Kapitel 5
Gottes Gespräch mit Samuel; die eine Stunde; Warnung an das Volk.
„Was soll das Gerede?“ Ein Philister schreit’s in die versammelte Menge. Niemand achtet jetzt darauf, wer krank oder fast am sterben ist. Die Seuche will nicht weichen. „Wir dachten zwar, wenn wir den widerlichen Feinden ihr Idol entwenden, würden sie zusammenbrechen, nicht aber wir.
Mit Waffen siegten wir; doch was ist über uns gekommen? Wo sind die Priester? Sonst orakeln sie den ganzen Tag. Nun wir die Hilfe unserer Götter brauchen, bleiben sie uns fern, – aus Angst, auch krank zu werden, was bedeutet: die Götter, die wir achten, wären nichts mehr wert. Her mit ihnen, sie sollen uns beraten!“
Endlich einer, der die Priesterschaft zu fordern wagt. Sie kommen, ebenso der Fürst von Ekron, der wie allesamt der, ,Strafe des Gottes Israels’ auszuweichen suchte. Die Priester haben sich beraten, was zu sagen wäre. Fragen schwirren durcheinander, bis einer, der im Auftrag seines Fürsten spricht, die Hände hebt. Da tritt Ruhe ein. Er wendet sich den Priestern zu:
„Gott Dagon wird von uns sehr hoch verehrt. Wir wissen, daß nicht er mit Beulen und mit Mäusen schlug, die die Felder überschwemmen. Also kommt das übel aus dem Sieg, dem Gott Israel Sein Heiligstes zu nehmen. Gewinn – ? Ah, das Ärgste haben wir uns eingetauscht! Wir wollen diese Lade nicht mehr haben, obwohl sie kostbar ist. Wie ist sie zurückzusenden? Und ohne üblichen Tribut?“
Der Hauptpriester stellt sich auf ein niedriges Gerüst, das die Dagondiener brachten. „O nein, nie könnten wir die Lade ohne Gabe senden. Ihr müßt Schuldopfer auf sie legen; sonst wird Philistrien nicht entsühnt. Denn Heiligtümer rauben geht nicht nur gegen jene Götter, denen sie gehören, sondern gegen jeden Gott, weil sie unter sich verbunden sind.“
Der Hauptmann kräuselt seine Stirn. „Nun ja, du mußt es wissen, Oberster des Gottes Dagon, ob sich alle Götter einig sind. Und was sollen wir als Entgelt senden? Die Erschlagenen machen wir nicht wieder heil, verbrannte Häuser brauchen wir nicht aufzubauen, das ist Sache des Verlierers. Na, und die Weiber samt den Kindern?, die uns in die Hände fielen – ? Senden wir die mit zurück, das wäre wohl der Opferung genug.“
Der Oberste widerspricht: „Damit würden Krankheit und die kahlgefressenen Fluren doch nicht aufgewogen. Versuchet es! Vielleicht – wir können das nicht wissen – ist der Gott Israels der Höchste im Geschlecht der Götter, wäre also schwer zu sänftigen. Ihr gebt da bloß’ ein Winziges, was euch obendrein nichts kostet.“
„Uns hat die Fehde viel gekostet; edle Männer sind gefallen, vom Volk und …“ „Es ist des Landes Sache, Krieg zu führen. Priester haben dabei nichts zu tun. Wohl, Israel fängt an den Grenzen oft zu streiten an, doch so handelt jedes Volk. Ihr auch! Wählt einen Schatz, den ihr mit der Lade bis Beth-Semes bringt, dort wird sie sicher abgeholt. Gebt nur nicht über die Gemarkung, mitten auf die Grenze stellt sie hin.“ „Wie soll der Schatz beschaffen sein?“ fragt der Fürst von Ekron.
„Laßt fünf goldene Beulen wegen der Erkrankung gießen, nach der Zahl unserer fünf Fürsten, und fünf Mäuse, die unsere zweite Plage sind.“ „Wie groß?“ fragt ein Geiziger, der an seine goldgefüllten Truhen denkt. Der Oberste, ihn kennend, sagt ironisch:
„Jede Beule, in der Kürbisform, sei vier Ellen hoch [VH4] und zwei Ellen in der Weite, gefüllt mit Silber und mit Erz. Ferner sollen auch die Mäuse, pur golden, in der Größe eines Fenek sein. Habt die Lade, wie ein Fuchs den Fang, an euch gerissen. Damit ist die fremde Gottheit sicher zu versöhnen.“
Ach und weh. Wer soll das alles geben? „Ist nicht eine Elle hoch genug, und die Mäuse in der Größe, wie die Tiere sind?“ ruft der Geizhals aus. Die Menge stimmt ihm zu. Selbst der Fürst von Ekron rauft sich seinen wirren Bart. Der Erste ihres Gottes Dagon müßte wissen, ob man soviel opfern muß. Philistrien ist jedoch kein armes Land, und geraubt wird allenthalben. Das weiß der Priester zu genau und bleibt deshalb hart.
