← Zurück zu „Der Eine“

Kap. 4 – Was Samuel künden muß; Chaha kehrt aus Philistrien zurück

Kapitel 4

Was Samuel künden muß; Chaha kehrt aus Philistrien zurück.

„Was ist noch zu tun? Wir taten Buße vor dem Herrn, Schuldnern haben wir verziehen, trotzdem kehrt die Bundeslade nicht zurück.“ Viel Volks, voran zwölf Alteste, beklagen sich bei Samuel. Mit ein paar Getreuen war Fürst Chaha ins Philisterland geritten. Man sagte höhnisch: ,Die Fehde ist vorbei, euer Heiligtum haben wir gewonnen.’ Sechs Monde sind vorüber; von den Philistern hört man nichts. Sie ließen in der Zeit keinen aus dem Land und niemanden herein, außer Chaha und Gefolge.

Samuel sah manche Bilder, doch der Herr hatte ihm geheißen, noch zu schweigen, bis Chaha wiederkäme. Der Prophet mag den Gesichten nicht recht glauben, seinetwegen, nicht gegen Gott. Er soll nun das Zeugnis haben, samt dem Volk. In der Hütte hatte er sich im Gebet gewappnet, als man ihn rief, herauszutreten. Jetzt steht er da, an Jahren jung; und doch – man weicht zurück, weil er so groß und edel wirkt. Er zeigt ins Himmelszelt und spricht:

„Gut, daß ihr gekommen seid. Ich hatte in der letzten Woche manche Schau und Gott sprach, ich hätte recht gesehen, aber warten, bis Fürst Chaha wiederkäme. Es …“ Ein Ältester unterbricht: „Er kommt nie wieder! Glaubst du wirklich, die Philister ließen ihn hinein und dann unbeschadet unsere Grenzen überschreiten, als sei ewig Friede zwischen uns? Eher fließt der Jordan aufwärts, als daß die Bösen Israel in Ruhe lassen!“

„Und wir sie – ?“ Einschneidend hart gefragt. „Zählt, wie oftmals wir den Frieden brachen. Selbst dann, als uns Gott ins eigene Land des Patriarchen wiederkommen ließ, – was hat man getan?, was wollte man erzwingen? Allein dem Josua, Nachfolger unseres großen Mose, war es möglich, Israel im Zaum zu halten. Wohl mußte er zuerst die wieder wildgewordenen Stämme zähmen, und ließ sich daher mancher Schwertstreich nicht vermeiden.

Leider hatte damals, als das Land unter den zwölf Stämmen eingegliedert war, manch junger Fürst gegen das Gebot gehandelt, Kanaan friedlich zu regieren; und was dann im Blut geschah, hat man Josua verargt. O ja, die Geschichte, die man später schreibt, wird Gutes auszuwischen wissen; und was böse ist, packt man denen auf, die für Gerechtigkeit, Recht und Freiheit sind.

Das bleibt, bis die Menschheit untergeht durch jene ungeheuren Frevel, die den Himmel für sie dunkel macht. Das bedeutet: Gottes Worte wird man vielseits ändern; und wo nicht Seine Macht regierte, würde diesem Menschenvolk der Himmel ganz verschlossen sein.

Allein – der EINE, über dem kein Anderer steht. keiner neben Ihm im gleichen Rang, hält jenes wunderbare Machtwort heilig-hoch, als nach der Sintflut weit und breit die Lande neu erstanden:

,Ich will hinfort nicht mehr die ERDE verfluchen um der Menschen willen.’ (1.Mo.8,21)

Denket nicht, die Menschen blieben mit der Welt bestehen, Gott hätte es ja zugesagt. Nein! Die Erde, Sein heiliges ERDREICH, das Er schuf, ehe je ein Mensch geworden war, das bleibt bestehen! Mit ,verfluchen’ ist nicht das gemeint, was die Leute tun und verboten ist. Bei Gott bedeutet es: Er will die Erde nicht verderben, Sein Reich, aus unerkannter Ewigkeit herausgehoben, in Seine unfaßbare Ewigkeit hineingebettet, in Seine heilsgewohnte Schöpferhand!

