in Medien, zehn Pfund Silber lieh.

Lasse es dir wiedergeben, so er kann, ohne Not zu leiden. Gib ihm dann die Schrift als Pfand, daß er seine Schuld bezahlte. Sieh an, mein Sohn: Sorge dich um nichts; wir sind zwar arm, doch haben wir genug. Viel Gutes werden wir erhalten, zumal dem Geiste nach, wenn wir GOTT fürchten, Ehrfurcht vor Eltern haben, und Gutes tun.“

Das ist ein Vermächtnis, nicht gleich zu verstehen, welch wahrer Sinn im verborgenen ruht. Auch der junge Tobi überlegt sich erst, was er auseinanderhalten soll: die Welt vom Geist. Doch in Liebe zu dem Vater stimmt er in alles ein und verspricht: „Was du befohlen hast, das will ich tun. Wie ich das Geld ermahnen soll, ich weiß es nicht. Gabael kennt mich nicht. Welches Zeichen brauche ich, daß er mir glaubt? Und der Weg nach Rages ist mir unbekannt.“ „Den Schein hat Gabael selbst geschrieben, er wird die eigene Schrift erkennen und das Geld dir geben.

Wandere nicht allein; suche dir einen Gesellen, der mit dir geht. Ich bin gewiß: du wirst den Besten finden, den der HERR dir zeigt.“ Es ist wie ein sonderbarer Zug, daß Tobi zu dem Palmenhaine geht, in welchem er vor vielen Jahren, als er noch zum Rabbi ging, einen wunderschönen Jüngling traf. Gerade heute fällt es Tobi wieder ein, auch alles, was der Junge sprach. Freilich — heute wäre er so alt wie Tobi selber ist; und träfe er ihn an — etwa würde er ihn nicht erkennen. Umgekehrt ebenso. Oder — —

Narr, zankt er mit sich. Hast damals nur geträumt, was du als Kind erlebtest. Dabei bleibt das sonderbare Sehen in ihm haften: einen solchen Weggefährten — da brauchte er um nichts zu sorgen, es wäre einer Himmelsführung gleich und die — gibt‘s die auf Erden, wo sehr viel Feindschaft herrscht? Ihn fröstelt: Nein, in der Finsternis wohnt nicht das Licht. Wie ein Hauch umgibt es ihn: ‚Es wohnt im Finstern nicht, es kommt und strahlt in sie hinein, das Finstere zu erlösen!‘ Tobi dreht sich um die eigene Achse. Was war denn das? Hat er das Wort gehört?, außen oder innen — —?

Indessen ist er bei den Palmen angelangt. Unter einer steht ein feiner Jüngling, mit Stab, dem Mantel für die Nächte und einer Hirtentasche. Ist‘s nicht die gleiche Palme, als er einst als Knabe — Sieht der Jüngling nicht genauso aus wie jener, der ihm gute Lehren gab? Aber halt! Da müßte jener eben älter sein, so wie er, und nicht wie ein kaum erwachsener Knabe. Als er ihm jedoch ins Auge blickt, ist‘s wie ein Erkennen. Er ist‘s! Nein, unmöglich! Wohl, vertrauensvoll sieht der Junge aus. Freundlich fragt Tobi:

„Wer bist du, guter Gesell?“ „Für dich ein Israele.“ „Und sonst?“ „Wirst du erfahren, sobald die Zeit dafür gekommen ist.“ „Hm, warten ist nicht leicht, was man wissen will und braucht. Kennst du den Weg nach Medien?“ „Den kenne ich; bin ihn oft gezogen, und kenne Gabael in Rages, die Stadt in Medien.“ „Du bist noch jung“, meint Tobi skeptisch, trotzdem Freude in ihm wohnt, „wie hernach bist du diesen weiten Weg schon oft gepilgert?“

„Wundere dich dessen nicht; am Ende wirst du wissen, wer mit dir gegangen ist. Das andere überlasse Gott, dem Herrn!“ „Das tue ich; doch warte bitte, ich will meinem Vater sagen, daß ich einen guten Weggefährten traf.“ Tobi sieht es nicht, wie der Jüngling freundlich nickt und mit seinem Vater spricht, den die Welt so selten sehen kann, weil sie selten in die Höhe schaut, dorthin, wo dieser Vater wohnt und als Schöpfer Sich Sein Werk erhält.

