Kapitel 6
Große Offenbarung, Vorverkündung eines Königs.
Samuel ist allein, nachdem Chaha das Versprechen gab, andern Tags zu ihm zu kommen. Er schließt erst den Vorhang an der Außenfront und faltet dann den inneren zusammen. Andächtig steht er lange vor dem Feuer Arie!. Er sieht hinauf ins hehre Gotteslicht, das sich im Rhythmus fortgesetzt bewegt.
„Das zeigt Dein heilsgewohntes Handeln an“, spricht er. „Ja, bei Dir gibt, es kein Stillestehn. Unentwegt wirken Deine Güte und Dein Segen. Herr, Dir danke ich, Du hast die Retterhände ausgestreckt, und ich mag nicht prüfen, ob Du diese jemals schließt. Vielleicht – nein, Herr, wenn Du willst, so belehr mich. Nichts will ich tun, was Deinem Geist zuwidersteht.“
Der Prophet kniet nieder, die Augen auf den Ariel gerichtet. Und wieder keine Täuschung – , geht vom Ariel die Lohe aus, steigt nieder in der Form, die der Schöpfer Sich und Seinen Kindern gab. Er hat im Gebet das gesamte Israel bei sich versammelt. Wie die Gott-Form vor sich geh, könnte auch der Seher nie. gen au erklären. Er kann bloß sagen: es geschah.
Vor dem Altar steht ein Stuhl, den einst Mose richtete, als ein Himmelsmahnmal dargestellt (Jes.6,1 u.a.). Diesem gegenüber steht der kleine Stuhl für den diensthabenden Priester. Der Mensch wartet auf das Wort des Herrn. Muß er lange knien, weil er mit gereinigt werden soll? Zeit, du bist ein Begriff, der unbegriffen bleibt. So fühlt es Samuel, als ob er in ein ,Ewig’ eingebettet wäre, in die Wunderstille qottes. Das Wort!
„Sohn, setze dich Mir gegenüber. Spreche Ich mit einem Kind, so soll es Mir ins Auge sehen. Es ist gut, wenn der Mensch voll Demut bleibt; aber rede Ich mit ihm, dann ist’s Mir ungleich lieber, wenn das Aug’ in Aug’ geschieht.“ Wie wankend ob der Fülle dieser Gnade (Joh.1,16) setzt sich Samuel und blickt auf. Was er sieht, macht sein Herz frohlockend zittern.
Manchmal hat er Gott gesehen, wie einen Menschen, und doch hoch erhaben, manchmal wie ein fernes Licht, immer aber in der Anschauung (2.Mo.24,9-11 u.a.). Heute – – er legt Gott wortlos seine Ehrfurcht in die ausgestreckte Hand. Ist Gott uns denn so gleich, wie man seine Freunde sieht? Oder ist’s bloß in der Offenbarung, damit man weiß: man hat Gott gesehen?! Sonst
Kein Mensch kann pur selber sich dem Höchsten nahen, dafür neigt der Herr sich jedem zu, der im Herzen eine Wohnstatt hat für Seinen Willen, für Sein Wort (Klgl.Jer.3.57.; Joh.15,7). Samuel hat seinen Herzens Türe weit geöffnet; daher sieht er jenen nahen Gott, der auch von fernher ist (Jer.23,23). Es erklingt die tiefe Stimme, so wundersam, wie sie niemand hat – außer ER!
„Sohn Samuel, du denkst, weil Friede ist, viel Volks die Hütte sah, und nun wäre alles gut, mindestens für lange Zeit. Du kennst des Volks Geschichte, die der Völker um euch her und weißt, daß die Kriege durch die Grenzen kommen, die die Völker setzten. Das wird so bleiben, weil jeder mehr als der andere haben will. Zeigt sich irgendwo ein armer Reichtum der Materie, greift man gegenseitig zu den widerlichen Waffen.
