Vaterbriefe Band 1 / "Von der Kunst – das Wort Gottes, oder die Wahrheit zu erkennen." Joh 7,17
161. – 29. Februar 1880 "Von der Kunst – das Wort Gottes, oder die Wahrheit zu erkennen." – Johannes 7, 17 –
Meine Lieben!
Einst sprach Ich zu den Pharisäern (Johs. Kap. 8,12): "Ich bin das Licht der Welt, wer Mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!" Diese Worte gelten auch heutzutage noch Allen, welche suchen durch tätige Liebe und durch Gehorsam Meinen Geboten nachzukommen.
Sie werden dieselben in ihrem Herzen aufgezeichnet finden, sobald sie darauf achten, und es wird ihnen nicht schwer werden, die reine Wahrheit von den menschlichen Beisatzungen zu unterscheiden; denn durch menschliche Auslegung ist dieselbe so entstellt, daß nur Diejenigen die Wahrheit im richtigen Lichte erkennen, welche (direkt) zu Mir halten.
Darum ist dieselbe auch so selten zu finden und drängt sich die große Frage auf: "Was ist Wahrheit?" Aber diese Frage kann nicht im Allgemeinen gelöst werden, sondern eine jede Seele muß darüber einzeln belehrt werden, durch den heiligen Geist.
Gleichwie die Pharisäer an Meiner Rede Ärgernis nahmen, nicht weil sie Mich nicht erkannten, sondern weil sie ihrem Gott Jehova untreu und abtrünnig waren; und gleichwie sie, so sie ihren Wandel nach den Geboten Gottes eingerichtet hätten, wie sie es doch vor dem Volke vorgaben, dann die Kraft des heiligen Geistes an sich verspürt und durch dieselbe noch vieles andere bewirkt haben würden, – so ist es auch jetzt noch.
Nicht in die Worte des viel Wissens lege Ich die wirkende Kraft, sondern in das Streben selbe zu befolgen, das durch sie bei Jedem, der redlichen Willens ist, hervorgerufen wird.
Wer da angefangen hat, auf Meine Stimme zu hören, die immer deutlicher in ihm spricht, je mehr der Mensch auf Meine Seite tritt, und den weltlichen Einflüsterungen (sei es durch die Sinne oder durch die Umgebung anderer) nicht mehr Gehör gibt, der wird zur vollen Gewißheit kommen – was Wahrheit ist.
Diese Überzeugung macht die Seligkeit des Menschen aus; denn sie führt von Gott dem Schöpfer zum Vater, und macht es ihm möglich, mit Demselben zu verkehren.
So hängt also auch euer Wohlergehen davon ab, daß ihr den Vater erkennet und Ihm folget, nach eurem Gewissen, welches immer feiner wird, wenn ihr in stetem Umgang mit Mir lebet, wo Ich euch in alle Wahrheit leiten will, und Niemand euch aus Meiner Hand reißen soll.
Dann werde Ich, ohne euer Zutun und Wissen, Meinen Segen durch euch auch andern zufließen lassen, daß ihr darin Meine Weisheit und Allmacht erkennet. Leider aber kann Ich euch noch nicht das Kindesrecht in seiner Vollständigkeit geben, so lange die Eigenliebe noch zu viel Raum bei euch hat, und nicht Mir euer ganzes Herz angehört.
Durch eure Eigenliebe bin Ich oft genötigt, einen Teil eures Willens durch allerlei Umstände zu beeinträchtigen, damit durch das Gelingen eure Eigenliebe nicht noch vergrößert wird. Oft muß Ich sogar Mir wohlgefällige Unternehmungen vereiteln; nur um eurer selbst willen; denn alles, was ihr tut, soll zuerst euch selbst zum geistigen Gewinn werden, und dann erst zu Meiner Ehre dienen.
Darum untersuchet euch genau bei Allem, was ihr vornehmen wollet, und ihr könnet so die Antwort auf eine Frage oft sogleich im Innern erhalten; denn bei Mir ist es anders als bei den Menschen. Ich nehme nur Gaben und Opfer an, damit der Geber den Gewinn davon hat, während bei den Menschen der Empfänger beglückt wird.
Jede Mir gebrachte Liebesgabe vergelte Ich mit ewigem göttlichen Werte; während die Opfer, welche der Eigenliebe gebracht werden, Verdruß und Undank ernten. So haltet euch auch heute wieder an Meine Worte der Verheißung, dann werdet ihr das Kostbarste erhalten: Das wahre Licht des Lebens, welches sicher leuchtet auf dem Wege zur ewigen Seligkeit. Amen!
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