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Joh. Kap. 13 – Liebe

Joh. Kap. 13 – Liebe

LIEBE

‚Die Liebe höret nimmer auf!‘

1.Kor.13,8

‚Höre Israel! Du sollst Gott, deinen Herrn lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften. Das ist das vornehmste Gebot. Das andere ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Es ist kein anderes Gebot größer denn diese.‘ (5.Mo.6,45; 3.Mo.19,18; Mark.12,29-31)

Das zweite Liebewerk im Leben Jesu! Nicht, es sei erst jetzt das zweite. Für die Zeit, da Gott als Mensch die Welt betrat, ist‘s zugeschnitten. Wunderbar fügt sich das Abendmahl und Jesu Dienst ins Werk der Liebe ein. ‚Da Jesu erkannte, daß Seine Zeit gekommen war‘ (V.1), meinte man, Er würde dessen inne, was sie mit sich brächte. O nein! Er hat Seine UR-Zeit angezeigt, was aus Seinen Worten an die Jünger klar zu Tage tritt.

‚. . . daß Er aus dieser Welt ginge zum Vater‘, löst nicht das Dogma einer Trinität, die allen ‚HERR-Geboten‘ widerspricht. Aber das ist wahr: ‚Ich und der Vater sind eins!‘ Zur Erlösung aller ging die Liebe als ein Mensch herab; das ‚Hingehen zum Vater‘ bedeutet das Zurück der Liebe in den Kranz der sieben Eigenschaften URs.

‚Wie ER hatte geliebt die Seinen (nicht ‚unsere‘: Vater-Sohn), die in der Welt waren, so liebte Er sie bis ans Ende.‘ War Golgatha das Ende?, war es die Himmelfahrt? Oder fließt Sein Wortquell nicht in unsere Zeit hinein? Wenn nicht, welches Ende ist gemeint? Das des Schöpfers oder Seiner Werke —?

O, Gott wird heute mehr zerpflückt als das Gewand, das man unterm Kreuz Ihm von den Schultern riß. Man sagt ja schon, daß in Ihm die Gegensätze waren, um Sich Selber zu erproben. Wo bleibt da jenes Wort: ‚ . . . wie euer Vater im Himmel vollkommen ist?‘ Wo das andere: ‚Wer kann Mich einer Sünde (eines Gegensatzes) zeihen‘ (Joh.8,46)? Man zerrt die Gottheit in das arme Menschliche herab!

Das Abendmahl — auch nicht das erste, das Gott gab (1.Mo.14,18), wohl aber jenes erste, das der Schlußstein in des Meisters Opfergang für die Materie ist. Im Johannes-Evangelium wird nicht erwähnt, was in Lukas aufgezeichnet steht: Vom Brot als Opfergabe, vom Wein als Sinnbild der Erlösung! Wer diese beiden Gaben trennt, der trennt für sich das Opfer und die Löse!

Der Herr kennt Ischarioths Schritt und daß das Zugedeckte aus URs Herrlichkeit in IHM die Fülle hat: ‚ . . . der Vater als Barmherzigkeit hat alles Ihm, der Liebe, als Versöhnung übergeben‘ (V.2,3). Aus der Erkenntnis kann allein die Wahrheit sprießen. Die Liebe tut, was die Barmherzigkeit als Krönung vorgesehen hat.

Der Herr steht nach dem Mahle auf, legt Seine Oberkleider ab und umgürtet Sich mit einem Schurz. Das Symbol: Die Hülle, mit der Er um der Menschen willen Seine Göttlichkeit verbarg, kann fallen. Das Werk ist schon vollbracht — mit dem Abendmahl; was weltlich folgt: Gethsemane und Golgatha ist die Offenbarung, die Entkleidung von URs Opfer für den ganzen armen Fall.

Und der Schurz? War es nötig, nochmals eine Hülle anzulegen, bis das ‚Heilige Vollbracht‘ geschah? Ein Schurz war des Dieners Hülle, wenn er den Gästen seines Herrn die Füße wusch. Die Dienstbarkeit! Mußte es der Heiland tun? oder hat Er einer Welt gezeigt, was echte Liebe ist? Vers 14-17 gibt die Aufklärung.

Die Jünger haben in drei Jahren viel gelernt samt Unterschied: Er der Meister, sie die Schüler. Darum wehrt sich Petrus, daß der HERR den Knechtsdienst tut. Aber da: ‚Was Ich tue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren‘ (V.7). Hernach, wenn die Kreuzesnot vorüber ist! An dem Boden, auf dem Segen liegt und Unrat klebt, Gottes Erde und der Menschen Welt, daran ist der Mensch mit seinem Fuß geheftet. Welch heiliges Symbol!

Der Dialog läßt das erkennen. Als da Petrus dessen inne wird und Haupt und Hand gewaschen haben möchte, sagt der Herr: ‚Wer gewaschen ist, der bedarf nichts denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein‘ (V.10). Wer sich vom Weltlichen befreit, der ist frei in seiner Seele (Hände) und an seinem Geist (Haupt). Nur einer ist nicht rein geworden: Judas! Der Verräterlohn hat ihn an das Verderben seiner Welt gefesselt. Und dennoch hört auch er das Wort:

‚Wisset ihr, was Ich euch getan habe? Ihr heißt Mich Meister und Herr und saget recht daran; denn Ich bin es auch. So nun Ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen‘ (V.12-14). Ihr sollt einander helfen und ertragen. Denn: ‚Ein Beispiel habe Ich euch gegeben, daß ihr tut, wie Ich euch getan habe. Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid, so ihr‘s tut‘ (V.15-17)!