„Warum verstockt ihr euer Herz, wie es die Ägypter taten mitsamt Pharao? Ihr kennt die Sage, wie Israels Gott das Nilvolk schlug. O noch viel mehr sollt ihr tun! Nehmt einen neuen Wagen für die Lade und machet kleine Kästlein, wer obendrein für seine Heilung eine Gabe bringen will. Werdet ihr geheilt, so sind die Opfer dem Gott Israels gefällig; wenn nicht, so hat nicht ER das übel aufgebürdet, sondern ist gekommen wie von ungefähr, wie Völker ohne Götter auch gar manches Arg betreffen kann.“
Weil die Plagen doch nicht weichen wollen, eilt man sehr, um die Gottgeschenke herzustellen. Es ist der siebente Mond, als die Geräte fertig sind. Die Schmiede gehen mit, man will sehen, ob man ihre Arbeit lobt. An der Prozession nehmen auch die Fürsten teil. Im Abstand folgen viele Leute nach, vor allem Krankee, die noch gehen können. Die Hoffnung treibt, augenblicks gesund zu werden, sobald die Lade an der Grenze übergeben wird.
Diesseits von Beth-Semes freut man sich, als Gottes Lade auf dem Feld des Bauern Josua zu stehen kommt. Da ist ein großer Stein, auf dem man opfert – wie die Heiden tun. Sonderbar, es fällt ein übel auf die Israelen; die Kunde, Fürst Chaha käme, um das Heiligtum zu holen, steigert ihre freudige Erregung – trotz des Übels.
Samuel war bis Mizpa, nahe bei Jerusalem, gegangen. Von da ist’s bis Beth-Semes nicht mehr weit. Steigt dort nicht Rauch empor? Indes ist Chaha angekommen, jenseits stehen die Philister. Wirklich fühlen manche ihrer Leute, wie die Beulen kleiner werden, während bei den Israelen in und um Beth-Semes eine Menge Menschen sterben. Zu spät kommt die Besinnung. Man hätte warten müssen, bis der Fürst oder Samuel gekommen wären, um mit einer echten Opferung, wie Mose tat, die Lade heimzuholen. Zunächst sagt Chaha nichts.
Er prüft die goldenen Gefäße; um die Philister zu befriedigen, dankt er ihnen und sei alles rechtlich abgegolten. Nun möge Friede sein. Selber denkt er anders. Friede – ? Ein Wort, für diese Welt vergeblich. Wenn aber schon, dann stets, für eine kurze Zeit. Denn GOTTES FRIEDE ist ein Attribut, ein hohes Eigentum des Himmels! Er seufzt. Schade, daß man von dem Wagen alles Holz am Opferstein verbrennt. Auf dem Wagen war die nicht leichte Lade heimzubringen. Nein – Gott will, daß sie getragen wird – ,wie Er uns erträgt.’
Am andern Morgen kommen junge Läufer. „Fürst Chaha, der Prophet ist nahe Mizpa; dorthin soll kommen, wem es alsbald möglich ist. Du möchtest daselbst mit der Lade warten. Samuel will das Volk mit Gott versöhnen.“ Der Fürst horcht auf. ,Versöhnen’ klingt nicht nach Samuels Art. Ah, mögen halt die Träger diese Straße auch noch wandern. Die Philister, wie sie behaupteten, wären bis zur Grenze einen Weg gegangen, was soviel bedeuten sollte: sie waren einig, ihre Opfer darzubringen. Ob ,wir’ nun immerdar Gott dienen werden? Ein tiefer Schmerz bleibt in der Brust des Fürsten stecken. Er macht sich sofort auf den Weg.
Für die gewichtigen Goldgefäße leiht der Bauer eine Karre. O, den Trägern wird die Lade schwer und immer schwerer, während Chaha löst Allzumüde ab – keine Bürde spürt, bloß das Gewicht. Endlich zeigt sich Mizpa. Die Männer atmen auf, es wird ein paar Ruhetage geben. Denken sie.
Vor der Mauer sammelt sich die Menschenmenge. Sprüche wechseln hin und her. „Wo bleibt die Bundeslade? Die Philister hätten sie herausgegeben. Immer kehrt der Herr Sich von uns ab; der Prophet will kommen; hoffentlich sagt er uns was Gutes; ich gebe nichts auf seine Worte; ihr erlebt es noch, was er kann – – im Namen unseres Gottes.“ Viel Gerede, keiner weiß sich einen rechten Rat.
Drometen hallen. Samul hatte sie mit Absicht aufgeboten. Ab Silo folgen viele Leute nach. „Unsere Bündeslade kommt!“, hallt es aus allen Reihen. ,Ach Herr’, fleht der Prophet im Herzen, ,sie wissen es licht anders. Vergib! Sie meinen Dich, sie freuen sich, weil Du uns Dein Antlitz wieder zugewendet hast. Sieh es bitte an, als hätten sie jetzt DICH genannt.
Keiner spürt den Hauch. Samuel, ganz mit Gott verbunden, merkt ihn so, als ginge Er persönlich neben ihm, nein – vor ihm her, als würde Er Sein Heiligtum Sich Selber wiederholen. Für wen – ? steigt im stillen Denker diese Frage auf. Ja – für wen! „Für Mich, Mein Knecht, brauche Ich nichts Heiliges einzuholen; und du kannst es wissen, daß – weil ICH heilig bin – von Meiner Wesenheit nichts ferne steht. In Mir Selber bleibt, was heilig ist!
