Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Daß die Erde verdorben heißt infolge von greulichen Selbstberedungen, und erfüllt mit Gewalttat infolge von schnöden Begierden, erhellt aus der Bedeutung des Wortes verderben und des Wortes Gewalttat. Im Wort wird nie ein Wort für das andere genommen, sondern beständig dasjenige gebraucht, welches eigentlich die Sache, von der es sich handelt, ausdrückt, und zwar so, daß aus den bloßen Wörtern, die gebraucht werden, sogleich erhellt, was im inneren Sinne bezeichnet wird, wie hier das Wort “verderben” und “Gewalttat”. Verderben wird gebraucht von dem, was dem Verstand angehört, wenn er verödet ist, Gewalttat von dem, was dem Willen angehört, wenn er verwüstet ist, somit verderben von Selbstberedungen und Gewalttat von Begierden. <HG 621, 622>
“Denn wir verderben diesen Ort”, daß dies bedeutet, daß der Zustand des Bösen, in dem sie waren, sie verdammte, erhellt aus dem Sinn von verderben, wenn es vom Herrn gesagt wird, sofern es in der inneren Bedeutung heißt, durch das Böse zugrunde gehen, d.h. verdammt werden; sodann aus der Bedeutung des Ortes, sofern er ist der Zustand des Bösen. Oftmals kommt im Worte vor, daß Jehovah verderbe, im inneren Sinn aber wird verstanden, daß der Mensch sich selbst verderbe, denn Jehovah oder der Herr verdirbt keinen, weil es aber scheint, als ob es von Jehovah oder vom Herrn komme, weil Er alles und jedes sieht und alles und jedes regiert, ist hin und wieder im Worte so gesprochen worden, zu dem Ende, daß die Menschen dadurch in der allgemeinsten Vorstellung gehalten werden sollen, daß alles unter den Augen des Herrn ist, und alles unter Seiner Leitung, und wenn sie zuerst in dieser Vorstellung gehalten werden, so können sie hernach leicht belehrt werden, denn die Erklärungen des Wortes nach seinem inneren Sinn, sind weiter nichts als das einzelne, das die allgemeine Vorstellung aufhellt. Der Grund ist auch, daß die, welche in keiner Liebe sind, in Furcht gehalten werden, und so den Herrn scheuen, und zu Ihm um der Befreiung willen fliehen möchten. Hieraus erhellt, daß es nichts schadet, wenn man dem Buchstabensinn glaubt, obschon der innere Sinn etwas anderes lehrt, nur soll es aus einfältigem Herzen geschehen. Die Engel sind, weil sie im inneren Sinne sind, so weit entfernt zu denken, daß Jehovah oder der Herr jemand verderbe, daß sie vielmehr nicht einmal die Vorstellung davon ertragen können. Wird daher dieses und ähnliches im Worte vom Menschen gelesen, so wird der Buchstabensinn gleichsam hinter den Rücken
geworfen, und geht zuletzt in den über, daß das Böse selbst es ist, was den Menschen verdirbt, und daß der Herr niemanden verdirbt. <HG 2395>
“Denn dein Volk hat sich verdorben” bedeutet, es habe sich ganz vom Göttlichen abwendet. Dies erhellt aus der Bedeutung von sich verderben, wenn vom Gottesdienst die Rede ist, sofern es heißt, sich vom Göttlichen abwenden; denn jede Verderbnis und Übertretung im Gottesdienst ist eine Entfernung und Abkehr vom Göttlichen. Weil gesagt wird Abkehr, so soll mit wenigen Worten gesagt werden, wie es sich mit dieser verhält: Die, welche in dem vom Inneren getrennten Äußeren sind, wenden sich alle vom Göttlichen ab, denn sie blicken auswärts und abwärts, und nicht einwärts und aufwärts. Der Mensch blickt nämlich einwärts oder aufwärts, wenn sein Inneres geöffnet ist, somit wenn dieses im Himmel ist; aber er blickt auswärts oder abwärts, wenn sein Inneres verschlossen, und nur das Äußere geöffnet ist, denn dieses ist in der Welt. Wenn daher das Äußere vom Inneren getrennt ist, so kann der Mensch nicht aufwärts gehoben werden; denn das, worauf der Himmel einwirken muß, ist nicht da, weil es verschlossen ist. Daher kommt es, daß alle Dinge des Himmels und der Kirche für solche Finsternis sind. Deshalb wird es auch nicht von ihnen geglaubt, sondern im Herzen geleugnet; von etlichen auch mit dem Mund. Wenn der Himmel beim Menschen einwirkt, was geschieht, wenn das Innere geöffnet ist, so führt er ihn von den Trieben der Selbst- und Weltliebe weg, und von dem daraus entspringenden Falschen; denn wenn das Innere erhoben wird, so wird auch das Äußere erhoben; alsdann wird nämlich dieses in gleicher Anschauung, weil in Unterordnung, erhalten. Wenn aber das Innere nicht erhoben werden kann, weil es verschlossen ist, dann sieht das Äußere nirgend andershin als auf sich und auf die Welt; denn die Triebe der Selbst- und Weltliebe führen das Regiment. Von diesem wird auch gesagt, daß es abwärts sehe, weil zur Hölle, denn dort regieren diese Triebe. Der Mensch aber, der in diesen lebt, steht in Genossenschaft mit denen, die dort sind, ohne daß er es weiß. Auch wendet er sich in Ansehung seines Inneren wirklich vom Herrn ab, denn er kehrt Ihm den Rücken, und sein Angesicht zur Hölle. Dies kann man beim Menschen, solange er in der Welt lebt, nicht sehen; weil aber sein Denken und Wollen dieses tun, so ist es sein Geist, der diese Richtung nimmt, denn der Geist ist es, der denkt und will im Menschen. Daß es so ist, zeigt sich augenscheinlich im anderen Leben; dort nehmen die Geister ihre Richtung gemäß ihren Liebestrieben. Die, welche den Herrn und den Nächsten lieben, sehen fortwährend auf den Herrn, ja, was merkwürdig ist, sie haben Ihn bei jeder Wendung ihres Leibes vor Angesicht; denn in der geistigen Welt ist keine Himmelsgegend, wie in der natürlichen Welt; sondern die Himmelsgegend wird von der Liebe eines jeden, die ihm die Richtung gibt, bestimmt. Die aber, die sich selbst und die Welt über alles lieben, wenden das Angesicht vom Herrn ab, und wenden sich zur Hölle, und hier ein jeder zu denen, die in gleicher Liebe mit ihnen sind, und zwar ebenfalls bei jeder Wendung ihres Leibes. <HG 10420>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 239 →
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