Das ist der Wahn der Weltlinge, die sich der Materie verschreiben; und wie man – immer für sich selbst – das Heiligtum entwürdigt hat, so wird ferner MEINEM NAMEN angehängt, ICH hätte diesen oder jenen Krieg befohlen. Das ist in Israel, wo es das nicht geben dürfte, so eingebürgert, ,Kriege sind von Gott befohlen worden’, angeblich weil Ich die Heiden schlagen ließe.
Könnte ICH je einen Krieg befehlen, wenn Ich gebot „Du sollst nicht töten’ (2.Mo.20,12)?! Man tötet, um Orte, Menschen, Güter und was alles zu erraffen. Du wirst nichts dergleichen schreiben; wer es aber tut, dem wird einst die Abrechnung diktiert! Niemand kommt um diese Abrechnung herum!! Gilt es eines guten Willens wegen, das Letzte der Materie auszugleichen, dann ist’s jener. Segen, dessen Herrlichkeit sich sofort offenbaren kann. Sind aber Unwahrheit und Lüge, die Gebotsverletzung abzugelten, alsdann wird der Weg zurück ins Licht sehr’ schwierig sein, sei jetzt aber nicht hervorgehoben. Vor dir liegen schwere Zeiten, und du wirst dich wundern, was aus deiner Freude, deinem Danken wird.
Du meinst, brav sind sie gewesen, die sich an die Brust geschlagen haben. Gewjß gibt’s eine ‚gute Menge, die auch dabei bleibt. Jedoch die Überzahl wird bald vergessen, was in dieser Zeit geschah, zumal die offene Gotteshütte mit dem Segen Meiner Gnade, die Ich reichlich zu bemessen hatte. Das wahre Heiligtum, auch der Materie zugedacht, sind der Glaube und die Hingabe an Mich, an Mein Wort, an Meinen Willen. Denn das sei gesagt:
Mein Wille ist das Urheiligste Meiner Wesenheit!
Wer das nicht gelten läßt, hat die Bundeslade sich geraubt, denn diese, vor der Ich stehe, ist symbolhaft die ,Wahrhaftigkeit, daß Ich eher Meinen Bund der Gnade setzte, bevor ein Fall geschah. Das ist Meiner Willensherrlichkeit entsprungen, in die Ich alle Meine Eigenschaften eingehegt und für des Lichtes Kindervolk der Reihe nach herausgehoben hatte, damit auf diese Weise jedes Kind befähigt ward, Mich in Meiner Offenbarung zu erkennen.
Du bist traurig ob der finsteren Tiefe, in die der Mensch sich leicht verliert. Aber unter dieser Tiefe, die auszuloten ist, liegt MEINE TIEFE, und die wird ewig nie ein Kind ergründen! Selbst die EngeIsfürsten stehen still davor, sie ahnen Meine Schaffensmacht. Niemals hegten sie den Wunsch, bis zum Urgrund vorzudringen. Gerade darum haben sie sehr viel ergründen können. Also gibt’s für kein Geschaffenes einen letzten Grund, weil Ich für sie einen solchen nicht besitze, es müßte sonst für Mich einmal wie einen Anfang, so Meines Wesens Zunahme gegeben haben.
Du verneinst es, bist ja selbst zum guten Teil in jenen Grund hinabgestiegen, den Ich für die Kinder extra schuf. Ein Geschöpf braucht einen Boden, auf dem es stehn und wandeln kann, zumal in der Erkenntnis über Mich. Wer Mich erkennt, so wie Ich Mich für Meine Kinder offenbare, der hat Mich in dieser Hinsicht ganz erfaßt; und mehr bedarf es nicht!“ Gott schaltet eine Pause ein; Er sieht, was des Sehers Herz beschwert.