Tobi geht, grüßt liebevoll den Vater und erzählt, was ihm Gutes widerfahren ist. „Gott gebe dir Freude, lieber Vater, brauchst dich meinetwegen nicht zu sorgen.“ Daß Tobias den Wunsch verspürt, jenen sonderbaren Jüngling auch zu sehen — wer mag das nicht verstehen? Darum knurrt er erst: „Was soll ich für Freude haben, da ich blind im Finstern sitze und des Himmels Licht nicht sehe?“ Wie es kommt — auch das wissen beide jetzt noch nicht.

Als Tobi zuversichtlich sagt: „Habe Geduld, Vater, GOTT wird dir Hilfe senden“, betritt der Jüngling das Gemach, „Ja, habe Geduld, Tobias“, wiederholt dieser, „der Herr ist deine Hilfe!“ Welch feine, sanfte Stimme, wundersam und voll Kraft. Zieht in Tobias das Vertrauen ein, wie er eigentlich noch nie besaß und hat an Gottes Gnade nie gezweifelt? Er befühlt den Jungen, sein Gesicht, auch die Hände, und ein Lächeln kommt in sein gefaltetes Gesicht.

„Wer du bist — ich weiß es nicht, außer daß ich glaube: der Herr hat meinem Sohn den besten Weggesell geschickt. Kommt mir vor, als wärest du ein Engel.“ „Auf der Erde sind die Engel zugedeckt, meist, Vater Tobias“, erklingt es ernst und lieb. „Doch wie oft hat Gott sie ausgesandt und wurden nicht erkannt. War manchmal gut, für die Menschen, Tobias, weil sie das offenbare Licht so schwer ertragen, ihres wankenden und falschen Glaubens wegen.“

„Ich stimme zu“, sagt Tobias bedächtig, „will dich aber fragen: bist du ein Mensch?, bist du vom Licht? Willst du meinen Sohn nach Medien begleiten, zur Stadt Rages?“ Er berichtet, was gar nicht nötig wäre. Tobi sieht ein Lächeln in des Jünglings Augen. Bloß zu deuten ist es nicht. „Bringst du mir meinen Sohn zurück, wird dir ein gerechter Lohn.“ Wieder dieses ferne Lächeln. Was wohl jener hat? Der Jüngling sagt: „Ich führe deinen Sohn und bringe ihn zurück.“ Das klingt so glaubwürdig, daß es keiner Frage mehr bedarf, ob es geschieht. Nur wissen möchte Tobias: „Sage mir, aus welchem Geschlecht du bist, aus welchem Stamme Israels.“

Da ertönt es mahnend ernst: „Sei zufrieden! Ist‘s nicht genug, daß du einen Boten hast? Was bedarfst du jetzt zu wissen, woher ich bin? Doch daß du weniger zu sorgen brauchst, sei gesagt: für die Welt bin ich dir Asarja, des großen Ananja Sohn.“ Das ‚dir‘ ist so stark betont, daß Tobias zusammenzuckt, sich aber doch ermannt: „Du bist aus einem guten Geschlecht; doch zürne einem Blinden nicht, weil er dich um deine Herkunft fragte.“

„Ist schon gut“, wird Tobias beruhigt, „ich bringe deinen Sohn gesund nach Rages und wieder her zu dir.“ „So zieht hin“, sagt der Vater zittrig, „Gott sei mit euch auf dem Wege, und Sein Engel geleite euch!“ Lieber frommer Tobias, wenn du wüßtest . . . Gut ist es, daß nicht jede Offenbarung sofort „sichtig‘ wird. Gut ist es, wird der Mensch erprobt. Tobi umarmt seine Mutter, küßt sie auf die Wangen und begütigt sie, als sie weint.

Er und der Jüngling gehen aus dem Hause. Hanna sieht den beiden nach, indem noch immer ihre Tränen rinnen. Auch verständlich: sie sagt, und versucht, ihr Leid, ihre Sorge nicht in Heftigkeit zu kleiden:

„Was hast du denn davon, das Geld zu verlangen? Ist schon so lange her und wir sind noch nicht verhungert. Den Trost unseres Alters hast du deshalb fortgeschickt, uns genommen. Waren wir denn nicht zufrieden, auch wenn wir arm geworden sind? Ah, der größte Reichtum wäre uns geblieben, hättest du den Sohn nicht fortgeschickt. Vielleicht umsonst? Ob er das Geld bekommt, ob wir ihn jemals wiedersehen? Weißt du das?“

Tobias zieht Hanna an sein Herz, streicht über ihr ergrautes Haar, von deren Farbe er nichts weiß, ahnt es aber ob der vielen Mühe, die sie mit ihm hatte und sagt: „Weine nicht, meine Hanna; ich weiß: unser Herrgott führt den Sohn. Bin ich gleich blind, so hab‘ ich den Gefährten doch geprüft und gespürt: er ist ein sicheres Geleit, zudem, wie er bekundet hat, aus edlem Haus. Daher können wir ganz sicher sein, unser Sohn kommt gesund und frisch zurück. Ob mit, ob ohne Geld — ich frage wahrlich nicht danach. Was weltlich rechtlich ist, liebes Weib, das dürfen wir besorgen.