,Um der Menschen willen’ sind jene, die dem Fall entsteigen, die ihr übel über diese Welt verstreuen. Auch der anderen wegen, die da kommen, um Verlorenen zu helfen, damit diese auch einmal in Gottes Heilsplan kommert. Die ,andern’ nehmen einen Anteil aus der armen Tiefe auf, den Seelen teil, der ungewandelt werden muß.

Gott hatte Abraham den Samen aus Sand und Sternen zugesagt.  Aber überheblich hat man später es als Vielzahl ausgelegt. Doch man hat das Volk schon auf dem Wüstenweg gezählt (u.a.2.Mo.12.37). Und wird gezählt gegen euren Willen bis ans Ende, wo es keine Völker, bloß noch ,letzte Menschen’ gibt. Das ist jener Letztzeit vorbehalten. Würde sich die Menschheit immerdar dem EINEN, ihrem Schöpfer-Vater unterstellen, oh, es käme keine sogenannte letzte Zeit! Der Ablauf der Materie ist nichts anderes als das ,Aus und Ein’! Vom Finsteren heraus und hinein in Gottes Ewigkeit, die weder Zeit noch Grenzen hat. Denn das EWIG ruht in Ihm. und ewig ist das Leben aus und in der Gottesherrlichkeit!

Ihr seid ungeduldig, es denkt mancher: wir“ sind nicht gekommen, einer Predigt zuzuhören; wir wollen wissen, wo die Bundeslade ist. Wurde sie entheiligt, weil unreine Heidenhände sie berührten? Ihr denkt nur nebenher an euern Fürsten Chaha, wie es ihm ergangen sei. Käme er zurück, müßten er und seine Schar sich erst entsühnen, weil sie lange unter Heiden lebten. O ihr Toren!

Entheiligt haben Gottes Lade jene, die sie fortgetragen, die dabei gejubelt hatten, mit schmutziger Hand berührten, wenn – es Überhaupt die Entheiligung im Sinne Gottes gibt. So wenig, wie man Ihm Seine Heiligkeit entziehen könnte, so wenig bei den Dingen, die Er zur Offenbarung Seines Willens gab! Wähnt nicht, das wäre gut, es gäbe demnach kein Entheiligen, ich hätte nicht zu Recht gesprochen, daß ihr entheiligt hättet. Gut, ihr also nicht, dann aber die’ Philister gleichfalls nicht. Abgerechnet:

Ihr habt des Krieges Übelkeit ertragen müssen, 30.000 Männer sind gefallen, Frauen, Kinder, Orte sind verdorben. Also hätte euch der Herr gestraft des übels wegen, Sein Heiligtum dem Raube ausgesetzt. Ob und wie der ,arme Sieger’ (Philister) seine Lasten tragen muß, da wird’s heißen: Gott hat das getan! Strafen, wie die Menschen es verstehen, wird Gott nie! Aber was der Mensch sich selber brockt, das geht auch durch Seine Hand; und seid gewiß: ewig unverstandene Gnade wird es immer sein, wenn die selbst geschaffene Strafe, um der Bosheit willen zugezogen, noch durch Gottes Hände fließt!

Würde Er die Gnadenhände schließen und – menschlich zu verstehen auch berechtigt -, aus der Sintflut wäre niemals wieder neues Land erstanden. Die Menschenreste, die damals existierten, waren längst verweht, wie ein welkes Blatt im Wind, und wäre nichts davon zurückgeblieben als ein Nichts im Nichts! –

Nun habt ihr wiederum ein Predigtwort gehört“, Samuel betont es ernst, „seht zu, ob ihr Gottes Wort erkennt. Kommt morgen wieder, ihr Ältesten bleibt bei mir; ihr werdet sehen, was geschieht.“ Man geht bedrückt nach Hause, man hätte es erhofft, Samuel könne durch ein Bittgebet den ,Gott Israels’ bewegen, Seinen Zorn zu sänftigen und die Lade wiederbringen, damit man wüßte, jetzt ist man mit IHM versöhnt. Allerdings, was man, hörte, ist schon zu bedenken: bloß haben wenige den tiefen Sinn erfaßt.