Dieser sagt bescheiden: „Darf ich Dich etwas fragen?“ „Du bist einer Meiner Söhne, weshalb solltest du dich deinem Gott, der dein Vater ist, nicht anvertrauen? Denke jetzt nicht gleich, Ich würde es doch sehen, was stark in deiner Seele brennt. Ja, niemals ist Mir irgendwas verborgen. Doch wo bliebe eure Seligkeit, dürftet ihr nicht mit Mir reden? Gab Ich euch die Sprache samt Befähigung zu denken, reden und zu handeln denn umsonst?“
„O Vater, daß ich Dich so nennen darf, ist allein schon höchste Seligkeit, die ich mir erträumen kann.“ „Bloß erträumen“, lächelt Gott so lieb, daß dem reifen Mann die Tränen rinnen. „Was der Mensch erträumt, ist zumeist ein Nebel, der dem Licht nicht widersteht (Pred.5,6). Wird jedoch ein heimgekehrtes Kind die erste Seligkeit genießen, dann ist’s ihm wie ein Traum (Ps.126,1). Und der ist echt, weil er aus dem Glauben und dem Dienen während seines Wanderweges kommt. Das nennt man selige Gewißheit.“
„Dank, O Vater, vielen Dank! Ich wollte fragen, ob Du Dich einst anders offenbarst als jetzt und wie es früher war. Ich las einmal in einer Rolle, sogar Mose zweifelte mitunter, ob er Dich wirklich sah. Ihm war das immer wie ein Traum. Heute sehe ich Dich wie den Freund und bin doch gewiß, das sei nicht die höchste Form, die Du besitzt. Du mußt anders sein, so …“ Samuel stockt, das Gefühl kann er nicht beschreiben. Sollte das vor Gott auch nötig sein? Wieder dieses göttlich-hehre Lächeln.
„Strenge dich nicht an, Mein Sohn, Deine Liebe, von der Ehrfurcht eingerahmt, möchte Mir das Beste schenken, dessen dein Geist fähig ist. Nun, diese Gabe liegt bereits auf Meinem Heiligen Herd, nicht hier die Bundeslade“, Samuel hatte sich ein wenig hochgereckt, um zu sehen, was da läge. „Kehrst du zu deiner Stunde heim, dann wird der Segen aus der Gabe dir zuteil.“
„Vater, das ist zuviel, was Du gibst, ich kann Deine Fülle nie erfassen. Trotzdem möchte ich gern wissen, wie Du Dich in Zukunft etwa zeigst. Denn“, Samuel fügt langsam an, ihn schmerzt ein Bild, „entfernt man sich stetg mehr von Dir, wenn die Liebe stirbt, der Glaube totgetreten wird und man Dir auszuweichen sucht oder Dich zu menschlich sieht – was dann? Kannst, willst Du Dich dann anders offenbaren? Müßte nicht der Mensch vergehen, selbst wenn Du in der kleinen Herrlichkeit erscheinst ?“
„Da frage Ich zurück“, erwidert Gott, „dann erlöse Ich Dich von der Last. Das Bild wird dir freilich nie entschwinden. Du bedenkst die ,kleine’ Herrlichkeit. Kannst du den Unterschied zwischen einer kleinen oder großen Offenbarung deuten?“ „Nein, ich weiß ja nicht, ob es dieserart bei Dir ein Großes oder Kleines gibt. Ich meinte aber so: wenn der Mensch ob seiner Sünden Deine Herrlichkeiten nicht verträgt, Du ihn aber auch erlösen willst und – wirst!, müßtest Du ihm so begegnen, wie er Dich ertragen kann.“
„Darin hast du recht, Samuel, bloß muß Ich nicht, sondern werde tun, was Mein Urgrundwille jederzeit für jedes Kind bedenkt. Noch eine Frage stelle Ich: Solle Ich erst dann ein Kind erlösen, wenn nach der Reue der Glaube und aus ihr die Buße kommt, und erst dann die Schau (2.Kor.5,7)? Wäre so die leichtere Erlösung zu erzielen? Du erlebst es, daß die ,Schau in Meine euch gestiftete Hütte’ rasch verweht, vergessen wird. Dafür hängt man sich weit lieber an die Vergänglichkeit der Welt.“
„Herr, wer kann alIes übersehen, alles wissen oder gar zu einem Ende führen als Du allein! Ob Du Dich aber einst verhüllst oder selten zeigst, weil das für die Menschen besser ist, die mehr und mehr sich von Dir lösen?“ „Genau, Mein Samuel! Das begreifen dann die Licht-kind-geister und die reiferen Menschen, daß Meine Verhüllung eine beste Offenbarung für sie ist. Die Materie wird gereinigt. Doch ein wirkliches Verbergen ohne jede Offenbarung gab es bei Mir nie und wird es niemals geben, ganz gleich, ob die von Menschen arm gemachte Zukunft anderes erscheinen läßt.
