Joh. Kap. 14 – Barmherzigkeit
BARMHERZIGKEIT
‚Mit großer Barmherzigkeit will Ich dich sammeln!‘
Jes.54,7
Jesu Fürsorge tritt gleich mahnend auf: ‚Euer Herz erschrecke nicht!‘ Für die Getreuen angedeutet, wenn die Angst sie auseinander treibt. Glaube ist der Grund, auf dem sie sich dann wieder sammeln sollen; weniger die Welt gemeint, sondern: ‚In des Vaters Haus sind viele Wohnungen‘ (V.1-3), dort werdet ihr auf ewig ohne Angst und Kummer leben; denn Ich komme, um euch hinzuführen.
Sie könnten wissen, wohin Er geht, die Bahn, woher Er kam: Sein Reich, Sein Opferweg (V.4). Das Abendmahl, die Fußwaschung, hat sie verwirrt. Verständlich, daß Thomas sagt: ‚Herr, wir wissen nicht wo Du hin gehst; und wie können wir den Weg wissen‘ (V.5)?
Das ernste Angesicht, ach – sie spüren ja, daß etwas Schreckliches geschieht. Deshalb denkt Thomas an sich recht: Du hast uns nichts gesagt, bloß angedeutet. O ihr, von MIR SELBST belehrt, und wisset das noch nicht: ‚Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch Mich‘ (V.6) —?
Ich habe stets vom GEIST geredet, daß die Welt vergeht und nur das Reich bestehen wird. Jetzt, am Ende, legt der Herr die Binde weg, wie zuvor beim Abendmahl die Kleider, die Verhüllung, und gibt Sich zu erkennen, wenn Er auch drei Jahre lang vom Sohn und Vater sprach, wie, aber nicht als zwei Personen.
‚Wenn ihr Mich kenntet, so kenntet ihr auch Meinen Vater. Und von nun an kennt ihr Ihn und habt Ihn gesehen‘ (V.7). Die Jünger sehen aber keine Zweitperson, also ist das ‚Nun habt ihr Ihn gesehen‘ auf Jesu Selber zu beziehen. Da bittet Philippus: ‚Herr, zeige uns den Vater, so genügt uns!‘ Dann könnten wir vom Vater zeugen. Philippus hat mit dieser Ansicht recht — weltlich. Allein:
‚So lange bin Ich bei euch, und du kennst Mich nicht, Philippus? Wer Mich sieht, der sieht den Vater; wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater‘ (V.9)? Gern läßt man diese Stelle aus oder gibt ihr nicht den Wert, der ihr gebührt, das Einwandfreie: ‚Ich Selbst bin euer Vater und mit großer Barmherzigkeit will Ich euch sammeln‘, in Meinem Reich als euerm Vaterhaus.
Es heißt zwar weiter, was ‚Er spricht und tut, ist des Vaters Wort und Werk‘, doch darauf gegründet: ‚Glaubst du nicht, daß Ich im Vater bin und der Vater in Mir‘ (V.10)? Bei zwei Personen konnte auch der Heiland nicht von ‚in Mir und ich in Ihm‘ reden, zumal Er wiederholt: ‚Ich im Vater und der Vater in Mir! Wo nicht, so glaubet Mir doch um der Werke willen‘ (V.11).
Gerade dieses zweite Wort läßt im Herrn die ganze Gottheitsfülle (Kol.2,9) sehen. Der Christ von heute will das nicht erkennen und legt das Folgende für sich fälschlich aus: ‚Wer an Mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die Ich tue, und wird größere als diese tun‘ (V.12) Was ihr tut, soll größer angesehen werden, weil es aus eurer Schwachheit kommt. Ich tue es aus Meiner KRAFT! Gottes Werke bleiben immer über allem Menschenwerk. Deshalb:
‚Was ihr bittet in Meinem Namen, das will ICH tun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohn‘ (nicht durch ihn); (V.13-14). Dabei gilt eines: ‚Liebet ihr Mich, so haltet Meine Gebote‘ (V.15)! Hier auch das Unverhüllte: Er spricht nicht von den ‚Sohn-Geboten‘, weil es nur einerlei Gebote gibt, daher extra offenbart: ‚Ich und der Vater sind eins; wer Mich sieht, sieht den Vater!‘
Es folgt noch ein Unverstandenes: ‚Ich will den Vater bitten, und Er soll euch einen anderen Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich‘ (V.16). Ist Jesu jetzt kein Tröster mehr? Ach, sie werden ja geängstet, sie verlieren ihren Herrn. Es ist wie mit dem ‚Ein neu Gebot gebe Ich euch!‘ Schon längst gegeben, doch vergessen und verweht; so auch der Trost, wenn der Herr am Kreuze stirbt.
O, vergessen wird Er nicht, aber Zweifel werden herrschen. Also ist der ‚andere Tröster‘ auch nur ‚wieder neu gegeben‘. Das bezieht sich gleichfalls auf den Heiligen Geist. Gott ist Geist und heilig! Sendet Er aus Sich den Geist, so verbindet sich damit auch Seine Heiligkeit, unabhängig davon, daß nicht die Jünger heilig werden.
Heilig ist allein der Herr !!
Aber alle, die den Geist empfangen, werden durch Barmherzigkeit geheiligt werden, eingehegt ins Reich, was das ‚er bleibe bei euch ewiglich‘ bezeugt. Der Heiland spricht ‚vom Geist der Wahrheit, den die Welt nicht kann empfangen; denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr aber kennt ihn; denn er bleibt bei euch und wird in euch sein‘ (V.17). Ja — Sein Wort wird stets bei ihnen wohnen, und aus dessen Kraft werden sie die scheinbar ‚größeren Werke‘ tun.