Ich hole das Vermächtnis (Lade), durch Mose anvertraut, nicht für Israel zurück. Das wäre mager, gälte Meine Mühe nur dem einen Volk. Was bedeuten seine Zahlen gegenüber Meiner Kinderschar im Licht?, auch anderwärts, wo sie freudig ihre Beihilfswege wandern, wie du eben gleichfalls tust. Nein, Mein Sohn!
Ich hole sie Mir in die ,Hütte Meines Rechts’ als Zeichen, weil Ich Mir die Mühe nicht verdrießen lasse, Mein erstes Kind mit seinen Hingefallenen heimzubringen, durch Meinen letzten Ruf (Golgatha). Man münzt Mein Tun sehr weltlich, sogar am Ende dieser Welt Meinen Heilssinn kaum erfassend, außer wenigen. Weil Ich ungesehen vor dir wandle, ist’s die Schau, daß man Meinen Heilssinn nicht bedenkt, nicht verstehen will, würde Ich ihn jetzt auch offenbaren.“ Während Samuel und die wachsende Menge fürbaß schreiten, hört der Prophet noch mehr von Gottes Wort.
„Du denkst, wenn Ich von Wenigen rede, wie teuer Meine Sorge sei und ob nicht Meine Allmacht, die du rechtens gnädig nennst, anderes bewirken könnte als allzeit bloß im Kleinen. Nun, auf dem Weg, wie dein Vorwärtsgehen, sei dir ein Geheimnis aufgetan; dies für die Weltmenschheit gesagt. Bei Mir Selbst gibt’s kein Geheimnis! Mein Tun wirkt oft nur heimlich, darum, weil der Mensch, auch die lieben Wanderer, nicht immer Meine Waltung merken. Man sieht fast alles oberflächlich an.
Du gehörst zur dritten Gruppe Meiner Ältesten und war dir nicht verborgen, was beim Fall des einen Sternes vor sich ging (OJ.9,1). Seither, für euch unermeßlich lang, meutert Luzifer, mit dem mageren Recht, es wäre leicht, setzte Ich die Himmelsheere ein, um ihn zu bezwingen. Sollte daher Meine Allmacht nicht mit Wenigem erreichen, was mit Vielen leichter zu erlangen sei? !
Nun muß Satan sehen, daß Ich auch mit Wenigen komme, oft nur. mit einem einzigen der Ersten (inkarnierten Fürsten pp). Er muß erkennen, daß sich Meine Allmacht wie im Großen, ohne jede Minderung, ebenso im Kleinsten offenbart. Dir als Mensch vorausgesagt – denn aus dem Geist weißt du es wie alle Lichtgeborenen – , werde Ich bei Meinem letztwilligen Posaunenruf, der freilich nicht ‚verweht, dagegen ‚bis zum Ende der Gesamtmaterie nichts an seiner Stärke, an der Kraft verliert, auch bloß ein paar Wenige um Mich sammeln und mit diesen (Jesu Jünger) tun, was Mir zur Loslösung des Falles wohlgefällt. Dir dazu gedeutet:
Dir folgen viele Leute nach, allein wenige sind’s, du zählst sie leicht an deinen Fingern ab, die in echter Treue mit die Bundeslade holen. Aber mit der kleinen Zahl wirst du Meinen Segen aus dem Bunde und der Gnade, dem Bogen Meines Heils, den Ich setzte, bevor der Fall geschah, nach Silo wiederbringen. Eine kleine Stadt, wie Ich Mir solche einst erwählen werde, wenn Ich zur Abschlußheilung der Erlösung schreite (Micha 5,1).
Da wird man gleichfalls schreien: ,Von dort kommt kein Prophet, und kein Messias!’ Das daher, weil man das Weltäußerliche liebt und wähnt es riesengroß, dabei vergänglicher ist, als wenn eine kleine Mücke stirbt. Diese lobt mit ihrem kleinen Leben ihren großen Schöpfer; der Mensch, der das Wesen Meiner Allmacht nicht erkennen will, weiß dagegen nichts oder wenig von der Ehre und der Anbetung, was man billig Mir zu zollen hätte.
Sei nicht betrübt, Samuel, weil Ich dir dieses deute: du sollst deine Schafe kennen lernen, die weißen, grauen und die dunklen. Mit Meinen Worten kannst du ihnen widerstehen. Glaube aber nicht, jetzt würde alles gut, weil man jubelt, mit Jauchzen Meine Bundeslade heimzu trägt. Wo ist das wahre Heim? Dir brauche Ich das keineswegs zu sagen, wenn nicht anders, durch die Bitten derer, die – wie du – im Recht der Himmelsheimat stehn.
Nun gehe deinen Weg. Hörst du Mein Wort erst in der Hütte Meiner Stiftung, wieder, so sei gewiß: immer rede Ich mit dir, sobald du Meinen Zuspruch brauchst. Ansonst wissen Meine großen Kinder, was zu tun oder was zu lassen ist, um Meines Willens Herrlichkeiten zu verkünden.“
Während dieser langen Rede Gottes ist es hinter Samuel sehr still geworden. Sollten alle – Nein, er dreht sich gar nicht um, er hört die Füße scharren, mitunter einen kleinen Laut. Das Wort des Heiligen muß die Menge mit betroffen haben, obwohl keiner etwas hörte, und weiß es niemand, wie das zugegangen ist, weil auf einmal eine sonderbare Stille niederfiel.