Was hätte Ich davon, ein Volk zu schaffen und Mich, der Ich sein Vater bin, war und bleibe, nicht zu zeigen? Schau und Lehre gingen immer Hand in Hand. Erst durch den Fall mit der dadurch geschaffenen Materie war zwecks Erlösung aller Hingestürzten die Verhüllung mit gegeben. Nicht im Reich, das ewig Licht und Leben birgt! Für den Abfall trat und tritt das WORT in Kraft. Wenn Ich den Schlußstein (Golgatha) zur Erlösung setze und wie ein Mensch zur Erde komme, dann gilt vor allem die Lehre, gilt das Wort.“
„Wie wird das werden?“ Samuel ist jetzt mit Gott verbunden beinah so, als spräche er mit seinem besten Freund. „Ich wage nicht, Dich anzurühren; denn Du bist Gott, bist kein Mensch. Wie geschieht das denn? Sicher ist Dir alles möglich, Du kannst so und so erscheinen, vorgesehen aus dem Willen, dem Urheiligsten Deines Wesens. Doch verstehen – ? Da mangelt es bei mir.“
„Jetzt mangelt es, Mein Samuel! Du wirst einst von höherer Warte aus das Wunder sehen: Ich, ein Mensch auf dieser Erde, um die Armen zu erlösen. Und bleibe, was ich ewig war und bin: G0TT! Meine Gottheitseitsfülle außen zugedeckt, in Mir ohne jede Einschränkung (Ko.2,9)! Da wird Mein Wort als Lehre die eigentliche Offenbarung sein. Mancher wird’s jedoch erkennen, wer und was Ich bin.
Die Großen, dann zumal in Israel, das man Juda nennt, die werden schreien: ,Was will der Verwirrer?’ Sei nicht verzagt, weil du die Bilder siehst. Nichts gelingt, was sich auf den Weltsinn stützt, mag es auch gewaltig anzusehen sein. Das ist wie eine Nuß, außen glänzend, hart, das Innere ist hohl und schwarz. So wird man sich zu tarnen wissen; Meine Gaben sind jedoch vertan. Und die Schreier werden allen Völkern die Verwirrung bringen. – Noch sei dir einiges dazu gesagt und wird diese Rede eine große sein. Alles andere, was dir hinzugegeben wird, ist die Hilfe, die du brauchst.“
„Heiligguter Herr, Dir danke ich im voraus für die Hilfe, die ich immer brauchen werde. Wichtig ist für mich zu erfahren, was Du mit dem Bund, den Du einst getätigt hattest, meintest. Man macht einen Bund mit einem Freund, wo nötig auch mit einem Feind. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Mit wem hattest Du ihn denn geschlossen, und vor einem Kindesfall? Wir wissen, daß es diesen gab und nennen den einst Abgestürzten Asmodi, den Thopheth. Oder hast Du Dich vielleicht mit Deinen Fürsten abgesprochen, wie Du einmal offenbartest, Mose wäre so ein Fürst gewesen?“
„Ja, Mose war ein solcher Fürst, Abraham, Henoch und andere, und es werden weitere erscheinen. Gut ist dein Bedenken, es zeigt an, wie weit du in der Lebensschule vorwärts kamst. Auf der Erde wird weltlich auch bei Meinen lieben Großen immer eine Strecke fehlen; bei den lieben Kleinen messe Ich nicht jeden Schritt. Die Eingeburt in die Materie legt manche Lasten auf ein Kinderherz. Von all den Hingefallenen ganz zu schweigen, die – was man seltenst merkt – in ihrer Finsternis verstrickt absonderliche Gnade brauchen. Die wird sich richtig erst im Jenseits zeigen, was für solche Seelen dann die bessere Erziehungsanstalt ist. Noch etwas zum Bund, obwohl das jetzt Gesagte mit dazu gehört.
