Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Und es sprach zu ihr die Wehmutter: Fürchte dich nicht” bedeutet das Innewerden aus dem Natürlichen. Daß die Wehmutter hier das Natürliche bezeichnet, kommt daher, weil, wenn man innere Versuchungen erleidet, d.h., wenn der innere Mensch Versuchungen erduldet, dann das Natürliche gleichsam wie eine Wehmutter (Hebamme) ist, denn wenn das Natürliche nicht beisteht, kommt niemals irgendeine Geburt des inneren Wahren zustande, denn das Natürliche ist es, was das innere Wahre, wenn es geboren ist, in seinen Schoß aufnimmt, denn es gibt ihm die Kraft hervorzudringen.
Mit der geistigen Geburt verhält es sich so, daß die Aufnahme durchaus im Natürlichen stattfinden muß, daher kommt es, daß, wenn der Mensch wiedergeboren wird, zuerst das Natürliche zur Aufnahme vorbereitet wird, und in dem Maße, als dieses empfänglich geworden, kann das innere Wahre und Gute gleichsam ausgebrütet und vervielfältigt werden. Hierin liegt auch der Grund, daß, wenn der natürliche Mensch nicht vorbereitet wurde, das Wahre und das Gute des Glaubens im Leben des Körpers aufzunehmen, er es auch im anderen Leben nicht aufnehmen, somit nicht selig werden kann. Dies ist auch zu verstehen beim Gemeinspruche im Munde des Volkes: “Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen, oder wie der Mensch stirbt, so bleibt er”; der Mensch hat nämlich sein ganzes natürliches Gedächtnis oder das des äußeren Menschen bei sich im anderen Leben, aber dort ist es ihm nicht erlaubt, es zu gebrauchen, deshalb dient ihm dasselbe gleichsam als Grund und Boden, in den das innere Wahre und Gute hineinfällt. Wenn diese Grundlage nicht empfänglich ist für das Gute und Wahre, das vom Inwendigeren einfließt, so wird das inwendigere Gute und Wahre entweder ausgelöscht oder verkehrt oder verworfen. Hieraus kann man erkennen, daß das Natürliche gleichsam wie eine Wehmutter sich verhält. <HG 4588>
Daß die Wehmutter in der geistigen Welt eine andere Bedeutung hat als in der natürlichen Welt, kann daraus erhellen, daß alles, was auf die Geburt sich bezieht, folglich was zum Hebammengeschäft gehört, dort nicht vorhanden ist. Hieraus wird klar, daß die Engel, die beim Menschen, wenn er das Wort liest, anstatt der Wehmutter, etwas anderes inne werden, und zwar das, was geistig ist. Weil also die Engel ihre Vorstellungen auf das richten, was der geistigen Geburt angehört, darum werden sie durch Wehmutter dasjenige inne, was jene Geburt gefördert hat und in Empfang nimmt, und dieses ist das Natürliche. <HG 4921>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 55 →
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