War nun eigentlich das Wort umsonst gesprochen? Was hat es denn für einen Sinn, etwas vorzubringen, was der Hörer nicht versteht? Wer ahnt es denn: jede Offenbarung, Wort oder Bild, ist nie für eine „kleine Zeit gegeben, sondern stets der Ewigkeit, dem Leben. Ist der Mensch nur eingebettet zwischen Wiege und dem Grab? Beginnt sein Leben mit dem ersten Atemzug auf dieser Welt und hört auf, wenn der letzte Odem ihm entflieht? Wäre das des Schöpfers würdig?! Das mag jeder für sich selber prüfen.

Samuel läßt die Ältesten von den Gesichten manches wissen. Von Silo kommen immer wieder Leute, um auszuhorchen, was es gibt. Dem Propheten sind die vielen Zeugen recht. Er zeigt zum nahen Hügel, über den ein Saumpfad führt. Dort wirbelt Staub. Sollte – würden die Philister – ? Nein, es ist eine kleine Kavalkade. Bald erkennt man an der Spitze Chaha, unbeschädigt, seine Männer im Gefolge. Die Mienen sind sehr ernst, und keine Bundeslade bringen sie. Wehweh! Der Herr hat uns verlassen!

Einige dringen auf Fürst Chaha ein. Samuel wehrt hastig ab: „Seht ihr nicht, daß die Männer überfordert sind? Mußtet ihr so lange warten, dann gönnet ihnen erst den Labetrunk.“ Er hatte in Voraus­sicht alles vorbereitet und führt die Gruppe in sein Haus. Die Menge wartet vor der Tür. Es sieht ungut aus, wenn …

Ein Vernüftiger widerspricht: „Sie sind“, gemeint ist Chaha und die Männer, „ohne Drangsal heimgekehrt.“ Hm, es dauert auch nicht lang, als Samuel mit Chaha aus dem Hause tritt. Ob erst beredet worden ist, was gesagt, was verschwiegen werden müßte? Auf diese arg gestellte Frage rügt Gottes Knecht:

„Es gibt manches Weib, das bloß die blöde Zunge wetzen kann; von Männern sollte man das nicht erwarten. Doch sei gleich gesagt: es wurde nichts besprochen und – so als Mensch, ohne Sehergabe – weiß ich nicht, was geschehen ist. Was ich im Geiste sehen durfte, wird und kann der Fürst bestätigen. Sprich, lieber Freund, daß nicht erst wieder welche irrig werden.“

„Das will ich tun. Die Philister haben uns, nicht angetastet. Und warum? Als sie Gottes Bundeslade in die Halle ihres ,Dagon’ (Götze der Philister) stellten, war dieser umgestürzt. Dazu kam im weiten Umkreis eine Seuche auf. Viele Leute befiel eiterige Beulen, sogar Kinder wurden mit betroffen. Da schrie man wild: ,Tragt sie fort, die Lade des Gottes Israels, ER hat uns geschlagen!’ So sah es aus; denn die Krankheit kam am andern Tage auf, nachdem man unsere Lade in das Götzenhaus getragen hatte.“

„Hast du nicht widersprochen, Chaha?“ fragt Samuel. „Unser Gott ist gut, niemals würde Er so handeln! Nun denken die Philister, wir hätten einen bösen Gott. Solch Gerüchte sind zu unterbinden.“ „Ha“, ruft ein Mann, „ich glaube es, daß der Herr die Buben schlug, weil sie …“ „Rede ja nichf weiter“, warnt Samuel, „es könnte deine letzte Rede sein.“ Chaha übergeht den Mann und berichtet weiter:

„Ich wollte schon dagegen reden, als ich die Worte hörte: ,Lasse sie bei ihrer Meinung, daß ICH es tat, als ein sonderliches Zeichen, was nun geschieht.’ Das sahen wir bereits am nächsten Tag. Ober Nacht schaffte man die Lade von Asdod fort nach Gath. Wir ritten hin, unbehelligt zogen wir durchs Land.