Mit wem sollte Ich ein Bündnis schließen können oder müssen? Das ,Muß’ hast du schon gestrichen. Recht getan, Mein Samuel! Ich will dich erst das leichtere Exempel lehren. Sieh, nimmt man sich etwas vor, so muß man – und da gilt das Muß – die Kraft in Anspruch nehmen samt guten Willen, um den Vorsatz auszuführen. Du hast auf diese Weise also mit dir selbst ein Bündnis abgeschlossen. Wenn es einmal hapert, wie bereits geschehen, da hast du dich im Selbstgespräch ermahnt: ,Ich muß es tun, darf es nicht vergessen’, oder: ,Ich habe es versprochen, mugß es daher halten.’ Zwar unendlich anders ist es bei Mir ebenso gewesen.
Im hehren Heilig Meiner Allmacht sah Ich Mir ein Volk der Liebe vor, aus Meiner Willensherrlichkeit zu schaffen und wollte ihm, dem Lichtvolk, alles geben, was zu seliger Entwicklung nötig sei. Weil da noch das Tiefste Meiner Wirksamkeit in Mir verborgen blieb und außerhalb von Meiner Wesenheit noch nichts bestand, in Mir aber im Gedankenreichtum alles fertig war, konnte Ich wohl rechtens bei Mir selber schwören (Hebr.6,13), ein Höchstes dranzugeben, um Mir ein liebes Kindervolk zu schaffen.
Ich schwur Mir aus dem ERNST der Heiligkeit, ein größtes Opfer aufzubringen, dem kein anderes gleichen würde. Das war Mein Bund, den Mein Ernst mit Meiner Liebe schloß, allein – der Willensmacht entnommen, um so den Ernst als Diener für die Liebe einzusetzen, damit – sollte es geschehen – kein Kind verloren ging.
Weil Ich Meine Kinder auf die Entwicklungsbasis stellte, ward es nötig, ihnen jede Hilfe zuzusagen, ehe sie geboren wurden. Du wirst das noch erkennen und weißt hernach, was Mein Bund bedeutet hatte. Wie Ich ewig bin, so auch Mein Bund: ohne Anfang, ohne Ende, ohne aufhören Meiner Macht und Kraft!
Was aber nun: ,Ihr sollt kein falsches Zeugnis reden wider einen Nächsten’ (2.Mo.20,16), was als ‚schwören’ angesehen wird? Man hat sich das Gebot bereits verdorben und schwört oft falsch. Ein Schwur des Menschen ist weniger als ein nebelhafter Abglanz Meines hohen Bundes, es sei denn, man würde um der Wahrheit willen einem Angeklagten helfen und für dessen Unschuld vor dem Richter zeugen. Das ist recht getan und sehe Ich sehr gnädig an.
Mein Bündnis, das Ich, für die in Mir noch ruhenden Kinder schuf, läßt sich niemals mit dem besten Bündnis auf der Welt vergleichen. Dir steigen dabei weitere Gedanken auf, wie Ich das mit jenen Grenzen meinte, die sich die Völker machen, ob Ich’s befohlen oder aber zugelassen hätte. Keins von heiden, lieber Sohn!
Während der Matteriezeit kann sich manches selbst entwickeln; da wirkt Meine Willensmacht wie in bestimmten Grenzen. Das geht dir nicht recht ein. Gewiß gibt’s bei Mir keine Grenze, weil Mein Allmachtsschaffen unaufhörlich ist! Wie Mein Urgrund keinen Grund besitzt, so nicht Mein Raum und Meine Zeit. Bloß für die Geschöpfe schuf Ich auf der Basis ihrer Lebensmöglichkeiten Grenzen, um sich innerhalb derselben zu entfalten.