,Dein Segen’, flüstert der Prophet, ,Du weißt sie herrlich einzuschließen. Nicht nur mich, nein, guter Gott – alle hüllst Du in den Segen Deiner Liebe, in den Vaterherzteil der Erbarmung ein. O, Dank, Dank!’ Und wieder ist um Samuel ein Wehen. ,Auch ohne Schau und Stimme wandelt Gott einher wie einst mit Mose, bei Tag in einer Wolke, verhüllt, wie eben jetzt, bei Nacht in einer Feuersäule, was bedeutet, daß Dein Wort und Deine Führung mächtig sind, aus dem Schöpferbrunnen kommend.’
Jeder Mensch könnte das erkennen, nicht an das Vergängliche sich ketten, könnte sehen, was aus GOTT geschieht. Und was kommt nicht aus Ihm? Jeder müßte geistig denken. Das zieht durch Samuels Sinn. Also bleibt der Weg bis Mizpa hoch gesegnet, für die großen und die kleinen Seelen, und ist, wie selten, eine Herde und ein Hirte. Als solcher darf sich der Prophet betrachten. Er hebt die Augen auf. Herr, ganz allein, bist unser Hirte; wir, in Deinen Diensten stehend, sind – wenn ich das vor Dir sagen darf – vielleicht die Hirtenhunde, die ihres guten Amtes walten und das allein durch Deine Kraft und Gnade. Oder so: Du bist der Oberhirte, und wir anderen Deine Unterhirten.’
Auf einer hoch gelegenen Fläche sieht man ruheloses Hin und Her. Die Sonne kommt aus ihrem Wolkenbett, das den Wanderern ein Weilchen Freude bot. Die Hitze war sehr arg. Hinter Samuel drängt man sich zusammen. Der Prophet schreitet rascher aus; nicht, weil er ungeduldig ist, er will wissen, was es bei der Bundeslade gibt. Ihm schwant nichts Gutes.
Fürst Chaha hatte ihn zuerst entdeckt, er rennt förmlich auf ihn zu. Die bei Mizpa warteten, achten nicht darauf, sie umtanzen noch das Heiligtum. Wohl aus ihrer Freude und dem Glauben: der Herr ist wieder da! „SamueI“, ruft Chaha laut.
Dieser breitet seine Arme aus, den Freund zu umfangen. In dessen Augen liest er die Bestätigung, was nicht recht geschah. Nun – der Herr hat väterlich mit ihm geredet; Fehler lassen sich beseitigen. Aus der Gruppe begrüßen viele ihren Fürsten. O, auch die stillen Worte Gottes offenbaren sich, so und anders. Samuel ist erfreut, daß die ihm Folgenden sich Chaha unterordnen, entgegen mancher, die bei der Bundeslade bleiben.
Die in Ekstase um die Lade tanzen, werden plötzlich starr, als ob jemand mit Gewalt sie an den Boden bannt. Erschreckt schauen sie sich um. Schwankt da nicht, die Bundeslade? Die Schar aus Silo ist erschüttert, was sich vor aller Augen zeigt. Es ist, als ob das ,Feuer Ariel’ sich auf sie niederläßt, obwohl es in der Hütte ist, wie – ja, wie der Herr im Heiligtume bleibt und kein Mensch Ihn da erblickt, außer jedem Priester, der amtiert. Ihr Toren, was wißt ihr von der Offenbarung Gottes – ? !
Ach seht, der Schein kommt von der Sonne, die sich im Goldschmuck und im vielen Silber spiegelt. Dazu auch im feinen Erz. Es konnte aber – – Samuel steht mit ernster Miene da. ,Pah, der Junge’; ,o, er sieht ganz anders aus, ehrwürdig, groß und stark; ,hm, beinahe wie ein Greis’. Die Stimme hallt weithin bis zu den letzten Reihen der fast unübersehbaren, Masse.
„Israel!“ Das fährt den Menschen wie ein Schlag durch Leib und Seele; es läßt das Herz erzittern, und mancher senkt beschämt sein Haupt in plötzlicher Erkenntnis: falsch gemacht. „Israel, wo bist du hingeraten? Wo ist dein guter Sinn?, und wo, frage ich, ist dein Gott? ! Zeigt nicht her auf unsre Bundeslade, denkt nicht an Gottes Obhutshütte, die in Silo steht. Blickt auch nicht hinauf zum blauen Himmel, meinend, dort wäre Er allein zu Hause.
Ach, Er ist euch fern, weil ihr euch ferne von Ihm stellt. Denn Er ist – merkt heute auf – der Überall, der nahe steht, wenn man Ihn nicht sieht, Ihn nicht hört. Störrisch ist das Volk seit langer Zeit geworden. Jene, die im Dienst treu geblieben sind, soll ich an den Fingern meiner Hände zählen. Und diese fühlen Gottes Liebe, Seine Qüte, Seinen Segen, daß Er trotz eurer Abkehr in Erbarmung auf euch niederschaut.
Heute muß ich mit euch rechten. Manche sagten, man gäbe nichts auf meine Kunst, mein Prophetentum wäre nicht weit her. Im Auftrag Gottes rechte ich mit euch! Wenn ich die vergangenen Monde jetzt euch vor die Augen führe, so nicht, um all den Jammer aufzurollen, die vielen Toten aufzuzählen, die umsonst dahingegangen sind, die Mühsal, was die widerliche Fehde mit sich brachte.