In Gath brach auch die Seuche aus. Rasch trug man das Heiligtum nach Eskron. Niemand wollte es mehr haben. Denn in Eskron starben viele Leute. In unserm Beisein sammelten sich die Hohen, soweit sie nicht befallen waren. Sie geboten: ,Fort mit dem Gotte Israel, Er hat uns geschlagen!’

Wir hätten gern die Bundeslade mitgenommen; aber wieder kam die Stimme: ,Halte dich zurück!’ Sieh Mein Zeichen: jene, die die Lade bis zur Grenze bringen, werden dann geheilt. Schweige; sonst würden sie sich gegenseitig niederschlagen, weil jeder schleppen will, um gesund zu werden. Reite heim, biete Männer bis zur Grenze auf, bei Beth Horon, da trefft ihr die Philister. Ihre Angst ist heilsam, obgleich töricht. Doch sie wissen es nicht anders, und so soll aus ihren Ängsten für sie Gutes werden.

Chaha wischt über Stirn und Augen. „So gewiß, wie ich hier vor euch stehe, so gewiß hat Gott gesprochen! Nun die Frage: Wer will mit mir gehn, unser Heiligtum zurückzuholen? Wenn Samuel aus Gottes Geist es auch so will: Wie sie fortgetragen wurde, soll es mit der Mühsal wieder her nach Silo kommen.“

„Ganz recht, Fürst Chaha“, bestätigt der Prophet, der ein paar Männer tuscheln hört, man könne eine Ochsenkarre nehmen. „Ah“ ,sagt er, „bei allem Kram der Welt plagt man sich gern, um einzuheimsen und wird es manchem nicht zu viel, sich sehr zu mühen, von anderen wegzunehmen, um sich zu bereichern. Allein bei Gott -? Ihm könnte man nichts nehmen, was Er uns nicht geben will, denkt ihr töricht.“ Samuels Augen blitzen scharf.

„Ich sage euch: Ohne Gott seid ihr ein Nichts im Nichts! Gab Er uns aus unerhörter Güte Seines Bundes Zeichen, dann denket an das ,Unverdient’. Der Menschheit wäre freilich besser, sie könnte ohne Zeichen Gott erkennen, lieben, die Gebote halten, die ER gegeben hat. Ist’s denn nicht ein Mahnmal, daß die Heiden sich ihre Götzen selber machen und sie gleichfalls Anschauungen haben wollten? Sind wir denn in dieser Art nicht ihnen gleich? Wenn ihr die Bundeslade habt, so meinet ihr, ihr hättet Gott!

Das bleibt bestehen, solang man sich an Bilder klammert. Je mehr man dieses tut, um so ferner steht man Gott. Ist aber einer willig, aus der Kleinheit seines Wesens, dann segnet unser Vater solch ein Hcrz. Wer jcdoch dcr Anschauung den Vorrang gibt, bei dem ist’s um dcn Glauben schlecht bestellt.