Eine Grenze bleibt: niemand kann an Meine Stelle treten, man müßte denn so sein wie Ich! Dann gäbe es zwei Götter, dadurch auch zwei Machtbereiche. Der Glaube an den EINEN Gott wäre falsch! Ich nenne diese Grenze die ,gesegnete Barriere’, die nicht nur Halt gebietet, sondern jeder ,Anhalt’ für die Kinder ist. Gerade darin offenbart sich neben Meiner Herrlichkeit ihr wahres Leben. An diesem Anhalt stehen sie Mir gegenüber, auch von ,Angesicht zu Angesicht’ (2.Mo.33,11 u.a.), wenn während eines Wanderweges solches für sie nötig wird, oft mit für viele andere (2.Mo.24,11).
Im Licht gibt’s kein Verhüllen; denn die ,Engel sehen allezeit das Angesicht ihres Vaters im Himmel’ (Matt.18,10). In den Stufen die zur Höhe führen, wo die Läuterung der Armen vor sich geht, bin Ich – wie auf dieser Welt – seltener zu sehen; dann und wann, zum Heile solcher Seelen.“
„Vater, herrlich sorgst Du vor! Als ich noch zu Hause war, konnte ich nicht ahnen, Dich, den ich verehren lernte, einst als VATER kennen lernen würde. Das weiß ich aber nicht genau, warum Du mich zur Mitternacht gerufen hast: viermal. In der Nacht herrschte ja die Dunkelheit; und heimlich, nächtens, wirst Du bei uns sein, was sich als hocherhabener Segen zeigt. Nicht immer offenbar, und doch da! Bloß daß DU mich viermal gerufen hast, habe ich bisher noch nicht erkannt. Auch Eli wußte keinen Rat.“
Freundlich nickt der Herr: „Eli konnte das nicht wissen, und auf dieser Welt wird’s lange währen, bis ein Mensch die tiefere Schau erlernt. Kannst auch ,höher’ sagen. Was Ich dir künde, verschließe fest in dir. Du wirst niemand finden, der das Geheimnis aufzunehmen weiß. Wer lehren kann, dem wird mehr gegeben, selbst wenn er nicht darüber offen reden kann, nicht soll.
Das ist so ähnlich wie bei Mir. Ich offenbare Mich, mit und ohne Schau. Wer Mich sieht, wie du, wird keineswegs das Heiligste einer personaliten Offenbarung kennen. Senke nicht den Blick, das wäre ja ein großes Manko, wenn du Mich siehst und nicht erkennst (Hebr.13,2). So ist das nicht! Hierbei enthülle Ich den vierfachen Ruf, soweit für diese Zeit es nötig ist.
Sieh, würde Ich den Menschen auf der Welt die Fülle geben, wo wäre einst die Seligkeit, die dem Lichtreich innewohnt? Vorweggenommen! Und was dann? Soll es hinterher bloß eine Wiederholung von der Gnade sein, die Ich vorzeitig einem Menschen angedeihen ließ? Dabei sei versichert: die Gnade, die ein Kind auf seinem Wanderweg durch die Materie erhält, ist so groß, daß es diese erst bei seiner Heimkehr ganz verstehen und ermessen lernt -nach dem Kindesmaß.
Unterschiede Meiner Gnade gibt es nicht! Nur wie Ich sie verleihe, auf die Lebensgasse eines Kindes streue, darin gibt’s ein Zweierlei: in der Weltmaterie das sogenannte kleine Maß, dessen Größe niemand auszumessen weiß, im Vaterhaus der Kinder offenbart sich dann das sogenannte große Maß. Wird es dir möglich sein, das groß und klein der beiden Maße zu erkennen?“
„Nein, lieber Vater, weil man seinen Geistanteil nicht völlig wirken lassen kann, durch die Materie behindert. Doch bleibt das Gnadenmaß sich gleich, durch Deine Güte unserm Dasein angepaßt. Sind wir heimgekehrt, von dem Fall befreit, dann können wir Dein Wesen anders sehen, Deine Gnade, Deine Herrlichkeit. Es ist alsdann viel mehr davon zu sehen, was Du stets zu allen Zeiten gibst.“
„So ist es auch. Durch erhöhte Klarheit lernt ein Kind Mein Wesen mehr und mehr verstehen, bis es zu jener Grenze kommt, die einen Schöpfungstag beschließt. Davon hatte Mose viel gewußt. Nun merke auf: Der vierfache Ruf, wobei du weiteres Meiner Gottesherrlichkeit verstehen lernst.