Denke niemand, die Philister wären daran schuld. Urheber eurer Lasten seid ihr selbst! Wer das nicht glauben mag, der gehe fort! Sind wir es denn wert, Gottes Segen zu erhalten? „In der Hitze eines schwülen Tages überfällt die Menschen eine Kälte, die das Herz aus Angst erzittern läßt. Da war Eli doch viel frömmer, er hatte gern beschönigt, aufgerichtet, hatte –
„Genau, der fromme Eli wäre anders mit euch umgegangen. Vergesset nicht: im Auftrag Gottes stehe ich vor euch, ein Wahrzeichen Seines Bundes, Seiner Gnade!“ Sainuel legt die Hände auf die Decke; und kein Schemen – auch diese glänzen wie das unbekannte Feuer, das man sieht und nicht vorhanden ist.
„Wer hat nicht gegen Gott gehadert, Eli seine Sünden vorgehalten, während man an eigenen Übeln bitterlich zu tragen hatte? Aber über diese legte man ein Mäntelchen! Es ist wohl des Menschen Art, den Glimmer bei sich selbst zu sehen, bei den andern Nacht und Asche.[VH5] Dabei spürt man es, man schweigt bloß das Gewissen tot, wie falsch man denkt, spricht und handelt. Die Folgen zeigen auf, wo Licht, wo Finsternis. Jetzt ebenso desgleichen.
Ihr schiebt die Fehler eueren Feinden zu und dünkt euch rein vor Gottes Angesicht.“ Samuel ruft die Träger an. „Hebt die Lade hoch, damit jeder merkt, wer die Abrechnung diktiert!“ Einige andere sehen Samuel fragend an, ob sie auch mit helfen dürften. Das sind welche von den Wenigen, von denen Gott so herrlich sprach. Freundlich wird ihnen zugenickt. Es mag ein Sondersegen sein, wenn man es so nennen will, was die Braven spüren läßt.
Ist’s bloß das, als man gegen Eli’s Wort die Lade raubte, um sie zu entweihen? Samuel mindert nicht, es gäbe keinerlei Entweihung, weil Gott unantastbar ist. Die Abrechnung ist durchzuführen, soll man ihrer inne werden. Die Last der Ungerechten liegt nicht auf dem Häuflein der Gerechten (Ps.125,3); dagegen kann der Segen, der auf den Getreuen ruht, einst die Ungetreuen decken, wen sie die ewige Richterstatt betreten müssen. (im Jenseits)
„Wähnet nicht, jene wären schuldig, die die Lade holten. Ich mag die nicht zählen, die mit schmutzigen Händen, mit schmutziger Seele sie betasteten. Das Symbol: Wer sich vor Gott entschuldigt, wer einen Feind verachtet, Freunde hintergeht und viel Böses tut, der versucht, Gottes HEILIG zu entweihen!
Das ist wider sich getan, man legt sich Steine in den Weg, der zurück zum Lichthaus Gottes führt. Nicht Silo ist gemeint. Usere Welt erträgt das Lichthaus Gottes nicht und kommt nie in sie herein (Joh.18,36)! Wer das glaubt, geht irre bis zum letzten Tage seines Lebens. Dann wird er ängstlich fragen: ,Herr, wo bist Du denn? Ich glaubte immerdar an Dich, hab’ die Hoffnung hochgehalten, mit Dir einst auf dieser Welt zu leben.’
Ich wünschte, Israel und alle Völker kämen einmal zur gerechten Ruhe. Doch durch viele Frevel kommt es niemals zur Entspannung. Hat der HERR Philistrien geschlagen, damit die Lade wiederkommt? Das wird sich zeigen, ob der Ewige die Rute schwingt oder ob der Mensch sich seine Lebensgasse sauer macht. Ja, es wird bis zum Ende dieser Welt so heißen: GOTT hat es geschickt, wobei man Gnade, Friede, Segen auf sich selbst bezieht. Man denkt weniger an Ihn, den Geber aller guten Gaben (Jak.1,17).
Gott schiebt man die übelkeiten zu und ahnt nicht, daß dies eine breite Kluft ergibt, über die man schwer hinüberkommt; nicht ehe, bis man die Erkenntnis walten läßt: das Gute komm vom Herrn, das Arge aus der Finsternis der Welt. Hebt nicht die Schultern hoch, da könne niemand was dafür, wenn das Böse aus der Welt euch überfallen würde. GOTT hätte ja: die Welt erschaffen, also müßte …
Sind Bäume böse, lassen sie im Herbst die Blätter fallen? Sind Tiere arg, die sich bloß ihr Futter suchen? Seltenst mehr, als was zur Stillung ihres Hungers dient. Und der Mensch? Er sitzt gern bei seinen Töpfen (2.Mo.16,3) und wer Wucher treibt, der ist ärger als ein Tiger, der mitunter einen Menschen reißt.
