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KARMUNO SIEGT

Areval war durch die heftige Erschuetterung seiner Nerven voellig zusammengebrochen: durch den

Fluch des Bruders und den Mord seines eigenen Sohnes, der eine Frucht seines verbrecherischen Anschlages auf die damals gewaltsam entfuehrte Fedijah war. Nun kam die Zeit, in der Karmuno ihn wieder wie frueher voellig beherrschte. Den Dienern hatte Karmuno bei strengster Strafe verboten‘ von dem Vorfall im Parke nur ein Wort zu reden. Nur Artaya kannte den Vorfall und hatte ihn Karmuno berichtet. Dieser wusste ihr sofort klar zu machen, wie sehr ihr Interesse verlangte, darueber zu schweigen, dass vielleicht ein Thronerbe vorhanden, dessen Tod ungewiss sei.

Wohin hatten sich aber Muhareb und Upal gewandt? Das zu erfahren, war dem Oberpriester wichtig, ebenso ob Muraval nur eine schwere Verwundung erhalten oder tot sei. Er vermutete Muharebs Zufluchtsort am

Meeresgestade und wurde in dieser Ansicht bestaetigt, als Areval ihm die Entdeckung Arvodos von den wunderbaren Schaetzen in den Hoehlen des Wirdu berichtete. Sogleich gab er Befehl, dass eine groessere Anzahl der getreuesten Tempeldiener – die laengst verlernt hatten, sich vor Goettern, Daemonen und Allvater zu fuerchten – sich bereit mache, in die Hoehlen des Wirdu zu dringen, um dem Zufluchtsorte Muharebs einen Besuch abzustatten. Unter seiner Fuehrung gelangten sie vom

Meere aus zu dem kleinen Paradiese. Sie fanden die einstige Wohnstaette des Koenigssohnes, aber sie war leer! Nichts verriet, dass sie in letzter Zeit bewohnt worden sei. Auch der Gang in das Innere des Berges wurde gefunden, die Staette, an der einst Fedijah versteinerter Koerper gelegen; doch leer war auch diese Grotte, keine Spur der einstigen Naturkostbarkeiten mehr vorhanden.

Duesteren Blickes und ahnungsvoll ordnete jetzt Karmuno an, tiefer in die Hoehlen des Wirdu einzudringen. Zahllose Mangafackeln wurden aufgestellt, die die gewaltigen Hoehlen taghell erleuchteten. Die noch sichtbaren Spuren im feinen Sande zeigten deutlich, welcher Weg einzuschlagen war; er fuehrte zu all den Stellen, die einst Upal dem Arvodo gezeigt. Doch leer war es auch hier. Herausgebrochen war der kostbare Orostein, das weisse Rod; kahles Gestein, geborstene Felsen starrten ueberall, keine Schaetze des Daemons Usglom winkten.

Karmuno fand auch die Stelle, wo das Luftschiff Upals gestanden hatte. Er sah hinauf in den Riesenkamin, der nur mittels einer solchen Maschine zu erreichen war und musste sich sagen, dass die oben befindlichen Schaetze vorlaeufig auch ihm unerreichbar blieben. Wut im Herzen, musste er unverrichteter Sache mit den Seinen umkehren. Er verwuenschte den schlauen Upal, der, wie er sicher annahm, ihm zuvorgekommen war. Karmuno musste seinen Ingrimm niederkaempfen, gegen diese Tatsachen half nichts als Geduld.

Areval wuetete, als Karmuno ihm mitteilte, dass weder von Muhareb noch den Schaetzen auch nur das Geringste zu finden sei. In seinem kranken Gehirn bruetete er einen Gedanken aus, der ihn immer mehr beherrschte, bis er sich endlich zu einem furchtbaren Befehl aufraffte.

Er wurde von dem Glauben besessen, dass sein Bruder sich mit dem Daemon Usglom zu seinem Untergange verschworen habe. Dass darum Usglom die Schaetze nur in groessere Tiefen versenkt habe und dass im Inneren der Berge Muhareb mit Usglom hause, um ihn und sein Haus zu verderben. In fuerchterlicher Wut rief er eines Tages: „Ersaeufen will ich beide, denn ich bin der Herrscher von Mallona, mir gehoert diese ganze Welt! Herr bin ich der Oberwelt wie der Unterwelt. Usglom, Du alter Feind meines Stammes, ich vernichte Dich! "
Er gab Befehl, man solle die Felsen mit Nimah sprengen und das Meer hineinleiten in die Hoehlen des Wirdu. So wolle er Usglom und Muhareb, den Erbfeind und den Thronfeind besiegen.
Karmuno versuchte ihn vergeblich davon abzubringen. Die Wahnsinnsidee war staerker. Schliesslich gab Karmuno nach, denn er glaubte, dass dieses Beginnen von keinen groesseren Folgen sein wuerde, als dass die Hoehlen sich mit Wasser fuellen wuerden. Heimlich hoffte er jedoch, dass der Koenig bei dem vermeintlichen Sieg ueber Usglom seinen Untergang finden wuerde.

Artaya litt stark unter der Tyrannei ihres Vaters. Nur sie und Karmuno duldete er um sich. Unwillkuerlich schloss sie sich dadurch dem Hoechstpriester naeher an, der es verstand, sie zu bedauern und ihr Ratschlaege gab, wie sie den Anfaellen des Koenigs am besten begegnete. Weiter wusste er Arvodo hinzustellen als einen Mann, der nur selbst herrschen wolle durch sie, der ihr das Zepter entwinden wuerde und nicht daran denke, sie an der Herrschaft teilnehmen zu lassen.

Alle diese heimlichen Einfluesterungen liessen sie viel darueber nachdenken, ob es nicht besser sei, des Hoechstpriesters Weib zu werden, dessen Macht und Einfluss sie sehr wohl kannte. Karmuno, gewandt in allen Kuensten, huldigte der Schoenheit Artayas. Und da das Fest der Schoenheit nahte, an dem stets das schoenste Maedchen fuer eine laengere Zeit als sichtbare Goettin der Schoenheit gefeiert wurde, liess er durchblicken, dass Artaya vielleicht in seinem Priesterreich den Sieg erringen koennte. Das eitle Geschoepf wurde berauscht von dem Gedanken, diesen Preis erringen zu koennen, der als das Hoechste auf Mallona galt, zu dem ein Weib emporgehoben werden konnte.

Karmuno war nun seiner Beute sicher. Den kranken Koenig zu gewinnen, fiel ihm leicht. Arvodo wurde durch sein Heer am Gebirgsfusse festgehalten, keine Nachricht von dem Geschehenen gelangte zu ihm. Am Tage des grossen Opferfestes der Goettin der Schoenheit ward Artaya der Schoenheitspreis zuerkannt. Karmuno erhielt die Hand der Prinzessin. Der Tempel triumphierte.

Fern am Meeresgestade aber ertoenten wuchtige Hammerschlaege zur Herstellung der Minen, deren Sprengung dem Meere einen Zugang in die Hoehlen des Wirdu verschaffen sollte

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