Noch dürfen wir die Bundeslade haben. Sie gilt Israel bloß nicht allein, sondern von den Zeiten an, als der ,eine Stern vom Himmel fiel’ (OJ.9,1; Sadhana) und ist der hehre Sinn: Gottes gnadenvolle Testament (s. Urwerk 4. Tag) für des Lichtes Kinder, die mitopfernd durch die Materie gehn. In des Reiches Hoher Lade, im Verborgenen, behütet Gott die Kinder. Das ist das Mysterium, hier für eine Zeit gegeben, in Gottes Ewigkeit bestehend; denn ER ist’s Selbst, der Heilige.“ Samuel spricht jetzt die Menge an:

„,Nun rate ich: wählet viermal zwölf Männer, die die Lade holen.“ „Warum so viele?“ fragt ein Störenfried. „Wir haben unsere Arbeit und können nicht …“ Der Vernünftige zerrt den Störer vor. „Dich kenne ich, der Prophet kennt dich besser, und der Herr kennt dich am besten. Deine Arbeit ist gleich Null, Weib und Kinder müssen schaffen, führst obendrein ein widerliches Regiment. Gott kann dich zu dieser Ehrenarbeit nicht gebrauchen.“

Chaha schlägt dem Braven auf die Schulter. Spontan sammelt sich ein Haufen Männer, die sich Chaha unterstellen. Er sucht sich die Kräftigsten heraus; den übrigen befiehlt er an, den Familien zu helfen, die eine zeitlang Mann und Sohn entbehren müssen. In zwei Tagen soll der Abmarsch sein.

Samuel möchte mit dem Fürsten einiges besprechen und fragt, ob er sehr müde sei. „Mir genügt der Schlaf zur Nacht“, erwidert dieser, „auch ich hab’ manches auf dem Herzen.“ Sie gehn allein in Samuels Haus. „Sprich du zuerst“, sagt dieser freundlich. „Nun ja, es ist allerlei“, fängt Chaha an. „Zuerst: Warum vier Gruppen zu je zwölf Mann? Meinst du damit die zwölf Stämme? Warum ging uns überhaupt das Heiligtum verloren? Und die dritte Frage: Wieso dreht sich denn das Göttliche scheinbar bloß um Israel?“

„Deine Fragen sind durchdacht, zumal die letzte hatte ich einst Eli vorgelegt. Er wußte bloß nicht, wie er sie mir deuten sollte. Inzwischen weiß ich einiges mehr, was der Herr mir offenbarte. Wir nehmen deine erste Frage vor, in der eine größere Tiefe liegt, als was unsere lieben Leute ahnten.“ Echt SamueI, auch die Störenfriede in das ,liebe Leute’ einzuschließen.

„Es gibt Gute und auch Böse – Erwachsene; Von Kindem kann man eine Unterscheidung zwischen gut und bös nicht ernstlich fordern. Eli, der an seinen Söhnen hing, wollte den Erziehullgsfehler seinem Weibe in die Schuhe schieben (S.1.3). Gott zeigte ihm sein Unrecht auf. Nun – sein Amt war schwer, weil oftmals Israel so wirrig ward. Besser ist es, etwas zu entschuldigen, weil ewig erst der HERR uns vor Sich Selbst entschuldigt. (Ps.103,14).

Allein, so wird nicht entschuldigt, einfach alles auszugleichen! Gerade in der Abrechnung erhöht sich unser Heil, die Heilung, die vom HEILAND kommt. Gott sagte schon zu Mose:

,Ich bin der Herr, dein Arzt!’ (2.Mo.15,26)

Ein Arzt kann heilen, nicht zuletzt die ,lieben Leute’.

Mit Gottes Güte wollen wir den Fragen eine rechte Antwort geben. Die ,4’ sollte dir geläufig sein; mit ihr beginnt für uns die Neue Zeitrechnung (ab Adam). Es wird nicht die letzte sein. Nicht bloß in der israelischen Geschichte hat diese ,Gotteszahl’ den höchsten Wert, mit und nebst der ,1’. Im Symbol liegt die Stiftshütte, wie im Quadrat, und vieles mehr, was nicht alles aufzuzählen ist.