Zwar sehr selten, ahnen es die Menschen, wie und wan Ich rufe, und das bei jedem Kind viermal. Wird nicht acht gegeben, so bleibt der Segen dennoch auf den Rufen haften, bei den Unachtsamen in der Abrechnung, die stets erfolgt, zuletzt bei jener Rechnung vor dem Tor ins Himmelreich. Das ist eine Wechselwirkung, einzig und allein zum Heile solcher Kinder.
Ich hob alle Meine Werke aus dem Schöpfer-, Priester-, Gott- und Vatertum heraus, aus Meinem viergeteilten Herzen! Und das bleibt ewiglich! Für die Kinder, die auf der Entwicklungsbahn nebst Meiner Lenkung wie aus sich selber zur Erkenntnis kommen sollen, wirke Ich im ersten Ruf als Vater, dann als Gott, Priester und zuletzt als Schöpfer. In der gesetzten Reihenfolge lernt jedes leichter, Mich zu erkennen und zu lieben. Diese Maßnahme lag mit in Meinem Bund, über den du heute manches hörtest.
Sadhana und Meine sieben Fürsten sahen erst den Schöpfer; doch legte Ich darüber einen Schleier. Später mußten sie Mich auch zuerst als Vater anerkennen. Doch da waren sie schon reif genug, um die Wechselwirkung aufzunehmen. Du denkst, darin hättest du recht viel versäumt. Zu Hause hättest du den Namen GOTT gekannt, allenfalls noch ,Herr’ und ,Heiliger’.
Sieh die Lehre an: Was ein Mensch als Kindlein lernt, ist nichts anderes – im Vergleich – als etwa ein äußeres Gewand von Mir, so wie ein Kindlein selbst sich auch nicht gleich erkennt. Es lebt, ohne Wissen, warum und wie. Erst wenn das Verständnis kommt, erkennt es seine eigene kleine Wesenheit. Dann lebt es ganz bewußt, dann spürt es nichts mehr von der ersten Lebenszeit. Ebenso ist’s auch bei der Erkenntnis über Mich.
Der vierfache Ruf war der Reihe nach als Vater, Gott, Priester und als Schöpfer vorgesehen, aus welcher Folge, umgekehrt, du zu Mir gelangen konntest. Am Ende soll ein Kind für diesen Schöpfungstag so reif geworden sein, daß keine Unterschiede mehr bestehen. Dann bin Ich für allesamt, was die Gottheit ewig war, ist und bleibt. In des Reiches Lichtregionen kennt man Meinen Namen (UR), für diese Welt bleibt er noch lange zugedeckt und dir kann genügen, daß Ich dir nun alles bin.“
„Ja, Vater, ja!“ In allem möchte ich Dir danken. Im geheimen, wie Du das so herrlich zeigst, spüre ich, was dem Reich verbleiben muß (der geheime Name, s. OJ.19,12 u.a.). Mir ist, als könne ich’s im Herzen lesen, ohne zu verstehen; aber ,es’ ist da, so wie Du, „,Herr und König aller Könige, stets allgegenwärtig bist.“
„Sei sonderlich gesegnet, Mein Prophet. Du hast viel gehört, doch etwas sei hinzugefügt, damit du weißt, wie du dich verhalten mußt, Sogar ein Irdisches zeige Ich dir auf, zu deinem großen Schutz und Nutzen. Pilgere nach Rama, dort wirst du finden, was du weit besser brauchst als hier in Silo.“ „Besser?“ wagt, Samuel zu unterbrechen, „wo doch hier Dein Heiligtum, die Hütte steht?“
„Das Äußerliche, für die Welt gesetzt!“ Es klingt streng. Samuel hört jedoch den Liebeton. „Wo ICH bin, da ist Mein Heiligtum, und das bin Ich! Du findest nirgendwo ein wahres ,Hilig’ als allein bei Mir! Der Weltmensch will Mich bloß nicht immer bei sich wissen, da würden ja die Freuden dieser Welt vergehn. Nimm also mit, was du jetzt empfangen hast, dann bin Ich für dich der überall!