Die Barmherzigkeit wird deutlicher. ‚Ich will euch nicht Waisen lassen; Ich komme zu euch‘ (V.18). Noch ist Er da. Erst später werden die Getreuen von Ihm alles wissen, auch, daß Gottes Kraft in ihnen wohnen kann, das Anbild ihres Meisters. Das ist ihnen eingebrannt, ein Mal der Heiligkeit, des hohen Trostes und des Kreuzes!
‚Noch um ein Kleines, so wird Mich die Welt nicht mehr sehen; ihr aber sollt Mich sehen; denn Ich lebe, und ihr sollt auch leben‘ (V.19). Ein ‚Kleines‘ betrifft Gethsemane und Golgatha. Mit dem: ‚Ihr sollt Mich sehen‘, ist gemeint, daß sie in dieser Zeit Sein Anbild vor sich hätten, und Ostern bringt den schönsten Trost: ‚Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!‘
Die Wiederholung der Gebote ist ein Wortgeleit, das den Jüngern später helfen soll. Bloß wird es nicht genau erkannt. Judas fragt deshalb. Er ist da, sie sehen Ihn! Nicht einwandfrei ist das ‚Wir, der Vater und Ich‘ in Vers 23. Da zuvor der Herr von der Einheit des Vaters und des Sohnes sprach, trifft das ‚wir‘ nicht zu, zumal von dem ‚wer MICH liebt‘ die Rede war (V.22-24).
Das Nächste ist nicht aus dem ‚wir‘ herauszuschälen, wenngleich es lautet: ‚Das Wort, das ihr höret, ist nicht Mein, sondern des Vaters, der Mich gesandt hat‘ (V.24). Das steht, buchstabenmäßig, im Widerspruch zu Johannes 1,1-5. Man muß geltend machen, weil der Herr von Seinen Jüngern noch nicht voll begriffen wurde; ja — erst nach der Auferstehung kommen sie zur höheren Erkenntnis.
Und wie ganz herrlich redet die Barmherzigkeit an dieser Stelle.
‚Den Frieden lasse Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch.
Nicht gebe Ich, wie die Welt gibt.
Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!‘ V.27
Auch hier ein Buchstabenwiderspruch zu Vers 23,24 und 26. Entweder gilt das ICH und MEIN, das stets Betonte, oder auch ein ‚wir‘. Dann müßte es ja lauten: ‚Der Vater gibt euch den Frieden . . .‘
Gerade in den Abschiedsreden, wo es darauf ankommt, Jesu völlig zu erkennen, läßt die Übersetzung, mehr das ‚Neu durchgesehen und vom DEV genehmigter Text‘ mancherlei zu wünschen übrig. Es fehlt die einheitliche Linie, wenn — man alles oberflächlich liest, wenn man die verschiedenen Stellen nicht auszugleichen weiß. Das jedoch ist möglich aus dem Geist, den der Herr, der EINIGE GOTT, den Jüngern gab und allen denen, die das Wort beherzigen: ‚Suchet (nicht bloß lesen) in der Schrift; suchet, so werdet ihr finden!‘
Die Jünger wollen gern des Meisters Wort verstehen. Ihm sind sie gefolgt, dem ‚Menschen‘, unsagbar erhaben über allen Menschen. Was ist der reich geschmückte Kaiphas gegen Jesu hehrem Wort-Reichtum? Was die Herrschsucht des Herodes gegen jene sanfte Führung ihres Herrn? Was die Gewalt der Römer gegen Seine Wunder? Immerhin — auch ist ER noch ein Mensch, nicht völlig zu erkennen.
Darum wiederholt der Heiland, was an sich klar verständlich ist — mit einem Satz. ‚Ihr habt (wie oft) gehört, daß ich gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr Mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß Ich gesagt habe: „Ich gehe zum Vater“, denn der Vater ist größer denn Ich‘ (V.28).
Er kommt wieder, vierzig Tage lang. Auch ein Symbol der UR-Vierwesenheit. Nach weiteren zehn Tagen sendet Er den Tröster. Nicht verfehlt, hierin die Zehn Gebote anzusehen. ‚Ihr sollt nicht wähnen, daß Ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; . . . sondern zu erfüllen‘ (Matt.5,17). Damit hat der Herr Sein Sinai bestätigt.
Eine Warnung. ‚Hättet ihr Mich lieb!‘ Wie zart, wie barmherzig streicht der Heiland über jene Seelenwunde, daß Golgatha sie ganz verwirrt. Die Elf erschrecken. ‚Herr, wir haben Dich doch lieb! Wir haben Haus, Hof, Weib und Kind verlassen und sind DIR nachgefolgt!‘ Er sieht die fragenden Gedanken und erwidert tröstend:
‚Nun habe Ich es euch gesagt, ehe denn es geschieht, auf daß ihr glaubet. Ich werde nicht mehr viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an Mir‘ (V.29,30). Der Fürst der Welt — ein Geschöpf, dem Ich als SCHÖPFER erst das Leben gab!
Am Ende soll die ‚Welt‘ erkennen, jene, die sich auf ihre hohen Stühle setzen, was in dieser Zeit geschah: Gethsemane — Golgatha — Auferstehung — Himmelfahrt! Was die Barmherzigkeit im Kronrat jener sieben Engelsfürsten einst beschlossen hat, das nimmt die LIEBE in ihr Kreuz und trägt‘s hinauf, in des Lichtes heilige Höhe.
‚Selig sind die Barmherzigen;
denn sie werden Barmherzigkeit erlangen!
Matt.5,7
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