Der Planet ist nicht die ERDE, das dritte Element, mit dem die Gottheit aus Geduld und Liebe in die Grunderlösung den euch unbekannten Kindessturz mit einbezog. Man gibt sich leider gern den ‚Trieben hin, die diesem Kindesfall entstammen. Oh, jeder fällt aus sich der nicht seine schlimmen Triebe überwindet.“
„Die -Triebe sind uns eingepflanzt“, ruft einer böse. „Haben wir uns selbst geboren?’ Wir sind nicht da, deiner Predigt zuzuhören. Oha, ändere die Welt, etwa freut sich Gott, wenn dir das gelingt!“ Ist man entsetzt? Aber nein, so ist es auch. Einer aus der Gruppe Chahas zerrt den Hetzer vor.
„An Gottes Bundeslade siehe zu, daß dir’s nicht ergeht wie einst der Rotte Korah“ (4.Mo.1) „So?„ muckt jener, „Samuel behauptet, von Gott kommt alles Gute. Wie hernach würde Er mich richten?“ „Die Angst sitzt dir im Nacken! Es fordert jeder sein Gericht heraus, (Joh.8,15 u.a.), nicht der Richter. Da geht es einzig um die Bindung zwischen Gott und Mensch.“
„Spare dir die Widerrede“, fängt Chaha an. „Mose hätte Gott als Richter dargestellt. Das ist ER ganz bestimmt! Fragt sich nur, wie Er richtet, ladet man sich selbst die Sünden auf. Wer nicht unter GOTTES Urteil stehen will, steht im Urteil dieser Welt! Das ist so schwer, wie man vorher nicht ermißt; das entstammt ja dem Bereich des Höllenfürsten.
Wird man ins Verderben mit hineingelockt, so deckt Gottes Milde manches zu. Das Richten bleibt! Denn eine von den für Menschen höchste Himmelsgabe ist das Gewissen; dessen Stimme scheidet zwischen der Verführung und dem eigenen übelstand.
„Du“, Chaha hält den Mann zurück, der entweichen will, „hast das Gewissen totgeschwiegen. Warst ja dabei, als man die Lade holte und hast Gott herausgefordert. Wundere dich nicht, sobald Er richtet! Möge Er dir gnädig sein.“ Nicht bös’ gemeint, fragt einer: „Bist du eben ein Prophet geworden? Es klang so, als ob Samuel gesprochen hätte. Von nun an glaube ich, er ist ein Prophet.“
„Das darf ich sein“, bestätigt dieser, „und unser Fürst, von Gott zum Amt bestellt, stand jetzt unter Seinem Segensbogen. Nun genug der Worte, die ihr hören mußtet. Wer will, der folge uns gen Silo nach, jedermann, der sich versöhnen lassen will. Wenn der Mond am höchsten steht, alsdann kommt, damit ihr auf den Wegen nachts des Himmels Leuchte habt.“
Lächelnd wendet er sich an die Träger. „Ihr habt nicht gemeutert ob der Last, die auszuhalten war. Einer hole einen Wagen, damit die Lade an den von Gott gewählten Ort gelangt. Du aber, Volk, gedenk der vielen Tausenden, die die Fehde forderte, und sieh ein, daß es durch dein eigenes Tun geschah.
Ich sage euch abermals im Auftrag unsers Herrn: Nie kämen Kriege über euch, hieltet ihr das Recht der heiligen Gebote hoch. Ob ihr das bejahen könnt?“ Samuel schweigt, er sieht die Wolkenwand, die den inneren Horizont verdüstert, nämlich Einsicht und Erkenntnis der gesamten Weltmenschheit.
Man hat von Mizpa eine Maultierkarre hergeholt. Nun geht Samuel hinterdrein, nicht eigentlich, um den Transport zu überwachen; es ist seine Demut: ,Du, mein wunderbarer Gott, gehe allezeit voran, laß mich Deinem Lichte folgen.’ Die Träger sollen bei dem Wagen und den Tieren bleiben, um notfalls beizustehen, wenn er bei ungeraten Wegen schwankt. Samuel winkt Chaha zu, der abseits geht. Er braucht als Mensch den Freund.
Zwei Tage wandert man, in schwülen Stunden ist schwer voranzukommen. Auch auf die Tiere achtet man. Manche Männer schwenken ab, dafür folgen neue nach, die nicht den Weg bis Silo meiden. Es hatte sich sehr weit herumgesprochen, was geschehen war, und allgemein hängt Israel an seinem Heiligtum.
Der Prophet lacht leise: „Was ist?“ fragt Chaha. „Sieh den Wagen wackeln. Daß ef noch nicht kippt, macht die Güt unseres Herrn. Ein Symbol: So hält der Schöpfer Seine Werke! Wie er sich oft zur Seite neigt“, er zeigt auf das Gespann, „also Israel, obwohl es nicht das Heiligtum verlieren will. O, Gottes Macht stützt es! Unseres, nicht Sein Volk! Nichts, was nicht Gottes wäre! Möge Er uns heil nach Silo bringen, dann sei es jenes Zeichen, daß einst der ganze arme Abfall auch zur Lichtstadt Seiner Herrlichkeit gelangt.“
„Dieses Bild widerspiegeit wirklich, was mit unserm Volk und was sicherlich mit der Gesamtmaterie geschieht“, bestätigt Chaha. „Mir ist, als könne ich mit deinen Augen sehen, mit deinem Herzen hören, als wenn ich nun …“ Der Fürst verstummt. Ihn überwältigt es, weil er fast wie der Prophet – – Er wagt auch nicht, sich dem Gedanken hinzugeben. Gottes guter Knecht greift nach des Freundes Händen, eine Weile geht er so versunken neben ihm einher, als ob er nichts dazu zu sagen wüßte. Und dann:
Du bist nicht von dir und mir aus Oberster von Israel, du bist eingesetzt. Es kommt viel Schweres über uns. Da bedarf’s der sonerlichen Führung. Außerdem bist auch du vom Himmel ausgegangen, mit dem Licht verbunden, hältst dein Gelübde, einst vor Gottes Thron geschworen (Ps.50,14). Du wunderst dich?
