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Turm – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

Daß die Worte “laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen” bedeuten, sie wollten sich eine Lehre und einen Gottesdienst erdenken, kann erhellen aus der Bedeutung des Turmes, wovon im gleich Folgenden. Mit der Kirche hat es die Bewandtnis, daß wenn die Liebtätigkeit gegen den Nächsten zurücktritt, und an ihre Stelle die Selbstliebe tritt, die Glaubenslehre, soweit sie nicht zur Selbstverehrung gewendet werden kann, vernichtet ist, und auch im Gottesdienst nichts für heilig gehalten wird, außer um des Selbst willen, mithin nur sofern es Selbstverehrung ist: alle Selbstliebe bringt dies mit sich; denn wer sich mehr als andere liebt, der haßt nicht nur alle, die ihm nicht dienen, und ist ihnen nur günstig, wenn sie Knechte geworden sind, sondern er verrennt sich auch, soweit ihm Raum gelassen wird, sogar dahin, daß er sich über Gott erhebt. Daß die Selbstliebe von der Art ist, wenn ihr die Zügel gelassen werden, ist mir (Swedenborg) in lebendiger Weise gezeigt worden. Dies ist es, was durch Stadt und Turm bezeichnet wird. Die Selbstliebe, und alle Begierde aus ihr, ist das Allerunsauberste und Unheiligste, und ist das eigentlichst Höllische; hieraus kann jeder schließen, welcherlei der Gottesdienst ist, der inwendig dergleichen in sich hat. <HG 1304>

Daß der Turm die Selbstverehrung ist, erhellt aus der Bedeutung des Turmes. Selbstverehrung ist da, wenn der Mensch sich selbst so hoch über andere erhebt, daß er göttlich verehrt wird; daher denn die Selbstliebe, welche Hochmut und Stolz ist, genannt wird Hoheit, Erhabenheit, Erhebung und beschrieben wird durch alles, was hoch ist. Daß die Selbstliebe im Gottesdienst, oder die Selbstverehrung, ein Turm genannt wird, ist deswegen, weil die Stadt die Lehre bedeutet, und ehedem die Städte befestigt wurden mit Türmen, in denen Wächter waren; auch waren Türme an den Grenzen, daher sie Wachttürme genannt wurden, und Warttürme; außerdem auch, wenn die Kirche des Herrn verglichen wird einem Weinberg, so wird das, was zum Gottesdienst, dann zu dessen Erhaltung gehört, verglichen einer Kelter und einem Turm im Weinberg. <HG 1306>

“Und spannte sein Zelt auf jenseits des Turmes Eder” bedeutet das Inwendigere desselben. Dies erhellt aus der Bedeutung von “das Zelt aufspannen”, insofern es das Fortschreiten des Heiligen bezeichnet, hier gegen das Inwendigere hin. Aus der Bedeutung von “jenseits des Turmes”, insofern es bezeichnet gegen das Inwendigere hin; und aus der Bedeutung von “Eder”, insofern es die Beschaffenheit des Zustandes bezeichnet, nämlich des Fortschreitens des Heiligen gegen das Inwendigere hin. Jener Turm hatte von Alters her diese Bedeutung, aber weil er im Worte nicht weiter vorkommt außer bei Jos.15/21, kann es nicht, wie bei anderen Namen, aus den Parallelstellen begründet werden. Daß “jenseits des Turmes” bedeutet: gegen das Inwendigere hin, kommt daher, weil das Inwendigere durch Erhabenes und Hohes ausgedrückt wird, somit durch Berge, Hügel, Türme, Dächer der Häuser

und ähnlichem. Der Grund davon ist, weil das Inwendigere vor den Gemütern derer, die aus den natürlichen Dingen der Welt durch die äußeren Sinneswahrnehmungen ihre Vorstellungen bilden, als das Obere erscheint. Daß Türme das Inwendigere bedeuten, kann auch aus anderen Stellen im Worte erkannt werden. Das Inwendigere derer, die in der Selbst- und Weltliebe sind, somit auch das Falsche, aus dem sie kämpfen, und mit dem sie ihre Religion begründen, wird im entgegengesetzten Sinn ebenfalls durch Türme ausgedrückt. Gleichwohl aber wird auch das Gute und Wahre durch Hohes beschrieben, weil es im Himmel dem Höchsten, d.h. dem Herrn näher steht. Außerdem werden Türme im Worte vom Wahren gesagt, Berge hingegen vom Guten. <HG 4599>

Türpfosten (Türstock) “Und es an die beiden Türpfosten streichen, und an die Oberschwelle” bedeutet das Wahre und Gute des Natürlichen. Dies erhellt aus der Bedeutung der Türpfosten, insofern sie die Wahrheiten des Natürlichen bezeichnen; und aus der Bedeutung der Oberschwelle, insofern sie das Gute desselben bezeichnet. Daß die Pfosten und Oberschwelle solches bedeuten, kommt daher, weil durch das Haus der Mensch selbst, oder dessen Gemüt bezeichnet wird, und durch das, was der Türe angehört, solche Dinge, die zur Einführung dienen. Daß diese das natürlich Wahre und Gute sind, ist klar; denn der natürliche Mensch wird früher unterrichtet, als der vernünftige, und was der Mensch dann lernt, sind natürliche Dinge, denen allmählich Geistiges eingepflanzt wird, was inwendiger ist. Daraus erhellt, wie das Natürliche in Ansehung des Wahren und Guten zur Einführung dient. Überdies bedeuten Oberschwelle und Pfosten das gleiche, wie die Stirn und die Hand beim Menschen. Die Vorstellungen der Engel sind von der Art, daß sie das Natürliche auf solches beziehen, was dem Menschen angehört; der Grund ist, weil die geistige Welt oder der Himmel in der Gestalt des Menschen existiert und daher alle Dinge jener Welt, d.h. alles Geistige, das Wahres und Gutes ist, sich auf jene Form bezieht. Was am Ende mehrerer Kapitel, wo von den Entsprechungen die Rede ist, nachgewiesen wurde. Und weil das Natürliche in den Engelsvorstellungen zum Geistigen wird, so geschieht dies auch bei dem Hause, das für sie das Gemüt des Menschen bezeichnet, die Zimmer und Gemächer bedeuten das Innere des Gemütes, die Fenster, Türen, Pfosten und Türschwelle das Äußere des Gemütes, das einführt. Weil die Engelsvorstellungen eine solche Beschaffenheit haben, sind sie auch lebendig, und auf diese Weise werden die Dinge, die in der natürlichen Welt tote Gegenstände sind, zu lebendigen Gegenständen, wenn sie in die geistige Welt übergehen, denn alles Geistige ist lebendig, weil es vom Herrn ausgeht. Daß die Oberschwelle und die Pfosten im geistigen Sinn das natürlich Gute und Wahre bedeuten, durch das die Einführung zum Geistigen geschieht, erhellt aus der Beschreibung des neuen Tempels bei Hesekiel, durch den die geistige Kirche bezeichnet wird. Dort werden öfter Pfosten und Oberschwellen erwähnt, die auch gemessen wurden, was keineswegs geschehen wäre, wenn sie nicht auch etwas

der Kirche und dem Himmel Angehöriges, d.h. etwas Geistiges bedeuteten. <HG 7847> Siehe auch: Tür, HG 8989.

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 170 →

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