Aus der Ewigkeit, der Zukunft vorbehalten, wurde mir gezeigt: Die hohe Stadt, die man ja so nennen wird, wie Abraham die Hauptstadt unseres Landes nannte: Jerusalem. Ich aber hörte: ,LICHT-HEILIG’!, viereckig aufgebaut, mit vier gleichlangen Mauern, und darin zwölf Tore (OJ.21,16-27). Das ist der tiefste Grund, weshalb ich diese Zahlen nannte. Für unsere lieben Leute, nennen wir sie nochmal so, genügt es, denken sie an die zwölf Stämme.“

„Wunderbar!“ Chaha ist begeistert. „Und eine unverdiente Gnade, .weil du bei uns bist. Eli – ? Geistig, es sei kein Lob, das der Mensch oft törichtgibt und manchmal auch .nimmt – bist du ihm überl,egen. Wer weiß, was noch geschieht. Der Herr hat vorgesorgt, damit wif’nicht verloren sind. Gewiß, ER ist unser Helfer, hilft aber sicherlich auch gern durch Seine Kinder.“

„Genau“, bestätigt Samuel. „Doch sieh: hat ER jemanden ins Amt gesetzt, ist und bleibt es seine Sache, was Er durch einen Sendling offenbart. Ihm sei dafür unser Dank, Lob, Preis und Ehre. Für die Heilszahl ,4’ und die mitfolgende ,12’ gibt es noch ein weiteres Licht, das lange unverstanden bleibt, weil man bis zur letzten Zeit es so gut wie nicht erkennt. Das kannst du für dich behalten; denn wenige sind jetzt und später dafür reif, sie lassen sich nicht reifen.

Der Heilige ist eine ,4’ ! Keine vier Personen, zieh’ nur nicht die Stirne kraus. Es sind vier Wesensarten, vergleichsweise unsere Himmelsrichtungen, wie mit ihnen einst dem Abraham Verheißung ward (1.Mo.13,14). Man deutete es später welthaft aus. Wer das Geistige weltsinnig betrachtet, der verliert für diese Welt des Lebenssinnes Licht. Die Wesensarten Gottes sind Offenbarungsformen, jeweils, wie jemand eine Gott-Enthüllung zu ertragen weiß.“

„Schwer verständlich. Belehre mich, Samuel, soweit ich’s fassen kann.“ „Da gibt’s gar nicht viel zu lehren, bist ja mit Gott verbunden, wie wenige des Volks. Immerhin – wir haben gute Männer und auch Frauen. Jetzt komme ich zur zweiten Frage, die du stelltest: warum das Heiligtum verloren ging.

Daß der Schöpfer alles weiß, auch bis in Ewigkeit voraus, ist dir geläufig. Bedenke also jenes Wort, das Abram für das werdende Volk gegeben ward: vierhundert Jahre, vier Mannesalter lang, würde es gefangen sein. (1.Mo.15,13-16) Immer hat der Herr vorausgesagt, was geschähe, und wie oft das Volk sich von Ihm wendet.

Nicht anders jetzt. Wie hat man Eli es meist schwer gemacht, daß gute Lehren kaum noch etwas nützten. Als man sah, die Philister kämen in der übermacht, hieß es auf einmal: ,Der Herr kann helfen!’ Man ging aber nicht zu Ihm mit ernstem Bittgebet. O nein – man nahm das äußerliche Zeichen, das Er in ewiger Erbarmung gab. Was Wunder also, daß die Lade nicht helfen konnte, weil man des Heiligen Hände nicht ergriff?!

Das gilt der Menschheit bis zum Ende der Materie: ,Wer sich auf Äußerliches stützt, wird mit dem Äußerlichen fallen!’ Israel – Gott sei es geklagt – wird immer wieder sich der Welt verschreiben. Im gesamten, meine ich. Dabei ist Gottes Gnade allezeit bereit. Um der Offenbarung willen kommt die Bundeslade wieder her, sie ist bloß sieben Monde in der Heiden Hand.