Im Sinne schöpferischer Waltung entstammt niemand der Materie, weil nicht der Leib, der im Tod zerfällt, die Grundschaffung des Lebens ist. Der Schöpfer schuf die Kinderschar im Licht; Geist und Seele eines Kindes gehn dahin zurück, von wo es ausgegangen ist und die später Abgestürzten werden nach der Umkehr heimgeführt. Siehe diesen Unterschied. Allein –
Nicht überheblich sein, wenn man wissen darf, wo man hergekommen ist. Aber es verpflichtet, das Gelübde auszuführen, das der Mensch sehr selten anerkennen will. Du denkst: Was man nicht weiß, kann man auch nicht halten. Ja, betrachtet man es aus der Ebene der Welt. Du sprachst bei Mizpa vom Gewissen, das der Schöpfer uns gegeben hat. Oft ist’s bloß ein vages. Fühlen, wie eigentlich zu handeln wäre. Achtet man darauf, dann gelingt uns auch die gute Tat.
Daß wir in der Materie nicht völlig geistig leben können, weiß der Herr. Seine herzliche Barmherzigkeit sieht lächelnd drüberweg. Würde Er beim Menschen jedes Zehntel einer Elle messen – wo käme man da hin? Trotzdem dürfen wir nicht einfach damit rechnen: Gott verzeiht mir meine Sünden. So während – und das ist Menschenart wird der Heim-kehrweg verfehlt und man wird ein Heim-führ-kind. Der Unterschied ist dir bereits bekannt.
Die Mühe, die man scheut, kommt wieder und lehrt mit ihrer Bürde, was versehen worden ist.“ „Ist das nicht sehr schwer?“ fragt Chaha. „Du erwähntest die Barmherzigkeit, daß Gott manches übersieht, es uns nicht zur Last berechnet.“ „Gewiß! Überdenke jedoch hier das Zweierlei: Wenn man trotz Mühegeben dies und das versäumt, dann wird die Mühe angerechnet, gleich einem wohlgelungenen Werk. Und hierbei waltet die Barmherzigkeit.
Geht man der Bürde aus dem Weg, sind Ausreden das Verderben, dem man anheimfällt. Der heilig-gute Schöpfervater wirkt zwar allzeit milde, Seine Güte hört nicht auf (Ps.36,6). Wie jedoch die Güte handelt, des werden wir nicht ganz bewußt. O ja, sie kann heilend sein und ist es auch, wenn das Unrecht seine Folgen bringt. Gerade dieser Folgen wegen wirkt sich Gottes Güte heilend aus.
Sich dennoch hierbei einzig und allein der Führung hinzugeben, das bringt jene selige Gewißheit, trotz unserer Fehler in der Hand des Herrn zu stehn. – Nun“, Samuel zeigt voraus, „in einer Stunde werden wir in Silo sein. Auch ein Symbol: eine Stunde“ freund. In jedem Ding gibt’s eine Stunde Gottes! Es ist keineswegs die Stunde unseres Todes für die Welt. Ach nein! Die Gedanken sind von Gottes einer Stunde angezeigt. Kann man den Gedanken aber immer steuern? überfallen sie uns nicht recht oft, daß wir meinen: das wollte ich nicht denken.“ Der Fürst fällt ein:
„So ist’s mir auch ergangen, als ich die Lade retten wollte. Ich hatte wenige, die mit mir stürmten.“ „Mir kam gleich nichts Gutes auf“, erwidert Samuel. „Nun – Gott war gnädig, daß Sein Heiligtum uns wiederkam. Heiligtum!“ sinnt der Seher vor sich hin. „Manchmal denke ich, daß das Äußere, uns wohl herrlich offenbart, so gut wie nichts vom hehren Heiligtum besitzt. Schau’ ich in des Himmels Höhe, die mir fern und nahe ist, so fern und nah ist uns gewiß der Ewige. Kann der Gedanke nicht schon Sünde sein? Gott hat mich zum Seher vorbestimmt, aber Mensch, Freund Chaha, Mensch bin ich auch mit allen Fehlern und Gebrechen an der Seele, und …
„Halte ein!“, wehrt Chaha. „Ginge es danach, wäre nie ein Mensch befähigt, auch nur im Herzen Gott zu spüren, Sein Gesetz zu merken, und noch niemand wäre über unsere Welt gegangen, der jemals Gott gesehen hätte. Wir wissen aber aus den Rollen, daß sogar Adam trotz Vergehens Gott gesehen hat, Henoch, Abraham und Sara, Mose, Josua und andere mehr. Du auch, Samuel.“
„Hast recht“, beugt er sich nieder. „Wir sollten bloß nicht immer nach dem Höchsten greifen und uns genügen lassen an ,Gottes Gnade’ (2.Kor.12,9), die Er zu jeder Zeit den Menschen angedeihen läßt. Wir werden es erfahren, wie der Heide darüber denkt. Er gibt’s uns noch zu wissen, wie wir handeln sollen.“
In Andacht wandern sie dahin, bis ans Tor von Silo, jene kleine Stadt, eingebettet in den Rahmen sanfter Hügel, schöner Gärten, Auen und den Feldern. Die Bundeslade steht noch auf dem Wagen. Vom Ort ist herzugeeilt, wer nicht schon zuvor mit auf dem Marsch gewesen war. Ist es von Gott geführt? Man tritt weit zurück, niemand wagt sich naheher ans Heiligtum. Die Tiere hat man ausgeschirrt, um sie zu entlasten. In einem weiten Kreise wartet man, was nun geschehen wird, was Samuel zu sagen hat.