Die markanten Sätze schneiden ein, es bedürfte nicht, sie auszulegen. Wie: ‚Nicht sage Ich (das) von euch allen; Ich weiß, welche Ich erwählt habe. Aber es muß die Schrift erfüllt werden: „Der Mein Brot isset, der tritt Mich mit Füßen“ ‘ (V.18). Ja: Undank ist der Welt Lohn! Aber jener Hinweis, etliche wären bloß erwählt, nicht alle, bezieht sich nicht darauf, daß Gott nur einige aus der Reihe winkt; die Nicht-Erwählten hätten alsdann keine Schuld.

Wer der Worte achtet, hat Gottes Ruf gehört und angenommen. Judas hat nur zugehört; er kann also nicht in Jesu Folge bleiben. Anders sollte man dies nicht verstehen, und daß die Schrift sich zu erfüllen hätte, das klingt wie Zwang. Allein — URs unergründlich hehres ‚Muß‘ ist die Offenbarung Seines Herrschaftswillens! Und da gibt‘s kein Muß, wie es sich der Mensch geschaffen hat.

In der Lehre an die Jünger gibt der Meister allen Menschen den Beweis, wer ER ist und was in Seinem Opfergang geschieht. Die Szene vom Verrat bestätigt Seine Liebe. Er zankt nicht mit Judas, sondern: ‚Was du tust, das tue bald‘ (V.27)! Will der Herr Sich damit Seine Leidenszeit verkürzen — ? Vielleicht — wenn man Jesu bloß als Mensch betrachtet. Doch dann sieht man Ihn nicht echt, nicht so, wie, was und wer Er wirklich ist.

Nein — zunächst der Jünger wegen, und weil ‚Seine Zeit‘ gekommen ist, deshalb jetzt ‚das tue bald‘! Zudem weiß der Herr genau, was um Ihn her geschieht, im Hohen Rat, in der Materie und im Licht. ER kennt Seine Schöpfung; und Sein Licht durchdringt das Empyreum, die Materie und der Menschen armes, kleines Herz.

Noch sind die Jünger über Judas ahnungslos, obwohl er stets ein Außenseiter war. Das Böse, bei ihm symbolisch dargestellt, geht fort; es kann die heiligsanfte Liebe, die lockt und ruft, die auch dem Bösesten den Weg zurück zum Vater ebnet, nicht ertragen. Also können die elf Jünger in die andere Sphäre übertreten. Eine höhere Erkenntnistür wird aufgetan. Und sie treten ein — —

‚Nun ist des Menschen Sohn verklärt, und Gott ist verklärt in Ihm’. Ist Gott verklärt in Ihm, wird Gott Ihn auch verklären in Sich Selbst‘ (V.31,32). Verklären = enthüllen, daß ‚Sohn und Vater‘ eine ganze Gottheitsfülle in Sich Selber ist! Das hat die Jünger sicher erst erschreckt; zwar geglaubt, daß ihr Meister über allem ist — — aber auch GOTT SELBST ? Deshalb ist‘s das Wort des VATERS: ‚Liebe Kindlein!‘ Ach, wer möchte das nicht fassen?

‚Liebe Kindlein, Ich bin noch eine kleine Weile bei euch‘ (V.33). Es ist kein Widerspruch zu Matthäus 28,20: ‚Siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.‘ Im ersten steht das Leibliche, im zweiten das Ewige vorndran. Deshalb können jetzt die Jünger nicht mit dahin kommen, wohin der Meister gehen wird (V.33).

‚Ein neu Gebot gebe Ich euch‘ (V.34). Die Grundgebote, die Er schon lehrte (Mark.12,29-31) und bereits zu Mose‘s Zeit erfolgten, (S.43,Abs.1), sind also einfach neu gegeben worden, weil Sinai und diese zwei Gebote fast vergessen waren. Dieserhalb: ‚Ein neu Gebot!‘ Richtiger: abermals, damit‘s nicht ganz verloren geht.

Hat Gott SELBER sie im ersten Bibelteile offenbart, so bringt im zweiten Bibelteil auch Er wieder SELBST das Heilige Gebot der Liebe (V.34,35). Nicht umsonst: ‚Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt.‘

Die Elf sind noch nicht völlig in des Meisters Wesen eingedrungen, so lehrt Er weiter, daß sie Ihn erkennen können, obwohl der Schatten von Gethsemane und Golgatha an Seiner Seite steht. Hier nicht nur Thomas (Kap. 11,16) — keiner möchte Ihn verlassen.

Aus der ‚Liebe an die Kindlein‘ will Petrus es bezeugen, daß er gegen eine Welt voll Feinde stehen wird. Gut der Wille, aber — das Vollbringen (Röm.7,18)? O weh! ‚Der Hahn wird nicht krähen, bis du Mich dreimal habest verleugnet‘ (V.38)!

Wie herb schließt das Kapitel von der Liebe ab. Wie oft ward GOTT verraten! ‚Ich werde‘ — verweht der Wind. Die HEILANDS-LIEBE aber bleibt trotz Judas, Hahnenschrei und aller Unzulänglichkeit der Jünger, die bei der Gefangennahme fliehen und Magdalenas Mut nicht haben, die zum Grabe geht trotz römischer Bewachung. Trotz alldem verkündet Jesu Abschiedsrede (Kap.14-16) Seine Liebe, und auch die Barmherzigkeit, das Opfer URs und seine Folge.

Wer Liebe hat, der hat auch Gott!

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