Silo sollst du absolut nicht meiden, der Freunde wegen, die an dir den Halt gefunden haben.“ „An Dir, Herr, nicht an mir.“ „Schon recht; über dich kann mancher zu Mir finden. Und wisse noch: du nanntest Mich den König aller Könige. Das wäre für das Volk, das durch Abraham zum wahren Glauben kam, genug, Mich als seinen König zu betrachten. O, das Glitzerzeug der Fremden, die das nicht anders wissen und ihnen auch vergeben wird, sticht ins Gemüt. Man tauscht Mich gegen einen Weltenkönig aus.
Wundere dich nicht, wenn Ich dir verkünde: sobald Israel einen König haben will, so salbe ihn. Du wirst erkennen, wer er ist. Nicht sollst du salben, weil ICH ihn wähle; wer eben durchaus sich das Mindere gegen echtes Hohes einzuhandeln weiß, der muß sich dieses Mindere gefallen lassen.
Dieser erste König und die ihm folgen werden, bringen Israel mit an des Grabes Rand. Erst wird viel Ruhm und Ehre sein. Wie jedoch der Mensch ins Grab versinkt, so aller armer Glanz der Welt. Lasse ihren Lauf und zeig’ es denen an, die mit dir den wahren Bund zu halten wissen, was geschehen wird.
Du bittest, das Vergängliche aufzuhalten um der Gnade willen, die Ich angedeihen ließ, soweit du rückwärts schauen kannst, und weil Meine Gnade ewig währt. Gewiß! Ohne diese wäre ganz zerstört, was sich abgesondert hat und noch wenden wird. Aber nichts geht MIR verloren! Es gibt keine Ewigkeit, die Verlorenes zu tragen hätte!
So viel erhält die Gnade, wie die gesamte Menschheit vom Anfang bis zum Niedergang niemals errechnen kann. Bringe denen, die getreu zur Wahrheit stehen, Meinen offenbaren Segen. Ich bin die Wahrheit! Alle andern schließe durchs Gebet in den geheimen Segen ein. Nicht du sollst segnen. Bedenke, was Ich zu Mose und zu Aaron sprach:
,Wenn ihr aber segnet, so sprecht: der HER R segne dich!’ (4.Mo.6,24)
Wer das Wort verändert, begibt sich Meines Segens, mindestens für lange Zeit. Wandele hin fort in Meinem Namen, Ich offenbare dir es stets, was du für die Arbeit eines Sehers brauchst. Jederzeit bin Ich dir nahe.“
Schon eine ganze Weile hat sich Samuel gebeugt; auf beiden Knien liegt er vor dem Herrn. Sein Geist betet Ihn in Ehrfurcht und in liebe an. Er sieht es nicht, wie die Altarflamme ,Ariel’ zur Decke strebt, ohne daß das Feuerlicht vergeht. Nach langer Zeit findet er ich sozusagen wieder, betastet sich, ob er es noch ist, oder ob er alles irgendwo erlebte – bloß nicht auf der Welt.
O, er ist in Gottes Hütte, die in Silo steht; er hat Pflichten übernommen, die – nach und nach fallen sie auf ihn wie eine Last er für den EINEN, für Israel, vielleicht einmal als Samen für die ganze Menschheit auszuführen hat.
NEUOFFENBARUNG