Da herrschen Gottes sieben Eigenschaften vor, ist also eine Voll-Erbarmung, aus der die Strahlen die Materie trifft, im zurück, im voraus, zu jeder Zeit. Es wird der Fehler vieler Völker sein, die alles nur für sich betrachten – das Gute, wohlgemerkt. Ungutes gilt da stets den anderen. Nicht zuletzt ist eben das der Liebemangel auch bei denen, die sich gläubig nennen. Die gläubig sind, Freund Chaha, wissen es genau: allein mit Gottes Segen ist man mit Ihm in Ewigkeit vermählt!

Nun kannst du deine dritte Frage selber lösen. Jede Offenbarung ist zu allen Weltenzeiten jenes Mahnmal: GOTTES Volk, nicht von der Materie, aber ihr im Mithilfsdienst bereitgestellt. Nicht das Völkische, das Geistige steht in des Lichtes hoher Herrlichkeit, bei Gott, dem Schöpfer, Priester und dem Vater.

So wird’s weltlich bleiben, wo jeder von sich sagt: ,ich allein’. Vordringlich gilt das in der Religion, gleichgültig, was auch jedes Volk damit verbinden wird. Zumal im Glauben wird das arge Blüten treiben und sind das Gift aus jeder Überheblichkeit. Sei nun nicht bedrückt, mein Freund, es gibt und wird allzeit andere geben, die aus dem Geist das Gleichgewicht erstellen – allerdings durch Gottes gnadenvolle Führung und Erbarmung.

Wir sehen ja, man hält sich für ausgewählt; doch Kulturen derer, die man Heiden nennt, Waren, Gelder und noch mehr, um Materielles zu gewinnen, nimmt man an. Dazu ist der Heide gut genug! Für mich, Chaha – ich sag’s bloß dir – gibt es keine Heiden; denn …“ „Keine? Warum sondert sie der Herr dann von uns ab?“

„Wähnst du, das sei Gottes Werk?“ „Hm.“ Chaha stützt die Stirn in beide Hände. Samuel schweigt. Wer wahrhaft sucht, wird wahrhaft finden. Bald hebt der Fürst die Augen wieder auf. „So wie du“, sagt er versonnen, „könnte ich es nicht erklären. Doch mir ist gewiß: Gibt es auf der Welt bloß Menschen, die allesamt das Leben aus dem Schöpfergeist erhalten, dann müssen sie Ihm einer wie der andere lieb und wertvoll sein, um sich um jeden einzelnen zu kümmern, wenn ich mal so sagen darf. Oder nicht?“

„O ja, Chaha., das tut Gott, ohne Frage was man ist, wo man lebt, wie man sich gebärdet. Soll es Ihm, der GÜTE heißt, nicht angelegen sein, gerade die Verirrten heimzuholen, die Wankenden zu stützen, die Hingefallenen aufzuheben? Er sagte einst zu Mose, was dem Volke galt: ,Ich bin der Herr, dein Helfer!’ Mir soll jemand sagen, daß dies bloß dem Wandervolke galt.

Hat Gott aus Seiner Macht das All erschaffen, alles Leben, dann wird Er ohne Zweifel auch Sein All regieren mit allem, was darinnen ist. Wir, Israel gemeint, das sich gar zu gern auf eine hohe Zinne stellt, sind ein winzig Teilchen von’ dem All. Im Vergleich“, Samuel sieht ein großes Bild, „sind wir eine Mücke gegenüber unsrer Welt, die bisher noch nicht zu erforschen war.

Einst sind Gottes Kinder durch das All gegangen, denen diese Welt wie eine Mücke war im Vergleich zum Empyreum, dem unmeßbaren Reich des Höchsten.“ Chaha spürt das Licht, neben Samuel stehend. Dieser spricht schon weiter. „Mein Freund, wir wollen Hand in Hand Gott dienen, du im Weltlichen, ich im Geistigen. Jedes gute Tun, soweit wir es vollbringen, geht durch Seinen Willen. Da gilt es nie bloß einem Menschen, einem Volk, einer Welt; da gilt es für das Ganze, aus des Schöpfers heiliger Allmacht kommend, mit der Er auch das Universum, das EWIG-REICH erhält!

