Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Daß durch die erbaute Stadt bezeichnet werde alles zur Lehre Gehörige oder Ketzerische, erhellt aus dem Wort, überall wo nur der Name einer Stadt vorkommt; es wird daselbst nirgends eine Stadt bezeichnet, sondern eine gewisse Lehre oder Irrlehre; denn was die Stadt und was irgendein Stadtname sei, wissen die Engel gar nicht; sie haben durchaus keine Vorstellung von einer Stadt, noch können sie eine solche haben, da sie in geistigen und himmlischen Ideen sind, sondern
sie werden nur inne, was dieselben bedeuten; wie denn unter der heiligen Stadt, die auch das heilige Jerusalem genannt wird, nichts anderes verstanden wird als das Reich des Herrn im ganzen oder in einem jeden, in dem das Reich des Herrn ist, im besonderen; unter der Stadt oder dem Berge Zions ebenso, unter diesem das Himmlische des Glaubens, unter jenem das Geistige des Glaubens; und das Himmlische und Geistige selbst wird auch beschrieben durch Städte, Paläste, Häuser, Mauern, Gründe der Mauern, Außenwerke, Tore, Riegel, und den Tempel in der Mitte. <HG 402>
Daß das Zelt für die himmlischen oder heiligen Dinge der Liebe im Wort genommen wird, hat seinen Grund darin, daß sie vor Alters in ihren Zelten den heiligen Gottesdienst verrichteten; als sie aber die Zelte durch unheiligen Dienst zu entweihen anfingen, da wurde die Stiftshütte und nachher der Tempel erbaut; was daher die Hütte und nachher der Tempel bezeichnete, das bezeichnen auch die Zelte. Ein heiliger Mensch wurde daher genannt ein Zelt, dann eine Hütte, wie auch ein Tempel des Herrn. Im höchsten Sinn ist der Herr in Ansehung Seines menschlichen Wesens Zelt, Hütte, Tempel; infolgedessen wurde jeder himmlische Mensch und somit auch alles Himmlische und Heilige so genannt, und weil die Älteste Kirche vom Herrn mehr als die folgenden geliebt war und dann weil sie unter sich allein oder in ihren Familien lebten, und einen so heiligen Gottesdienst in ihren Zelten feierten, darum sind die Zelte heiliger gehalten worden als der Tempel, der entweiht wurde. <HG 414>
Im Wort wird in vielen Stellen das Haus Gottes erwähnt, und im äußeren Sinn oder nach dem Buchstaben bedeutet es das Gebäude, in dem Gottesdienst gehalten wird, aber im inneren Sinn bedeutet es die Kirche, und in einem noch umfassenderen Sinn den Himmel, und im umfassendsten Sinn das gesamte Reich des Herrn; im höchsten Sinn aber den Herrn selbst in Ansehung des Göttlich-Menschlichen. Aber im Wort wird bald gesagt das Haus Gottes, bald der Tempel; beides bedeutet das gleiche, aber mit dem Unterschied, daß Haus Gottes gesagt wird, wo vom Guten die Rede ist, hingegen Tempel, wo vom Wahren. Hieraus wird klar, daß durch das Haus Gottes bezeichnet wird die himmlische Kirche des Herrn, und im umfassenderen Sinn der Himmel der himmlischen Engel, im umfassendsten das himmlische Reich des Herrn, und im höchsten Sinn der Herr in Ansehung des göttlich Guten; und daß durch Tempel bezeichnet wird die geistige Kirche des Herrn, und im umfassenderen Sinn der Himmel der geistigen Engel, im umfassendsten das Geistige Reich des Herrn, und im höchsten der Herr in Ansehung des göttlich Wahren. Daß das Haus Gottes bedeutet das Himmlische, welches ist Sache des Guten, und der Tempel das Geistige, welches ist Sache des Wahren, kommt daher, weil das Haus im Wort das Gute bedeutet, und weil es bei den Uralten aus Holz gebaut wurde, aus dem Grund, weil Holz das Gute bezeichnete. Der Tempel aber bedeutet das Wahre, weil er aus Steinen gebaut wurde. Daher kommt es, daß, wenn im Wort das Haus Gottes erwähnt wird, den Engeln
die Vorstellung des Guten begegnet, und zwar eines solchen Guten, wovon im Zusammenhang die Rede ist; und daß, wenn der Tempel erwähnt wird, die Vorstellung des Wahren begegnet, und zwar eines solchen Wahren, wovon im Zusammenhang die Rede ist. Hieraus kann man auch schließen, wie tief und gar verborgen die himmlischen Geheimnisse im Wort sind. <HG 3720>
Zwei Dinge waren es, durch die der Herr in Ansehung des Göttlich-Menschlichen vorgebildet wurde: der Tempel und der Altar. Aber der Altar war das Vorbild des Herrn in Ansehung Seines göttlich Guten, der Tempel aber in Ansehung Seines göttlich Wahren, somit in Ansehung des Himmels, denn das vom Herrn ausgehende göttlich Wahre bildet den Himmel. <HG 9714>
“Den Überwinder will Ich zum Pfeiler in Meines Gottes Tempel machen” bedeutet, daß die, welche beharren im göttlich Wahren, im Himmel sein werden. Dies erhellt aus der Bedeutung von überwinden, sofern es heißt, in der echten Neigung zum Wahren beharren; hier im Glauben aus der Liebtätigkeit, weil von diesem im Sendschreiben an den Engel dieser Gemeinde gehandelt wird. Aus der Bedeutung des Pfeilers, sofern er das unterstützende göttlich Wahre bezeichnet, und aus der Bedeutung des Tempels Gottes, sofern er im höchsten Sinn das Göttlich-Menschliche des Herrn bezeichnet und im bezüglichen Sinn das geistige Reich des Herrn, somit den Himmel, aus dem dieses Reich besteht. <EKO 219>
Der Tempel bedeutet im höchsten Sinn das Göttlich-Menschliche des Herrn und im bezüglichen Sinn den Himmel und weil den Himmel, so bedeutet er auch die Kirche, denn die Kirche ist der Himmel des Herrn auf Erden, und weil der Tempel den Himmel und die Kirche bedeutet, so bedeutet er auch das vom Herrn ausgehende göttlich Wahre. Der Grund ist, weil dieses den Himmel und die Kirche macht, denn die, welche dasselbe mit Seele und Herz, d.h. im Glauben und in der Liebe aufnehmen, bilden zusammen den Himmel und die Kirche. Weil der Tempel dies bedeutet, darum heißt er der Tempel Meines Gottes; unter Meinem Gott, wenn es von seiten des Herrn gesagt wird, ist der Himmel und das göttlich Wahre daselbst zu verstehen, welches auch der Herr im Himmel ist. <EKO 220>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 53 →
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