Man gibt ihm Raum. Mehr in Angst grüßen ihn die Harrenden. An der Hütte: man war Samuel dahin gefolgt – schlägt er den Außenvorhang beiderseits zurück. Kein Wahn – ein Licht dringt aus dem Inneren heraus, obwohl die Lampen seit dem Raube nicht mehr brannten. Des Propheten Worte hallen über alle hin.
„Volk Israel, eine harte Zeit ist an dir vorbeigegangen. Groß sind all die Opfer, die ihr bringen mußtet. Mag sich jeder selber fragen, woher das übel kam. Leichtfertig wird behauptet: Wie das Gute, so kommt auch das Böse aus der Hand des Herrn. Man vergißt zu sagen: Er schickt das Böse, weil verdient. Ah, soweit reicht die Einsicht nicht.
Nicht Böses kommt vom herrn. Läßt Er es aber, was der Mensch sich eingehandelt hat, durch Seine Finger gleiten, dann ist das Ärgste selbs erschuldeter Mühsal ausgestrichen. Nie kann der Mensch die volle Eigenschuld ertragen. Hätte man die Lade nicht geraubt, um sie zu entwürdigen, die Philister hätten nicht gesiegt.
Ein Hinweis bis ans Ende dieser Welt: der Drang, andere zu unterjochen, bringt früher oder später einen eigenen Untergang. Merkt euch das! Gott zeigte an, ihr würdet euch noch viel mehr von Ihm wenden als in jüngster Zeit geschah. Armes Volk, arme Völker, arme Menscheit, solang du existierst! Einst stehst du bitter weinend vor den’ Trümmern deines Lebens!“
Samuel hat im Bild gesehen, daß sich dennoch eine große Menge an den Heiligen, den Vater klammern wird. Die überzahl der anderen tut es jedoch nicht. Im Reiche sind und bleiben die zwei Drittel, die Gott dienend lieben; auf der Welt ist’s umgekehrt. Freilich bloß so lang, als die Menschen ihre Wanderwege gehen. Doch welch ein großer Trost: Das Licht geht den Verirrten nicht verloren; suchen müssen sie es aber selbst. Und es läßt sich gerne finden, es verbirgt sich nicht. Aus dem Gedankenbild, von Gott ihm eingegeben, spricht der Seher freundlih weiter:
„Gott hat uns eine Leuchte hergechenkt: Sein Gesetz von Sinai, Seine wundersame Leitung. Das bleibt bestehen, weil es GOTTES Dinge sind, die ewig bleiben, wie ER war und ist! Heute, Israel, hat dir der Herr vergeben, deine Torheit, deine Sünden und die Angst vor Ihm, die es nicht zu geben braucht. Denkt einmal späterhin das Volk an diesen Tag zurück, so wird, so kann es stets im besten Sinn bestehen bleiben, durch den Segen unseres Herrn.“
Was Samuel von naher oder später Zukunft weiß, soll verborgen sein. „Laßt uns dem Herrn Sein Heilig wiederbringen. Heute ist für euch der Vorhang aufgetan, ihr könnt Gottes Ort betreten.“ Samuel zeigt auf das Zelt, „und dieses HEUTE kann für alle Menschen immer sein (5.Mo.11,26; Jos 22,31) !“
Er wählt, zwölf Älteste heraus, die Bundeslade in das Innere der Stiftshütte zu tragen. Sie tun es schweren Herzens, hatten auch mit falsch gehandelt. Sie hoffen, durch den Ehrendienst wieder rein zu werden vor dem Angesicht des Herrn. Samuel nickt verstohlen, ihm sind die Gedanken offenbar. Er bittet flehend: ,Herr, tue, was sie still begehren.’
Laßt nicht die Ältesten im Vorraum zu warten. Er winkt auch der Menge zu: „Kommt herein, Gott will euch Seine Gnade wiedergeben!“ Es bleibt keiner weg. Weil nicht allesamt zu gleicher Zeit den Raum betreten können, machen jene, die das über Gottes Lade neu entflammte Licht gesehen haben und den Segen spürten, den anderen Platz. Stunden dauert es, bis jeder einmal Gottes Flamme sah, den Odem fühlte, der unentwegt das Innere der ganzen Hütte füllt. Wer sich heute durch den Segen ganz von aller Last befreien ließ, der bleibt bis ans Lebensende Gott ergeben. Ob es viele sind ?
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