GOTT schenkte mir jetzt das Vertrauen, daß sich die große Reise bestens lösen wird. Zudem habe ich der Schrift an Gabael noch etwas bei gelegt, an dem er unsern Sohn erkennen wird. Und der Weggesell?“ „Eben“, unterbricht Hanna, ihre letzten Tränen trocknend, weil nun auch ein erstes Fünkchen höheren Vertrauens in sie fällt, doch noch keine Flamme ist — was nichts schadet.

„Du hast den Gefährten mit der Hand geprüft, ich aber habe ihn mir angesehen. Das ist ein Unterschied. Oder nicht?“ Ein kleiner Seufzer stiehlt sich über Tobias Lippen. Ja ja, ist man blind, ist man kein voller Mensch. Aber er — nun er noch immer glaubt, bald die Erde zu verlassen, hält sich am Vertrauen fest, das der HERR ihm gab. Liebevoll spricht er:

„Sei getrost, Mutter meines Sohnes. Gern gebe ich dir recht, daß, wer sehen kann, sich leichterhin ein Urteil fällt als einer, dem das Licht der Augen fehlt. Meinst du aber nicht, daß unser Geist, von GOTT gegeben, auch ohne Augenschau die Wahrheit spürt? Sieh, ich stehe vor der Tür des Todes von der Welt und da hat man andere Gedanken, ein ganz anderes Gefühl als einer, der noch lange seinen Weltweg vor sich sieht, und . . .“

„Laß dich wieder unterbrechen, Tobias.“ Hanna schmiegt sich fest in seinen Arm, unbewußt, vom Blinden eine Hilfe zu bekommen, die Sehende selten geben können, es sei denn, sie hätten einen unerschütterlichen Glauben. „Ich weiß, du wirst nicht bald von hinnen fahren. Denk‘ doch nicht mehr an den alten Streit, dem einzigen, in unserer Ehe. Und dann — willst du unsern Sohn nicht wiederhaben? Bist du überzeugt, der Weggesell sei treu und gut, dann sei auch überzeugt, daß er Tobi wiederbringt, wir beide es erleben.

Ich war voller Bangnis, hätte beinah ganz verzagt, was einer Mutter nachzusehen ist, oder nicht?“ „Hanna, das gilt auch vor Gott, der bestens weiß, wie eine Mutter fühlt, geht ihr Kind ins Ungewisse. Allein — nichts Ungewisses ist des Tobi Weg, weil ich glaube: durch den Jüngling führt ein Engel unsern Sohn. Sein Gesicht, seine Hände waren zart und fein, daß man wissen konnte: er hat ein reines Herz. Und wer ein Solches hat, ist gut und treu.“

„Erst hatte ich den Jungen nicht beachtet, dachte nur ans Scheiden. Doch merkte ich, er sah sehr reinlich aus, nicht nur seiner Kleider nach. Es war etwas Innerliches, Höheres an ihm, wie man kaum bei Menschen findet, bei alten oft noch weniger als bei Jungen, die noch unverdorben sind. Wollen wir es im Gebet Gott, unserm Himmelsvater überlassen, Tobi und den Jungen wieder herzuführen. Gern will ich ihn als meinen zweiten Sohn betrachten. Er mag immer bei uns wohnen, wenn er will.“

Tobias lacht. „Mütterliche Frau! Bedenk‘, aus welchem Haus er stammt. Da ist‘s ihm besser als bei uns. Nun, eine zeitlang wird er bleiben; es wird kommen, daß Tobi sich von ihm nicht trennen mag. Warten wir, wie der Herr es führt. Sollt‘ ich dennoch vorher sterben, dann grüße unseren Sohn und belohne seinen Weggesellen, reichlich, wie es möglich ist.

Bringt Tobi die zehn Pfund Silber mit, gib ihm den gerechten Zehnt davon. Schon Abraham gab Melchisedek aus Salem den gerechten Zehnt aus der gewonnenen Schlacht.“ „Ah, du selber wirst‘s ihm überreichen.“ Hanna geht wieder ihrer Arbeit nach und Tobias knüpft Netze, was er allmählich als ein Blinder lernen konnte.

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