Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Beschnitten soll werden alles Männliche”, daß dies die Reinheit bedeutet, erhellt aus der Vorbildung und daher Bezeichnung von Beschneiden im inneren Sinn. Die Beschneidung oder die Wegschneidung der Vorhaut bedeutete nichts anderes, als die Entfernung und Abstreifung dessen, was die himmlische Liebe verhinderte und verunreinigte, und dies ist das Böse der Begierden, besonders der Begierden der Selbstliebe, und das Falsche daraus. Der Grund dieser Bedeutung ist, weil die Zeugungsglieder beider Geschlechter die himmlische Liebe vorbilden. Es gibt drei Gattungen von Liebe, die das Himmlische des Reiches des Herrn ausmachen, nämlich die eheliche Liebe, die Liebe gegen die Kinder, und die gesellschaftliche oder gegenseitige Liebe. Die eheliche Liebe ist die vornehmste von allen, denn in ihr ist der Endzweck des größten Nutzens, nämlich die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes, und daher des Reiches des Herrn, dessen Pflanzschule es ist. Die Liebe gegen die Kinder folgt ihr zunächst, und stammt aus ihr; und hernach die gesellschaftliche oder gegenseitige Liebe. Alles, was die Liebesneigungen verdeckt, verhindert und verunreinigt, wird bezeichnet durch die Vorhaut, deren Wegschneidung oder Beschneidung deswegen
vorbildlich wurde; denn inwieweit das Böse der Begierden und das Falsche aus demselben entfernt wird, insoweit wird der Mensch gereinigt, und insoweit kann die himmlische Liebe zum Vorschein kommen. <HG 2039>
“Soll euch beschnitten werden”, daß dies die Reinigung bedeutet, erhellt aus der Vorbildung und Bezeichnung der Beschneidung, sofern sie ist die Reinigung von unsauberen Trieben. Die, welche in den Trieben der Selbst- und Weltliebe sind, können gar nicht glauben, daß sie in so Unsauberem und Unreinem sind, wie sie es wirklich sind; denn es ist etwas Behagliches und Angenehmes, das streichelt, Beifall gibt und liebkost, und macht, daß sie ein solches Leben lieben, es jedem anderen Leben vorziehen, und so meinen, es sei nichts Böses darin; denn alles, was der Liebe und daher dem Leben eines Menschen günstig ist, das hält er für gut. Daher stimmt auch die Vernunft bei, und spiegelt Falsches vor, das bestärkt, und so sehr verblendet, daß solche gar nicht sehen, was himmlische Liebe ist, und wenn sie es sehen würden, so würden sie in ihrem Herzen sagen, es sei etwas Jämmerliches oder ein Nichts, oder etwas Phantastisches, was das Gemüt wie in krankhaftem Zustand erhält. Daß aber das Leben der Selbst- und Weltliebe mit seinen Vergnügungen und Lustreizen unsauber und unrein ist, kann jedem klar sein, wenn er aus dem Vernunftvermögen, mit dem er begabt ist, denken will: die Selbstliebe ist es, aus der alles Böse herkommt, das die bürgerliche Gesellschaft zerstört; aus ihr als aus einem unreinen Brunnen entspringt aller Haß, alle Rache, alle Grausamkeit, ja aller Ehebruch; denn wer sich liebt, der verachtet entweder, oder schmäht, oder haßt alle anderen, die ihm nicht dienen, oder Ehre erzeigen, oder günstig sind; und wenn er haßt, so atmet er nichts als Rache und Grausamkeit, und zwar in dem Maß, als er sich liebt. So ist diese Liebe zerstörend für die Gesellschaft und das Menschengeschlecht. Daß die Selbstliebe die unreinste im anderen Leben ist, und schnurstracks entgegengesetzt der gegenseitigen Liebe, in welcher der Himmel besteht, wird auch im Folgenden, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, gesagt werden; und weil aus ihr Haß, Rache, Grausamkeit und Ehebruch kommt, so stammt eben daher auch alles, was Sünde, Verbrechen, Greuel und Entweihung heißt, ist sie daher in dem Vernunftgebiet des Menschen, und in den Begierden und Phantasien seines äußeren Menschen, so wird der Einfluß der himmlischen Liebe vom Herrn fortwährend zurückgehalten, verkehrt und befleckt; sie ist wie ein garstiger Auswurf, der allen lieblichen Geruch vertreibt, ja verunreinigt; und sie ist wie ein Gegenstand, der die fortwährend einfließenden Lichtstrahlen in häßliche und schwarze Farben verwandelt; auch ist sie wie ein Tiger und eine Schlange, welche die Liebkosungen speiend zurückweist, und diejenigen, die Speisen darreichen, durch Biß und Gift tötet; oder wie ein lasterhafter Mensch, der auch die besten Absichten anderer, und selbst die Wohltaten in Tadelnswertes und in Bosheiten verkehrt. Hieraus erhellt, daß jene Triebe, nämlich die der Selbstund Weltliebe es sind, die durch die Vorhäute vorgebildet und bezeichnet werden,