Du weißt nun, daß weder Gottes heilige Enthüllung, Seine Worte, Taten, weder Hütte noch die Bundeslade und vieles mehr für Israel alleinig zugemessen ist. Sollte denn die Herrlichkeit, die Gnadenführung, samt der Allmacht unserem kleinen Volke gelten? Wäre Seine Mühe da nicht fast umsonst? Wie unser Volk, andere Völker ebenso, lieber Chaha – bisher handelte, gewiß wohl oftmals gut, es sei gern hervorgehoben, das ist dir ebenso nicht neu wie mir. Glaube nur: es wird sich wenig ändern, die gesamte Menschheit, weil sie sich von der Materie selbst belastet.

Viele sind ja aus dem ersten Himmelskind (Sadhana) in die Tiefe der Materie mit abgefallen, und diese bringen ihre Finsternis mit in die Weltgeburt. Das sind Abgeirrte, seelisch Kranke. Bis diese schrecklich große Finsternis gereinigt und halbwegs wieder Licht geworden ist, gehen Zeiten hin, jetzt für uns nicht auszumessen.

Es betrifft nicht nur das Kommende, auch die Vergangenheit. Was wissen wir, welchem Teil der Schöpfungs-Ewigkeit der Heilige den Fall bereits entnommen hat?, welche Zeiten die Materie durcheilen, bis sich das Gott-Geheimnis der Gesamterlösung offenbart? Aber es geschieht! Ich sehe es wie einen fernen Stern, leuchtend klar in hehrer Darstellung.

,Quellen’  gehen über diese Erde, bis sich die Menschheit aus dem Staube der Materie löst und sich zur Klarheit wirklicher Erkenntnis heben läßt. Was dann geschieht, Bruder – ich weiß es nicht. Es ist gut, wenn wir nicht die Zukunft bis zum Letzten sehen. Etwa würden wir erschrecken (Off.Joh.), mit Gott hadern durch viele unselige ,Warum’. Eines ist stets möglich: Hingabe an die Führung unseres Herrn! Hob Er Seine Werke aus dem Born der Macht und Kraft heraus­ Sollte Er nicht ganz allein das Ende an den Anfang knüpfen können?  —  Und Er wird es, tun!

Er hält Sein Ganzes wundersam zusammen, und nichts, nichts geht Ihm verloren! Seine Zeit ist eine andere, als kleine Menschen sie erfassen werden; und an eine Weltzeit ist die Gottes-Zeit nie anheften. Hier der Unterschied: Die Zeiten, die für uns vergangen sid, lassen sich nicht nachempfinden. Es läßt sich höchstens etwa sagen, daß in ihnen dies und das geschah. Selbst Eigenes läßt sich nicht nachverspüren. Der Heilige jedoch – ?

Er hat eine Ewigkeit, ist ein Gott. Er bewahrt, was in dieser  seinen Schöpfungszeit geschieht, fest verankert in Seiner Hand des Rechts! Er wird für uns mancherlei bedecken, weil wir sündig sind. Uns sind ja abgegrenzte Zeiten jeweils eine Ewigkeit; eine ganze könnten wir auch nicht ermessen und – nicht ertragen.“

Fast greifbar ist die Stille, die zwischen beiden Männern wie ein Pendel schwingt. Langsam steht Fürst Chaha auf. Er sagt mit dunkler Stimme, die sein Gefühl erkennen läßt: „Ich habe viel gehört, und – es war von GOTT gegeben, über dich, Samuel. Lasse mich es erst bedenken und die Bundeslade holen. Wenn ich wiederkomme, darf ich dann darüber sprechen?“

„Ja“, erwidert der Prophet. „Es ist sogar gut, kommst du innerlich zur Ruhe, was auf diesem Heilsweg möglich ist. Gott segne dich und deinen Weg – die lieben Träger auch.“ Ein Händedruck, hin und her ein Augenwink.

← Zurück zu „Der Eine“