die weggeschnitten werden sollen. <HG 2045>
“Und das Vorhaut habende Männliche”, daß dies bedeutet, wer nicht im Wahren des Glaubens ist, erhellt aus der Bedeutung des Männlichen, sofern es ist das Wahre des Glaubens, daher hier “das Vorhaut habende Männliche” denjenigen bezeichnet, der nicht im Wahren des Glaubens, somit im Falschen ist. Das “mit Vorhaut Behaftete” wird, wie früher gesagt worden, gesagt von dem, was hindert und verunreinigt. Wird es dem Männlichen beigefügt, so ist es das, was das Wahre hindert und verunreinigt, ebenso wenn es irgendeiner anderen Sache beigefügt wird, so bedeutet es die Verdunklung und Befleckung derselben Sache, wie das mit Vorhaut behaftete Ohr, was soviel ist als: kein Aufmerken. <HG 2056>
“Daß wir unsere Schwester geben einem Manne, der Vorhaut hat” bedeutet, wenn sie nicht in dem vorbildlichen das Wahre und Gute der Kirche erkenneten und von dem abständen, was jenes bedeutet. Dies erhellt aus der Bedeutung der Vorhaut, insofern die Entfernung derselben eine äußere vorbildliche Handlung ist, zum Zeichen, daß sie der Kirche angehörten. Daher wurde es gebräuchlich zu sagen Beschneidung und Vorhaut, wenn sie zwischen denen unterschieden, die der Kirche angehörten, und denen, die ihr nicht angehörten, denn die Beschneidung bedeutet das Abstehen von unreinen Liebesarten, nämlich von der Selbst- und Weltliebe, und die Annäherung zu den himmlischen Liebesarten, die auf den Herrn und auf den Nächsten gerichtet sind, also ein Hinzutreten zur Kirche. Daher kommt es, daß durch jene Worte ein Hinzutreten zu ihrer Religion bezeichnet wird, wie auch, daß sie gleich ihnen in den Vorbildungen das Wahre und Gute der Kirche setzen sollten, indem sie sich entfernten von den inneren Dingen, die durch jenes bezeichnet werden; widrigenfalls seien sie ihnen nicht gleich. Weil die Vorhaut das Zeugungsglied bedeckt, so entsprach sie in der Ältesten Kirche der Verdunklung des Guten und Wahren, aber in der Alten Kirche der Verunreinigung derselben; denn bei dem Menschen der Ältesten Kirche konnte, weil er ein innerlicher Mensch war, das Gute und Wahre nur verdunkelt, nicht aber verunreinigt werden; dagegen bei dem Menschen der Alten Kirche konnte, weil er verhältnismäßig ein äußerer Mensch war, das Gute und Wahre verunreinigt werden, denn das Äußere, nämlich die äußeren Liebesarten sind es, die verunreinigen. Deswegen wußten diejenigen, die der Ältesten Kirche angehörten, nichts von Beschneidung, sondern nur die, welche der Alten angehörten. <HG 4462>
Die Vorhaut, sofern sie die irdische und körperliche Liebe bezeichnet, welche die geistige und himmlische Liebe verunreinigt; und aus der Bedeutung des Sohnes, sofern er das Wahre der vorbildlichen Kirche bezeichnet. Der Sohn bezeichnet das Wahre; und daß es jener Kirche angehört, hat den Grund, weil Zippora jene Kirche vorbildet, und sie ihn ihren Sohn nennt, und durch ihn die Beschaffenheit jener Völkerschaft, und daher die Beschaffenheit ihres Gottesdienstes zeigt.
Durch die Vorhaut werden die unreinen Triebe bezeichnet, weil die Lenden samt den Zeugungsgliedern der ehelichen Liebe entsprechen; und weil sie der ehelichen Liebe entsprechen, entsprechen sie jeder himmlischen und geistigen Liebe; darum entspricht die Vorhaut den auswendigsten Trieben, die körperliche und irdischen Triebe genannt werden. Wenn diese Triebe ohne inwendige Triebe sind, die geistige und himmlische Triebe genannt werden, so sind sie unrein, wie bei jener Völkerschaft, die im Äußeren ohne das Inwendige war. Ohne das Inwendige wird gesagt, und dadurch verstanden, daß keine Anerkennung des Wahren und keine Neigung zum Guten, somit kein Glaube und keine Liebtätigkeit vorhanden war, denn diese gehören dem inwendigen Menschen an, und daraus gehen die Übungen der Liebtätigkeit hervor, die das äußere Gute bilden. <HG 7045>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 335 →
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